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Full text of "Walther von der Vogelweide: Philologische und historische Forschungen"

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NM 2,^1 "i 



VsW 



3BatJ|er wti der 3%e Wde. 



P^ilologifc^e unb ^iflonfc^e ;Sorrc^ungen 



pon • 



Äonta5 But^a^)» 



Igrftcr 5:i)ett. 




ücrlag t)on 2>un(fer & i$umb|loIt. 

idco. 



LIBRARY OF THE 
LELAND STANFORD JR. UNIVERSITY, 

a. 6-/S73 

^ae siedete tootbel^alten. 



ÄatI tad^mann 

5«m (S>et><l(|>tni^. 



^otwott 



S)ad SebenSBilb äBoUl^etd Don bet SSogeltoeibe, bad bie folgenben 
Sl&ttet etdffnet, ift fftt bie %Uitmmt S)eutfd§e %iosta))l§ie gef^rieben 
tootbcn unb im erfien $cft il^re» 41. SSanbeS («pril 1896) öetöffent- 
lt($t. 9lld 3icl Igatte td§ mir batin gefegt , bed Std^tetd Seben unb 
))oetifd§e (Sntloidluns mit fttensfiet Setoal^tuns bed l^iftotifd^en 
SSetlaufd fo Inapp unb fo gebt&ngt, ober aud^ fo anfd^aulid^ 
unb lebenbis old möstt($ au eta&l^len. Sabei foUte bad Setben 
unb SSa^]tn ber gelel^tten Sfotfd^uns flbet SBaltl^et in aUen 
))tinci))ieUen Momenten etfd§5))fenb bOTgefül^tt, lein fd^toebenbeS 
$toblem bon Sebeutuns betfd^Ietett luetben. Sid^ete ober iDenisfiend 
einleud^tenbe eigene neue (Sntbedungen obet Suffaffungen l^abe iä^, 
fotoeit ed bet Zon unb bet enge Stol^men bes genannten Sammel' 
totxU geftattete, ol^ne iBebenlen aufgenommen. SSoUft&nbigleit in 
bet iBetüdfid^tigung bet miffenfd^aftltd^en Sittetatut obet übet]gau))t 
itgenb ein btbliogta))]§tfd^eS Snteteffe bagegen lag mit fetn. 9lud^ 
bie „Uebetfld^t" am ©c^luS ftiet @. 118—122) toitt nut bie 
@tunbHnien füt bie @efd^id§te bet Wetl^oben ^itfitn unb nennt 
ftbetmiegenb teptäfentatiDe Seiftungen. Sin Stepettotium bet SBaltl^et« 
nttetatut looUte unb lonnte id§ nid^t liefetn. 

®(eid^ nad^ feinem (Stfd^einen foQte biefet SebenSabtig aQen 
gfteunben bed Sid^tetd sugänglid^ metben butd^ einen Sepatat* 
abbtudC. Unb um bei biefet @elegenl^eit nad^aul^olen, loaS fid^ am 
Orte bet etften SSetöffentlid^ung t^etboten l^atte, foQten xf^n btei 
Sicutfe unb eine gtögete Stetige ttitifd^et tt)ie e^egetifd^et Sin« 
metfungen begleiten. 



UßRARY OF THE 
LEUm STANFORD JR. UMVERSITf, 

a. 5"/ ? 73 

%Vit siedete ^otbel^aUen. 



ÄatI ta^mann 



Voxwoxt 



S)ad SebenSBUb SSalif^txi Don bet SSogeltoetbe, bad bie folgenben 
Sl&ttet erdffnet, ift fftt bie ^Kitmim S)eutf($e %iogta))]gie gef^rieben 
tootben unb im crfien $cft il^rcÄ 41. 8anbe8 («pril 1896) öeröffent- 
Ii($t. Sld 3ist ^<^tte id^ mir batin gefegt , bed Sid^tetS Seien unb 
))oetifd^e (Sntloidlung mit {Itensfiet Setoalgtuns bed l^iflotifd^en 
SSetlaufd fo Ina)))) unb fo gebt&ngt, aber aud^ fo anfd^aulid^ 
unb lefeenbio old mögtt($ au eraäl^len. Sabei foUte bad Serben 
unb aBad^fen ber geleierten Sfotfd^uns übet äBaltl^et in allen 
t^tincipiellen Momenten etfd^dt^fenb botgefül^tt, lein fd^mebenbed 
$tobIem bon Sebeutung betfd^leiett luetben. Std^ete ober loenigfiend 
einleud^tenbe eigene neue (Sntbedungen ober Suffaffungen l^abe id^, 
fotoeit ed ber Zon unb ber enge Stal^men beS genannten Sammel- 
toerte geftattete, olgne iBebenlen aufgenommen. SSoUftänbigleit in 
ber SSerfidEftd^tigung ber miffeufd^aftltd^en Sttteratur ober übeil^autit 
irgenb ein bibliograt^l^ifd^ed Sntereffe bagegen lag mir fern. Sud^ 
bie ,Ueberfld6t" am Sd^IuS ftier @. 118—122) toitt nur bie 
®runblinien für bie (Sefd^id^te ber Wetl^oben ^iefftn unb nennt 
übermiegenb re))räfentattt)e Seiftungen. Sin Stepertorium ber aBaltl^er« 
litteratur moKte unb lonnte id^ nid^t liefern. 

®(eide nad^ feinem erfd^etnen foUte biefer SebenSabrig allen 
gfreunben bed Sid^terS sugänglid^ merben burd^ einen Separat- 
abbrudC. Unb um bei biefer (Selegenl^eit nad^aul^olen, mad fid^ am 
Orte ber erften SSeröffentlid^ung verboten l^atte, foQten i^n brei 
(licurfe unb eine größere SHeil^e fritifd^er toie ejegetifd^er «n- 
merlungen begleiten. 



VIII Dorrport, 



S)et b ritte btefet Q|curfe entl^ielt eine neue äluffaffung t)on 
SBaltl^erS fogenannter Siegte, auf (Srunb einer Smenbation unb 
einer neuen äluSlegung beS SBerfeS 125 , 8 (nadg SadgmannS 
Ausgabe), bie i(^ feit bem ^al^re 1893 münblid^ ober brieflid^ 
gfreunben unb SSelannten gelegentlid^ mit^utl^eilen t^flegte, ol^ne bag 
idg nüd^ (i8 bal^in gebrungen gefül^It ^atte, fte an bie groge (Slode 
ber Oeffentlid^Ieit a^ l^ftngen. Slud^ in bem an lalonifd^e Zl^at- 
fäd^lid^feit gebunbenen Sejt ber 31. S). 35. fd^ien mir felBft eine 
älnbeutung meines gfunbeS entbel^rlid^ ^u fein, ofigleid^ id^ bafelbft 
baS ®ebi(^t atoei 9Ral eingel^enb erörterte unb tro|bem mir, toaS 
ainfangS Blog ein glüdClid^er, toenn aud^ üfieraeugenber (SinfaU ge* 
mefen toar, ftd^ nun au bem notl^toenbigen 6rge(nig aufammen- 
l^ängenber metl^obifd^er S^egefe bed poetifd^en Aunfimer!^ 
entmidCelt l^atte. 

S)er anleite S^curd galt SQBattl^erd 93eaie]^ungen aum 
tiiertenAreuaaug, bie ftdg auerfi im Bufc^^nnienl^ang mit einer 
neuen 3ntert)retation unb Satirung beS @))rud^8 Nu wachet uns 
g§t zuo der tac (21 , 25) unb mit einer fd^ftrferen 99eleud^tung 
unb fSfijirung ber fatirifd^en SlHegorie ttom ©t^ießbraten (17, 11, 
f. 31. ®. ». 41, 58 f. 64 ff., unten ©. 49 ff. 62 ff.) in i^rer 
ganaen Sauer unb Sebeutung mir ent^üQt l^atten, unb fudgte bie 
Wotiüe ber t)ielumftrittenen Unternel^mung gegen S^a^na in ber 
atoingenben ^ad^t ber SSorfteUungen t)om äßeltimferium bed 
beutfd^en AönigS. 3ludg bie 6r!(ftrung biefer Beiben @))rüd§e 
l^atte id^ nur mit 93eben!en in bie SarfieUung ber 31. S). S. tier* 
mebt, bie bed St^rud^d t)on 1201 fogar erft m&l^renb ber (Sorrectur 
eingefdgaltet : bie rein l^iftorifd^e Zragtoeite ber meines (Srad^tenS 
gefid^erten Kombination l^atte midg am ßnbe baau Betoogen. Sie« 
ienigen ^iftoriler, toeldge fo frei tion Sfad§]§od§mutl§ ftnb, bag fte 
biefen gforfd^ungen eined ^l^ilologen folgen, toerben fofort bemerfen, 
bai äBaltl^erS Sprudg 21, 25 bie 3eit ber 3lgitation fflr ben 
Areuaaug am ^ofe $l§tlippS, bie in ben gefd§id§tlid^en OueUen unllar 
bleibt, fel§r toiUfommen inS Sid^t ftettt unb mit anberen Hilfsmitteln 
getoonnene SBermutl^ungen befifttigt. 

Ser erfte (SicurS enblid^ foUte eine neue ßrllftrung beS 



Dorrport. IX 

^toeiten Steid^Mf^ud^d Ich hörte ein wazzer diezen (8, 28) be« 
flrfinben, auf bie td^ im Serlauf bcr arbeit an bem ärtifel ber 
allgemeinen Seutfd^en $iograt)]^ie gelommen mar unb bie bereite 
bie SSoraudfe^ung bUbete für bie bort (9b. 41, @. 56, unten 
@. 44 f.) audgefprod^ene , bon ber l^ergebrad^ten abmeid^enbe 
Satirung^ fomie für bie gleid^faUd neue unb fotgenreid^e 93e* 
ftimmung feineg erflen $ub(tcumg. Wit 9iüdEftdgt auf ben 
Sl^aratter ber allgemeinen Seutfd^en 9iograt)]^ie, ber meit aud« 
l^olenbe mtffenfd^aftlid^e argumentattonen fern bleiben mußten, 
unterlieg id§ an btefer @teQe bie eingel^enbere Segrünbung, um fo 
mel^r aU id^ ben augemeffenen ätaum bereite ol^nebteg rütfftd^tdlod 
überfc^ritten l^atte unb iebe nod^malige umf&nglidgere ßinfd^altung 
ben f^ortgang beS Srutfd in un)ulftfftger SBeife aufgel^alten f)&iU. 
Sedl^alb begnügte id^ mid^ bamtt, ben Aernt^untt meiner auf» 
faffung, ben (Sebanlen beS bon (Sott eingefe^ten !aiferlid^en 
äBeltimperium^ im @egenfa^ au ben frül^eren (Srfl&rern 
biefeS Sprud^S, bie aQe immer blog an bie einfädle ^ folgenlofe 
äBal^l aum Aönig gebadet l^atten, l^inlftngtid^ beaeid^net ^ gul^aben. 



^ S)aS genaue Saturn ber ©ntftel^ung: ;reinige SBod^en na d^ bem 
Otto jum ^önig procUmirt worben war'' b. 1^. einige äßod^en nad^ bem 
9. Suni (alfo @nbe Suni) ^atte fid^ mir an ©teUe meiner frül^eren an« 
na§me „nac§ ber Krönung Dttoö* (b. 1^. nad^ bem 12. 3uli) erft wä^rcnb 
bes JDrutfö (gebruar— aWärj 1896) aufgebrängt unb war »on mir erft burdj 
eine aenberung hti ber ßorrectur eingefül^rt roorben. ®8 folgte aug bcr 
bamalg aUmäl^lid^ in mir aur feften Ueberjeugung erftar!enben anfid^t oon 
aOßalt^cr« Serl^ältnife aum ftaufifd^en Smperialigmuä bcr Steid^sbienftmanncn 
unb ber SRcic^Sfanjlei unb oon feiner Ueberfeftung beä auöbrudä reges 
provinciales ober reguli, worüber unten (©. 171 ff. 187 ff. 190 ff.). 

* „Xa^ Seben bcr 3Kenfd^en . . . bcbarf beS feften einige itlid^en 
Sflegimentä. ^uv ber Äaifer iann mit ftarfem arm biefcä ©l^aoS be* 
l^errfd^en". Sorl^er: »Wnb biefen . . . politifd^en fHaif) ertl^eilt er . . . 
als not§n)enbigeg ©rgebni^ einer finnenben ^Betrachtung be3 SBeltlauf ä." 
„Unb tief finnig nimmt er auc^ ben eroigen Äampf alS einen 3^§eil beö oon 
&ott gemoUtcn äOeltplanS ^in." ^amit ift bereits l^ingebeutct auf bie 
eigent^ümlid^e ^^l^eorie beS Imperium, weld^c bie ^leid^dpartei , oor aUcm 
bie ftaüfifd^en reid^Streuen ©ifd^öfc unb SfJeid^öl^ofbeamten Regten im ©egen« 
faft 8u ber auguftinifc§»®regorianifd^en Seigre, bag bie ©ewalt ber roeltlid^en 



X Donoort. 

Sei ber ^errid^tung beS Set^atatbtudCd lie^ id^ gleid^faUd bie Sar- 
jleHunfl unbcränbctt, toett \ä^ mid^ einet Jcbett tiefer in ba8 Snnere 
gteifenben ^ntaftung beS SebenSabriffed flreng entl^alten unb feinen 
utf))rünglid^en ßl^araltet, bet il^m gfreunbe getoonnen l^atte^ auf 
leinen gfc^Q i>urd§ eingelegte Sigteffionen betmifd^en tooUte. SUe 
näl^ete Äufllfttung betfl^atte id^ ballet für ben erflen bet anju- 
l^&ngenben ßjcutfe, bet je^t aö „atoeite Untetfuc^ung" (®. 135 
m 260) auftritt. 

3m S^ül^ting beS ^al^ted 1896 ftanb bie äludgabe bet 
geplanten $u6Ucation nad^ menfd^Iid^em Qtmeffen nal^e bebot: 
9Ritte Sfebtuat toat atoifd^en bet SSetlagSbud^l^anblung unb mit bie 
SepatatauSgabe bet Siogtap^ie, Anfang ^Rätj bie Seigabe bet 
(Sjcutfe unb Selege beteinbatt tootben, gegen 6nbe TOai wat ber 
Sepotatabaug be» SebenöbilbeS (@. 1—122) im ©a| — unb beS« 
l^alb aud^ in ber ®d&reibung — - ber allgemeinen Seutfd^en 
Siograpl^ie mit ben notl^tDenbigen, lebigtidb ftugerlid^en 3(enberungen 
beenbet unb lag bon ben erflen fteben Sogen bereite ber fertige 
SleinbrudE bor. (SS lonnte bal^er bie Seröffentlid^ung beS ®anaen 
auf ben ^erbft beSfelben ^al^red bertragSmftgig feftgefe^t unb audg 
bffentlidg angelünbigt toerben^ ^Qein aunftdgft l^inberte midg eine 
Störung meiner (Sefunbl^eit, bad Wanufcript meinem Serfpred^en 
gemftg im Saufe bed SommerS ab^ufd^Iie^en. Sann brad^ten 
anbere, tl^eilmeife ältere miffenfd^aftlid^e Aufgaben, benen id^ midg 
nid^t entaiel^en lonnte, fortgefe^te äußere Hemmungen ber älrbeit. 
Unb enblid^ toud^d biefe felbft^ xotnn aud^ nur mit Unterbred^ungen 
fprungl^aft gepflegt, unter bem ßinflufe ber uniüerfeHeren %n' 
fd^auung, bie id^ üon bem 3^^t "wb ber TOetl&obe mittelalter» 
lid^er^l^ilologie je länger je me^r gett)onnen l^atte, unauf> 
l^brlid^ in bie Ziefe unb Sreite , unb bad Material für bie brei 



iperrfd^er »om S^eufel ober toenigftenS auS meufd^Iid^er UnooUfommenl^eit 
ftamme: baS ^lä^ere l^ierüber, inSbefonbere über bie 2luffaffung Qnnocenj* HI. 
bringt bie britte Unterfud^ung, bie ben sioeiten 3^l^eil eröffnet. 

* a)ocl^ beruht bie S^totia über bie ©eparatauägabe im Sabreöberid^t 
für germanifc^e ^J^ilologie (1896) 18, @. 256 5«r. 179, bie fogar fd^on 
ben SJcrfauföprciS feftfe^t, auf rät§fe(§after Snfpitation. 



VovxDovt. XI 

(Sscurfe fd^tooQ au einem Umfang, ben nur eine ganae Stetige 
felbftänbiger unb audfül^tliciget älbl^anblungen betoältigen lonnten. 

Witten in ber angeftrengten SSefd^&ftigung mit loeit abliegenben 
anbeten Sotf (^^ungen , auf einet toiffenft^aftlid^en Steife, 
bie i(% im ©etbfl 1897 angettetcn l^atte, um ^nx gfottfül^tung 
meinet Stubien übet ben Utft^tung bet neul^od^beutfd^en 
Sd^tiftf))tad^e unb bie SSotgefd^id^te bet beutfd^en 
»enaiffance in ben Sibliotl^efen unb «td^tben Sd^lefienÄ, 
Sai^mend, SRäl^tenS, CefteneidgS neued l^anbfdgtiftlidgeS ^Ratetiat 
au fammeln, fagte \6^, ba idg bie ®ebulb bet SSetlagSbud^l^anblung 
nid^t länget auf bie $tobe fletten butfte, 3Jlitte 3anuat 1899 in 
SBien ben fd^toeten (Sntfd^Iug, bie mitgefftl^tten ^Ratetialien enb» 
lidg, lofte ed tt)ad ed moUe, btudCfettig au mad^en. 

3n bet !na))f eu S^xi, bie mit nad^ etmübenbet Stbeit in bet 
^ofbibliotl^el unb im ^auS«, $of- unb StaatSatd^ib bie 9lad^- 
mittage unb Sbenbe nod^ l^etgaben, fd^titt id^ and aEBeil. S)ad in 
SBien begonnene toutbe bann aud^ in Italien fottgefe^t. 3n 
Neapel begann id& bie beflnitibc 5liebetfd&tift bet etften Untet- 
fud^ung, unb im Saufe bed 9lt)titö 1899 gelang e8 mit in 91 om, 
too id^ ben aud Sadismen, Wälzten, Sdgleften getaubten $anb« 
fd^tiften bet Sibliotl^el Sl^tiftinend bon Sd^toeben in bet äSaticana 
nad^ft)fitte, untet ^iluf bietung aQet Jhftfte, einen fo umfänglid^en 
Zl^eil beS WanufctiptS abauf daliegen, bag im Wai 1899 bet SrudE 
anfangen unb langfam btd ßnbe ^uni fottgel^en, bann im Sluguft, 
mftl^tenb id^ nun in StodEl^oIm bie Sud^e nad§ ben beutfd^en 
93eflanbt]^ei(en bet Sammlung bet Südgetlbnigin fottfe^te, miebet 
aufgenommen metben {onnte. 3lbetmal8 loutbe eine $aufe nbtl^ig 
butdg meinen längeren älufentl^alt in $atid, bet bem Stubium bet 
Sobiced $ettatcad unb bet Winiatutl^anbfdgtiften bet ftanaöftfd^en 
Aönige biente, unb etft nadgbem id^ bon bott l^eimgelel^tt tt)at, 
toutbe bet StudC in ^aUe toäl^tenb bed 9lobembetd unb Secembetd 
1899 bid aum fiebael^nten SSogen gefbtbett. 

9lad& aOen biefen Stoifc^enfäUen benu|e id§ ben nun eneid^ten 
etften ,&altet>unlt, um bie feit mel^t aK biet Saluten im 



XII Voxwoxt 

Srud tJoUenbrten £^eile meinet Sudgd enblidg aud bem bunleln 
Uitxlxt^ bet Sagenäume }u etl5fen unb aunftd^fl loenigftenS fte tote 
bie im Stud fo ungemül^nlid^ l^ingefdglepf teti erften betben Untet- 
fud^ungen au8 bem fatalen ^albbafein in bie boUe (S^iftena au 
füllten. 3m Qinbetftänbnig mit bet geeierten SSetlagSbud^^anblung 
lege id^ batum bie etfie ^ftlfte meinem äßerld fdgon je^t bot, ol^ne 
ben Sdglu^tl^eil, beffen ßtfd^einen id^ abet big aunt 9lblauf beS ^al^teS 
in ftd^ete äluSfic^t fleOen lann. 

f^afl aOed mag im botliegenben etften mie im batb nad^folgenben 
atoeiten I^cil meine» äBetfS au bem beteitS belannten „ßebenSbilb" 
neu l^inauttitt, l^at feine beflnitibe ®eftalt untet augergetoöl^nlid^en 
@d^toietigIeiten getoonnen. 2)ie8 rnoUe man bei ber ^euttl^eilung 
biQig im ^uge bel^alten. Q\x ^aufe gemol^nt, in einet eigenen 
gto^en Sibltotl^e! au fd^alten unb au8 einet mo^l audgeftatteten 
UnibetfitätSbibliotl^e! Sani il^ten l^ilfdbeteiten, liebenSmütbigen Se« 
amten jebetaeit nad^ freiem Selieben au fd^5t)fen, l^atte id^ auf bet 
Steife, im auSlänbifd^m ^otet aut ^anb nur ben toinaigen ^ilfd- 
a))))atat meniger IBüd^et, unb für bie Stbeit flanb au8fd^lie|li(^ bie 
bon 9led^t8megen ber (Stl^olung gebül^renbe S^it aut SSetfflgung, bie 
nad^ bet abft)annenben Zl^fttigteit anl^altenben unb maffenl^aften 
SefenS, 6ot)itenS unb ßoQationirend bon betfd^iebenatttigen ^anb-^ 
fdgtiften unb Utlunben fotüie bed aufmerifamen @tubiumd unb Se« 
fd^teibenS bon Winiatuten nod^ übtig blieb. 

3n biefet Sage baS gegenloättige 93ud§ au boQenben m&te tto| 
meinet bettäd§tUd§en älteren ^atetialfammlungen unb 93orarbeiten 
unbenlbar gemefen, l^ätte mit nid§t aUerorten rül^mlid^fle ©efdöig- 
!eit freunblid^et Reifer bie bequeme 9enu|ung ber geleierten öffent» 
lid^en unb SnflitutSfammlungen ermöglid^t. 

gfür 3Bien gilt mein S)anl borab ben Seamten bed I. unb {. 
©au8% ©of- unb ©taat8ard6iü8, bet f. !. UniberfltätSbibliotl^e!, ber 
I. unb I. ^ofbibliotl^el unb befonberd bem Sirector bed 3n[titutg ffir 
dfterreid^ifdge (üefdgidgte, ^errn $rofeffor ^iH^lbad^er, ber mir 
erlaubte, bie erlefene SSüd^erfammlung biefer mufierl^aft eingerid^teten 
unb geleiteten geleierten Slnftalt, ber tool^l granlreic^ feine borbilb- 
lid^e £cole des chartes, aber Seutfd^lanb nid^td äteieulid^ed aur 



DortDort, XIII 

Seite feiert lann, in aHer aSequemlid^teit ju conjultiten. 3n 
®taa gefiattete mit bie (Bflte bed Sotftanbd bet boitigen Uni- 
tietflt&tdbibliotl^el unb inSbefonbete baS Qufo))feTnbe Sntgegenlommen 
il^ted Scti))tot8, beS ^etrn gf^^binanb Qidglet, auf bet 
Sutdgreife toftl^renb eined audgebel^nten SSotmittagd augetl^alb ber 
ffiienftflunben tterfd^iebcne gitate au e|cetpiteti. 9Iud^ in Som 
wutbe für meine ©ebürfntffe, fo gut ed bei bet bottigen Setfplitte- 
tung bet Südbetbonät^e nur m5glid^ toat, toftl^tenb meinet biettel» 
iäl^tigen Slufentl^altä gefotgt. Slufier ben beibcn großen öffentli(i6en 
Sibliotl^elett (Vittorio Emanuele unb Casanateose) , bie fteilid^ 
mand^ed bet geto51^nli($ften ^anbbüd^et entbel^ten, fleUten mir ,^ett 
Sectiondd^ef Zl^eobot bon SidCel bie Sttd^erfammlung bed 
öfteneid^ifd^en l^ifiotifd^en 3nfiitut8, ^ett ^tofeffot Stieben»- 
butg bie beÄ iJteufeifd&en ^ifiotifd^en unb ,&ett $tpfeffot ^etetfen 
bie bed beutfdgen atd^äologifc^en ^nflituts aut Setfügung. Saneben 
lam mit bie ttefflid^ audgeftattete Biblioteca di consoltazione beS 
IBaticand butd^ bie SiebenStoütbigleit be» ^täfecten bet äSaticana, 
beS ]^od^tt)ütbigen ^ettn $atet ßl^tle, unb beS Wonfignote 
Ugolini au ®ute. S)ie lanbgmftnnifd^e @efdUigteit bed ßtfteten 
tietfotgte mid^ aud^ mit einaelnen SBetfen aud bet lunfll^iftotifd^en 
^anbbibliotl^ef bet SBaticanifd^en Wufeen. Slugetbem l^alfen mit 
getegentlid^ mit lunftl^iftotifd^en Sdgtiften aud bie SSibliotl^el bed 
beutfdgen Campo Santo Sani bet gf^eunblid^!eit bed «^ettn 
Dr. Aitfd^ unb bie bet £cole frangaise de Borne butd^ SSet« 
mittlung il^te« 5Jlitglieb8, beö ^ettn Dr. S)6ptea. 

Umftftnblid^ unb a^ittaubenb loaten aOetbingd bie l^ftuftgen 
^ttfal^tten bon einet aut anbetn QueUe. ^bet löftlid^ bod^ aud^ 
biefe Sutd^Iteuaungen bet etoigen Stabt au SfuB obtx au SQBagen, 
bei bem loed^felnben Sidgt bed aufglfil^enben ^xminifi, to&l^tenb 
bet betfd^iebenen Sage^aeiten, beten jebe ein anbete« giom fd^afftl 
^Umittüglidg fafl, loenn bie ältbeitSftunben in bet Saticana ab» 
gelaufen toaten, ^o^ id^ bon Sanct $etet übet bie (SngeföbtüdEe 
butd^ bad (Saffengetoitt bed Unlen Zibetufetd, ben einftigen Campas 
Martins, ben Aetn be8 mittetaltetlid^en 9lom, nad^ bem alten 



XIV DorrPort. 

S)ominicanetcont)ent della Minerva unb bem Collegio Romano, ben 
St^en bet beiben genannten großen 5ffentlid^en Säibliotl^elen , um 
bort für ben 9lad^mtttag ober nftdgften Zag bie nöt^ige gfou^age 
au fud^en unb im Sefefaal referbtren su laffen. SBie oft anä^ bin 
id^ bann micber tion ber gemütl^tid^en Via della Croce am Sorfo 
im fogenannten gfrembentiiertel , bad burd^ (Boeti^ed SBol^nung ge« 
toetl^t tfl, aug bem ^etm bed öflerietd^fc^en ^nftitutd. bon Slorb 
nad§ @üb ber $au))tDerfe]^rSaber beS mobernen 9lom folgenb, ge= 
manbert au bem Monte Caprino, ber Sflbfeite beS ßapitolintfd^en 
^ügete, neben bem Zart^eifdgen greifen, loo, mit meitem 3lu8b(idE 
auf ben $alatin unb bie ßampagna unb über bie (Krümmung beS 
Ziberd a^m Slbentin, ftd^ baS beutft^e ard^äologifd^e 2[nftitut an» 
geftebelt l^at. £)l^ne bie l^ier bereinigten auSgeaeid^neten 93eftftnbe 
an 3^itfc6riften, ^ublicationen geleierter SefeQf^aften unb Sammel« 
toerfen toie a- %• ben faft boUftänbig borl^anbenen Monumenta Ger- 
maniae^ ol^ne bie l^ier bertretenenaal^lreidgen lunft^iftorifc^en Sd^riften 
unb großen OueQenmetle l^fttte ic^ tteber bie atoeite Untetfud^ung 
nod§ in ber ben a^^i^-^n Zl^eil biefeg SudgS eröffnenben britten, bie 
ber fogenannten (Slegie SEBaltl^erd gemibmet ift, ben (S^curS über 
bie Songinudfage aum Slbfd^lug bringen lönnen. ^n nid^t gana 
menigen gf^Uen freilidg fül^rten alle biefe füllen Pilgerfahrten unb 
aud^ toeitere Umfragen bei ben übrigen a^^Iteic^en SSibliotl^elen 
9tomd nid^t aum3i^t: mand^eS gana befannte 93ude aar bort eben 
nic^t au befd^affen. So l^abe id^ beift)ietttoeife für bie Sumerlung 
auf @. 168 bie beutfd^e 3ludgabe bon (SaSfar^S ©efd^id^te bet 
italienifd^en Sitteratur erft im 3uli wälörenb meines Slufentl^altS 
in glorena iu ber bortigen Biblioteca nazionale, beten Sorflanb 
unb SSeamten id^ megen il^rer l^erageminnenben Sieben^mürbigfeit 
unb ®efftaigleit nid^t genug rül^men lann , bie SluSgabe Peire 



^ ©citfamerioeife fel&Ien ftc bem preufiifd^en §iftorifd^en Snftitut beinol^e 
gana unb ftnb im öfterreid^ifd^en nur burd^ oereinaelte ^önbe, aud^ in ber 
©anbbtbliotl^cf beS SJaticanö nid^t in allen Serien oertreten, im Sefef aal 
ber Bibl. Vittorio Emanuele aber nur in ber Stcil^e ber alten Leges unb 
ber Scriptores auSgeftettt. 



Voxwovi. XV 



Vidals boti 93attfd§ aber etft auf ber ft5nigltd^en Sibltotl^el in 
Stodl^olm einfel^en lönnen. 3n bet ,^au))t{labt Sd^toebend etft 
tft bte Srörtetung übet bie Sted^tdfrage bet etfteit ftamgSmal^l 
^l^Uippd unb bie unmittelbare poUtijd^e S^enbenj bed stoeiten 
Keic^dffrudgd (@. 225—258) enbgüUig rebigirt unb in biefer 
(8efiatt todl^renb ber gonectur eingef (galtet toorben: aud^ baS 
märe nid^t tl^unlid^ getüefen ol^ne baS l^tlfdbereite entgegen« 
lommen ber 93eamten ber StodCl^oImer Aöniglid^en SSibliotl^el. 
@nbltc^ in Upfala jtnb mel^rere ber umfänglid^en Setrad^tungen 
beS Slnl^angS unb ber grbgte Z^eil ber nod^ audftel^enben britten 
Unterfud^ung abgefd^Ioffen morben: aud^ bied mar nur mbglid^ 
burd^ bie tertrauendüoQe Siberalttät, bie mir l^ierbei mie bei meiner 
bortigen Hauptaufgabe, ber Sud^e nadg «^anbfd^riften auS Sbl^men, 
@d^leflen, W&l^ren, ßrmlanb unb $ofen ber 3)irector ber el^r» 
milrbigen Carolina Rediviva ^eir glaed ^nnerftebt bemiefen 
unb gana befonberS burd^ bie mal^rl^aft freunbfd^aftlid^e Cpfer* 
ttiHigteit, mit ber fein gleic^gefinnter SSibliotl^efar ^err äjel 
SlnberSfon auf bad l^ingebenbfie mid^ gefbrbert l^at. 

Surd^blftttere id^ bad m&l^renb biefer Cb^ffee l^erangemad^fene 
Sruämanufcript beS gegenmdrtigen 93ud§8; fo mutl^et eS in feiner 
Suntl^eit unb SBielgeftaltigleit mid^ faft mie eine ^ufterlarte 
europäifd^er ßonceptpapiere an: neben bem beutfd^en mit gelblid^em 
Zon baS grünlid^-graue gefaferte Ofterreidgifd^e, bad Ileinformatige, 
meige italienifd^e, enblidg baS citronenfarbene fd^mebifdge 1 9[ber idg 
l^offe: tro| biefer äußeren Suntfd&edtigfeit mirb bem SBerfe, beffcn 
erfter Z^eil fid^ nun enblid^ an bad Sid^t magt, eine ed^te unb fefie 
Sfarbe^ bor aUem bie innere ßinl^eit nid^t f eitlen. 

äßeitauS baS Reifte bat)on fanb feine le^te gform in 9tad^' 
mittagen, Sbenben unb aumeilen aud^ 9läd^ten bed aauberl^aften 
römifd^en fjfrfll^fommerg, beffen füßer Duft au8 ben ®ärten be8 
Vlonte pncio, ber SSiQa Sorgl^efe, ber Safa Aurora unb beS gon- 
öentä ©an Sfiboro mir bei ber Slrbeit belebenb in« 3immer brang. 
äßeit fd^eint Pon l^ier au8 ber SBeg bid au bem mittell^odg- 
beutfd^en Sid^ter. Unb meit ber 9lbftanb ^toi^ä^tn ben 3*^^«/ 
bie mir als Sicraigiäl^rigem im ©d^atten tjon ©anct ipeter twr 



XVI Vovwovt 

aiuflcn flonben, unb bcm cxficn 8}crfud§, bcn id§, ein Swanjigiä^rigct, 
in Setpj^ig ber inneten ®ffc^i($te bed Winnefangg tüibmete. aber 
baS fd&einbat uncrmefetid^ gctne liegt einanber n&l^er aö man 
benit, unb übet bie breite Ätuft »ölbt ftd^ eine fc|ie Srüie. 

äBol^I l^at SBattl^et niemals ben ^opfl unb feine Aitd^e auf 
beut Satetan, niematö baS bamald ein l^albeS ^al^rl^unbett alte 
Novam palatiam bed [täbtifc^en ©enatS auf bem ßat^itol mit 
eigenen «ugen gefd^aut: toeber ben ©ij be» l^ietard^ifd^en 3mperium, 
no($ ben 9ludgangd))unlt bet nationalen unb bürgerlidgen 9let)olution, 
bie in ben folgenben Sal^tl^unberten immer ft&rler bie 2Belt 
erfd^ütterte. Bir muffen bad folgern au8 Sl^omaflnä SSormurf 
gegen bie $at)ftft)rü(^e beS ^al^ted 1212 unb 1213 (äBelfd^er @afl 
93. 11119): der in nie gesach spricht über al daz im der bäbst 
nicht wol gevall. 9lber bie potitifd^en unb religiöfen (Behalten, 
meldte au8 bem Zentrum 9lom unb aud gana Stalien im enbenben 
5to5tften unb beginnenben brei^e^nten ^al^rl^unbert gegen bad 
beutfd^e Aaifertl^um unb baS beutfd^e 9ieid^ lo&ftürmten unb bann 
bod^ immer toieber ^aifert^um unb 9ietd^ für fid^ au benu^en ftrebten, 
^at SBaltl^er emt)funben unb i^nen gegenüber iap]ex ben beutfdg« 
faiferlidgen @tanb))un{t t)erfoc^ten. Sfl ed nid^t bebeutungdt)oll, 
bafe bie einaige Stimme eine« B^tgcnoffen, bie über ben fad§- 
lid^en gnl^alt feiner tjolitifd^en 5poefie fid^ ernft^aft äußert, au8 bem 
9Runbe eines StalienerS lommt, eben beSSBelfc^en ®afted, 
be8 griaulifd^en Soml^errn unb 9Rinifleriolen Tomasino di Cerchiari? 
9ud beffen SBiberf))rudg tt)ie auS beffen $ett)unberung l^öre id^ 
gleidgerma^en nid^t blog ben cortecten ^riftolraten , ben gebilbeten 
aßeltgelftlidgen , ben genugfrol^en SebenSfünitler unb magt)oIlen 
Dp))ortuniften l^eraud, fonbern ben beleibigten unb empörten 
Stalten er. Siefem öor allem waren bie Sonnertoorte beS 
beutfc^en Sidgterd toiber ben päpftlic^en JKrd^enftod ein ®reuel, 
meil barin bie SJerad^tung beS italienifd&en Solfö, ber Walhen 
(34, 5), emporloberte unb ber ^opft fo bitter at8 ein arg- 
liftiger SBelfd^er l^tngeftettt tt)irb, ber Seutfd^lanb l^affe unb 
ed üerberben moQe. 



Voxwott XVII 



Sßaltl^eid Sfi^ud^bidgtung ift bte gtogaitigfle ))oettf($e @e> 
ftaltung beg gtganttfdgen Ramp]t^ atoif($en bem gl^tbeUinifd^en 
2[mt)ettaligmu3 au? beutfd^er unb bem f&Pftttd^en Sm))ettQltdmug 
auf italienifd^cr ©runblaflc. SetSob^cintid^S VI., bed toal^ten 
äBeltfaifeid, bed im))ofanteflen aUet beutfd^en ^txx]ä^tx, unb bag 
üierte Satetantfd^e Sonctl, ber Stiump^ bet jfät^flUd^en Uni- 
oexfal^mfd^aft, ber Steg beS m&d^tigften aUet ^äpfle — bad ftnb bte 
ftd^tbaten toettgef($t(^tltd§en %at!fteine, innerhalb beten SBalt^eiS 
Seben unb Sichten feine SSlütl^e unb Keife erlangt. SQBer auger 
il^m l^fttte ben $uUfc^lag biefer melibemegenben (Segenfä^e, 
blefer toeltf ormenben Äämjjfe , batin 3J^ittt)p, Dito, griebric^, bie 
itüntge t)on gftanlreid^, ßnglanb, Sänemarl unb ännocena, $onoriu9, 
@regor mit einanber rangen aU xo&xtn fie puppen , bie bon un= 
toiberftel^lid^en S)ftmonen an Städten gelentt tnürben, in feiner 
Std^tung aufgefangen? SBte oeiftnten baneben aQe poUtifc^en 
@irt)ented ber probengalifd^en £roubabourd mit il^xer @tU(oftgIeit, 
il^xer erl^i^ten St^etcril unb SSertoorrenl^eit ! 3Bie treten gegen bte 
@efd^(offen^eit unb SBuc^t, gegen bie $Iaftil unb bramatifc^e 93e> 
megung feiner @prüd^e felbft bie genialen poetifc^en $amp]^(ete ber 
SSaganten aurüd! Sr aQein l^at ben grö|ten meltgefdgid^tlic^en 
Stoff gana mit !ünft(erifc^er gfrei^eit, gan^ aud bem lebenbigen 
älugenbliä, gana aud fetner ^erfönlid^Ieit unb gana auS bem 
nationalen @efü^l aut ftärfften 9Bir!ung auf Saufenbe geftaltet, 
bte auc^ ber italienifdge (Segner mibern^iUig anerfennen mugte. 
SBe(($em anbern poUtifdgen Sid^ter ber äßett liege jtd^ @Uiä^e% 
nad^rül^men? 

^ud^ unfer geliebter l^errlid^er gfreunb l^ätte inbeffen nid§t 
t)ermod^t, biefe $ö^e au erflimmen, märe er nid^t bem Zentrum 
ber 9letd^Spolitif unb bamit aud^ ber SBeltpoIitil nal^e gemefen. 
3d^ ne^me ed ald ein g^auptberbienft ber folgenben S3(ätter für 
mid^ in ^nfprud^, SBaltl^erg unmittelbare 93eaie]^ung au ben ®e« 
banlen, meldte bie Seiter ber ftauftfd^en Steid^Slanalei, ber $of- 
lanaler Jtonrab t)on Querfurt, 99ifd^of bon «^tlbedl^eim unb 
SBüraburg, unb namentlid^ ber 9leid§dminifterial Aonrab 
tion @d^arfenberg mit feinen gleid^gefinnten @tafibedgenoffen 

SßvLvba^, aöaltl^cr bon ber öogelhjeibe. II 



XVIII Dorrport. 

Dfxtraten, unb feine enge, bauernbe SSetbtnbung mit bem betoftl^rteften 
unb überaeugteften Sül^ret bet gl^tbeUinifd^en 9leid§dpoIitit, äBotfget 
t?on (Sllenbted^tdürd^en, eimiefen ober bod^ ^nx größten 
äBal^tfd^einlic^Ieit etl^oben au ^aben. äßolfget tft feit 1204, nad^bem 
er fein SiSt^um $affau mit bem ^atriaxd^at ))on ^quileia t>et- 
taufd^t l^at, butd^ bie Sage feined neuen äBirlung^tteifeS unb feine 
atüeimalige SRtffton qU Steid^Slegat f&r Italien bie Seele bed 
geiftigen unb bed poUtifd^en S3ei!e]^rd mit ä8elfd§Ianb gemefen. 
3n feinem @efoIge toirb äBaltl^er an ben $o gelommen fein (31, 
14, t)g(. unten @. 290 p @. 57). 3l6er bie ^etro))ole 3BoI|getd, 
bet bie toid^tigen SebenS))unfte oberitalifd^et Sultut, bie Sidt^ümet 
Stebifo , Settuno , Seltre , «pobua , SSicenja , 3Jlantua , SSetona, 
Sxient, Komo, $ola, Srieft, 6apo b^3ftria unb fünf unbebeutenbete 
untetftanben , bot nic^t blo^ bie Sommunication^brüdCe jum 
mittelattetUc^en Italien. 9lud ben 9luinen bed antuen 
Slquileia mug ein ^aud^ bet Srinnerung an bie einftige ^ajeft&t 
beS lateinifd^en Aaifertl^nmd, an bie 3^it beS äluguftud unb ^abiian, 
ba ber Ort ald f$(ottenftation unb ^anbeUemporium eine bebeutenbe 
SteQung einnal^m, aurgefttegen fein, bet biefe Sentiale, auf bie 
Sa^r^unberte lang bad gried^ifdge jtaifertl^um Slnfptüd^e erl^ob, ben 
(Srneuetern bed alten tömifdgen Aaifett^umS, ben Dttonen unb 
i^ren 9lad^ta^ten, ben Staufein, in bie Sltme ttieb. Sie Slit^alität 
gegen baS na^e ^atriatc^at @tabo auf ben 3lu8läufetn ber SBenetia* 
nifc^en Sagunen, bem bie gried^ifd^e JSitc^enptobin^ unterftanb, unb 
gegen Senebig felbft, beffen 3nteteffen nad& S^ian^ grabitittcn, l^at 
^quileiaS $atriard^en immer feftet an bie beutfd^en £röger bet 
tömifd&en Äaiferltone gefettet. SQBolfgerä, noc^ bei ßebaciten beS 
^attiatc^en $eregrtnud botbeteitete, S3etufung auf ben Stul^l bon 
^quileia tt)at ftd^eilic^ ein 3lct ber impetialiftifd^en $oliti( $^ilippd 
unb feiner »atl^gebet, beftimmt, in biefen bon lombatbifd^et unb 
tienetifd^et Unbotm&gig!eit unb tettitotialen 99egietben bet beutfd^en 
®rogen umbtanbeten unb ben gtiedgifc^en 6|panftonSgelüften au8» 
gefegten füböftltd^ften äBinlel bed Sleic^g einen tteuen unb enetgifd^en 
SSotfftmpfet bed gl^ibellinifd^en @ebanIenS au fteQen, bet für bie enb« 
lid^e S)utd§fü^tung bet b4.)antinifd^en ^olitit bed ftaufi|d^en ^aufeS 



DoriDort. XIX 

boTt unb in Senebig boraTbetten unb @tü^))untte fdgaffen lonnte. 
3n bic Seit be8 UcbergangS äBoIfgctS nad§ 5lquilcia ober balb 
ttadjilöer öcriegte id^ (unten @. 62) ben ©t)rud^ öom flried^tld&en 
©piePraten (17, 11): bamate mußten aßen gteunben be« neuen 
^atriaid^en iene SJotgänge aud bet ©pl^ftte ber benetianifd^* 
b^aantinifd^en $oIittf, toeld^e bie füt Slqutleia fo bebeutfamen SSe« 
Stellungen a^m Djten aufd tieffte beeinflußten, befonbetS toid^tig 
unb bead^tendioett^ eifd^einen. 

Sttd^ bet äteid^dminifiettale Aonrab bon@d^atfen> 
bet 8, Sifd^of öon ©peiet, ^at aU Setter ber Sftetd^Slanalet unter 
aßen brei Aöntgen, benen SBaltl^er btente, fatferlid^e $oItttI ge« 
txteben im Sinne jiened nationalen ^mperialtsmud , toxt er il^nt 
gemein tt)ar mit ben übrigen 9ieid|dminifteria(en, beten Ql^rgeia fid^ 
fo fefl an bie äßteber^erfteOung bei Sleid^ggetDalt unb bie ©d^affung 
beutfc^er ^eraogt^mer unb Remter in Stalten ge!nüpft l^atte. St, 
ber fld^ ald S3ifd^of bon ©peier nid^t fd^eute, einen unbequemen 
Courier beÄ ^apfteS gefangen au fc|en, einen anbern aufhängen au 
laffen bio^te, l^at nac6 bem £obe $^ilippd ben Uebetgang ber 
ftaufifc^en $artei aum äBelfen Otto organiftrt, nad^bem er fid^ 
über beffen gl^ibeUinifd^e $oliti{ ©id^er^eit berfc^afft ^aiit, bie 
ftaifeitrönung aU ®ef anbter beim $apft burd^gef e^t unb borbereitet ; 
unb ald er bann bem SBelfen ben %üäen manbte unb fid^ in gfrieb* 
rid^ toieber einen ftaupfd^en ^errn crloren l^atte, übernahm er toie 
einft SBolfger bad ®efd^ftft beg Oleid^glegaten für Italien unb bie 
aSerl^anblungen mit ber Sitrie für bie Aaiferfrönung gfriebric^S unb 
bie (Srmftl^lung feinet ©o^ned ,^einrid§. (&x, ber ben S)om bon 
©peier loieber aux Aaifergruft erl^eben tooUte unb beSl^atb $l§ilippd 
ßeid^e fünf Saläre nad^ beffen Sob bortl^in überführen ließ, l^at, loie 
td& je^t mit größerer Sefiimmt^eit als unten (©. 259 f.) für 
wal^rfd^einlid^ erllären möd&te, ben jungen SBalt^er in ben bolitifd^en 
SHeid^SbienP eingeführt. 06 i^m, bcjfen ßlcgana, »eltlid^e ^rad^t» 
liebe unb SJerfd^menbung bie @efd^id^tSqueEen l^erborl^eben , nid^t 
tiieUeic^t aud^ jene fd^toer berftänblid^e ©tropl^e bed älteften und 
überlieferten 9libelungenliebtejte8 (©tr. 1448) l^ulbigt, »orin „ber 
alte Sifd^of bon ©peier'' atö al^nungSboOer treuer Säel^art, gleid^fam 

II* 



XX DoriDort. 

ate SQBäd^ter übet ber Sidgetl^ett bed 9leic^8 bte Surgunben t>ot 
bem 3ufl 3um l^unntfd^en Seft toamt, bleibe bal^in geßeQt. 3ut 
Stille biefet SSetmutl^ung @(^5nbQ($d ^ !annte btenen, bog Aonrabd 
@efc^Iedgt au bet SSutgmannfd^aft bed Ztifete g^^^^^^» loeld^e ben 
flcttifd^en ©ort ©einrldö« VI. fammt ben SRetd^Sinftanien ptete, ber 
mol^l bem ^ibelungenl^ott bet Sutgunbifd^en JSdntge jtd^ t^etgleid^en 
Ueg, unb bag et beim Zobe $]^ili|)))d bie ateid^dinftgnien in (Smaf^x^ 
fam l^atte unb fie bann Otto ftbetgab (bgl. unten @. 251. 314). 
Ztijft meine Seutung bad Stid^tige, bann Igfttte bet Steid^slanalet 
eine tüenn aud^ etn^aS nebell^afte Setel^tung in jenen Ateifen ge- 
noffen, aud benen bie ^obetnifltung bet alten 9libelungenbid^tung, 
bie ^nipaffung bed alten e))ifdgen @titö an ben tittetlidgen ®efd^mad( 
unb an bie Aunftfoim beS l^öftfc^en 9lomand l^etboiging. SBie bem 
aud^ fei, gen^ig ifi, bag unter AontabS ategierung feine bi|d^öfUd^e 
Aanalei in S^titt in bemerfendmett^et äBeife Sl^etl nimmt an bet 
S[}otbeteitung einet übet bem öttlid^en Sialect ftel^enben ©efd^äftS* 
fjptadge^. 9lid§t fteilid^ auS bet ^uti^anbetung fd^loäbifd^er 
^inifierialen unb il^rer 9lieberlaffung im Steid^dgut bed Sll^eintl^ate 
barf man mit Slebert biefe X^atfad^e etit&ten: baS l^at ^lo^d 
Sd^ulte^ geaeigt. äBol^I abet mug man batin einen 9liebetfd^lag 
ienet Slnfä^e au einet centtalifttten SSetioaltung , a^t @rünbung 
eine« 9leic^8beamtenftanbe8 erblitfcn, wie jte feit Sriebtid^ 
aSatbatoffa unb ^cintid^ VI. auS bem ®eijle beS flaufi|d§en 
3mt)ettaligmug aufftiegen unb getabe in ben Steifen bet %eid^g> 
bienfimannen, au benen JSonrab t)on Speiet gel^ötte, in ben Ateifen 
bet etften 9leid^dbeamten, gebieten. 5Det b^naftifd^e $attio- 
ttSmud biefed StanbeS, aU beffen @eftnnungggenoffe, Wie id^ unten 
(@. 240 ff.) nad^weife, SBaltl^et in feinem dlteften batitbaten 
@fntd^ aufttat, l^at auetft ben SSegtiff bet Sontinuttät 

1 2)aä ©^rtftenti^um in ber altbcutfd^en §clbenbid^tung. ©raj 1897, 
@. 13. 

^ 9Jg(. fiebert, Quv ©efd^id^te ber ©peirer Äangleifprad^e. ipattifd^e 
2)iffertation 1891; D. Söi^me, 3ur Äenntnig beS Dberfränüfd^en im 13., 
14. unb 15. Sai^rl^unbert. Seipj. 2)iffert. 1893, ©. 39 f. 73 f. 

^ Sittcraturblatt für germanifc^e unb romanifd^e ^l^ilologie 1892, 
©. 221 ff. 



Donport. XXI 

unb bet (Stnl^ett ber StaatSDettoaltung geprägt unb 
nitgcnbä fonntc ba» (Scfül^l öon bct 3tt)e(f m&feigfeit einet übet bet 
@onbetatt bet Sialecte fte^enben Slmtöff tac^e fl&tlet fein ald bott, 
too suetfl bad SBefen bed mobetnen Seamtentl^umd ben 
mittetaltetlidgen gfeubali^muS auf^utöfen begann. 

6d iDäte nid^t fd^mer, biefen gaben f ottauft)tnnen : bad Qtbe 
bet ftcilifd^en Organifatton bed Staats , bet Settoaltung , bet 
atd&ibe, bet flanalet, inSbefonbere beS 3legiftettoefen8 jut Seit 
^intid§8 VI. unD Stiebtid^S II. ttitt ein Sal^tl^unbett f^^dtet untet 
flänaüd^ anbeten politifd^en Setl^ältniffen , auf einet neuen Saftg 
bet Sultutr fd^5))fenb au8 neuen, unbetbtaud^ten Atäften bet 
beutfd^en Station fetn im mitte(beutfd§en Ofien bet gtoge Staatd* 
mann unb Otganifatot aud bem ^aufe älnjoU'Suiembutg an, bem 
eS feine SlutStjetioanbten, bie 9lngiobinen in 9leapel unb gftan{» 
teid^ übermittelten^ unb t)on ben 9letd^dtan|letn Aontab bon 
aS^üraburg unb Aonrab bon Speiet leiten, toenn aud^ bünne, f^ftben 
au ^ettuS be SineiS unb Sol^ann üon 9lcumatlt. 9lad& bem 3«* 
fammenbtud^ bet politifd^en Stn^eit beS mittelaltetlid^en 9teid§d 
unb bet mittelalterlid^en SaiencuUut, nad§ bem Sex\ati bec mittel« 
l^od^beutfdgen Sid^tet* unb 8itteraturf)>rad§e ^attmanng unb SBaltl^etd 
etl^ob ftd^ langfam auS ben Ztümmetn bie einigenbe SRad^t bet 
beutfd^en JSanaleifptad^e, bie aud einem neuen Senttum 
beutfd^et Silbung, aud einet neuen ©plgäte beS geiftigen Sebend 
unb einem unbetül^tten gelbe bed beutfd^en SobenS l^erborfpro^, 
unb ftc taufte fid^ an ben Stufen in bie ^öl^e , bie einft im 
ftugetften Süben bed ftaufifd^en SÖSeltteid^S eine ben^unbetnSmertl^e 
@taatd> unb SSermaltungelunft, bon b^a^ntinif d^et , notmannifd^et, 
päpftlid^et unb tt)ol^l aud^ altt5mifd§et Stabttion unb Sed^nil 
ael^tenb, aud bet gtanbiofen 3bee bed impetialiftifd^en S3e« 
amtenftaats gefdgaffen l^atte. @o teilet fid^ bie (Sr!enntnig bet 
politifd^en Sid^tung SBalt^etS, bie bei ibealfte, ebelfte unb etgteifenbfte 
SludbtudE bet beutfd^» nationalen gfotm biefeg ^mperialidmud ift, ein 
in baS groge ^toblem beutfd^et 99ilbungggefd^ic^te , bad ^toblem 
Don ben gel^eimen OueQen unferet nationalen Sprad^einl^eit, meld^em 
meine Sftomfal^tt bienen foHte. 



XXII VOXXDOÜ. 

@oId^et Settad^tung fleQen jtd^ meine gleid^a^ittgen f($etnbat 
fo l^etetogenen Stubien aU auS einer SBurael toad^fenb bar. Vbtx 
aud^ tnein StfilingStoetl übet äBaltl^et unb Sleinmat unb bad 
fleflentoärtige Sud^ l^änflcn, tto^ bet atoanaig Salute, bie jle trennen, 
innerlid^ feft aufammen. SaS Programm beS jugenblid^en Serfud^S 
trad^tet flefammelte fltaft in erweitertem JRal^men auf Vertieftem 
nSrunbe au löfen. aBaltlöer» ^oefle au8 ber Seit, in ber fle cnt- 
ftanb unb auf bie fie toirlte, aud il^tem publicum unb aud ber 
3nbibibualttftt beS Sid^terS au begreifen, ben lebenbigen 
SRenfd^en au fd^auen in feiner Sotalitftt, in feinem Slierl^ftltnig 
aur 99ilbung ber Station unb il^rer Sffil^rer, baS mar einft mein 
3iel unb ift ed nodä je^t. ^eige man bie Mittel, i^m nad^aufheben, 
$]§ilologie ober (Sefd^idgte: gettig fd^eint mir, bag toeber 
ber büSl^erige Setrieb ber altbeutfd^en ^^ilologie nod^ ber mittel« 
alterlid^en @efd^id^t8toiffenfd^aft für fid^ aUein baau auSteid^t, fonbern 
nur bie ed^te unb n^al^re mittelalterlid^e $]§iloIogie ber 
3ulunft, beren Silb id^ toicberl^oU au cnttoerfen »agte^. 

S)iefe mittelalterlid&e ^l^ilologte, au ber id^ Saufleine l^erbei- 
fd^affen toiQ, mirb eineg bof^pelten gfunbamentS nid^t entratl^en 
lönnen: ber unmittelbaren Jlenntni^ ber jfrimftren 
Ouellen einerfeitS, ber metl^obifd^en Aritil unb S|egefe 
anberfeitS. ^ir fd^eint eS toal^rer ^l^ilologie nid^t angemeffen, 
moberne l^ifiorifd&e Sarfiettungen — unb feien eS bie ber größten 
3Reifier — aö Surrogate für bie gleid^a^i^g^r urf})rünglid^e gefd&id^t» 
lid^e Ueberlieferung au Benu^en. SSerl^ängnifetioHer aber nod^ toäre 
e8, toenn bie in ber germanifiifd^en 2Biffenfd6aft bebenflid^ um fldfe 
greifenbe l^oQänbifd^e Aranll^eit nid^t belftm))ft »erben lönnte: id& 
meine, »oran bie cfafftfd^e ^l^ilologie im fiebael^nten Sal^rl^unbert 
gelitten l^at, bie Sud^t nad^ äludfd^üttung unberarbeiteter Material» 
maffen, nadg ungeftd^teter «Häufung äußerer parallelen unb Quellen» 
nad^toeife unb bie Unf&l^igleit, jebem Satt in feiner 3nbibtbualitöt 



^ SJerl^anblungen ber 43. SJerfammlung beutfcl|er ^^ilologen in Äöln. 
2exvm 1896, ©. 136, baau 3eitfc§r. f. beutfd^e ^J^trologie 28, 533; 
2)eutfd^c Sitteraturseitung 1898, ©. 271 ff. 



Pormort. XXIII 

getedgt )u loetben. bie SKell^eit ber Stfd^einungen butd^ ftrittl ju 
fonbctn, t)ot attcm baS ünöermöflen , ba8 übctUcfctte SSott 
pl^ilologifd^ )U intetprettren, tootin bod^ bie S3orauSfe^ung aQer 
l^iftorifd^en gtfenntni^ bcfd^Ioffen tfl. Slö^te c8 auf ben folgcnben 
SWttettt gelungen fein, bie grunblegenbe SScbeutung fttcnget 
pl^ilologifd^et Spgefe butd^ gutes iBeifpiel einfd^drfen unb )ut ftunfl 
ber StnteTptetation aud^ ein toenig anleiten au l^elfen. 

S)ie folgenben Seiten nennen oft bie Kamen atoeier OT&nnet, 
fei eS außintmenb, fei ed aioeifelnb obet polemifd^: SBilmannS 
u|ib @d^önbad§. ^n ber 9latur toiffenfd^aftltd^er f^otfd^ung liegt 
e8, bafe fie ber Sotg&nger auSfül^tlid^et ba gebeult, wo fie il^nen 
entgegentritt aU ba, xdo fie il^nen folgt ober t)on i^nen geförbert 
morben ift. ^d^ möd^te aud^ ben @d§ein t)ermeiben jener fd^mäl^" 
li($ften^ aber leiber üerbreitetften Untugenb unfered geleierten gebend : 
ber Unbantbarfeit, ber ^erbunftung ober SSerfd^meigung empfangener 
IBelel^rung unb Anregung. (SS ift lange l^er, ba^ id^ ^n Sonn im 
weiträumigen .^örfaal, bcjfen fjenfier ben 3luSblidE eröffneten über 
bie l^ol^en 99öume bed ^ofgartenS biS au bem morgenblauen Sieben- 
gebirge, äSilmannd' Haren unb fidlem SSorträgen über äBalt^et t)on 
ber SSogelmeibe laufd^te. Slber untiergeffen finb mir biefe Stunben 
Iid§tt)oI][er Sele^rung, unb in nie^müt^iger (Erinnerung fielet mir baS 
93ilb jenes SemefterS t)or ^ugen, too meinem undar enH^uftaftifd^en, 
iugenblid^ grenaenlofen Streben bie fefte ^anb beS nad^ftd^tigen unb 
tl^eilnel^menben ße^rerS l^alf, SSeairf unb SBege für bie wiffeufd^aft- 
üd^e Slrbeit abauftedten. — gfür mein eigene« Stubium SBalt^erä 
finb in jener IBonner SJorlefung unb ben gleid^a^itigen Seminar« 
Uebungen über äieinmarS Sebid^te bie erften Jteime auägeftreut 
toorben. Später toirlten bann bie t)on einanber l^öd^fl t^erfd^iebenen 
SSorlefungen S^^^^^^ ^^^ ^ilbebranbS, um mid^ ben un* 
tiergleic^lid^en Sid^ter immer tiefer lennen au (eieren, unb trauernb 
gefiel^ id^ mir, bag mand^eS auf ben fotgenben 93(ftttern (einem 
Sefer fo öiel Sntereffe abgewinnen unb fo öiel Sf^^eube mad^en lann 
aß biefen beiben ftennem SOßaUl^erS, toenn il^r Äuge nod^ barauf 
fiele, ^ber bie atoeite äSalt^erauSgabe Don 9BiImann8 unb feine 



J 



XXIV Votvooxt 

Siograpl^ie l§at bann bod^ erft mid^ in ben @tanb gefegt, über bie 
(Sinjld^t, bie mein (SrfllingSmetl t>on SBaUl^erS äßefen unb jfunfl 
Dotttug, tote id^ l^offe bettftd^tlid^ l^inauSaufommen. ^ud^ too id& 
ber Sluffaffung obet bet SaifteQung bon JlBilmannd mibetfptec^e, 
fül^Ie id^ mid^ i^m üerpflid^tet aU bem unbefted^lid^en S)ienet eblet 
Sad^Ud^Ieit unb fttengfter SSJal^tl^eitdliebe. 

9lud^ Sd^önbad^ Decbanfe id^ mannid^f ad^e Anregung unb 
Slufffötunj, bie id^ au8 feinen ©d^riften unb Slbl^anblungen über 
Sßali^tx unb namentlid^ auS feinen erflaunlid^ ao^Ireidgen Unier* 
fud^ungen über baS gefammte Sitteraturleben, über bie teligiöfe unb 
tl^eologifd^e 99ilbung bed Mittelalters empfangen l^abe. ^ 

1 3nbem id^ bieg fd^reibe, fällt mein fdiid auf einen bidtCeibigen, 

{ur^gemad^fenen Ouartanten, ber flati unb üoQ mie ein £önnd^en 
in bem mir iiunftd^ft ftel^enben Süd^etregal meiner S3ibItot]^e! fein 
ftißeS, ungepIagteS unb unbeftagteS Safein fül^rt: eS ifl beS treff* 
lid^en Mor^of Polyhistor. (Sine Idd^erlidge £äufd^ung fürtoal^r, 
aud^ im 3^italter eineS Seibnia, bie unenblid^en SlBelten ber 
2Biffenfd§aft in ein ^irn unb in ein 9ud^ pferd^en su tDoQen! 
Slber bürfen mir aud^ über biefed $errüdEentrdgetg erften 3}erfud§ 
einer aEgemeinen, europftif dgen Sitteratuigefd^id^te läd^eln ? ^at bie 
mittelalterlid^e Sitteraturgefd^idgte indbefonbere ®runb, auf 
biefe taflenben Slnfftnge einer uniberfalgefd^ic^tUd^en Sitteratur- 
betrad^tung borne^m l^erab^uf el^en ? 3ft eS nid^t enblid^ 3^**/ ö« 
bie ©teKe ber ettragreid^en unb ben gfortfd^ritten unferer SBiffen« 
fd^aften ]o nü^lid^en SlrbeitStl^eilung aud§ einmal bie 9(r» 
beitst)ereinigung au fe^en? 3d^ bin fo fül^n unb mage eS. 
9flur im öolIenSwfammenmirlen aller einaelnen S)tSciplinen 
ber gefd^id^tlid^en ßrfotfd^ung beg mittelalterlid^cn ©eifleälebenS fann 
eine ^nnäl^erung an baS 3beal ber mittetalterlid^en $]§iIo« 
logie flattpnben, au bem biefeg Sud^ mit ^eifeem Semül^en empor= 
ftrebt. SBirb man in feinem Slnlauf einen fjorifd^ritt anerfennen? 
SBerben namentlid^ bie ©iftorifer tjon gad^ ei i^rer äufmerffamfeit 

I mertl^ galten? 

^ Site id& im SBinter 1897/98 in »reglau bie ^toedte meiner 



r>ortDort. XXV 



tDiffenft^aftlid&cn Sleife öctfoljtc, tool^nte id^ in bct SlItBüSer. 
gaffe. Siefer 9lame l^at mit alten Sü^etn, tooran man 
tDo%l benlen möd^te, niti^t baS geringfle ^u tl^un. ,;9((t6üBet'' l^te^en 
bie gfliäfd^ufter. Oft |inb fie mir in ben 6tabtbüd§ern 33teSlau8 
entgegengetreten, unb id^ lernte balb, bag im t)ier^e]^nten unb 
fünfjel^nten S^l^^^unbcrt biefe Slltbüfeer (calciorum renovatores) 
nad§ il^ren Siedeten unb $fiid^ten, nad^ il^ren JlBol^nungen unb 93er- 
laufSpl&^en öon ben eigentlid^en ©d^uftern (schuworhte, sutores), 
bie aus bem ganzen Seber neue (Stiefel mad^ten unb ben @erbem 
unb Seberl^änblern nal^e ßanben, ftreng gefd^ieben toaren, bag fie 
ober, ein üerioegened SSölfd^en, biefe Sd^ranfen i^reS ^anbtoetld unb 
(SrU)erbS nid^t immer ref pectirten , Iftl^nlid^ ben SJoQfd^uftern Son« 
curren^ mad^ten, toeStoegen bann begreiflid^eimeife l^inti^ieberum biefe 
bie gute Saune Verloren unb fd&limme ©anbei entftunben, bie ber 
toeife Statin ber @tabt burd^ Seigleid^ unb fefte Statuten fd^lid^teu 
mu^te, inbem er 5. 99. ben Slltbüfeern nur am S)onnerjiag, bem 
aiarfttage, unb to&^renb ber öiermöd^igen 3Reffe gemattete, ©d^ul^e 
ju berfaufen, il^nen aud^ bie 93or{d^u]^ung mit gleid^em Seber ein- 
räumte, ober öerbot, ©d^u^e neu anaufcrtigen unb r Otiten 
Seberbefo^ (!) onaumenben. 3)aS mar bie gute alte Qtxt, über 
bie mir fpottenb un8 fo erl^oben bünfen. aber biefe Sunftfd^ronfe 
^mifd^en ben armen ^Itbü^etn unb ben nobeln SJollfd^uftern — be* 
fielet fie nid^t nod^ l^eute in unfeier SBiffenfd^oft , autn^I iu ber 
äSijfenfc^aft bed beutfd^en Mittelalters? (Selten l^ier nid^t mir 
$^ilologen ben gad^l^iftorifern, bie mit Stol^ ouS bem ganzen Seber 
bie l^ol^en Stiefel i^rer pompöfen @efd^i(^tSbarftellungen fd^neiben 
unb aumeiten oud^ mit ,;rot]^em Seberbefa^'' t)txbxämen, old bütftige 
aitflidter, bie ^erriffene ©d^u^e mit gfletfen unb SRiejicrn ouSbeffern, 
jie befol^len ober i^ren fd^icfgetretenen ©adten toieber oufl^elfcn, bie 
nur fd^obl^ofte Ze^te burd^ Smenbotion l^errid^ten ober brüd^ige ®e« 
bontenfolten butd^ ^nteipretotion glätten, bie nur mit Sluftrennen, 
Stopfen unb S3erf leben arbeiten? äSol^rlid^ ber fidlere Snftinlt 
befd^eibener Selbfterlenntnig l^otte mid^ in Säredlou in bie @a{fe ber 
calciorum renovatores geleitet: bort unb nirgenbd fonft mu|te 
meiner 3w"ftawg«^örigfeit nod^ meine SBel^aufung fein. 



XXVI Pornjort. 

Ober toftre bem bennod^ nidgt fo ? ftönnte aud^ ber SoQfd^ußet 
))on ber SlrBeit beS SItbügerS für feine eigene 9lufgabe (ernen unb 
bebürfte bielleid^t aud^ ber aitbü^er für bie redete ^uSfü^rung feiner 
befd^etbenen Seiftung ber ftenntnig ber ßunft, neue Sd^ul^e ^n fertigen ? 
äBie, loenn baS loal^re ^anbniert nur ber betreiben fönnte, ber 
fotool^I baS auftrennen unb gfUdEen aU baS 9leufd&affen 
Derftel^t? SBie, toenn bie «^iftorie erß auf bem ®runbe ber 
$l^iloIogie, bie $]^iIologie aQein in ber gfü^Iung mit ber |)if}orie 
il^r 3irf erreid^cn fann? 

ä8ad aud^ immer ber geneigte Sefer l^ierauf anttoorten möge, 
3um aderminbeflen ftel^t )u l^offen, ba| er bem üorliegenben äSerl 
eined SHtbü^erS, baS bie Sd^ranlen feiner 3unft überfd^reitet, gteid^ 
bem ^aH) beS el^rtoürbigen alten 99reglau bie aRarftfreil^eit beS 
Sonnerftagd unb ber Weffe getnäi^re. 

^alle an ber Saate im Wai 1900. 

%ontab Stttbait}. 






©cite 

€tfUB (lapiUL ^tuittt pttftnii^t Vttl^Uinifft 1 

ficBcnäaeit 1 

3lB!unft unb ©tanb 4 

2)er %iUl her 4. — ©teUimg in ber ©anbfd^rift C 6. — 
Snncre Kriterien ber 2l6ftammung 1, be§ eigenen 9iange§ 8. — - 
©egcnfa^ ju ben 9littern am 3:pringer §of unb ju SBolfram 13. 

ipeimat^ 17 

2)a§ urfunbUd^e 55orfommcn beg 5^amcn§ Vogelweide 17. 
— 2)ag Sieb 124, 1 fein Seugni^ für bte ^eimatf) 21. — 2)ie 
^eimifd^en gürften (84, 20) 22. — 2)te munbartlid^en ©puren 23. 

gamilien* ober 2)ici^tername? 24 

S)ie §9pot§efe von Sucaä unb 3acob ©rimm 24, t)on 
SB. ©rimrn 25. — Vogelweide ein fpred^enber ©pielmannöname 
roie Spervogel unb anbere oerroanbten ©inneä? 26. 

:Sv3tiUB (lapiUL <Stttniifkltttt000attg 27 

§ofbic§ter in SBien (big 1198) 27 

Seopolb V. unb Hleinmar 27. — SWufifalifd^e Xed^ni! 27. — 
©elc^rte 33ilbung 28. — griebrtc§ unb Seopolb VI. von Defter* 
rei(§ 28. — (Jl^ronologie ber Sieber auf biograp§ifc§er ©runblage 
unmöglich 29. — DJeuer, roiffenfd^aftlid^er 3Wafeftab für bie 
^)oetifc§e @ntroicl(ung SBaltl^erS 31. — - 2)ie Sieber ber ätteften 
Seit im 33ann ber §ofpoefie 9leinmar§ 34. 



XXVIII 3nt?alt , 

(Seite 
ga^rcnber Sänger (1198— 1220) 36 

2)ie 33efreiunö oon bcm conocntioncttcn ©til ber l^öfifd^cn 
2t)vit 36. — @influ6 ber 3)ic§tung ber S^aganten unb ber 
(S^jielleutc 37. — SBanberlebcn 37. — 2)ienftt)eri^ärtnifi ju Si'6mq 
spi^ilipp 38, ju 33tfc§of SBoIföer oort ^affau (ber ^elamantcl t)om 
SKartinötag 1203) 39. — 3m 3)ienft bcä Sanbgrafen ©ermann 
t)on Xi^üringcn, beiS SKarfgrafen 2)ietri(§ t)on aRci^en, grieb* 
rid^S n. 40. — ©rcnjen ber 3Banberfc§aft 41. — S5erebc(ung 
ber fpielmännifd^en SeJ^rbid^tung 42. — Slüdroirfung auf bic 
ajlinncpoejtc 43. 

Drittem (lapiUL lloUtirdie m^tnn 43 

3lm $of Äünig ^^ilippg 43 

2)cr öltefte Bpxud^ (8, 4) 43. — 2)a8 crfte batirbare ©ebidjt 
(8, 28): bie biöi^erige S^i^^ßPiwi'w^^Ö unmöglich, e8 entftanb 
nad^ ber ^roclamation Dtto^ (9. 3uni 1198) in bcn Ic^cn a;agen 
be^ 3wni 44, t)or einem publicum t)on 9lcici^3bienftmannen 45. 

— ^^iUpp gefeiert unter Ärone (1198) unb bei bem SWagbeburgcr 
aBeil^nacr)t§feft (1199), beä 3)ic§terä 2lufna§me inä ©ofgefinbc 
45. — ^er brüte 9lei(i^gfpru(l| (9, 16) unb ber prftenproteft 
von Bamberg (September 1201) 45. — 2)er ©prud^ von ber 
pfaflfen wal (25, 11) 48. - S)er ©prudj auf bie ©onncnfinftcr« 
nt6 be§ 27. 9lot)ember 1201 unb feine l^iftorifd^en S5orau8« 
fe|ungen (©ntfd^eibung ber 2Äainjcr SBal^I, Slction gegen Btf^an^ 
unb Äreujjug) 48. 

S^rennung von ^ßl^ilipp: Sanbgraf ©ermann unb Sifdjof 

SBoIfger 51 

2lrt unb 3eit ber erftcn Springer 33e3te§ungcn 51. — 
SBerräti^erifd^e SBcrbinbung be§ föniglid^en Äanjler§ Äonrab mit 
bem Sanbgrafen 53. — S)ie ©tropl^en be§ SBiener ©oftoniS 54. 

— 2Balt]^er im ©efolge beä Sifd^ofg SBoIfger von ?5affau ju 
Seifetmauer unmeit SBien (12. S^ooember 1203) 55. — SBolfgerS 
politifd^c (Stellung (Sejiel^ungen ju ©einrid^ VI., ju ben öabcn« 
bergern, ju ^l^ilipp) 55. — 3)cr Sprud^ auf bic brei ©öfe (34, 
34): SBien, TObUng, ^Cquileia (mäl^renb SBoIfgerS ^atriorc^at, 
nid^t unter feinem 3flad^forger) 57. — SBaltl^erä Ueberflcblung 
an ben Springer ©of @nbc 1204: neue 3)atirung von ^ßarjioal 
379, 18 (Slnfang 1205, nic^t 1204) 58. — ©egenfa^ jum ®c« 
fd^mocf ber ©ofgefettfd^aft: ©eri^arb 3l^e unb anbere (Störer bcä 
^öfifd^en 2ÄinnefangS (2l6neigung SBolframä) 60. — 3«««*^^ wnb 



3nl?alt. XXIX 

@eUe 
äufiere SoiSfagung oon ^i^ilipp 61. —- S)cr ©pru(§ vom gricd^i« 
fc^en ©picßbratcn (17, 11): neue 3)atirung (©pätfommcr biä 
§crbft 1204 ober grül^Iing big Sommer 1205) 62, ®ntftei^ung 
in 2:i^ünngcn nad^ bcr §cim!cl^t bcS Sifd^of Äonrab oon 
§aI5crftabt auS ©onftantinopel (17. Sluguft 1205) 63, ober in 
ber 3l'df)e äßoIfgeriS unb be§ ^lad^rid^tenträgeriS ^ifd^of 9J2ar!u§ 
t)on 33eirut 64. 

grei oom 9ieicl^i8bienft 65 

3m 2)tenft beS 3Warfgrafen S)ietrtc§ oon SWei^en 65. — 2)ie 
©tropl^en bcä jroeiten DttentonS (31, 13—36, 1): längerer 
Slufenti^alt in Defterreic§ (36, 1), fortbauembeä ^§üringifc§eä 
$ofbienftoer^ärtni6 (35, 7), ©rlebniffe am Äärnt^ner §of (32, 
17. 27), SBanberfprud^ (31, 13), 2oh beg Patriarchen SBoIfger 
oon 9lquilcia (34, 36) unb §einrici^§ oon SKöbling (35, 4), ber 
Dpferftod oon Dftern 1213 (34, 4. 14) 66. 

3ttt S)tenft bcS roclfifd^en Äaiferä • • • 67 

©oftag ju granffurt (18. 3Wära 1212): bie brei Äaiferfprüd^e 
(11, 30. 12, 6. 18), bie brei ^apftfprüd^e (11, 6. 18. 12, 30). 
baS Sob beS 3Jiei6ncr3 68. — 2)ie fieben ©prüd^e gegen bie 
Simonie (33, 1—34, 33): bie jroeite Sefd^roörung beg guten 
Älauänerä 73, SBiberfprud^ 2;i^omafing oon 3i^^claria 74, ber 
2lbfatt beg Äanjierä Äonrab oon ©peier unb bcr angeblid&e 
^lan einer Slnnejion ber Äirc^engüter 74. — SReue 2)eutung 
unb 2)atirung bc§ Sprud^ä auf ba« Älofter 2:egernfce (104, 
23): 2)Mi 1212 76. — SDie Sitte um ein §eim (31, 23) 77. 

S)er Uebergang jum Staufer 77 

33egrünbenbe3 ®ebet an ®ott 77. — Hergang unb SBermitt* 
lung beä UebertrittS: ber Sanbgraf §ermann (105, 13), ber 
3»ar!graf oon SKeißen (105, 27). 78. — SBolfgerä «eri^alten 80. 

S)ienftmann Äönig griebrid^ö 82 

3maginäre @in!ünftc (27, 7) 82. — ©prud^ an bie gürften 
auf bem granffurter Sieid^^tag (1220) .jur görberung ber 
5!rönung $einrid^3 82. — 2)oS i^el^cn (28, 31) 83. — 2)ag 
©ebidjt auf bie brei @raenger (78, 24) 83. — 2)ie ©prüd^e on 
ben ©rafen 2)ietl^er oon Äa^enettenbogen 84. — S3cffere SebenS« 
läge 84. — ©prud^ auf ben 5lürnberger §oftag oom 23. 3uli 
1224 (84, 14) 84. — SSejie^ungen ju Defterreid^ unb ^l^üringcn 
(Sanbgraf Subroig) 85. — ©rgbifd^of ©ngelbert oon Äöln 85. 



XXX 3nt?alt 

Seite 
-- 2)ie britte 33cfcl^n)örung bcS guten ÄlauSncrS bei bem ©on* 
flict aroifd^cn ©regor IX. unb griebrid^ H. (10, 33) 86. — 2)ie 
@e]^nfu(i^t nad^ bem l^eiligen £anbe (13, 5) 86 unb nad^ ber 
eroigen Ärone (124, 1) 87. - 3)ie Äreujlieber (14, 38. 76, 22) 
87. — Sejiel^ungen ju Äönig §einrid^ 88. 

VUtttB dapittU Sittii^t Cebeneanfitiattitttg 89 

SDie 3Köglic§!eit unb bie Sbeale bcä fittlid^en 2ef>en^ 90. — 
2)te Untreue 91. — aSalt^er« ei^arafter 93. — ^oUtif unb 
2)id^ter^)l^antafte 95. — Sbeale SßorfteHung oon bcn Sluf gaben 
ber Äunft 96. — Slriftofratifd^e Sebenöanf d^auung : 2lbcl ber 
Äunft 96, Slbel ber ©eelc 97, Slbroel^r ber dto^f^eit in ber ®e* 
fcttfd^aft unb ber litterarifdjen ^robuctton 98. — Äampf gegen 
Unnatur (SReinmar) 99, SBiberfprud^ gegen bcn 3flaturaliämuä 
ber Pfifd^en 3)orfpoefie 100. — SBed^felfeitigc ^olemif jroifd^cn 
^Reibl^art von Sfleuenti^al unb SBaltl^er 101. 

i^nfttB (lapiUl ÜJliftterlfrtie Ätttiff 102 

S)te Eroberung ber finntid^en SBelt 102. — 2lnlel^nung an 
t^pifd^e aJ^otbe ber bilbenben ISunft 103. — ©mpflnbungen, aug« 
gebrüdt burd^ t^pifc^'e ©ebärben (3Jliniaturmalerei) 104. — 
Xi^ierf^mbolif ber bilbenben Äunft 104. — Dbicctiuirung : 
Situation unb ©cene 105 ; bie 3flatur in 33en)egung unb «^anb* 
lung gejeigt 106; 9lottentieber 108. — 2)er Quq jum S)ramati* 
fd^en: Dialoge 108; Slpoftropi^en ber &ziiehten unb t)on ^erfoni* 
ficationen 109; bramatifd^e ©cenen 109; bramatifd^e Slttegorie 
110; SBergegenroärtigung unb bramatifd^e ©infüi^rung 3lb* 
roefenber 110; mimifd^e Elemente 110; 9lction jum publicum. 
111. — 2lnbeutenbe ©l^arafterifti! 112. - §umor 112. — 
Sitterarifd^e SRad^roirfung 113. — SBalti^er nehtn Sl^afcfpearc 
unb ®oet§e 114. — S)er größte politifd^e 3)id5ter ber SBelt 116. 

«ibliograpl&ifd^e Ueberfid^t 118 

2luägaben, fritifd^e, egegetifd^c unb litterarl^iftorifd^e ©d^riften 
118. — aWoberne §iftorifd^c ^irfälitteratur 120. — 2)ic §ifto- 
rifd^en DucEcn 122. — Vorarbeiten über bie poctifd^e Äunft 
122. 

^nferfuc^ungen. 
1« Wai^tt$ Bdieibnt ait0 (^tfttttti^ 125 

2)ie alte ©d^ulb (26, 1) 125. — 3)ie ftaufifd^e ©eFinnung 
Seopo(b§ 126. — Seopolbö 9leife an ben §of ?5l^i(ipp§ (©ommer 



3nl?alt. XXXI 

Seite 
1198) 129. — 2)ic 2lrt ber fioSIöfung oon Söien 130. — Xie 
3cit ber Trennung 132. 

2. Utalt^e» ttftn Bptnd^ton itttb ber ftanfifdi^t ](eiit)0be0riff . . 135 
^tt attieite &pxnäi^ 

^ie biSl^eriöe @rflärung 135 

3)ie ©l^ronologie ber ©egencanbibaturen 135. — 3)ie S9e* 
beutung ber armen künege 138. 

2)cr ^önig o^ne ©d^a^ 144 

2)ie 9ieici^Sinfignien unb ber faifcrlid^c ©c§a^ §einri(6^ VI. 
145. — Dito, jum Äönig oon <3c§ottIanb beftimmt, burd^ ein 
englifd^eä Se^en entfd^äbigt 152. — Dttoä Sßerjid^t auf bie 
9ieid^Sgen)aIt in Stallen ju ©unften ber ©urie 153. 

Armer man — armer künec: ber 2)ienftmann*Äbnig . . . 157 

9li(6arb Söroenl^era atS ©egner ber SReid^äpoIitif §einric§§ VI. 

157. — ©eine ©efangennal&me in Defterreid^ 161. — Sel^nä* 

l^ulbigung tjor ipeinrid^ VI. 163. — Söfegelb 164. — mt or§ 

bcutf^er Sieid^gfürft 167. — 33unb mit Slbolf t)on ^öCn 168. 

— Siidjarb al§ beutfd^er ^l^roncanbibat 169. — Slid^arb unter* 
ftü^t bie ^ßrätenbentur Cttoä 170. 

2)ie reguli ober reguli provinciales ber ftaufifd^en 

Sleid^äfanalei 171 

S)ie Sd^ilberung ber Sage in $l^iripp§ SBrief an Snnocena 
oom Sal^r 1206 171. — 3Wel^rere ©prüd^e SBaltl^erS berühren 
fidj bantit im Söortlaut 172. — S)ie imperialiftif d^e 
Terminologie ber ftaufifd^en 9leid^gfanalet: 9iaina(bg oon 2)affel 
Sleic^gprogramm, §einrid^ VI. 173. — 2)aö 33onmot Stainalbä 
unb griebrid^ 93arbaroffai3 oon ben reges provinciarum ober 
reguli (1162) 177. — Urfprung unb ©efc^id^te beä SBegrip 180. 

— 2)ie Beamten ber SReid^gf analei: 33ifd^of Äonrab oon üucr« 
fürt 187, Äonrab oon ©d^arfenberg 189. 

S)ie bringenben Äönige an ben 3'leid^ägrenaen 190 

2)ie Soöreifeung ©icilienS oom beutfd^en 9fleic§ 190. — 
5p§ilippi3 unb feiner 2ln§änger geftl^alten an aUen italienifd^en 
9lnfprüd^cn 195. — gronfreid^ unb bie roeftlid^e Sfleid^Sgrenae 
197. — Äönig ^^ilipp 2luguftg Slbfid^ten auf glanbern 199, 
imperialiftifd^e 33egierben 200. — ÖJefc^id^te ber flanbrifd^en 
©renaconfiicte 201. — ^l^ilipp 9luguftä Sntriguen gegen ba« 



XXXI I 3nl?Qlt. 

Seite 
JÄcid^Stanb 33urgunb 206. — S)ie geloben bciS buröunbifd^cn 
^faljgrafen Otto von S3urgunb, beiS öruberö ^§ilip^)§ oon 
©c^roaben 207. — ^ßl^iUpp 2luguft a(ö görbcrer ber nationalen 
ftciUfdJcn 9ieftaurationgben)egung 208. — ^l^ilipp 2luguftS 
aBoffenftiEftanb mit SRid^arb oon ßngfanb 209. — 2)änemar!g 
Slnfprüd^e ouf 5^orbalbingicn unb bie Dftfccgebietc 211. — 
3)cr 8ieg bcä 2Jiar!grofcn Otto oon Sranbcnburg über ben 
2)änenf5nig Änut (§o(§fommer 1198) 213. — S)ie Soärcifiung 
^öbmenS oom 9letd^ unb feine @r§ebung jum ^önigtl^um 
213. 

3eit, 2lnra6 unb ^Publicum beg ©prud^ä 215 

^l^itippg 95ertrag mit 5pi&ilipp 3luguft (29. 3uni 1198) unb 
ber ©ieg über bie 2)änen geben ben terminus ad quem 216. — 
S)er ©prud^ ift oor Sieid^äl^ofbeamten unb Sieid^Sbienftmannen 
oorgetragen 217. — - 2)ie ipeimfcl^r beä Äanjlerä Äonrob oon 
Duerfurt 221. — 2)ie problematifd^e SRed^tölage ?ߧi(ippä nad^ 
feiner erften SBa^r 223. — SKoralifd^e unb juriftifc^e 3lotf)' 
n)enbig!eit einer JJeumal^l bei ber Krönung 238. — S)er ©prud^ 
ruft baju auf 240, proteftirt im bpnaftifd^en ©inn ber Sleid^S* 
minifterialen gegen bie SBol^I Dttoä 252. — 2)aä 3Wärd5en oom 
aßaifen in feiner imperialiftifd^cn 93ebeutung 253. — SBaltl^erg 
©prud^ auä SSejiei^ungen jur Sfleid^Sfanalei erroac^fen : ein 2Ber! 
mittelarterlic^er officiöfer ^ubliciftif 259. * 

^er txftt nnh ber britte (Bpxndi. 

2)ie Seitroorte beS erfien ©prud^g, S^^icben unb Siedet, 
ftammen auö bem Formular beö ^rönung^cibä 260. — Se* 
rül^rung beg SBortlautö mit ber ^l^rafeologic ber ftaufifd^en 
§of]^iftoriograpl^ie öurfarbö oon Ureperg 263 uub ber amt* 
tid^en 2)arfteEung oon ^i^ilippS JRanjlei 265. — 2)er olte 
©pielmannefprud^ oon ber Superbia 267. — 2)er britte 9ieid^3* 
fprud^ unb bie 2ln!(agen SBurfarbä oon Uräperg 268. 

(Srgebni^ 268 

%nmnknn^tn. Itai^trage. H^nid^iiqnnqtn 273 

3u ©.2. 2)er Slu^brud unsenfte brieve her von Röme 
(124, 26), ju ©. 3. 2)ie innere ©l^ronologie be§ SKinnefangS 273. — 
3u ©. 4. SDa« ^räbifat her 274. — ,3u ©. 7. ©d^önbad^ über 
äBalt^erä @efd^led^t, ju ©. 10 f. 3u Sßorti^er 125, 4, au ©. 11. 



Znkalt XXXIII 

9lm @tab ju gufe 9c§n 275. — 8u @. 23. wich 281. — 8u ©. 28. 2)ic 
gelehrte ^ilbung äBoIt^erS, au @* 33. Sd^önbad^g biograp^ifd^e ^ud* 
beutung 282. — gu S. 37. SSorbilbcr für aSBaltl^er« Sprud^poefie 
284. — 3u @. 39. SKartinStag 285. — 3u @. 46. Quos tenuior 
compescit numerus, ju @. 46. 47. ^er ©egenfa^ atoifd^en bem äBiEen 
beS ^apfteS unb feiner »latl^geber 286. — 3u 6. 47. 2)er $apft ift 
3U jung 288. — 3« ®' '*^- ©ntfdjeibung beö ß^arbinallegaten über bie 
3»ain8er a)oppeln)al^I, au S. 49. ©efälfdjtc »riefe be« Zapfte« im 
Si^ainaer Sc^iSma, a^ S- 52. Sob bed ^ofbienfteiS ber 2;i^üringer unb 
Sac^feU; au S- 56. äBaltJ^erd ©infü^rung an ben #erreid^ifd^en $of 
289. — 3u ©. 57. Söalt^er« Sob beS ^ßatriard^en^ofe« a« 3lquileia 
(»oncompogno unb Söalt^er) 290. — 3u @. 68. Söalt^erä fiob ber 
3;reue beS 3»ei6nerg 294. — 3u @. 73. 3)ie fleben ^apftfprüdje beS 
aroeilen Dttentonö, au @. 76. 2)er S3oaener Söein in ^egcrnfee unb 
SBoIframS @pott 295. — 3u ©. 85. Engelbert oon ^öln, au @. 97. 
@in mittelaltcradjer ©amlet, a« @- 98. Stolle (32, 11) 297. — 3u 
@. 119; 2. »ericfttigung, a« @- 137. a)ie füraere Slecenfion ber Äölner 
^bnigiSd^ronü, au @« 138. 9lagele über bie armen künege 301. — 
3u 6. 139. Segriff künec, au @. 144. ®cgenfa^ an^Ucä^^n ben (armen) 
Königen unb bem (reid^en) Äaifer 302. — 3u 6. 145. 2)ie Sebeutung 
beiS 5!önig!Sfd^a^e§ 303. — Qu @. 164. armer man, au @. 178, 15. 
Serid^tigung, au @* 190. ©inwanb gegen bie (Srflärung ber armen 
künege 304. — 3u 6. 213. 2)er Äampf mit 2)änemarf unb SBaltl^crS 
«efudj ber %xat)e 306. — 3u @. 219. 2)ie poUtifdJe «cbeutung ber 
9ieid^$mini{ieria(en/ au S- 246. $einrid^ oon äBalbburg^ au @. 251. 
9ieid^§minifterialen unb Sieid^dinftgnien; au @. 252. Xit b^naftifd^en 
©eftnnungen ber S^leicftSminifterialen 314. — 3u @. 254. Philippe 
setze en weisen üf : bie Sebeutung beS SBaifen 315. — 3u @. 255. 
äBaltl^er 18, 32: sin keiserli^chez houbet 317. — 3u @. 262. Mde 
und reht (8, 26) 319. 



2B u t b a (^ , aSaltl^er t^on ber S^ogeU^eibe. ni 



tthtnabiltf. 



m* 



TT^alt^cr öon ber Sogettoctbc tfi neben SBolfram bon 
^^ efd^enbad^ ber fltöBte $oet beg beutfd^en 2}littelattet8. 
(Seinen 9lamen nennt gteid^tool nur eine einaige urfunblid^e Slotia : 
bie Keifered^nungen M ^ajfauer Sifd^ofä SBolfger bon 6Ilenbred^t8» 
Krd^en. ©ie ber^eid^nen, baS Walthero cantori de Vogelweide 
5U 3^if^Iinauer an ber Sonou in Slieberöfterreid^ bom 93if(^of 
fünf ©olibi für einen ^etatodt gefd&enft tourben. fö toar, 
wie nähere ttnterfud^ung feftgefiellt ^at, am 12. giobeniBer beS 
Sal^reS 1203. Sie gleid^a^itigen SDid^ter ©ottfrieb bon Stras- 
burg, aOBoIfram bon 6fd§enbad^, Sl^omafln bon Si^claria ertoäl^nen 
SBaltl^er unb beaeugen baS Slnfel^en feiner ^oefte für ba8 erfte unb 
atoeite Sal^rael^nt be8 13. Sal^r^unbertS. Süngere ftunflgenoffen 
rül^men il^n al§ il^ren SDleifter. Ueber fein ßeben unb feine $erfon 
unterrtd^tet aUetn feine eigene Sid^tung. @ie entl^üUt ein betoegteS 
S5afein, eine reid^e, leibenfd&aftUd^e , finguläre 3nbibibualit&t , bie 
ürfprünglid^feit unb (Srö^e be» ©enieS. 



ßrfteä ßapitel. 

Sie 3eit feiner ©eburt unb feinet SobeS Iftfet ftd^ aKein 
burd^ gombinotionen unb aud^ nur annäl^ernb beftimmen. 3tt beut 
Siebe Ir reinen wlp, ir werden man (ßad&mannä ?lu8gabc 66, 21) 

»urbac^, SBalt^cr oon ber 33ogelireibe. 1 



2 (Erftes Capitel. 2Ieuficrc pcrfönlid?e I^erljälttiiffc. 

fagt aSßaltl^cT, er l&abc öictaig Saläre lang ober mcl^t öon TOinnc 
in bct tcd^tcn SBcifc gefungcn. 68 nötl^igt lein (Stunb, btefe» (8e» 
btd^t, tDte Stieget unb üotübetgel^enb äBtlmannS üetfud^t l^aben, t)ot 
aßaltl^erg le^te Sebcnöaeit au fe^en (ö. Äaraian, Uebet jtoet 
(Sebid^te äBaltl^et« ö. b. 3}., S. 5: ©i^ungöb. b. SBien. «fab., 
^l^il.-l^ift. 61. 1851, Sb. 7; Sutbai^, «einmat unb SBaltl^er, 
©.6 f.). S)i^ fpätcfte ftd^ere ©pur in SBaltl^erg Seben toeift nun 
aber in ben 9(udgang bed brüten ^al^rael^ntd beg 13. ^al^rl^unbertö, 
in bie 3cit be8 ÄrenajugS, ben Äaifer gtiebvid^ IL nad^ langen 
äJorbereitungen unb toieberl^oltem Sluffd^ub enblid^ auf eigene ^anb, 
t)om $ap{le gebannt, int gf^ül^Iing unb Sommer 1228 5ut SluS« 
fül^rung brad^te. 

S)ie fogenanntc (Slcgie Ow§ war sint verswunden (124, 1) 
entftanb nad^ ber Sannung beg Äaiferö (Anfang Dctober 1227), 
auf toeld^e bie unsenfte brieve her von R6me (3J. 26) anfptelen, 
unb öor bem eigentlid^en Äreu^ug, b. 1&. bor bem 28. 3uni 1228. 
S)ie SJerfud^e, bieg @ebid^t mit frül^eren Jtreuaaugggebanlen unb 
fltcuaaugguntcrnel^mungen in S^fammenl^ang au bringen, jinb ge« 
atoungen unb toerbcn je^t ttjol faft allgemein bon ber gorfd^ung 
abgelcl^nt. 5Jlan barf bcmnad^ baS ßieb Ir reinen wtp, ir werden 
man fpätcftcng ing Sal^r 1228 fe^cn unb erplt, toenn man bon 
ba bieraig Saläre aurüdred^net , atö änfangöaeit bon SBaltl^erg 
3)id^ten etma 1188. @ibt man il^m für ben Seginn feiner lünfl- 
lerifd^en gaufbal^n ein alter bon atoanaig Salären, fo wäre er 1168 
geboren. 

Sid^erl^cit ift in biefer Sered^nung nid^t, unb man lönnte auf 
ein Sal^rael&nt frül^er ober fpftter babci lein ©ewid^t legen, ©ie würbe 
gana in ber Suft fd^toeben, liel^e i^r nid^t bie (grloägung ber ®e- 
fd^id^te beg 9!Jlinnefangg eine ©tü^e. ®ic neueren Sorfd^ungen, on 
benen nomentlid^ ©d^erer, SBilmanng unb id^ felbft betl^eiligt ftnb, 



£cbens3eit. 3 

l^aBen bic innere ßl^tonologic ber mitteH^od^beutfd^en ß^ril !tat» 
gefieUt. 2Bit betmögen bie aUmäl^Ud^e SluSbilbung beS ^innefangS 
bon feinen ptimitibflen Anfängen ^xtmlid^ genau ftufcntoeife au ber- 
folgen. SBaltl^er fielet in fünftlerifd^er »e^iel^ung, burd^ ©til unb 
))oettfd^e £ed^ni!, fo tceit ab bon ben älteften l^öfifd^en 3Rinne- 
fftngem, ^cinrid^ bon SScIbele (f. 91. S). SB. XXXIX, 565 ff.) unb 
gricbrid^ bon Raufen (f. 31. S). ». XI, 86 f.) , bafe atoifd^en il^m 
unb jenen ein nid^t au Heiner S^^^^^^^ ^^ auSbel^ncn muß, unb 
bieg um fo mcl&t, aU er in Dejicrrcid^ feinem eigenen S^wpife 
nad^ feine bid^terifd^e @d^ulung geu^ann, in bemjenigen Sanbe, bag 
am fpäteflen bon bem Strom ber l^öfifd^en, aug bem SBeften 
fommenben 6ultur unb $oefte erreid^t mürbe. S)er Sintoanb 
9lageled, SBaltl^er l^abe lange 3^it bor 1190 ^u bid^ten angefangen, 
ed fei aus biefer grül^aeit unS nur nid^td bon feinen Siebern er* 
Italien, ifl atoar nid^t ftrict au u^iberlegen, aber bafür aud^ loenig 
glaublid^. 9lid^t biel bor 1190 barf man ben 9lnfang bon SSßaltl^er'8 
SDid^ten fe^en. 

ailit bem Sal^r 1228 bexfd&toinbet SBaltl^er au8 unfern Singen, 
^at er n^irllid^ ben Areuaaug biefeS S^al^reS mttgemad^t unb felbfl 
ba» l^eilige Sanb gefeiten, wie fein ftreuatieb (14, 38), baö man am 
befien auf bie gfal^rt gfriebrid^S II. unb feine frül^ere beaiel^t, aud« 
fprid^t? Ober gibt er nur ein $]^antafiebilb ber getoeil^ten ©tfttte? 
3e nad^bem man in bicfem Sieb bem S)td^ter mit ßad^mann, Pfeiffer, 
SBilmannS eine f^iction antraut ober mit Simrod, SBadernagel, 
9tieger, ^Jaul fie auäfd^licfet, mu§ man jene Sfragc beantworten. 
Sd^toerlid^ aber toirb man annel^men bürfen, bag äBaltl^er bad 
3a]^r 1228 lange überlebt l^abe.. 



€rftes (Zapxicl ^leußcre pcrfönlidje Derliältniffc. 



Jlßßunff nnb ^ianb. 

9lame unb Stanb beS 2)i($tetd ettegen mannid^fad^en S^tx]tL 
SSöUig fcftpel^enb unb Icinetlci fd^loanlenber auffaffung auÄgefe^t tjl 
nur, baß er bon botn^ercin äBaftl^ct gcl^eifefn l^at. SSßicberl^oIt 
nennt et fid^ fettft fo in feinen (Sebid^ten: et Iftfet jtd^ bom $of 
ju SBien (24, 34) unb bon Stau SSBelt (100, 33) mit biefem 9lamen 
anteben unb in einem fteitid^ ange^loeif elten , obet loal^tfd^einlid^ 
ed&ten ©ptud^ (150, 89) ftil^tt et fid& felbp afö ich Walther ein- 
3[n 5loei polemifd^en (Sebid^ten gegen feinbtid^e Stioalen in bet Aunft 
(18, 6. 82, 12) gibt et fld^ baö ?Jtäbicat h^r bea- h§rre, roeld^e^ 
nad^ bet gemöl^nlid^en SJleinung nut ^ännetn tittetlid^en Staubet 
aulam. 

SBaltl^etS flunftgenoffen fpenbeten il^m, wo fie il^n ettoäl^nen, 
nut tl^eiltoeife bieg el^tenbe Seiioott: SBolftam ^at^ibal 297, 24 
hgr Walther, SBiEel^alm 286, 19 h^r Vogelweide; ebenfo hör bet 
Watnet (Sttaud^g äuSgabe XIV, 18, ©. 113, 274), bet SBattbutg» 
ftieg, Sllbted^t im jüngeten Situtel, ^ugo bon Stimbetg in feinem 
aiennet. anbete loie ein änon^muö in ßad^mannö äßaltl^etauggQbe 
(119, 11), nitida bon Singcnbetg (ebb. 108, 7), SHubin (öon bet 
^agen, SJlinnefinget IV, 871), 9leinmat bon Stennenbetg (ebb. 871) 
btaud^en in ))oetifd^>t)etttau(id^et äintebe ben einfad^en $etfonen< 
namen ol^ne leiteten S^U^- 

S)et Xitel her erfd^eint nut, too man ben 9lamen beS S)id^tet& 
mit einet getoijjen götmlid^Ieit nennt. Sftftigen unb betäd^tlid^en 
SBibetlad^etn gegenübet gibt et il^n fid^ felbft, feine gefeöfd^aftlid^e 
SteHung bamit l^etbotaul^eben. 2Bo man feinet l§öfiid&, abet ol^ne 
befonbcte SBätme gebeult, mu§ ba» el^tenbe äßott pd^ gleid^faß^ 
einfinben. Slbet fonft lann eg aud^ fel^len. 68 ift nid^tg weitet 
ate ein (Spitl^eton, baS iebe« TOitglieb bet l^öflfd^en ©ocietftt 



2Ib!unft unb Starib. 



6eanf))tud^en batf. 3a eS lann fd^toetlid^ bealoeifelt toetben^ bag 
man in jenet 3cit aud^ SRänner, bie nid^t loitflid^ bie SlittettDeil^e 
empfangen l^atten, ja nid^t einmal xitterlid^er (Scburt loarcn, her 
nonnte. ©d^ulte l§at (Seitfd^t. l b. aitertl^um 39, 210. 213) seaeigt, 
baB in ben Urlunben bed 13. ^al^tl^unbertg l^bl^ete, oft aud^ ntebete 
®letifet bie 2!itulatut her be^. dominus füllten unb feit ber 5Jlitte 
be8 3a]^Tl§unbertg in 3ütid^ tDcniöftcnS aud^ nid^trittcttid^e Sütger. 
3ebet tjoHenbS, bct nad^ ritterlid^et Slrt im ^of» unb ^ertenbicnft 
lebte, etl^iclt ben gl^tennamen her au8 ^öfiid^teit, ol^nc bafe eine 
^l^nenprobe angeftcHt ober nad& feiner giittettoeil^e gefragt tDutbe. 
3tDat l^aben bie 1152 erlaf^enen SSeftimmungen ber Constitutio de 
pace tenenda jum Sd^u| unb ^ax Slbfd^licßung bfö legitimen JRitter* 
ftanbcg, bie S)ecember 1186 in ber Constitutio contra incendiarios 
mieberl^olt mürben (Saßinger, Ministeriales unb Milites, S. 87; 
^euöler, 3nftitutionen bc8 beutfd^en ^riöatred^t« 1, 172; aiotl^ 
t)on ©d^retfenftein, aiittertoürbe, ©. 149 ff.), ben Segriff ber SRitter- 
bftrtigleit unb ben 9lad^mei8 berfelben burd^ öicr Sll^nen ^ur ®runb= 
(age bed @tanbed au mad^en gefud^t. älber fle l^aben nie gana 
tet^ütet, ba^ aud^ giad^tommen unebenbürtiger SSäter ober ©roß- 
t)äter bie SJorred^te ritterlid^en Sebenö unb bie bamit öerbunbenen 
(S^rentitel fid^ gemannen, unb mod^te autoeilen baS ein faiferßd^er 
3)i8t)en8 ettoirlen, über ben be8 üpetru8 be SSineiS fjormelbud^ 
auslauft gibt (»otl^ b. ©d^redtenftein a. a. €),, S. 197), ober ein 
befonbereg föniglid^eS 5PribiIeg (a. S. für bie Sürger SafeK: 
Neugier 0. a. D. 1, @. 181 Snm. 17), fo gefd^al^ es bod^ gemig 
nid^t feiten aud^ ol^ne fold^e auSbrüdlid^e (Srmäd^tigung. 9lur fo 
begreift man SSßimtS öon ©rafenberg (aSßigaloig 63, 29 ff.) 3orn 
über bie iUegitimen älitter unb bie SSerleil^ung beS @d^merteS an 
Unmürbige, burd^ (Seburt unb Seben t)on Sled^tSmegen Unritterlid^e. 
(Srmägt man nun ferner, bafe erfal^rungSmäfeig bie 2!itulaturen bie 



6 (Hrftes Capitel. ^Icußere pcrfonIid?e Oerljältniffe. 

£enDena l^aben, bad teale @tanbe8t)et]^ältnig }u etl^öl^en unb bet em= 
))otftrebenben focialen (Snttoidtung t)oran5ueUen , fo toitb man auS 
bet Zl^atfad^e, bag unfere großen @ammell§(mbfd^ttften SBoltl^et 
übertDiegenb ben Flamen her geben, nidbtd Sid^eteS übet feinen 
Stanb au entnel^men toagen. 

9Bi($ttget ift feine Stellung in ber genau abflufenb nad^ 
Stftnben orbnenben (Sd^ulte, Seitf(%r. f. b. altert^. 39, 185 ff.) 
großen «^eibelbetger SiebetJ^anbfd^rift : l^iet fielet et in bet btitten 
(Sixuppt, todä^t bte SRinifletialen unb ben unfteien Sanbabel umfaßt. 
Slbet aud^ bataud folgt nod^ nid^t unaioeifell^aft, bag feine gfamilie 
beteitd tittetlii^en @tanbeg »at. S^ebenfaUS lögt fid^ äBattl^etS 
Sftittctbüttigleit butd^ äufecre Scwö^^ifff «i^t betoeifen. 

äluS bet 9(ngabe einet l^anbfd^tiftltd^en @ifenad^et S^tonit be^ 
15. 3a]^tl§unbett8 (Berol. mss. germ. 4: 9lt. 252), bie ben SSßatt« 
butgftieg etjftl^It unb babei SSBaltl^et ritterslaht nennt, l^at aOBinlet» 
monn (Sefd^id^te Äaifet ^tiebtid^S II. unb feinet Steid^e, Sb. 1, 
@. 72 anm.) mit Unted^t füt SSBattl^etg ^etlunft ©d^lüffe gebogen. 
(Sbenfottjenig batf be8 Sol^anneS 3tote jenet ßl^tonil nal^ bet» 
loanbtet SSetid^t bom SBattbutgftieg (bon bet ^agen IV, 878 a), 
loonad^ SBaltl^et unb bie übtigen £]§eilne]^met an bem S)id^tet= 
toettflteit rittermessige man und gestrenge weppener getnefen feien, 
als l^iftotifd^ed ^ocument benu^t toetben. S)enn all biefen 
tl^ütingifd^en (Sefd^id^tdbatfteQutrgen liegen belanntlid^ ftati fabuIoS 
audgefd^m&dEte QueUen au @tunbe. anbetfeitS gibt ed bod^ aud^ 
fein bitccteg Scupife für eine nidöt'tittetUd^e Slblunft SBaltl^et». 
äBenn tl^n gteid^aeitige unb iüngete S)td^tet meister nennen, fu 
lüoEen fie bamit, inie bet äwfatnmenl^ang biefet ßttoftl^nungen un» 
atoeifcll^aft lel^tt, nur feine Itinftletifd^e Stefftid^feit unb Uebet« 
legenl^eit be^eid^nen, nid^t aber ettoa auf feinen bütgetUd^en @tanb 
l^inlneifen, toie ^eintid^ Äuta feltfamet SBcife glaubte. 



2IbFunft nnb Sian\>. 



Sd gibt inbeffen getoiffe innete (Srünbe, bie für tittermägige 
Stbflammung bed S)td^terd fpred^en. Seine (Sebid^te geigen, bag er 
fid^ ate ein 3RitgIteb bet guten b. 1^. ber ]^5fifd^en (SefeUfd^aft fidler 
unb mit tioQIommenet SSel^errfd^ung ber ritterlid^en xSoxmtn be« 
toegte. 3ei jeber (Selegenl^eit gibt er jtd^ olg ftenner beS u^a^ren 
]§öflfd^en Sonö, ber ed^ten rittertid^en ©itte, ber ebeln ^ocjte. (5r 
bltdt berQd^tungdt)oQ auf jebe litterarifd^e ülol^eit in ^offreifen 
^ernb unb fonbert gcbilbete 5Pccjte fd&arf tjon ber, bie er aö bäurifd^e 
tetftd^tlid^ mad^t (65, 31). S)anad^ mu§ man Sebenlen liegen, il^n 
aß einen TOann ööHig niebrer ^er!unjl au betrad^ten. SBenn er 
fd^Iiefelid^ Dom flönig belel^nt loub (27, 7; 28, 31), fo fpri^t bieS 
fretüdö nod^ leineSwegS bofür, bafe er ritterbürtig gettjefcn; benn redete 
£e]§en fonnten nad^ Sel^enre^t juiar nur Stittetbürtige emt)tangen, 
ffiienftlel^en bogegcn oud^ ein jeber, ber rittermöfeig SBaffenbienft 
tl^at (SidEer, SSom ^eerfd^ilb, @. 174 ff.; Saltinger, Ministeriales 
unb Milites, S. 41 ff.; giotl^ b. ©d^redtenftein , 9littcrlDÜrbe, 
S. 190. 192; at. ©d&röber, 8el§rbudö ber bcutfd^en 9lcd&t8gefdöi(^te, 

5. 383; t). 3nama.@ternegg, Seutfd^e 3Bitt^fd&aft8gef(^id&tc 2, 57 f. 
183 ff.; Neugier, Snftitutionen 1, 171 ff.). 3Rit aßem Jlad^brudt 
ift aud^ aU burd^auS irreftt^tenb ber @a| @d^5nbad^$ (SBaltl^er, 

6. 40) aurüdfauweifen : „fo fidler eS ift, ba§ aBattl^er einem eblen 
©efd^led^te angel^örte." 5S[u8 einem „eblen" ©efd^led^te, worunter 
man im Sinne ber mittelalterlid^en Stanbe^berl^ältniffe aunäd^ft nur 
ein tDirHid^ altabUd^ed, freies @ef^Ied^t, eine f^amitie Don freien 
Ferren (greil^erren) betftcl^en fann, ift SBaltl^er iebentaltg nid&t 
]§ert)orgegangen. SBir werben öielmel^r — bofür wirb fid^ nod^ fpftter 
(unten @. 18 f.) ein befonberer (Srunb ergeben — feine Familie 
im unanfel^nlid^ften %^ül ber Stitterbürtigen fuc^en, im Äreife ber 
meberften SRiniflerialen, ber fogenannten Milites, ber S)ienftmannen 
öon freien Ferren ober SRinifterialen , bie in unfern CueÜen auf 



8 €rftes Capitcl. ^leugcrc perfönlidie I^eri^ältniffc. 

baS Beftimmtcpe öon ben l^öl^cr gead^tctcn Ministeriales, ben SDicnjl» 
mannen bcr gicid^Sf ürflcn , ©tafcn unb $tftlatcn gcfonbctt toctben. 
@elbft nm etneS redeten Seiend tDÜrbig au fein, bebuxfte man 
nid^t bcr fötmlid^cn SRittcrtDeil^c. Sud^ tittetbüttigeÄnappen 
maten lel^ndfäl^ig. Unb man !ann, tote fd^on 1822 U^lanb getl^an 
l^at (Sd&riften 5- ®efd^. i>. S)id^t. unb (Sage 5, 14), )tf^x atocifeln, 
ob SQBattl^er ttjirftid^ bic atittcitocil^c cmpjangcn l^abc unb babutd^ 
fotmeQ felbft ätittet getootben fei. S)ad $töbicat her, ti^eld^eg tl^m 
bon betfc^iebencn ©citcn beigelegt tt)irb, betmag l^ietjüt gor nidfetg 
au bereifen ^ benn aud^ nad^ bet l^enfd^enben äSeuril^eitung fönnte 
ed l^öd^ftenS für feine ^bftammung in iBettad^t fommen. ^ud^ aU 
tittetbürtiger flnatJpe !onnte er fid), fonnten anbete il^n fo nennen. 
aOBenn aber in ben beiben Sotenliebern (113, 1 unb SJlinnef. gtül^I. 
214, 36, bg(. SBilmannö^, @. 437 ff.), beten atociteg fd&metlid^ 
aOBattl^er geptt, unb in bem gftauenmonolog (113, 31) bon einem 
aiitter bie SRebe ift, fo lann aud^ baS nid^t« entld^eiben : l^ier l^anbelt 
eg fid^ um bie conbentioneöe SDatfteHung eines t^pifd^en aSetl^öttniffeS 
ber l^ol^en aJlinne; l^iet tebet bet ©d^ület SfteinmatS; unb nid^te 
fann betanlaffen, barin eine Sßl^otograpl^ie petfönlid^et (gtlebniffe 
nid^t nut, fonbetn fogat tjetfönüd^et äufeetet 8eben2bet]^äUnt|fe 
au fud^en. (SS ift ein lounbetlid^et 3JU^gtiff, in einet poetifd^en 
@attung, too t)ot aEem %ealen %RaS!e unb Sd^Ieiet l^ängen unb 
iebet bie $etfon bettatl^enbe, baS ©el^eimnift betle^enbe inbibibueHc 
3ug fotgfättig betbedt n^itb, utfunblid^e @enauigleit, foaufagen 
ftanbeSamtUd^e Slftibie füt bie $etfonalien beS SDid^tetS a" ettoatten ! 
SBatum nennt ftd^ Söaltl^et benn niemals glittet in feinen ©tJtüd^en, 
bie fid^ fo biet tealet unb fo biel petfönlid^et geben? SDie Steife» 
ted^nungen äBolfgetS getoöl^ten il^m, obtool fie il^n ^toti Wal 
etttJöl^nen, loebet ein dominus nod^ ein miles. ©etoife, l^iet lann 
gflüd^tigleit obet bie in Urtunben nid^t feltene 9lad^Iäffig!eit in ber 



2Ibfunft unb Stan\>. 



WxtDtnhnni ber Titulaturen t)orliegen. Sd^tuetlid^ abet batf man 
bte um anbertl^alb ^al^rl^unberte jttngete unb für biefe S)inge 
faum nod^ autl^entifd^e 3loix^ im 3RanuaIe bed anid^ael be Seone 
(gcflctt 1354) milite Walthero diclo de Vogelweide bagcgen au8» 
ft)ic(cn. gftciltd^ fonn man anbetfctt^ aud^ nid^t bcn Sitel der 
guote kneht, bcn Sl^omajtn im äöclfd^en @afl SEBaltl^cr öoll 
gfimenber 93ett)unberung beilegt, bafür geltenb mad^en, SBattl^et fei 
nur xitterMrtiöex ffinajjpe geloefen (SBadEctnagel bei ©imrod 2, 118), 
nod^ weniger aber mit SSßitmann» (8eben SBaltl^crg, @. 300, 
anm. 24) annel^men, Sl^omaftn l^abe bad SBort gewöl^It, toeil 
S&altl^er bamali nod^ fein ritterlid^eS @ut befa^. S)enn einmal 
lonnte kneht (servus) jeben 9Jlinifteriaten, ni^t bloß bcn mit feinem 
aSeneftcium belel^ntcn be^eid^ncn (SBai^, S). ajerf offungSgefd^ic^te ^ 
5, ©. 333 5lnm. 2, ©. 347), aufeerbem ober totrb ber äuSbrudE 
der guote kneht formelhaft gerabe bon 9tittcrn ieber 3lrt, aud^ 
Surften, gebrandet, nur um fie ate tapfere unb el^renl^afte aJlänner 
au d^aralterifiren (©ilbebranb, SD. SBb. V, 1382 f.), unb biefen 
Sinn mottte toal^rfd^einlid^ aud^ X^omaftn bamit berfnüpfen. 

SBol aber ift mit U^lanb unb anberen @etDid)t ^u legen auf 
eine Sleufeerung SBaltl^erg felbft in feiner glegie (125, 1 ff.): bort 
fteOt er fid^ ben SRittern, ben Septem ber gewihten swert, gegen» 
über unb mal^nt fie, fl^ bon il^nen fonbernb, an eine Slufgabe, 
bie i^nen aufteile , bie Äreuafal^rt. äßarum biefeg daran gedenket 
ritter, ez ist iuwer dinc, toenn er fid^ felbft ju il^nen red^nete? 
toarum bie Setonung il^rer ©tanbeS^eid&en, toenn er fie felbft gleid^» 
fattö befa§? SBar ber @runb, tt)eg§alb er bie SRitter bon fid^ 
trennte, fein l^o'^eS 3llter, baS il^n lampfunföl^ig mad^te, fo l^ätte 
er bad beutlid^ gefagt: er l^ätte bann nid^t bie 9litter ind« 
gemein, fonbern bie jungen 9litter an il^re SPflid^t erinnert; 
er l^&tte nid^t ben SSßunfd^ auSfpied^en lönnen, der sigenünfte wert 



10 €rftcs Capitel. 2Icu§ere pcrfönlid^e Ocrljälttiiffe. 



jtt fein (125, 4), fonbern öirimcl^r nur bic au ^^^ crfotbcrltd^c 
Slüfltgfcit fid^ ctfcl^nt. Sad^mann l^at ju 14, 38 xid^tig bemetit, 
baß SBaftl^cr l^tct ,,fid^ bcr ßl^re, an bcr lieben reise über ©ee 
tl^etljunei^men allau gering ad^tet". SBag il^m fel^lt, beutet er an, 
toenn er fidö mit oHerbingS boppelfinnigem 3lu8brudE nötic man 
nennt (125, 5) b. 1^. bebürftig in eigentüd^em unb in geiftlid^em 
Sinn; ed entl^üQt fi^ tiöQig in ben etwa gleid^aeitigen , burd^ 
Stimmung unb baS refrainartige Ow^ ber (Stegie aufö näd^fte Der» 
nianbten Areu^fprüd^en Ow^ waz ^ren sich eilendet tiuschen landen 
(13, 5 — 31): manheit, darzuo silber und daz golt (13, 6) gebrid^t 
bem ®id^ter, biefer 5JlangeI l^inbert il^n an ber gal^rt. griebrid^ II. 
l^atte im Vertrag Don ©. ©erm'ano (25. 3uli 1225) ftd^ öerpflid^tet, 
im Sluguft 1227 mit taufenb Gittern antreten unb für atoei« 
taufenb Slitter unb il^re Segleitung Sßferbe unb Sd&iffe bereit l^alten 
au ttJoHen. S)ie frül^ercn bemotratifd^en SSeftimmungen 3nnocena^ III. 
in feinen ffiteuaaugSbuKen ber 3fa]^re 1213 unb 1215, toeld^e bie 
£]^eilnal§me am Areuaaug jebem ol§ne Stüdfid^t auf Stanb unb 
S3eft^ als $flid^t auferlegten, bie man jebod^ burd^ (Selbaal^Iung 
ober einen ©tellöertreter ablöfen lonnte, l&atle ^onoriu« anfangt 
betbel^alten , bann aber burd^ bie ftreuatJrebiger unb bie übrigen 
(Seifilid^en nur fold^en Sßerfonen baS Äreua anau^eften geftattet, 
tneld^e burd^ Iör))erlid^e Süd^tigfeit unb materieUe Selbflänbigleit 
baau geeignet fd^ienen (Emo Chronicon Mon. Genn. Script. XXIII, 
499, 3* 19 ff.). ®amit toar auf bie älteren ftreuaaugSorbnungen 
Äaifer Sriebrid^Ö I. unb ber Surie aurüdEgegriffen toorben, bie aur 
Äreuafal^rt feinen auüefeen, ber nid^t ein Sal^r ober atoei Saläre pdö 
felbft erl^alten !onnte unb üöQig Iriegdfäl^ig toar. f&ti bem iheua- 
jug beS Saläre» 1227 ^errfd^te gleid^tool über bie Sebingungen au^ 
Sl^eilnal^me eine getoiffe UnHarl^eit. griebrid^ II. l^atte ftd^ in 
einem unöorfidötigen Slugenblitf (©erbft 1226) a^ ber ßrfWrung 



2Ibfunft nnb Sianb. l\ 



l^tntetgen laffen, eS tDürben für aQe ol^ne Unterfd^ieb Sd^iffe Bereit 
fielen. Später (Sommer 1227) jetgte ftd^, bafe toeber bie SranS« 
t)ortmitteI nod^ bie ^Vorbereitungen aur SJerpflegung audreid^ten, unb 
bcr $apft lonnte l^ier mit feinen Slnflagen gegen ben Äaifcr ein« 
fe^en. 3lu8 S)eutfd&lanb jogcn inbeffcn au biefer ganacn gal^rt übet- 
wicgenb tcid^e unb angef eigene ^ilger au8, foba^ biefer Äreuaaug 
aud^ expeditio nobilium et divitum genannt warb (Slöl^rid^t, Sei- 
träfle 1, 18 3lnm. 103). »18 bann bie Äreuafal^rt burd^ bie 
Arantl^eit bed ^atferS unterbrod^en ti)ar unb nad^l^er tro^ ber 
IBannung im ^rül^Iing 1228 mieber aufgenommen lourbe, beftimmte 
griebrid^, ba§ 8 Selben aufammen je einen Stitter fteHen foHten. 
ffier 3w8W6 ^«8 Seutfd^Ianb blieb flering unb toar burd^. bog 
Iricgerifd^e SSerl^alten ber SJeroncfcr unb 2Jlai(änber erfd^mert. SDaä 
neue Äreua^eer, baS am 28. 3[uni 1228 mit bem flaifer in 
SSrinbift ftd^ etufd^iffte, loar nid^t ftart. S)anad^ toirb äBaltl^erd 
ßlegie, bie auS bem SBinter 1227 ftammt, berftänblid^. Sr mu^ 
bie fäumigen Stitter antreiben unb fül^It fid^ felbft toeber burd^ 
fein Vermögen nod^ burd^ feinen Staub legitimirt, mitauaiel^n: er 
Befa§ nidöt bie Slbaeid^en ber ritterlid^en äBürbe; er berftigte tro^ 
feinem Sel^ngut nid^t über augreid^enbe @elbmittel, um an biefer 
expeditio nobilinm et divitum fid^ ^n bet^eiligen. 

3Bieberum jebod^ fönnen aUein innere (iSrünbe annä^ernbe 
(Betoi^l^eit bringen. SSaltl^er l^at fid^ niemals aU Stitter bon ä3 e - 
ruf gefül^lt. 3tt)ar er befaß, minbeften8 au 3^^^^^ in Sl^üringen, 
einen eigenen Änajjpen ®ietrid^, ber au $of reitet (82, 11); atoar 
erfd^ien i^m, ber au $ferbe in ritterlid^er SBeife einl^eraog (24, 20 ; 
28, 8; 53, 18; 84, 15), toie übrigen« aud^ bcr fal^renbe TOeifter 
©igel^er (3Rtnnefinger II, 361 b), ber fid^erlid^ nid^t ritterbürtig unb 
nid^t Stitter mar, aud^ nid^t rittermäßig lebte, am Stab au ^uß 
3u gcl^n aß bcr äufeerfte benfbare (Srunb ber ßrniebrigung (66, 33). 



12 (Hrftcs Capitcl. lleugere perfÖtilid?e J^crljältniffe. 

%Ux ftola ift et nur auf feine flunfi. SBenn er fid^ rüi^mt, toenn 
er änfprud^ auf Slnerlennung unb gl^re erl§ebt, immer fül^rt er 
feine bid^terifd^en Xl^aten aU dted^tstitel. (Sr toeig fid^ ben 
©ttimpern unb l^alBen Talenten überlegen: felbft einem 9teinmar, 
ber bod^ fein Seigrer toar ; toie öiet mel^r ber ganaen ©d^ar genannter 
(Stolle, Wicman) unb ungenannter mittelmäßiger 3lit)alen biö ^n 
ben snarrenzaeren (80, 33)! @egen aHe rid^tet er bic SBaffen 
feines Bpoii^ , feines 3otn8 , feiner SSerad^tung unb öertangt öor 
il^nen in ber ritterlid^en (SefeHfd^aft geeiert au toerben. aber loenn 
er überl§aut)t gegen Seute biefeg Sd^Iagö fo l^eftig würbe, fo beutet 
bad barauf, baß er fid^ in feiner focialen ^ofition nid^t gana fidler 
fül^lte. 6r tt)ar unb blieb gefettfd^aftlid^ ein gorbetnber, fein beatus 
possidens. Sr bettad^tet fid^ bon jel^er aU Sel^ter tnal^ren l^öftfd^en 
aOBefeng, ed^ter 5lbe(8fitte. (5r red^net fid& barum au ben hovewerden 
(80, 34, in einem fp&teren ®ebidE)t freilid^). 6r magt, aud& bem 
Äaifer griebrid^ II. gegenüber butd^ feine „reid^e Äunft" (28, 2) 
fein Siedet auf SDBotilftanb unb Sefi^ au begrünben. 3lu8 öieraig« 
iäl^rigem red^tem Singen öon ebler SJlinne, au8 ber in feiner S)id^* 
tung offenbarten unverzagten arebeit, mit ber er fein geben lang 
nad^ werdekeit geftrebt (66, 34), leitet er feine beS Sol^neg toertl^en 
SJerbienfte in ber pfifd&en ©efeUfd^aft l^er (66, 21 ff.). (5r l^at 
bagegen nid^tg t}on bem t)otne]^men ritterlid^en @tanbegfinn SBirntS 
t)on ©rafcnberg, ber aU freier ^err i^n atterbingS ineit überragte 
unb im Setoußtfein feiner eblen ©ebuxt gegen bie eiferte, ttjeld^e 
nid^t Sittetbürtigen unb au ritterlid^em Seben auf bie S)auer nid^t 
galligen bie SlittertDürbe gaben (aOBigaloiS 63 , 35 ff.) , unb aw^ 
nid^td bon bem l^ö^ern focialen ©tola feinet il^m ber ^erfunft nad^ 
tneniger überlegenen gtoßen S^itgenoffen, SBolframS öon ßfd^enbad^. 
älud^ biefer tnar arm gleid^ SBaltl^er unb fud^te gleid^ il^m 
ben 6d&u^ ber gürflen, mag öieHei^t fogar eine 3^*^ lang toie 



2Ibfunft unb Stanb, 13 



aSßaltl^cr ein SBanbetlcfccn gefü^tt l^aben O^Jata. 499, 9). äbct il^m 
fielet fein Slittcrtcruf l^ö^cr als fein ©id^ten, aumal l^öl^et aU fein 
aßinncfang. Sonft lönnte er nid^t, fclbfl nid^t in einem Slugenbüd 
aoxniget Uebextreibung , ftd^ tül^men, bag il^m Schildes ambet an- 
geboren fei unb er nur l^ietbutd^ gtaucnlicbe getoinnen ttjoöe, 
nic^t burd^ feine Sieber ober fein ailftre (^ara- 115, 11), für \>a^ 
er freilid^ am 6nbe süezer worte au8 a^^^tem aJlunbe ]§arrt (5para- 
827, 28). 3n SSBolfram lebt bie attererbte Abneigung beg friegg» 
tüd^tigen Slblid^en gegen Pergament unb Sd^riftfleQerei, inSbefonbere 
gegen bad Sänbeln mit meid^en Sefül^Ien. Seine (Sraäl^Iung foE 
il^m leiner für ein Sud^ Italien. Segen ben ajlinncfönger Äeinmar, 
ber nid^t» ift afö ^eraenSttinbiger, fd^leubert er feine fpi^eflen Pfeile 
($ara. 115, 5). 9lt8 mannhafter giittcr fül^It er fid^ im ajoll« 
bcfi^ ber werdekeit, toenn er oud^ glaubt, bafe bie berflänbigen 
Samen ber @efellfd^aft il^n nad^ ber SSoUenbung feinet gpoS bom 
^araibal nod§ toertl^er fd^ä^en »erben ($ara. 827, 25). 

SSßaltl^er begel^rt ni^t ©letd^bered^tigung bon ber ritterlid&en 
©efeUfd^aft; er forbett SeifaE beS l^öflfd^en SpublicumS nid^t toie 
bon Stanbeggenoffen gleid^ SBolfram; er fül^U fid^ im lebl^aften 
9ett)ugtfein feiner S)id^tetgrö|e unb mit leibenfd^aftlid^er Smpfinb' 
tid^feit unb (Siferfud^t über il^re ^nerlennung toad^enb als ein anbetS* 
geartete^ SBefen, aber bod^ abl§ftngig. Cr beaeid&net fld^ at8 Seit- 
bertreiber: der mit werder kunst den liuten (b. 1^. ber ©efeÖfd^aft) 
kürzet langez jär nennt eg eine unter bem Flamen 9teinmatd bed 
Siebter» überlieferte Stropl^e (in 8ad)mann, @. 165). gr toirbt 
mit feiner Äunft um Sol^n, materieHen unb ibealeren; er bient 
fein Seben lang mit feinen SJetfen unb l^eifd^t bafür, oft Icbl^aft 
unb l^eftig, (Sntgelt: mtn minnesanc der diene in dar und iuwer 
hulde st min teil (66, 81). SSon icnen 9littern, bie am ^ofe 
beS ganbgrafen ^ermann bon Sl^üringen bei feinem erflen Sefud^ 



14 (Erftcs Capitel. 2Ieugcrc perfönlidje Ocrljältniffe. 

baS Ue^ergetoid^t l^atten, toeld^e nad^ altet SBetfe bie eigentlichen 
litterlid^cn ©tanbeggetDol^nl^eitcn pfieflten unb in Itieflerifd^er ©tftl^« 
lung bc8 ÄötpcrS fowie in fcftem 2!tunl il^tc ätitn^au^ioit fud^tcn, 
fal§ et jtd^ burdö eine ftluft getrennt: kenpfe b. 1§. ^aubejen, 
SRaufboIbc fd^ilt et fte fd^etaenb (20, 12) unb ftettt fte bamit in 
ben ßteig unel^tlid^et Seute, bie bct Sad^fenfpiegel (I, 38, § 1. III, 
45, § 9) jiifammen mit ben unel^elid^ (Sebotnen unb ben SpieHeutcn 
ate red^tlod auf^äl^It: et, bet felbft baS @eloet6e beS ©t)ieImannS, 
ttjenn aud^ auf feine, l^öl^ete SEBcife trieb! SSßolfram hingegen, 
obtDoI audö er bie tl^ütingif jä^e ^ofgcfcEfd^aft fd^etjcnb ftitifirt 
(üpar^. 297, 16), ftanb biefen glementen, benen minniglid^eg ajetfe- 
mad^en unrittetlid^ botfam, näl^et unb tl^eilte mit il^nen eine gctoiffc 
©erinflfd^ft^ung beä SJlinnefangö, bie et in feinet ©elbftber» 
tl^eibigung am Snbe beg atoeiten 3ud^g beg ^ar^ibal fo unbetl^ol^Ien 
augfpradö (bgl. Stofi^, Seitfd^t. f. b. aitett^. 27, 317 ff.), unb 
bon ber ein toenig felbft in ben ©Jjäfeen butd^f d^eint , mit benen 
et atoei 5JlaI auf Sieber SBaltl^etg anftjielte. Sietaigjäl^tigcn SWinne- 
fang im ®ienft bet ^ofheife, worauf äBaltl^er fo emtjl^atifd^ feine 
gefettfd^afttid^e ©tcHung grünbet, mürbe et nie ate CueHe ed^tet 
werdekeit l^aben gelten laffen. (Sin auf beibetfeitiget S^mpatl^ie 
betul^enbed ä^eti^ältnig bet beiben 5Did^tet, mie eS Sd^önbad^ 
(SBalt^et, ©. 104) fid^ auSmalt, in bem aOBotftam bon SBaltl^etS 
„unmittelbatet gttfd^c unb auSbauetnbet Sugenblid^Ieit ben an« 
fpotn empfing äut gortfe^ung unb SSoHenbung feines unftetblid&en 
SStxU^", läfet fid^ fd^Ied^terbing« au8 nid^tö erfd^lieften unb e8 et- 
fd^eint getabe^u unbenfbat nad^ aÜem, toaö toir mitMid^ bon 
gl^ataftet unb SebendfteQung bet beiben miffen. SBaltl^et mag bon 
aSSolftam geictnt l^oben, äßolftam nimmetmel^t bon SBaltl^et. Sd 
ifl nid^t bloß ein lanbfd&aftlid^et (Segenfa^ ber Silbung, toaS ben 
in £]^üringen eingetouraelten 9lotbgauet SSotfram bon bem in 



2IbFunft unb Stanb. 15 



Cepcrteid^ gereiften fSiali^n fd^eibet: e8 ift ein litterarifd^cr unb 
Stanbedgegenfa^. SSieQeid^t S)ienflmann (ober äSafaE?) ber (iSrafen 
tjon SBertl^eim (5Para. 184, 4) unb Don il^nen bclel^nt, ^err eineS 
toenn aud^ Keinen (SuteS, flonb äBolfram tro^ feiner 9lrmut]^ ben 
gfütflen unb ber l^öflfd^en ©efettfd^aft tjtel freier gcß^nüber: feine 
fociole Sage toor bon bonl^erein eine unablöftugigere. 9lid&t ol^ne 
Sinn bilbet bie große ^cibelberger Sieberl^anbfd^rift SBotfram in 
öoHer, jum ^amp] fertiger SRftflung ab, mit gefd^Ioffenem ^elm, 
fd^mertumgürtet, Speer unb Sd^ilb in ben ^änben unb bereit auf 
bem gcfattelten unb geaftumten 3log aufauft^en, SBattl^er bagegen in 
ber ©teHung beö S)enler8, auf einem Stein fi^enb in ernfte Setrad^« 
tungen berfunlen, ol^ne JRüftung, baS Sd^toert aur Seite geklont, 
unb in ber SBeingartner ^anbfd^rift fel^lt il&m fogar §elm unb 
Sd^ilb. SBoIframg ^ßoefie tönt in iebem ajerg bag laute, fpeer« 
unb fd^toertflirrenbe, pruntenbe, abenteuerlid^e Stitterleben toieber; 
er fielet bie SBelt nur mit ben 3lugen be8 JRitterg ; er berrittcrt fie, 
toic ein feiner Äenner feine» Stite, 8. SodE, ein befannteS SBort 
©oetl^eÄ über ^ebel mobelnb, treffenb bemerft l^at. SBaltl^er ba- 
gegen ftel^t atoar aud^ in rttterlid^em SBefen unb geben, aber nid^t 
mit ber *ßarteilid^Ieit beS StanbeSgefül^tö. 3a au8 einer gut- 
mütl^ig boÄ^aften SPoIcmtt äßolframg gegen ein Sieb SBattl^erS 
ftingt beutlid^ ber ajortourf : „S)u bift ni^t gana ebenbürtig, nid^t 
boll glitter!" 

3n bie berül^mte Scene, ba $arcibal bor brei SlutStropfen 
im Sd^nee in fel^nfüd^tige Siebeögebanlen an feine bertajfene @e» 
mal^ün berftnft unb felbft burd^ bie Sd^Iöge beS öortoi^igen Äeie 
ntd&t au8 feinen träumen geloedEt toirb, fd^altet SBolfram nad^ 
feiner SBeife einen nedfifd^en SluSfatt gegen bie grau SKinne ein 
(«ßara. 294, 21). 3Bie SBilmannS (Seben SSBaltl^crg, S. 453) 
rid^tig erfannt l^at, Iriegt bei biefer ©elegcnl^eit SBaltl^er einen ge« 



16 €rftes Capitel. 2ieu%cxe pcrfönlic^c rcrbältniffc. 



Unben $icb q6. ®ie g^^au 5Jlinnc, fagt aBoIftam, möge fid^ nur 
in ^d^t nel^men, ba^ man i^x nid^t bie Sd^läge, bte iparaiüal em> 
:pfan8en l^at, anted^nc, bcnn ein gebür tocmöflcnä b. 1§. einet, bct 
nid^t feftfl getool^nt ift, für erlittenen ©d^impf fofort mit ben 
SBoffen aSetflcUung ^n üben, ein 9lid^t ■ 3litter fprftc^e gleid^: 
„9)lcinem ^errn fei ba8 getl^an" b. 1^. als unfreier aJlann forbert 
er red^ttid^e Vertretung öon feinem §errn. S)er SBi^ Jiarobirt 
SBaÜl^er» ffilageruf an bie grau 5Rinne (40, 26): frowe Minne 
daz st iu getan, genau in berfclben art, toie aSßaltl^er (111, 32) 
SReinmarg »itb bom geftol^lenen Äufe (»DlinnefangS gr. 159, 37 ff.) 
beim SEBort nimmt unb butd^ ftrenge juriflif^e Folgerung als un» 
fd^idlic^ löd^erlid^ mad^t. Unb bieUeid^t fd^toebte äBoIfram aud^ 
aSßaltl^erS ^ütferuf an bie grau aJlinne 55, 8 bor, in bcm er fid^ 
atö pnnlo» l^inftettt unb beffcn tuon üf! (». 34) Sßara. 433, 1 
wieberflingt. aber biefer ©pott ift nid^t fo gana l^armloÄ. 6^ 
ftedEt barin, toaS SBilmannS nid^t l^erborl^ebt , eine fleine Sofi^ 
(Seringfd^&feung. 3wnÄ<%P w^^d^t SDBoIfrom fld^ über bie Sluffaffung 
luftig, toeld^e ben Siebenben ate ©Ilaben ber SKinne l^inftettt, toie er 
ed aud^ fonft liebt, bie überfd^toänglid^e SSerl^errlid^ung ber Winne au 
ironifiren. Sann aber bor allem: ber 5Jlinnefänger, ber fid^ mit 
SJerfen meiert unb nftl^rt, nid^t Schildes ambet treibt, toirb, toeil 
nid^t boH maffentüd^tig , übertreibenb ben gebüren gteid^ ober nal^ 
gefegt. S)a8 l^eiftt: SSßattl^er mar überl^autJt nid^t glitter gctoorben, 
^atte nid&t ba§ ©d^mert feierlid^ empfangen. 3)enn bafe l^ier ettoa 
nur ber ©tola fpräd^e beg l^öl^eren ajlinifterialen SBolfram, ber einen 
(Srafen feinen .^errn nannte, gegen ben niebrigeren SRinifterialen, 
ben 3)ienfimann freier Ferren ober gar bon ajliniflerialen , ben 
bloßen miles, wofür toir SBaltl^er Italien muffen, ift untoal^rfd^ein- 
lid^, toeil bann bie Spointe beS äßi^es nid^t trifft ober bunlel toirb. 
aSßolfram repräfentirt SSßaltl^er gegenüber mtf^x bie alte Seben8= 



anfd^auung bed confetDatiDen, dolfötl^fimlid^en , abet ftanbedfiolaen 
beutf^en 9lotbenS. 2)a toitb bad alte 3beal be$ SRanned, ba 
totrb bte alte (SUebetiinfi ber Setut^- unb (Sebuttdheife aaltet aU 
in Obetbeutfd^lanb fcftgel^altcn ; ba gilt tittctlid^cS SBcfen mel^r 
M ]§öfif($eg, Surnter- unb JttiesStüd^tigleit mel^t aU SSilbung 
bed (Seifted unb ^etaend, aU l^ingebenber Siebedbienft ; ba fd^d^t 
man tool btaftif^e (5pif, aber nid^t bcn aattgeftimmten TOinnefang. 

dxn rittetUd^eJ ©cfd^led^t von der Vogelweide ift au« bcm 
13. Sal^tl^unbert bidl^et nid^t nad^getoiefen. SRan mu^ beatoeifeln, 
baB fid^ , nad^bem ]o lange betgeblid^ banad^ gefud^t tootben ift, 
ein fold^ed nod§ tt)itb auffinben taffen. $lä^e aber, bie ben Flamen 
vogelweide (aviarium) fül^tten, gab eg im SRittelaltet öicle. @o 
nannte man @teQen, tt)o 93ögel jtd^ aufl^ielten ober indbefonbeie au 
3agba»edEen, alfo gaKcn, ©pctber, ,&abid^tc, gefüttert unb aur 
Seiae abgerid^tet tourben, bemnad^ aud§ S^ogeljagb ftattfanb (über 
bie aSebeutung bgl. SBid&arb 9Jlütter, Stätter b. ScreinS f. Sanbcg» 
funbe üon Stieberöfteneid^ 1888 ^. g. 22, 196 ff. unb ßampel ebb.. 
1892 51. g. 26, 9 ff.), ©old&e SSogetmeibcn lagen in ber M^e 
öieler Sutgen, Älöfter unb ©täbte. Der Ortsname „SSogeltoeibe" 
ifl benn aud§ au8 alter Seit mel^rfadö nad^getoicfen ttiorben unb 
über ein 2)u|enb ftel^en aur SluStoa^l. Slid^t weiter l^ilft bie ©ud&e 
nad^ einem Familiennamen von der Vogelweide, ber toieberl^olt, 
aber tl^eilS nur bürgerlid^, t^eild ^n fpät belegt ift, nodg bie ^agb 
nad^ einem 9titterfi^ biefe« 9lamend. 2)er Sleil^e nad^ l^at man bie 
©d^toeia, Cefierreid^, granfen, Sirol unb neuerbingS toieber Söl^men 
als äOSaltl^erS ^eimatl^ ausgegeben. 

gür Sirol glaubte man ein bebeutfameg ärgumcnt gefunben 
au ^aben, alS 6. aHair^ofer unb grana Pfeiffer 1864 (feine Slu§= 

S3urbo(^, gBolt^cr t)on ber Söogelrocibe. 2 



18 (Erftes Capitel. 2Ieu§cre pcrfönlt(^e Perljältntffe. 

öabe 1. «ufl., ©. XIX, 6. Sufl., ©. XXV) in einem Urbatbud^ 
QU« bem Snbe bed 13. ^ol^tl^unbertd einen $of unb SBalb bei» 
9lameng* in ber 9lä]^e t)on Stetäing (f. jefet* Fontes rerum Austria- 
carum Diplomata, S9b. 45, @. 56), unb ntel^t nod§ ate man im 
8a}cnet Stieb am linfen Ufer beg (Kfadt übet aBaibbtudC am 
SetgeSl^ang bed Sröbnertl^atö ^tnei @e]^5fte entbedEte, bie nod^ l^eute 
„aut SSogeltoeibe" l^eifeen unb beten eine« füt utalt gilt. S)a biefer 
äSogeltneibl^of augleid^ butd^ bie auf il^m l^aftenben, im Aataftetbud^ 
tjon 1774 belegten (Singetle, ©etmania 20, 259) (Sinfünfte an 
3el^nten ftd^ aß altex dlittetfi^ au lennaeid^nen fd^ien unb im 
15. Sal^tl^unbert utfunblid^ ald fold^et ettoicfen ift (3leblid§, ajltt» 
tl^eitungen b. 3nftitut8 f. öflctteid^. @ef d^id&föf orf d^ung , »b. 13, 
@. 160 f.), meinte man aHeg gtnfteS, l^iet bie (SebuttSftätte bed 
Sid^tetg aimel^mcn au bütfen, unb butd^ lanbämannfd&aftlid^e Se- 
geiftetung toutbe füt bicfe Slnpd^t lebl^aft, ja begeifiett ^topaganba 
gemad^t. 

3n äBal^tl^eit ift ein äSemeid bafüt nid^t etbtad^t, mie @d§ön- 
bad^ (Slnaeiget f. beutfd^e» aitettl^um 4, 5 ff.) füt jeben Uttl^eilS- 
-fähigen fattfam batget^an l^at. SBebet ftebt eg feft, ba^ jener ^of 
fd&on im 12. 3fal^tl^unbett ein Slittetfx^ toat — öielme^t toitb bad 
je^t auf ©tunb utfunblid^et gotfd^ung befltitten öon Sampel 
(»Wttet beg S5eteiu8 f. ganbcgfunbc tjon 5liebetöftetteid^ 91. gf. 
1892, Sb. 26, 251 ff.) — nod^ aud^ batf man flbetl^aupt er« 
matten, bafe SBÖaltl^et einem tittetlid^en (Sefd^led^t mit feftem 
Familiennamen ongel^ört l§at, ba fonft gemife ein fold^eö aud& in 
Urlunben gelegentlid^ einmal öotfommen müfete. 9Rit gidtet, bem 
erjien ftenner mittelalterlid^er ©tanbegöerl^öltniffe unb inSbefonbere 
öftetreid^ifd^er unb titolifd^cr Urlunben (Sermania 20, 271 ff.), 
red^nen mir aOBaltl^er au ber niebcrften Klaffe ber unfreien SKtter, 
au ben S)ienflmannen ber freien ^enen ober ber SJlinifierialen , bie 



Biexmaih, 19 

im @egenfa^ au ben l^öl^et ftel^enben Stenfitnannen ber gfürften, 
(Btafen ober geffitfteten $t&laten einfad^ Kittet fd^led^tl^in (milites) 
l^ie^en, in Utfunben feiten aufttaten unb, koo fte etfd^ienen, blo^ 
mit il^ten $etfonennamen angefül^xt mürben, ha fte beg feflen 
gfamiliennamenS no($ entbel^rten. 

SJöEig berfel^lt unb grammatifd^ i^^^^iW, ©ermania 35, 
199 f.) mie ejejetifd^ (SSogt, 3ettfd&t. f. b. ^p^itologie 23, 479 ff.) 
gana unauläffig mar ber SSerfu^ Somanig^, bie @eflalt beä alten 
ftlauSnerd in SBaltl^erS 9iet($Ston (9, 37) als WaSle für ben 
ffiid^ter felbfl aufaufaffcn, bem SBort klosenaere, tote äl^nlid^ fd^on 
frttl^er SxnitiU (öermania 20, 267), ben ©inn „aud fflaufen (in 
£irol) ftammenb'' au geben unb fo bie gefud^te |)eimat^ nad§ biefer 
@tabt a^ betlegen. 

9lud^ bie neuefte SSemül^ung, ber unberbürgten Weiftetf&nger> 
ttabition au8 bem Cnbe beS 16. Sol^rl^unbertg , SBaltl^er fei ein 
„ganbl^err in 85 ö lernen" getoefen, unb bon ber ©agenS Slnfntipfung 
(TOinnefinger IV, 161) on ben angeBlid^ Johann von der Vogel- 
weide l^ei^enben Serfaffer beS Streitgefpräd^S „Ser SldCermann au8 
Söl^men'' t)on 1399 urlunblid^e @tü|en au geben (^alltoid^, SJlit^ 
t]§eilungen bei» 93etein8 für bie (Sefd^id^te ber 2)eutfd^en in Söl^men 
1893, aud§ f eparat) derbient burd^auS einfädle ^blel^nung (t^gl. 
Sd^önbad^, »naeiger für beutfd&e« Slttert^um 21, 228 ff.). S)ev 
9lad6toei8 eines Bürgerlid^en ©cfd^led^tö Vogelweyder ober von 
der Vogelweyde au S)uj in SSöl^men in ben Salären 1389—1404 
unb eine« Walther von der Vogelweyde (1396 unb 1398) Befagt 
für bie gfrage genau fo biel ober fo toenig als ber urlunblid^e 
Walther der Vogelwaid von Velthaim in Dberbaiern bom Sfal^re 
1394 (Monum. Boica 16, 459; ©d^meHer, «a^etifd^eS SBörterb.^ 
2, 853) ober ber gleid^faHS urfunblid^e Walther von der Vogelwaid 
in ber ©teiermarf bom Saläre 1368 (!palm, 3"Mdöt. f. beutfd^e 



20 (Erftes (£apitel. ^leußere perfönlic^e Derljältniffe. 



^]§il. b, 205), bei bcnen bciben bet 6tanb nid^t ftd^et au ermitteln 
ift. Unb biefe Seugniffe l^aben an fid^ »ieber ntd^td botau^ bor 
jenen tl^eilweife ettoaS iüngeren, auf toeld^e bic SJertl^etbifler ber 
Ziroler ©eimatl^l^^potl^efe fld^ berufen: 1302 Chonrad Vogelwaider 
in ber Soaener ©egenb, 1547 Wörndl Vogelwaider in 9lieb 3n« 
l^abcr beg Unterboßeltoeiberl^ofÄ unb Wolfgang Voglwaider Snl^aber 
be8 Dberbogeltoeiberl^ofg ; 1477 ber «rat Meister von der Vogel- 
waid ; Walther Vogelweider in Riedt im älteflen ßajener Saufbud^ 
Don 1575 (Sinfleric, ©ermania 20, S. 260 unb «um., @. 269); 
unb enblid^ bon Sampel (a. a. £). 26, 255) nad^getotefen ein 
Vogelweide um 1290 au Sgerbad^ bei 9lmrad. 

auf ein Vogelwaid in Dberöfterreid^ (Seairteamt SBeifeen« 
bad&) mad^te SarndEe (Siterarifd^eS Sentralbl. 1869, ©. 679) auf- 
merffam. gfür 9lteberöfterreid^ belegte bag SQBort in ber Se« 
beutung 93ogeIaud^t ober SSogeljagb 9t. Füller aud einem (Siptliantt 
Saibing bon 1512 (Slätter b. Sereinä f. ßanbeä!. bon 9t.-Defierr. 
91. 8f. 22, 197), bei 3lHentfieig in einem aUeiffauifd^en »eraeid&nil 
aug bem 14. Sal^rl^unbcrt 2am»)el (ebb. ^Jl. g. 26, 9). Sietteid^t 
ift an ber aweiten ©teile ein glurname gemeint, ©onft fomnit 
in Slieberöfterreid^ fel^r oft bor Vogelsang unb Vogelbühel. 

2)er ©taub aUer bii^l^er belannten 9lamengbettern bed Sid^teri^ 
fd&eint fid^ mit ©id^erl^eit nid&t al8 ritterlid^ ertoeifen au laflen, aber 
aud^ menn eS bei einaelnen ber t^all to&re, toie bei jenem Stephlein 
von Voglwayd gesessen in Layaner pharr, ben am 23. December 1431 
baä gräflidöe Srüberljaar SWid^ael unb OStoatb ö, SBolfenfiein nad^ 
ße^enä- unb ßanbred&t mit einem 3«^nten belcl^nte (aieblid& a. a. D.), 
U)ad folgte barauS? 9lid^tg, ald ba^ eg eben Sogelueiben unb banad^ 
genannte rittertid^e unb nid&tritterlid^e ^öfe in unb bor Dielen 
©tobten gab, \>a% big ing 16. 3a^r^unbert, bielleid&t unter meifter- 
föngerifd^em ginflufe, bie (Srinnerung an ben Slamen beg großen 



EJeimatlj. 21 

Sid^terS fortbauerte. 3n gftantfutt am Wain lebte nad^ 9(uStoetd 
beS ftltepen lobtenbttd&S im 13. Sal^tl^unbett ein Wolfram Fogel- 
weider, ber jat bic bciben Rauptet ber mittell^od^beutfd&en S)id&» 
tutig in feinem 9lamen aufammenfa^te. Unb menn man fc^on auf 
ba$ blo^e SSotlommen bed 9lamend fo t)iel SOBertl^ legen tDoQte, 
toarum bleibt man nid^t fielen bei jener ftü^ beaeugten curia dicta 
zu der Vogelwaide in aStttaburg auf bem ©anbe öon 1323 (Gbet- 
tpt. bie aJlinne- unb TOeiftetfänger aug fSftanfen, SBütabutg 1818, 
®. 30; gieufe, SSalti^tx ü. b. SJ. SBütabutg 1843, ©.7; Pfeiffer, 
«erm. 5, 10)? 

2)tefe UebetfüQe bet 9lad^ti)eife bed 9lamend entaiel^t jebem ein- 
zelnen bie SSetoeiSftaft. Unb nod§ meniget l^alten bie übrigen naiben 
Argumente jener Patrioten @tid&, bie um il^re ^eimatl^ ftd^ berbient 
gemad^t au l^aben glauben, toenn fte äBaltl^er aum Sanbdmann 
getoinnen. 

Seit Urlaub (Sd^r. 5, 102) behauptet l^atte, SBalt^er l^abe 
bie Älage Ow6 war sint verswunden angejiimmt ,,nad§bem er in 
fpäteren Salären in baS Sanb feiner (Scburt au^ödtgetommen", ifl 
man nid^t mübe geworben, auf @runb biefer unaüläfftgen Inter- 
pretation, bie in bad Spimenibe^motib beS burd^auS geifttid^en 
fiiebeg einen fd^toftd^lid^en , mobern « fentimentalen 3^0 l^ineintrögt, 
bie lül^nften SBermutl^ungen aufaubauen. Sd l^ilft nid^td, ba^ fd^on 
1827 SQBill^elm (Srimm in feiner feinfinnigen unb geleierten 3lecenflon 
ber Sad^mannfd^en ausgäbe (Jtl. Sd^ritten 2, 395) bie rid^tige 
«uffaffung angebeutet, bafe 1833 SBadfernagel in ben trefflid^en 
€rl&uterungen a» Simrodt« Ueberfe^ung (2, 194) gegen Simrodt 
geaeigt l^atte, ed fei l^ier bon leiner mirflid^en ^eimlel^r bie 9iebe, 
fonbern bon einem Srtoad^en au8 langem Sd^laf, ba^ 9tieger (Seben 
aBalt]§er8, (giefien 1863, S. 36) unb ^uU^t — ol^ne bie 95or- 
gdnger au bead^ten — S^xndt (Seiträge aur ©efd^. b. beutfd^en 



22 €rftes (Lap'xtel ^leufeere perfönlid^e Derl^ältniffe. 

Sprad^e unb Sittetatur 2, 575) in gleid^em @inne gefprod^en l^abeti. 
3tnmer koieber taud^en ääetrad^tungen auf mie folgenbe: SBaltl^etd 
^eimatl^ ntüffe entlegen, t)on feinen fonftigen Sleifekoegen entfetnt 
geioefen fein, bantit ed fid^ begreifen laffe, ba^ er fie erft auf bet 
gfal^tt nad^ Italien jum ftteuaaug feit langet Trennung aum etften 
ajlal wiebergef e^en ^abe, ober gar : fie muffe in ber Stalle ber ^eer= 
ftrafee nad^ Stauen gelegen getoefen fein unb baburd^ ben Sid^ter 
au einem fUinen äbfted^er tjeranlafet l^aben. Ober bottenbg man 
forfd^t unb fud^t, ob man tnol an ber aU ^eimatl^ 3Baltl§erS in 
9lnfprud6 genommenen ©teile abgel^auenen SQÖolb, öerbrannte gelber 
unb ein fiiefeenbeg SBaffer (SBaltl^er 124, 10. 11) für bie öltere 
Seit nad^toeifen fönnc, tooS bann nattirlid^ üBeraE mit berfelben 
©id^etl^eit regelmäßig gefd^iel^t. 

SS bleibt nad^ aUebem burd^aud bei bem Urt^eil, baS SBadter* 
nagel (^eraogg SRcalcnc^clopclbie 21, 470 = m. ©d^r. 2, 369) 
unb ©imrodE (9luSgabe ©. 23) am beftimmteften auSgef))rod^en 
]§aben: nad^ feinem Seinamen „bon ber SBogeltoeibe" fonnte fein 
(Sefd^led^t überaQ au «paufe fein, tt)o eg SSogeltoeiben gab, unb bie 
fanben ftd^ in aQen beutfd^en Sauen, mand^e aud^ in ber Stad^bar» 
fd^aft bon ^errenftfeen ate ^öfe, bie fo l^ießen, toeil fie bie ©tätte, 
koo 9)ögel gel^egt kourben, entl^ielten ober toeil ber S)ienftmann, bem 
il^re ^Pflege oblag, fie Bekool^nte. 

S)ageg'en l^at man ein gana fidgereg 3^ugnig, bad SBaltl^er 
felbfi über feine ^eimatl^ abgibt, burd^ unerlaubte SnterpretationS- 
!ünfte berbunfett: in bem ©prud§ auf ben 9lürnberger ^oftag üom 
23. 3ttli beö Sal^reg 1224 fdöliefet er ©eraog geopolb bon Defier- 
reid^ in ben SluSbrudE unser heimschen fürsten ein (84, 20). 
äßoltte man mit äBadternagel, Ißfeiffer unb anbern l^ier ben „®aft'' 
genannten Seopolb ben l^eimif d^en gfürften entgegenfe^en , f o müßte 
man folgered^t au ber unmöglid^en 9luffoffung fid^ bequemen, baß 



fjeimatl^. 23 

et bet cinaige ®afl beS SiaflcS gctocfcn fei (Sd^etet, 3eUfd^r. f. b. 
öflettcidö. (S^mnaften 1866, 93b. 17, ®. 316 f. = Äicine ©d^t. 
1, 625 ff.), anitl^m ergibt pd&r SBoItl^ct nannte einen öfter- 
teiiä&ifd^ett ^eraoj feinen l^cimifd&cn fjütfien, cmpfanb Deftcrreidö 
ate feine ,^eimatl&. 9lod^ eigenem ©cflänbnift lernte er ze österriche 
singen unde sagen (32, 14) unb nad^ bem ganzen Sufammenl^ang 
biefet Sleufterung !önnte nnr gefud^tefte Sntcrprctation barin mit 
Pfeiffer bie Slbfid^t tnittern, ba§ Sanb her lünftlerifd^en älndbilbung 
bem Seburtdlanb gegenfiber^ufe^en. SBieberl^olt fprid^t aud feinen 
©ebid^ten innige Säeaiel^ung a« Dcftetreid^ unb feinem gflrftcnl^of, 
bie auf einen Befonberen, rein pcrfönlid^cn ®runb l^inautocifcn fd^cint. 
S)urd§ einen 3rft^öum bon mel^r aK a^janaig Salären toirb er nid^t 
mftbe , an ben ^of bon Sßien au ftreben , obmol eS il^m nid^t ge» 
lingt, bauernb bort feftcn gfufe au faffen. SBol^er biefe ©cl^nfud&t — 
botf man mit SBilmannS (Sebcn @. 59) fragen — toenn i^n bort» 
l^in nid^t baS ^eimatl^Sgefüi)! a^g*^ ^^^^ freilid^, mod^te er 
Oefierreid^ afö feine ^eimatl^ empftnben : ^eimatl^ unb @eburtslanb 
braud^t nid^t notl^toenbig aufammenaufaUen. S)ie einaigen munb' 
attlid^en Spuren feiner fonft bon jeber localen gfdrbung freien 
@)itad§e beuten auf bairifdged ©prad^gebiet unb nur ber ©feptüer 
koiib fle aud längerem 9lufentl^alt in jenen @egenben ftatt auS 
bem angebomen Sialeft l^erteiten : ed ift bieg ber öfterreid^tfd^e 9teim 
yerwarren (ft. verworren): pfarren (34, 18); ferner in bem nid&t 
gana fidler ed^ten Sagelieb (88, 12. 18. 26. 27) ber übertoiegenb 
— nid&t au8f d^lie^lid^ , f. SB. ®rimm, fll. ©d§r. 4, 97 — tjon 
bairifd^'öfieneid^ifd^en Did&tern gebrauchte 3leim (SBeinl^olb, SRI^b. 
®t.2 ©, 43 f.) lieht: nieht (fi. niht); enblid^ ber in Xirol (©d^öpf, 
Itrol. 3biotifon 8. 815), Saiern (©d^meller, S8a^erifc^e8 Söörter- 
Bttd^MI, 835) unb 9liebcröfieneid& (©d^önbad^, »naeiger 4, 12) ber- 
Bteitete 3bioti8mu8 wich „fett, üppig, auSgelaffen, abgefd^madEt" 



24 (Erftes (Eapitel. ^leugere perfönltc^c Pertjältntffc. 

(35, 28). S)icfe Sputen munbattlid^et ©prad^e pnb fteitid^ flering 
unb ftc laffen nod6 einen atemlidö toeiten ©ptcltaum für bte aSc= 
ßimmung ber ^erlunU- 

^axxiKxennante obev J^ic^f ernatne ? 

aBieber^oIt ift bie Slnfid^t ßcäufeett werben, ber 9lame von 
der Vogelweide fei übetl^aupt bei SBaltl^et gar nid^t ofö toirllid^er 
Familienname, fonbern nur aU ffiid^temame au berftel^en. Sw^tp 
bel^auptete ba§ SucaS („Ueber bcn aSartburghieg". ^ifior. unb 
litterarifc^e ^bl^anblungen ber I. beutfd^en (SefeQfd^aft au ftönigd« 
berg, 4. Sammlung, 2. Slbtl^eitung , ÄönigSberg 1838, @. 229, 
Snm. 190). Sr toarf bie gfrage auf, ob ber 2)id^ter äBaltl^er, 
ber mit S9eaug auf ben äBalt^er bon Slquitanien ber ^elbenfage 
bor ben ajlerlern feine (geliebte fd^eraenb Hiltegunde nenne (74, 19), 
öon bem Waltharius auceps (Waltharius 3J. 421) feinen 9tamen von 
der Vogelweide l^ergenommen l^abc. ®ie gfrage bcanttoortete 3acob 
(Srimm fofott auftimmenb (ßateinifd^e ©ebid^tc beS 10. u. 11. Sal^r- 
l^unbeitd, @. 384) unb t^ermutl^ete , im t^erlorenen beutfd^en Siebe 
öon SQÖaltl^er fei bieHeid^t toirftid^ bec Slugbrutf borgefommen. 6r 
l^ielt für müglid^, ba^ erfl nad^ jener Snfpielung ber S3einame be^ 
S)id^tetg fid^ fiberl^aupt gebilbet l^abe. S)ieg ift nun je^t burd^ 
baS S^ugni^ ber gleid^a^itigen Sleifered^nungen Sifd^of äBoIfgerS t)on 
^affau ttjiberlegt: von der Vogelweide l^ie^ SBaltl^er bereits 1208 
bei feinen Seitgenoffen. Slber in ber S^at etwag »lenbenbeS l^at 
iene Seaiel^ung auf bie abenteuetlidfee Situation beä flicl^enben 
aSaltl^er ber Sage, ber um feinen Unterl^olt au getoinncn, im tiefen 
SGßalb Sögel fängt. S)enn SBogeltoeibe fann fel^r too^I „SJogel- 
fang" bebeuten. 

Sollte aud^ SBaltl^er , als er ben SBiener ^of berliefe unb in 
bie ungemiffe gerne aog, flüd^tig unb l^eimatl^toä toie ber fliefjenbe 



(familtenname ober Dic^tername ? 25 

äBaltl^er t)on ätquitanten, fid^ felbft na(^ bet Sitte fal^tenber Sönget 
mit Bebeutfatner 9[nfpielung auf bie aKbetannte @age jenen Flamen 
beigelegt l^aben? ^unbett ^a^xt fpäter lebte in Deftetieid^ ein 
fal^renbet ©dnger, bet j!dö Heinrich der Vogelaere (31. S). SJ. 
XL, 787) nannte, bet SJctfafier beS ©ebid^tS t)on 3)ietrid&'8 glud^t 
(95. 8000): il^m fd^webte bei feinet 93cnennung getoife bet beutfd^tf 
A5nig ^einti(^ I. bot, abet fid^et bod^ aud^ eine 3lnfpielung auf fein 
ßeben al8 Sfftbtenbet. 3n bet SteietmatI bebeutet „et fann nun 
auf bie Söget fd^iefeen" fo öiel ald ,,et i|l btottoS'' (@tion, 3tfd&t. 
f. b. ipi^il. 2, 420). »ei feinem Sufbtud^ bon Cefierteidö 1198 
fonnte aud^ 9QSaIt]§et fo bon ftd^ fpted^en. SB. @iimm, bet äBaltl^et 
imb Sfteibanf füt eine ipetfon l^ielt. fal^ in bem Seinamen von 
der Vogelweide gleid^faHS einen angenommenen ffiid^tetnamen, toie 
in Freidank fetbft, mie in Frauenlob, der Unverzagte, der Freuden- 
leere (Uebet Steibanl 1850, fll. ©d^t. 4, 5). Unb 6. $. allerer 
in feinet Detfel^Uen , abet im (Jinaelnen bcad^tenStoettl^en Sd^tift: 
@d^enl 3BaItl§et bon ©d^ipfc ibentifd& mit SBaltl^et bon bet SSogel» 
tteibe (Stemen 1863) @. 6 f. meinte, bet Did^tet ^abe ben Sei- 
tiamen etft im Saufe feines SebenS angenommen, möge er nun 
blot ate ^el^l aum @d^u^ gegen Setfolgungen koegen feinet fitd^en» 
tcittblid&en S)id^tung bienen obet einen öttlid^cn be^to. itgenb einen 
cnbetn Se^ug in fid^ ttagen. 6t badete babei mol an baS Set« 
fledendfpiel , bad beutfd^e Saganten mit bem $feubon^m Primas, 
Archipoeta, Golias trieben, um i^re Sfubectiben gegen Slom un» 
gefäl^tbet betbteiten p fönnen. 

SBenn man, mie id& oben (©. 7 f. 18 f.) auSfptad), ©tunb l^at, 
anaunel^men, bag äBaltl^et betienigen niebetften 6(affe beS 
WtniftetialenflanbeS angel^ött l^at, bie au feinet 3(it einen f^amilien« 
ttamen übetl^aupt nod^ nid^t fül^tte^ toenn ein @efd^(ed^t von der 
Vogelweide auS bem 12. obet Slnfang beS 13. Sal^t^unbertg nid^t 



26 €rftes (Zapitel ^leußcre perfönlic^e DertjSItntffe. 

na(]&gctoicfcn tocrbcn lann , fo bat? mon im (Sxnji fragen , ob bcr 
Scinamc nid^t öl^nlid^ ju ctHftten fei wie bettoanbtc Flamen falzten- 
ber ©änget. SQÖie bic ©piclmannSnamcn Spervogel (Speriing), 
Falchelinus (1175 bi8 1191 in Dbetf d^toaben , Seitfd^r. f. bic 
@efd^. beS Obertl^etnS 29, 15), Der wilde man, Raumslant; 
Suchenwirt, Velchelinus („gfälflein", Stient 1253), Hasenspmnch 
(©übtitol 1338 f. ©d^önad^, 3eitf(ftt. f. b. ^tett^. 31, 172. 182), 
Hagedorn, Irreganc, Waller, Eilend, Regenbogen bie Unbcl^auft« 
]§eit unb 99ejt|loftgIeit, baS unftöte äBanberleben in mannid^fad^en 
Silbern aut ©d^au Bringen, mochte aud^ ber ritterbürtige äBaltl^er 
— bieBeid^t mit Se^icl^unfl anf ben ^iftorifd^en Walther sensaveir 
(SBaltl^er ol^ne .^abe), ben berül^mten S^puö bcg fal^rcnben SitterS, 
bietteid^t auf ben SBogel fangenben SBaltl^er ber ^elbenfage — fid^ 
biefen Flamen mit ftolaem ©pott über feine 9Irmut]§ unb fein 
äBanberleben beilegen, ^atte bod^ aud^ ber Archipoeta in feiner 
unbergleid^lid^en Confessio tjon feinem Sagantenteben gefungen: 
feror ego ut per vias aöris vaga fertur avis (Carm. Buran. 
%r. 172, ©. 67). Unb legt bod& aud6 Söolfram, aö er auf 
2Balt]^er8 ©prud^ bom ©piefebraten anfpielt (SBillel^. 286, 19), 
menn er ben ©id^ter abfid^tlid^ h^r Vogelweid unb nid^t h§r Walther 
nennt, einen äl^nlid^en fpöttifd^en ©inn bem Flamen bei: „ber nur 
t)on armfeligen SJögeln fld^ näl^rt (ober ettoa: ber SBefi^er eines 
^ßlo^eS, ba nur bie 855 gel fatt toerben unb erlegt merben), fang 
üon SBraten" (b. 1^. gebratenem Sfleifd^). SieHeid^t nannte aud^ jene 
oben (©. 15 f.) befprod^ene Slnfpielung $ara. 294, 21 SBalt^er mit 
beStoegen gebür, meil fein ®einame auf ein Raufen im SBalbe nad& 
9lrt bei^ Sinöbbauerg gebeutet toerben fonnte, unb felbfl ber un« 
toiKige f^lud^ SeopolbS, ber ben unbequemen ©&nger in ben äBalb 
münfd^te (35, 17), mod^te toortfpielenb baran anfnüpfen. ©afe 
bann biefer 9lame aud^ auf feinem Selben, ald er eS nad^ langem 



f?ofbic^ter in Wien (bis U98). 27 



|)airen getoann, l^aftete, koäre nid^t befrembltd^. 9l6er ed bleibt 
aKed bied eine unbetoeisbate SBetmutl^uns unb loirb mand^em un> 
annel^mbar erfd^einen, koenn aud^ akoet fo t^etfd^ieben geftnnte (8t= 
lel^tte mie S^^^^^ ^^^ Sd^erer, ol^ne toeitete 93egiünbung unb ol^ne 
8U toagen, bafüt öffentlid^ einzutreten, jie im ©tiHen gel^egt l^abcn. 



3weiteS gapitel. 

^of dichter in W^ (ßtJ5 1198). 

SBaltl^etd geben, fotoeit ed ftd^ in feinen @ebid^ten fptegelt, 
gltebett fld^ in brei ^auptabfd^nitte : bie 3eit ber Sugenb in Defier« 
teid^ , bie lange 3^it ^^^ äBanbexung, bie 3^it bed äBo]^nfi|ed in 
JJBütaburg. 

3n Defierxeid^ lernte er fingen unb fagen: ber glänaenbe $of 
in SBien toar bie ©tätte feiner erften SuSbilbung unb feiner 
frül^eften litterarifd^en Zl^dtigleit. Sort beraub ftd^ in ber Um» 
gebung be8 .^eraogS geopolb V., beS Sugenbl^aften, ber feit 1177 
feinem »ater gefolgt toar, 3leinmar ber 9nte (f. a. S). 8. 
XXVIII, 93 ff.). 3n jener 3eit, ba ber ritterlid^e Sabenberger 
bie beutfd^e S)id^tung als tl^eilnel^menber @5nner fd^irmte, toirb 
fid§ SBaltl^er auerft l^erborgetl^an l^aben: bon feinem älteren SJor« 
bilb Äeinmar lernenb unb balb mit il^m toetteifernb. 

Ol^ne Sf^age mug SBaltl^er inbermufilalifd^enSed^ntl eine 
fd^ulm&gige Untertoeifung genoffen l^aben. (Sottfrieb bon Stra^urg 
im Sriflan (98, 4799 ff.) preifl il^n toegen be8 »eid^tl^um» unb ber 
fünftlerifd^en SSoHenbung feiner Somijofttionen mit gelehrten SBorten 
aud ber mittelalterlid^en JtunftmuftI, bie id^ auerft im (Sinaelnen 
gebeutet l^obe (Steinmar unb SBaltl^er @. 179 f.) Wan barf baraug 



28 ^meites Capitel. (Entiptcflungsgaug. 



auf eine ]^ett)otragenbe tnufüalifdge Begabung unb auf eine unge« 
toöl^nlid^e äluSbilbung biefeS Talents fd^lie^en. 2Bie toeit toeltUd^e, 
mie koeit geiftlid^e Seiltet fSüali^tx l^ietin angeleitet l^aben, bleibt 
bunlel. Slud^ eine gemiffe geleierte Silbung l^at äBaltl^er kool^I 
befeffen. SBeniger fpted^en baftir bie Slnfpielungen auf bie ^aupt= 
^)crfonen ber biblifc^en ®efd^ic^te unb auf einzelne SJotgänge au«} 
beut geben S^rifti, obet auf @eftalten ber ptofanen (Sefd^i^te unb 
€age (Sllejanbet 17, 9; ^elena unb S)iana 119, 10; Sttug 25, 1; 
SBaltl^er unb ,&ilbegunbe 74, 19). Slbet bie ätt, wie fein ßeid^ 
bogntatifi^e jtenntniffe betarbeitet, unb bor allem bie Neigung aut 
bialelttfd^en @lieberung unb Sdgeibung, aut logifc^en Settad^tung, 
bie in feinen frfi^eften @ebi($ten auntal, aber auii^ fpftterl^tn nod^ oft 
i^erbotttitt unb il^nen mand^mal eine leife ftül^le, getoöl^nli^ aber 
eine beatoingenbe ^tar^eit unb 3Bir!fam{eit berietet, begreift man fc 
am beften. SBaltl^er mag ben Sribial'Unterrid^t einer ftlofterfd^ule 
empfangen unb anndl^ernb ben äSilbung^grab erreid^t l^aben, ben bie 
fd^iffbrüd^igen SIerifer, bie SSaganten, feine näd^ften SoQegen befagen. 
9lad^ bem Zobe SeopolbS (@^lbefter 1194) kourbe bie ^ert« 
fd^aft amifd^en feinen ©ö^nen gricbrid^ unb ßeopolb VI. (VII.) 
getl^eilt: jener erl^ielt Defterreid^, biefer bie ©teiermarl. Unter 
gftiebrid^d ätegierung l^at ber junge SBalt^er bie fd^önften Zage 
leinet Sebend gefeiten unb ftd^ auf ber ^5^e feiner gefeQfd^aftlid^en 
©teOung gefül^lt (19, 29). Mein bieS &IM aenann balb: fd^on 
am 15. ober 16. Slpril 1198 ftarb .^craog griebrid^ in ^aldftina 
auf einer Äreuafal^rt unb fein 9lad&|olger, fein SSruber Seopolb, ber 
nun beibe ^eraogtl^ümer bereinigte, ^egte für ben S)id^ter leine 
jreunblid^e (geftnnung. (Sd fd^eint faft, ald ob fein ernfter religiöfer, 
felbft au SlSlefe geneigter ©inn, bem bie grlebigung ber 3legierung8» 
^efd^ftfte bor atten Slitterfpielen ging (Sied^tenftein gfrauenbienft 
77, 17 ff.), ber toeltlid^ l^eiteren ^oefxe überl^aupt abl^olb getoefen 



f^ofbid^ter in Wien (bis U98). 29 

unb bad Seben am SBienet ^oj ballet feit feinem 9tegietungdantritt 
freub' unb fd^mudlofex getoorben fei. ^n feinem 6mpftnbungdlrei^ 
flanb ber Sd^u^ ber Stixä^t unb bed reinen (glaubend, bie 9lud< 
tottung bet jte|et botan. Sod^ mad^te 9leibl^att bon Sleuentl^al 
1217 in feinet Segleitung ben j^teuaaug mit unb ift i^m bieOeid^t 
aud§ petfönlid^ unb mit feinet Sichtung nftl^et getreten. SBaltl^et 
mu^te Oefleneid^ betlaffen unb fid^ mie ein fa^tenbet Sänget auf 
bie SBanberfd^aft begeben, um an einem anbetn gfütflenl^of , koenn 
ein guter Stern ed fügte, ^ulb unb bauetnbe Sufnal^me ^u finben. 

aus biefet erflen öftetreid^ifd^cn 3cit befl^en toir fein einjigeS 
batirbareS @ebid^t SBalt^etd. 2Bol aber I5nnen mir aud inneren 
(Srünben annel^men, ba^ berjenige S^eil feiner Sieber bamaU ent« 
ftanben ift, ber nod^ auf ben $faben ber l^öfifd^en Stefle^ionSl^ril, 
ber gra^iöfen mit ben Smpftnbungen ein toenig fpietenben (SefeQs 
fd^aftSpoefie toanbelt, mie fte Sleinmar ber 9(lte aud ^agenau nad^ 
bem äSorgang Sxiebtid^'d bon Raufen bittuod auSgebilbet l^atte. 

Diefe «uffaffung ift auetfi bon mit auggefptod^en unb be» 
grünbet morben in bem S9ud^ ,,9teinmar ber 9llte unb äBalt^er bon 
ber aSogelmeibe. (5in SSeitrag m ®cfd&id&te beä SRinnefang«. 
Seipaig 1880." SiS bal^in l^atte man betfud^t, füt bie Siebet 
SQBaltl^etd butd^ tein biogtapl^ifd^e Seutung eine S^ronologie 
au getoinnen: auetfl (1854) l^attc SBÖeiafe (SBÖeimar. Sal^rbud^ 1, 
357 ff.) ben Slad^toeig au fügten fid^ bemül^t, bafe alle SiebeSlieber 
aSöaltl^erg nur an itoti grauen gerid^tet feien, an ein SKäbd^en 
niebcren ©tanbcS unb an eine öomel^me Dame ; nad^ feinem 3)or» 
gang untemal^m man cg immer auf^S neue, bie SiebeÄpoefie aOBaltl^ers^ 
auf biefe beiben SSerl^ältniffe au bertl^eilen unb bie minniglid^e ©e» 
fd^id&te bed 2)id^ter8 au8 ben toed^felnbeu Stimmungen feiner Sieber 
unb aus ben toenig beftimmten Slnbeutungen, bie pe entl^alten, auf 
gutes (Slürf burd& bie Slnorbnung aufaubauen (»icger 1862 in feiner 



30 giüeites (£apitel. (Entiüicflungsgang. 

aiugßabe ©. Vlll). äBlImanng tooHte bur^ ettoäöung ber gleiten- 
folge bet @ebidgte in ben «^anbfd^tiften bie Sid^eil^eit biefet gom> 
binationen t)etme]^ten. St ging bobei bon bei* älnnal^me auS, ba^ 
bie Sd^öpfungen SBaltl^erä in ben unferen ^anbfd^tiften su ®tunbe 
Uegenben Sieberbüd^ern d^tonologifd^ georbnet koaten unb ba| 
bana($ im älllgemeinen ft(^ aud^ bie li^iebet beifelben $eiiobe in ben 
^anbfd^tiften neben cinanbct flnben müjfen. 6r glaubte übetbie», 
ba^ bie Siebet, in einem tnitfüd^en SiebeSbetl^ältni^ entftonben^ nur 
teale grlebnijfe toiebctgdben (3eitfd^rift für beutfd&e» 3lltertl^um 
1867 Sb. 13, 268 ff.). 

Seibe 93orQUdfe|ungen finb unl^altbat: mebet I&^t ftd^ eine 
d^tonologifd^e 9lnotbnung ber Sieber in ben ^anbfd^riften erweifen 
no(% berul^en fte, loag 3arn(fe bereit« 1869 (Sit. Sentralbl. ©. 678) 
bünbig aurtidtwieS, burd^toeg auf reiner äBirflid^Ieit. SMeine eben 
genannte ©d^rift bcrwirft ben circulus vitiosus, ber barin liegt, 
ba^ mit 9flüdEfid^t auf einen böQig confiruirten äSertauf bon 
äBaltl^er« Siebedleben, ber auS gesagter, fubjectiber Interpretation 
bielbeutiger ^nfpielungcn feiner Sieber erft erfd^loffen ift, nun 
mieberum bie ßl^ronologie biefet felben Sieber beftimmt toerben foQ. 
©ie betont, bag bie Sfeftfe^ung nur ameier Siebeäberl^öltniffc toiH» 
fürlid^ ift. ©ie l^ebt ben conbentionellen , ben ftctiben g^araf ter 
ber l^öfifd^en SRinnepoefie l^erbot. ©ie mad^t äBalt^crS aSanber« 
leben, fein ©tngen um Sol^n unb fein Temperament geltenb gegen 
ben ©lauben , ber ffiid^ter l&obe lange Saläre l^inbutd^ , nad6 einer 
futaen ßpifobe mit einem TOöbd^en niebern ©tanbeS, immer nur 
einet bornel^men S)ame gebient unb nur fie in feinen Siebern ge= 
feiert, ©ie warnt babor, SSorftettungen , bie für bie ^oefle ]§od&« 
gefieEter Dilettanten »ie griebrid^S bon Raufen paffen, a« über- 
tragen auf bie Sieber eine8 armen ®efeHen, ber immer nad^ ben 
ainfprüd^en feineS $ublicum8 feine Seier ftimmen mufete. ©ie toeift 



^ofbtc^ter in Wien (bis U98). 31 



auf bie mibetfpxe($etiben Srgebniffe aller in biefei Stid^tung an> 
gefleQten Unterfud^ungen l^tn. Sie beftxettet ti)iffenfd|aftlicl^er 
Sfotfd^ung baS 9led^t, SSoÜ^tx^ Sieber toie reine pl^otogiapl^ifd^e 
^ugenbtiddbilber unmittelbarer (Sriebniffe au betrad^ten, unb be« 
l^auptet, ol^ne il^nen bie innere, poetifd^e äSal^rl^eit abauf^red^en, 
Dod^ unfere Unf ftl^igf eit , auf ®runb biograpl^tfd^er Seutung bed 
dnl^altd eine Slgronologie ^n geben. S)ad S^erl^ältnig t)on SQBal^r" 
]§eit unb S)id§tung in äBattl^erd Siebe^poefte ifi unbeftimmbar. 
Ueberl^aupt bürfte ed aud^ bei einer nid^t fo cont)entionetten, nid^t 
fo auf bie (SefeOfd^aft bered^neten S^ri! immer fd^tter fein, and il^ren 
fd^toebenben ^nbeutungen fd^arfe l^iftorifd^e Sinien, aug il^ren tyer** 
l^üQenben @d§teiem runbe plaftifd^e (Seftalten, aud il^rer fd^toimmen- 
ben S)&mmerung floreö unb fcfteS Sid^t au getoinnen. S)arum 
bebarf man für eine metl^obijd^e ©efd^id^te icber unb inSbefonbere 
aud^ ber aSattl^erfd^en Siebedl^rit einer anberen S9afid. 

äRan l^at auSaugel^en nid^t t)on bem fubjectiben, tt)iber> 
fpred&enbfien Deutungen offen fiel^enben Snl^alt, fonbern t)on bem 
obiectit) Segebenen, toifjenfd^aftlid^er 93eobad^tung unb SSemeiS« 
fftl^rung 3«9änglid&en : tjon ber fünftlerifd^en (Scftalt biefer Sieber, 
öon il^rem @tU im weiteften ©inn beS SOBort«. 9lm genannten 
Ort ift barum ber unfrud^tbare biograpl^ifd^e ©tanbpunft burd^ 
einen fireng litterarl^iftorif d^ • ftfil^etif d^en erfc^t unb burd^ Unter= 
fud^ung ber «uötoal^l be8 ©toff«, ber »joetifd^en SRotiüe, beä ©titö 
unb ber Sed^nil, ber ©prad^e, ber raetrifd^en fjorm eine neue 
(hfenntnife ber bid^terifd^en (gnttoidtlung SBaltl^etä gefid^ert, bamit 
augleid^ aber aud^ neued Snaterial für feine Sebendgefd^id^te ge- 
liefert. (Sleid^ feinem betounbcrten aber nid^t geliebten (82, 24 ff.) 
SJorbilb Sleinmar ifi SBaltl^cr 9lnfang8 eine 9lrt ,&ofbid^tcr, ein 
3ntejt)ret be8 (Sefd^madtg unb ber Sebürfniffe ber ^ofgefeUfd^aft. 
%ad^ ber SRobe fül^rt er einen conbentioneHen 9Jlinnebienft in 



32 §tDCttes Capitel. (EnttDtcflungsgang. 



feinet ät^xit butd^. (Sine geiftre i($e , bialeftifd^e , empftnbfame @e- 
banfenpoefte, in bet bad Stnnenleben anatomifd^ setgltebett unb mit 
einet beinal^e fd^olafiifd^en ©^ftematif auSeinanbetgebteitet toitb — 
fo etfdgeinen und bie ftlteften $tobuctionen SBaltl^etS. 3e mel^t 
feine Siebet bon biefem lünftletifd&en 2^1)uä abfielen, je felbfi&nbiget 
unb otifiineHet fie finb, bejio toeitet bütfen toit fle bon bem «n- 
fang feine» S)id&ten8 abtüdf en , befto itinget, befio nftl^et bet ^Sf)t 
feine« fiönnen» muffen fie fein- am meiften entfetnen fid^ öon 
atten ftül^etn SJotbilbetn, am inbiöibuettfien unb gWnaenbften ent- 
falten bie intimflen ßigenl^eiten bet SBaltl^etfd^en Äunfl feine Sieber 
bet fogenannten niebern SRinne, bie fid^ an ein einfad^eS Släbd^en 
menben. ©erabe fie, bie man frül^et auf (Srunb einet butd^ mid^ 
mibetlegten Sintetptetation bon 46, 32 ff. füt bie aUetetften jugenb« 
lid^en Setfui^e be8 ffiid^ter« ausgab, muffen bet 3eit feinet lünfi« 
letifd^en Steife gel^öten. 

2)iefe neue Slnfid^t t)on äBaltl^erd poetifd^et (Snttoidtung l^at 
rafd§ aUgemeine 3ufttmmung gefunben : SBilmannd unb $au( l^aben 
ben neuen aRo^ftab füt bie gl^ronotogie bet Siebegl^til SBaltl^etd 
anetfannt unb i^te SluSgaben otbnen im @ro|en unb @anaen bie 
Siebet aicntlid^ übeteinftimmenb meinen S)atitungen entfpted^enb, 
fotoeit bad übetl^aupt ettoattet toetben lann bei ©ebid^ten, bie tl^tet 
Ülatut nad& jebet flefd^id^tlid^en fjfijitung faft unübettoinblid^e 
©d&mietigfeiten entgegenfieHen. ^ud^ auf anbete mittell^od^beutfd&e 
S^titex: ift bie t^on mit benu^te Wetl^obe mit mel^t obet meniget 
©efd^idt unb gtfotg angetoenbet tootben: auf Sleinmat ö. Stoetet 
burd^ &. gtoet^e (f. 31. S). S. XXVIII, 100 f.), auf 3lcib^att 
butd& SR. 9R. aRe^et (f. 31. 3). ». XXIII, 395 ff.), auf ©tcinmat 
(f. 31. S). ». XXXV, 746 ff.) butd^ aReifenet (f. 31. (S. »etget, 
3eitfd&t. f. b. jp^ilologie 20, 121 f.). 

äBilmannd ]§at in feinem Seben SBaltl^etg t^on bet 33ogeI' 



^ofbid^ter in XOxen (Bis U98). 33 

toeibe feinen ftül^eren Stanbpunit in ^infid^t auf bie ©laubtofitbig^ 
feit bet TOinnepoefie gana bcrlafien unb fi(5 auf ben cntfiegenflcfefeten 
fleftettt: er netflt nun baju, in ben SiebeStiebern anbetet OTinne« 
fanget foiool als SBaltl^etg planmäBtfie Stfinbung, Iünftltd§ 6t» 
bod^teg unb ®emad^teg ju etbliden. 6t glaubt nad^toeifen 5u fdnnen, 
• bo| bie d^tonologifd^ geotbneten Steberbüd^et, meldte feinet^^nftd^t • 
nod^ unfete ©ammcll^anbfd^tiften cntl^alten, il^ten inl^attlid^en 3u» 
fammen^ang, bie fd^einbate 93ettt)idE(ung, Söfung unb ben förmlid^en 
Slbfd^Iug nid^t bent ^n ®tunbe liegenben tealen 93er(auf toitKid^et 
6tlebniffe betbanlen, fonbetn botübetlegtet gompofition bei il^tet 
älbfaffung. 6t nimmt an, ba^ indbefonbete aud^ bie Siebet 
SBalt^etd tiielfad^ bon botn l^etein eind mit Se^ug auf bad anbete 
gebid^tet, alfo gleid^^eitig obet luta nad^ einanbet entftanben, bag 
fie mit anbetn SBotten Siebetc^cten feien, in benen bet fad^Iid^e 
3ufammen]^ang nid^t auf bet 6inl^eit eined loitllid^ beftel^enben 
Siebedbetl^ältniffeS betul^t, bielmel^t ein tein poetifd^et, bom S)id^tet 
etaeugtet ift. 2)iefe ^t)poi^e]e lä^t fid^ inbef{en nid^t glaublid^ 
mad^en unb l^at aud^ faum SeifaU ettt)otben (f. meine Stecenfion 
im ana. f. b. aitett)^. 9, 350 ff.). 

Sd^önbad^ l^at fid^ in feinem aUetbingg füt Weitere Sefertteife 
befümmten „aSaltl^et bon bet SSogelmeibe'' (1890) atoat meinet 
auffaffung bet 6nttt)iÄlung8gefd^id^te SOSaltl^etg angefd^Ioffen. abet 
et betfud^t fid^ bod^ loiebet in einet bitecten biogta))]^ifd^en aud* 
beutung beS Stnl^altd bet Siebet. 6r bejiel^t aUe Siebet, toeld^^ 
Winnebienft audfpted^en, auf eine beftimmte S)ame, bet äBaltl^er 
auSfd^Iie^Iid^ gel^ulbigt l^abe, unb tüdt fie a^ittid^ aQe aufammen. 
Sie t^olföt^ümlid^en Siebet bet niebetn SRinne bettad^tet et gleid^« 
faUd aß audbtud einet einaigen 9leigung au einem beftimmten 
Wftbd^en niebetn StanbeS unb fe^t fie inSgefammt leintet bie Siebet 
beS TOinnebienfteS. aud^ nad^ ben ptincipietten 6töttetungcn in 

^urbac^, äBalt^er von bec SSogelweibe. 3 



34 §n)eites Capitel. (Entipicflungsgang. 

bcn SSioflta^jl^ifd^cn asiättetn (I, ©. 39 jf.) übet ben biogtapl^ild^en 
@el^alt beg altbeutfd^en Wtnnefanged batf man in biefem SSettal^ten 
fd^toerlid^ einen goTtfd&titt etbtitfen (tJgl. aud^ Sietfd§ott)8l^|, 
ßiteratutbtatt für ßermanifd^e unb tomanifd^e Spi^ilologie , 1893, 
Sanuat). 

S)ie Siebet bet erften ^etiobe, unter bem Sänne ber Slein« 
marfd^en ^of<)oejte (f. 91. S). 33. XXVIII, 94) entftanben, betoegen 
fid^ in ben trabitioneöen eintönigen TOotiöen: immer toieberl^olte 
ßiebeSbetl^euerunflen , Älagen um öetgeblid^en S)ienft, tl^eotetifd^e 
ßtöttetungen übet baS SBefen bet TOinne, über il^tcn erjiel^enben 
6inpu§, über toa^re unb falfd^e Siebe, ein forttoftl^tenbe« S^jiet mit 
^ojfnungen unb Sßünfd^en, ein died^nen mit SRöglid^feiten. 3m 
gin^elnen btöngen fid§ nod^ 9lnf länge an SReinmatS Sieber, fei eg 
bem SBottlaut, fei eg nut bem ©ebanfen nad§, t^ielfad^ ^ett^ot. (Sine 
Icbenbige Sl^aialtetiftit bet ©eliebten fel^tt: toit etfal^ten öon tl^r 
nur butd^ gana attgemeine aOßetll^utttieUe. S)iefe S^ril fnü^jft nirgenbä 
an eine beftimmte Situation ober an eine @cene an. ®ie entbel^rt 
gana *>cr Se^iel^ung auf äußere ^anblung, jcber epifd^en unb 
toirftid^ btamatifd^en gorm. 6ie befd^tönft fid^ auf ©inblidte in 
bie innete 3BeIt: bie äu^ete, t)ot aQem bie 9latur, ben äßed^fel 
ber Sal^tc^aeiten , bie bod^ l^tifd^e $oefie fonft fo öiel befrud^ten, 
lä^t fie bei @eite. S)ad perfönlid^e ßlement l^at an il^r nur ge- 
ringen 9lnt^eil: ber S)id^ter rüdEt bie ©eliebte, bie et befingt, in 
eine tefpectbotte (Jntfetnung; meift fptid&t er tjon t^r toie öon einer 
5tbtoefenben in ber britten $erfon; aud^ ben ©örern gegenüber l^&lt 
er fid^ aw^üdf unb rebet fie faft niemals bitect an. 6r beborjugt 
bafür, ^erfonificationcn abftracter gigenfd^aften, a- *• *>« Slinne, 
ber ©täte einaufül&ren, aber aud^ bog, ol^ne fie bramatifd^ in Scene 
au fc^en, toa» er fpftter fo meifterl^aft berftel^t. S)ic t^pifd^e ^l^ro« 



f?ofbid?ter in Wien (bis U98). 35 



feologie bet contientioneUen l^öftfd^en ^innebid^tung ift au§ Stein» 
mar unb ben tjertoanbten SJcrttctetn biefct ©attutig 5iemlid& ttcu 
üBernommen unb toenig bereid^ert. ©et Stil ber S)atftcHunfi toic 
ber ^pxaä^liä^t ^uSbrud ift complicirt unb uiä^i Hat: e8 übet» 
totegen l^^potl^etifd^e Elemente, äBünfd^e, fjftagen, Untetbte($ungen 
(^arentl^efen), ginfd^t&nfungen, SQßibertufc unb Selbftbetid^tiflungen, 
Stntitl^efcn , Oj^mora , SBotttoiebet^olunflen nebfl funftüotten 
^ataUelidnten unb Stefponftonen. 6in gelegentlid^ fafi fd^olaflifd^e^ 
Äaif onncment , eine ettoaä fpintijttenbe Settad^tung ptftgt fi(% in 
bet gfi'^^uUtung bet einzelnen ®ebanfen, abet aud^ in bet 6om* 
pofition bet ganaen ®ebid^te auS, bie autoeilen etmoS Sd^ematifd^ed 
l^at. Unftaglid^ aeigt ftd^ l^ietin bie bialeltifd^e Sd^ulung SBaltl^etd, 
bie et fid^ in einet fflofletfd^ule angeeignet l^aben toitb. S)od^ 
btid^t butd^ biefe @d^atten bet fd^ulmä^igen (Sebanfenbteffut fd^on 
mand^mal l^eQ unb fttal^Ienb bie <5onne feinet genialen ^etfönlid^feit, 
»ie in bem föftlid^ epigtammatifd^en ßiebfd^Iufe : swer guotes wibes 
minne hat der schämt sich aller missetät (93, 17). S)ie Sttopl^en* 
fotnten fd^liefeen jtd^ aunt gtofeen Sl^eil eng an baä ÜJluftet 3lein= 
mat an, ja fie ftimnten öftet fogat gana obet faft gana mit 
Sttopl^en Äeinmatg übetein. S)utd&tt)eg aeid^nen jte fid^ gleid^ il^ten 
aiuftetn butd^ einfad&e ©lieberung, butd^ SJettoenbung ungefüllt 
gleid^ langet unb gteid^attigct SSetfe, butd^ Seöotaugung beö öiet- 
l^ebigen »etfeS unb ftum^^fet 3lu§gänge au8. @o getodl^tt biefe 
aitcfte giebeSl^til SOßattl^erS baS blaffe »ilb fd^toebenbet SSetoegung 
bet (gebauten, ol^ne einen fttaffeten S^Ö/ o^n« einen fcafbotten 
aSutf, o§ne Seibenfd^aft unb geuet, o^ne d^ataftetiftifd^e ©efialtung 
unb ol^ne tebl^afteö Solotit. 6in bämmernbeS ^alblid^t ift batübet 
gebteitet, in bem atte ßinien tjetfd^toimmen. 



36 ^weites (Zap'xiel (Entipicflungsgang. 

^a^venbex f ctnger (1198-1330). 

aamai^Iid^ , ©d^ritt für ©d^titt befreit jt(% SQ8altl^er8 ßieber^ 
bid^tung bon ben (Betoid^ten ber trabittoneUen 3Robe))oefie. Sie 
toirb lebenbiger, gegenftänblid^er. Sie belomtnt tne§r fjfarbe unb 
[tariere Seioegung. Sie erfüQt fid§ immer mel^r mit brama- 
ttfd^en Ctementen. Sie toirb immer ^jerfönlid^er, immer toal^rer, 
immer lör^jerlid^er. S)er ©id^ter erlernt bie Äunfl ber SJergegeu« 
märtigung: ie|t toanbelt er bad einfame l^xifd^e 99e{ettntni| um 
in eine bramatifd^e Scene, ben fftl^Ien monologifd^en ®efü]^te«(5rflu§ 
in ein bli^artig ^in« unb l^erfd^ie^enbed (SSefpräd^, unb t)or allem 
bie l^öflfd^en SBed^f elreben , bie nid^tS toaren als nebeneinanber ge« 
fteUte Stonologe entfernt gebadeter Siebenber, erfe^t er nun burd^ 
tt)irllid^e SDialoge, bie gan^ unb gar baS momentane 3ufammen{ein, 
ben f))rü]^enben ^tiUf)x, bie liebendtoütbige , geiftboQe, l^er^Iid^e 
gonberfation, bie bertraulid^e , lofenbe Unterrebung bed liebenben 
^ißaard abbilben. Sie f^rau, bie er liebt, aeigt er und ie|t gana 
na]§, er fielet im intimften SSerl^ältnig au il^r. Unb aud^ bie ^örer 
erl^ebt er au8 il^rer poffiben Stolle gleid^fam au 3Jliterlebenben, Wit» 
l^anbelnben, inbem er fid^ auf fie beaie^t, beruft, pe aur 2§eilna]^me 
unb 9leu|erung aufforbert. 9lud^ baS Seben ber 9latur fpiegelt 
jefet fein Sieb toiber, unb tounberbott gelingt c8 il^m, TOenfd^enleib 
unb SKenfd^enfreube mit ben etoigen 308 anbiungen , mit grül^ling 
unb ^erbft, Singen unb SJerftummcn ber SSögel, mit Slumenlad^en 
unb toelfer Srauer ber tointerlid^en ^eibe au öerletten. Sllte ererbte 
l^eimifd^e Ueberlieferung toeiB er neu au geftaltcn. 3lug bem un= 
erfd^ölJflid^en Säorn bolfSmft^iger anfd^auung, aS)ei*^eit unb 
^$oefie fd^öpft er überl^aupt ^infort einen Sl^eit feiner beften Äraft, 
nic^t toie anbere gleid^a^itige S)id^ter bott citelen l&ö^nifd&en .&od^- 
mutlos ber Silbung au parobiftifd^en ober fatirifc^en Stoedten, 



(fal^rcnber Sänger (u98— 1220). 37 



fottbctn um ber reinen, tjetticften lünjlletifd^en SBirlung toitten. 
Unb über feine Sieber leuchtet fortan immer liebenSioürbiger, immer 
fiegreid^er fein toarmer^ auS einem lautem unb arglofen, l^eQen 
^eraen QueUenber ^umor. 

S)ad Seben felbft l^at biefe SRetamorpl^ofe ber äBaltl^erfd^en 
giebe8bi($tung beförbert: baS Seben felbft l^at fein Sieb auS ber 
bumpfen Stmof))l^re ber e|cluftben Stanbedpoefie , ber conbentio» 
nellen SJlobe, beg fünftüd^en ©piefö l^inauSgeleitet in bie frifd^e Suft 
bed Xaged, ber 9latur, ber SEBal^rl^eit. @ein SBeggang t)on Oefter- 
xeid^, bie äJeränberung feiner Seben^fteOung atoang il^n, eine btS 
bal^in t)on ritterlid^en Sängern in beutfd^er Spradge nid^t gepflegte 
S)id^tungdart aufaunel^men unb auS ber fidlem ^ofition eineS $of« 
bid^terS in bie SReil^en ber fal^renben ©änger einzutreten. 9lad^ bem 
SBorbilb ber lateinifd^ bid^tenben 93aganten geftaltet er bie beutfd^e 
öolfömäfeige gnomifd^c S)id§tung ber ©piellcute in feiner SBeife 
um. Sr toirb ein 9lad&folger ber ©perüogclfd^en ©d&ule unb 5U= 
gleid^ beg Archipoeta. S)ag mu| aud§ auf feine SiebeSpoefie 
entfd^eibenb einmirlen, fie tion ®runb auS umgeftalten. 

2)ad Seben, toetd^ed ben Sid^ter l^art anfaßte unb i§n, ben 
ttmpfinblid^en, l^incintoarf in bie öotte SSranbung, fül^rte il^n burd& 
eine lange, an Unbilben reid^e äßanberfd^aft. 

Sein aOBanbcrleben reid^t bon 1198 bis gegen 1220. S)od^ 
totrb eg unterbrodöen bon toieberl^olten längeren unb fürjercn giaften. 
Ueber ben Sl^aralter biefeS SebenSabfd^nitteS gelten bie Slnfid^ten ber 
gforfd^er nad^ atoei SRid^tungcn auSeinanbcr: auf ber einen Seite 
fielet man bie t^erfd^iebenen nad^tDeidbaren 9lufent§alte SBaltl^erS 
mel^r ober minber aU bauernbe an, bie SBanberungen nur ald 
öorübergel^enben S^ft^nb, atö gelegentlid^e Unterbred^ungcn be8 
feflen SBol^neng; auf ber anbern Seite erblidtt man umgeJcl^rt in 
bem Um^eraiel^en baS Sleibenbe, ben (Srunbauftanb, in bem bie 



38 gipeites (Eapitcl. (Entoicflungsgang. 



3eiten be8 SScttoetlenö an einem Ort nur als ^au]tn erfd&einen. 
3ene äutfajfunö fd^reibt SOßattl^er eine t)et]^ftItntBntd|i9 l^ol^e feciale 
Stettung ju, biefe fe^t il^n ööHig in eine SReil^e mit ben gal^renben. 

9lIo^§ @($ulte l^at in einem t^erbienftüoEen ^uffa^ über bie 
Stanbegber^ältniffe ber aRinnef&nfier (Seitfti^r. f. b. altert^. 39, 
192) unter Serufung auf eine — übrigens bereits 1874 öon ®. 
SBJai^ (S)eutfd^e SerfaRunflgg^f^^i^^te 5, 335 f. , 2. 3lufl. öon S. 
3eumer 1893 . @. 375 f.) l^erborgel^obenc — »eftimmung beS 
flölner S)tenflmannenred^t8 aQßattl^er für einen jüngeren ©ol^n eine* 
aiinifterialen erHftrt, ber, nad^bem ber ältere Sruber bem SSater 
im ®ienft unb im Sefi^ fuccebitt, bergebtid^ fit^ feinem $errn 
5um Sreubienfl erboten l^at, aber berfd^mftl^t unb fo genötl^igt 
toorben tft, fi($ bon feinem legitimen «^errn loS^ufagen, in bie 
aSSelt au sielten, um einen neuen ^errn au fud^en, ber feinen ®ienft 
annel^me. Sßaltl^er mod^te in ber £]§at, nad^bem bei bem 2!obe 
feines erften ^exxn, ^eraogS Sriebridl), bem er unbelel^nt gebient 
l^aben loirb, beffen ^ac^f olger Seopolb feinen Sienft nid^t annal^m, 
in biefer ffieife ein neues Unterfommen l^aben fud^en muffen. 6S 
fragt fid^, ob unb in »eld^cr SBeife er eS erl^ielt. 

9lad^ 19, 36 l^at il^n jfdnig $l^ili)))) an sich genomen, maS 
ben fl&nbigen SuSbrudf überfe^t für ben (gintritt in bie aßinifle- 
rialitftt: ,,er toarb aufgenommen in bie familia". ^Qein er eneid^te 
nur bie erfie ©tufe bicfeS S)ienfieS: ben ffitenft ol^ne beneficium, 
ol^ne Selben. 9ln einen fold^en Sienft toar ber Sienenbe aber nad^ 
ben red^tlid^en Seftimmungen nur auf eine beftimmte 3^it gebunben, 
bicr aSSod^en bis a» ^inem 3al^r. 6r tonnte bann ben S)ienft 
tünbigen unb nad^ erl^altener Stlaubni^ einen neuen ^txxn fid^ 
fud^en. aSJäl^rettb ber Seit fold^en borlftufigen ffiienfteS auf Äün» 
bigung empfing er — barüber ge^en bie Med&tSborfd^riften auS- 



(fal^renbcr Sänger (U98— ^220). 39 

einanbcr — cnttoebct nur ben Sebenöuntctl^alt ober nut Scfd^cnfe, 
ettoa am erflen l^ol^en gfeft ein @efd§enf in ^tlgtotxt 

audö SBaltl^ct bon ber SBogctocibc etl^iclt offenbar, toaS man 
Kölner nid^t bemerft l^at, toegen biefer bienftred&tlid§en (Sctool^nl^eit 
bom S8ifd6of SBolfjer bon ^affau fettien ^elamantel aum fjeft 
beö l^eiligen TOartin (11. ^tobcmber), tocnn aud^ ber ©elbbetrag crft 
einen Sag nod^l^er ge^al^U unb jebud^t toarb. 3n einem Siebe ber 
Carmina Burana (©d^meHer ©. 50 f.) ttagt ber SSagant : mens 
tennis nimis est amictus, saepe frigus patior unb bittet feinen 
®5nner, ben Sinn be§ l^eittgen ^Jlartin an^unel^men unb il^n 5u 
betleiben (mentem capite similem Martini). S)er Segenbe nad^ l^at 
ber l^eiltge ÜJlortin jur SBintergaeit feinen 9KanteI mit einem 
ftierenben armen getl^eilt unb er toar beSl^atb ber ^atton atter 
Sebürftijen. Cftmafö tturbe fein Seben mit tjielen noöettiftifd&en 
Sügen barflefleDt: tjor attem gel^ören bie ©d^riften be§ ©ulpiciuS 
Setierud über i^n ((Sbert, 9ltlgem. @efd^. b. Sit. be§ Mittelalters 
1 ^ 331 ff.; 3Kanitiu«, 91. Slrd^ib f. ä. b. ©efd^id&tSforfd^. 14, 165 ff.) 
au ben getefenfien unb beticbteften SOBeifen beS ganzen SRittetalterS 
unb finb oft nad^geal^mt unb benu^ »orben. S)a8 Seben beS 
gaUifd^en 93ifd^ofd marb afö Z^pug bifd^öftid^er Humanität unb 
ßeutfeligfeit, SJlilbe unb Solerana, bie baS SJoIf unb bie «^äretifer 
in ©d^u^ nimmt, romanl^aft auSgebilbet. 2Det Archipoeta fpenbete 
feinem Sßrotector, bem Äötner (gr^bifd^of Slainalb t)on -SDaffel 
(3. ®rimm, fll. ©d^r. 3, 65) einen breifad^en ^reiS: tapfrer afö 
aieianber, freunblid&er unb beliebter als S)atjib, freigebiger ofe 
ber l^eilige Martin, unb baS ©anje fd^liefet mit ber greifbaren 
9tu|antt)enbung poeta bene meruit mantellum et tnnicam. 3lm 
WortinStag toarb aber aud^ ber neue SBein probirt, ber Martin8= 
trunf unb ber MartinSfd^mauS gel^alten. @d toar bie rid^tige ^tx\, 
um einen barbenben, lebensluftigen ©änger für fein fröl^lid^eS Sieb 



40 ^weites (EapiteL ^nttPtcflungs^ang* 

5U belol^nen. 3}($ fel^e leinen @tunb, toarum man nid^t auS bem 
9[Jlarttn8=?5elamantcl, ben SBolfger aSaltl^et bettJiEiflte, ein fotmeCeS 
t^otläufigeg 9nintftetialitätdt)etl^ftltnig auj Aünbigung erfd§lie|en 
bfttftc. 

©pötet flinfl aaSattl^et in ben S)ienft beö Sanbfltajen ^er» 
mann öon Sl^ütinflen; er nennt jt(5 35, 7 fein Ingesinde, 
toa% unameifell^aft auf ein 2)ienftmann8t)et]^ättni| beutet. 3n einem 
tnal^tfd^einlid^ f))äteten @prud^ (18, 15) banft fSüMf^n für eine 
Aetae, bie im 9luf trage beS ^er^og« Subtoig t)on 93aiern 
i]§m ber ÜJlarlgraf S)ietridö bon SBleifeen au8 granlen über« 
brad^t l^at: baS ift, bleibt und aud^ ber genauere S^fammenl^ang 
immer nod^ bunfel, offenbar ein Symbol bienftmannfd^aftlid^er SBet^ 
binbung, bielleid^t (Sd^önbad^, 3eitfd§r. f. b. aitertl^. 39, 343) 
eine 9lrt (Sinlabung aum ^ofbtenft. SebenfaQg pod^t äBaltl^er bem 
aßarlgrafen S)ietrid^ t>on SJlei^en gegenüber auf beto&l^rten dienest 
(105, 29). aber er fo toenig toie bie frül^eren Ferren unb fo 
toenig alg ^aifer Otto gaben il^m benienigen Sol^n, ber baS bor- 
übergel^enbe S)ienftberl^ättni6 in ein fefleS, un!ünbbare8 bertnanbelt 
^ätte. 

(Srft gfriebrid^ II. tl^at bad, inbem er bem S)id^ter, ber {td^ 
10, 17 feinen armen man nennt unb fid& baburd^ aö feinen 
Winifterial be^eid^net, aunäd^ft ein beneficinm 5tt)eifel]^aften Srtraged 
(27, 7 ff.), bann ein orbcntlid&eS Selben (28, 31) getoäl^rte unb 
fpäter eine toeitere entfd^äbigung folgen liefe (84, 30 ff.). SBaltl^er 
tt)urbe bamald eine 3^it lang loirtUd^, fo fd^eint t%, fein politifd^er 
«gent. 

9lad^ bem ®efagten mufe man bie l^öuftgen Sitten äSaltl^erS 
unb anberer @önger um Sol^n unb @efd^enfe im S^f^^^^n^^^^S 
mit ber ganzen Sinrid^tung ber S)ienftmannfd^aft betrad^ten, ber- 
aufotge icber ^inifterial einen feften 3lnfl)rud^ auf Verpflegung unb 



ifaljrenber Sänger (U98— ;220). 41 

attt^flattung , auf (SSefd^ente aUet ^tt befa^ unb bie ^uMfiung 
mit Jlleibem 5U erbitten butd^aud nid^tS Sl^tentül^xigeg l^atte. So 
Derlieten fie ben fonft il^nen anl^aftenben Sl^atalter bet unanftftnbigen 
bettelet. Unb audg bet Ueberttitt bon einer ))oIttifd^en Partei ju 
einer neuen, ben moberne 9lugen fo gern afö einen SSerratl^ ber 
eignen Ueberaeugung auffaffen, erfd^eint im Sid^te ber mittelalterlid^en 
Sled^tganfd^auung über bie ^flid^ten ber Stinifterialen gana anberd. 
S)er nnbele^nte S)ienflmann barf nad^ Sluffagung beS S)tenftc8 unb 
nod^ empfangener (£rlaubni| feineg ^errn bon bannen gelten unb 
aud^ beffen gfeinb bienen, er barf felbft im neuen S)ienft gegen ben 
alten ©errn fämpfen, nur nid^t Slaub unb Sronb gegen il^n üben. 

SBaltl^er trieb fomit nid^t baS ^anbtocrl beS gctocrbSmäBigcn 
@))ielmanned, ber nur umd 93tot bid^tet unb bon iebem <!^ecrn in 
beliebigem SBed^fel @abe l^eifd^t. 6r fud^te 2)ienft toie jeber anbere 
ritterlid^c SKinifleriale ol^iie ®ut, nur bafe feine iJeier unb ntd^t bie 
lüd^tigfeit im ÄriegStoerl nod^ im |)ofamt il^n betoäl^ren fottte. 
@o lange er freilid^ einen unfünbbaren, burd^ ein Säeneflcium beibet» 
feitS feftgefnüpften S)ienft nid^t erlangte, mar er ftetd auf^S neue 
ge^toungen, feinen SBeg burd^ bie SOBelt fortaufe|cn unb infofern 
fid^ ber SteUung eined gfal^renben au näl^ern. 

3mmer n)ieber aber mu^ man ftd^ gegentoftrtig l^alten unb 
nad^brüdlid^ einprägen: bon äSaltl^erd öu^erem Seben, bon feinen 
S3eaie]^iingen au bebeutenben ^erfonen l^aben toir nur gana fragmen* 
tatifd^e ffunbe. SBer l^dtte geglaubt, ba| bie einzige urfunbUd^e 
Slotia il^n gerabe neben bem Sifd^of SBoIfger a^ig^n n)ürbe, beffen 
9tamen feine @ebid^te nid^t einmal nennen ! Unb toie n)enig n)iffen 
mir aiid^ ie|t bon ber 9lrt unb ber S)auer feiner äierbinbung mit 
biefem jtird^enfürften? 3äa^ un§ SBalt^eid S)id^tung benät^ ift 
nur ein aufäUiger ^uSfd^nitt auS ber bunten jfarte feined ftürmifd§ 
bctoegten SafeinS. ©inb mir bod^ nid^t einmal im ©tonbe, bie 



42 ^weites (Eapitel. ^ntmirflungsgang. 



attgemcinften ©renken, bic er fclbft (31, 13) jüt feine gal^rten ^iel^t 
(Seine , OTur , ^o , Staöe) , an bcx ^anb feiner ^oefie 8U bet» 
folgen. Sarum aber mit Sad^mann (au 14, 38) an ber SBal^rl^eit 
biefer Slnjaben a« itotx]tin, bered^tijt un8 nid^tS. 

SBattl^er, ber im öfieneid^ifd^en ^ofbienfl bei feinem ^errn, 
bem ©eraog gtiebrid^, toal^rft^einlid^ nur Siebeölieber in SteinmarS 
9ltt gebid^tet , möglid^erioeife gelegentlid^ qu($ bie Sieber anbeter 
©änger öorgettagen l^atte, betrat, feitbem er, einen neuen ^erm 
au fud^en, ben ©pieltcuten ftl^nlid^, uml^eraiel^t, ben SSoben ber 
Sel^rbid^tung. (5r ifi ber erfie ritterlid^e ©änger, ber l^alb unb 
l^alb bad Seben unb bie ffunft ber fjfal^tenben , ber SSaganten fid^ 
aneignet. 9lber er t)erebett beibeS. 6r erl^ebt fidg über baS blo|e 
guot-iimb-^re-9flel^men. 6r mufe tt)ie feine SBorWufer, ber @l)er= 
bogelfd^e ffreiS unb bie (Soliarben, nad^ ber @unft ber Ferren 
ftreben unb feine ^oefie in ben ®ienft ber Sntcreffett unb Steigungen 
ber f^ürften fteOen. 3lbet er t)ertritt babei bod^ aud^ eine eigene 
SBeltanfc^auung. 6r toäl^lt fid& feinen ©toff überttiegenb in ber 
§ö]^e be8 nationalen SebenS: bie grofee ^olitif, bie aHgemcinen 
pttlid^en unb focialen fragen, bie aufregenben (Segenfä^e ber um 
bie |)errfd^aft über bie S^ii ringenben ScbenSmftd^tc nimmt er pc^ 
aum @egenftanb unb in allen SBanblungen ber äJerl^ftltniffe unb 
Parteien beu^al^rt er, obmol baburd^ berül^rt unb tl^eitoeife geleitet, 
ftetS eine eigene Ueberaeugung. 6r berpd^t bie TOeinung, bie er 
auSfprid^t, nid^t ate ein Salai, ber bafür feinen Solb crl^dlt, 
fonbern, fo abl^ftngig er aud^ in focialer Seaie^ung toar, al8 ein 
freimütl^iger, ftarf empfinbenber unb tief benlenber aJlann. ©eine 
Sprud^bid^tung ertoeitert ben biä bal^in üblid^en befd&ranlten ®e« 
fid^tSlreiS ber gnomifd&en ©pielmanngpoefte , bie in perfönlid^en 
Seaiel^ungen, im Sanbfd^aftlid^cn unb Sempor&ren, in ber begrenaten 
©pl^äre nieberer unb enger Sebürfniffe touraelte. SBoS SBaltl^er atö 



2Im f?of König pf^ilipps. 43 



S^ftler bet l^öfifd^en ablidgen äRinnefftngeT, bie er balb ald Steiftet 
in ben Sd^atten [teilte, in ted^nifd^er ^infid^t gelernt l^atte: bie 
fottöer&ne aSel^errfd^ung be8 portifd^en 3lu^bruÄ8, bie Slad^t ber 
StimmungSmaleret, lie^ er ber neuen 9lrt feine« S)id&ten8 au gute 
lommen, brad^te er in il^r 5ur l^öd^ften SSoUenbung. Unb biefe neue 
SBeife feiner Aunft toirft aurüd auf bie »eiter gepflegte Winne> 
bid^tung: aud^ fte gett)innt nun im 3ufammentDad^fen mit jener 
nod& bottereÄ, runbereS Seben, einfad^eren unb ttirffameren Vortrag, 
liolfdtl^ümlid^ere gfarbe unb Haltung, [tariere 93ett)egung, plaflifd^ere 
®efta(t. 



S)ritteg Sapitel. 

Jim ^of S^önxQ ^^tCippö. 

gür ben dlte^en politifd^en ©prud^ SBatt^erS l^alte id^ bcn 
berfil^mten Ich saz üf eime steine (8, 4). (Sr bietet leine 9[n» 
fpielung, bie eine beftimmte ffiatirung er^toänge, aber baS ergreifenbe 
95ilb, boft er aufftettt: ber Sänger in forgent)oItem ®rübetn über 
bie Unmöglid^feit , l^ienteben ßl^re, @ut unb @otted ^vlü> au t>tx» 
einigen, äöel^e rufcnb über gfrieb» unb 9led&tlofigfeit — in toeld^e 
3eit po^te bag beffer aU in ben 3[uni 1198, ba SBaltl^er in bem 
futd^tbaren SBinfal nad^ bem Sobc beS großen ÄaiferS ©einrid^ VI. 
nun aud^ ben Sob feines (SönnerS, ^crgog griebric^g, erful^r, 
bamit ben Soben unter 1)en eignen gfü|en toanlen fal^ unb au^er 
Stanbe, in Defterretd^ ©l&re unb SSefi^ 5U gewinnen, fid& büfter auf 
ben SBeg inS SIenb begab? Wöglid^ inbeffen aud^, bag biefer 
®pxuä) nad^ ben beiben anberen beffelben £ong gebid^tet marb; 
bann jebod^ fid^erlid^ nid^t aß Slbfd^Iu^, fonbern als mirlungdt^oQe 



44 Drittes (Eapitel. poIttifd?e Did^tung. 



ßtnleitung für bie ^ublication, fo ba^ nun aUe brei ein ft($ 
fteigernbeä ©an^e bilbetcn. 

S)ag etfte feft batitbare ®ebi($t SBaltl^etg ift bet atoeite 
Spxuä^ biefeS Sond Ich hörte ein wazzer diezen (8, 28) : Sommer 
1198. SJemirrung unb g^^^'^^ff^wl^eit ftnb übet ©eutfd^Ianb nad& 
bem Sobe beS mäd^tigen ÄaifcrS, ^einttd^S VI., l^ereinfiebro(ä&en; 
bie ^tätenbenten SSetnl^atb bon Sad^fen, Settl^olb bon 3&^^iit0^n, 
Otto bon $oitott, l^aben nad^ einanber bie ^ettfd^aft exfltebt ; }um 
Siegenten unb S^ormunb be^ breiiäl^iigen Sl^ronetben, fSftiebxid^d II., 
befteUt, l^at fo bet SStubet ^eintid^S, $l^ili}))) bon Sd^toaben, 
einen fd^toeten Stanb. 3m Slnflefid^t biefet Sage, aber nid^t, toie 
gen^öl^nlid^ angenommen n^itb, nodg bebot Ctto bon feinet Partei 
aum ffönig ptodamirt toat (9. 3uni 1198), fonbern einige SBod^en 
fpfttet, tuft SBaltl^er S)eutfd^lanb auf, bet Unfid^er^eit ein Snbe su 
mad^en, unb $]^ilit))) felbft bie ed^te, legitime jtbnigdltone auf- 
5ufe|en. Unb biefen tein politifd^en Iftai^ txifjtili et nid^t toie au8 
petfönlid^et Steigung obet Sinftd^t, fonbetn afö notl^toenbigeS (St« 
gebnil einet finnenben ä3ettad§tung bed SBeltlaufS, bet emigen 
Statut felbft. ®en biblifd^en ©ebanfen, bafe bie ganje Sd^öpfung 
il^t aied^t unb tl^te Dtbnung l^at, nut bet 5Wenfd^ nid^t, fd^eint et 
afö ein nad^benltid^et 93eobad^tet felbft aufS neue 5u entbeden. 
Unb tiefftnnig nimmt ex aud^ ben etoigen Stampf als einen %%tii 
bed bon (Sott getooQten äSeltpIanS ]§tn. ^bet baS Seben bet 
aßenfd^en, baS SJatetlanb bebatf be8 feften, einl^eitlid^en 3legimentä. 
9lut bet Äaifet lann mit ftaxlem Sltm biefeS ß^aoÄ bel^ettfd^en. 

S)ag ift bet j{etn bon äBaltl^etS ))oIitifd^et unb ftttlid^et 
äSieUanfd^auung: aud il^m entf))tingen feine älteften Sptüd^e, aud 
t^m etioäd^ft feine gan^e fpätexe Sptud^bid^tung, aud il^m ^iel^t et 
inmitten aUet ^atteiungen, aQex eigenen SBanblungen bie Ataft, 
bie il^n aufted^t l^ält. 



2Im f)of König pl^ilipps. 45 

Salb nad^ biefem etftcn Sluftuf au ^l^ili^S ©unficn, bcr 
ftd^erlid^ nid^t öot einem Surften, fonbern toal^tfd^einlid^ öor einem 
^Publicum bon Sleid^Sbienflmannen, ben fefteften @tü|en bet 
ftauflfi^en ^olitil unb ben eiftigften Sefötbetetn ber ffönigdtoal^l 
^l^ilipt^d, botgettagen tootben tft unb il^ren äßünfd^en älu^btuä 
lietltel^en l^at, ift äßaltl^et in nal^e SSe^iel^ungen 5u bem Staufer 
geixeten : et befingt il^n ate Stftget bet alten Atone unb bet ed^ten 
aieid^Sinfiflnien (18, 29), toa^tfd^einli(% fd^on bei bet OTainjet 
Ätönung (8. ©eptembet 1198), nad^ einet anbeten, toenigev 
onft^ted^enben 99eftimmung etft auf bem SRagbebutget äBeil^nad^tS- 
feft beS 3a]^te8 1199. 

S)ief em loeil^t äßaltl^et, fidler als Slugen^euge, feinen fd^önen 
Sptud^ 19^ 5, eine tDitlungSDoUe SJetl^ettlid^ung $^ilit)pd unb 
feinet iungen (Semal^lin Sttene Watia aU bed legitimen, bon (Sott 
eriDäl^lten unb begnabigten ^ettfd^etpaateg. 6ine SBeile fanb 
aSalt^et am löniglid^cn ©ofe eine fefle SteEung : bet Äönig felbft, 
jubelte et (19, 36), l^atte il^n an feinen ^ctb genommen; bie 3«t 
bed fd^leid^enben ^fauenfd^rittS toat botübet, unb übetglüdClid^ 
etl^ob et toiebet fein ^aupt mit bem iaud^a^nben giuf: wol üf 
swer tanzen welle nach der gigen! 

SBenigc Salute fpätet, afö bet Sütgetftieg attifd^en ben beiben 
gehonten Äönigen ^l^ilipp unb Otto ffieutfd^lanb a^f^eifd^te unb 
?Japfl 3nnocena atte 3Jlittcl aufbot, ben legitimen aiegenten ?51&ilipp, 
ben betl^afeten ©taufet, a« betnid^ten, jebenfallg n a d^ bet Sannung 
^ßl^ilippS unb feinet ^nl^änget burd^ ben päpftlid^en Segaten (Satbinal* 
btfd^of @uibo bon jptanefte (3. 3uli 1201) et^ebt aOßalt^et in 
bemfelben Ion, bem „gieid§8ton" nad§ SimtotfS glüdtlid^et 25c= 
nennung, toiebetum Älage: bon 9lom leitet et baS Uebel beS 
3tt)ifle8 l^et ; et Iftfet einen einfamenfllauÄuet toeinen übet bie Set» 
blenbung bed jungen ^apfteg. 



46 Drittes (Eapttel. polttifc^e Did^tung. 



9lud^ l^icr bie flanjc tjolitiftä^c Ucberacugunft SOßattl^CTg: übet 
bet l^ierard^tfd^en, intriganten, l^interliftiflen unb l^crrfd^füd^tiflen 
äSemaltung bet tixäß^m ^ad^t ftel^t il^m bie td^it teine Aitd^e, 
bie nut ben ]^immlif($en Singen fid^ mibmet unb bad toeltlid^e 
tRegiment nid^t beanfptud^t. S)et @ptud§ felbft gibt abet im (Sanken 
nut toicbct, tt)Q8 tjon bcn fütfllid^en gül^tetn bet fiau.flfd&en Äeid^S« 
pattei in ben SSerl^anblungen auf bem glänscnben Sambetget gieid^g- 
tag, bet aut Qeitx be§ ^tönungStageS auS Slnla^ bed Sfefled bet 
(Stl^ebung bet @ebeine bet l^eitigen Aaiferin Aunigunbe mit gto^em 
$omp gefeiett toatb, auggeft)tod^en fein mochte unb nad^l^et etneuett 
toutbe. SnSbefonbere ift et nal^ öettoanbt ben (Sebanfen unb bet 
Senbena beä ^totcfteö auS ^aEe tjom Sanuat 1202 (Registrum 
de negotio Romani imperii Nr. LXI, Baloze, Epist. Innocentii III, 
1, 715. Migne, Patrol. lat. Tom. 216, 1063 ff.). SBaltl^etS SJetfe 
muffen getabe^u atö gteid^a^itiget poetifd^^t^ubliciftifdget ^uSbtudC 
ienet Aunbgebung gelten. 3l\xx ba^ bet S)id^tet mit ftatfen Spotten 
bet @mpötung l^etausfagt, mad bie fubmiffe St^etotil bed amtlid^en 
@d^tiftftüd£8 gef(%id£t öetfd^Icietl. 

^iet mie bott SRom afe Duette bet SJettoittung i(juris cuiusque 
turbatio; superstitio) , bet Süge unb £äuf(^ung (quaesivit oppor- 
tunitatem, qaaliter arbitxis absentibus mendacio veritatem et 
crimine virtutem mutaret); l^iet toie bott ben clericalen (Slementen 
bet ^atlei OttoS, inSbefonbete bem fiegaten unb feinen beiben 
@efdl^tten, atte @d^utb beigemeffen; ]§iet toit bott bie @egenübet" 
ftettung bet laicalis simplicitas unb bet 8lftnfe bet ?5faffen; l^iet 
mie boxt betont, ba| bie Slnl^dnget bet Saienpattei b. 1^. $^ili))pd, 
ben aSJclfifd^en mettaug an ^al^l übetlegen feien (quos tenuior com- 
pescit numerus : doch wart der leien mere); l^iet loic bott abet 
au($ iebe bitecte 9ln!Iage beg ^apfted t)etmieben. 2)et einfame 
fllaugnet SBaltl^etS fptid^t mie bie botpc^tigen geiftüd^en Untet- 



2lm Vioi König pl^tltpps. 47 



aeid^ner beS ^aUtfd^en $rotefleg reben mod^ten, unter benen Sifd^of 
aBoIfger t)on SPaffau, ben ftalfoff ol^ne ©runb für bcn Serfafier 
l^ält, BefonberS l^ert^onagte. 93on il^nen ftammte tool bie S)ar* 
ftettuug, als ob Snnocena nur au8 Unerfal^rcnl^eit ober Unfenntui^ 
t)on ber Uebermad^t üettoonener SSerl^ftUniffe unb böfer Slatl^fleber 
fortgetiffen fei. SSJaltl^er gibt baS in ber weiteren flrcifen ber» 
ftanblid^eren Raffung : ber ^apji ift au iung. 3n SBirllid^Ieit toat, 
toaS bie Unteraeid^ner beg ^aQifd^en ^rotefted unb geioi^ aud^ 
SBaltl^er touBtcn, Snnocena attein unb burd^auS ber aielbelou^te 
Seiter, bie feurige Seele bed AampfeS gegen ^l^ilipp, ber eigentlid^e 
Url^eber beS (Singriffd in bie fürftlid^en Sßal^lred^te , ber fidlere 
Stegiffeur beS ganaen ))om Sarbinallegaten unb feinen beiben ®e> 
pifen, bem pftpfllid^en ^otar ^l^ilip)) unb beut Slfol^tl^en 
^egibiud, aufgefül^rten @d^auf))iel3 ber ß^communication unb 
9[uftt)iegelung. 

3n ber 3cit ber aSambcrgcr ober ber 4>oÖifd§en Sefpredjungen, 
b. ]§. im ©ct^tentber 1201 ober im Januar 1202 fonntc SBaltl^erS 
©ebid^t aßein feine boöe SBirlung ausüben. Sei bet SDatirung 
«bete (3eitfd§r. f. b. 3lltert^. 9, 141), ber eä gleid^ nad§ ber 
Sannung in ben Sommer 1201 legen tooQte, fd^toinbet i^m etmad 
öon biefer gfrifd^e be8 StiiiemH^en , öon ber ^raft ber Unmittel- 
barleit, tjon ber Sebeutung ate |)oetifd^e8 ^anifeft a« ©unften 
ber JReid^Äpartei. S)a inbeffen im Januar 1202 au $aöe tool nur 
nad^trdglid^ formulirt tourbe, mag fd&on in Samberg befd&Iof|en 
war (aSinfelmann 1, 239, 255 Snm. 1) unb bamate bie spartet 
^l^itipp« bereite in il^rem Seftanbe fid^ m löfen, in il^rer Srcue 
au toanlen anfing, toirb man äSBaltl^erg ©prud^ nod^ in ben ^erbft 
be8 3a]^re8 1201 berlegcn. Sietteid^t warb er in Bamberg auf 
bem großen ^oftag felbft vorgetragen, alfo in Slntoefenl^eit beS 
Sanbgrafen ^ermann bon Springen unb beS Watfgrafen Sietrid^ 



48 Drittes Capitel. politifc^e Dichtung. 

tjon aUeifeen, SBaltl^ctg fpäteter ©önncr, beten aufmerifamfeit et 
^iet ettegen mod^te. 9lud^ ^et^og Seopolb l^atte fotool füt ben 
Samtetflet als füt ben ^attifd^en Sag burd^ 3lbflefanbte feine 
3uftimmun9 etfiart: bet ^ßtoteji tjon $atte ttftflt feinen 9lamen 
(aSinlelmann l, 238. 255 anm.). 6t fianb tteu auf bet Seite 

3n biefelbe 3ctt unb ntd^t etfl in bie Sage, ba Otto unb 
gtiebtid^ um bie Ätone fttitten (1211 »bei, Steßet; (5nbe 1212 
2Blnfelmann 2, 296, aBilmann« Seten SBattl^etS, ©. 444 «um. 
612; 1213 $aul), mufe man mit aBacfetnagel (bei ©imtocf 1, 
116. 144) unb äatnde (Scittftge 7, 599) ben ©ptud^ 25, 11 
Künc Constantin der gap s6 vil betlegen: bie ßonjiantinifd^e 
Sd^enlung mad^t Sßaltl^et l^iet betanttoottlid^ für bie 33ettüdun9 
bet ©tenaen atoüdöen bcm Siedet bet flitd^e unb beä ©taateö. SDie 
Alage die pfaffen wellent leien reht verk^ren unb bet l^ö^nifd^e 
^udbtucf der pfaffen wal flimmen genau 5U ben ^roteflgebanfen 
bet teid^Stteuen f^ütflen auf bem Sambetget unb ^aUifd^en £age 
1201 unb 1202 unb i^ret SutüdtttJcifuufl beä (SingtiffS bet Seift- 
tid^en in bie SBal^It^tätogatibe bet gütften. 

Äuta nad^^et, unmittelbat nad^ bet ©onnenflnfietnife bom 
27. 3lotJembet 1201 ift, toie Satndte (a. a. D. 597) ettoie», bet 
<Sprud^ 21, 25: Nu wachet uns get zuo der tac gebid^tet. Sod) 
muffen b e ftim m t e SSotgänge au @tunbe liegen, bie man biSl^et nid^t 
au beuten betfud^t l&at, toenn SQSaltl^et im Sufd^Iufe an baS (Sban= 
gelium gWatcuS 13, 12 fo öott 9lBf d^eu übet Untteue, übet bie 
fjatfd^l^eit geiftlid&et aOBütbenttäget, übet gewatttl^ätige Seugung be8 
ated^teS feinen !lagenben SBedttuf etfd^atten U^t' 

SMan muB, toaS biSl^ct nid&t etfannt tootben ift, aö «nlafe 
bie ted^tgtoibtigen gntfd^eibungen beS t)ftt)filid§en Scgaten übet bie 
Sefe^ung beS gWainact »igt^umä bettad^ten. SupoIbS bon SCBotmÄ 



2Im ^of König pl^ilipps. 49 

JBa^I l^atte @uibo tjoti ^rftneftc für unöültig exllätt, toeil jener 
o^ne pappiid^e etmftdötiöung fid^ l^atte mit ben gteflalicn Be« 
lel^nen lajfen, bagegcn SigftiebS Jjon ßijpftein SBa^l, bcr bajfclBe 
getl^an ^atte unb obcnbrein nur tjon ber 9Jlinoritftt be§ S)om» 
capitcte ol^nc Supimmung ber S)tenPmannen getoäl^It toorben war, 
befifttigt unb i^n am 30. September 1201 gemeil^t. SDer @runb 
biefer SCßiUfür mar mit ^ftnben ^u greifen : Supolb l^ielt au ^l^ilipp 
unb mufete bal^er Unred^t, ©igfrieb l^ielt au Otto unb mufete bal^er 
Siedet Belommen. S)iefe (Sntfd^eibung (KuiboS erfd^ien aUgemein als 
frebell^aft: papa super hac electione fecit non iudicium sed iniuriam 
lagt Surfarb bon Urfperg. ÖJefölfd^te Sricfe beS $apfte8 taud^ten 
auf unb mürben für ed§t gel^alten, bie gana anberd lauteten aß 
bie biSl^er belannt gemorbenen unb ben Streit an bad gforum 
beut! d) er Sifd^öfe, ber Sifd^öfe Don $ajfau, gfreiftng unb eid^ftftbt 
miefen. S)iefe Sfftlfd^ung entl^üttt bie Abneigung ber öffentlid^en 
ÜJleinung gegen ben fremben, bon %om fommenben iRid^ter. (SS 
entflanb ber (Staube, alg l^abe ber Segat gegen ben äßiUen beS 
!ßapfte8 entfd&icben, unb gemi^ mürbe biefe auffaffung gefliffentlid^ 
öon ber gteid^Spartei gend^rt (SBinlelmann 1, 224 ff.). 2Bar ja 
bo(^ aud§ in bem ^allifd&en ^roteft unb in SBaltl^erö il^n um= 
fd^reibenbem @prud§ 9, 16 ber $apft gefdgont unb aQe @d^ulb 
auf feine rftnleöoQen Sftätl^e unb S)iener gemälat. 5Der Sd&lufe be8 
tjorliegenben ©ebid^teS (geistlich leben in kappen triuget), ber big« 
l^er nie rid^tig erftftrt morben ift, ^tiqi bie Seaiel^ung untt)iberleglid§ : 
et gel^t birect gegen ben ßegaten ®uibo. ben afö Sarbinal bie cappa 
cardinalaris (®u 6ange ed. gfaöre II, 111c) aierte, meint aber 
ötelteid^t au(^ feinen ©cfäl^rten, ben päpftlid^en 9lotar 9Jlagifter 
^l^tlipp mit, ber aU ^öl^erer SBeltgeiftlid^er unb ®rabuirter aud^ 
eine Äappe trug (f. S)u 6ange s. v. Cappa doctoralis), unb beult 
mögtid^ermeife aud^ an ben Sarbinallegaten £)ctat)ian bon Oftia, 

aSuvbad^, SBalt^er »on ber SBogeltüetbe. 4 



50 Drittes CapiteL politifc^c Dichtung. 



bet etöcnttid^ ®uibo8 3Jliffion in S)eutf(ä§lanb untetftü^cn fottte, aber 
in gfranlreid^ fcftgel^alten touibc butd^ bic Sufflate, ftönig ^l^itiW 
Slufluft ber t)äpfilid^en ^olitif bienftbar 5U mad^en unb l^icr der 
leien reht ju verk^ren. 

aOßaltl^erS ©ptud^ fpielt aber, toaS gleid^fattö no(ä§ nid^t be« 
mcrtt ttjurbc, mit ben SBorten der bruoder stnem bruoder liuget 
(fß. 35) aud^ auf ein beftimmteg politifd^eS (Sceigni^ in S^aana 
an, ba8 ben flönig $Pipp mit betraf. 3m Salute 1195 l^atte 
bort 3llejio8 III. feinen Sruber 3faa! SlngeloS bom Sl^rone geftürat, 
il^n geblenbet unb mit feinem ©ol^n Sltejiog IV. gefangen gefegt. 
3m ©ommer be8 Sal^reS 1201 mar eS 3Ke|io8 IV. geglücft, a« 
entfliel^cn. Stad^bem er öergebüd^ bei Snnocena ©d^u^ unb $ülfe 
gefud^t l^atte, manbte er fid^ im ^erbft nad§ S)eut]d^tanb, an feinen 
©d^mager ^l^ilipp, ben ©emal^l feiner ©d^toeflcr 3rene. S)ort 
mürbe er freunblid^ aufgenommen unb traf aur äßeil^nad^tda^it mit 
bem Warfgrafen S3onifaa bon Wontfenat aufammen, ber Seele bed 
geplanten ÄreuaaugS, bem fjül^rer ber franaöfifdöcn Sl^eilnebmer. 
5Damafö ]§at nun $^ilipp ben @ebanlen aufgenommen unb bem 
^Jlarfgrafen an ba8 $era gelegt, bie Sfrebeltl^at beS Ufurpatord 
gegen ben eigenen ä3ruber a^ rftd^en, bem red^tmägigen ßaifer 
Sfaal Singelog unb feinem ©ol^n fein Seid^ toieber au geben 
(gBintelmann 1, 524 ff.; flugler, ®efd^. b. Äreuaaüge, ©. 269; 
^er^berg, ©efd^. b. S^aantiner, ©. 336, 352). SuS ben Stimmungen 
jener Seit (S)ecbr. 1201) entfprang SBaltl^eTg ©ebid^t mit feiner 
boppelten politifd^en Spi^e: gegen bie gntfd^eibung be« garbinal- 
tegaten in ber 3Jlainaer grage unb gegen bie bom ^apfi gebulbete 
Derrötl^erifd^e (Kemalttl^at beg b^a^^utinifd^en 2:^ronrftuberS. Unb 
menn SCBaltl^er an bie eben erlebte ©onnenftnfterniB antnüpfenb, ba8 
(Snbe ber äBelt unb bag le^te (Serid^t in SluSfid^t fteUt, fo befinbet 
er fld^ im 6in!lang mit ben gleid^a^itigen SPropl^eaeiungen ber inter- 



^xennnnq von pljiHpp: £anbgraf ijcrmann unb Bifc^of IPoIfger. 51 



nationalen ftteuatugSprebigt, bie bantatö ben SlBlauf bed taufenb- 
iäl^tigen Steid^d, bie Slnfunft bed ^ntidgrifld t^ertünbete unb ftd§ 
fogat auf einen eißenl^ftnbiflen Sttef Sl^rifti ftü^te (Roger de 
Hoveden Chronica ed. StniU IV, 162. 167 ff.). 

^renntmg von ^^itxpp : <#an&graf ^erntann 

Sad nal^e SSeil^ftUni^ SBaltl^etd au ^l^ilip)) tt)ar nid^t bon 
langer S>auet. S)er SDid^ter erl&ielt für feinen S)ienfi nid^t waS er 
ertt)arten burfte, ein Sel^ngut. ©o mu^te et fid^ benn nad^ einem 
anberen Sienft umfel^en. 9lad§ ben brei ©prüd^en, bie au8 ben 
Sebanfen ber Samberger unb ^aQifc^en gfürfienDerfamnttungen 
entf))rungen unb gegen bie SRiffion bed Sarbinallegaten gerid^tet 
finb (9, 16; 25, 11; 21, 25), ^at SBattl^er feine Seter nid^t 
toieber auf ben £on »armer l^er^Iid^er S^mpat^ien für $]§ilipp 
geftimmt. (Sr mu^ bie enge S3erbinbung gelöft, ben I5niglid^en 
^of öerlafjen l^aben. S)rei politifd^e Slcte ^atte feine S)id^tung 
im S)ienfl ^l^ilipp» tjerrid^tet: bie gmpfel^tung feiner Ärönung, 
bie Unterftü^ung beg moralifc^en SinbrudE^ feinet neu ertoorbenen . 
Aönigtl^umg, bie S3e{dm))fung ber Wadginationen bed Sarbinal- 
legaten unb bed $apfted: aQeg toar ol^ne ben Sol^n geblieben, ben 
ex begel^ren mufete. (5r l^atte Srunb genug, enttäufd^t fid^ abau- 
toenben. aber öielteid^t Mt, wie fid^ unten (©. 62 f. 64 f.) 
aeigen toirb, mit ber ßöfung feiner Se^iel^ungen aum föniglid^en 
^ofc fein SJerl^ftUnife ^vl bem ßanbgrafen ^ermann bon 2]^ü- 
tingen, bielleid^t ba8 au Sifd^of SQSoIfger öonSPaffau, t)iel« 
leidet aud^ beibe in irgenb einem urfftd^lid^en ^ufammen^ng. 

®(^on in bie Q^ii, ba SBaltl^er nod^ mit bem fönigltt^en 
^ofe innig berlnüpft toar, faßt fein erfter 5lufentl^alt in I^üringen. 
©d^erj^aft fd^itbert er il^n 20, 4 (Der in den 6ren siech von 



52 Drittes CapiteL politifdje Didptung. 

ungesühte si) unb Hetbct feinen ©^jott in bie ©tropl^enform be« 
„elften ^^ilippStonä", in bem nur ®ebi(ä§te au8 ben anfangen bet 
aiegietung ^l^ilippd t^etfa^t |tnb. SS ift barum aud§ untoal^Y" 
fd^einlid^, bafe biefcr etfte Sefud^ bet aBartbuxfl ettoa fd^on tjor 
aSaltl^erä 3Jertinbunfl mit ^l^ilipp fiattfanb, ettoa aU eine gpifobe 
in einem längeren Sßanberleben, too ber l^eimatl^Iod getoorbene Sid^ter 
ol^nc (Srfbifl an üerfd&iebenen ©tetten unb öor attem an bem gafl» 
freien 3irt ber ©anger, an bem tl^üringifd^en ^of angellopU ^tte. 
S)enn fd^toerlid^ benu^te aBalt^er jur geier ber bebeutfamen gfejie 
^l^ilipp'd, aur SSerl^errlid^ung l^od^politifd^er SSorgftnge einen fd^on 
frül^er in einem ©pottgebid^t t^ertoenbeten £on. 3ener erfte SSefud^ 
beim Sanbgrafen ^ermann, ber SlnfangS auf ber ©eite DttoS ge» 
[tauben unb erft 9)litte Sluguft 1199 au ^l^iü^Jp übergegangen toar, 
toirb tool^I ein äbfted^er getoefen fein öom ^of beS flönigS. Sd^on 
bort aber lonnte SOSaltl^er bem Sanbgrafen ndl^er getreten fein, benn 
biefer folgte nad^ feiner SluSföl^nung mit ^l^ili^Jp Jjon SKid^aelig 1199 
bi« ßnbe Januar 1200 bem lönigüd&en ^ofe nad^ SRaina, 3)lagbe= 
bürg (2Bei]^nad§ten !), ^ilbe^l^cim, ©oSlar, SlQftebt (flnod&en^auer, 
®efd6. apringenS @. 245). S)a8 nad^brüdKid^e Sob, toeld&e8 
aBattl^erg ©prud^ bom 9Jlagbeburger SBeil^nad^tSfeft bem treuen unb 
aud^tgemäfecn ^ofbienft ber Sl^üringer fpenbet, foöte tool&l nid^t 
blo^ $]^iti))))d Sriump]^ über ben big^erigen (Segner ind Sid^t fieUen, 
fonbcrn biefem felbft fd^meid^eln. 

aOßar l^ierbuxd^ bie 3lufnal^me an bem Sl^üringer §of erleid^tert 
unb borbereitet, fo fdöeint nod^ ein a^eiter ©prud^ beöfelben SonS 
(19, 17 Philippes künec, die nähe spehenden zthent dich), ber 
Spi^ilit^p an baä SJorbilb beg milben ©alabin erinnert, nur auf« 
fiarung au gewinnen, toenn man i^n fid& im Sntereffe beS Sanb 
grafen berfafet benft: er foQte ?^iliw bewegen, feinen S)anl bem 
neuen anl^änger baburd^ abauftatten, bafe er bie bon Dtto frül^er 



Qirennung von pi^ilipp : ianbgraf ^ermann unb Btfc^of IPoIfgcr. 53 

btefem tietfprod^enen aber ntd^t auSgefül^tten Sd^enlungen t^on @elb 
unb Steid^Slel^en je^t feinerfeitd freigebig getoftl^te. S)et Sprud^ bütfte 
in'8 ßnbe be» Sal^xeä 1201 flel^öten, bejfen 3uftftnbe Änod^enl^auer 
©. 250, SBinlelmann 1, 267 f. fd^ilbcrn, in bie Seit, aU ^ermann 
feinen atoetfell^aften SScrtel^r mit bent benätl^etifd^en flanjict Sifd^of 
jlonrab bon aßÜYjburg begonnen, atö bie toelftfd^e hattet il^n 
toteber an getoinnen fud^te burd^ bad (Srbieten, bie feit 1199 rüd- 
fiänbtgen (Selber auS^uaal^Ien, unb gleid^S^itig Snnocenj in ©ad^en 
bei atoiefpftltigen Slainaer SBal^I bitect auf i^n einwirlte. äbet 
$]^ili)))) folgte bem Statine SBaltl^erd nid^t, fonbetn migtrauifd^ unb 
geteiat butd§ barSenel^men be« Sanbgtafen fotbette er il^m übereilt 
bie übertragenen Sleid^dlel^en ab unb fül^rte baburd^ ben boQftänbigen 
Srud^ l^erbet. 

3ft aud^ Sßaltl^er in bie f^olgen ber I5niglid^en Ungnabe gegen 
Sanbgraf ^ermann bermidelt morben? Ober l^aben auf il^n bie 
9[nf(agen gemirlt, bie bamafö ))on ber il^üringifd^en Partei offen 
gegen ^l^iltpp erl^oben tourben, loegen feiner ^itfd^ulb an ber 6r- 
morbung beS bo))))el3Üngigen ftanalerS Jtonrab bon SBüraburg, 
be8 Sertrouten ^etmannS? S)iefer 3Jlann bon großartiger S5e« 
gdbung, gleid§ tüd^tig als $ofbeamter toie aU Arteggfül^rerr , auf 
ber Uniberfttftt $arig tl^eologifd^ gebilbet unb ein jlenner antifer 
Sitteratur unb Sage, über bejfen Sob W^^PP f^t^f^ kittete Zoranen 
bergoß, jianb ^ermann na^e burd^ feine Siebe für weltlid^e SPrad^t: 
ben (Blona feiner ^ofl^altung, bie forma secularis feinet SebenS 
lieben bie l^iftorifd^en Duetten l^etbor; fie nennen il^n virum deli- 
catum, «sericis ornatum (f. 51. S). 83. XVI, 581 ff.; ö. SBegete, 
©ip. Zafd^enb. 1884, S. 31 ff.; 3Jlünßer, geipa. S)i|fert. 1890). 

S)en Sd^tag melttid^ geftnnter, mettlid^ gebitbeter Aird^eU' 
fürften brandete bie rittertid^^öfifdge S)id^tung unb Suttur, um au 
gebeil^en. Unb eg fättt auf, baß ffontab, ber feit bem 20. &tptm= 



54 Drittes Capitel. poIitifd?e Dichtung. 

6et 1201 feine lönifllidöe Uttunbe JJottaoQ, fein Äanaleramt ettoa in 
betfeUen 3eit aufgab, ba SBaltl^er aum legten 9RaI im unmitte^ 
baten Sienfi beg Aönigd ein politifd^eS @ebid^t fc^uf. ^ber toit 
l^aben leine Jtunbe übet äSe^iel^ungen an)if($en il^m unb bem 5Did^ter. 
3Bit toijfen nid^t, toeld&e gäben petföntid^et ©^mpatl^ien unb bet= 
tDanbtet Silbungdinteteffen Sßaltl^er au «^etmann ^etübet^ogen unb 
il^n fj)&tet feft an biefen fjütflen tnüpften. 

Süt'g etfle fd^eint SBaltl^et in Sl^ütingen nod^ nid^t bauetnb 
Sufe gefaxt ju l^aben. SSielmel^r flnben -toit il^n balb nad^ biefen 
Steigntffen in Oeftetteid^ toäl^xenb bet etften Stegietung^aeit Seo« 
polbä VI. (VII.), um bie ©unft beS ^etaogS bittenb, übet flatg= 
l^eit flagenb, bann toiebet banlenb, als S^H^^ betfd&iebenet geft- 
lid^feiten. SBit öetmögen aber- ben Snl^alt bet 14 ©ttopl^en beS 
,,äBiener ^oftong'S bem toit bieg entnel^men, im (Sinaelnen nid^t 
au enttoitren. 3tt>ei ©tropl^en (25, 11; 21, 25), bie toit ft^on 
lennen letnten, l^aben übetl^aupt leine fid^tbate SSeaiel^ung auf ben 
aOBienet $of unb pnb fd^ttjetlid^ in SBien gebic^tet. S)ie meiflen 
entl^alten allgemeine Älagen übet ben üblen ©tanb bet SCßelt, übet 
ben Mangel an gteube, Steue unb Wilbe, Sttafteben gegen bie 
Uebetfc^ft^ung beS @uteg, gegen bie (Sntattung bet 3ugenb. 5Die 
(SnttoidElung t)on SBaltl^etS SSer^ftttniB au Seopolb fönnen toit nid^t 
etlennen. Sutd^ eine befiimmte Sd^ulb — folgett man aug 26, 1 
— fd^eint SBaltl^et ftül^et ben ^eraog gegen fid^ aufgebtat^t aw 
l^aben. aBilmannä öexmutl^ete (geben @. 88), bie Sd&ulb l^abe 
gSalt^et im fjtül^ling 1198 butd§ ben 3luftuf aut fltönung «ß^ilipps 
(9, 15) begangen. Slllein bad ift unglaubltd^: Seopolb ftanb 1198 
mit feinen S^mpatl^ien ol^ne Stocifel auf Spi^ilipp« Seite (f. ie^t 
Qud^ 3utitfd6, (Sefd^id^te bet Sabenbetget, 3nn8brudE 1894, ©. 358). 
Seit Sad^mann (au 25, 29) ifi oft auSgefptod^en tootben, bafe 
aSatt^et bie Sd^toertleite Seopolbä a« SBien (28. ^Jlai 1200), an 



CCrennung von PW^ipp* iaubgraf fyxmann nnb Btfd?of IPoIfger. 55 

bct Übrigen» SBoIföer Z^til nal^m (Suritfd^ ©. 364), mitflemad^t 
]§a6e, unb man ]§at ©ptüd^e beg äStener ^oftond bamit in 3uf ammen^ 
^ang gebrad^t. ^ber bie ^(nnal^me fd^toebt gana in ber ^uft. 

a[m 12. 9lot)embeY 1203 taud^t SBalt^er in bem Sefotge beS 
Sifd&ofä SBolfger öon SPaffau auf au 3eifclmauex an ber 
2)onau untoeit äBien unb erl^ftlt bort bag @elb au feinem ^ela« 
mantel. (Sr toat bamalg alfo bod^ U)o]^( fein S)ienflmann (f. o. 
®. 39 f.). SBotfger mufete ein a»ann fein nad^ SBaltl^crS ^er^en, 
ün fiauftfd^ gefinntet ütd^Iid^er SBürbentröger, frei ))on l^ierard^ifd^en 
unb aötetifd^cn ®etüfien, bem Sfieid^e treu unb bem Äaifer gel^or« 
fam, ein getoanbter ^olititex ber Vermittlung, nad^ au^en fd^toan» 
Icnb unb toanfelmütl^ig, too ber gtoetf e8 Verlangte, aber im ffern 
feft, ein Sertrauenömann ber beiben feinblid^en ©ematten, ein S^^juS 
ber toeltlid^er 93ilbung geneigten ^rälaten beg 3^^^^^^^^^^ ^^^ 
görberer beutfd^er unb toelfd^er S)id^ter. ©t^iclleute unb Sängerinnen, 
bie il^n fd^aarentoeife umfd&toirren: vir magnae discrecionis, fidus 
mediator (3ingerle, aUeifered^nungen SBolfgerS, ©. XI ff. ; flalfoff, 
SBoIfget tjon $affau. SBeimar 1882; »urbad^; »om Mittelalter 
jut Sieformation 1, 15 f.). 

SBolfgex batte fd^on Äaifer ^einrid^ VI. nal^e geftanben. gr 
l^atte au ^eraog Seopolb V. (VI.) öon Defterreid^, Seinmarg ©önner, 
fxeunbfdöaftlidöe Seaiel^ungen gel^abt unb in feinem Sntereffe bie 
aSerl^anblungen über bie 9lu§»lieferung unb Befreiung beS t)on i^m 
gefangenen flönigS Slid^arb Sömenl^era Jjon gnglanb gefül^rt; er 
l^atte ber Seife^ung beS Jjon illeinmar Seflagten (f. 91. S). 8. 
XXVIII, 97) in ^eiligenfreua (Satjuar 1195) beigetool^nt. er 
l^atte SBaltl^erg 93efd§ü^er ^eraog gfriebrid^ t)on Defterieid^ auf feiner 
Äreuafal^rt begleitet unb toar bei feinem frül^en Sob in ^aläftina 
augegen getoefen. 511« ber Sl^ronftreit auSbrad^, l^ielt er entfd^loffen au 
$]^ili)))), t)erfud^te burdg freunblic^e Sefpred^ung mit ben @egnern eine 



56 Drittes Capitel. polttifc^e Dichtung. 



SSeilegung au erzielen unb toar, aud^ nad^bem Smtocena offen auf 
Ottod Seite trat, einer ber gfül^ter ber Steid^gpartei, ein fiftnbiger 
@aft am ^oflager $]^iIi))))S, bei aUen ^rotefttunbgebungen gegen 
baS toelfifd^^ ftönigtl^um, gegen bie t^ftpfitid^en Sntriguen unb an» 
mafeungen (in Speiet 1199 , in Sambexg 1201, in ^aQe 1202) 
betl^eiligt. Sr, ber einfl (1195) für flaifer ^einrid^ VI. ben greifen 
$apft Söleftin gefügig au ntad&en getou^t l^atte, fal^ fid^ je^t einem 
iugenbUd^en, fanatifd^en SlJertreter ber litd^Iid^en (Setoalt gegenüber, 
3nnocena HI. ^atte er 1199 fein SBiberftreben gegen ben neu 
gegrünbeten beutfc^en 9litterorben au befeitigen unb bie ©anction 
für biefe Stiftung i^m abauringen öerftanben, fo erfannte er Balb 
nad^l^cr, wie Snnocena mit unerfd^üttertid^er ßonfequena unb eifernet 
ßnergie bie Hegemonie über bie welttid&e TOad^t beS Staates an 
fid& au reiben flrebte. fjortan toäl^tte SBoIfger feinen ^la^ in 
nftd^fter 5ldl^e beS fiaiferS. 

aSßaltl^er, ber SBoIfger bielleid^t fd^on auS ber geit, ba .^erao^ 
griebrid^ tjon Defterreid^ nod^ lebte, fannte, l^ätte fid^ feinen befferen 
Sd^ü^er loünfd^en lönnen ali^ il^n unb mag feiner @unft fd^on lange 
jtd^ erfreut l^aben. SRögtid^ toftre c8 felbfi, bafe er eä gewefen, 
ber il^n 1198 an ben $of ^l^ilipp« cingefül^rt l^atte. 

& mar ein unglüdtid^er bilettantifd^er (StnfaQ (SrionS (Seit- 
fd^rift f. b. $^it. 2, 412), in SBoIfger ben Srd&ipoeta entbedten 
au tooöen. 5lber ein ©önncr unb fj^eunb ber SSaganten, jener 
aSorläufer SBalt^erS, ift SBoIfger attcrbingS gewefen, mie faum ein 
aioeiter 85ifd§of. 5lud^ SBaltl^er mitb getoifi fein $era Befcffcn l^aben. 

SBal^rfd^einlid^ toar SBoIfger nad^ SBien geaogen aur ßinfegnung 
ber SJcrmä^lung ^eraog ßcopolbS mit ber b^a^utinifd^en ^ßrinaeffin 
S^eobora Aomnena, einer naiven Sertoanbten ber bon SBaltl^er 
gefeierten (19, 12) ®attin ^l^ilippg 3rene Waria. 9lud^ SBaltl^er 
l^at biefem gfeft toal^rfd^einlid^ beigetool^nt. Sd^on lange t)or bem 



(Erennung von pl^iltpp: Canbgraf ßermann unb Btfc^of IDolfger. 57 

aSelannttoetbcn bet 3leifetcd^nungcn ]§at äBatfernagel (ju ©imxod 
2, 133), bann aud^ auäfü^rlid&er 6. $. TOe^er (@d&en! 3BaItf|er 
t)on ©d&ipfc, ©.21 f.) unb nid^t etft SBaieTnett, toie ^oefet (Sei- 
ttdflc 17, 547) meinte, ben ©prud^ 25, 26 Ob ieman spreche der 
nü lebe einleud^tenb auf bicfe ^od^aeit belogen. 3d& möd^te glauben, 
äBaltl^er toat bereite im @efoIge SBolfgetd nad^ äSien gelommen 
unb ^ai fidö biefem nid^t etfi boit für bic aOBeitexreife angefd^Iojfen. 
konnte il^m bod^ Sltemanb leid^tex eine Slu^öl^nung ober SBieber- 
anlnüpfung mit ^et^og Seopolb t^etmitteln aU äSolfger, bet alte 
etpiobte gxcunb bet SSabenbcrger. S)amatö, bei ber ^üdte^x in bie 
fed^g Salute entbel^rte ^etmat^, fönnte et fein l^öl^eS Sieb t)om 
beutfd^en Satetlanb , öon beutfd^en fjtauen unb beutfd^et Sugenb 
(56, 14 Ir sult sprechen willekomen) gefungen l^aben, faQ8 man 
nid^t toegen bet fielen gcfel^enen Sänbet (35. 30) eine fpfttete 6nt» 
flel^ung an^unel^men t^ot^iel^t. 

SBie lange SBaltl^et bei 3BoIfger blieb, »iffen toir nid^t. Sid&et= 
Iid§ bauette baS freunbfd^aftlidge $etl)äUniB 5U il^m aud^ nad^bem 
et 1204 $attiatdö iJon Slquileja getootben toat. 5Denn batan foHte 
nid^t ge^toeifett toetben, bafe untet bcm ^attiatd^en öon Sfquileja, 
bejfen $of SBaltl^et neben bem ^o] Seot)olb8 unb feines Dl^cimS 
^eintid^ öon 3)löbling mit l^etalid^en SBotten nennt (34, 34 Die 
wile ich weiz dri hove), nut 3Bolfget unb nid^t, toa« juetfi Ul^lanb 
(©d^tiften 5, 62) unb bann nod&. 3Bitmann8 (Seben SBaltl^etg, ©. 
57, 81) annal^m, beffen 9lad^folget »ettl^olb öon Slnbed^g-aKetan 
tietflanben toetben mufe : nut biefc btei, bie beiben 33abenbetget unb 
SBolfget, bie mannid^fad^e Sanbe altet petfönlid^et Se^iel^ungen 
auf ammenl^iclten , tonnte SBaltl^et in einem ©ebid^t gleid^fam aU 
eine gfamilie tjon ©önnetn feietn, unb man öetmanbett baS 
^teiölieb auf bie btei befteunbeten unb SEBaltl^et fteunblid^en i&öfe 
aus einem finnig aufammengetügten l^atmonifd^en Ätana in ein 



58 Drittes Capitel. politifc^e I)i(^tung. 

tDtQfütlii^ed @ong(ometat aufftüig aneinanbetgereil^ter So]6edetl§e» 
Bungen, toenn man l^ier ben Slnbed^fer einfd^m&tat. 

©ctabc in jenem ^a^x, baS SBaltl^cr toicber in feine öftetreid^ifd^e 
$etmQt]§ führte, l^atte äSolfget mit ^einric^ 'oon SJlöbling, ald bem 
SSertteter ber aSabenBetgct gfamilie, übet bie anetfennung ftül^eter 
Sd^enfungen 5U @ötttt)ei]§ Jjer^anbelt (24. 3uni 1203) unb im 
^erbji beffelben Sal^reä burd^ mel^tmaligc Sefanbtfd^aften unb SRcifen 
bie für ba8 $au8 ber SSabenbergcr erwünfd^te, inSbefonbere für 
SeopoIbS SSermäl^Iung mit ber ©ried^in Sl^eobora notl^tnenbige, 
legitime Söfung ber SJcrlobung bcÄ ^eraogä mit ber Sod^ter 
Dtto{ard bon 935]^men unb ber (Snlelin OttoS t)on SJlei^en 
(flaltoff, SBolfger, @. 69 ff.) bermittelt. 5lu8 jener 3eit mag 
SBaltl^erä lebl^afte Erinnerung an bie naiven Seaiel^ungen ber brci 
il^m tool^lgefinnten TOänncr flammen, bie bann in feinem un8 nid&t 
genauer Befannten frcunblid^en SSerl^ältni^ au i^nen fortbauerte unb 
fpäter in bem @t)rudö auf bie brei ^öfe einen liebenStoürbigen 
2lu8brudC fanb. 

3m Sa^re 1204 ober Balb nad^l^er l^at SSBaltl^er aud^ am ^of 
beS Sanbgrafen ^ermann bonS^üringen längere 3"t gelebt. 
Sein erfter luraer Sefud^, ber jtd§, toie fd^on oben (©. 51 f.) be« 
mertt ift, nid^t genau batiren Iftfet, fd^eint nid^t au feiner 3ufrieben« 
l^eit berlaufen a« Ui^ (20, 4). SSJolframS Sitat be8 berlomen 
äBaltl^erfd^en Siebet Guoten tac, boes unde guot im 6. S3ud^ be^ 
!ßaraibal (297, 25) fprid^t bon bem Sangedgenoffen , toie bon 
einem, ber am Sl^üringer $of attbetannt toar, unb fo, aö ob 
bad angefül^tte @ebid^t eben entflanben fei, aud^ bie Slnrebe in 
tenem Siebanfange felbft lonnte fi(!§ nur ein fd^on l^eimifd^ ge- 
toorbener erlauben, bem bie bunt aufammengefe^te (Sefettfd^aft einen 
bertraulid^en ®d^era beraiel^. 

9lad^ ber l^eirfd^enben Weinung ifl bad 6. 93ud^ bed $araibal 



Qirenming von pt^ilipp : Canbgraf IJermann unb 33ifcf?of IDoIfger. 59 

nid^t öiet nad^ 1203 geWd^tet; benn baS 7. a5ud§ cntfianb, tote 
379, 18 ieigt, al8 bie SSextoüftung bet SBeinflärten ßrfurtS nod^ 
fid^tbar toat, b. 1^. ba man babet an bie ^Belagerung (Srfurtd 
ißfinflften 1203 au beuten pfKegt, fpfttefteng au änfana beS 3a^te8 
1204 (f. Sad&mann au SBalt^er 20, 4). lll^Ianb (@d&ri|ten 5, 32) 
folgenb Bemetite Sac^mann, bag el^e bet Sanbgraf fid^ jlönig ^l^ilipt) 
untettDatf (17. Se^jtbr. 1204), SBaltl^ex gctoife nid^t nad^ Springen 
au bem gel^eimen unb aule^t öffentltd^en @egner feines ^ertn, be« 
itönigd ^l^Uip)), gegangen fei. SSeaiel^t fid^ biefeS S3ebenfen nur 
auf ben etfien Sefud^, bet 20, 4 au ©runbe liegt, fo läfet fid& 
il^m genügen, wenn man jenes erfotglofe Slnllopfen SBaltl^exÄ in 
bie 3^H berlegt au)ifdöen bem 15. 3luguft 1199, wo ^ermann bie 
toelpfd^e ^Partei berliefe, bem flönig ^pi^ilipp ben Sreueib fd§tt)ut, 
unb bem 8. ©eptembet 1201, too er nod^ ben aSamberger $roteft ber 
fiaupfd^en Surften gegen bie Sumutl^ungen beS ^a^jfteS mit unter« 
aeid^nete. @ilt bagegen Ul^IanbS unb Sad^mannS (Srwägung ber 
grage, mann SBaltl^erS längerer t^ringifd^er S)ienfi begonnen 
l^abe, fo bereitet fie betrftd^tlic^e (^ronologifd^e unb fad§lid^e @d^mierig« 
leiten. 

9Ran {ann biefen entgel^n, inbem man bie @rmft]^nung ber 
äBaltl^erfc^en 93erfe im $arait)al für einen nad^trägtid^en (Sinfd^ub 
aOBolframg erfl&rt, ber erft nad^ ber äbfaffung biefeS Sud^S, etma 
bei ber fpftteren ^ublication^ mit SlüdEfid^t auf ben nunmel^r an» 
toefenben SBaltl^er borgenommen fei, ober inbem man bie (Sntftel^ung 
bed 6. fBnä^t^ beS ^araibal fpäter als baS 7. fe^t, tooau Sad^mann 
(SSBolfrara @. XIX) geneigt fd^ien, ober inbem man SBaltl^erS S5er« 
binbung mit ^ermann aud§ ope Uebereinftimmung ber politifd^en 
^arteifteEung für möglid^ erfidrt, toie SBadternell (Sermania 22, 
283), o^nt bafe man aÖerbingS beffen Slnjtd^t au tl^eilen brandet, 
äBaltl^ern l^abe ;,$l^i(i))t) toa^rfdE)einlid^ gerabeau eine biplomatifd)e 



60 Drittes CapiteL polttifc^e Did?tung. 

aHiffion anvertraut" unb er fei im ^crbft 1203 nad^ Sl^üringen 
gegangen, um ben nad^ ben unbefriebigenben Srgebniffen bed 
Sommerfelb^ugg enttftufd^ten Surften mieber auf bie ftauftfd^e Seite 
au bringen. 

SSor^uaiel^en aber ift eine anbere S5fung : man beute bie äBotte 
aBoIfram'8 über bie berwüfteten äBeingärten ßrfurtä auf ben atoeiten 
tl^üringifd^en gfelbaug (3uli big ©et^tembet 1204), ber in ber 
@egenb bon Sßei^enfee (neun @tunben nörblid^ bon (Erfurt) unb 
an ber obern 3lm (@tabt'2flm big Sangenn)iefen) feinen Sd^aupla^ 
l^atte unb im Sager bor ßrfurt enbete, nad^bem fi(^ am 17. ©et)« 
tember in bem untoeit babon fübUd^ gelegenen Sd^terSl^aufen Sanb» 
graf .^ermann auf (Knabe unb Ungnabe unterworfen l^atte. 9[ud§ 
in biefem Saläre tourbe baS S^üringer Sanb toett unb breit ber» 
n)üftet, befonberd bon ben ä3öl^men, aber aud^ bon ^l^ili^pd ^ttx. 
Unb getoig ift bie Umgebung bon (Srfurt, baS auf ©eite $l^ili))pg 
ftanb, nid^t berfd^ont geblieben. 

3ene ^ParaibalfteHe !ann bal^er bem 9lnfange beS Sal^reg 1205 
angel^ören. Unb einige 3^it botl^er, alfo 6nbe 1204, nad^ 
Hermanns Unterwerfung, l^atte bag 3uf(intmenleben ber beiben 
größten mittelalterlid^en S)id§ter auf b^r äBartburg bei bem fünft« 
liebenben Sanbgtafen ^ermann, bem @5nner ^einrid^S bon SSelbele, 
^erbortg bon Sfri^lar, Sllbred^td bon ^alberflabt, begonnen. 

^ier l^atte SSaltl^er einen ^anbel mit bem 1196 in einet 
Urlunbe bcS ßanbgrafen nad^getoiefenen ©erl^artSl^e, ber i^m ein 
^ferb au ßifenadö erfc^o^ unb leinen ©d^abenerfa^ leiften toottte 
(82, 11. 104, 7). ^ier mufete er gegen ©törer beS l^öflfd^en 
©angg (103, 29) unb gegen baS Uniraut ber ^ofgefeÄfd^aft (103, 
13) fid§ toel^ren. ©eine Äunft toarb offenbar in ben Sl^üringer 
^offreifen , tno man mel^r für ftoffreid^ere S)id^tung , für epifd^e 
gra&l^tung unb ©ittenlel^re (SBernl^et bon ßlmenborf) Sntereffe 



drennung von pl^iltpp: ianbgraf ^exmann unb BtWof IToIfger. 61 

liegte unb ein bertereä, lampftüd^tigereÄ ©afein liebte ate SBaltl^etS 
Sieber unb Sprudle toieberflabcn, nid^t bon aQen unb nid^t ol^ne 
einfd^rftnfuuB getoütbigt. au(ä§ SBoIfram, toic oben (©. 14 jf.) 
gefaßt toutbe, fül^Ite fld^ in einem getoljfen (Seflenfa^ baau. «fö 
aUeinmar bon ^agenau, bet öpetreid^ifd^e ^ffänflex, einji fein Seiltet, 
aus bem Seben fd^ieb, beltagte SBaltl^er in £]§üringen feinen %oh 
mit att>ei ergteifenben ©trot^l^en (82, 24. 83, 1) Mottet eigener 
meland^olifd^er £obedgebanIen unb rtd§tete t)on S^ürtngen l^intoeg 
ben SUd fel^nfüd^tig nad§ ber «^eimotl^, in ber Hoffnung, am 
gßiener $of in bie ©teile be8 ÖJefd^iebenen einautreten (84, 1 ff.), 
toie eg fd^eint, bergetlid^. ßr mufete tro^ allem in Sl^üringen ein 
paar ^al^re auSl^arren; ob ol^ne Unterbred^ung toiffen toir nid^t. 
Sie tl^üringifd^en ßl^roniten fe^en ben fagenl^aften ©ängetfrieg, an 
bem SBaltl^er neben SEBotfram Sl^eil genommen l^aben foQ, in baS 
3o^r 1207. 

3n Sl^üringen fd&eint aOBaltl^etg p:ül^ere8 l^ctalid^eS 93er]^ftttni| 
au ^pi^ilipp böttig ertoltet unb in fein ©cgentl^eil umgefd^lagen au 
fein. S)ic perfönlid^en SJlotibe, bie babci mittoirten mod^tcn, bleiben 
und leibet berfd^Ieiett. SBir getoal^ren nur, bag ettoaS bon ber 
l^eimlid^en Wi^ftimmung beg Sanbgrafen unb feinet ©d^toiegerfol^nS^ 
beS SWarlgrafen S)ietrid^ bon ^Jleifeen, gegen ^^xiipp auf SEBaltlöer 
übergegangen au fein fd^eint. 

Jpermann l^atte bon feiner Untcttoerfung unter ben ©taufer 
nur ©emütl^igung unb ©d^aben geerntet. S)ietri(^ aber toarb öer« 
flimmt, al8 ber Seleibiger ber SBetttnifd^en gamiliencl^re Ottotar 
t)on iBöl^men ben 1204 gelciftcten ©d^tour, bie öerftofeenc erfte 
(Sattin, 9lbela bon SRci^en, loieber aufaunel^men unb feine a^eite 
ei^e au löfen , nic^t auSfül^rte unb fo bie Sebingung nid^t erfüllte, 
an bie SDietrii^ fein Sfattenlaffen be8 bö^mifd^en «ßrfttenbenten 
Zl^eobalb, ^p^Uippg 5Drängen nad^gcbenb, gefnüpft l^atte. (Sr fal^ 



62 Drittes Capttel. poUtifd?e Dtc^tuug. 

fid^ butd§ bie poUtifd^e 9lugf01^nung 5totfdgen ^l^ilipp unb Ottofat 
übetDottl^eilt. (Serabe^u ))erfönUdg beleibtgt aber fül^lte er ftd§ bann 
1207 burd^ btc Sctlobung bet Sod^tet ^l^tlippg mit bem ©ol^n 
t)on Ottofard stoeitet @ema]^Un, um betenmiUen ber Söl^menföntg 
feine erfte gfrau, bie ©d^toeftct S)ietrid^8, öetftofeen l^atte. ®ie 
©ereiatl^eit unb baS ttebcttoolten bet Sl^üringct ^ofgefettfd&aft ntod^te 
pdö an allem aBibertoärtiBcn , mag bcn ffönig ober feinen enjften 
fJomtUenfteiS ttof, toeiben unb e8 mit Sel^agen breit treten. 

Sold^e Stimmung ftingt ouS jenem l^öl^nifd^en Sprud^ bom 
gried^ifd^en ©piefebroten (17, 11), ber bie blutigen b^jantinifd^en 
Sl^rontoirren ber Saläre 1203 unb 1204, in benen ^l^itippS 
Sd6toiegett)ater 3fao! 3lngcloS unb Sd^toagcr SltejioS il^re eben ge» 
toonnene Ärone unb il^r Seben berlorcn, benu^t, um baran eine 
böfe Se^re für ben ffönig ju !nüpfen. SBolfram fpielt im SBiüemm 
(286, 19), alfo nad& ^al^ren, auf baS ©cbid^t fd^cral^aft an: nur 
menn eS bei feiner (Sntftel^ung burd^ feine poUtifd^e @pi^e ge^ünbet 
l^atte, fonntc er fo fpät barauf toieber jurüdEgreifen. Sad^mann 
badete bal^er (au 17, 11) baran, bicfer ©prud^ erft l^abe SBaÜl^erS 
„Um^ug nad^ Sl^üringen" beranla^t. SBitmannS bogcgen fe^t il^n 
in ben ^erbft 1207. 

3d^ glaube, man mug bcn Sprud^ bom ©piePraten unb bann 
aud^ bcn borangel^enben nalö bertoanbten 16, 36 (Philippe künechöre) 
frül^er batiren: nod6 in bcn ©pfttfommer bis |)erbft be8 3al^rc8 1204 
ober Sfrül^ling big ©ommer 1205. greilid^ finbet SarndEe (SBeitr. 7, 
596), bag beibe ©prüd^e nod^ eine mifeUdöe Sage «pi^ilippS boraugfe^cn, 
mag auf bie 3eit bor bem glüdElid^en ©ommerfelbaug bon 1204, ber 
bie günfiige (Sntfd^eibung brad^te, l^intoeife. Slttein 16, 36 ^eigt 
unbetfennbar: bie glüdflid^e SBenbung toar bercitg eingetreten, unb 
offenbar ifi bicfe fanftere TOal^nung aur 8freigebtg!eit ber fd^drfcren 
beg ©d^eraeg bom ©pie^braten borangegongen. 



S!rcnnung von pl^tltpp : £anbgraf ^ermann unb Bifcf?of IPoIfger. 63 

DB nun aUx biefc bciben Sprudle in Sl^üringen gcbid^tet jtnb? 
9Jlon ift öetfud&t, äuget aBotframS fpätet gtinnctung baran nod& 
einen befonbetn @runb l^ietfür gettenb p mad^en. @erabe in 
Il^ütingcn !onnte SBattl^cr toäl^renb bc8 ©ommerä 1205 Äunbe 
öon jenen SBotfälten be8 DjienS empfangen: am 17. Slugufi fel^tte 
Sifd^of Äonrab bon^albetfiabtmit öielen bei ber ^lünbetung 
€onfiantinopete erbeuteten Äcliquien unb Äofibarfeiten in fcftücä^em 
Stiumpl^juge l^od^ gefeiert l^eim (Mon. Germ. Script. 23, 120). 
Qx ^atte ate Slugen^euge unb tl^ätiger Sl^eilnel^met jene gan^e 
Stagöbie butd^Icbt. ©d^on im äuguft 1203 mar er aK ^ßilger 
nad^ SJenebig gefommen unb l^atte fotool bamalg afö nad^l^er im 
tolgenben SBinter öor S^ra gemig bic SSerbinbung atoifd^en bcm 
Äreual^eer unb Äönig ^l^ilipp unterl^alten. S)afe 3faaf angeloS 
unb fein ©ol^n 9Hejio§ bie ^ülfc unb greunbfd^aft ber Äreuafal^rer, 
bie für fie Sonftantinopel unb ben ^l^ron ^urüdterobertcn (18. Suli 
1203), bertoren, toeil fie bie öcrtraggmäfeig, eiblidö unb toieberl^olt 
gemad^ten 3ufid&erungen öon Selb unb Selol^nungen nid^t erfüllten, 
barin finb alte Serid^te einig. S)ie fränlifd^en Quellen fd^ieben e8 
meiji auf ben böfen SBitten unb ben Unbanf ^lejioö IV. : fo aud& 
bie (balb?) nad^ September 1208 entftanbene Peregrinacio (Valois, 
Biblioth. de l'ficole des Charles 40, 204) ber ^alberftäbter S^ronif 
(Script. 23, 118: ingratus beneficiorum acceptorum). S)ie b^jan» 
tinifd^en S)arjicttungen laffen erfennen, bag ber faifcrlid^e ©d^a^ 
t)on aiexioS IIL, bem Sl^ronräuber , gepd[)tet, bie ©taatScaffen 
erfd^öpft unb bie Seöölferung gegen bie Sintreibung ber öerfprod^enen 
Summen für bie öerl^agten fjremben aufö äufeerfle erbittert mar 
(der brate was ze dünne). S)ie |)alberftäbter Sl^ronil, bie toal^r» 
fd^einlid^ Sagebüd^er ßonrab§ benu^t, mad^t aber aud^ ^^J^iKpP mit 
üeranttoortlid^ für ben SluSgang, toenn jte eraftp, er felbft l^abe 
jene 200 000 TOar! burd^ feinen ©efanbten in 3ara ben Äreua- 



64 Drittes (EapiteL poIitifd?e Did?tung. 

fal^retn öetfljrod^en, falls fein Sd^toiegetöatct toieber auf ben Sl^ton 
gel^oben toütbe. S^cilte aBottl^ct biefe Sluffaffunj, fo g^toinnt fein 
Sptud^ nod6 an unmittelbarer gfeinbfelijleit gegen ben Äönig. 
3ebe8 Slnrül^ten jener Äataftropl^e muftte 5pi^ilipp tief bertounben. 
Seine Serloanbten l^atten im Aampf mit $rätenbenten unb Segen« 
fönigen toie er baS 9teid§ gewonnen, eg bann aber berloren, toeil 
fie gemad^te SSerfpred^ungen nid§t l^alten tonnten, unb berloren 
nid^t an ben berufenfien £räger eineg neu 5U grünbenben latei= 
nifd^en Äaifertl^umS, ben 3Kar!grafen Sonifaa bon 2Jlontferrat, ben 
Slnl^önger unb SBertoanbten ber ©taufer, fonbern an ben biel un» 
ttid^tigeren @rafen Salbuin bon glanbern, ben Parteigänger beÄ 
aSelfen Ctto. 

iSiel f))ri($t nad§ altebem für bie (Sntftel^ung bed @ebid^t8 bom 
©piefebraten in ^l^üringen. Slber unleugbar ift aud§: nirgenbS 
wol fonnte SBaltl^er frül^er Äenntnife erlangen bon ben ber- 
]^&ngnifebotten greigniffen, bie über Spi^ilippS Settoanbte in S^aana 
l^ereingebrod^en toaren, afö in ber 9lft]^e beÄ Sifd^ofS SBolfger. 

Sd^on am ©rünbonnerftag 1204 erfd^ien bei ^eraog Seopolb 
in Äloflerneuburg Sifd^of 9Jlar!u8 bon Seirut, l^öd^ft toal^rfd^einlid^ 
mit 9lad§rid^ten über bie b^aantinifd^e SBermidtlung. SQBolfger ftanb 
bamalg im S3egriff, auf annel^mbare SBeife feinen gfrieben mit bem 
$a))fi au mad^en unb ftd^ bon ber 9leid^d))oliti! aurüäauaiel^n. fße^ 
reitS am 2. Dctober 1202 toar et toegen feiner Sl^eilnal^me an 
bem |)allifdöen gürftenproteft, beffen »erfaffer er übrigen« fd^loerlid^ 
gewefen ift, bon Snnocena bei Strafe ber ©uSpenfion auf ben 
©onntag Saetare nad§ Slom aur SSeranttoortung citirt toorben. 6r 
mar biefer gabung gefolgt, l^atte mit einer aiemlid§ l3lumt):cn Süge 
feine aRitberantloortlid^teit für jene ßrllärung abgelel^nt unb bag 
©d^lüffelred^t be8 ^PapfleS anettannt (Reg. de neg. imp. 110, 
Migne, Patr. Lat. 216, ©. 1114), fid§ nad^ feinet SlüdEfel^r aber 



Jret Dom Heic^sbienfi. 65 



bann bod^ toieber an beti $of ^l^iUppS nad^ 9lUenButg begeben 
(Sluauft 1203). 9lun aber l^atte bie |)offnung auf bie 5flad6foIge in 
bem 5ur (Stiebigung !ommenben Matriarchat bon Squileja il^n ber 
Curie gefügiget mad^en muffen. 3m 3Rai beg ^al^reg 1204 l^atte 
ex fid§ in Slom bie @enel^migung feinet SBal^I gel^olt^ bie il^m 
burd^ päpftlid^en SonfcnS bom 24. 3uni berttel^en loarb, l^atte fid§ 
bann, autüdtgefcl^rt, in ^nSbad^ bom Äönig Spi^itiW belel^nen laffen 
unb fid§ nad^ $affau begeben, bie SBal^l feinet 9lad§folgerg au 
leiten, ^iet empfing et am 19. 3uli bie ^iobäpoft au» ßonftanti« 
nopel (9teifered§nungen @. 33). ^aum in ^Iquiteja eingebogen, er» 
l^ielt et mit bem Pallium 5Ugleid§ ben 93efe]^l bed ^apfteS, binnen 
aionatÄfrift fid^ fc^tiftlid^ ber Sutie auni (Sel^otfam aud§ in 9leid68= 
angelegenl^eiten a« berpflid^ten (Äalloff, SBoIfger @. 30 ff., 96 ff.; 
3uritfd§, ©efd^id&te b. Sabenbergcr ©. 379 f.). fjortan toaren 
aSJolfger, bct fid§ je^t fügen mu^tc, bie ^dnbe gebunben. 6r 
sog fid§ bom ßönig ^l^ilipf unb ber 9leid§dfoIitiI aunäd^ft bbUig 
aurüdC. 

3n ober toenigftenS balb nad^ biefer B^it fd^toinbet aud^ aug 
SBattl^etS S)id§tung füt eine Stetige Jjon 3ö^^cn iebeSeaicl^ung 
auf bieSteid^gfoUtif, auf bie ^erfon unb bie Slngelegenl^eiten 
beä ÄönigS, ia fein 8cben8toeg berlicxt fid^ für unS eine aScite über* 
i^avLpi im S)unlel. 6t l^at jebeg gSerl^äUnife autn Äönig böllig 
gelöft. aber loir lönnen nid^t entfd^eiben, too er Jene beiben un« 
freunblid^en ©tropl^en (16, 36. 17, 11); in benen er fid^ (1204 
ober 1205) aum testen TOal mit feinem einfügen ^errn befaßte, 
gebid^tet l^abe. 

^ret vom ^exc^^bietxß. 

S)er toeitere SJertauf bon SBaltl^erg geben läfet fid^ im 6in= 
aelnen burd^auS nid^t feftfteöen. SSiö aw^n grül&Iing be8 3a^te8 1212 

Söurbac^, SBaltl^er »on bet SSogelrocibe. 5 



66 Drittes (Eapitel. poUtifd?e Dichtung. 

bleibt unjere Äenntnife ian^ trümmerl^aft. SBaltl^et fionb eine 3eit 
lanfl im SDicnfl be8 TOatfgtafen 3)ietrid^ öon aJlcifeen (105, 
29), beS Sd^toiegetfol^ng feined Sil^ütinger SönnerS, an beffen $of 
aud^ ^tinxi^ bon aJlotunflen (f. a. S). ». XXII, 341) lebte, «in 
Sinßu^ bieieS SJlinnef änget^ , ber neben SEBattl^er unb Sleibl^ait 
ol^ne gtage bad urfprüngßd^fte unb ft&ttfte l^tifd^e latent bed 
beutfd^en Mittelalter^ mar, l&|t fid^ in meisteren Siebetn äBaltl^etd 
erlennen (SOBilmann«, geben ©. 278). ©d§on frftl^er, ettoa 1205 
(Saxndte, »eiträge 7, 593), l^atte bet TOatIgraf SOPalt^er, toie ed 
fd^eint, eine (SefäQigfeit ettoiefen unb il^m eine el^tenbe (Sinlabung 
bon |)etaog Subtoig bon 93aietn, ^etmannS ©d^mager, aum $of- 
bienft überbtad^t (18, 15, f. oben ©. 40). 3e^t aber mufe fid^ 
ein engeres Sanb gelnitpft l^aben. Sei S)ietrid§ mufe SBaltl^et 
(aud§ ober nod^?) 1210 getoefen fein, aU ba8 Älofter ffiobrilugf 
an bie 3Jlartgratfd^aft lam: benn eg fpielt, toie auerft SBadEernagel 
2, 140 änm. rid&tig fa^, 75, 25 barauf an. 

S)ie ©tropl^eu beä „atoeiten DttentonS" (nad^ SimrodtS nid^t 
paRenber Senennung) 31, 13 big 36, 1 bereiten bie größten d^rono« 
logifd^en ©d^toicrigfeiten. ©ie fpiegeln ein bewegtes unrul^igeS 
SBanbetleben toieber, fie atl^men einen tiefen ^ef pmiSmuS , eine 
toad^fenbe ©ereiatl^eit unb Verbitterung beS S)id&ter8. ©ie l^ot et 
im 5luge, toenn er fpäter, in fonnigerer Seit, aurftdtblidtenb fagte: 
ich was s6 volle scheltens daz min äten stanc (29, 2). „Un« 
mutl^Ston" lönnte man biefen 2on nennen. 

aus 36, 1 (D6 Liupolt spart üf gotes vart) ergibt fid^, bafe 
aSaltl^er längere Seit in Oeflerreic^ bei ^er^og ßeopolb toar, bebor 
er biefen auf feiner MäU^x bom Äreuaaug (biettcid^t 1219) be- 
grüßte (28, 11). 3n bemfelben Son nennt er fid§ aber oud^ des 
milten lantgr&ven Ingesinde (35, 7), toaS, »ie oben (©. 40) be« 
mertt tourbe, auf ein bauernbeS tl^ftringifd^eS ^ofbienftberl^ftltnil 



3m Dienft bes njclftfd^en Kaifers. 67 



tDcift: bcr im fBxnUx flcbici^tcte ©ptud^ blitft auf mel^tmaliaen 
Slufcntl^alt bei ganbjraf ^ermann aurütf unb auj eine me^rjiftl^riae 
Serbinbung mit il^m; ob et mit SBilmannÄ (Seben ©. 71) in 
einen ber SBinter atoifd^en 1213 unb 1217 au fe^en fei ober ob 
er einige 3a]§re fpftter fällt, bleibt atoeifell^aft. 3n bemfelben 
Son bel^anbett SBattl^er aud& grtebniffe, bie il^n in SScaiel^ungen 
au ^eraog aSernl^arb t)on Kärnten (1202—1256) aeigen: 
er l^at oft bon il^m @aben empfangen, aber ein Sd^eUlieb, mit 
bem er ft($ r&d^t, afö il^m bom «^eraog berl^eigene @ett)önber nid^t 
übergeben jtnb, bringt ßntatoeiung (32, 17); aJlifegünftige bei 
$ofe, bieUeid^t 9tibalen, l^e^en gegen il^n (32, 27). SEBann biefe 
aSorfdtte [tattfanben, ob am |)of beS |)eraog« felbji, entaiel^t jtd^ 
unferer jtenntni|. Slber bei SBaltl^erd freunbfd§aftli(i^em äJerl^ältni^ 
au SBoIfger unb ben babenbergifd^en «&eraogen l^at er oft ©clegenl^cit 
gel^abt nacä^ Äärnten aw !ommcn, unb toenn er in feinem 
S!Banberfpru(% beSfelben £on8 (31 , 13) unter ben ©renken feiner 
Sfal^rten bie SKur in ber ©teiermarf nennt, fo ]pxxä^i aud^ bag bafür. 
3n bem nämlid^en Zon toirb ber ^Patriard^ öon ^Iquileja 
unb ^eraog |)einrid& bon SJlöbling gefeiert (34, 36. 35,4) 
unb ^eraog Seopolb balb gefd^oUen, balb eil^oben. @nblid^ rid^ten 
fid^ awei ©prüd^e biefeä 2on, bie einaigen batirbaren, gegen bie 
auffieHung be« OpferftodEe«, bie Snnocena III. Dftern 1213 beiol^ren 
l^atte, um SBeifteuern aum ffreuaaug au erl^attcn (34, 4. 14). 

ajlit bem Solare 1212 getoinnt SBaltl^erg asiograpl^ie lieber 
fefieren Soben. 6ä beginnt ber britte äbfd^nitt feiner poli« 
tifd^en S)id^tung : ber SBiebereintritt in ben S)ienft ber SReid^gpoIitil. 
ate nod^ ber ßrmorbung $l^ilippd ber t)on ^nnocena gehonte 
Otto, toegen feiner Singriffe gegen bie mittclitatifd^en Territorien 



68 Drittes (Eapitel. poltttfd?e Dichtung. 

bed ^apfted unb gegen bad ))ft))[tltd^e Sel^nSEünigtl^um @ici(ien ge» 
6annt, naä^ Seutfc^lanb autüäfel^tte , um bort ben inamif($en 
audgebtoc^enen älufftanb bet gfftrften nieberautoetfen , tritt x%m 
S&aia)tx auf bem ^oftag au gftonlfurt (18. TOäta 1212) entgegen 
unb tuft t^m in brei gto|attigctt Sptüd^en ein feietticä^e« SBitt« 
fommen, ein begeifterteS Slftdtauf au für bie Scrtoirttid^ung ber 
Äoifctibee (11, 30 big 12, 18). 

Ser gan^e ^a^ beS @ängetd gegen bie 9lnmagung ber Surie 
(obert l^ier in ließen Sflammen auf. (Segen bie Uebergriffe beS 
$a))fieg, gegen bie ©d^m&Ierung ber laiferlid^en 3Rad§t burd^ il^n 
eifett er mit l^ei^em Sorn. S)agcgcn fuci^t er bie ©efal^ren, toeld^e 
bem jfaifertl^um auS ber Ueberl^ebung , ben S3egierben unb ber 
£reuIofigfeit ber gfürften brol^ten, au berbeäen unb bie @d§ulb ber 
SBBanfelmütl^igen au betlleinern. SnSbefonbere Verbürgt er fid^ mit 
(Smpl^afe für bie Sreue beg SOteignerS, dbtool gerabe er ben ]§od§- 
berrfttl^erifd^en Umtrieben gegen Otto in beffen Slbtoefenl^eit nal^e 
getreten n)ar. SBir finb leiber nic^t im ©taube, SEBattl^erd S3er- 
^ättnife aw bem 2Jlarfgrafen au burd^fd^auen. ^atte biefer il^n 
Deranlagt, Otto au begrü|en? |)atte er il^n ate SBerlaeug benu^t, 
um bie @nabe unb SJeraeil^ung beg Jtaiferd toieber au geioinnen? 
Wan barf bieg bejal^en. 9lber aud^ SBaltl^er felbft tonnte l^offen, 
menn er ie^t in bebenfUd^er Sage S)ietrid§ burd§ fein bebeutungd* 
t^oUeg äBort gegen ben SSerbad^t fd^ü^te, aum 2)anl bafür bon il^m 
bei ©elegen^eit aud& bem Äaifer emt)fo]^Ien au toerben. 

SBitmannö l^at SBaltl^er au8 biefem eintreten für S)ietrid^ 
einen fittlid^en aSortoutf gemad^t, il^n ber betoufeten Süge geaiel^en 
(Seben äffialtl^erS ©. 110). Slber toie toeit S)ietrid^ an ber ©er- 
fd^toörung gegen Otto toirtlid^ tl^ätig mitgetoirtt l^at, ftel^t feine«« 
megS feft. aBinfelmann loitt an feinen Abfall gar nic^t glauben 
(2, 272. 300 anm. 4). S)ie Cuelten miffen nur bon S)ietrid§8 



3m Dienfi bes njclfifc^cu Katfers. 69 

Scfud^ bet Jlauntburget fjürftcnt)crfammlun8, bte für allgemeine 
SHetd^gfad^en auggefd^rteben mar unb auj bet bie l^od^Deträtl^ertfd^en 
9l6fi(i§ten erfl gana öerfietft au Sage traten. Sfüt bie beiben folgen- 
ben 3ufammenlünfte, bie l^eimlid^e in Sambetg unb bie öffentli($e^ 
auf officielteS 6tfud§en be8 5papjie8 beran|!attete 5flütnbetger, loeld^e 
birect bie SlBfe^ung be8 ÄaiferS beatoedtte, iji feine Slntoefenl^eit 
nid^t beaeugt. ^ebenfaUg l^atte S)ietrid^, toenn er mit ben S3et= 
T&tl^etn getagt l^atte, in legtet ©tunbe fid§ öon il^nen aurüdfgeaogen. 
Unb äBattl^et burfte tool, ein loenig ben 3Runb boQ nel^menb, feine 
Steue engelgleidg nennen, ol^ne mel^t au tl^un, aU et im S)ienft 
feines ^ettn bot (Sott unb SBelt nad§ bet Slnfd^auung bet S^xt 
öeranttootten lonnte. Unb wat eine Unwa^tl^eit babci, fo bod^ 
getoife eine, bie aud^ l^cute bet ©ittencobej bet 5ßoIitiI — unb 
toäre ti bie el^tlid^fie! — nid^t öetbieten mürbe. 

®ie ibeole Sluffaffung, toeld&e SBaltl^et öon bcm !aifetlid^en 
Smpetium liegte, fielet l^iet auf i^ter ^öl^e. Unb aud^ fein S)id6ter= 
fiola fptid^t l^iet in möd^tigen 9lccenten. 

®ie SQBelt ift il^m atoifd^en (Sott unb bem Äaifet getl^eitt. SJon 
bet fonft gemöl^ntid^en 9lnfd§attung einet itbifd^en bon ®ott Det« 
liel^enen 3^^i^^nf<^^ft beS $apfte8 unb beg JtaifetS finben mit 
feine ©put. 21K »ote (SotteS felbft öetlel^rt bet ©id^tet mit bem 
©tüttl^aUet &)x\]ti auf ßrben: mit bem Äaifet. (5t überbringt 
tl^m bie Älage gl^tifti übet bie Untetjod^ung feined Sanbeg butd^ 
bie Reiben. (5tfi fotte bet Äaifet ben gftieben in Seutfd^tanb 
butd§ fttengeg @etid^t miebet l^etfteQen , bann abet bad Imperium 
übet ba8 SJleet auSbel^nen unb baS l^eilige Sonb ben |)eiben ent» 
teilen, ©o malt fid^ in SBalt^etd SJorfteaung baS l^ödgfte 3[beal 
ber Äaifetl^ettlid^!eit: im SBatcrlanb gebietenb unb übet ben SBelt» 
IteiÄ ben d^rifilid^en (Seift öerbteitenb. 

Siefe glänaenbe SSetl^ettlid^ung be^ Äaifetgebanfend mutl^et 



70 Drittes Capttel. poIttifd?e Dichtung. 



toic eine 3lnttoort an auf bie im ^crbft 1211 Otto getotbmeten 
Otia imperialia be8 ©etöafiuS öon 2ilbut^, in bencn bie Seigre 
Don bet unbebingten ©u^jcriorität beS ^apfteS aud^ in toeltlidöen 
Bingen mit ma^Iofet Uebextrcibung öotgetragen unb bcm öerinten 
Äaifet öotgemten toirb. Imperium tuum non est, sed Christi; 
non tuum, sed Petri ; non a te tibi obvenit, sed a vicario Christi 
et successore Petri — fo l^atte @crba|tu8 brol^enb getufcn. SBaltl^et 
fe|t bem mit l^ol^en toud^tigen äSotten bad gtogattige ä3ilb entgegen : 
@ott bet «^ett l^at auf (Srben einen unmittelbaren SJettretet^ ben 
Äoifer, mit bem er ol^ne 2JlittIer öerlel^rt, ber feinen SBiffen ol^nc 
einen anberen 9luftraggcber bollftredtt. 

S)en brei Äaiferfprüd^en fteÖtc SBaltl^er im gleid^en £on brei 
«papflfprüdöe pr ©eitc (11, 6, 18. 12, 30), bie leibeufd^aftlid^, fd^arf 
unb 1^5]^nifd^ bie SBanbtung beg $at)fteS in feiner @eflnnung gegen 
Otto angreifen. (Sinft l^abe Snnocen^ Dtto gefegnet, bem er je^t 
flud^e. SBaltl^er ben!t babei, ol^ne ed aud^ufpred^en , aud^ an bie 
frül^ere ä^it, ba 3nnocen5 für Otto gegen ^l^ilipp ^Partei ge« 
nommen l^atte. Sl^riftuS l^abe ben ^l^arifäern auf il^re öerfud^enben 
gragen am Sin^Ö^ofd^en bie 3led§te beS toeltlidöen ^Regiments Har 
gelegt — ber SPapft öerac^te biefe Se^re. ßinmal muffe baS SBort 
bet Pfaffen Süge gemefen , fein : enttoeber al8 fie Otto empfal^Ien 
ober nun, ba fie il^n berloerfen. 

3lfö 1213 Snnocena burd^ eine ffreuaaugSbutte bie äufftettung 
bon Dpfcrftödten in ben Äird^en anorbncte, ate er fclbft bon fid^ 
unb allen ©eifilidöen SScr^id^t auf einen Sl^eil aller ßinlünfte ber» 
langte, um für bie l^cilige Sngelegenl^eit ber Befreiung beS ©rabcS 
gl^rifti Mittel au befd^affen, tritt äSalt^ec teibenfd^aftlid^ aud§ bem 
entgegen (34, 4. 14). (gr, ber ein Sal^r boviner felbft ben Äaifer 
aum Areuasug ermal^nt l^atte, erblidCt nun in ben 93orbereitungen, 
bie ber ^apft baju trifft, nur ,^abgier unb |)intetlift ber Pfaffen. 



3m Dienft bes ipelfifc^en Katfers. 7] 

©0 gtoft aber toar bic SBitfung bcr SBortc SDßaÜ^erS, bafe et nad& 
bet Älage Sl^omafin» im SBcIfc^en ®afi (85. 11 163 ff.) taufcnbc 
bem $a))ft abtrünnig matj^te unb t)ielen anbeten ein fd^toeteS 
aetgetni^ beteitete. 

Sie ftlugl^eit unb bie SSefonnenl^eit ftanben bamate ni($t auf / 
S&dli^ex% Seite, aber l^eute il^m einen fitttid^en SJottoutf p 
mad^en au8 bet ^Ra^lofigfeit feinet SlnjtiffS, l^eifet roiebetum gegen 
il^n unbiüig fein, l^eifet toebet gefd^id^ttid^ nod^ t)f^d^oIogifd^ ur« 
tl^eilen. 3m 9Röta beS Saläre« 1212 fud^te aSBalt^er nad^ jebem 
SJlittel bie ^Popularität beS rüdftel^renben ffiaiferS a« erl^öl^en. 6S 
toar bie 3cit, ba bie aögemeinfic Segeiftcrung für bie 3bee beS 
fireuaaugd l^ertfd^te; ed ttiaren bie Sage be§ JHnberfreuaauged, jener 
feltfamflen Sluggeburt !ranf^after 6!ftafe. 6in Sal^r banad^ mar 
eine fd^toere (Smüd^terung unb Sntt&ufd^ung eingetreten. S)er $apft 
]§atte ^m flreuafal^rt gegen bie le^erifd^en ^llbigenfer in ©übfranf» 
reid^ unb il^r |)au|)t, ben ©rafen Slaimunb öon Souloufe, gerufen, 
unb ^eraog Seopolb toar mit einem |)eer im Sluguft 1212 biefem 
Aufgebot gefolgt. 93et)or bie fiteuafa^ter auf bem (5d§au))(a^ 
an!omen, l^atte fld^ aber bie Situation ööttig öerönbett: @raf 
aioimunb l^otte burc^ feinen SSefd^ü^er Äönig ^ßeter öon 3lrra- 
gonien auf bem äßege biplomatifd^er SSerl^anblung beim $a))ft baS 
äJerbot beS ÄampfeS unb bie Berufung einer S^nobe burd^gefe^t. 
aOe Äreuafal^rer mußten unöerrid^teter Sad^e umlel^ren unb fül^lten 
fid§ in untoürbiger SBeife l^intergangen. (Segen ßnbe be8 Sal^reS 
1212 ober au Einfang beg ^al^reS 1213 tarnen fte nad^ S)eutfd^lanb 
aurüdt. 3ft e8 ein SBunber, toenn fie (Erbitterung unb 2Jligtrauen 
gegen bie reblid^en 3lbfid^tcn ber Surie Verbreiteten ? Sd^ien e8 nid^t 
fo, ate fei bem Spapft bei ber Agitation für einen Äreuaaug bie 
(Srl^ebung ber ßreuaaugSfteuer bie ^auptfad^e unb mugte fid^ nid§t, 
afö im Slpril, toenige SJlonate nad^ ber befd^ämten StüdEfel^r ber 



72 Drittes Capttel. poUtifc^e 2)id?tung. 



Sltbigenf ctftrcitcr , bet Opferftodf für einen neuen Äreuajug auf« 
geftettt toarb, bet SSetbad^t regen, aud^ bieje Steuer toerbe nur 
ben gleruÄ bereid^em, ol^ne bem ibeaten 3»^«*« 8« biencnl Unb l^atte 
SBaltl^er im polittfd^en Äampfe nid^t baS 9led§t, biefer Stimmung, 
biefcm aSerbad^t, bie il^n getoi| felbft bel^errfd^ten, rüdfl^altloS SBorte 
5U leil^en? @ing er in feinen 9ln!tagen 5U loeit, fo folgte er bem 
Srrtl^um einer teibenfd§aftUd§en, aber begreiflid^en Uebcraeugung, bie 
biele mit il^m tl^eilten. 

Seid^t überfeinen toir l^eute Don ber l^öl^cren SBartc, auf bie 
und bie Entfernung bon fed^d ^t^^^^unberten gefteUt l^at, Sd^ulb 
unb SSerbienft ber beiben mit einanber ringenbcn SebenSmäd^te. 
SBer aber in biefem fürd^tcrlid^cn Äampf mitten inne [tonb aU 
^erolb unb ä3annerttäger beg Streitet, ben lonnte bie allgemeine 
^i^e öerblenben, bem mod^te bie toilbe Sranbung ber entfe||elten 
£riebe, bie grauenboQe 3^it(&ftung bie redete Ueberfid^t rauben. 
SBattl^er loar ein S)idnter, in bem ^l^antafte unb Seibenfd^aft, nid^t 
abtoägenbeS Urtl^cil nod^ ftreng fonbernbe Ucberlegung bie Ober« 
l^anb befa^en. So fd^lug er mit SBaffen auf ben Sfeinb, toic fie 
il^m gcrabe taugüd^ unb toirffam bünftcn, im Seloufetfein , feiner 
guten Sadge baburd^ au l^elfen unb einer fd^Ied^ten au fd^aben. Sag 
loar ia gerabe bad gntfe^lid^e jener Seiten, bafe in ber l^alerfüHten 
(Erbitterung, in bem 3lingcn ber ungeaügelien 2Bitten8!räfte, in ber 
d^aotifd^en Sluflöfung aQer [taatlid^en @runbtagen, too toeber bie 
9lutorität beS JtaiferS nod^ bie bed $a))fte8 allgemein feftftanb, bie 
Segriffe Sled&t unb ©ered^tigWt felbft in ben Äöpfen ber 6bel[ten 
au fd^toanlen anfingen. 

S)eg S)id§terg 3orn toagt fid^ nod^ toeiter unb crl^ebt fid^ au 
einer tief einfd^neibcnben Äritif ber fd^toerften ©ebred^en ber Äird^e, 
ia eineg toid^tigen Xi^txU i^rer @runblage. Wan loäl^nt bie 
bröl^ncnbeh a^^wialmenben Sd^loerifd^Iäge 5Jlartin Sutl^erS a« öer« 



3m Dtenfi bes iüelfifcf?eii Katfers. 73 

nel^men, tocnn man bief e Sptüd^c SBaltl^CTä lieft : gegen bie Simonie 
(33, 1), gegen bie |)abgiet unb |)interiif't ber Sutie (33, 11), gegen 
bie Sfölfd^ung nnb äSerle^ung beS gbttlid^en SBotted butd^ bie 5U 
feinem Sienji unb ju feinet SBerbtcitung Serufenen (33, 21), gegen 
bie fittlid^e ßotru^jtion ber Pfaffen, inSbefonbete il^xe Unfeufci^l^eit 
ixnb ©d^Iemmetei (34, 4). JEScnn SBaltl^er bie ©d^riften, toeld^e 
aug ber Äan^Iei ber ßutie auSgel^en, bie ©a^ungen, auf bie bet 
$a))ft feine 93efd§Iflffe ftü^t, btanbmatü als ein fd^toat^ed, b. 1^. 
nigromantifd^ed 93ud^ beg ^bUtnm6f)xa, menn er ben %ad^folger 
?etri 3ubaS fd^ilt unb bem Sauberer ®erbert ($apft ©ilöcftcr IL) 
öergleid^t, wenn er il^n, ergrimmt über bie üernunfttoibrigen Seigren 
t)on ber äSertt^altung ber @nabenmittel burd^ bie jtird^e unb tl^re 
fd^amlofe SluSnu^ung ju l^ierard^ifd^'politifd^en Sto^äen, S)ieb unb 
TOörber l^cifet unb jammert, ber oberfte |)irte fei p einem SBolf 
unter ben ©d^afen geworben, toenn er l^öl^nifd^ aufruft, bie 5um 
^immel ben SBeg tt)etfen tooUtn, fal^ren felbft ^ur <g)5Ile, fo fül^len 
toir uns öon ber 5Kad6t unb gl^rlid^feit biefer innerften (Sntrüftung 
nod^ |eute tief ergriffen, 'v:... f 

"" 3um atoeiten 3Jlal befd^toört SDBaltl^er feinen guten Ätauöner 
(34, 33), unb mieber fielet er il^n meinenb über bie gfreDel beS 
^apfkeS unb ber Pfaffen. 6in Son bringt burd^ aße bicfc ßampf» 
gebid^te toie ein ^uffd^rei auS gequälter 93ruft unb mad^t unfere 
^erjen rafd^er fd^lagen : bie tidfe fittlid^e ßmpörung über ben S^^i^ 
fljalt atoifd^en SBorten unb SBerten ber Äird^e unb il^rer ©lieber. 
Sie Siebe aur SBal^rl^eit, toeld^e ben ©treitfd^riften beS SBitten« 
berger SRönd^S toie benen SeffingS bie mud^tigen 9lccente, bie l^in» 
rei|enbe UeberaeugungSlraft gab, fie ftel^t aud^ l^inter biefen 
©))rüd§en SBalt^erS mit flammenbem ©d^toerte. (Sr mod^te im 
(Sinaelnen Unred^t l^aben mit feiner SSerböd^tigung unb SSeturtl^eilung 
beftimmter ^Ragnal^men beS $a))fted : im Sanken, in ber allgemeinen 



74 Drittes Capttel. polttifc^e Dichtung. 

Sluftcl^nung gegen bie im Snnerften frct)eI]^ofte ^otitil bet Kurte 
l^atte et unbebingt Stecht, ]pxaä^ et im 9lamen bed l^eitigen @ei{!ed 
ber 9Jlenfd^l^eit. ©anftete, ^nx Setmittlung geneigte 9lotuten toie 
Sl^omaftn bon S^^clatta fteilid^ mußten fid^ bon biefet fcä^onungS» 
tofen Sd^ätfe t)etle^t füllten unb bebauern, ba^ gegen bad .^aupt 
bet Sl^tiflenl^eit fo ganj ol^ne gl^tetbietung bet fd^toetfle SSottoutf 
be8 SteufetebienfleS etl^oben toutbe (SB. (Soft 11140). Son einem 
menfdölidö fteieten ©tanbpunft ou8 barf SBaltl^et aud^ füt bie 
Uebettteibungen fetneS SluöbtutfS fein Sabel tteffen. ®et Äampf 
poüttfd^et unb teligiöfet ©egenfä^e ifl, fo lange in bet SBdt tingenbe 
Wenfd^en leben, nut mit f($toeten, tiefgel^enben Rieben gefül^tt, bie 
ben @egnec nid^t 6Io| abtt^el^ten, fonbetn niebetloerfen foQen : et l^at 
feine eigene ®tl^i!. 

3Jlan mu§ abet au|et aßem anbetn oud^ no6^ einS bead&ten: 
biefe tetbenf($aftlid^en SJetbäd^tigungen gegen ben ted^ten @ebtaud^ 
bet ÄteuaaugSpeuetn tootcn ein ©ttafgetid^t übet bie fd^amlofe Se« 
toubung bet ffitone butd^ bie geiftlid^en Sfütften, bie nid^t 
Qufgel^ött l^Qtten, ben Sl^rontoed^fel augaunu^en unb ßitd^Iel^en loie 
SSogteited^te an fid^ ju teilen (SBinlelmann 2, 337), unb iUiUiä^ 
eine Slnttoott auf bie 9lu8|lteuungen bet (Segenpattei. 

®et ©offarialet Äonrob bon ©peiet l^atte feit bem gebruat 
be8 3a^te8 1212 (2Bin!eImann 2, 287 9lnm. 1, 293 f., 336) 
feinem ^etm bie Steuc gebtod^en. 6t be^eid^nete bann untet 
eiblid^et S5e!täftigung aö bie Urfad^e feinet SoSfogung bie Slbfid^t 
beS ÄaifetS, burd^ eine umfaffenbe Slebuction bet Äitd^engütet bie 
©eifHid^feit potitifd^ unb focial um einige ©tufen l^etuntetaubtüdten, 
feine eigenen SJlad^tmittel unb 6in fünfte abet au betmel^ten. 68 
mögen toot in bet Umgebung OttoS toitflidg betattige äBünfdge 
nad^ einet Slnnexion bet Äitd^engütet laut gemotben fein (SBinfel« 
mann 2, 295 9lnm. 1). 3« ^^^^^ ©pted^et mad^te pd^ einigetmagen 



3m Dienji bcs mclfifc^cn Katfcrs. 75 

au($ SBaltl^er, unb feine ©ptüd^e gegen ben toeltlidgen dletd^tl^um 
bet @eiftltd^Iett unb tl^te Untreue f5nnen gerabe^u auf ben ber»' 
fd^toenbetifd^en ^offanalet gemtinit fein. SDer Sid^ter toollte tool 
aud^ ben toirüid^ bon Otto gel^egten $Ian etneS S^ftemg neuer 
Sleid^Sfteuern, baS bte Sentrolgetoalt bt^ ßaiferS 5U ftftrfen geeignet 
toax (9Bin!elmann 2, 836) burd^ feine ))oetif($e Slgitation gegen 
bte Aird^engüter unterftü^en. 

@in tragtfd^eg Sefd^iä fd^etnt eg nun aBer getooUt ^n ^dbtn, 
hai Sßaltl^er bur($ bie ^eftig!eit feiner Singriffe ben SSerteumbungen 
ber t^einbe beg JtaiferS, bte er unfd^äbltd^ mad^en moKte, gerabe neue 
Unterlagen fd6uf. 3n Sfranlreid^ berbid^teten fie fid^ in ber Philippis 
beg föniglid^en «^iftortograpl^en WiUelmus Britto (l^erauSgegeBen Mon. 
Genn. Script. XXVI) ju einer ganzen Siebe beS ÄaiferS (Lib. X^ 
S. 566 ff.), toortn man biefen ben SSorfa^ auSfpred^en lie^, bem 
Slerug S^^nten, freilDiUige @aben ber Gläubigen unb @runbbefi^ 
fortnel^men su tooQen. S)arau3 ftellte bie ©egenpartei bann einen 
^rofaau^aug l^er unb fe^te biefen mit ber Unterfd^rift bed Aatfer^ 
tierfel^en unb baburd^ fd^einbar aur autl^entifd^en Urlunbe erl^oben 
ate aufreiaenbeS gflugblatt in stalten unb S)eutfd§lanb in Umtauf 
(beröffentlid^t bon SBinfelmann, Si^ungSber. ber SMünd^. Slfab. 
^^iD^ift. 61. 1876, ©. 666 ff.). 

äöaltl^er l^at für biefen ffampf im rebltd^ften 6ifer alfo felbft 
ben ®egnern SBaffen fd^mieben l^elfen. Unb baS ift, toie id^ nid^t 
jtoeifle, für fein toeitereS Serl^ältntfe au Otto berl^&ngntgboU 
getoorben. 

3n biefer 3^it, too SBaltl^erÄ politifd^e Bid^tung il^ren g^nitl^ 
erreid^t, gefialtet |td^ fein ftu^ereg geben am unfreunblic^ften. @r 
fül^lt fid§ je^t im SSoHbefi^ feiner l^ol^en Äunft, aber fein Sid^ter« 
ftota mu§ ba« Scfenntni^ ber Slrmutl^ ablegen (28, 2): auf bie 
Snabe fargenber «Ferren toar er angetoiefen unb au erniebrigenben 



76 Drittes Capitel. poHtifc^e Dichtung. 

aSittcn mugtc er ftd^ l^erablaffcn (28, 33). fjreilicä^ tjerior et oud^ 
ie^t nicä^t feinen |)umor: e8 idinqli il^m, fein im ©runbe ttaurigeS 
ätagantenleben mit feinen monnid^faltigen Snttäufd^ungen ^ur 
Unterlaje für toirffame ©d^erae ^u nel^men, bic bem Snteteffe feinet 
@önnet bienen unb l^alb auf feine jtoften gel^n. 

2[($ benle babei an ben biSl^er nid^t gebeuteten unb nid^t 
batitten traBilomifd^cn ©ptud^ öon bet betunglüdtten SBetoittl^unö 
im Älojiet ^egetnfee (104, 23). Sie auftlätung iibi eine 
bidl^et t)on ben äBaltl^erlennetn übeifel^ene Ut!unbe ol^ne Saturn, 
bie öon ^Pej (Thesaurus Anecdotorum Tom. VI, Cod. diplomat. 
pars 2, ©. 50, %t. LXXV) au8 einet Sejetnfeet ^anbfd^tifl 
l^etauSflcgeben , öon ben Origines Guelficae Tom. III, 820 toiebet» 
l^oU unb in bie S^it beS ^lütnberget ^oftagcg, b. 1^. in ben 2Jlai 
1212 tictlegt ifi, toetd^et Seftimmung aud^ Reg. imp. V, 138 
beipflid^ten. 2)atin befiel^lt ffaifet Otto einem Stufen Otto — 
nad^ ben Reg. imp. V, 5flt. 481 t)ieÜeid§t 'bon SJalai' — , bie 
2Jlönd6e bon Segetnfee toiebct in Sefi^ bet il^nen gctoaltfam mU 
aogenen SEBeinbetge bei So^en au fe^en, loäl^xenb bonn nad^l^et übet 
bie ettoaiflcn Slnfptüd^e an bicfelben entfd^iebcn luerben foDe. 3n 
bet botübetgel^enben SBBeinnotl^ beS gaftfteien ÄloftetS Segetnfee 
ftnbet bet @f tud^ bemnad^ feine fd^et^l^afte SJotauSfe^ung : SBaltl^et 
tt)itft fid§ aum Slntualt bet @efd^&bigten auf, inbem et ftngitt, bag 
bie TOönd^e il^n l^ätten aicl^en laffen muffen ol^ne einen guten 
Xtunf nad^ 2:ifd^, bto^ mit bem übtid^en |)anbti)affet aut Steinigung 
nad^ bet SRal^la^it. 

%tdöt immet tonnte SBalt^et fein unfiäteÄ ßeben fo lieben«« 
toütbig ironifiten toie in biefem ©ptud^. SBenn et ftd§ l^iet ob 
feinet SBunbetlid^Ieit betfpottet (bgt. 104, 26—28), bie il^n, bet 
fic^ felbft nid^t betftel^e, fo öiel a» ftemben geuten tteibe, fo lag 
bal^intet.Sittetteit genug. S)enn nid^t au8 blofeet „aBunbctlid^feit" 



Der UebetQarxQ 3um Staufcr. 77 

fud^te bet Sid^ter jottteäl^tenb ftembe Seute auf. St tonnte an 
^to8 $of nid^t fcften gfufe fajfcn unb aud& an anbetn .^öfen 
fanb et bamafö leine Heiftenbe Stätte, älfll^tenb Kingt bie Sitte 
nm ein $eim, bie bet Uml^etgetticBene , Slul^elofe an ben flaifct 
tid^tet, ba§ aud& et, fiatt pd^ immet aÖ j^Kttenet (Saft au füllten, 
enblid& einmal baÄ »el^ajen beÄ SBittl^eÄ jcnieBe (31, 23). Ctto 
gob x^m tool SJetfjJted^ungen, l^ielt jte abet nid^t (26, 23), öietteid^t 
meil et aSaltl^et migttaute teeren feinet ftfll^eten 93etbinbung mit 
bem ,&au))tfeinbe bed Aaiferg, bem Sanbgtafen ^etmann, gegen ben 
et t)et9eblid§ au gfelbe kg, DieQeid^t aug angebotnet $)dtte unb 
^tgl^eit, n)a]^tfd§einlid§et abet toeil beS Std^tetd $oIemiI gegen 
ben aieid^tl^um bet Äitdöe il^m Unbequemlid^Ieiten l^erbonief unb 
feinen Seinben au il^ten SSetldfietungen Jlal^tung gab. 

3n biefem 9lugenb(idE bet gtö^ten ^lot)^, ba bet Sid^tet getabeau 
t)ot bem Untetgang geftanben au ^abm fd^eint , ift il^m bon bet 
gegneiifd^en @eite Stettung gefommen. 6d gefd^a)^ im ^. 1213. 
aBaltl^et eutfd^Io^ fid&, bie $attei au toed^feln unb fottan 
gtiebtid§ H. au bienen. 

^ev ^eßergcmg pxm ^tanfex. 

3n einem (gebet an (Sott (26, 3) begtünbet et feinen «bfaß 
offen unb el^tlid§ mit einet att bemütl^igen Sto^eö gegen bie d&tift* 
Iid§en (Sebote unbebingtet 9läd^ftenliebe : wie solt ich den geminnen 
der mir tibele tuot? mir muoz der iemer lieber stn der mir ist 
guot. aus ben @d§tu|toorten unb auä 26,25 ff. möd^te man 
fd^üe^en, bie Äntegung au bem ^atteitoed^fcl fei öon gftiebtid§ 
ausgegangen. 

3)et König mod^te, als ein beted^nenbet ^olitilet, bet bie 
9Dflod§t bet öffentlid^en Meinung lannte unb au benu^en [ttebte, 
bie toeitl^in toitfenbe ©timme be8 aHbelannten ©ängctS füt .fid^ ge- 



78 Drittes CapiteL poIitifd?e Dichtung. 

toinnen tooHen unb ttciet benfenb atö Dtto, beflen Änaufcrn unb 
unfxeunbUd§e8 SBcfen bic Sritflenoffen t)iclfad& l^crtJotl^cBcn, aBaltl^er 
fofort 9luSftd§ten auf Selol^nung gemad^t ^aitn. äBaltl^et beutet 
<26, 27) an, ba§ gftiebtid^ fid^ über feine alten sprtiche gefreut 
l^abe b. %. bte Sprudle, tneld^e er einft im S)tenft ber ftauflfd^en 
Sad^e für feinen Ol^eim ^l^Uipp gefunden l^atte. 9lber toit lönnen 
mit SBal^rfd^einlid&Ieit annel^men, ba§ f5friebtid&, ber beutfd^eS SBefen, 
beutfd^e @prad^e unb S)id^tung auS eigener ^nfd^auung laum 
tannte, bon anberer Seite erft auf SBaltl^er unb feine politifd^e 
Sid^tung l^ingetoiefen toorben toar. Unb toenn nid^t aßeS 
täufd^t, ift e8 Sanbgraf ^ermann bon Sl^üringen getoefen, 
SBalt^erä alter ©önner, ber e8 t^at. 

jpermann toar feit 9lobcmber 1210 Don Otto aBgefatten, l^atte 
gegen feine |)eerfü]^rer unb il^n felbft mit toed^felnbem grfolge ju 
Selbe gelegen unb ßpipl^aniaä 1213 auf bem ^oftag au Sfranifurt 
offen bem am 5. SecemBer 1212 getoäl^Iten, am 9. S)ecem6er 1212 
geltönten fjriebrid^ gel^ulbigt. S)em ßanbgrafen l^atte SBaltl^er Iura 
öor^er, im Sommer 1212, burd§ eine gürbittc, bic er au feinen 
(Sunften bei flaifer Otto einlegte (105, 13), einen Dienft ertoiefen, 
al8 feine Hoffnung, für feine ©prüd^e au ®unfien ber faiferlid^en 
jpoUtil burd^ Vermittlung beS 9Jlei|nifd&en 9War!grafen ®ietrid§ 
bon Ctto burd§ 9lufnal^me in bauernben S)ienfl unb Selel^nung 
bclol^nt au toerben , abrönnen mar, unb er fid^ genötl^igt fal^, alte 
SSerbinbungen toieber anaulnüpfen. 

auf bem granifurter «&oftag öom SJlära 1212 l^atte SBaltl^er 
fid& bem flaifer gegenüber für S)ietrid^g Sreue Oerbürgt. Otto 
]§otte bem Warfgrafen in ber %f^ai SSertrauen gefd^enlt unb am 
20. Wdra 1212 mit il^m eine Sonbention abgefd^loffen , toorin 
unter ber äJerpflid&tung beg Seiftanbeö gegen ben abtrünnigen Sanb- 
grafen $)ermann unb ^5nig Ottolar bon Söl^men S)iettid§ bie 



Der Hcbergang 3um Staufer. 79 

Sufage ettl^eUt toirb, ba§ ]m 3flcffe aBtatiölato, bcx ältcfte ©ol^n 
Ottolarg unb feiner öerfiofeenen etften (Semal^lin, bei meifenifd^cn 
Slbela, bad flöniBrcid^ Söl^men au Sel^n erl^alten foHe (SBinlelmann 
2, 300). Siefen »ertrag ]§at SBalt^er, toie id^ nic^t atocifle, im 
aiufle, toenn er balb mä^fftx 105, 27 ff. (Der Mtssenaere solde) 
aürnenb bem aJlarfgrafen fein Sob Dorl^ölt unb bafür ffiani forbert. 
®ie ^^perftel (106, 7), er l^ätte il^m bie Ärone eningen lönnen 
burd^ feine ^«Rebe, »enn er getooUt %&üt, entpUt fc^n)erl{d§ gel^eime 
9lnf))r&d^e Sietrid^d auf bie beutfd^e Aönigdtrone (SBilmannd, Seben 
@. 76), fonbern bejiel^t ftd§ auf bie böl^mifd^e ßrone, toie fd^on 
Sad^mann (au 11, 6. 12, 3) erlannte. SBalt^er l^atte al8 ßntgelt 
für fein Soft öor bem Äönig feinerfcitS 2ob beg SWarlgrafen Verlangt 
(105 , 33). 9tid^t ol^nc SBal^rfd^einlid^Ieit er!lärte aJlenael (Seben 
äBaltl^erg @. 194), unter bem Sobe fei ^üi]pxaä^e beim Aaifer 
au Derfiel^n. Sie 9tad§e, toeld^e er bem SRarlgrafen toegen feiner 
Unbanlbarleit anbrol^t, nal^m er aber tool^l balb banad§ in ber 
gfftrbitte au @unften be§ Sanbgrafen ^ermann t)on £^üringen 
(105, 13): ]§ier toirb .^ermannä offener 2lbfaH bei feigen berfiedtteu 
l^alben Untreue Oorgeaogen, bie nad^ beiben Seiten (Sibe fd^toört 
unb bie t)errät]^erifd^en @enoffen nad^l^er angibt. S)ag ift eine @))i$e 
gegen ben |)eraog ßubtoig bon Saiern, ber am 20. Wära 1212 Otto 
auf^d neue Zreue gefd^tooren l^atte unb au 3lnfang beg S)ecember 
fd^on au Sricbrtd§ übergegangen toar (SOBinlelmonn 2, ©. 333) 
unb gegen $)eraog Seopolb t)on Oefterreid^, ber gleid^ Subtoig im 
September 1211 auf ber Mrnberger fjürftenbcrfammlung bie 2oS« 
fagung bon Otto proclamirt, unter Berufung auf ben früher ge« 
leifteten (Sib Sfriebrid^ aum ffönig getoäl^U unb burd^ gcl^eime Sot« 
fd§aft nad§ SDeutfd^lanb gerufen l^atte, bann im Slpril 1212 aber 
bod^ au Otto übertrot, um fd&on am 2. Sfebruar 1213 toieber au 
giegenSburg gfriebrid^ au ^ulbigen (Suritfd^ ©. 416 f. 423 f.). Se- 



80 Drittes Capttel. poIittfd)c Dtdytnng. 

fonbetö eine ©Jji^e aBer aud§ a^Qcn SDictrid^ Don SOleifeen, bei mit 
ber S^eifd^tDötung bed ^al^ted 1211 eine Qeit lang {^ni))at]^tftxt, 
bann ftd§ Don il§r surüdge^ogen unb bem JSaifer (Sibe geleiftet 
l^atte. 3m fjrül^ting etful^x man in Sl^ürinjen, bafe bei Äaifet 
ein $)eet fammle, um ben Sanbgtajen au güd^tigen. SJexl^anblungen 
mit ben einzelnen gfütficn öet^bfletten bie ^eetfal^rt biÄ in ben 
3uli. Unmittelbar öot ber Slujnal^me bet gf^^^bfeligleiten mclbcte 
il^m aBolfget Don Stquileja, ba§ fSf^iebrid^ jeit bem 1. 9Jlai 
in @enua mar. 6S beftanb alfo bie @efal^r, ba^ er nac^ Seut« 
fd^tanb aufbred^en lonnte. Um bie fd^wantenbcn anl^änjer beS 
ftaufifd^en ©aufcä ju feffcin, ßob gßolfger ben Statl^, Ctto folle 
$^Uit)pd Soc^ter Seatri^c l^eiratl^en. Sie 9}ermä]^Iung marb aud^ 
mirflid^ fogleid^ mitten toäl^renb beg Ariegd in 9lorb]^aufen DoU» 
}ogen, tDäl^renb bie Belagerung t)on SCBei|enfee im ®ange mar. 

äSoIfger fd^eint aber au(| nod§ einen ^meiten 9lat]§ in feiner 
mol^lmeinenben Serföl^nlid^feit ertl^eilt ^n l^aben: bem Sanbgtafen 
|) ermann bie ^anb aum fjrieben ju bieten. SBenigftenä erllärt 
Otto in feinem Srief an SBoIfger öom 30. 3uli (Regesta imperii 
V, ®. 140), ber bie äJermäl^lung anzeigt, er l^offe, SBei^cnfee batb 
au erobern unb bellte ben Soten gBoIfgcr«, SRagifter SaurcntiuS, 
aurüd, um burd^ il^n gleid^ ein etteaiged Slblommen mit bem 
Sanbgrafen au melben. Otto moHte ben trieben eratoingen, SDietrid^ 
Don 5Kci§en trieb eine atoeibeutige SSermittelungS^JoIitil , inbem er 
bie Uebergabe ber belagerten ©tabt unter Sebingungen l^erbeifül^rte, 
bie bem Sanbgrafen unannel^mbar toaren, fobafe bie Sefa^ung, Don 
ii^rem fSfütften ^\xm SBiberftanb ermuntert, noc^ nad& ber Sapitu» 
tation öom @d§lo§ aud jtd& tajjfer toel^rte. SDamate, öieHeid&t 
mäl^renb ber ^od^a«t8feftlid§!cit (22. 3uti), ate ber fSfatt Don 
aDBcifeenfce ertoartet tourbe, fut^tc aSalt^er, getoife im ©inne 2Bolfger8, 



Der Ucbergang 3uni Staufer. 81 

t)icttei(%t butd§ il^n batin fteftätlt, ©timmunfl au mad^cn für eine 
ööKiflc auÄföl^nunj, bei ber bem ßanbgtafen SScraeil^ung ßetoäl^rt 
toetbcn foKte. ffiamate fang et 105, 13 Nu sol der keiser h^re 
ftirbrechen dur sin ^re des lantgräven missetät. S)er 3latl§ toat 
]§uman unb et roat ))oIitif(%, ben et bem Aaifet im Slugenblic! bed 
aSBaffenetfoIgeö (ballet keiser h^re) gab. Slut butt^ mcitgel^enbeS 
ftntgegenfommen mot |)etmann p getoinnen unb nut burd§ ben 
fofottigen Uebettritt biefeS ^äl^cften unb gefäl^tliciöften ©egnetS toat 
bem Sieget felbft genügt. S)amald alfo ttug SBaltl^et feine S3itte 
öot im (Sefül^I, fotool beö flaifetS atö feine« (SönnetS, beS Sanb» 
gtafen^ Snteteffe ^u bienen, unb geteiat übet bie bamate eben 
au Soge ttetenbe S)ol)petaüngigfeit SDiettid^g, bet gegen ben 2BiHen 
feines ©d^toiegetbatetS l^albe 9Ka|tegeIn unb einen gefliiten gftieben 
]§etbeiaufül^ten fud^te. — ©d^metlid^ bagegen batf man mit fSiiU 
mannö (geben @. 79. 77) bei bem ®pxnä^ (105, 13) noc^ an bie 
3cit beä gtanlfurtet aieic^StageÄ (TOäta 1212) benfen, toobutd^ bet 
9ludfaU gegen S)iettid§ unmittelbat leintet ben Sobf))tud^ a^ feinen 
g^ten (12, 3) getüdtt mütbe. 

®eftud§tet ]§at äBaltl^etd SSemül^ung füt ben Sanbgtafen nid^tS, 
benn Otto tie§ pd^ awt 9JliIbe nid^t beftimmen unb Jöanbgtaf 
^etmann moHte eine Untettoetfung auf ®nabe unb Ungnabe nid§t 
annei^men. @o tt)utbe bad tl^ütingifd^e Sanb fd^onungdlo« t^eti^eett, 
bet gelbaug, ol§ne ßtfolg , f ottgefe^t unb im näd^ften Salute ol^ne 
(SlfldE etneuett. SEBit etfal^ten nid^t, ba^ äBalt^et nod^ je in ein 
]§etatid^e8 Setl^ältniB a« Otto gefommcn ift: aI8 aud^ fein leiben« 
fd^aftlid^et Äamjjf gegen ben Cpfetfiodt, toie oben (©. 70 f.) an- 
genommen toatb aum Sl^eil butd§ feine eigene @d^ulb , unbelol^nt 
blieb, fanb et toal^rfd^einlid^ butd^ Sanbgtaf .^etmann ben äßeg in 
hüi Söget beS ©egenfönigS. S)et 21§ütinget mod^te bie klugen beö 

Surbaci^, ffialt^cr oon bcr SSogelwelbe. 6 



82 Drittes Capitel. polittfc^e Dtd?tung. 



junflen ©taufet» auf bcn alten SSetfed^tet ber fiaufifd&cn 9letd^8« 
Dolitif flelcnlt unb babutd& p(^ für äöalt^er'g gütbitte im Sfal^re 
1212 erlenntlidö fleaeißt l^aben. 

^tenptmanw S^önxq §frte6rtc^0. 

Dl^ne eine Snitiatibe beS Äöniö8 felbjl ober eine» SJcf 
mittler^ toürbe ©Jjtud^ 26, 23 Ich wolt hern Otten mute nach 
der lenge mezzen ate S^btingtid^teit unb ber @pa| bon 26, 33 ff. 
pIuuH) etfd&einen. gftiebrid& öetliel^ bem Sid^tet fteilid§ junäd^fi, 
toie e8 fd^eint, nur imaginäre ginlünfte, über bie ber ©prud^ 27, 
7 ff. (Der künec min h^rre l§ch) nid^t gana öerftänblid^ toi^elt. 
auf bem gfranifurter Steid^gtag beS Sal^reS 1220 l^at aSaltl^er bann 
Sfriebrid^d ^olitil burd^ einen fd^er^l^aften @))rud§ tnirtfam unter- 
ftü^t unb hierin fein bi^jlomatifd&eg WeifterftüdE geleiflet (29, 15 
Ir fürsten, die des ktineges gerne waeren äue). 

6» wax bamalg ber längft latente @egenfa^ a^if<^^n ^^^ ttxxito-- 
rialen Spolitil ber Surften unb ber $oIitiI be» flönigS in bem SSet- 
l^ältni^ au ben @täbten l^erDorgetreten. äBieberl^olt toerben (Snt* 
fd^eibungen bed ff5nig§ au @unften Don @täbten nad^l^et burd§ 
fürfiüc^en Med^tSfprud^ wieber rüdtgängig gemad^t (SOBinlelmann, 
Äaifer gfriebrid^ 1, 61 f.). S)ie fjürften mußten alfo ben mit feinen 
3ntereffen in Stalten teuraelnben ßönig im @runbe gana gern über 
bie Sllpen unb nad^ $alä[tina aie^en feigen, äßenn nun äßaltl^er 
ironifd^ il^nen aurief : ,;fud^t bod^, ba§ il^r il^n lo8 toerbet! tl^ut il^m 
ben SBiUen unb frönt feinen Soi^n (ber als llnmünbiger eud^ menig 
ftören toirb), bamit er feine gal^rt antreten fann", fo trof er bie 
gel^eimen SBünfd^e ber dürften ol^ne gfrage toirllid^. Unb inbem 
er ben 2BiIlen beä ffönigg unb fein 3ntereffe an ber SBal^l gana 
aufeer ©Jjiel liefe, ja bie SBal^t fogar aU einen 9lct fürfilid^en 
StrebenS nad§ territorialer ©elbftdnbigleit unb Sd^toäd^ung ber 



Dienjimann König Jriebric^s. 83 



fömglidöen (Sctoalt l^infieKte, tarn et bcm politifd&cn Äunftgtiff 
griebttd§8 II. entBegcn, ben aBinlelmann (Äaifcr griebtid^ II. 1, 
42) unb bie Kegesta imperii (V, 5lr. 1143) genugfam Karjiellcn. 
griebri(i& füllte in feinem 5tÜTnberger »rief an ben $apft Dom 
13. 3uli 1220 bie giction bur(%, bie SBaf^l feineg ©ol^neS fei 
ol^ne fein aSKffen in feinet abtocfenl^eit lebiglid^ butdö ben (Sntfd§lu§ 
bet gütften etfolgt unb et l^abe il^t fogat toibetfptod^en, 

Söaltl^et et^ält bon gftiebtid^ jum ßol^n füt feine S)ienfte toitllid^ 
ein Selben, bieHeid^t ate S)anl füt bie gefd&itfte Sltt, wie et gftie- 
btid§$ Siedinggwunfdg gefötbett ^atte, alfo 1220 nadg bet Säaf^l 
^eintid^g (23. gi^Jt« 1220, f. Reg. imp. 9lt. 1112 a) futj bot 
gtiebtid^ä »bgang nad& Italien. Subelnb banit SBaUl^et bafüt 
unb toenn feine SSitte tül^tte : lät iuch erbarmen daz man mich bl 
richer kunst lät alsus armen (28, 1), tocnn eä an baö $et5 gtiff, il^n, 
bet übet be$ SebenS $51^e fd^on ^inauS tpat, fo befd^eiben um ein 
»atmcS SpW^d^en flel^en au l^öten, fo tteibt biefct SluSbtud^ linb« 
lid^et S)anfbat!eit unb übetfd^menglid^en @lütf«gefül§te auö bet 
©ccte beS gto|en unb tcinen SKenfd^en bie Sl^tönen in bie äugen. 
5flun »at bie 3«* beä glenbö botübet, gottan befa| audö et ein 
eigned $aud unb Suft unb äöätme. ^e^t füllte et fid^ unb feinen 
Sang wiebet tein. (St, bet bon ben 9lad^batu wie ein ©d^tedtbiib 
angefel^en wotben Wat, l^atte miebet bie gftö^Iid^Ieit unb bag 
3uttauen ^n ben 2Jlenfd^en gewonnen (29, 3. 28, 37). S)en 
ÄuÄbtudE einet faft übetmütl^igen ©timmung btingt baS metfwütbige 
(Sebid^t 78, 24 (Der anegenge nie gewan), wotin — nad& pto« 
tefiantifd^en Gegriffen anftö|ig — bie btei Strenget ob il^tet Un* 
tl^&tigfeit gegen bie |)eiben abgelanaelt unb mit betftedttet Se^iel^ung 
auf bie fJtiebtid^S Jpolitifd^en Spiänen wibetfttebenben Sfütften, 
t)ietteid§t aud^ auf bie fird^Iid^en fttcife btingenb betma^nt Wetben, 
enblid^ il^te Sd^ulbigfeit au tl^un. Wan glaubt etwas bon bet 



84 Drittes Copitel. poUttfc^c Did?t!unft. 



gfteiactfiexci unb 3rome bc8 Äaifcrö, bem bcfanntl^ baS SBott 
öon bcn btei gtolcn Sctxüaern SRofcS, ßl^tiftuä unb 9Wul§ameb 
auflefd&ticben toutbc, in bicfcn ©d^ctjen au l^ötcn. SBarctt jte auf 
bte Umgebung bed @iafen Sietl^et t)on Aa^emtUenbogen 
(t 1245), eines SBafatten ber aDBüraburaer Hxxä^t, augcfd^nittcn, fei 
ed auf beffen eigenen $of ober auf SBüraburger 9ifd§öfe, in benen 
Stetiger ettoa antoefenb toat? S)a| im felben Son ©Jjtttd^e an 
ben SSognet gerichtet ftnb (80, 27. 35), fönnte eS nal^elegen, ol^ne 
ed au betueifen. SBilmannS (8eben @. 142) Inüpft baS (Sebidgt 
an ben gtanlfurtcr Scid^Ätag (Slptil 1220) an, wofür aud§ mand^eS 
fpric^t. SebcgfaKg l^at SSali^tx, beffen tiefe aieflgiofität fo öiete 
getflli(|e unb toettü(%e ©JJtüd^e öetlünben, l^ier ber leidsten, l^art 
an baS gtibole fttcifenben SBeife feinen Iribut enttid^tet, in bex 
bie @oliatben, feine SSotgänger unb ®enoffen,.foId§e S^emata an* 
faxten unb bie man nid^t mit mobernen Singen anfeilen barf. 

2)ag Selben, meld^eS äBaltl^et bon ^aifet fSftiebiid^ empfing, 
t)etlegt man ie^t getoöl^nlid^ nad^ äBütabutg unb ibentiflcirt eS 
mit bei boxt 1323 nad^getoiefenen curia dicta zu der Fogilweide 
im ©anbe (Cbertl^ür S. 30; aieui SB. b. 35.. aOBürab. 1843, @. 
7, 9lnm. 5). SJieHeid^t tl^ut man abet beffer erfl eine nod^malige 
gSetel^nung, für bie 84, 30 banlt, mit jenem Söütaburger $of in 
gSerbinbung au bringen (SBilmanng, geben @. 120). 3ebe8fall8 
befud^te er aud^ nad^ 1220 nod§ Oteid^gtage: am 23.3uli 1224 ben 
^Tlütnberger ©oftag (84, 14). gr fül&It pd^ frcilid^ je^t etl^aben 
übet baS befi^Iofe fal&tcnbe »o« unb fteHt fid^ ben auf ®aben 
Slngctoiefenen ftota entgegen (84, 18). SSorbci maren je^t bie Sage, 
too et boese (gciaige) herren aufleimte (28, 33). 3e^t butfte et 
fid^ bott au ben hovewerden ted^nen (80, 34), l^erabbtidEen ouf 
bie ^ungetteibet, bie Wufifanten (snarrenzaere), unb bie Milte bet 
gfürften Jjteifen, ol^ne fie am eignen Seibe erptoben au muffen 



Dienftmann König Jrtebrid?s. 85 

(80, 27). 3c|t fd^eint et, ol^nc au bitten, (Scfd^enle, nid^t tote 
jte fjfal^renbe begel^ten, ©etoänbet unb betßlcic^en, fonbern einen 
f oftbaten Siamantting, ben ©d^mud tDol^lfituittet Seute p ent* 
pfangen (80, 35). äud^ l^iet nod& bie angclegentlld^e Scmül^ung 
um ®unft unb @aben bed (Stafen , toeld^e füt aSebütftigleit ff tid^t, 
l^etauSauIefen, toie ^aul (äuSgabe @. 11) tl^ut, etfd^eint ge^toungen. 

3nimet tarn et abet nod^ im Sanbe toeit l^etum, immet blieb 
et in befd^eibenen SJetl^dltniffen. ^mtx ©Jjtud^ auf ben Slütnbetget 
^oftag toatb offenbat Dot öflevteid^ifd^en «^ötetn, mDglid^ettoeife 
fogat in bet ^eimatl^ Defletteid^ felbft öotgettagen, unb aud^ nad§ 
Xl^ütingen bauetten feine SSetbinbungen fott , toie eine äöarnung 
an ben jungen Sanbgtafen Submig, ben 9lad^foIget feine« einfügen 
®önnet8 ^etmann, acigt (85, 17). 

iBefonberS nal^ aber ttat et bem (Stabtfd^of @ngelbett Don 
St bin, ben gftiebtid^ toäl^ienb feinet Slbtoefenl^eit t)on Seutfd^lanb 
aum SSotmunb feined Sol^ned unb aum 9leid^ftattl^altet eingefe^t 
l^atte. 6t tDUtbe ä&attl^et, toa^ il^m einjt SBoIfget Don $affau 
(t 1218) getoefen toat. (gt tül^mt il^n, bet ben Sanbftieben mit 
eifetnet Sttenge unb f einlid^et (Setedbtigfeit butd^fttl^tte ate 3Reifiet 
bet gütften, ate getoiffenl^aften pfleget beg jungen ÄönigÄ (85, 
1 ff») 3n feinem Sufttag unb mit feinet |)ilfe miH et ein 
nngehazzet liet zesamene briogen 84, 29 : bet SluSbtudE f))ielt tool^t 
an auf bie (Snttüftung, toeld^e Sl^omafin Don 3i^clatia im äßelfd^en 
Saft unb beffen ©cfinnungSgenoffen übet SBaltl^et« füt Otto gebid&tete 
^apftfptüd^e geäu^ett Ratten, gfüt SBalt^etS Selbftgefül^I ift biefe 
äßenbung d^ataltetiftif d^ : et fielet fid^ aU ben gleid^gefieUten SRit« 
tdmpfet (Sngelbettd an. aSilmann« glaubte bie« geplante Sieb im 
Äteualieb 14, 38 Allererst lebe ich mir werde entbedten au bütfen 
unb fe^t bieg banad^ ind Sal^t 1224. Slllein ed etfd^eint unbenibat, 
bag bebot toenigfteng ein Sl^eil beg .^eeted bie Ateuafal^tt angetteten 



86 Drittes (Lapiicl polttifc^e Did?lung. 

l^atte, äßaltl^er tote aud eigener Slnfd^auung Ü6et bad ]§ei(ige Sanb 
foQte getebet l^aften. 

9lad&bem ©tegor IX. am 29. ©eptemiet 1227 übet Äaifer 
gfriebtid§ tocgen bcr abermaligen SSetfd^icbung beS toieberl^olt ge= 
lobten unb immer toieber bettagten ffreussugS ben Sann aus* 
geft)to($en unb bamit feine oft lunbgegebene 2)ro]^ung nun enbli(% 
bertoitllid^t l^atte, ttat SBaltl^et toiebet leb^t in bem SDienfl bet 
faifetüd^en ^oUtil l^etbot. gfttebti(ft betrieb nun, obtool gebannt, 
uiit gtö^tem (Sifet bie Äteuafal^tt, um fo altet SBelt ju betoeifen, 
toie ungered^t bie Dom jpapfl erl^obene Slnllage fei, ba§ ei nut 
nad§ SJottuftnben gefud^t l^abe, bad Untetnel^men bon ftd^ ^n tuäl^en. 
Sutl^entifd^e unb untetgefd^obene @d^teiben fud^ten bamafö feine 
®aä^t au bettl^eibigen unb ben ^apft au tt)ibeTlegen. 9lut^ ä&altl^et'S 
S)id§tung betoegt fid^ gana in biefen ©ebanlen, brel^t fid§ eine 3rit 
lang nut um ben ^teuaaug. 

Sieben ©ttopl^en in a^ei üerfd^iebenen 3!önen (13, 5; 124, 1) 
fjjted^en in ergreifenbcr Stauet au8, toie biefer neue S^^^fPoW 
atoifd^en ffaifet unb Sutie bie ©emütl^er attet ^attioten etfd§üttette. 
3um btitten 5KaI tuft SBaltl^et feinen guten fttau8net auf (10, 
33), ben S^JJuS bet nationalgcfinnten , teid^S* unb loifettteuen 
(SeifHid^Ieit, bet rechten pfaffen (10, 22). Sllleg gfefte fd^ien il^m 
au toanfen (13, 12); et fül^Ite in bet Suft ben Stirem be8 naiven« 
ben futd^tbaten ©tutmeg, bet alleS batniebettei^en unb nad§ oft 
toiebetl^otten ^tojjl^eaeil^ungen (3atnd£e, Sitetat. genttalbl. 1869, @. 
679, SöilmannÄ a^r Stelle) bem jüngften ©erid^t borangei^en foHte. 
S)er ^udbrudE fd^toebt babei fo eigentpmlid^ a^ifd^en @egentoait 
unb 3wlunft, bag Sad&mannS meifi nad^gefprod&ene Seaiel^ung auf 
ben l^iftorifd^ beaeugten ©türm bc8 Secember 1227 ber boHen 
©id&erl^eit entbel^rt. 3)er ©inn beS SilbeS ift !tat: nü suln wir 
fliehen hin ze gotes grabe. 



Dicnftmann König Jnebric^s. 87 

3[n tangl^aUcnbcn, fd&merali(% flaBctibcn Slccotben cntl^üttt bc8 
altcrnben S)td§tcx8 toel^mütl^igflet (Sefang, auf bem bic SBcll^c bed 
©tetbcn« ließt, ticfftnnig ben gcl^eitncn ©d^mera bc8 nienfd§Iic^cn 
DafcinÄ (124, 1): öergeblid^, öcrgängliciö aßcä irbifd^c Söhfen beä 
(Sinaelnen, nidgtS alS eitel Stttd« unb S3(enbmerl; bog Seben toie 
ein Staunt, wie ein langer ®d^Iaf, auS bem man plö^lic^ ettoad^t 
unb ftc^ nun nid^t aured^tflnbet. S^ebem ernft angelegten Wenfd^en 
exfd^eint biefet öemtd^tenbe Slugenblitf, ba bie Sßufionen afttinnen, 
bo bie Sbeate, bie fo lange täufcftenb lodten, in unerteid^batet 
gfetne toie ^Jlebet betfdötoinben, ba bie ^üUe bot ben ^ugen faßt, 
ba man auffd^tedtt au» Hoffnung unb Siebe unb bie glänaenbe 
fatbigc SBelt il^ren innern ftuftem Äetn, bie näd^tigen liefen beS 
SobeS aufbedt. 9lun lommt ber ffiic^tet jtd6 ftemb, nid^tig, »er» 
faffen, unberftanben öot: ringS um il^n l^afien bie 3Jlenfd^cn fort 
in il^rer ®um^f]^ett, fie begreifen nid^t toag il^n erfd^üttert, ber in 
bie tragifd^en 9lbgrünbe beS menfd^lid^en Sebend toie ein ©el^er, toie 
St^imenibeS l^ineinblidEt unb t)on bem ©d^auer irbifd^er S3ebürftig!eit 
gefd^üttelt toirb. 9ladö oben rid^tet er, aU mittelalterlid^er Wenfd^, 
ate gl^rifl baS Slntli^, mübe tjon geben unb ffiampf ; auftodrtÄ lenft 
er bie äugen ber ©örer. Unb aw i^m bringen l^immlifd^e $at» 
monien beS SrofteS. ^u8 ben ©p^ten feiiger SSoEfommenl^eit 
ertönt il^m bie ©etoi^l^eit ber ßrlöfung : bie Slufopf erung im S)ienfte 
beg ÄreuaaugS fann bie etoige flrone getoinnen. 

SBann bie beiben eigentlid^en Äreualieber 14, 38 unb 
7e, 22 entftanben finb, lä^t fic^ nid^t fid&er angeben. S)a8 le^tere, 
für ben 3ug ber Äreuafal^rer ate Sl^orgefang beftimmt, fönnte fd^on 
bei bem erften Sufbruc^ aum ffireuaaug gfriebrid^ö (3uni 1227) ge« 
bid^tet fein, an bem unter anberm Sanbgraf SubtDig oon £Mringen 
mit einem ftattlid&en (Befolge Sl^eil nal^m (aSinlelmann , flaifer 
gfriebrid^ II. 1, ©. 326 f.). ®er ftaifer felbft trat bann mit bem 



88 Drittes (Eapitel. poIttifd?c Dtd?tuug. 



^aupiffetx bie %at^xi im Sommer 1228 att. Sagesrn fnüpft baS 
Sieb ®. gBoIftam (Seitfd^r. f. b. SKtert)^. 30, 126 ff.) an bie 
(Snc^clica beS $a)){led ^onotiud III. bom S)ecembet 1216 unb 
öerlcgt c8 bemnad^ in bcn etfien X^til beS Sol^teÄ 1217, bot ben 
^ufbrud^ ber fübbeutfd^en Zl^eilnei^met , p benen aud^ <&eraog 
Seo))o(b bon Oefletieid^ gel^ötte. S)ad Sieb 14, 38 unterliegt in 
ääepg auf bie Slealität feinet ^nl^altd berfd^iebener Seurtl^eilung. 
2(ft eS wirllid^ ber «^er^endaudbrudE ber Sm))flnbungen auf l^eiliger 
@rbe, gebid^tet beim erften 9ln6UdE ber erfel^nten @tötte, mag mir 
perfönlid^ am glaubl^afteften erfd^eint unb tooffir eine rid^tige 
Seutung ber (Slegie mand^ed geltenb mad§t, nal^m ä&altl^er alfo 
toirllid^ am j^reuü^ug %^zxl, fo lonnte er bereits im Sommer 1229 
mieber nad^ S)eutfd^Ianb l^eimgelel^tt fein. 

SBeldöe Sejiel^unß SBaltl^er au griebrid^S ©ol^n, bcm] jungen 
Äönifl ,&einrid^ befafe, Iä|t ftd^ nid^t in« Steine bringen. Son 
ber unmögtid^cn annal^mc, er fei il^m aum Sraiel^er beigegeben 
ttorben, bie man burd^ ben Sfrud^ t)om ungeratl^nen eigenwilligen 
Äinbe (101, 23) begrünben tooHte, ift natürtid& oBaufel^en. S)er 
äSarnung t)or übereilter Siebe (102, 1 ff.) lönnte beS t^ier^ei^nidl^rigen 
^einiid^S bor^eitige &^e mit ber fünfunbatoanaigiäl^rigen Wargaretl^e 
bon Oefterreid^ borfd^meben. @egen (Sngelbertd Sbftd^ten, ber 
anbere S^ermd^IungS))löne gel^egt l^atte, 1225 unter bem b5feu S3or« 
aeid^en feiner grmorbung gefd^loffen, fül^rte biefe 9}erbinbung balb 
aum S^eifud^ ber Trennung (äSinfelmann, Aaifer griebrid^ 1, 460. 
462 änm. 2, 463; 3utitfd&, @cfd&. ber »obenberger , ©. 490. 
526). S)er ©prud^ 102, 15 ff., meld^er über SRiferegierung 
unerfahrener Sleid^er flagt, fann bie Slnmafeungen ber 9KinifierioIen 
unter ßönig ^einrid^ im ©inn l^aben unb beeinflußt fein burd§ 
ben 93erbru| über beS AönigS 3^^^ürfni| mit feinem ©d^loieger« 
bater Seot^olb unb bem ^eraog Submig bon Saicrn (SBeil^nad^ten 



Sittliche £ebcnsanfd?auung. 89 

1228, f. äöinteltnann, Äai|cr gtiebtidö 1, 517 ff.). Sie äöal^rfd^cin* 
lid^Ieit fptid^t bafür, bag biefe Sptüd^e jene äSetl^ältniffe betäl^Ten. 
S)od^ mu| man bad selbwahsen kint (101, 23) aundd^ft aUegorifd^ 
auf aUgcmeinc 3wft&nbe beuten: nicj^t a^ar mit $. aDBaltl^er 
((Sermania 30, 310 ff.) auf bic SuQcnb, fonbern auf bic l^öfifc^e 
(Befettfc^aft unb ^öflfd^e Äunft, mic fxt fid§ unter ber £]§eilna]§me 
bex iungen @enetation, indbefonbete tool^l bed iungen Jtönig «^ein« 
xid§ enttoitfelt l^attc. — Slnbcrc äl^nüd^e gxeiöntffe ber S^it «" 
lauben feine fo gute Slnlnüpfung : bie (Smpörung bed öfterreic^if ($en 
grinsen $)etnrid§ gegen feinen 93ater Seopolb (1227), au ber il^n 
bie Sinßüfterungen rän!efä($tiger ^lRenf($en betoogen l^atten Ouritfd^ 
@. 493), bic S3erfto|ung ber (Semal^Iin be8 Jßrinaen gfriebrid§ öon 
Ceflcneid§, ©ojjl^ia (1229, f. Sfurttf* @. 507). 



Sierteö ßapitel. 

sieben ber foUtifd^en Sichtung SBalt^erd fte^t feine gno« 
mifd^e an ©lana unb Steid^tl^um etma^auxüti. @ie öffnet und am 
unmittelbarfien ben dinUxä in feine ftttli($'religiöfe äßeltanfd^auung. 
äud^ in il^r offenbort fic^ feine l^errlid^e ^erf önlid^Ieit , bie bolle 
@r5|e feiner poetifd^en Araft. Senn aud^ biefe Sel^rbid^tung ift 
butd^aud ©elegenl^eitdbid^tung im l^öl^eren Sinne, $oefie bed per« 
fönlid^en Sriebniffed, ber perfönltd^en (Srfal^rung, @timmungd6i(b. 
9lid^t abfhacte äQetdl^eit, nid§t tal^le fd^attenl^afte Zl^eorie. ^ud^ 
^itr quiQt unb mdd^ft aUeS aud feinem bemegten ^eraen, au9 
feinem lebhaften Temperament, feinem natflrlid^en SSi^, feiner regen 



90 Diertcs Capitel. 



Seobad^tunfl, feiner toatmcn 5Jlcnfd^Iid^!cit. Slur aum Sl^eil fteitic^ 
ftnb tPtt im @tanbe, bad t)et{5nli($e unb ^eitgefd^id^tlid^e, baS mo» 
mentane (Stement biefer bibaftifd^en @t)tfid§e gana l^etaudgufül^ten, 
nod^ fettenet !önnen tDtt eS 6efttmmt nad^toeifen. 

SDic tiefen Sftaflen nad§ bet Wöölid&feit fittH(%en ßebenS ^aBen 
äßaltl^er nid^t tul^en laffen. Sex Sefi^, bog guot, fd^ien il^nt bie 
CueHe aHeÄ Ueftete. S)ie (Sl^te Bei ben ^Jtenfd^en foHte jebem 
l^öl^er fielen, unb übet aUent @otted ^ulb. 3)tefe btei SSegtiffe fielet 
er öor fid^ toie btei 5!Jläd&te in unöerf öl^nlid^em , immer erneutem 
flampf, unb bie etfd^ütternbe Sragil be8 men|d^tid§en SebenS er« 
fennt er in biefem nie enbenben Stingen (bjl. 8, 20. 20, 20 ff. 
22, 25 ff. 31, 15 ff.). 3n ber IrieflSetfüHten Seit fielet er jtd& 
tjon ben ©d^tedten ber ©etoaütl^ätialeit unb ber Safier toie bon 
aGBeflelagerern umgeben (26, 13). S)er arme ©d^elm, ber fo tange 
bergeblid§ felbft auf ein ©tüdd^en Seft^ aum 9lu8ru^en l^offte, 
l^atte ber ^loi^ ber 3ßit. i^er ,g)abgier unb bem 6goi?mu8 ber 
flönige unb Surften, ber Äird^e, beS äbelS auf ben @runb gefeiten, 
toenn er, feine äöelttoanberung überblidEenb aornig auffd^reit: s6 
w§ dir guot ! du enbist niht guot : du habst dich an die schände 
ein teil ze sere (31, 21). Unb mit Stola fonbert er fid^ tjon ber 
großen 3Jlenge, bie Sefi^ ertoirbt ol^ne nad^ bem SBie au fragen. 

Sejlftnbigleit unb redete« 3na% bag ftnb bie ftttlid^en 3beale, 
toeld^e SBaltl&er ouffleüt. 9lid&t Sd&önl^eit lobt ben TOann, meint 
er, toorauS ©d^önbad^ (Scben®. 169) tool^t ettoag boreilig fd^lie|t, 
er felbft fei nid^t fd^ön getoefen, fonbem (5ntfd§loff enl^eit , grei- 
gebigfeit unb ©täte (35, 27). gr enttoirft bon bem Untreuen 
baS abfd^redEenbe Silb eineS Ungel^euerS (29, 4). ßr betl^euert, 
feinerfeitg immer einem |)ofe treu a« bleiben , too man il^n toal^r» 
l^aft l^ofgemftg b. 1^. aufrid^tig unb gütig bel^anbele, unb fagt fid^ 
bon einem treulofen gürften (3)ietrid^ bon aReifeenl Otto?) lo§ 



5ittltd?c £ebcnsanfcbauung. 91 



(30, 9). 6r ruft ®ott an, bie galfd^en, bic Slalfllatten au ßrafen 
(30, 19). 6r Haßt über bie Sreulortgfeit atoeier gürften (S)tetri(ft 
Don aieifeen unb Subtoig Don Saiern?) ^t%en il^n (30, 29 itä 
31, 12). (Sr öertoünfd^t ben lüanerifd^en Slatl^geBer eines Surften 
(beg ^eraojÄ üon ft&rnten?), ber feinen Ferren herleite, gegcBene 
SJetfJjredöunaen nid^t a« ^Iten (28, 21). @r öermi^t in ber 
SBelt bie alte Sreue, Steblid^feit unb gfreunbfd&aft (38, 10); er 
rül^mt ben ©egen eineS auöerläffigen gfteunbeö unb toarnt tjor ben 
toanlelmütl^igen, bie toie eine Äuget fortrollen (79, 25). 

3Jlan lann 9lngeftd^tS biefer SBieberl^oIungen beffeI6en @e« 
banlenS eine (Sm^finbung unb eine Sfrage ni($t unterbrüdEen. ^ie 
Smpflnbung: nid^ts l^at äBaltl^er in feinem toed§felrei($en Seben 
mel^r ergriffen ate bie immer toieber gemad^te fd^meralidöe 6rfal§rung 
ber Untreue. Unb getoife gebiel^ in ben unfeligen Salären ber 
boppelten ÄönigStoal^Ien, ber Äärapfe atoifd^en geifilid^er unb laifer- 
Itd^er (Setoalt SBerrat!^, SBanfelmut)^, ^interlift toie nie aubor. Slber 
man mu^ bod§ bie fjrage auftoerfen: ]§at nid^t aud§ SBaltl^er an 
biefer Äranfl^eit ber Qixt Z^txi genommen? toar nid§t aud& er toanlel^ 
mütl^ig? 3n ber Sl^at l§at man il^m baS oft tjorgetoorfen. aber 
fd^on Sad^mann urtl^eilte (au 11, 6) im toefenllid^en rid^tig: „S)aS 
©d^toanlen ber poütifd^en Slnftd^t unfereS Sid^terS ift nur fd^einbar. 
S)er ed^te ft5nig ift il§m ber bie ff5nigd!rone auf bem .Raupte 
trögt.'' SBenn er Dtto tjerläfet unb au Sfriebrid^ übergel^t, fo mu| 
man bebenlen, ba| er meber ein perfönlid^eS näl^ereS S^erl^ftltni^ 
au Otto l^atte, ber il^m bem Sübbeutfd^en getoi^ aU Sad^fe fremb 
unb antl^ipatifd^ blieb, nod^ an il^n burd^ toirl(id§e unlünbbare 
®ienftmannfd&aft (f. oben @. 41) getnüpft toar, ba^ er griebrid^ 
felbft, bem er fid^ nun autoanbte, nie belömpft l^atte — benn 
Sprud^ 25, 22 ift nid)t auf bie SBal^l f5riebrid§'8 a« beaiel^en — , 
ba^ bem jungen Staufer ate Witglieb ber legitimen ftaiferfamilie 



92 Viertes CaptteL 



t)on Slnfang an fein ^n^ zufallen mugte. S)od^ toitb man Bei 
SBaltl^et'g ^Qtteinal^me in ber äteid^Spolitil mel^t ate (idl^et gefd^el^en 
ift ben Sinflug bet dürften, beten 2)ienft er gefud^t l^at, in 
anfd&Iag bringen muffen, unb, toie oben (S. 38 ff.) bargelegt, bcn 
9ledgtSbegriff beS mittelalterlid^en S)ienfled flberl^aupt. SBaltl^er 
toarnt im Sinne ber ajloral feiner Qtxt unb bod^ tool aud^ im 
Sinne jeber auf bad SeBen gegrünbeten, gefunben SRoral bor 2)ienfl 
ol^ne Sol^n ober für tool^If eilen ^Jreiö (81, 15). SBer »iK il^n barum 
anKagen, ba| er nad^ biefer Ueberaeugung gcl^anbelt unb fid^ nid^t 
umfonft l^at flnben laffen? (Sr beanfprud^t in einem anbern ®ebid^t 
bag Siedet, unftdten ®önnern nid^t bie Sreue au l^alten: toer il^n 
toie einen Satt aufl^ebc, bem roHe er babon »ie ein S3aH, aber 
ircue crroibere er mit boHtoid^tiger , feftgefügter 2reue (79, 33). 
3u bem ®ebot ber d^riftlid^en SJloral bagegen, aud& ben geinb au 
lieben, belcnnt er offen, fid^ nid^t auffd^toingen au lönnen (26, 3). 
SBer aber bennod^ a^oeifelt, ob äBaltl^er immer auf bem redeten 
SätQ ftd^ gel^alten l^abe, ber berfe^e ftd^ einmal ernftl^aft in bie 
3eit feine» Sebcnö. SDBeld^e ©emiffcnSangft bcbrängte unb bertoirtte 
bamald aUe tieferen ©emütl^er, ba bie l^öd^fte Slutorität bed Staate» 
unb ber ftird^e aU)iefpältig tourbe unb in unberföl^nlid^em Aampfe 
lag. ^ol^e @eiftlid^e feigen ti)ir an bem innern 3U)eifel barüber, 
lool^in bie ^flid^t fie ruft, förmlid^ au @runbe gelten. Sifd^of 
©arbolf bon ^alberftabt »arb burd^ bie Seratoeiflung über bie 
miberfpred^enben @ebote feine» toeltlid^en unb feine» fird^lid^en 
Cberl^aupte» auf ba» flranfenbett geti)orfen unb fiarb an ben Dualen 
feiner Seele (SOSinlelmann 1, 228). Sein 9lad&f olger im SiStl^um 
flonrab bon Arofigl (f. oben S. 63) lonnte, al» er ti)egen feiner 
ftaufifd^en @eftnnung e^communicirt tourbe, bie» ntd^t ertragen, ent- 
flol^ feiner innern Sebrängnig burd^ eine ^ilgerfal^rt in» l^eilige Sanb 
unb ging fpäter in» Alofter. (Srabifd^of ^ol^ann bon £rier bat, al» 



Sittlid^e £ebensanfc^auung. 93 

il^m unter älnbrol^ung bed 99anned befol^len iDurbe, mit feinen @eift» 
lid^en unb Sienftmannen au Otto überautteten, in ber Uebetaeugung, 
ba^ jene tl^m ben (Sel^otfam t)ettDei8etn tDürben, toenn et fie aum 
W>]atL t)on $]^ilit)p auffotbetn tooQte, ben $Q))ft um bie Snt- 
l^ebung t)on feinem Amt (SBinlelmann 1, 263). (Sin Sal^tael^nt 
fp&ter, ate ftd^ bei Streit um bie Jhone erneute, ti)aren fold^e 
@eU)iffenSlftmpfe feltener geti)orben: bamate fd^ien „bie poUtifd^e 
Sl^renl^aftigleit ben @To|en Seutfd^Ianbd , tnenige aufgenommen, 
tJoHftftnbig aBl^anben gefommen" (gSinlelmann 2, (S. 329). 

3n bem SaB^rintl^ ber ^Qrteitt)QnbIungen iener Sage l^aben 
ftd^ bie !Dläd^tigften tiertrrt, ben SBegtt)eifer beS ftttUd^en (Seffil^fö 
t)erIoren. Sßaltl^er aber, ber Slb^ngige unb @e(unbene, l^at fid^ ben 
Sd^ilb feiner ))oUtifd^en @runb{&^e rein erl^alten: er totäfidU bie 
$erfonen, benen er anl^ing, aber er Verleugnete nid^t bie ©ad^e, für 
bie er fod^t. 

3n ben £agen beS ungeaügelten Aam))fed, ber fd^ranfenlofen 
Seibenfd^aften entmidEelte ftd^ bie tounbexbare ^ifd^ung ber 
aSßaltl^erfdöen ^oefie : l^eitereg SBel^agen unb nert)öfe Ungebulb ; über* 
mütl^igfte Saune unb l^eUfler DptimiSmud neben tieffter ^lieber« 
gef d^Iagenl^eit , a^rniger ünaufriebenl^cit , büfterfier ?IReland&oKe ; 
liebenötoürbigfter ncdtcnber ^umor, fpielenbe ©raaie, unerfd^öt)flid&er 
SDßii unb flammenber ^a^, toud^tenbcg jpatl^oö, gtül^enbe »egeifle- 
rung. S)urd^ aQe biefe fd^einbaten SEBiberfptüd^e leud^tet immer 
bed 2)id^terg menfd^lid^ed (Seftd^t, fein fkred Sluge, fd^lägt fein tapfer 
el^rlid^eg ^era, atl^met bie ßcbengfraft feiner l^ol^en ©cele. 

Sr ging feinen SEBeg burd^ aUe @d^redEen ber äußeren unb 
inneren Untreue, bed SSerratl^d unb Unbanid, ber Süge unb 
^eud^elei, ber Habgier unb ^interlift, ba8 ^aupt erl^oben, bie 
äugen fefl auf bie etoigen Süter gerid^tet. Sd^toer unb Ieibt)ott 
toar biefer SBeg für ben SWann, ber leine anbere SKad^t unb fein 



94 Piertes Capttel 



anbctcg @ut Bcfafe ate feine 3Borte. Unb ttübe genug fd^ien il^m, 
bem ^eiteren, oftmatö bie 3rit, in ber et lebte. SDBie ungeted^t 
beurtl^eiten il^n aber bie unter ben mobetnen gfotfd^exn, meldte if^m 
bad S?ett)u|tfein öon ben 5ppid&ten be8 ßinaelnen gegenübet bem 
©anaen abfpied^en, bie il^m öottocrfen, er l^abe ben ßigennu^ unb 
bie Untreue ber Sfürfien leidet genommen. 

S)ie fo reben, l^aben tool^I niemals mit offenem Sinn unb 
bereitem ^er^en jene betoeglid^en Älagen gelefen, bie er, ber öon 
9latur getoife lein ©d^toarafel^er toar, über ben böfen Sup^nb ber 
aSelt immer aufö neue erl^ebt, über bie SSerbroffenl^eit unb ben 
Srübfinn, über bie Unel^renl^aftigfeit (59, 37), über bie Entartung 
ber jungen Generation (23, 11. 26; 24, 3), ba8 Sd^toinben ber 
alten ritterlid^en ©itte (124, 25), be8 ^öfifdöen Sangc8 (64, 31). 
SBenn man aud^ beobad^ten fann, toie il^n aQm&l^lid^ baS Sitter 
unb fd^Iimme 6r|a]^rungen betbüftern, fo ftnbet fid^ bergleid^en bod^ 
aud& fd^on in ber ^eriobe feiner 3ugenb, ja gerabe fd^on in feinen 
atterdlteften ©ebid^tcn : 90, 23—38. Unb toer aüem biefem nid^t 
glaubt, ben totrb bod^ ber ^eraenelaut jener tobedtraurigen Stropl^e 
treffen (58, 21), in ber SDBaltl^er benen, bie öon i{)m neue Sieber 
l^eifd^en, entgegnet: nü mugen si doch bedenken die gemeinen 
not wie al diu weit mit sorgen ringe. SBie ba8 SSöglein beS 
SBalbeg nid^t fingen tooHe, bet)or cg 2og toirb, fo aud^ ber 
S)id^ter nid^t, el^e nid^t bie furd^tbare 9lad^t ber @d§reäen boiüber 
ging unb toieber ©angeS 2ag anbrad^. ©o rebet nur ein öon bem 
fittlid&en (SIenb ber 3eit tief öerwunbeteä (Semüt^. 

S)ag tnar bie ©ttmmung, bie Slngeftd^td ber Sntfe^en beS 
Zeitalters fo biele ber (Sbelften in bie Alöfter trieb. ©oQ man 
äBaltl^er ed l^eute berbenlen, bag nid^t aud^ er feine göttlid^e Se« 
gabung in bie Ginfamleit bed ^önd^dbafeinS bergrub? ^öl^er, 
fitti;d^er toar bod^ tnol, ba| er l^inauStrat in ben jtampf ber äBelt 



Sittliche £ebensanfd?auung. 95 

unb für bte Singe ftritt, an benen fein tDotmed ^eta ^ing, ba^ 
et in biefem Aampf audl^ielt, tio^ aQet 3umut]§ungen an fein @e* 
tt)iffen nnb aUet Cpfer, bie et feinem (Smpfinben (tingen mu^te. 
©etoiß, et tDat lein politifd^et 6ato, lein mobetnct ©efinnungS« 
bocttinät, fein aBfltactet Sbealifl, — nut ööKig nngefd^iiä^ttid^e 
Settad^tnng lann fid& batüBet tounbetn obet Belümmetn — et 
toat eben ein ÜRenfd^ nnb a^^^ ein mittelalterlid^et SRenfd^. Slbet 
c8 iji eine SSIagpl^emie , toenn ^eißfpotne bet ,,tealiftifd^en" (Se« 
fd^id^teauffaffung, bet füt SBaltl^et ben SDBeg l^aben Bted&en au l^elfen, 
id^ felbft mid^ tül^men fonn, bel^aupten: feine 2tbea(e bienten il^m 
mel^t aU SDßetfaeuge füt bie tägßd^en S^täe aU ba^ fte l^eilige 
UeBetgeugungen unb Siele maten, bie fein Safein butd^btangen unb 
tid^teten. 68 ifi eine futafid^tige UeBeteilung obet bet ©tunU^ffinn 
eines betl^ätteten (Sefül^ld, toenn man fSiali^n mit ben läuflid^en, 
gettjiffenlofen Soutnalifien unfetet Sage auf eine ©tufe fieKen loiE, 
bie Balb nad^ ted^tS Balb nad^ linfd fd^teiben, je nad^ äSebatf unb 
SSottl^eil, unb bon aU ben l^ol^en unb l^eiligen ^Begriffen, bie il^ted 
ÜRunbeS 9tebe flbetflie^enb betfünbet, innetlid^ nid^tö glauben. 
3Ran Begel^te nut nid^t bad Unmdglid^e, nid^t B(og l^iflotifd^, 
fonbetn Jjf^d^ologifd^ ünmöglid^e: ein ^olitifet ift fein ©efe^geBet 
bet ©ittlid^feit unb ein Sid^tet ift fein ^elb conf equenter , un» 
n)anbelBatet ^tincipien. äBaltl^et toat fotool^I ^olitifet als Sid^tet 
— toie fottte et ba jtd^ aum motalifd^en Slid^tet übet bie 3Rad^t« 
l^abet aufwetfen unb feinen Dienft nut benienigen toeil^en, beten 
ftttlid^e 3JlafeUofigfeit il^m unatoeifell^aft etfd^ien! 6t, bet in 
menfd&lid^fiet Semutl^, in ed^teflet 8leligiofität fid& bet eigenen 
gel^Ibatf eit , ©d^toäd^e unb Älcinl^eit fo tief betonet toat (bgl. 24, 
18; 26, 3; 10, 1 ff.), nnb ba8 mit SBotten au»ft)tad&, bie nut 
leete ©emfltl^et unetfd^üttett laffen fönnen. 

SBattl^et ttug bon Anfang an in feinet Stuft eine l^ol^e ibeale 



96 Ptertcs Capitel. 



aSorjlcHttng tjon bcn SlufgaBen feiner ftunfl. (5r toat unb blieb 
aeitlebend ber älpoftel einet t)oinel^men, ftttlid^en, toeltlid^en 93ilbung. 
6t glaubte an bad @t)angeliunt bet toal^ten l^öfifd^-rittetlid^en Sultur, 
weld^e im SiedfeitS mut^elnb unb ftd^ bemül^enb, aUe ebeln Jh&fte 
bed Wenfd^en enttüidelnb, neben unb au^erl^alb bet litd^lid^en älflefe 
il^ten eigenen SEBeg ging, bet auftoärtö fül^tte au bet ^öl^e ed^tet 
Steligiofität, in jene übetitbifd^en Stegionen, t)on benen fie ein 9Cb^ 
glana wat. (Sleid^ SBoIftam (2itutet 51, 2) leud^tete il^m bet ©tetn 
einer tieffinnigen Sluffaffung bet 9Jlinne: ^immel unb Stbe fd^ien 
if)m biefe getoaltigfte aUet Seben§mäd^te au butd^btingen unb mit 
einonbet au öetbinben (82, 9. 10). 

ä&altl^et befannte fid^, fo toenig bad @d^idEfa( il^n auf eine 
glänaenbe ^öl^e gefteQt l^atte, nid^t au einet bemoltatifd^en Sebend» 
anfd^auung. S5on feinem erften Slufttcten in SBien an, ba et fid^ 
befitebte, in bet ^ofgefettfd^aft eine gefid^erte ©teöung au getoinnen, 
big au ben legten 9lufrufen im Sienfte beS Areuaaugg, immer toiti 
feine ftunft ablid^ fein unb ben l^öl^eren unb l^öd^flen (Sefettfd&aftg« 
freifen bienen. (5t tefpcctitt bie ©d^tanlen bet ©tanbeSgliebetung 
mie bie Otbnung bet 9latut als eiti)ad ^eiliges : bie Mäze Detlangt, 
ba| 9liemanb ben il^m einmal t)erUe]^enen $often t)etlaffe, nid^t aud 
bet angebotenen ©pl^ftte l^inauSfttebe. Saien unb Pfaffen, 5ßfaffen 
unb Glittet , aOBeibet unb 3Jlftnner, Sunge unb 8Hte — aUt fotten 
il^tet S3[tt unb il^tem SSed^t tteu bleiben, nid^t übet ben SSeaitI il^teS 
3Befen8 ]§intDegft)tingen (80, 3—26). »bet et, bet felbfl feinet S^til 
ben gl^ataftet ftanbeSmäfeiget gjcluftt)itftt abgeflteift unb fie aud 
ben eingefd^tänlten Äteifen contjentioneöet ©itte befteit l^atte, bet 
aud bet l^öfifd^en 5}taniet je länget je mel^t aut lünftletifd^en Stei- 
lheit emt)otbtang unb immer tiefet au8 ben DueHen öolfetl^fimlid^et 
änfd^auung, Silblid^fett unb S)id^tung ]ä^bp]ie, ift anbetfeitS aud& 
ftei t)on jebem ^od^mutl^ ber gngl^eraigfeit : bie ©ebote d^tifltid^et 



Sxülidfe Cebensanfc^auung. 97 

Humanität leben in feiner @eele. SDßie ein mittelalter(id^er $am(et 
fragt er, toer bie natften ©ebeine ber Ferren unb ber Äned^te nad^ 
htm £obe fd^eiben lönne ; in ber @eftnnung feineg großen 3<^itgenoffen, 
Äaifer Sfriebrid^g II., öerlünbet er, bafe gl^rifien, 3uben unb 
Reiben, bie ganae ÜRenfd^^eit ol^ne (Stenge ber Sieligion, bem |>ertn 
aUti aSBunberg, bem ©etrn beS gebenS bienen (22, 7). 

2Bie toeit fielet biefe Stnfd^auung ab öon ber ©efinnung eines 
^er^og Seopolb, bed „jle^erfteberd" ober aud^ nur eined Sl^omaftn ! 
Unb bod^ ifi unb bleibt SSBaltl^er in feiner Äunft 9lriftofrat. 
©teHte SBolfram ein 3beal für SJlenfd^enbilbung auf, inbem er 
ritterlid^e ^annl^af tigleit , bie Sreue, bie Sel^er^tl^eit , bie un^er* 
flüdEelte ginl^eit ber $erfönlid^Icit in ben SSorbergrunb rüdtte, fo 
prebigt Sßaltl^er mel^r bie Pflege ber ftiUeren Sugenben unb er» 
toartet ba8 ^eil t)on ben fanfteren 5}tdd^ten ber ©d^ön^eit, ber 
gellärten gorm , ber geläuterten ©ittc , ber Silbung beS ^erjenS. 
S)ie 6re, bie werdekeit, bie hövescheit, bie fuoge finb unb bleiben 
bie (Sebieterinnen , bcnen feine ßunft treu nad^folgt, bie fic t)er» 
l^errlid^t. SBolfram ift mel^r ber 5lrifiofrat im ©inne einer älteren 
Sebenäauf faffung , ber fidö toal^rcr 9lbcl aHein burdö Iriegcrifd^e 
iüd^tigleit barftellt unb erjjrobt. SBaltl^er befcnnt fi(^ au einer 
airiftofratic ber ©eele. SBolfram enttoirft Sbealbilber für feine ©tan« 
beSgenoffen, für bie aiitterbürtigen unb ritterlid^emflriegS» 
bienfl ergebenen. SBaltl^er rebet au einer großen ©emeinbe aKet 
©tänbe, bie ein gemcinfamer 6ultu8 Verfeinerter Sfleufd^lid^Ieit 
öerbinbet. Der 9Jlittelpunft biefer ©emeinbe finb für SBaltl^er bie 
^öfe, unb baS ]§5fifd6e geben, toie e8 fein ^oetenauge forttoäl^renb, 
gana beutlid^, aber in unerreid^barer Sferne t)or fid^ fal^, foüte ba8 
neue 3^eal toeltlid^er SSilbung, baSSbeal einedSlbeU beS inneren 
5Renfd&cn öertoirllid^en. 68 waren Srftume, gteid^ benen, bie 
fpftter ber unglüdEtid^e 2affo träumte, bie im fjranftei^ SubtoigS XIV. 

«utbo(^, Sffialt^er »on ber SSogelroeibe. 7 



98 Viertes Capttel. 



ben aScftcn, bie im ad^tacl^ntcn Sal^r^unbcrt bcn gtil^rern bet großen 
beutfd^en (SeifteSbefteiung borfd^toebten. 

S)ct einfamc S)id^tet, bct fein Sebcn lang um bic äufecte 
ejiftcna tang, toic fonntc er fein l^ol^eä 3beal ficgreid^ bel^aupten 
gegen eine SBelt t)on ^Rifebetftanb, Äol^eit unb SReib! 

3lm ^o] 5U Sl^ütingen befd^toert il^n bad toilbe Sxeiben bet 
tittetlid^en ütaufbolbe (20, 4) unb bott toal^tfd^einlid^ aud^ fp&ter 
ein neibifd^er Ititijtrenber Joetifd^er ßoncurrent Hßr Wtcman (in 
C Volcnant), ben er mit l^arter ^ol^nrebe abfertigt (18, 1). 3n 
£]§ütingen td|t il^n , toie er ein anber 3RaI Hagt (103, 29), ein 
©d^toarm Iftrmenbcr ©änger mit bel^enbem ffllunbtoerf nid^t a« 
äBort lommen, fie erftiäen gefüeges mannes doenen mit toüftem @e- 
fd^rei, bad ben J^unftberftänbigen anmutl^et toie ^lönd^dgegröl^le auf 
bem Sl^or. ÜRan begreift aud biefer ftol^en Serad^tung bed (Sefangd 
ber aJlönd&e, toorum ©ottftieb öon Strasburg in feinem Stiiftan fo 
nad^brüdE(id^ preifenb bie mufifalifd^e Seite ber Sieber SDßaltl^erS 
l^erbor^ebt. S)er ^offtaat bed Sanbgrafen erfd^ien SBaltl^er toie ein 
ungeidtcter ©arten öotter Unfraut (103, 13). »m ^ofe be8 
ßärntnerS mad^en il^m bie hovebellen ba8 Seben fd^toer, jene 
ßlätfd^er unb ^fleiber unter bem ^ofgefinbe, bie feinen ©ang ver- 
k^ren b. 1^. falfd^ unb bödtoiQig entfteQen unb auf biefe SluSlegung 
Serleumbungen grünben (32, 27). 3lm ^ofe Seopolbö l^at fein 
„l^öflfd^er ©ang" biele fjeinbe unb toie ed fd^eint, l^aben biefe fid& 
einen anberen Äunftgenoffen, ber Stolle l^ie^, ^u il^rem SBortfül^rer 
erloren (32, 7, über il^n nid^t über^eugenb, aber im (ginjelnen 
bead^tendtoert)^ Sampel, 93Iötter b. SSereinS f. SanbeSlunbe atieber« 
öflerreid^» 26, 261 ff., 27, 111 ff.). 3n ber Umgebung bed 
@rafen bon Aa^eneQenbogen bereiten il^m plebejifd^e Sänger üble 
Saune, bie er aö snarrenzaere jur Stulpe toeifi unb bie, toie e8 
fd^eint, au8 ajlittel= ober SRorbbeutfd^Ionb flammten, ba er pe ate 



Sittliche Cebensanfc^auung. 99 



^olcn unb aiuffen Wd^criid^ mad^t (80, 30 ff.). S)ev lanbfdöaftlid^e 
Kttctatifd^e ©cgcnfafe atoifd^en bcm l^öpfd^-rittctlidöen ©üben unb 
ben t)oß8t]^fimlid^=bemoIratifd^en , bürgctlid^cn mittleren unb nötb« 
lid^en ©egenben S)cutfd&Ianb8, ber im 13. Sal^rl^unbett eine toid^tige 
SloEe jpielte (»utbad^, 3leinmat unb SBalt^et, ©. 134 ff., aioetl^e, 
aieinmar öon Stocter, ©. 239 ff.), toitb l^ier unb in 2BaIt^ct8 
93er]§älttti6 aum Sl^flringet $of bemerllid^. 

©d^toieriget aber unb fd^metalid^er toar ber Äampf, ben er für 
feine Äunft gegen begobte ©ftnger, nat^ oben unb nad^ unten 
l^in, au fül^ren ^atte. 

2tn äBien l^atte er fid^ gegen bie unlebenbige Lanier, gegen 
bie ©aftlofigfeit unb Monotonie, gegen bie ßnge unb Seere ber 
mobifd^en ®efeafd^aft@))oefte eineS äteinmar au tüel^ren gel^abt: ein 
Sieb be8 unf^mt)at]§ifd&en Sel^rerS unb giiöalen übcrfd^üttet er mit 
beifeenbem ©pott (111, 23 ff.); 3leinmar toieberum ftid&clt mel^r* 
mafö gegen feine angeblid^e Unaartl^eit (SBilmonnd, Seben, @. 
450 f.); unb Slad^f länge beS a^ifd^en beiben 3)id6tern beftel^enben 
@egenfa|ed bernel^men tnir nod^ in SBaltl^erS 9la(^ruf, fo toarm er 
bie Äunft beS älteren SReifierS aud^ rü^mt (83, 5). (5r felbft ^atte 
ben Slinnefang aud feinen berftiegenen SSal^nen, au8 ber aSelt eineä 
$feubo«3beaIi8mu8 in baS reale Seben l&erabaul^olen gefirebt. SBegen 
feiner freieren, menfd^tidöeren Suffaffung be§ gefettigen Seben», toegen 
feinest äBiberftanbed gegen bie Uebertreibungen ber ^öftfc^en (Salanterie 
mußte er immer toieber Slnfed^tungcn erfol^ren. S)iefe Singriffe mußte 
er pariren; er mußte ben SSerleumbungen gegenüber, baß er bie 
ben S)amen fd&ulbige ßl^rerbietung beriefe, fid& auf fein unfterblid^eS 
5preiglieb ber beutfd&en grau (56, 14) berufen (58, 34). S)en Sluä- 
toüdöfen l^öfifd^er 6ultur toiberftrebte fein geraber ©inn unb fein 
einfädle« $era (ögt. 70, 22): er fud^te ber 9latur, ber SBal^r^eit 



100 Viertes dapitel 



n&]§cr au lommcn; et ffll^rtc ber l^öfifd^cn ^td^tung fri|d^ere« S8lut 
aus bet @))]^ftre bed t)olföt]§ümUd^en (Sefd^madeg au- 

9lun abft fd^ritt bie gntwidtung, bte feinem genialen 9lnfto6 
folgte, flbet il^n l^intoeg. Slud bet flbetgeiftigen ^öl^e l^etabfleigenb, 
fiel bie beutfd^e S^til nad^ bet anbetn Seite in UeBettteibung : e8 
etftanb atö 9leaction gegen bie SJetbilbung unb Setaättelung bie 
l^öfifdöeS)oxfpoefie 9leib]^att8 Don SReuentl^al («. 3). 5). XXIII, 
395 ff.) unb feinet näl^eten unb entfctnteren ©d^filet, untet benen 
(Sottftieb öon Steifen (XXIII, 401 ff.), bet lannl^ftufet (XXXVII, 
385 ff.) unb Ultid^ bon SDßintetftetten (XXXI, 68 ff.) bie l^ctbot- 
tagenbften finb. 

S)iefet Sttömung toatf ftd^ äßaltl^et mit aQem 9lad^biuä ent- 
gegen: et tooßte feinet biefet SJlobemen fein; ich bin niht niuwe 
(fein 3leuet) tuft et öoU ©tola (^itbebtanb, Scitfd^t. f. b. «ttettl^. 
38, 5 ff.), ©ittet unb aoi^nig mufe et am ^ofe obet in bet Um- 
gebung Seojjolbs feinen Spia^ öettl^eibigen gegen bie ©tötet be8 
l^öfifd^cn ©angcä, gegen bie unhöveschen, bie nun am .gyofe ge- 
nel^met feien aU et (31, 33 ff.), gt flagt übet mannid&fad^e 
3Rig]^anblung, bet et ausgefegt ift, unb btol^t, fidg ^vnMiW^k^m 
unb babutd^ allen ein Seib au beteitcn (Sad^mann @. 185, 31 ff.); 
et geißelt bie Unbanfbatfeit unb Unbetcd^enbatfeit bet 2Bett, 
b. ^. bet ©cfeKfd^aft (59, 37. 116, 38. 117, 15 ff.). Unb aud^ 
mit bem selbwahsen kint, bem et 101, 23 ben S)ienfi auffünbigt 
toegen feinet Ungefüge, feinet Unbönbigfeit unb Su'^Wofigfeit, 
meint et toiebetum bie entattete 35JeIt, bie iungc öielleid^t, bie 
et 37, 24 untet bem Silbe eines 8lcitet8, bet auf toilbem Stofe 
mit t)et]^&ngtem 3ügel teitet, batgefteüt l^atte, bie l^öfifd^e 2)id^tung 
unb l^bfifdge (SefeQfd^aft, mie fte il^m im ^etfe beS jungen AönigS, 
^eintid^S YII. f d^lie^lid^ am unetttäglid^ften entgegenttat. 91 e i b 1^ a 1 1 
fetbft abet l^at bitect gegen äBaltl^etS S)id^tung bie äBaffe beS @potteS 



Sittliche Cebensanfc^auung. 101 

gefd^toungen; oB aü 9lngtetfer, ob aut (SegentDel^t, (leibe bal^tn 
flefieUt. (5t l^at (93, 15. 98, 26 ff.) SBaltl^etÄ ^ptciglieb auf 
S)eutf($lQnbg eble f^tauen unb SRännet (56, 38) unb feine ftlage 
übet ben (Sigennu^ (31, 14) ttaDeftitt, inbem et ben SDßibetf))tud^ 
amifd^en biefen beiben Sleugetungen butd^ 3ufammenfo))pe(ung unb 
Uebetttagung in bie 9ßelt bet %auetnflege( gteQ Beleud^tete. 

S8alif)tx tüdt in biefem Aam))f einmal gana beutlid^ mit bet 
Sptad^e l^etauS: ein ettegte« Sieb (64, 31 Ow6 hoveltchez singen), 
bad auetfl Ul^lanb in ben tid^tigen S^^f^inmenl^ang gefteUt ^at, 
ftö^t biefen patobiftifd^en aftealiSmuS, biefe butleSle SluSnu^ung 
boIfötl^fimUd^et S)id^tung aotnig unb DoQ SSetad^tung bon fid^. 2)ie 
gto^en $5fe tnünfd^t SDßaltl^et tnenigftenS bon jenet ältobefltömung 
f tei : et benft toal^tfd^einlid^ an ben öftetteid^if d^en ^of , bod^ toäte, 
faUd baS (Sebid^t, toag nid^t unmögltd^ ift, in bie fpätefte 3eit bed 
S)id&tet8 (1228—1229) gel^ött, aud^ eine Seatel^ung auf ben 
I5niglid^en $of bed iungen |)eintid& , auf ben ftiboten flteid 
Reifend nid^t auSgefd^Ioffen. S)en Sanbiuntetn tooQe et biefe l^alB 
bäutifd^e Aunfl gönnen, bon ba fei fie aufgelommen. 

SS liegt beinal^e ettoad £tagifd^e§ in biefem leibenfd^afttid^en 
unb betgeblic^en $toteft gegen eine littetatifd^e @ttömung, bie 
SBaltl^et felbft l^atte entfeffetn l^elfen unb bie fein 3beal bed fd^önen 
ajlaßeg, bet lünftletifd^ gebänbigten SBal^tl^eit, bet betllätten Statut, 
bad 3beal bet gefunben 9Jlitte a^tttümmette. 9Jlaniet unb Sen- 
timentalität einetfeitg unb atö ©egenmad^t ^latutaliSmud unb 
$atobie anbetfeitg — ba^teifd^en l^atte Söaltl^etS Äunfi einen 
fd^toeten Staub, unb et mod^te tool^l mit @tunb fütd^ten, böQig 
au etliegen. Unb bennod^ ift nod^ lange 3^^^ n^^^ feinem Sobe 
ein Itäftiget 9lad^tDud^g beutfd^et S^tif in ben Siegionen, ba fein 
S)id^ten mutaelte, l^etangetoad^fen. 



102 (fünftes Capitel. 



günftcÄ gapitcl. 

aOSaltl^ex» bid^tcrifd^e Äunft in ber S^xi feiner Steife et- 
fd&öt)fenb ju toürbigen, liegt au^erl^olb ber biefeit aSfättem gc» 
ftettten Slufgabe. gintge (Srunblinien nur jur Sl^araKeriftil feiner 
5ßoefie feien l^icr angebeutet. 

aSaltl^er toar, toic oben (©..29 ff.) Betont toorben ift, au8= 
gegangen t)on ber l^öftfd^en (SefeUfd^aftdl^iil im Stil SteinmarS 
unb Raufend. 3ebe einbiingenbe 93eftimmung feiner Sigenart mu| 
bem bereits fti^^irten ^roceg feiner @manci))ation aud ber Snge biefer 
SRanier nad^gel^en unb eine ftteng gefd^id^tlid^e ÜRetl^obe antoenben, 
toaS %m nur in fel^r befd^ränftem Waage gefd^el^en lann. 

aSBaltl^er getoinnt oHmäl^Hd^ ber finnliö^en aßelt in ber 
S^ril einen 9iaunt , toie eS big bal^in im Winnefang nid^t erl^ött 
loar. (Sr gibt ber S)arfteIIung feiner Sm))ftnbung unb S3etra($tung 
einen feften lörjjerlid^en ^alt, einen ^intergrunb burd^ beftimmte 
Situation, Scene, ^anblung. 6r öerfjl^tt babei epifd^ ober bra= 
matifd^ ober berbinbet aud^ Beibe Aunftformen. Unb er liebt ed, 
bon ber I^rifd^en ä&irlung ber S^mboHf, beS t^))ifd^en 
StlbeS ben tt)eiteften @ebraud^ )u mad^en. (Sr toirlt nid^t Blog 
toic ein Dramatifer auf bie Slnfd^auung, fonbcrn toie ein 9JlaIer; 
er fd^afft mit ber $]§antafie ber Bilbenben Aunft unb er 
fd^öpft babei meift au3 bem alten @d^a| eingebürgerter, bollStl^ümlid^ 
getoorbener SSorfteHungen. 

Sein 9leid^dton (8, 4 ff.) bringt baS (Sefül^l über bie iammer* 
boQe Sage bed SaterlanbS nid^t birect ^um SluSbrudE, fonbern tpx\ä^ 
eingefleibet unb an einen fid^tbaren SSorgang ber Slugentoelt bon 
t^pifd^er SSebeutung angelel^nt. @r jül^rt ftd^ felbft er^äl^Ienb ein, 



Dic^terifc^e Knnft. 103 



tt)ie CT fotgenöoK, tjon bct SBelt entfernt, auj einem Stein fid& in 
ftnnenbem ^lad^benlen niebetlieg, in bet Stellung, bie Don bet bilben» 
ben flunft feit ftül^er 3fit, öielleid^t im Slnfd^Iu| fogat an bie antue 
$(a{lif, aU %t)pn^ beg ttaueinben 'Jlad^benfend auSgebilbet in 
Sculptuten unb in 3Jliniaturen beS beutfd^en 2RitteIaIter8 oftmals 
begegnet; toie et bie (Sel^eimniffe bet fämpfenben, abex georbneten 
Slatur gtcid^ einem ©el^er übetfd^aute; toie er ben Urfptung be8 
S^ronftteitÄ in SSom belaufd^te; tote et bie Älage beS einfamen 
^(auSnerg and bet gfetne betnal^m. S)ag 93ilb bet beiben großen 
ßiebctl^anbfd^tiften l^ält bie im etflen ©ptud^ beaeid^nete Situation 
fe|l, abet e8 iUufttitt bamit m(St bie 9aBotte beS Sid^tetS, fonbetn 
eS fc^öpft nut il^ten bilblid^en (Sel^alt toiebet au§, ben fte auS 
maletifd^cn ober bilblid^en Sotlagen übetnommen l^aben. Unb 
menn äBaltl^et bann bie zerrütteten 3uftänbe t)erför))er(i($t , inbem 
er ben mit einanber ftteitenben SebenSmäd^ten menfd^Iid^e @cftalt 
leil^t unb lixxAe unb ^tä^i barftcitt, wie fie öon aOBegcIagerern 
unb im ^interl^alt lauernben giäubern, bon Untreue unb (Bctoalt 
bebrol^t finb, fo fnüpft er toieberum an bie Srabition ber bilblid^en 
Aunft an, bie auf @runb ber $f^($omad^ie bed $rubentiud immer 
toieber ben Äampf ber Sugenbcn unb ßafter in ber Allegorie 
Iriegömäfeig gerüfteter graucngeftalten bor ^ugen gcfteöt l^atte. 
^ier toie bort aber folgt SBaltl^ct augleid^ bct Sal^n bet ötteten, 
Do(fgt]^ümU($ gefärbten beutfd^en S)id^tung, ber t^pifd^e SarfteUung 
im ßinHang mit ben fcft geprägten g^tmcn ber bllbcnben ffunft ge« 
Iftuftg toar. 

Sin anber 9Jtat erfd^eint il^m fSfrau Saelde (43, 1) atö eine 
Sürftin, bie ftteiber aured^tfd^neibet unb audtl^eilt unb ftd^ babei 
au Ungunflen be8 ©ängerg vergriffen l^at. SlieäBBelt fteHt er afö 
aieiterin auf toilbem Stoffe, i^rem muot, t)or, ber et autuft, fie fotte 
ben 3<iuni ffftct anaie^en unb um fid^ blidten, bamit fie nid^t au 



104 (fünftes Capttel. 



SqU fommc (37, 24). 3n einem feinet legten ©ptüd^e (102, 15) ^fittt 
er bie Stauet übet bie aetfal^tenen SSetl^ältniffe, bie butd^ bie @d^u(b 
bed jungen ftönig ^eintid^ unb feinet $}etfü]§tet l^etetngebtod^en 
waten, in bie gtaäl^tung, et fei ausgesogen, um abenteuet unb 
9leued au etteben, ba l^abe et bie Stül^Ie, auf benen ftül^et äBeiSl^eit, 
gibel unb ailtet fafeen, leet gefunbcn; batum l^inle aSed^t unb 
haute 3u(i&t unb fiedle @($am. äBiebetum ein äSitb bet Jiunft : bie 
^etfonificattonen bet Sugenben unb bad l^etgebtad^te @^mbo( tilgtet» 
lid^et obet föniglid^et SDBütbe, bet S^tonftul^l. 

(Stgebenl^eit unb 2)anf beaei($net et but($ äSetneigung obet 
butdö «engen be8 ÄnicÄ (18, 20. 31, 24. 74, 33. 116, 21; 11, 
11. 28, 23); Setfd^dmtl^eit beS jungen 9Käbdöen8 butd& hiebet« 
fc^Iagcn bet 3lugen (74, 32); l^öflfd^e fjteunblid^teit unb anmutig 
bet S)ame burd^ teid^teö Uml^ctbtidfen (46, 14); Abneigung bntd^ 
SBangenbieten unb ©eitmdttgbliÄcn (32, 18. 49, 18; 50, 22; 
73, 1); 3otn unb Sdeib but^ Sd^ielen (57, 36. 84, 37); Sletget 
unb UntoiHe burd^ Seraicl^cn bet 3lugcnbtanen (75, 31); ©d^meta 
butdö SSeifeen bet Sippen (61, 18); enlfd^ulbigenbe Slblel^nung butd^ 
ad^felaudfen (36, 3); Settounbetung butd& 3^ifl«n wiit bcm gfinget 
(120, 2); Stauet. unb gteube butd& Sang unb Äopfl^altung (19, 
32. 33. 20, 2): aud^ bie 3Riniatutmatetei beä 12. unb 13. 
2}a]§t]§unbettS t)etanfd^auUd^t feelifd^e SSotgänge butd^ eine gana 
äl^nlid^e t^pifd^e @ebetben|ptad^e , bie tl^eilS aud bet Unfäl^igleit, 
in ben @eftd^t$aügen tSemütl^SbetDegungen au^aubiüden, tl^eiU aud 
langet feftgeföutaeltet, big inS älUettl^um autüdEteid^enbet Stabition 
abauleiten ift. 

^ud bet Stabition bet bilbenben ftunfl entlel^nt SBaltl^et aud^ 
mand^e 3üge bet S^ietf^mbolif. ßtanid^ unb $fau btaud^t et 
aU aSilbet bed Stolaed unb bet Sliebetgefd^Iagenl^ett (19, 31); 
bie 2]§tete im SBappen floifet Dttoä, bie alle ^ötet öot Sugen 



Dtc^tcrifd^e Kunft. 105 



l^atten, 9Car unb S5toe, beutet ev aQegottfd^ ald Wann^ett unb 
greigebiflfeit (12, 24). ©ein ©d&üler, SRcinmar t)on Stocter, 
l^at biefe S^mboUI bann 5ur 3Rantet audgebilbet. 

SBaltl^et oBj|ectit)itt feine S^til, inbem et bad 39eIenntniB 
bet Cmpflnbuna an eine bcflimmte Situation fnfkpft. Seim 916« 
fd^ieb auf Äimmettoiebetfel^en — toiclleid^t toirb e8 ein 9lbfd6ieb 
aud§ öom Sebcn — mad^t et fein Seftament unb bettl^cilt fein 
Uufllfld, fein Seib, feine giebegtottl^eit (60, 34). ©ein 3BanbetIeben 
tä^t et in feine 2)id^tung l^ineinfpielen : et betid^tet bon feinem 
etfolfilofen Sefuc^ am 2:]§fltinget |>of, um anbete au toatnen 
(20, 4); et ttilt aö fllägc'^ S^Ö^n ©etl^att 5l^e in ben Äteig bet 
^ötet (104, 7); et fjibt, fd^einbat butd& fjtagen bet Sleugietigen 
flebt&ngt, ttodten tefetitcnb, 9lu8lunft übet ben Dtütnbetget ^of» 
tag, um in SDßal^tl^eit nut ^et^og Seopotbd jfatgl^eit au fttafen 
(84, 14). 

2)ie ftül^ete l^öfifd^e Siebedl^tif l^atte aU teine (Sefül^Idpoefie 
nut feiten Scjicl^ungen auf einen Bcftimmten 3Roment, auf einen 
beftimmten äu^eten SSotgang geboten, ä&altl^et tt&gt in ben alten 
Slal^men bc8 3Rinnebicnftc§ einen f atbenteid^en , gteifbaten Snl^alt. 
St betl^enlid^t bie ©d^önl^eit bet @e(iebten nid^t me^t mit aU' 
gemeinet bitectet Sl^ataltetiftif mie in bet 3^it feinet Slnfänge: et 
aeigt fle uns in einet beflimmten Situation, im feietttd^en 9tufaug 
mit il^tem (Befolge (46, 10), obet wie et fie nadtt im SSabe be« 
laufd^t (54, 21). (St öffnet und @inblide in bie fleinen (Steigniffe 
feinet Siebeggefc^ic^te : et mat aum 9lufgeben beS S)ienfted entfd^loffen, 
ba l^at il^n ein ^almotafel gettöftet unb mit tieuet Hoffnung et* 
füllt, baS, fo oft et nad^ bet SBeife bet Ainbet baS ©ttol^ am 
ginget auf 3a unb 3lein abmafe, immet mit einem 3a fd^Io| 
(65, 33). dt toünfd&t fid&, i^t nod^ fo mf) a« liegen, bafe et il^t 
äug' in 9luge fäl^e unb fie il^m etfüKen muffe, toaS et bitte; ba 



106 (Jünftes Capitel. 



toerbc et ftc ftaflcn: ,,SDBiIl|l bu mit jcmate totcbct fo tx)tf)i^miV* 
S)ann toitb pc jut anttoott läd&eln (185, 11). 

2)te äu^ete 9latut, bet SBed^fel bet ^al^tedaett fptelte in bet 
l^öftfd^en @efeIIfd^aftSbid^tung Sleinmatd unb Raufend toie aud^ 
in bet t)oI{dtpmIi(^en tittetlidgen S^tif bet AütenBetg- Siebet eine 
Detfd^tDtnbenbe StoQe. fSialt^tx ^iel^t fte mit unbetgleid^Iid^et Aunft 
ald belebenben unb ftimmungn^edenben ^intetgtunb in feine $oe{te 
l^inein. S)abutd^ näl^ett et jt($ in gett)i{fet ^infid^t bem @tixauä) 
beS tjolldmftgigen Sanaliebed, toit eS ^leibl^attS 9teien am tteueften 
miebetfpiegeln , too 9latut» unb Siebe^gefül^l fid^ t^pif($ betfetten, 
9lbet S&ali^tt entfetnt ftdb bod^ toeii Don biefet Sel^anblung bed 
SRotibS; übet einen btog t^pifd^en ^ataMidmu^ obet Sonttaft 
atoifd^en Slatutbilb unb menfd^lid^et Smpflnbung etl^ebt et fid^ ^oä) 
unb bie äJotgänge bet notfitlid^en Sßelt geben il^m me^t als ba§ 
bloße ginleitungSmotib bet Segtüßung. 

S)ie Statut fül^tt et nixgeubS als 3"Pönb bot, fonbetn in 
aSetoegung, unb ba§ eigene toie bet ^ötet SJetl^ältnife au il^t 
fe^t et in ^anblung um. 3n bem l^ettlid^en gtül^Iing^Ueb 
(S6 die bluomen üz dem grase dringent 45, 37) a^tgt et und 
ben gftül^ling, tt)ie et fid^ tcgt unb tül^tt: Slumen, ©onnenlid^t, 
Söglein — atteg in btdngenbem SeBen unb ftöl^lid^et Sl^ätigfeit. 
S)ie betnunbette fjtau ffil^tt et un8 bot klugen in bem SKoment 
il^tet Stfd^einung, il^tet Sßitfung auf bie Umgebung, unb mit 
tounbetbatem S3ilbc betgleid^t et ben aHe8 übet|ltal^Ienben S^ubct, 
ben fie ausübt beim ^eteintteten in ben ÄteiS bet öetfammetten 
S)amen, mit bem Slufgel^en bet ©onne, bot bet am ließen 3Rotgen» 
l^mmel bie Stetne betblaffen. S)a8 ©emftibe be8 ?(Jlaien unb baS 
®egenbilb bet gftauenfd^önl^ett l^ilft nut bie (Segenmatt gleid^fam 
ettoad auxfldEfd^ieben in bie tid^tige (Sefid^tStoeite , in bet bad ^uge 
fte etft otbentUd^ betgleid^en unb ptüfen lann: in ben $5tetn foU 



Pid^terifc^e Kunfi. 107 



babutd^ bie (etougte gfreube an bem gfefi be@ Sen^ed, baS mit 
bem @lana fd^5ner j^xamn unb ben Steigen ber blül^enben ^Jlatur 
boppelt Blenbet, etft ted^t ftd^ fletgetn, unb nad^bem il^nen fdgeinbar 
eine unmöglid^c SQSol^I g^f^^Öt ift, für cinS ober baS anbete jtd^ 
au entfd^eiben, foQen fie angelodt metben, nun ol^ne Untetfd^eibung 
beibed \)txexni au genießen unb bei ä^ogelfang unb @onnenfd^ein 
ben Sana mit ben flral^lenben ©amen au beginnen. S)ei (Sebanfe: 
„SRaientoonne ijl tneniger toextl^ aU fSftauenliebe" geftaltet fid& 
biamattfd^, atd eine ungebulbige 9lbfage, bie ber gleid^fam fid^ 
anpreifenbe 3Rai bom S)id^ter erl^ält: ,,§etr3Jlai! bertoanbelt eud& 
meinettDegen in ben 3Jlära! baS toitt id& el^er tragen aÖ ba| id^ 
meine ^txnn fal^ren liefee". ®ie |)errlid^feit be8 5Jlaien a^igt 
aOSalt^er 51, 13 in SBirfungcn: er betgnügt, erfreut, belebt 3Jlenfd&en 
unb äJögel unb bie ^eibe, auf ber Blumen unb A(ee mit einanber 
ftreiten: „®u Bift füraer, id^ bin langer." Ober in ©cl^nfud&t nad^ 
bem Sfrül^ling ruft er feine erften fidlem Sorboten : bie beginnenben 
SBattfpiele ber SRäbd^en auf ber ©trafee (39, 1). 

aBenn er SiebeSglüdE mit 9laturfreube öerlnüpft, fo lä^t er beibeS 
fid^ burc^bringen : im Sraum fielet er ftd^ mit ber (beliebten bereint 
unter bem Saume, )}on bem bie 93(üt]§en ind @ra@ nieberfaUen 
(75, 17), unb bem liebenben aJläbd&en legt er ben naibcn SSerid&t 
in ben Wunb über ein l^eimlid^eS SteQbid^ein auf ber «^eibe am 
aSBalbedf aum unter ber Sinbe, auf ber bie Slad^tigaU i^x Sieb fang : 
ben lieblid&en 3lefrain a« ben Sfreuben fü^efter Siebe (39, 11). 
SBie l^ier bie 9lad^tigaQ aU berfd^tniegene tl^eilnel^menbe aotittnifferin, 
fo erfd^einen bie toilben aSBalbüögel betrübt burd^ bie Alage ber 
gjlenfd&en über bad 6(enb ber 3eit (124, 30). Unb atö bie aU- 
gemeine 9lot^ fro^eS ©ingen berbietet, ba fielet ber ®id&ter, ba| fid& 
aud^ ein 93ög(ein öerftedEt au8 9lngft t)or ber 9lad&t unb flagt : „3d^ 
finge nid^t, beüor eS tagt" (58, 21 ff.). 



108 (fünftes Capitel. 



3u«^ 9latut unb Wenf($enfeele l^öit SBalt^et benfelben Saut 
))on £tauer unb grteube, fpürt er benfelben ^aud^ beS SebenS. 
Sie ©d^önl^eit; bie auf ben SBangen tetnet gftauen leud^tet , ift il^m 
ein ^Ibglan^ ber bunten Slumenptad^t auf bem Singer bed SBalbeS. 
iSfür l^eimlid^e ©orge tDei| er fein befler Heilmittel, aö an eble 
Sfrauen au beulen. 2Bie bie .^eibe im gf^l^^ing fid^ rötl^et bom 
blül^enben Alee, ald fd^äme fie fid^ i^reS minterlid^en Aleinmutl^d 
bor bem SBalb, ber fd^on ergrünt, fo ber{d^eud)t SBaltl^er, menn 
il^n bie 3loi\^ ber finftern Zage brängt, mit bem Silbe meiblid^er 
(gute allen Srübftnn. aber er fd)eint fid^ felbft au »iberlegeu: 
baS 3ßittel ift gefftl^rlid^. 5Die @eban!en menben fid^ ber ßinen au 
unb bie SBir!ung ift übertt)ältigenb , unerträglid^ : \t st&n! du 
rüerest mich mitten an daz herze da diu liebe liget. $alb ab* 
toel^reub erftidtt bad Sieb im ^ubel beg liebenben ^eraenS (42, 15). 

SBolt^er treibt bie Dbjectibirung nod& toeiter, inbem er feine 
©ebanfen unb ßmpftnbungen im Flamen frember Sperfonen, auS 
il^rer Sage l^erauS, borträgt. ©id& felbft ftettt er auf eine l^öl^ere 
©tufe, inbem er fid^ gern einfül^rt ate ben überlegenen, toelt- unb 
menfd^en!unbigen Seigrer unb Wal^ner, aU Untermeifer ber 3ugenb, 
ate ©ittenprebiger, ate Slatl^geber. Slber er fd/reitet fort bi« a« »irf- 
lid^en bramatifd^enSlollen, in benen er auftritt. 9llS f al^ren- 
ber meltgereifter SRann bringt er neue 9lad§rid^ten auS ber gfrembe 
mit unb trägt bann aU eine foldfee baS Sob ®eutfd§lanb8 bor (56, 14). 
Um bem aurüdCfel^renben Ctto bie ^ulbigung ber gfürften audaubrüdfen, 
nimmt er baS 9lmt bed gfronboten an ftd^, ber bon @ott 93otfd^aft 
auSrid&tet (12, 6). 

Siefer 3ug aum Sramatifd^en fiügt ftd) SBaltl^er'd 
Sid^tung je länger je mel^r ein. 3n ben SiebeSliebern bel^anbelt 
er bie @eliebte nun immer ald gegentt)ärtig unb koenbet fid^ mit 
feinen äBorten birect an fie. 2)ie Sialoge erhalten ben Sl^aratter 



Pid^tenfc^e Kun^. 109 



toirllid^et (Sefpräd^c mit funftöottcx SJctfled^tung unb graaiöfcr 
©tetgctung bcrOebantcn (43, 9. 70, 22. 85, 34). SaHobcnattig 
contponirt iß baS £analieb: Nemt, frowe, disen kränz 74, 20, 
baS in toiiffamfler SQScife Sctgangcnl^cit unb ©cgcntDOit, Staunt 
unb 3Bit!lid^Ieit conttaftitt. 

aSie er bie (Selicbte apolltopl^irt, fo aud^ mit Sotliebe 
$crfonifxcotionen: bie grou SRinne ate Äfäger (40, 19) ober $ftlfe- 
fuc^enber, bet Bei bei (Sctiebten ^auSfud^ung üctlongt (54, 37); 
bie gtau Mäze aU bon Siebeätcibenfd^oft SBebtängter (46, 32); 
bie SrauSBelt ote ©ttaftebner (21, 10. 33, 15. 37, 24. 59, 37. 
67, 8). 

Seine Sitte um äJeibejferung feiner eigenen Sage enttoideU er 
gern in Keinen bromotifd^en ©cenen, bie fid& jtDifd^en il^m unb 
bem (SIM abfielen. (Sin älterer Sprud^ (20, 31) l^ält babei bie 
Sinl^eit ber ^JlQegorie nid^t ftreng feft: ber 2)id^ter fielet bor bem 
öerfdölojfenen Surgtl^or ber Sftau Saelde, toie ein SBaifenfinb, ber= 
geblid^ Üopfenb, im ärgften 9legen — unb toirb babei bod§ nid^t 
na^. SaS ifi ber 3Bi^: ber Stegen ift nämlid^ bie gfreigebigteit 
be8 gürPen bon Deflerreid^ unb trifft il^n nid^t; bann aber nennt 
er il^n eine blül^enbe .^eibe, bon ber man fc^öne Sälumen bred^en 
!ann, unb serftört bamit felbft bie äBir!ung bed erften Silbeg. 
aSßeit lünftfcrifd&er erfd^eint baffelbe SRotib in einem fpäteren @e« 
bid^t (55, 35): gfrau S&Ibe tl^eilt il^re @aben ringsum, u?enbet 
aber bem Sidgter erbarmungglog ben StüdEen; bergeblidg läuft er 
forttoäl^renb um fte l^erum, il^re 93orberfeite au getoinnen; enblid^ 
rei|t il^m bie @ebulb unb aotnig toünfd^t er il^r bie 9lugen in 
il^ren 9lodEen, bafe fie il^n gegen il^ten aBiöen anfeilen müßte. S)en 
$of bon SBien lägt er in einem Woitotog au i^m rebenb auftreten, 
unb mit tounberboKer $Iafti{ toal^rt er baS Silb: Slitter unb 
grouen finb babon; @otb, ©über, SRoffe unb Äteiber finb ber- 



110 (fünftes Capttel. 



btaud^t; eS fel^len bie tanaenben Samen; bag S)a($ beS $alafted 
ift Baulällig unb bie SBänbe flütaen ein (24, 33). 

(Sine )}5Itig auSgefül^tte btamatif($e Slltegorie mad^t ben £eufel 
^um Sefi^et eineS SOSittl^Äl^ouf eä , in bem bie SBelt ate todenbe 
3)itne il^r SBefen treibt: SQSaltl^er l^at longe bott gelebt; nun toiK 
er, ba er feine äled^nung beaal^It l^at, t)on bannen sielten, nad§ 
^aufe (100, 24). — 

®en teblofcfien Singen f^enlt SBaltl^erS $]^antofie$erfönIid§!eit, 
@e{lalt, SBilten: gfrau SSol^ne üermünfd^t er mit und unt)erftänb« 
(id^en ©d^er^en (17, 25); ben Dpferftodt fäl^rt er an mit H§r Stoc 
unb fd^üttet über il^n sornige fSfi^agcn (34, 14); ben $errn 9Kai 
begrabixt er mit geringfd^ä^igem aBunfd^ (46, 30). 

@o tritt er aud^ ben gfürften unb Äaifern, ben ßraengetn, 
leinen %iDalen immer unmittelbar mit feiner $erfon gegenüber, 
toie feineSgleid^en fie birect anfpred^enb , begrü^enb, ermal^nenb, 
tabelnb, aud^ gntfcrnte üergegenlPftrtigcnb. äl8 er für ben in 
Italien abtoefenben Äaifer Stiebrid^ toirfen toiH, flngirt er eine 
9lnrebe an einen Sotcn, bem er einen Sfuftrag an feinen ^errn 
einl^änbigt (10, 17). 6r liebt e8, toenn er fxd^ auf ^anbtungcn 
ober 3lebcn anberer ^erfonen be^iel^t, au8 ber ßraäl^Iung in bie 
leibl^afte aSergcgentoärtigung überkugelten, an il^rer ©teüe fprcd^enb : 
bei ber etften ßinfül^rung bei fttauSncrS (9, 39); in bem iSebid&t, 
ba8 Snnocena' III. tDiberfprud^8t>oKe8 Serl^alten gegen Ctto aufbedtt 
burd^ toörtlid&e SBiebcrl^olung feine« einfügen Segen« (11, 13); in 
ber SBiebergabe be8 ©iatogS a^ifd^en S^rifluS unb ben Süngern 
t)om 3in8grofd^en (11, 25), ber triumpl^irenben ^ol^nrebe beS 
^apfteg nad^ äufftellung be8 DpferflodfS (34, 5) unb öfter. 

aSiStoeiten fleigert fid^ baS Sramatifd^e feiner ^oefie fötmlid^ 
big ^um ajlimifd^en: ber Sid^ter öertoanbelt ftd^ in einen ©d^au- 
fpielcr. aiit Stimme unb ©ebärben marfirte er im Vortrag 



Ptc^tertfc^e Kunft. m 



offenbar bad SBed^felgefpräd^ a)fif<^^n fid^ unb feinem Stnapiptn 
Siehid^ (82, 11), a^ifc^en SBittl^ nnb Saft (31, 23); mit fomifd§ 
toirlenben @eften getoi^ an^ ben (ittex fdgeraenben @pottf))Cud§ 
auf Otto, beffen ^tilbe er erft nad§ feinet Sänge, bann nadg feiner 
(Sf^xt gemeffen: ber frül^erc Sftiefe fd^tumpfte ba aum S^Jetg; ba« 
gegen, ald er baffelbe 3ßa| an ben jungen <ßönig gfriebrid^ gelegt 
l^at, ba toud^g biefer auf in 9tiefcngrö§e (26, 33). 3n bem un« 
mittelbar üoraufgel^enben Sprud^ (26, 23) bringt SOSaltl^er eg fertig, 
mit toenigen SBorten ein ganaeS @d§auft)ielenfemble um fid^ a^ 
fammeln: ben Softer, ber feinem Sol^n Seigren gibt; ^etrn Otto; 
ben ^önig gf^iebrid^. (Sr anfingt ben |)örer, aQe $erfonen in ber 
^l^antafie fid^ ann^efenb, rebenb, agirenb borauftelten. 

9[ud§ baS publicum ai^^t er mit in bie ^ction unb 
l^ierauS fliegt ein großer £]^eil feiner beften l^umoriftifd^en 3Bir- 
fungen. ändbefonbere liebt er ed, am @d§lu^ feiner (Sebid^te auf 
alle ^örer ober auf einen beflimmten gtabau loSaugel^en mit einer 
grage ober äufforbetung gana unertoarteter 9lrt. S)ie nedtenbe 
Ueberrafd^ung , ein «^auptmittel feinet ^umord, mürat biefe immer 
]^5d^fl anmutl^igen äßenbungen. 

aß il^n Äönig ^l&ilipl) an feinen ^of aufgenommen l^at, 
toirft er unmittelbar gegen bie ^öter in ben »uSbrudE feiner 
fjreube ben 3uruf: wol üf! swer tanzen welle nach der gtgen 
(19, 37). a[n ber Sefd^toerbe gegen ©crl^art 9l§e, bie er gana ge« 
taffen enttoidtelt, ruft er aum ©d^lu§ plö^lid^ nad§ einem dibfJpred^er: 
ist ieman der mir stabe? (104, 22). Sie älitter geben, bel^auJptet 
ber ®id§ter, ben grauen ©d^ulb an bem traurigen Suftanb ber 
aOßelt; er referirt baS rul^ig unb fragt plö^tid^ in'« publicum l^inein, 
natürtid^ befonberg au ben S)amcn getoenbet: wer sol rihten? 
(45, 6). ®ie ßraäl^lung t)on bem lieblid^en 9Jläbd&en, ba8 er 
frftl^er fennen gelernt unb beren Steigung er gewonnen, untetbrid^t 



112 (fünftes Capitel. 



et i&^ auf bie tansenben 3Räbd§en ^ufdgreitenb , für bie bad Sieb 
beflimmt ifl: „UMi bie |)üte au^ bem (Seftd^t (bamit id^ eud§ 
anfeilen fann)! fßitUtiä^i gel^t bie @efud^te in biefem Steigen" 
(75, 5). et feictt bie geliebte Lettin unb tül^mt bo8 cble Äleib, 
baS fte ttägt, il^ren teinen Seib; ben tooUt et, obgleid^ et fonft 
niemals jtd^ auf ben Stanbpunit nieberflet @f ieUeute l^etabgelajfen 
unb gettagene (Setoänbet nie genommen l^abe, fttt fein Seben 
getn gewinnen; felbfl bet Jlaifet toütbe um biefen $teid Spielmann; 
unb nun bie butd§ boppelte $ointe übettafd^enbe SBenbung an 
beU; mie natütlid^ t^otauS^ufe^en ifl, anmefenben Jlaifet (Otto): 
da! keiser spil! nein, herre keiser, anderswäl (63,7). 9llS 
gftiebttd^ IL il^m ein Se^en öon uneneid^baten Sintünften öetliel^en 
^at, fd^erjt et, baS ßinfd&ä^cn bet Pfaffen fctbff (©d^önbad^, Seitfdfet. 
f. b. 9lltett^v 39, 347) toütbe batjon feine gteifbaten Sftenten bei 
i^m entbedten, unb )}ettoanbett bann plö^Iid^ ben (SinfaU fd^einbat 
in ßtnfl, üieHeid^t auf Spticftet im S^^^öterfteiS ettoa l^tntoeifenb, 
mit Sluffotbetung unb fomifd^em. öiclfagenbem SBinf: nü prüeven 
herl nü prüeven dar, son habe ich drinne niht! (27, 16). 

äBaltl^et toitb im Saufe feiner @nttt)idEIung im ^unel^menben 
aRa|e ein 3Reiflet bet inbitecten, bet anbeut en ben gl^ataftetiftif. 
®utd& einaelne conctete 3üge, bie auf bie ^l^antafte unb bie 
Stimmung toitlen, toeife et ^Jetfonen unb 3ufi&nbe, J&anblungcn unb 
@efü]^Ie au t)etanfd§aulid§en unb nad^leben au laffen. Seinen eigentlid^ 
meta))l^otifd^en SluSbtudf fd^öpft et auS biblifd^et, tl^eologifd^et, üolfö« 
tpmiid&et Ucbetlicfctung. 

Sein ^umot, nid^t fo uttoüd^fig abet audfe nid^t fo biaatt 
ate bet aSolftamS, atbeitct mit ben 3RitteIn bet Uebettafd^ung 
unb bcS gonttafte«. gt ifi geneigt au betpöcn unb Sftät^fel auf- 
augeben, bie et nut l^alb löft. (St itonifitt unb übetttcibt. dt 
geftattet fid§ aOSottfpicIe. gt liebt übet aöeä bie im ®eläd6tet 



Pic^terifd^e Kunft. 113 



jpla^enbe Sd^Iu^jpointe. 5Der (Stunb^ug biefeS ^umotd ift ünblid^ed 
mieden, licbcnStDütbiflfte ©d^alü^aitigfcit. Slttcin, too baä ßeben ben 
aattorganiftitcn S)id^tct aufammcnbrüÄt, ba toixb bicfer ^umor aud| 
grimmig, fd^orf unb beifecnb unb fd&Mgt SBunben, aber niemals 
toirb er menld^enfeinblid^, gemjtg, niemals Iqlt unb giftig. ®a8 
Semtjerament SBaltl^erS crfd^eint als eine SRifd^ung bon ^umoriflifd^» 
fanguinifd^en unb d^oIeriid^*meland^oIifd§en (Elementen, complicirt 
iebc8faB8, toie e« teid&en unb fenfibeln Maturen eigen ift. 

SBaltl^erS ©til im engeren ©inn be8 SBortg: feine ©prad^e, 
feine metrifd&e unb rl^^tl^mtfd^e Äunft betoäl^ren il^n bei näl&erer 
Unterfud&ung aö ben genialften Sel^errfd^er ber poetifd&en fjform, 
ber alle überlieferten Sd^d^e fd^öpferifd^ öertoertl^et unb bereid&ert. 

gür ben gefammten 2Jlinnefang beS 13. Sal^rl^unbertä unb 
für ben 9lad^Wang beS 14. Sal^rl^unbertS l^at SBaltl^er ben Jon an« 
gegeben, ben SBeg getoiefen. 2Jlinne= unb ©prud^bid^ter, ernfte unb 
l^umoriftifd&e Staturen, im ©üben toie im Slorben, l^aben t)on feinem 
6xbe geje^rt. ®en fal^renben bürgerlid^en ©dngern l^at er bie 
Sal^n frei gemad^t unb bie ©d^ranle niebergelegt , bie nad^ alter 
£rabition il^r 9le))ertotre auf lel^rl^afte ©toffe befd^rän!te unb bom 
Winnelieb augfd)lo|. 9lld ein äSefreier, als ein ^uSgleid^er ftän* 
bifd^er @egenfä^e l^at er getoirU. ©eine neue äSel^anblung bed 
ett)igen S^emaS ))on gfrauenrei^ unb Slaturfd^önl^eit, feine lebenbige 
©^mbolif unb Äunft ber Allegorie, ber ^erfoniftcation ifl öon 
ungeaäl^lten gefd^idtten unb plum))en @eiftern nad^gebilbet toorben. 

Sine ®efd§id^te bed 9lad^lebend SBaltl^erfd^er Wotibe unb 
SBaltl^erfd^er Sed^nif todre eine ber lol^nenbften litterarl^tftorifd^en 
Aufgaben, für bie in Sad^mannS unb äBilmannS' SluSgabe fomie 
in mand&en anbem Slrbeiten aum TOinnefang aerftreuteä SRaterial 
geliefert ifl, unb toürbe bi« über bie SRitte be8 14. Sal^rl^unbertS 
l^inabfül^ren. ®abet mürben nad| 3eit unb ©egenb, nad^ fociatex 

ä3urbaci^, äBalt^er t)on bec S^ogeltoeibe. 8 



114 (fünftes (Eapitel. 



Stellung unb ))oetifd§em Zaient bie mannid^faltigflen Sßftufungen 
bct 9lB^ngiöfcit fid& unterfc^ciben laffen. Slm näd^fien fielet 
SBaltl^ct bet Ätciö f einer aeitgenölfifd^en, petfönlid^en Sd^ület: bie 
fftroler SRubin (f. 21. 2). ». XXIX, 432) unb geutotb üon ©eürn 
(XXXIV, 73), ber Sd&toeiaex ttlrid^ bon ©ingenbetg (XXXIV, 390), 
bemnäd&P bet ©teiret Utrid^ bon Sied^tenflein (XVIII, 620), ou* 
ber fal^renbe ©c^toabe SRarner (XX, 396). aber ouc^ bie legten 
Spätlinge aeigen oft genauefte Jtenntni^ beS unerreid^ten ^Vteifterd. 
9(ud§ baS 3Bieberauftaud^en beS böUig äJergeffenen feit bem 9lug« 
gang bed 16. ^al^rl^unbertS unb bie aHm&l^lid^e SQi^ieberentbedung 
feiner üetfd^fttteten $etttid§feit lol^nte eine monograpl^ifd^e Unter« 
fud^ung. 

3Ran lann aUe Sid^tung in atoei groge glaffen fd^eiben: bie 
eine umfaßt bie temporären SBerle, bie mit unb in il^rer S^t 
leben, blül^en unb fierben; bie anbere {ene, bie, mit etoiger 
®ofein8fraft unb 3ugcnb auSgerüjlet, über ben SBanbel ber dpod&en 
bauem. SQi^altl^er gel^ört au ber atoeiten, ber l^öl^eren Slaffe, bereu 
beibe $ole ©]^a!efpeare unb Soetl^e beaeid^nen: jener ber unperfön« 
lid^fte, biefer ber fubjectibfte Sid^ter; jener ber üerförperte Srama* 
ti!er, biefer ber reinfte £^pud bed S^rüerS; aber beibe aufammen 
offenbaren bad gemeinfame @e]^eimni| bid^terifd^er @rö|e unb il^rer 
unbergänglid^en SQi^irlung. Seiber Araft fliegt auS einer Duette: 
aus ber Sd^tl^eit bed bargefteOten SebenS. Sud^ SEBaltl^er l^at ein 
aUed^t, in il^ren Areid gerüdtt au toerben, unb atoar näl^er an &otti)t, 
©eine foettfd^e Sebeutung rul^t toie bie Soetl^ed gana in bem 
perfönlid^en Clement feiner Aunft. @leidg (Soetl^e ift er im 
©oetl^ifc^en ©inn (Selegenl^eitSbid^ter. 3n feinen Siebem unb 
©prüd^en lebt er felbfl mit feiner ganaen (S^iftena, leibl^aft, mit 
rebenber ©timme, in (Srregung unb S3ett)egung, l^örbar, fidgtbar. 



Pid^tertfd^e Kunfi. 115 



(&x tl^eilt mit @oet]§e bie augerotbentUd^e 9lecepttt)ität , bie j[eben 
einbxud Quffaugt. (St ü6ethifft il^n butd§ bie (Energie unb @d^tag« 
fettigleit, mit bet er |ebe ))oetif(J^e Senfation toiebet aud ftd§ l^erau^ 
fe|t, fte fünfUetifd§ gefialtet. @Uxä^ ®oü^t gebietet et über aOe 
S(^ä^e ber naiben @ptad^e; gleid^ il^m toeig et in feine IBetfe aOen 
3aubet lebendboKer 33ilblid^!ett, allen muftlalifd^en äßol^IIaut unb 
otten tl^^tl^mifd^en gieia au bonnen. 3n bem S^toltet bet ®e« 
bunbenl^eit, bet 9lQmad^t bet fiänbif($en äjfodation unb bet corpora» 
tiben @Ueberung ragt SBaltl^er burc^ eine fold^e gfüQe unb @tftrle inbi« 
bibueUen Sebend, eigenfter (Empfinbung unb ^l^antajte l^etbot, ba| 
man il^n mit Siedet ben einzig mobetnen untet aOen mtttelaltet« 
lid^en Stc^tetn genannt ^at. 

Unb bod^ beurtl^eilt man il^n ungered^t unb fatfd§, feine Jtunft 
toie feinen fittKd^en gl^arafter, toenn man im (Srnft mobeme aJla|« 
fl&be an il^n legt. (St toutaeU tto^ aUem unb aQem im Mittel« 
attet, in ben focialen unb littetarifd^en 3wfiö«l>^w feiner Seit, 
bie bon und burc^ 9lbgrünbe gefd^ieben ftnb. Unb aud^ ber äSer« 
gleidg mit &otif)t, fo treffenb er in mand^er ^inftd^t eifd^eint, fo 
menig lägt er ftd^ XDxxlliä) burd^fül^ren. 

(Soetl^e ifl ber groge .^eraenSlünbiger : bad Seelenleben ber 
3nbibibuen, inSbefonbere bad eigene, gibt il^m fein Sl^ema. Scrfagt 
aber toar e8 il^m, baä Seben einer ©emeinfd&aft bon 3Jlenfd^en, 
eines aSoHeS ober Staate«, poetifd^ au erf äffen. (St toat im 
eminenteften Sinne ein unpoUtifd^er Sid^tet. SOi^altl^er l^ingegen, 
ben aUerbingS einer ber genialften unb utfjprünglid^ften S^riler aUer 
Seiten, ^einrid^ ^eine, in feiner ©enffd&rift über iBörne ((Slfler 
7, 104) ben größten beutfd^en S^riler genannt l^at, befi^t jene 
gei^eimni|boße (Brunbiraft ber ed^ten S^rif, bie baS innerfte 
Sd^toingen unb SBogen ber Seele l^inauStdnt, nid^t in boKem, jeben« 
faQg nid^t im l^öd^flen aßage. (Semit, er l^at Sieber gefd^affen. 



116 (fünftes Capitel. 



aus benen und bie l^eimltd^fle Stegung bed Semütl^d mit ber aau6er« 
l^aften 3ßetobte, in ben anfd^mtesenben Stl^^t^men bet toal^ten S^ti! 
unmittelbar and ^eta raufifit, aber meiftenS [teilt er ba« Sfteid^ ber 
Sefül^Ie mel^r beobad^tenb, mel^r au8 ber gfetne, mit pl^antafteDoKer 
Betrachtung bar. @ein eigenfler, fein Befonberfter unb löfllic^fter 
»ejt^, baä ifl feine ©pmd^poefie. (5r i|l im eminenteren Sinn 
ein t)olitifd§er S)i(^ter, )}ieQeid^t ber gr5|te aUer Seiten unb SJBÜer. 
3n feiner foUtifd^en Sid^tung umfaßt er bad ganae Seben 
feiner Spod^e: bad ftaatlid^e toie baS fittlid^e. SlQe betoegenben 
fragen unb Sntereffcn, aUe gcifligen Äämpfe, aHe großen greigniffe. 
aUe gefeQfdgaftU($en unb litterarifd^en Strömungen feiner 3^it finben 
Ott il^m ben tl^eilnel^menbcn Sufd^auer, ben gcbanlenbotten Se« 
urtl^eiter, ben erregten 3Ritftreiter, ben fouöeränen ©arfleüer. ®ie 
ganae 3BeIt beS beutfd^en SRittelalterd fptegelt fid^ in feiner $oefie : 
ttid^t fo toie fie in SOSirflidfefeit toar, fonbcrn toie ein toarmbtütiger 
3Rann, in ben ablid^en Jlreifen ber Station ertoad^fen^ aber über 
fie l^inauSblidEenb, t)oK l^ol^en ©trebenS unb glül^enber SBaterlanbS« 
liebe, l^eftig in feinen Steigungen unb l^eftig in feiner gfeinbfd^aft, 
rafd^ in Sntfd^lüffen unb @^m))at]^ien , empftnblid^ unb nerböS, 
toed^felnb in feinen Stimmungen gleid^ einem Ainbe, aber aud§ fo 
l^ett unb fonnig unb lad^luftig toie ein Äinb, babei ein tieffinniger 
Aenner menfd^Iid^er 9latur, im Seft^ ber feinften unb ebelften 
Silbung beS 3^ttalterg, aber aud^ bertraut mit ber SBeiSl^eit unb 
ber Slnfd^auung bed Solfed, auf l^arten bertoorrenen SBegen bed 
Sd^idCfald geftäl^It unb burd^ aUe Cualen enttftufd^ter Hoffnungen 
geläutert, burd^ alled @lüdE unb alleS Seib ber Siebe unb bed ^affeg 
getoeil^t, auS irbifd^er 9lot]^ unb Sebftrftig!eit auftoärtd fd^auenb 
aur göttlichen Siebe, immer ringenb, immer in S3etoegung, unber= 
toüftlid^ — toie ein fold^er SJlann bie SBelt be8 a^ölften unb 
breiael^nten Sal^rl^unbert» auffofete. 



Pic^tenfd^e Kunfi. 117 



®o8 iBcfic aber, loa« bicfe« l^enlid^e ?Jlcnfd^enbUb fein eigen 
nannte , tarn il^m aud ben unetf otfd^lid^en Uttiefen ber Sd^önl^eit : 
e8 iP bet aJlotgenglana , ber übet feinen ©d^öpfungen toebt, bie 
tl^auige SebenSfrifd^e , bie barin atl^met, ber gefunbe $uföfd§Iag 
ber Sugenb, ber fid^ in il^nen regt unb bad (£benma| il^rer mannid^« 
faltigen Sftl^^tl^men unb gf^^^nten burd^bringt, bie !lare Stimme ber 
9latur, bie barauS ]^er)}orbrid6t, fo t)oU unb fo ftar! toie aud bem 
blfil^enben äBalb, toenn im gftül^Iing bie Sdgel iubiliren unb bie 
iB&ume Hingen unb bie Sonnenlid^ter fpielen. 



®ie tDtffcnfd&afllid^e gotfci^una übet fläalff)tx Beginnt mit 
Ul^lanbd nodg ^eute nid^t entbel^tlid^er , ütbt'ooütx Siogtapl^te: 
aOSattl^et tjon bet aSogcltoeibe, ein altbcutfd&cg ®id^tctlcben. Stutt- 
gart unb Tübingen 1822 (Sd^xiften aur @efd^id^te bei Sid^tung 
unb Sage, Sb. 5, 1870, ®. 1—109). gi^m gctoibmet ,,aum S)onf 
fftt beutfd^e (Sefinnung, 5poefie unb Sotf(%ung" etfd^ien 1827 Äotl 
Sad^mannS etfte toiffenfd^aftlid^e Sludgabe bet @ebid§te SBattl^et^^ 
bie in (Sinaell^eiten bet Xe^ctl^etfteaung unb bet d^tonologifd^en Se« 
fiimmungen Wngft übetl^olt, bod^ big l^eute bie einaige geblieben ijl: 
bie oßeinige (Stunbtage aßet etnften Sefc^äftigung mit bem 3)id§tet. 
©ie liegt, bon $aut)t unb aJlüHenl&off betid&tigt unb etgänat, gegen» 
tDättig in 6. Auflage bot. ®d§on bo8 Sal^t 1833 btad^te eine 
Uebetfe^ung bon @imtodE, mit einem teid^l^altigen Sommentat, 
beffen a^oeitet Zl^eil bon SBadEetnagel l^eitüH unb befonbetd 
toertl&bott ift. Seibet blieb et in ben fpäteten auflagen fori — 
Sen boQftänbigen äBortfd§a$ äßaltl^etd betaeid^nete ^ornigS 
Sloffatium (CuebUnbutg 1844). — ^Ue nad§ Sad^mann etfd^ienenen 
ausgaben entbel^ten bed boQft&nbigen l^anbfd^tiftlid^en Satianten« 
op})arote8: a^ei commentitte, bon Stana SPfeiffet (Seipaig 1864, 
6. Slufl. 1884) unb SB. SOBilmannS (^alle 1869, 2. «ufl. 1882, 



Btbliograpl^tfd^e Ueberfld?t 119 

baau ©euerer, anaeigex f. b. mttxt^. 10, 305 ff. [ÄL Sd^tiften 
1, 627 ff.]), btei txxti]ä)t: bon SBadecnägel unb bieget (@teBen 
1862), Äotl ©imrodt (Sonn 1870), $aul (^aHe 1882, 2. Slufl. 
1895, baau »eiltäge 8, 161 ff.), äöUmannS (^atte 1886). 3ebe 
biefet ^luSgaben l^at il^te befonberen äSetbienfle, am fd§tt)&($ften ftnb 
bie Seiftungett @imto(fd unb $auIS. SSöUig toettl^lod ift ber Ze^^t, 
ben bon bet jagend ^nneftnget geben, koftl^tenb feine ungeoibnete 
unb gana unltitifd^e SatfieQung bon SBaltl^etd Seben (SRinnefinget 
IV, 160 ff.) üeteinaelteS Btaud^bareä 3JlatetioI birgt. Seac^tung 
üeibient aud§ bie !titifd^ l^etgefteUte äludtoal^I in SaTtfd^end beutfd^en 
Sieberbid^tetn (Seipatg 1864, 3. älufl. 1893), in geiingerem Vlage 
bie S($ut« , bea. populären äluSgaben bon Sec^ftein , ^otnemann, 
$faff. — 5lici^t bergcffen batf »erben SRoj SRiegerS feinfinnigeS unb • 
felbpnbigeS Seben SBoItl^erÄ Don ber »ogetoeibe ((Siefeen 1863). — 
Sffir bie Iritifc^e Srlenntnife ber Ueberlieferung SBaltl^erS 
l^aben Sad^mann, äSenede (93etträge aur Aenntnife ber altbeutfd^en 
Sprache unb Sitt. IL, (Hattingen 1832, @. 301 f.), äBilmannd 
(Seitfd^r. f. b. «Itert^. 13, 217 ff.) hm Srunb gelegt, ßine toert^- 
tioQe äSereic^erung bed l^anbfd^riftlid^en SHateriate brad^ten bie t»on 
SRild^fadE entbedCten, t)on ^aindt in ben äSerid^ten ber fäd^ftfd^en 
©efettfd^aft ber SBiffenfd&aften (W^^'W- ßlaff. 1883) abgebrudtten 
äBolfenbfitteler Srud^ftüdEe. 

üeber bie toeitere 8forfd§ung big 1880 unterrid^tet im (linaeinen 
SB. Seo, S)ie gefammte Sitteratur SBoUl^erS t)on ber äJogeltoeibe (SBien 
1880, boau 9lad&trftge üon SR. SR. SBerner, «naeiger f. b. alter- 
tl^um 6, 353 ff.; Söfd^^o^n, 3ettfd&r. f. b. S^mnoftaltoefen 34, 
501 ff.; Sit. ßenttolbl. 1880, ©p. 1424 f.). 

93on ifingeren fieifiungen feien genannt : St. Surbad^, Steinmar 
ber Snte unb SBaltl^er bon ber ä^ogeltoeibe. (Sin iBeitrag a^r 
Sefc^id^te beS 3Rinnefangd, Seipaig 1B80 (baau äBilmannd, Sin- 



120 BibIiograpl^tfd?e Ueberfld^t. 

aeigct f. b. mm^. 7, 258 ff.)- — äB. SBümannÄ, Scben unb 
ffii^ten SBaltl^cTS üon bcr ajogcItDcibe. 8ontt 1882 (baau aSutbad^, 
^Snactgct f. b. aitcttl^. 9, 239 ff.): ein äu^crft toett^öotteS, teid^- 
l^alttged unb bequemet $anb6u($ ber äBaltl^etfotfd^ung. — (Sine 
))0))ulftte, anTegenbe S3togtQ))]^ie %ab 91. S. Sd^önbac^ (SBaltl^et 
t»on bet SSogeltoeibe , ein S)id)tetleben. Sterben 1890, 2. älufl. 
1895 mit einem bibliogtapl^ifd^en älnl^ang; baau e^egetifd^e Seiitäge 
3eitfd&T. f. b. aitctt^. 39, 337 ff.), »ud^ fein neucfleg, ftud^tbater 
@efid^tdt>unlte tioUed Sud^ (Sie Slnfänge bed beutfd^en SRinnefanged. 
(Sine Stubie. @taa 1898) befd^äftigt fid§ t»ielfad§ toieber mit SBaltl^ec 
unb ctörtett fein SSetl^ältnife a^ Sl^omaftn öon 3itclatia (tjgl. oben 
®. 9, 71, 97), au SBolfget öon Slquiteia, fotoie bie Sftagc nad& 
•ber 6tft)Tlc|lid§Ieit biograpl^ifd^er SluSbeutung beS SJlinnefang« in 
einet ben oben tJorgetrogcnenSluffaflungen aujlimmenben SQSeife. — au8 
tiefem, umfaffenbftem 3Jetftdnbnife beS Sid^terS finb bie Snterptcto« 
tionen 3lubolf ^ilbebtanbä (Seitfd^x. f. b. «Itett^. 38, 1 ff.) ge? 
floffen: lel^neidg au($ bo, too fie nid^t übeiaeugen. 

SSon bet aut Sluffläiung bet l^iftotifd^en äSeaiel^ungen 
bienenben gefd^id^tlid^en Sittetatut finb bie SSnU äBinlelmannd am 
toid^tigPen : fein „^45]^ilip}) öon ©d&toaben unb Ctto IV. t)on iBtaun» 
fd^tocig" (Sei})aig 1873—78) ifl oben einfod§ nod^ bet Sonbaal^l ol^ne 
weiteten Sitel cititt, fein Sud^ übet gftiebric^ II. nad§ bet atoeiten Sluf« 
läge (Seil^aig 1889—1897). ©aneben finb ein füt atte 3Jlal bie Untet« 
fud&ungen ©d^effer-SSoid^otflÄ (Äaifet gtiebtid^öl. legtet Stteit mit bet 
(Sutie. SeTlinl866;2)eutfd^Ianbunb$]^ili))))9luguft: gfotf d^ungen 8, 
®. 465 ff.) unb feine 3tecenfion beS SOBinfetmanufd^en SBetfö (^ifi. 
geitfd^t. 33, 141 ff. 34, 236 f.) aut (Stgönaung au benu^en. Slnbete 
in Settad)t lommenbe @d^tiften (t»on Sd^ittmad^et, Anoc^enl^auet, 
fltoneg u. f. to.) üetaeid^net SBilmannS in feinet a8iogta})]^ie, bod^ bleiben 
au^etbem immet nod^ Slbel, Äönig $)§iliW bet ^ol^enftaufe (SSetlin 



Btbliograpl^ifdye Ueberjtd^t. 121 

1852) butd^ lebenbifle Sluffaffung unb S)atftcttung fotoie butd^ rcid^c 
»eleflc auÄbcn Duellen; gurtet, @efdöid^te^at)ft3nnocena' bestritten 
unb feiner 3ritgenoffen (.^ambutg 1836 — 1842) butd& cingel^enbe 
«üäftd^t auf bo8 ßtrd^lid^e; ßanfletfelbt, Äaifer Otto ber SJierte 
(.^annotjet 1872) butd^ mand^en einzelnen Ülad^toeiä toextl^bott. 
SCu(% bebütfen ie|t aßinlelmannS d^ronotojifd^e Scflimmunflcn fd^on 
mel^tfad^ bei ä3erid^tigung , bie tl^eiltoeife in neueren Spectalunter^ 
fu(ä^ungen gegeben ift. Slm eifrigfien l^at bie l^iftorifd^e gforfd^ung 
ben Streit atüiftä^en ber Surie unb bem Äaifertl^um bel^anbelt: 
5ft. ©d^tocmer, Snnocena III. unb bie beutfd^e Äirc^e toftl^renb beä 
Sl^ronftreiteä (StraPurg 1882); Sinbemann, Ärit. ®arft. b. SBer- 
l^anblungen ?Jopft Snnocena' III. mit ben beutfd^en ©egenlönigen 
(SRagbeburg 1885. ^Programm 9lr. 239). S)ie politifd^e ©eite ber 
SBal^tfrage Bei ^aurenbrec^er, @ef($id^te ber beutfc^en JlönigSmal^Ien 
(Mpm 1889), @. 181 ff.; Sftobenberg, SBieberl^oIte beutfd&e ÄönigS- 
toal^Ien im 13. gal^rl^unbert (SreSlau 1889), fotoie in ben 
S)iffertationen bon ©euffen (TOünfter 1879), (gngelmann (SreStau 
1886), ©oenife (|)aKe 1891). — fjür aCattl^erg Se^iel^ungen a« 
Defierreid^ mu§ man je^t bctü(ffid§tigen : Suritfd^, ©efd^id^te 
ber Sabenberger OnnSbtutf 1894). — SOSid^tig finb aud^ bie 
aal^lreid^en Slonograpl^ien über bie Äirc^enfürfien ber S^xi: 
Slbolf bon Äöln, Subolf bon ajlagbeburg, Äonrab bon Äropgf, ftngel» 
bert bon Äöln, SSÖolfger bon ^affau u. f. to., fotoie über bie 
zapfte ^onoriuS III. (Slaufen, Sonn 1895) unb ®regor IX. 
(gfelten, 2freiburg 1886). — SBefonbere iBead^tung betbient bie 
ÄreuaawgSHtteratur: über Äreualieb unb Ärenaprebigt 
aOSoIfram, 3eitfd^r. f. b. aitertl^. 30, 89 ff. (in ben (Srgebnijfen nur 
aum £]^eU fidler); fonfl bie 9lrbeiten bon Stöl^ric^t, ^oogetoeg, Stiant, 
Streit, ^opf. lieber aQ. bieS geben bie belannten l^iflorifd^en 
QueQenlunben unb SSibliograpl^ien naiveren 9lad^toeiS. 



122 Bibliograpt^tfc^e Ueberfl(^t. 

9lü|U(i^eY inbeg aß bie Sittetatut mobetner ^iftotilet an^u^ 
]ä^bp]tn bleibt immer nod^ ein unmittelbated Sutüdgel^n auf bie 
mittelalterlichen l^ifiorifd^en Quellen felbft, nid^t Uo% auf bie 
autl^entifd^en, bie unfere mobeine (Sefd^id^tdforfd^ung Berüdftd^tigt, 
fonbern aud^ gerabe auf bie t)on il^r Bei Seite gelaffenen unlritifd^en, 
Befangenen, patteiifd^en , fabulirenben , fotoeit fte gleid^aeitig ftnb. 
SDenn eben biefen fielet ber Sid^ter, ber Stimmungen Beftimmter 
Äreife feiner S^^^» ttid^t bie oBjectiüe Söal^rl^eit toiebergibt, oftmals 
am nftd^fien. Sie ttefftid^en Regesta imperii t)on Soel^met, Sfidter, 
äBinlelmann, SReillcrS Slegeflen ber SSabenberger unb ^ottl^aftS 
Regesta pontificnm eröffnen )u ben ^lad^rid^ten ber 3^itgenoffen 
ben bequemften 3^d<^ng. S)er l§ier borliegenbe biograpl^ifd^e SBerfud^^ 
toeld^er auf erneuter Surd^arbeitung unb 9lad^f ^fung ber gefammten 
gforfd^ung über bad Seben beS 2)td^tetd berul^t, f e^t bie Don Sad^mann 
begonnenen unb toeitauS am gldnaenbften burd^gefül^rten Semül^ungen 
fort^ 9Q3aIt^erd @))rüd^e au erKdren burd^ bie nait)en Stimmen feiner 
lateinifd^ fd^rcibcnben 3^ itgenoff en , unb fud^t barin über bie bis* 
l^erigen (Srienntniffe ]§inaug)utommen. 

S3orarbeiten au einer lünftigen erfd^öpfenben Slnal^fe unb 
Sl^aralteriftil ber f<>^ttfd^en ßunft 9Q3attl§erd gaben: 
$. SBiganb, 2)er @ttl äBaltl^erd t)on ber äJogelroeibe (Harburg 
1879); mein Sud& über aieinmar unb SBaltl&cr; SB. ©d^erer» (Se- 
fd^id^te ber beutfd^en Sitteratur (©. 204—209, baau feine oben 
ongefül^rte aiecenfion bon äBilmonnä' atoeiter ausgäbe); bie SSio- 
gra))l§ien bon SBilmannS (baau bie (Sinleitung aur atoeiten Bearbeitung 
feiner SluSgabe) unb bon @d^5nbad^; S. Hamann, ber $umor 
aSaltl^erg bon ber SSogcItoeibe (Sftoftodter SDiffertation 1889) ; H. Wood, 
Unconventional nses of national imagery in the poems of Walther 
von der Vogelweide (American Journal of Philology XI, 200 ff.). 



Hnt^rfui^ung^n. 



1. 
MDaö^Br« SdiBitrBtt au» l^t^txvti^. 



S)ic alte ©d^ulb , beten aBalt^et 26,1 gebenft, l^at et ^eraog 
Seopolb gegenübet begangen. @ie fd^eint bet ®tunb feinet un* 
fteunbltd^en S3et]§ftltniffeS p tl^m unb feined SBeggangS t)on SBten 
getocfen ju fein obet bod^ toeniglien^ mit bcibem in Sufamnten« 
l^ang gefianben au l^aben. jiönnen^toit @enaueteg übet bie 9ltt 
biefet Sd^ulb etmitteln? 

Sd^ beatoeiPe, ba§ Jjolitifd^e aJleinttngSbetfd^iebenl^etten babei 
im @))tel toaten, toie SBitmannS annimmt. ^Inla^ au fold^en lonnte 
aUetbingg bie fel^beteid&e 3cit bet gtegcntfd^aft SeopoIbS (gftül^ial&t 
1197 bis 3uni 1198) genug bieten: bei |)etaog nal&m hattet füt 
ben tebeDifd^en anbteaS bon Ungatn (f. unten ©.127) unb batauS 
folgten !tiegettfd^e SSettnidtungen ; baneben liefen ßftm))f e mit Söl^men, 
blutige ©tteitigleiten in bet ©alabutget unb 5paf|auet S)iöcefe ^ S)a8 
offene gintteten füt bie Ätönung ^^itit^tJÄ (9, 15) l^at Seol^olb 
iebod^ SQBaltl^et getoi^ nid^t Übel genommen unb SBilmannd ittte 
ol^ne Sftage, toenn et e8 füt möglid^ l^iett ^. 5)et ftauflfdöen ^aä^t 
mu^te bet öftetteid^ifd^e ^et^og augetl^an fein nad^ bet potitifd^en 

1 »gr. Suritfd^, ©efd^id^te ber S3a5en5erger @. 359. 

2 Scben SQßaltl^erS 6. 88. 3cl^ roiberfprad^ bereite int 2lnaeiget f. b. 
muxt 9, 345. 



126 Uttterfuc^ungett. 



Xtabttion feinet ^aufed, unb befonbetS toegen beS SSetl^dUniffed p 
Sttd^atb SötDenl^eta unb feinet Sefangenfd^aft ^ 

3ut 9lad&c füt petfönltd^e SSeletbiflung unb ben 3ntere|fen 
Aaifet ^txnnä^^, fotoie Aönig $]§iUpf ^(uguftS t)on Stanlteid^ bienenb, 
l^atte Seopolbd SBatet ben jiönig Don Snglanb, aU et auf bet |)etm* 
lel^t bon ^aldfttna butd^ Oefterteid^ tetfen n^oQte, t^etl^aften laffen 
unb bann beut Jiaifet audgeliefett. 3n einem Befonbeten SBetttag 
toat xf^rn aU Slntl^eil ton beut fp&tet au attl^I^i>^n englifä^en Söfe« 
gelb bie |)ftlfte )ugefid^ett tootben. Sin Xf^til babon lief aud^ Balb 
ein, füt ben Slejl toutben (Seifein flefteDt. ®ie gefammte toelflfd&e 
$attei toat übet Seo))olbS SSotgel^en gegen ben il^tem ^etaogSl^aufe 
nol^ bettoanbten englifd^en Aönig aufd tieffte etbittett unb $a))fi 
Soeleftin lam ben loiebetl^olten gfotbetungen bet Sngldnbet ent* 
gegen, inbent et übet ^etaog ßeopolb ben Sann betl^&ngte toegen 
SBetle^ung bet Immunität eines Jtteuafal^tetd. Sluf bem lobten* 
bett toat Seopolb bom 93ann lodgef))tod^en tootben gegen bie eibltd^e 
t)on il^m unb feinem Sol^n Sftiebtid^ geleiftete SBetftd^etung, auf ben 
9teft beS Söfegelbeg au t)etai($ten unb bie Seifein fiei au laffen. 
Sftiebtid^ l^atte am offenen Stabe bed SSatetS ben Sib nodg einmal 
toiebetl^olen muffen. Sd^on im fjtül^ling 1195 etl^ielt ßtabifd^of 
ßbetl^atb t)on @alabutg, bet fid^ a^m @ad^toattet Siid^atbd auf« 
getootfen l^atte, bon ^apft goeleftin ben Sufttag, butd^ 9(nbto]§ung 
unb, toenn nötl^ig, butd^ SSetl^ftngung beS 93anne8 |)etaog gftiebtid^ 
t)on Defletteid^ aut; fofottigcn (Stftillung jenct Sufage in atoingen. 
Sie Seifein toutben benn aud^ nad^ Snglanb autüägefd^idtt, toal^t* 



^ Ueber biefe unternd^tet eine umfangreid^e neuere gorfd^unfi: S3loe^ 
gotfd^ungen jur ^oliti! ^einxid)^ VI. S3erKn 1892; ^inbt, ©rünbe bet 
©efangenfd^aft Sflid^arbg »on ©nglanb. ^attifd^e SDiffert. 1892; gnettet, S)e§ 
Slid^arb Söroenl^era bcutf d^e ©efangenf d^aft. greiburg 1893 ; »gl. aud^ ^oed^e, 
|>einrid& VI., ©. 286 ff. 



\» Xüalttiexs Scheiben aus ö)eficrretc^. 127 

fd^etnlid^ fogat ein £l^etl beg Söfegelbeg l^etauSgeaal^U. älbet bte 
Sutte gab fid^ itnmet no($ nid^t aufrieben. 

3nnoccna HL, bet 3Rann bct fd^ärfeten Sonatt, betlangte gleid^ 
im etpen Salute feinet ämtsfül^runa (9Jlai 1198) bom ^tx^o^ bie 
SSütfetfiattunfl beS gefammten ßbfegelbeg^ 

Sein Sd6teiben exteid^te fSfricbrid^ nid^t mel^t unter ben ßeBen- 
ben, fonbern gelangte an feinen 9lad^fotger Seopolb, bet tt)äl§tenb 
bet äbtoefenl^ett beS StubctS bie Sftegentfd^aft gefül^tt unb nad^ bem 
Sefannttoerben fetneä am 15. ober 16. aptil 1198 eingettetenen 
Sobeg beibe |)etaogt]öümet , Cejietteid^ unb ©teietmarl, in feiner 
^anb bereinigt l^atte. 

flein (Sebanfe, ba§ Seopolb, wod&te er aud^ fonft bon feinem 
Sruber in mand&en Singen jtd^ unterfd^eiben , l^infid^tlid^ ber eng- 
lifd^en gftage ben SQBünfd^en bet Sutie unb bet toelfifd^^englifd&en 
Partei mel^r entgegengefommen fein foDte aö jenet. ®o8 bereits 
em))fangene unb berbraud^te englifd^e Söfegelb l^at er fo toenig toie 
Sfrtebrtd^ toiebet l^erauSgegeben. SBar et bod& nod^ aus einem anbeten 
(Stunbe mit bet Kurie betfeinbet: toegen feinet 5ßatteinal^me ffit 
SnbteaS bon Ungatn l^atte il^n 1197 Soeteftin mit bem Sann be« 
btol^t^. SBie foHte et baau fommen, auf bie ©eite bet antiftauflfd^en, 
toelfenfteunblid&en unb nad& 9lom bItdEenben ßoalition au tteten, 
bie abolf bon Min leitete, jenet 3Jlann, bet füt bie gfteilaffung 
Äid^atba bon ßnglanb foioie fftt bie SBiebereintteibung be8 geaol^Iten 
85fegelbed am eiftigften ftd^ bemül^t l^atte unb aUeaeit bet nftd^fie 
8fteunb bt8 englifd^en flönigS getoefen toat! 

Dl^ne ouSbtüdElid^e Ilate l^ifiotifd&e 3eugniffe btitfen toit an 
eine Abneigung SeopolbS gegen ^WPP itn Salute 1198 nid^t glauben. 



1 Regesta imperii Nr. 5639 ff. Epistolae Innoc. I, 230. 242 (aKigne 214). 

2 §u5er, 2lrd^. f. öfterreid^ifd^e ©efd^id^te 65, 156 ff. 



128 Untcrfuc^ungcn. 



Unb bog et ettoa nod^ im Sommer ober ^exbft btefed Sal^teS, als 
alle antoefenben ftauflfd^ gefinnten gürftcn Idngfi bie Unmößlid&Ieit 
etfannt l^atten, bcm .ffinbe gticbtid^ bic Äronc gegen bie toclfifd^cn 
aöibeifad&er au crl^atten unb biefen Mo^ bie Sfteid^Steflentfd&aft unb 
S3otmunbf($Q|t ^l^tüppS entgegen 5u fe^en, bed jungen gfriebtid^d 
Snfptüd^c auf baS Äaifertl^um öettl^eibigt l^aBen fottte, fönnen toit, 
o'^ne ba^ eS un§ 6eti($tet teitb, aud^ nid^t annelgmen. 2[enet Sin» 
foK DttofatS öon Sö^men in Defterreid^ , ben SBinfelmann ent» 
beden toottte unb bem et ben 3tt>e(I Beilegte, ben ^l^tlipp nod& 
feinblid&en «^et^og aum 3lnfd^lu§ an bie ftauflfdöe ©ad^e ju atoingen, 
Berul^t au? einem Bloßen ^Kifetjetftänbni^ einet 9lotia bet SReinl^otbg« 
Btunnet Slnnalen ^ 9lad^ ben Dotliegenben 9lad^rid^ten ftanb Seopolb 
t)on 5lnfang an auf bet Seite ^^ilippS. 

aSot allem mufe man babei ^l^ilipps eigene SarfteDung in 
feinem fpäteten ©tiefe an Snnocen^ bon 1206 geltenb mod^en. ®a« 
felBfl fagt et, nad^ bem SlüdEttitt bet Beiben Sl^tonptätenbenten 
Sertl^olb bon S^^tingen unb Seinl^atb öon ©ad^fen, alfo im SH&ta 
1198, l^ätten il^m aud^ alle Sütften üon ©ad^fen, Saietn, Defiet- 
teid& u. f. tt). ben 3lat^ gegeben, felBft bie ffiönigätotitbe au üBer« 
nel^men, unb il^m ba^u il^te Untetftü^ung betfptod&en^. 

9lod^ Beflimmter unb beutlid^et melben baSfelBe bie j^ölner 



1 Chronica Keinhardsbrunn. a. 1198 (Mon. Germ. Scr. 30, 560): [Dtto* 
tax] superioris Austrie terminos depopulans. 2)aä Ü5erfe|te 2l5el, ^i^tlipp 
©. 336: „baä obere Dftfranfen", SBinfelmann 1, 138 Slntn. 2: M^ obere 
Oefterreid^". §olber*@gger ber neuefte Herausgeber, l^at im SReuen Slrd^it) 
21 (1896), (S. 297 gcseigt, baß Austria für Austrasia fte^ unb wie aue^ 
fonft l^äufig Lotharingia, Francia Rhenana bebeutet. @S tft baä jenfeitige 
mittetrl^einifcl^e ©ebiet um bie SWofel gemeint, in bem Äönig ^Pl^ilipp unter 
aWitrairfung DttofarS gegen Dtto fämpfte. 

2 Registr. de negotio imperii 9^r. 136 (2Kigne 216, ©. 1133 C): Tunc 
quoque omnes principes Saxoniae, Bawariae, Austriae etc. nobis consul- 
uerunt, ut nos laborare velleraus pro imperio, ad quod ipsi dicebant 
suum nobis velle prestare consilium et favörem. 



X. XPaltt^ers- 5d?ctben aus 0cfterrctd?. 129 

ainnalen, bic über ienc SJotöättfle fcl^t gut untcrrid^tet finb. ©ic 
fagen auSbtüdlid^ , ha% t)on ben Surften Oefterreid^d unb bet 
übrigen oBerbeutfd^en Sdnber gerabe bte 2[ntttattt)e aur fSidf^l $l§tltpp^ 
ausgegangen fei. ^ 

9ln ber 9lid^ttgteit biefer ^lad^rtd^ten au a^t^eifeln l^aben mit 
nid^t ben geringften ^Inlag. Seopolb !ann alfo äBaltl^erd 9luf- 
forberung, ^J^iKpJ) fcttft bie Ärone aufanfe^en, nur gebilligt l^aben. 

Sei ber SBal^Iöerfammlung felb|i, in ber ^l^ilipp proclamtrt 
tourbe (Sebruar ober ?Wäta 1198), W^t fi(% SeopoIbS Sl^eilnal^me 
aUerbingS nid^t nad^toeifen. Stnbeffen tft fein Slufentl^alt au $latt- 
ling, atotfd^en ^affau unb giegenSburg, am 17. unb 18. auguft 1198 
öon TOeiüer, SOBinfetmann unb neuerbingS aud& bon 3urttfd& mit 
einem S9ef ud^ beS ftaufifd^en «&oftag8 in SJerbinbung gebtad&t toorben ^. 
3dö atoeiflc nid^t, ba§ eS fid& bei biefer Sal^rt, nadfebem eben bie 
9lad^rid^t Dom £obe beS öflerteid^ifd^en ^eraogg allgemein in S)eutfd^" 
lanb betannt getoorben toar, um bie ^ulbigung bor ^l^ilipp unb 
um beffen 9lnerfennung für bie Succeffion Seopolb» im erlebigten 
^eraogtl^um l^anbelte. 

aBann aber foüte SBoltl^er öon ber SSogeltoeibe beffere (Seiegen» 
l^eit gefunben l^aben, Seaiel^ungen a« ^^tli})}) anaulnü<)fen unb bieg 
läfiigc aSerl^ftltniS au bem i^m übel gefinnten neuen ^errn au löfen 
atö bei jener 3leife geopolbS? 



* Chronica regia Coloniens, ed. Waitz. (Script, rer. Germ, (3. 162): 
Ad hanc autem curiam [bem t)on ©rübifd^of 2lboIf üon Äö(n unb ©rjbife^of 
3ol^ann üon ^rier feftgefe^ten 3Cßa^Itac; ju ^öln in dominica Oculi, b. ^. 
am 1. iWärj] cum principes nulli occurrere vellent, scripserunt predictis 
archiepiscopis et eorum sequacibus principes Austrie et aliarum superiorum 
partium, ut ipsi ad curiam in Erspfort occurrerent electuri cum eis ydoneum 
et dignum Deo imperatorem et advocatura ecclesiarum. 

« aßeiUer, 3flegeften ber S3aben5erger ©. 81 unb 5(nm. 305 (©. 245), 
2Bin!eImann 1, 138 ^nm. 2, Suritfd^ a. a. D. ©. 358. 

S3urbac^, SBalt^er von ber SBogcltocibe. 9 



130 Unterfud^ungcii. 



S)te dltefte @put feinet Stennung üom öfteiieid^ifd^en $of unb 
bcr neuen SBexbinbung mit ^l^ilip}) bietet ber etfte fefi batiibate 
©prud^: Ich hörte ein wazzer diezen (8, 28, f. oben ©. 44). 3jl 
bie iBetmutl^ung lid^tig, ba^ SBaltl^erd S3efteiung bon ^etjog ßeopolb 
getegentlid^ bon beffen fjfal^tt an ben ^of ^l^ilippd erfolgte, fo mu| 
biefex ©ptudfe bem ^lattlinßet 3lüfent^alt Dom 17. 3luguft 1198 
5eitli($ nal^e ftel^n. @r mug il^m einige Zage ober SEßod^en tiorangel^n, 
fatt« bie ©tation in ^lattling fd^on auf ber ^timU^x beä |)etaoflÄ bon 
ber Steife ^u ^l^ilipp gema($t tourbe, toaS Weißer annal^nt. ©ie 
mu§ einiße Sage nad^ bem 17. ^uguft foHen, toenn bie 9loft in 
^lattling auf ber ^infal^rt gehalten tourbe, maS SSBinlelmann glaubte, 
id^ aber für toeniger toal^rfd^etnlid^ l^alte toegen ber eben ertoftl^nten 
Seugniffc über IBeopoIbS frül^eö eintreten für ^l^ilipp. 3m a^eiten 
SaK befanb fid^ SBaltl^er am 17. Sluguft nod^ in ^lattling bei 
ßeopolb, im erften, bem id^ ben Soraug gebe, nid^t mel^r. 3d& 
l^alte eg für möglid^, bag SEßaltl^et mit bem «^er^og Seopolb im 
3uni 1198 an ben ^of ^pi^ili^S nad& SBormS gebogen uno bort 
geblieben ift. 

S)iefe ganae (Srtodgung mürbe inbeffen l^infäQig, toenn man 
äBaltl^erS fpäteren dtüdblid auf feine trofttofe Sage nad^ bem Siobe 
griebrid&8 bon Dcfterreid^ (19, 29) fo auffaßt, aU l^abe i^n Scopolb 
bei feinem SRegierungSantritt fofort einfad^ üor bie Spr gefegt, 
ffiie 9lad&xid&t bom lobe griebrid^S tarn nad^ Defteneid^ nid^t bor 
Cnbe aJlai ober 2lnfang 3um. $at ßeopolb SBaltl^et bamalS 
toirflid^ förmlid^ ben ßaufpa^ gegeben , bann fann biefer il^m nid^t 
mel^r auf bcr gal^rt aum ^ofe ^^ilippS gefolgt fein. 3nbeffen 
l^alte iä^ biefe ^nnal^me nid§t für not^menbig. äBenn meine obigen 
«uÄfü^rungen (©. 38) baS »id^tige treffen, ^at fid^ SBaltl^er nad^ 
S)ienftmannenred^t bem 9lad^folger feinet üerftoxbenen ^exxn 5um 
Sxeubienft exboten. ©ein Sienft toarb, toie eg fd&eint, bon biefem 



\, Walt^evs Scheiben aus 0efterreid?. 131 

nid^t angenommen. SlUein getoig nt($t 6taud^t bie befinitit)e (£nt- 
fd&eibung auf ber ©teile erfolgt au fein. fBalif^tx toirb aud^ ie|t 
nod& eine 3eit augemartet, feinen ®ienfl toenigftenS nod^ übet baS 
3Jlittbefima§ Don biet äBod&en etneuett l^aben. Uebet ben 2ctmin, 
innetl^alb beffen ein unbelel^ntet Sienftmann nad^ bem Sobe feines 
i&ettn bem 9lad&fo(get beSfelbcn fid^ aum S)ienft etbieten mu6, fcnne 
id& nun aüerbingS feine Seftimmung. 5)otf man bie öeteinaelten 
ftit betel^nte S)ienftleute unb SJafaöen geltenben Sfeftfe^ungen ^ auf 
ben botlicgenben f^aH übetttagen^ fo mup man glauben, et l^abe 
bie @ntfd^eibung big aum 3lbtauf eineS Sal^reS l^inau^aufd^ieben baS 
9led^t gehabt. SBa^tfd^einlid^ ^at äßalt^et bie ^ulbigung Seopolbd 
oot ^l^ilipp unb bie offlcielle SSelel^nung mit ben beiben |)etaog- 
t^timetn etft abgetoattet, bebot et feinen S)ienft fötmlid^ onbot unb 
bie ftünbigung et^ielt. 

®od^ toit fbnnen nid^t ettotl^en, toeld^e pctfönlid^en ^^ifdöen» 
fälle l^iet mitfpielten. 'Mä^ toeifcn bie SBotte, mit benen et fpätet 
biefe ^tit d^atactctifitt : d6 gienc ich sltchent als ein pfäwe swar 
ick gie (19, 32) auf einen UcbetgongSauftanb beS unftd^etn Uml^er» 
fud^eng ijin, ben mx nid&t an localifiten im ©taube finb. Stad&tete 
et etfl, in öftetteid^ifc^en Sanben obet in ben flreifen beS ftauflld^en 
^ofed, bei ben l^o^en Steid^Sl^ofbeamten unb Steid^gminiftetialen 
untetaufommen ? 

TOan batf fid^ übtigeng nid&t betl^el^len, ba^ bie gewö^nlid^e auf» 
faffung bet Serfe 19, 29—31, bet aud& id^ oben (©. 28) nid&t 
entgegengetteten bin, feineSmegS bie allein möglid&e ift. S)et meti« 
toütbig getounbene SluSbrudt do Friderich . . . also gewarp daz 
im diu s^le genas und im der Itp erstarb btaud^t nid^t notl^teenbig 
baS (Sreigni^ bed ZobeS allein au umfd^teiben. @t fann fel^t mol^l 

^ ^aii^, SDeutfd^e SSerfaffungggefd^id^te, 6. SBanb, 2. 2luft. (oon ©celiger) 
©. 76 f. 

9* 



132 tlnterfud?ungcn. 



bcbeutcn : „bamate, ate gfricbrid^ jcneS Untcmel&mcn öottfül^ttc, ba^ 
il^m baS @eelen]§eil, a6et aud^ ben £ob Btad^te (b. )§. als et ben 
jtreuaauQ antrat unb Oefteneid^ Detlie^), begann meine Seibeng^eit/' 
Sann tonnte bie 3^it beS gebtüdten l^eimatl^lofen Uml^etfd^letd^eng, 
bte Trennung Don SBien fd^on Bis aum Stül^i<^^>^ 11^7 ^urüdE 
liegen ^ 

(Sine (Sntfd^eibung atoifd^en ben 6eiben ^ntetptetationen Detntag 
man mit Sid^erl^eit nid^t au treffen. 2)od^ toirb man tool^l augeftel^n, 
hai eine befinitiDe SoSlöfung üom SOßkner ^ofe äBaltl^er fd^toetlid^ 
t)oIlaogen l^aben bürfte, folange er auf bie dlüdtel^r feinet |)errn 
red^nen tonnte. Wan lommt alfo für bie S)atirung bed S3erlufteS 
ber gefid^erten Stellung am äBiener |)ofe immer mieber auf ben 
£ob gftiebtid^d unb fein Säetannttoerben in Defteneid^ aurüd unb 
lann an ber getoöl^ntid^en 3luffaffung feftl^allen. Dann gibt jene 
Steife Seopolbd p ^l^ilipp immerl^in einen Sfingeraeig über ben SBeg, 
auf bem SBalt^er aud Oefterceid^ an ben ftauftfd^en $of gelangte. 
iBead^tengtoertl^ bleibt babei auf alle gfdlle, ba^ SBaltl^erg @önner, 
SBolfger öon $affau (f. oben ©. 39 f. 55) bei bem Spbe 
Sfriebrid^S in $aläftina zugegen toar. $dngt SEßalt^etd &öfung 
t)on SBien ettoa mit beffen erwarteter |)eimle]^r aufammen? 

5)ie 9lrt, toie ber öjlerreid^ifd^e ^ofbid^ter ^um poetifd^en SReid^g» 
l^erolb tt)urbe, vermögen tt)ir alfo nur l^öd^ft unftd^er au entrftt^feln. 

Slo^ bie 3^it, mann bied gefd^al^, lägt ftd^ aiemlid^ genau 
ermitteln, gcfi ftel^t aundd&fl: nid^t öor 3unl 1198, nid&t üor bem 
93eIannttoerben bed Siobed Sftiebrid^S. Unb atoeitenS fd^eint eg mir 
minbeftenS fel^r toal^rfd^einlid^ , ba^ bie Trennung bom SGBiener 
|)ofbienft frül^er fftÜt al8 ber dltefte batirbare ©prud^, ber atoeite 
bc8 Seid^StonS (Ich hörte ein wazzer diezen 8, 28). Slid^t fd^on 

^ 2)amar§ trat griebrid^ ben Äreujaug an: ,^ubet, ©efd^id^te Oefter* 
reid^S 1, 281. 



\. VOahliexs Scheiben aus 0eftcrrcid?. 133 

bei ÜJebaeitcn bc8 4>^^ä08^ griebrid^ unb in ßmartung feiner 
balbigcn Mdfel^t au8 bem Ctient , toie SBilmannS ^ meint , fann 
bicier ©pTtt(% flcbi(^tet fein. 2Bie follte bet öftetteid^ifd&e |)of« 
minnefdnger, bet @(^ü(et 9leinmatg, o^ne a^ingenben öu^exen 
Slnfiofe ba^u fomnten, feine toeid^e Seiet plö|Ud^ auf einen fo l^ol^en 
unb ernften 2on bet gto^en $olitiI ju ftimmen? 6rfl eineg böttigen 
©d6i(!falumfd^tt)unö8 bebutfte eS, um eine fold&e SBanblung l^etbot- 
autufen. ®a§ SBaltl^et abet ettoa fd^on ftül^et, fd§on untet fjtiebtid^, 
anbete, und üetlotene poUtifd^e @ptüd^e bettoonbtec 9ltt üet* 
fafet l^abe, ift toieber ein 3lugtoefl bet Setlegenl^eit , ben id& nid^t 
flclten laffen fann. S)en SReid^Ston mufe tul^ige, metl^obifd^e Uebet» 
legung immet geneigt fein, aU SBaltl^etS etften S5etfud& auf bem 
gfetbe bet gtogen politifd^en ^oefte ausuferen. Unb toet biefe 
3Ileinung nid^t tl^eilt, mu6 toenigftenS augeben : e8 toäte fonbetbar, 
bag SBaltl^et getabe im Slugenbtid, ba fein |)etaog abU)efenb toat 
unb ed il^m an beflimmtet SBeifung in politifd^et «^infid^t alfo 
fel^Ite , ein fo entfd^iebeneö , ein f folgenfd^toeteS t^oütifd^eS 3Jlant« 
feft in bie aJlenge getootfen l^aben fottte toie biefeS die cirkel sint 
ze höre .... Philippe setze en weisen üf. 9lut im flteife eineS 
ftauflfd^=gefinnten nid^tfütftlid^en ^ubticumd fönnen biefe SBotte 
uxfptünglidö gefjjtod^en tootben fein, b. 1^., toie fid^ fpätet (unten 
S. 217 ff.) aeigen toitb, im flteife bon 3leid^gbienflmannen obet öon 
ftauflfd^en Sienflmannen, am <g)ofe $^ili))))d felbft. 

93on atoei Seiten lommen toit fo a« ^^^ ßtlenntmS, ba^ 
aDöaltl&et etfi im gtül^f ommet 1198 fein öfletteid^if d&e8 ©ienftöetl^&ltntft 
betlaffen l^aben lann: einmal fül^tt batauf bie allgemeine (SttoAgung 
feinet |)etfönlidöen SSetl^ftltniffe au bem öftetteid^ifd^en ^etaoggpaat, 
bann abet bie fd^ätfete S3eleud^tung beS genannten Sptud^S. äöir 



^ Scben SBalt^erg ©. 88. 



134 Unterfiid^ungcn. 



toerben biefen fd^on nod^ bem (Befaßten nid^t mit SBilmanng in ben 
?Jlai bc8 Sal^rcS 1198 fc^en, aU man in Dcfictreid^ bom Sobe 
I^^Y8<>9 S^tebrid^d nod^ laum tougte; toit toetben il§n aud^ nid^t 
,,tn einet SJetfammlung öfieneid&ifd^er ßanbl&ettn" un8 entfianben 
benten I5nnen: toit toetben für il^n einen mäd^tigeten Slefonan^* 
boben fud^en muffen, ttnb bad fül^tt nun mitten l^inein in bie 
toid^tigfte unb folgenxeid^fte Sftage : toann unb too toutbe SBaltl^erd 
ftlteftet batirbatet, fein betül^mteftet ©ptud^ gebid^tet? 



Hie biBiierige (Stklarung. 

S)ie 3ctt bc« ältcftcn botitbnten @|)iu^« SSBaltl^crg (8, 28) 
Ich hörte ein wazzer diezen mufe anberÄ beftimmt toetben, alS c8 
feit Sadfemann (au 9, 13) aDgctncin fleft^iel^t. 

'Sie g^tonologie bet gegen ^l^üipp gert($teten ©egencanbiba» 
tuten fotoie feinet eigenen ffial^Iüotbeteitungen au8 ben etften 
Wonaten bed ^al^teg 1198 ift tto^ allem, maS batübet gefagt 
toutbe, öettoittt^ 

3unö($fl bleibt ein ouffaHenbet, fd&on Don Sa($ntann l^etbot« 
gel^obenet SBibetfptud^ amtjd^en bet oificieQeu Slngabe ^l^ilippS in 



^ Sei SBiIntannö (Sebcn Söalt^er^ ©. 84) figutirt gar nod^ ber 2;ag 
00« Slorbl^aufen , ber nur einem SJerfel^cn SßinfeIntannS (2, 526: Sf^ad^trag 
ju 1, 66) fein 2)af ein banfte. Ueber bie (Sd^roierigfeiten ber 3eit6efttmmungen 
f. Sad^mann ju Sßaltl^er 9, 3; Söinfelntann 1, 56 Slnm. 1, 57 2lnm. 2, 
500 ff.; Reg. imp. 5Jr. 15 a, b, c; 196 a, b; 198 a; Slöl^rid^, 2lbolf L, ©rj* 
bifd^of t)on Äöln. Äöntgäberger JDiffert. 1886, ©. 22 STnm. 5, 23, ©c^effer« 
Soid^orft §iftorifd^e Qeitf d^rift 46 , 140 f. , foroie meine näd^fte Slnmerfung 
«nb ©. 138 2rnm. 1. 



136 Uiiterfuc^ungcn. 



feinem Srief an ben Ißapft öon 1206 ^ unb bem SSertd^t einiger 
l^iPortjd^en geugniffe befielen. 3iaäi 5pi^ilt})p8 ©d&teiben ging bex 
Sonbibatur «^er^og Setnl^arbS t)on (Sod^fen^ bie auf einet Snbet* 
nad&et Setfantmlung beS Sal^reS 1198 öetl^anbelt tourbe, bie beS 
^et)og8 fBtxi^olh t)on 3^^^in0^tt botan. ^aä^ anbeten 9ladg« 
tid^ten wutbe umgefel^tt juetfl Setnl^arb aU 5ßtdtenbent auf^ 
gefteHt. aSinfetmann glaubte, bieS fei fd^on im ©ecembet 1197 
auf einet frül^eten ^nbeinad^et S3etfammlung gefd^el^en, bie Stöl^tid^ 
in ben 3anuat 1198 üectegte. 6in Sl^eil bet l^ifiotifd^en QueDen 
fe^t bie SJetl^anblungen für ^l^itippS fSiatjl öot bie auffiettung 
aSettl^olbS; ein anbetet läfet fie etft butd^ bie Sanbibatut Settl^olbS 
^eröotgetufen fein. Äünftlid^e Sntetptetationen , toie Stö^tidfe fie 
öetfud^t, l^elfen l^ierüber nid^t l^intoeg. aJletbobtfd&e Äxitif batf 
abet nur öon tem offlciellen Setid^t $^ilipp8 auSgel^n unb fid& 
an il^n Italien. 2[d^ fann mid^ menigflend nid^t entfd^liegen , bie 
SatfieUung in ^l^ilipfS SlctenftadE füt untid^tig au etlläten. @in 
@tunb aut abftd^tlid^en äJetfd^iebung bet 9tei]^enfolge jenet 6anbi> 
baturen toar int Saläre 1206, ba et auf bet «^öl^e feinet ßtfolge 
mit bem $aj)ft gtteben fd^lie^en tooKte, füt il^n getoife nid^t öot« 
l^anben, ein 3tttl§um abet fd^eint in fo toid^tigen Singen au8* 
gefd&Ioffen. 



^ Kegistr. de neg. imp. '^x. 136 (Mon. Germ. Legum »Sectio IV, 
Constitut. II, ©. 11): Ipsi vero principes constanter alium regem [alö bas 
Äinb 5riebric§] sibi creare voluerunt et diversi diversos. Quidam prin- 
cipum, de quibus vobis constat, ut credimus, cum duce Bertoldo 
Zaringie tractatum habere ceperunt, ut ipsi eum in regem eligerent: pro 
quo ipse cum eis plus quam VI milia marcarum expendit. Qui cum 
post multam hanc expensam in negotio processum optatum habere non 
posset, ipse tanto labori et futuris expensis se subtrahens ab incepto 
negotio continuit. Tunc idem principes cum duce Bernardo Saxonie 
consimilem ceperunt habere tractatum et ipse de partibus Saxonie usque 
ad partes Reni, videlicet Andernacum, venit sub hac spe, quod ab 
eis eligi deberet in regem. 



2. IPaltljers erfter Spruc^ton unb ber jiaufffd^e Hetd^sbegrtff. 137 

fiad^mann unb aBin!cImann glaubten, ber in fic^ fhenQ au= 
fammen^dngenben, fel^t etngel^enben ßr^ä^Iung bet ftölnet Slnnalen 
Dcrttauen unb folflcn au muffen. Slbct beten 3cwflni§ fdttt für 
bie Sftage nad^ ber 9loQe Sernl^arbS fort, feitbem t)on il^nen eine ur» 
fprünflüd&e, für^ere Slecenfton in einer SBiener 4)anbfd^rift entbedtt 
toorben ift^ xotlä^tx iene SetailS über 93ern]^arb^ älntoefenl^eit bei 
einer angebltd^en Snbernad&er SSerfammlunfl ber toelftfd&en Partei 
im Saläre 1197, toorauf SBinfelmann (Sctoid^t legte, fel^len^ 

©d&wierifler erioeift eS jtd&, SBaltl^erS Se^iel^unfl auf bie S^ron- 
prätenbenten (9, 13. 14) befriebiflenb ju erflören. 9ln bem rid^tiflen 
SSerftftnbniB biefer äSerfe ^angt bie S)attrunfi beS ganzen ©prud^S. 
aber nod^ mel^r: fie aHein geben ben ©d&lüffel aur aBürbigung 
feiner poetifd^en Äraft unb SBirfung. S)obei ift ein umfaffenbcS 
unb genaues (gingel^n auf bie gefd^id^tlid^en SSerl^ältniffe , bie ju 
®runbe liegen, unb auf bie 9lef{e|e, bie fie in bie (Semütl^er ber 
3eitgenoffen toarfen, unerlä^lid^. (SS toirb aud^ oft Don un- 
begrünbeten, ber l^iftorifd^en SBa^rl^eit toiberfpred^enben @erüd^ten unb 
9Reinungen au reben fein. Senn gerabe biefe bilben Dielfad^ bie 
Unterflimmen a« SBaltl^erS })olitifd^en (Sebid&ten. 

fiad^mann atgumentirte : Sernl^atb unb ä3ert]^olb toaren nid^t 
gleid^^eitig auf ber äBal^l; nur an ^ertl^olb, ben atoeiten, unb 
Otto, ben britten Sanbibaten, ben!e SBaltl^er ; beibe l^ei^e er aurüdE« 
treten t)or $]^ili))p; baS fönne nur gefd^e^en fein, bet)or burd^ 
Ottog förmlid^e Ä5nig8^toa]^l (9. 3uni 1198) SSertl^olb gana auÄ 
bem aUgemeinen Seftd^tdfreiS getilgt toax. 

ßtwaS anberS, aber im (grgebnife gleid&, bejiimmt SBilmannS * 



^ $ergl. Chronica regia Coloniensis ed. Waitz. Script, rer. Germ. 
e. 162 f. SDßinfelmannS ^eroeiöfül^rung unb namcntlid^ feine gesroungene 
Slnnal^me arocicr SBerl^anblungcn ju 2(nbernad^ ift unl^altbar. 

2 Seben SBaltl^erä ©. 87. 



138 Unterfnd^ungen. 



bic ^cit bct SScrfc: „icbcnfattS bot 5p]^Ut})t)8 ffrönung im Sep- 
tember, l^öd^ft tOQl^tfd^ehtlid^ fpätet, alS 93ett]^oIb bon S^ingen 
aufbetteten toat, benn nur fein Setl^alten, fd^eint eS, lonnte ben 
älnla^ geben, bie @anbibaten bet @egen))Qttet oU atme Könige 
au beaetd&nen; aber ftül^et, aU CttoS etjleS ßlänaenbeÄ auftreten 
neue Sefotfinig ^etborgetufen l^atte. Slfo betmutl^Ud^ im gftül^« 
ia^t 1198". 

@eU)ö]^nUd^ fagt man je^t: bet @ptud^ ift gebt(%tet nad^ bet 
3)eftflnotion Sett^olbg burd^ bie ßölnifd&e ^attei, bie SBinlclmann 
amifd^en ben 15. unb 25. 9Kdta 1198 fefete^ bie abet fd^on btet 
bis biet SBod^en ftül^et ftattgefunben l^aben mu^, unb bot Ottod 
^önigStoal^l (9. 3uni 1198), genauet, bebor bie 9lad^tid^t babon 
SBaltl^et befannt geU)otben toat, maS f))dtefienS um ben 15. 3uni 
gefd^el^en fein muß. 

9lodö biefem ©d^lufeberfal^ren wäre eö nur aut 9lot]^ benlbar, 
ba^ SBaltl^et unmittetbat, nad^bem et Aenntnig bom Zobe feined 
^nxn, ^tx^oi% gftiebtid^, empfing, ben ©prud^ gebid^tet l^ätte. ®enn 
etft im 3uni etfu^t man babon in Ceftettei^. SBal^rfd^einUd^ abet 
märe eine ftül^ete gntftd^ung : im 3lpril ober Wai, nod^ öor bet 2obeÄ» 
nad^rid^t. SBilmannd entfd^eibet fi^ benn aud^ für ben Sßai. 

i^nbeffen bie @runb(age biefet ganaen (Stmägung, mie fie bon 
Sad^mann gefd^affen motben ifl, leibet an unl^eitbatet Sd^md^e. 

SBie fonbetbat aundd^ft, ba^ SBaltl^et bie eigentlid^e @pi|e 
feines ©ptud^8, bet ^l^ilippS Slnetfennung befötbern foH, getabe 
gegen bie beiben gütften obet nad6 Sad^monn menigftenS gegen 
einen bet beiben Surften rid^ten fott, bie eben glüdtlid^ für ^l^ilipp 
gemonnen toaren unb ie^t treu au i^m l^ielten! 

@obann erfd^eint bie (Srlldrung bet SQ3otte die armen künege 
burd& „ffiönige, tocil fie eö metben toollten", fd&Ied^tetbingS unan« 



^ SBinfelmann 1, 71 2lnm. 1, bod^ f. oben ©. 135 Slnm. 



2. Waltlievs erfter Sprud^tou unb ber ftaufffd^e Hcic^sbegnff. 139 

nel^mfiar, folange man nid^t nad^meift, bafe künec im 9JUltelt)od^= 
beut|d^cn aud^ einen nid^t aum Äönig ßetoä^lten, nid^t gehonten 
Surften nid^t töniflti^er Slbftammung, bev nad^ ber Äöniöäioürbe 
jhebt, be^eid^nen fann. ©iefer Slad&weiS loitb fd^merlid^ je geftil^rt 
toerben. Künec tann nur l^eifeen, wer ben Äönigätitel burd^ SBal^I 
ober jirönung ermorben ober burd^ SStutSOertoanbfd^aft mit ber tönig- 
lid^en Sfamiüe batauf 3lnf})rud^ l^at. 6in ffönig«fot)n Reifet alfo 
feit alter S^xi Äönig, aud& toenn fein 35ater ober fein älterer 53ruber 
bie ^Regierung fü^rt^ SJlitl^in, toenn 9, 14 Otto gemeint ift, 
tooran man nid^t atoeifeln witb, fann biefer 93et§ erft nad^ bem 
9. 3uni, n a d& feiner SBa^I ober genauer na($ bem Sefannttoerben 
biefer SBal^I, gebid&tet fein. 

%id^t minber toiegt ein britteS Sebenfen. ©leid^^eitig toaren 
bie brei Sanbibaten, Sernt)arb Oon ©ad^fen, Sertl^olb öon 
3ä]^ringen , Otto t)on ^oitou , namentlid^ aber aud^ bie beibeu 
le^t(;ren, über^au))t nid^t auf ber flßa^L 93ei ber SatfteQung bon 
SBinfetmann fönnte e8 freitid& fo ausfeilen. S)ie Duetten erlauben 
aber eine fold&e Slnnal^me ni^t. Saffen toir bie gfrage ber Sleil^en- 
folge auf pd^ berul^en, fo fielet feft: nad§ bem giüdttritt beS einen 
«Prdtenbenten toanbte fid^ 3lbolf bon Äöln an ben atoeiten. Sita 
aud^ biefer berjid^tet l^atte, bauevte e8 geraume Seit, hx§> Otto 
ate ^ßrätenbent öffentlii^ l^erbortrat. SBa8 3lbol| bon Min im 
©e^eimen confjjirirte, blieb 5unddE)ft toeiteren Ärcifen, ben nid^t 6in- 
gemeil^ten, unbelannt. ^l^ilipp l^at in feinem fd^on ermäl^nten 
©d^reibcn an ^nnocena bom ^al^re 1206 auSbrüdEtid^ betont, ba§ 
er nad^ feiner äBal^I boUe breijel^n SBod^cn ol^ne SOßiber* 
f})rud^ in rul^igem Sefi^ ber ^Regierung geblieben fei 2. 5Jlan 



^ ©ilbebranb, SDeutfd^eö Söörterbud^ 5, 1695 f. 

2 Registr. de neg. imp. 9^r. 136 (Mon. Germ. Leg. Sectio IV, Con- 
Htitut. II, 12 3. 31 — 33): Sicque nos post ipsam electionem nostram per 



140 Unterfud^ungen. 



I5nnte l^iet an Uebethetbung au leidet erüärltd^em S^tä glauben, 
^ber toit ftnb in ber Sage, bie Eingabe genau nad^auptüf en , unb 
ftnben fie bcflötigt. SSom 8. SRära ober genauer bom 6. SJläta, 
tocId^eS Saturn 5P^Utt)p füt feine Südf^l nennt, breiael^n SOBod^en 
geaö^lt, ergibt ben 5. 3uni. ®a8 fü^tt in bie 3eit Don CttoS 
etfiem öffentlid&em ßrfolg unb augW^ ber amtlid^en 33e« 
lanntmad^ung feiner SBal^t. (5nbe SIRax toar er mit 6rabifd&of 
äbolf in Äöln angefommen: bie bort üerfammelten Sln^nger ber 
tDelfifd^en Sanbibatur fammt ber @eiftlid^feit toaren il^m entgegen 
gebogen, l^atten il^n feierlid^ unter ßobgefdngen eingel^olt unb in 
ben S)om geleitet. Slm 6. Sunt, alfo am erften Sage nad^ Ab- 
lauf ber breiae^n SBod&cn feit $]^iUt)p8 SOBal^Itag, fanben bie SBer* 
l^anblungen für DttoS (Srl^ebung 5um ftönig il^ren officieQen 9lb« 
fd^Iug^ Sie bamaligen äSotgänge mad^ten aud§ auf toeitere 
ßreife großen (SinbrudE. 3Jlan toollte ate guteä Sor^eid^en am 
SRittag beS 6. 3uni einen l^eöen ©tern gefeiten l^aben. »uf bie 
^^^antape mand^er Serid^terfiatter toirfte bie 3ufammenfunft fo 
gldnacnb tt)ie ein rittertid&eS fJfrül^lingSfeft ^. 

continuas XIII septimanas sine contradictione fuimus in imperii quieta 
possessione. 2)iefe Zeitangabe bietet ber DriginalteEt im Stegifter Snno« 
cenj III. (SJaticanifd^eö 2lrci^it) Keg. Vatican. 6, ^l. 34^), in baä id^ jur 
©id^erl^eit nod^ einmal felbft (Sinfid^t nal^m. 2)ie Sefung decem septimanas, 
auf ber atte neueren l^iftorifd^en 2)arfteUungen fufeen, entfpringt einem gel^ler 
bei Baluze (Epistolae Innocencii III. Parisiis 1682. I, p. 747), ber laut 
Praefatio Sl. e 1^ nid^t baS Stegifter felbft, fonbern eine 2lbfd^rift be§ 
^ifd^ofä gerbinanb gürftenberg hemi^t f)at. 2)a§ 2(uftreten Otto^ in 
Süttid^ gu ^fingften (17. Tlai), baö man nad^ ber frül^eren Seäart al§ 2ln* 
fang ber griebenöftörung erl^ielt, voax ein ooUer SÄifeerfolg: Dtto l^atte fid^ 
umfonft bemül^t, ben S5ifd^of Gilbert oon Süttid^ ?§i^ipp abtrünnig ju 
mad^en. ©d^on bieS l^ätte S3ebenfen gegen bie 2(uffaffung erregen tonnen, 
bafe ?51^ilipp ben S3eginn ber Slnfed^tung feinet Smperium von biefer ^Rieber« 
läge feinet ©egneriS batirt l^aben follte. 

1 Reg, imp. 5Rr. 198 c, d, e; 2Binfelmann 1, 82 f. 

2 ©aefariuö von ^eifterbad^ Dialog. Dist. 10, Cap. 25 (ed. Strange« 



2. Wahliexs erfter Sprud^ton unb ber flaufifd^e Hetd^sbegrtff. 141 

S)amalÄ erfüllt bic SBcIt auerft totrilid^ üon Otto« grl^ebung 
aum 2;^toncanbibaten ber toc(fifd£|cn «Partei, ^at nun aud& ^^iUpp 
in bcm oiftcicHcn Serid&t abfid^tUd^ bic Ißrätenbcntur crft t)on bem 
auflcnbÜcf batirt, too ftc butd& einen öffentlidien })oIittfd^en Slct 
etfolgteid^ in bie (Stfd^einung ttat\ f einedf aQS lann b o t biefem 
bon einem dringen OttoS gegen bog beutft^e %eid^ gef))tod^en toerben. 
S)amatö aber toaten bie längP Derfd^tounbenen frül^eten ßanbibalen, 
Sert^otb bon S^^i^ingen unb ©ernl^atb bon ©ad^fen, fd^on bößig 
beraeffen. Sic flanben auf ber Seite ipi^ilipt)^: Sernl^arb l^atte 
fofiar an ben X^üringer SBal^lbetfammlungen au @unfien $^ili))))d 
Sl^eil genommen. 9Jlan l^attc fid& übet il^xen SinneStoed^fel auf- 
rid^tifi im Sntereffe be§ gtiebeng gefreut 2. SBie foßte SBaltl^er 
bie gtinnerung an t^xe ftül^erc ^rätenbentur toieber l^etbortufen ! 

@e^t man mit ber 2)atirung meiter autüd, ettna bis in ben 
gebtuar ober gar in ben Januar 1198, fo fommt man alter* 
bingg in eine S^^> ^o möglici^er SBeife bon meisteren Sanbi- 
baten bie Siebe toar, too aber bie Serl^anblungen ber toelfif($en 
gfronbe nod^ au feinem greifbaren unb bad Sieid^ bebrol^enben Sr- 
gebnil gefül^rt l^atten, too nomentlid^ fd^le^terbingä nod^ feiner 
ber etwa inä äuge gefaßten ^Bewerber als ^brängenber ßönig" be* 
aeid&net toerben fonnte. 

aBilmannS bcrftd^ert freilid& in feiner Änmerfung au 9, 14: 
„SBaltl^er fonnte fie [$^itipt)8 ©egencanbibaten] red^t tool^I in bem 
äuSbtudE die armen künege auf ammenfaffen , aud^ toenn fie nid^t 
gleid^aeittg auf ber SBal^I ftanben". älUein ber ^unft beS Si^terS 

Coloniae 1851. 2, ©. 237); S5raunfd^n)eig. 9?eimd^roni! fß. 4910 ff. (Mon. 
Germ. 2)eutfd^e ©l^ronifen II, 521). 

^ @r erfüllt tl^atfäd^Ud^ bamalS erft oon il^rer Sebrol^Iid^fcit (f. unten 
@. 226 ff.). 

2 SBgl. Annales Marbacenses (Mon. Germ. Scr. XVII, 169, 3. 10): 
Multis ergo letantibus et pacem sperantibus. 



142 Unlerfud^ungen. 



toitb er bamit nid^t geredet. SBaltl^er bid^tct mit ben offenen großen 
Singen be8 ndüen 2Jlenfd&en toaS et gefeiten l^at, toaä ftd^ feigen 
läfet. SBenn et baS Silb auffteüt: „baS beutfd^e ßanb umbtängt 
Don beutfd^en gierigen S^roncanbibaten", fo muß eS einen 9Jloment 
gegeben l^aben, in bem er ba§ witflidö etÖIitft l^at. (Sin folci^et 
tjat abet niemals ejiftirl. ®egen bie aübetannte t^atfäd^lid^e SQSal^t- 
l^eit lann anberfeitS SOÖaltl^et niemals feinen ^u^öiern eine berartige 
Situation t)orgefü]^rt l^aben. 

©a^u fommt eine öiette ©d^wdd^e bet l^etgebtad^ten 3ntet« 
pretation. äBenn Sad^mann unb aüe übtigen (Stflötet untet ben 
atmen ffönigen aud^ Sertl^olb bon ^^l^^i^fl^^ bcrftel)n, fo ift baS 
feineStoegS einleud^tenb unb nur burd^ eine gezwungene 9luSlegung 
au ftü^en. 33ert]^olb war einer ber reidiften dürften S)cutf d^lanbS : 
nad^ ber Uifperget 6t)ronif mar er gerabe beSl^alb jum Äönig au8» 
erfel^en ^ Slbcr er ttmr habgierig. "^^llS bie gr^bifi^öfe t)on Äöln unb 
Jrier i^n für 1700 9Jlar£ @i(bcr mahlen moBten, leljute er baS ab, 
mit ber a3egrünbung, ba^ er bie Ärone nid&t begcl^re, am toenigften 
fie taufen loerbe. S)ann lie^ er fid^ burd^ bie Sitten feiner fjreunbe 
umftimmen, berfpradö ^n einem beftimmten Sage nad^ ßöln au 
fommen, ÄriegSleute unb Selb raitaubringen unb fid& bort förmlid^ 
mälzten au laffen. Slber er I)ielt nid^t SBort: er liefe feine ©önnet 
im @tid^ unb trot fogar ^\i ^^ilipp über. 6r ift alfo niemals 
aum Aönig geioäl^lt worben. 

ÜUcmanb, felbfi auS bem Äreife jeiner Sejd^ü^et, ^at tl^n je 
Äönig nennen fönnen. 9lud^ fann man i^m geioife nid^t ein be- 



' Mon. Germ. Scr. XXIII, 3. 366, 8- 38 ff.: Denominatus (nid^t 
electus l) fuit in regem . . . propter hoc quod pecuniosus videbatur, cum 
esset avarissimus et omni iniquitate plenus .... Condixerunt curiam 
apud Andernach . . quatenus ibidem eligerent imperatorem. Quo audito 
Philippus transmissis legatis effecit, ut nulla ibidem celebraretur 
electio. 



2. Wahhtxs erfter Sprud?toti unb bev ftauftWc Heic^sbegriff. 143 

fonbctS jlütmifd6e8 Streben nad^ ber Äöniflötietrfdöaft na($jagen. 
(5r fptelte bei ber flanaen Slnflelegcnl^eit tnel^r eine pafftöe aioBe. 
Sie Urtl^eile ber geitgenoffen über il^n lauten feine8toe9§ überein« 
ßimmenb ungünfüg. 6r l^atte moralifd^e SSebenfen, auf ®runb ber 
SBa^l burdö eine SKinorität ein Sd^iSma l^eröor^urufen ^ Unb man 
tl^ut i^m Unred^t, toenn man bei ber Seurtl^eilung feines SSerl^altenS 
aufeer 5ld^t lä§t, bafe i^n be8 ^faljgrafen Ctto, be8 SruberS 
^^ilip})g, ©ewalttl^aten in feinem 6ntf(%lu^, fld^ ben igeinben bc8 
©tauferS au gefetten, beftärft ^aben. 5ll8 $]^ilipp il^m feinen 
Sruber op]txit, unb beffen S3urg SBreifad^ ilt)m berpfänbete, loar 
ber ^auptgrunb feiner antiftauflfd^en $oIitif entfallen. 6r toar 
fein Srdnger beS Seid^ä. 

S)affetbe gilt in nod^ l^öl^erem @rabc bon Sernl^arb tjon 
©ad^fen, ber au8 ©d^eu t)or ben Äoften unb au8 9{üd£fi(^t auf feine 
leibenbe ©cfunbl^eit bon ber ganbibatur rafd^ auiürftrat^, gleidtj« 
faÖä o^ne e8 bis au einer 3Ba!)l gebrad^t au l^aben. äudö er l^ic^ 
niemals Äönig. 

©d^werlicö alfo fann man überhaupt baS SJerl^atten biefcr 
^Srätenbenten, bie fid§ nur wibertoittig öon ben gütirern ber toelfifd^en 
^Partei borfd^ieben liefen, ein dringen nennen. 31 rm fonnte SJert^ 
l&olb aud^ nur mit gefudfetcm ©pott infofern gel^eifeen toerben, als 
feine nid^t geleiftete gal^lung^ boSl^after SBeife auf ©elbmongel ^uxM' 



1 2«arbad^er 2lnnalen Mon. Germ. Scr. XVII, ©. 168, 3. 52 ff.: 
Poenitentia ductus, asserens: nisi unanimiter ab omnibus principibus 
eligatur, nunquam per eum scisma in regno fore oriundum. 

2 Reg. de neg. imp. 5Rr. 136 (3Ätgnc 216, ©. 1138, C): Sed cum ipse, 
sicut vir prudens et circumspectus, videret hoc non posse fieri sine 
pecunie sue maxima eflPusione, considerans etiam quod ipse depressus 
gravissima corporis sui gravitate tanto labori non sufficeret, se subtraxit ab 
eis ingeniöse. 

' UebrigenS liefe er fid^ feine ©anbibatur fed^ötaufenb Tlatt !often, 
unb bie 2(rt, wie ^Ji^ilipp (oben ©. 136 2lnm. 1) baoon fprid^t, flingt 
feineSroegS nad^ bem SSorrourf beg ©eijeS! 



144 Unter fud^ungeti. 



geführt toerben fonnte. @o fd^eint fid^ SBUmannd ben ^uSbrud 
aure^taulegen. dagegen l^at Sad^mann, inbem er auf bag ettoäl^nte 
@d^tet6en $^ili))))d l^tntoieg , tcie ftd^ geigen tottb , bet ttd^tigen 
Seutung fid^ genäl^ett, ol^ne fte gona ^u erreichen. 2)ott l^eigt eg, 
nad^ bet Scl^auptung bet Surften fei fein anbcrer gürfi aU er 
QuSretd^enb getDefen für bie Saft ber Aönigdfrone noc^ im Stanbe, 
burd^ feine ®elbmittel toürbig ber SBürbe bed Imperium ^u ent- 
fpred^cn ^ 

®er 9leid^t^um be^ ÄönigS gel^ött, wie toir feigen toerben, 
nad^ aOSalt^erS Weinung unb ber Slnfd^auung feiner Stxi ju ben 
notl^tocnbigen ftigenfd^aften bed ed^ten, toa^xen unb legitimen ÄaiferS 
unb aum innerften SBefen feiner aSürbe. 

Snbeffcn entfd^eibenb ift bie SSebeutung bc8 Subftantib» 



Her %on{0 oline $d|a|. 

Ser SludbrudE die armen künege mu^ fid^ auf toirdidge^ 
auf geto dielte, öffentlidg proclamirte A5ntge be^iel^en. (Sine 
breifad^e abfiufung ber ^errfd^aft unterfd^eibet ba8 SOBaltl^er- 
fd^e ®ebid^t auf bad beutlid^fte, unb man l^ätte ed nie über« 
feigen foQen. Sie übermöd^tigen , aufftrebenben gfürften, bie 9ln* 
fange ber Serritoriall^ol^eit : bie cirkel sint ze h§re. ®ie be« 
gel^rlid^ anbröngenben bebürf ttgen ffönige : die armen künege. Unb 
über beiben unantaflbar, gcbietenb bie ^Mmad^t beg reid^en ffiaiferS^, 



1 Reg. de neg. imp. 9ir. 136 (2Kignc 216, ©. 1133 C): Nullum alium 
principera sufficere ad sustinenda" onera imperii vel in divitiis condigne 
posse respondere imperii dignitati. 

2 2)en 2luöbrurf Äaifer, ^aifcrfrone u. f. ro. braud^e id) ab* 
fid^tlid^ l^ier, obgleid^ e§ ftd^ junäd^ft nur nm bie 3Bal^l ium beutfd^en Äönig 
l^anbelt: benn biefe mad^t — nad^ ber Sluffaffung ber Stctd^äpartei rocnigftenS — 
ben ©eroöl^lten jum römifd^en ^önig unb gibt il^m baö fefte Slnredjt 



2. IDaltt^ers erfter Spruc^ton nnb ber jiaufffc^e Hetc^sbcgrtff. 145 

bed Sefl^exg beS imperinm: beS StägetS bed fiel^eiligten jtaifet- 
btabemd mit bem ^aubetl^aften weisen, ^ütftenteife, bie ftd^ übet- 
l^eben; nidgt boUtoettl^ise ftönigdftonen , bie bad 9leid^ bebtättfien; 
bie legitime Äai|erfronc mit ben Keid^äinfigmen — auf btefet 
Staffel baut ftd^ ber tDitlunfiSboÜe, aünbenbe @d^Iu^ bed Sptud^ed 
auf, bet fians in äBaltl^erS ed^t mittelalterlid^et äSßeife bie mit ein- 
anbet tinfienben äBeltptincipien bet ftnnlid^en älnfd^auung butd^ 
gteifbate Symbole ein^jtdgt. 

SOBet finb biefe armen künege, bie künege, benen an bet DoHen 
SRad^t unb SBütbe ettoaS fe^lt, tto^bem fte bie Atone ttagen? 

Dtto bon $oitou ift getoi^ einer babon. 9(lfo etft nad^ feinet 
SSafjH unb $rocIamation burd^ (Sr^bifd^of Slbolf bon ^öln am 
9. 3uni 1198, biellcid^t gar etfl nad^ feiner ©albunfl unb Ärönung 
au Slad^en am 12. 3uli, ift biefer @})tud^ gebid^tet. SRit un- 
ed^ten 3nftgnien mugte et fid^ frönen laffen. Sr befag nid^t ben 
faiferlid^en @d^a^, ber nod^ bei Sebaeiten ^einrid^d VI. aud 
SicUien über bie ^Iptn nad^ bet Sieid^Sbutg 3,iifeld gebtad^t U)at, 
bamatö butd^ feine beifpiellofe (Stöge übetaU äluffel^en unb Staunen 
enegt l^atte* unb nun ^l^ilipp aut Serfügunfl ftanb. 

Siefet @d^a^ entl^ielt bie Steid^gfleinobien , bie Symbole ber 
Segiiimit&t: bie Jtaiferlrone mit bem unbergleid^Iid^en Siamanten, 
bem weisen; bie l^eitige Sanae beS SonginuS; bad l^eilige jtreua; 
bie Snfiflnien be8 ©d^toertS, ©ccpterS unb 9H)fefö, bie laiferlid&en 
Srun!g6ti)&nber, bie aum £^eil aud bet unetme^lid^en ficilianifd^en 



auf bie Äaiferfronc. ©ine ©d^eibung äwifd^en ben SnfiQnien beS beutfd^en 
ÄönigS unb bc8 ^aiferö würbe überl^aupt 'im HKittelalter ntemalä burd^« 
gefül^rt. S5on bent mer!n)ürbigen unb nid^t bebeutungölofen 3Serfud^ einer 
foldjen burd^ @ert)afiuS von %xibuvi) wirb unten (Unterfud^ung 3) bie 
Siebe fein. 

^ ©. 2;oed^e, Äaifer §einrid^ VI. ©. 349, voo bie Duettencitate »er» 
aeidjnet finb. 

leurbad^, SBalt^ev von ber SSogelioeibe. 10 



146 Unterfuc^ungen. 



Seute ftammten. $l^t(i)))) in bem oft ettoäl^nten 9)ttef an 3nnocena 
t)om 3a]^rc 1206 tül^mte fid&, nod^ 8 Salute ]pSiUx, bafe er bei 
Sludbtud^ beS 5tl^ionfheitd einen gtogen @d^a^ an ®olb, Silber unb 
loftbaren Steinen, bog er bie ed^te Arone, bie Sieid^dlanae, bad 
l^eitige ßreua, bie ed^ten Ärönunfl89ett?dnber unb atte Snfiflnien 
befeffen l^obe. 6r mad^t — bie SBotte finb eben (@. 144 anm. 1) an« 
öefül^rt toorben — ouSbrüdEtid^ geltenb, ba§ ben fSfürften fein anberet 
burd^ feinen Ketdgt^nm für bie Saft unb 8ürbe beS 3m))erium 
auSreid^enb erfc^ienen fei^ 9Iltt Unred^t erblidtte SBilmannS ^ barin 
eitleÄ „^-Prunfen" unb ein S^ic^ßn bet „Saxbarei". ®iefe Sluf- 
a&l^lung $]^ilip))g in einem offtcieUen ©d^rtftftüd nad^ fo bieten 
Salären, nac^bem feine .^errfd^aft böQig gefiebert, feiner unmirN 
famen formalen SRed^tÄtitel mel^r beburfte, entfprad^ ber nuiüen finn« 
lid^en ^xt 5U beulen, toie fte im sanken Mittelalter lebenbig xoax 
unb aud^ in ber neuen Qtii eigentlid^ big aum Siege bed StationaliSmuS 
nid^t auSgeftorben ift. 3nnocena III. felbft l^ob fd^on 1198 in einem 
Srief an J!önig 9lid^arb t)on (Snglanb bie ä3ebeutung beg nad^ Sßeutfd^« 
lanb gefd&afften faiferlid^en Sd^a^eS in ^^ili|)p8 ^ftnben ^erOor^. 



1 Reg. de neg. imp. S«r. 136 (SÄigne 216, ©. 1134): Quod tunc inter 
omDes principes imperii nuUus nobis faerit ditior, nullus potentior, nuUus 
gloriosor. Habuimus enim amplissimas et diffusas possessiones, habuimus 
etiam castra plurima et fortissima et inexpugnabilia. Habuimus etiam tot 
ministerialeS; quod nos eos sub aliquo certo numero vix comprehendere potui- 
mus. Habuimus castella, civitates, villas, burgense» ditissimos. Habui- 
mus pecuniam multam nimis in auro et argento et in multis gemmis pre- 
tiosis. Habuimus etiam in potestate nostra sanctam crucem, lanceam, 
coronam, indumenta imperialia et omnia insignia imperii . . . Hereditas 
etenim multa ceciderat in preclaris ; Ann. Plac. Guelfi <B. 422 (bei SöinJel« 
mann 1, 50 2lnm.): Quia dominus Philippus aurum et argentum habebat 
et possidebat, quod Anricus de Apulia et Sicilia ... in Alamanniam miserat, 
fere omnes principes . . secum habebat. 

2 Seben SBalt^er« ©. 86. 

8 Reg. imp. 5640, Epistole Innoeentii 1, 230 (TOgne 214, ©. 197 B). 



2. IDaltljers erfter Spruc^ton unb ber ftauf?fd?e Heid^sbegriff. 147 

S)ic l^iflorifd^en ©axfteßuugen beS ÄronfltcitS^ mclben Blctd^faH« 
mit SctonUHB, ^^ilipp l^obe bie Regalia, bic ÄöntgÄtnftönten (ffreus, 
Atone, Sanae) in feinen Seft^ ge6xQd^t. 9lud^ bie l^iflotifd^en 
SSctid&te über ba8 aKagbebutöet JlBcil^nad^tSf efi Don 1199, too W^ttJ}) 
pd^ ate legitimer Äönig unter ftrone aeijtc, Icjen ben größten ^ad&» 
brud barau?, baß il^n bie e d^ t e n Sfteici^ginftgnicn f d&mütften, ba§ ber 
einfüge $rötenbent Sernl^arb t)on @ad^fen bamafö bem Aönig baS 
gieid^äfd^toert borantrug ^. S)amal8 mar alfo nad^ bem ©efül^I 
jenes Scrid&terftatter«, nad^ bem 5ffentli(^en Urtl^eil über]^ou})t, er? 
reid^t, maS SBaltl^er in unferem Spxnd^ t)on ber legitimen Tönung 
^^iIi})})Ä erl^offt: bie cirkel Ratten fid^ gebeugt öor ber ed^tcn 
.ftrone, öor bem ed&ten ©d&a^. ®er Surft, ber einft feinen gürftcnl 
reif mit ber Arone ))ertaufd^en moQte, trug bamolS bienenb bag @^mbo> 
ber faifertid^en 5Bad^t. »ud^ Dtto IV. l^ot, al8 er feine ©tunbe 
gefommen fül^tte (12. 93lai 1218), feinem SBruber bie genaueften 
3Beifungen ertl^eilt; unter meldten Umftdnben unb Sebingungen er 
feinem legitimen 9lad^folger bie faiferlid^en ^nfignien, baS l^eilige 
Äreua, bie ßan^e, bie flrone unb alte übrigen ausliefern fotte^. 
9lid^t umfonft ift baS fte^enbe (5})it]^eton beS maleren flönigS 
in ber altbeutfd^en S)id&tung baS SOBort rtche. S)er Steid^tl^um beS 



1 S8ur!arb oon Urfperg (Mon. Germ. Scr. XXIII, B. 365 3. 25 ff.): Vole- 
bat [$l^i(ipp] enim tenere imperium, cum in potestate sua habuit insignia 
imperialia, utpote corouam et crucem et alia que attinebant; Chronica 
regia Coloniensis a. 1204 (Script, rer. Germ. @. 173): Philippus dux 
Suevie .... animadvertens causam suam secundo processu in prosperum 
agi et regalia insig^ia, crucem »cilicet, lanceam, sceptrum cum Corona po- 
testati sue contradita ; Contin. Admunt. (Mon. Germ. Scr. IX, 568) : Philippus 
crucem, coronam et lanceam ceteraque insignia imperialis capelle, que 
regalia dicuntur, vivente adhuc imperatore de Apulia adduxerat. 

2 §al5etftäbter ®l^ronif bei Sad^mann ju 19, 5 : Rex regalibus indu- 
mentis et imperiali dyademate insignitus .... Beriiardus autem dux 
Saxonie qui et ensem regium proferebat u. f. n). 

^ Reg. imp. 51. 

10* 



148 Unterfuc^ungen. 



Aönigd ifl feine ^od^t, unb ha% ^extDOxi, toeld^eS bie löniglid^e 
Äanalei il^m nid^t feiten giÖt, largissimus , e« l^at polttifd^e »c» 
beutung. Set löntglid^e @d^a^ unb bie {öniglid^en ^nfignien te- 
ptäfcntiren füt bie alte, germanifd^e Sluffaffung bie facttfd&e unb 
bie xed^tlid^e AönigSgetoalt, t)ot aQem bieboUe ©oubet&netftt. 
63 genfigt l^ier an bie fd^öne 9{udffi^tung au etinneTU, mit bet bot 
Saluten Staxl ^Jlöttcnl^off ^ in feinet betftl^mten Slbl^anblung ,,3"^ 
(Sefd^id^te bet 9li6eIungenfQge'' ben teolen @inn bet ßttoetbung bed 
^ottd in bet burgunbifd^en Slttilafage entl^üUte, an feinen 9lQd^« 
»eis bet unaetttennlid^en ßinl^eit bon .&ott unb Seid^ (liord and 
rtce im 95eotouIf) unb an baS teid^e 5Batetial in bet beutfd^en 
SSetfaffungdgefd^id^te bon ®eotg SBat^^. 

S)ie Zl^atfad^e, bag nad^ bem Zobe Dttod III. bet fpätete 
.&eintid& IT. bie Regalia, b. 1^. bie Seid^Sinfignien, jutfidtl^ielt, beten 
et ftd^ bemäd^tigt l^atte, ift fd^on atoei Wenfd^enaltet fpätet aU 
Utfad^e feinet (Stl^ebung bettod^tet tootben^. 9ladg feinem 2;obe 
betool^tte feine SBitttoe bie giegalien unb beftdtigte buxd^ il^te Uebet- 
gäbe an ben ted^tmä^ig getoäl^lten 9tad^foIget gleid^fam beffen 
Succeffton^. 91U bet le^te Saliet ^eintid^ Y. bie ^ugen ge« 



1 Seitfd^rift füt beutfd^eS mUvtf)nm 10, ©. 155 (1856). 

2 aOBaift, SSerfaffungögefd^. 2, 124 f. (8. 2lup. 2, 1 @. 182 f.) 6, 183. 
223 f. (2. Slufl. t)on ®. ©eeligcr 1896, ©. 177. 285 f.). 

» Sraunwcilcr Älofterd^ronif ©op. 11 (Mon. Germ. Scr. XIV, 183, 
3. 41 ff.): Cum supradictus antistes (§eriBcrt t)on SWatn^) imperialia etiam 
insignia secum ab Italia deferret, Heinrici Noriconim ducis, qui ad Im- 
perium iam dudum aspiraverat, insidiis iuxta Alpes positis ätque maiore 
militum manu oppressus eadem amittens,' multis iniuriis affectus est . . . 
Verum 'ex occasione imperialium apud se retentorum pluri- 
buB regni maioribus ad sese cum favore commigrantibus, idem 
Heinricus regnat. 

* Wipo ^ap. 2 (Mon. Germ. Scr. XI, 259 = Script, rer. Germ. Ed. 
alt. ©. 15): Supradicta imperatrixj Chunegunda regalia insignia, quae sibi 
Imperator Heinricus reliquerat, gratanter obtulit et ad regnandum illum 
corroboravit 



2. Wali^exs erjier Spruc^ton nnb ber jiaufifc^e Heic^sbegrtff. 149 

fd^toffen l^atte, galt ber @taufer «^er^og f^riebtid^ Don @(^tOQ(en 
für bcn befiflnittcn Äad^folget, bcnn il^n l^atte ber ficrtcnbe Äaifet 
als (Stben beS Sletd^S beaeid^net, il^m bie Obl^ut feinet iRad^IaffeS 
anbetttaut unb et toat bet näd^ß^ 93ertDanbte beS etlofd^enen «^aufed, 
aUgeel^tt, ntäd^tig unb xeidg. 3nbejfen bet (Stabifd^of 9lbal6ett bon 
Watna tooQte feine SSa^l bereiteln. Um bteS au etteid^en, teufte 
et fein beffeteS ^JJlittel aU aun&dgft bie Sleid^Sinfignien in feine 
(Setoalt au btingen. S)utd^ l^intetlifiige bettügetifd^e a8otf})iegelungen 
gelingt eS il^m, baau bie @ene]^migung bet Aatfetin-äBtttme unb beS 
^etaogd gftiebtid^ a^ etfc^leid^en : nun liegt bie (Sntfd^eibung übet 
bad SBal^lgefd^äft in feinet ^anb unb ftatt gftiebtid^ lommt Sotl^at 
auf ben S^ton^ 9lod^ mel^t an bie Sage beS ^al^teS 1198 et« 
innett bet SBal^footgang nad^ bem Sobe ffontabS III. 9lad^bem 
fein ftlteftet ©ol^n gejlotben toat, toollte et baÄ Sleid^ nidfet feinem 
ad^tiftl^tigen atfeiten @o]^n auDetttauen. (St übetging biefen ballet, 
obtool^l et nad^ ßtbted^t bet legitime 9lo^folget getoefen todte, unb 
befignitte feinen Steffen gtiebtid^ öon ©d^toaben aum lünftigen 
beutfd&en Äönig, inbem er il^m bie 9leid&8infignien unb ben 
Sd^ufe feines unraünbigen ©ol^neS übetttug. S)abei l^atte fein 
ftül^etet Äonalet gtabifd^of 5lxnolb bon Äöln bie ^anb im ©piele: 
er loat bot SlQen bemül^t, bie äSßal^l 93atbatoffaS au fidlem ^. 9luf 
biefen 5ptäcebenafaII lonnten fld^ alle bie betufen, bie nad^ ^eintid^S VI. 
2ob ben aSotmunb beS l^intetbliebenen ÄinbeS, ben SBefl^et bet 
SReid&Sinfignien, au beftimmen tonnten, felbfi bie Ätone fid& auf- 
aufe^en. 

SBaS bie mobetne 3^^^ iu ftaatSted^tlid^en abfttocten Segtiffen 
U)iebetgibt, gestaltete baS 9Rittelaltet in aUgemein f abbaten, bet 

^ 3aff6, ®efdöid^te beS 3)eutfd^en Sfteid^ä unter Sotl^ar oon ©acpfen. 
Berlin 1843, ©. 27; S3ern^arbi, Sotl^ar oon ©upplinburg. Seipaig 1879, 
@. 5 f. 22 f. 

2 ©iefebred^t, ©efd^id^tc ber beutfd^en ilaiferseit IV, 360. 380. 497. 



150 Unterfud^ungen. 



anfd^auunfl ber ©clel^rtcn toit bet ünflclcl^ttcn gteid^ auöänflüd&ctt 
©^mÖolcn. S)ie 3bec ift l^iet biefelBc wie bott: bafe bct mittel« 
alterlid^e SluSbTUdE aUgemeinet berft&nblid^ toat aU ber l^eutige, 
fd^eint mir lein 3«i<ä&en ber Barbarei au fein. 

Unb l^atte nid^t qu($, bom ©tanbpunft nüd^terner moberner 
®ef(%id^t8auffa|fun9 bctrad^tet, ber ficiU|d^e ©d^afe ^einrid^fe VI. eine 
große politifd^e SSebeutung für bie ©i^erung ber IdferUd^en Ätone? 
2)aS ateid^ ftonb bamatS bor bem Einfang jener jtrife, ber fd^tießlid^ 
bad ÄQifertl^um erlegen ift. S)ie 9lutonomie ber fürfttid^en Serri« 
torten, bie SScretnigung ber Seid^ägüter auf ber einen, bie über* 
mäd^tig bon Italien l^ereinbred^cnbe Sapitatoirtl^fd^aft unb bad 
Surütfweid^en ber alten 9laturaltoirtl^fd&aft auf ber anbcrn Seite 
gefäl^rbeten bie Slufred^ter^attung einer centralen @ett)att oufd %e- 
brol^Iid^fle. S)a« Äaifert^um, tooßte e8 bie alte Äraft beroal^ren, 
brandete eine fidlere, unwanbelbare flnancieUe ®runb(age. Sie 
©d^d^e bed eroberten ^5nigreid^S ©icilien, bie uneifd^öpflid^en toirtl^* 
fd^oftlid^en Sleid^tl&ümer biefeS gefegneten Sanbeg fd^ienen fie bringen 
au f5nnen. Slrnolb bon SübedE l^atte eine Sl^nung baDon, menn 
er baä mittelaltertid^e ©otteSguabent^um beS faiferlid^en 3lcgiment* 
burd& ben ©eioinn biefer ©elbmittet geftärft fftl^lte^ gg ift ein 
getoid^tigeS unb tn^altreid^eä Sob, toenn bie l^iftorifd^en ^Jlad^rufe 
auf .^einrid^ VI. befonberS feine greigebigleit rül^mten. 

S)te ©^mbole beS föniglid^en Jhonfd^a^eS berbürgen in ben 
äugen SESaltl^er« unb feiner S^itgenoffen bie Segitimität unb bie 
©ouberänetät beg Seft^erS. aber nod^ ein S)ritted: bie @rb« 
mäßtgteit. 



^ 2lrnoIb »on Sübcd V, 20 (Mon. Germ. Scr. XXI, 197: Imperator 
liberalissimus erat [§etnrtd^ VI.]; quem deus ampliare volens dedit ei 
thesauros absconditos , quos infatigabiliter , non tarnen predige omnibus 
erogabat. 



2. IPoItt^ers erfter Sprud?ton unb ber ftaufffc^e Hetc^sbegriff. 151 

(Sö ift befannt, toie ^eintidö VI. mit aEcn Äräftcn feine« 
burd^btinöenben ©eifteS unb feines ftäl^Icrnen SBillenÄ batnad^ ge- 
nittöen ^alte, bem Ketd^ eine feflere StiflunB au fd^offen butd^ eine 
Umtoanblunfl feiner SJexfaffunö: burd^ ßinfü^tunfl eine« erblid^en 
ÄQifertl^um«. S)er ^(on toar gefd^ettett. 9lber baS SJetntddjtnife 
biefer SSefotm lebte in ben flreifen bev ftauflfd^en SfteBierunBSpattei 
QU^ nad^ bem £obe be« ^aifex« fort. Wan betrad^tete ba bte 
Staufet al« bie malzten unb angeftammten «^enen ^ gftetlid^ mel^t 
eift in bunCler SotfleUung, in einem l^albbemu^ten Sebürfnig ol^ne 
fc^atfe gfotmuItTung unb confequente ^ntDenbutig. Ser ed^te Stbe 
be« ^aifett^um« xoax ja ba« Ainb bet gonfianae: t^m l^atten aU 
öettJäl^ltem Äönig bie beutfd^en fjfürften fd&on bei ßeb^eiten ^einrid^« 
Sreue gefd^woten. Slbet in ber 3cit, ba SBalt^er« @})rud& ent- 
ftanb, toar ber Heine fSfriebrid^ al« beutf^er Äaifer in aßen ^Parteien 
unmöfllid^ getoorben. 9luf il^n aurüdtauöreifen fonnte fein ffennet 
ber matten Sage me!|r bcrfud^cn. SBoU^er« Sprud^ betont bie Un- 
orbnung unb @efe^(oftgIeit , ber ein (Snbe gemad^t n^erben muffe, 
offenfunbig mit bem ^intergebanfen : nur ein ganjet 3R a n n lann 
^ier l^elfen, lein unmünbige« Anäblein unb lein %egent. 

Sie Z^ronfolge nad^ Srbred^t ift belanntlid^ mannid^fad^en 
Sefd^r&nfungen audgefe^t: unl^eitbare Aranf^eit ober (Seifte«ftörung, 
toetbttdge« Sefd^Ied^t finb 9lu«fd§tiegung«grünbe. Sin nod^ im SQ3erben 
befinblid^e« , auf ba« (Sefül^I gegrünbete« Stbred^t ber Succeffion 
ent^tel^t oud^ bem unmünbigen ffinbe bie Zl^ronfolge toegen mangeln- 
ber förperlid&er unb geifttger Sefäl^igung. Slud^ fd&ien gfricbrid^ 



^ ^urfarb t)on Uräpcrg (Mon. Germ. Scr. XXIII, 365): Deus conterens 
omnem impietatem et perfidiam ipsorum, haec fieri non permisit, inspirans 
cordibuö hominum, ut suos nativos dominos non derelinquant et alienis 
adhaereant. 3)ie ©efinungägenoffcn 2lbolf§ oon ^öln nennt er DOtl^et 
cupientes diripere hereditates. 



152 Urtterfuc^ungen. 



Dom Aaifettl^um auSgefd^Ioffen , ba er buxd^ feine Aiönung pm 
Aöntg bon Sictlien unb bie bem !ßQ))fte augeftd^ette Sel^nSl^uIbigung 
SSafall ber (Sutie gelootben toar (f. unten @. 191). Site ein- 
aiget ätettet erfd^emt nun ber, toield^er ate n&d^ftbered^tigter freier 
Srbe burd^ ben SSefi^ ber J^rönungSinjtgmen fid^ auStoeift. $^Qi))f 
befl^t ben weisen in ber ftrone Äarte bc8 ©rofien, toeil er ber redete, 
ber aQein berfügungSfäl^ige (Srbe beS Sleid^eS, ber 93lutösenoffe bed 
laiferlid^en ^aufeS ber Staufer ift: alfo l^ulbigt il^ml 

aSenn flSalt^tx Otto bon $oitou tro^ feiner SBa^ ober Krönung 
ate armen künec (e^eid^net, fo mag man fid^ aud^ bergegento&rtigen, 
toxt loenig el^renboU unb glänaenb, loie toienig !önigUd^ SSaltl^er 
bie bigl^erige Saufbal^n biefed SRanneS erfd^einen mu^te. Otto loar 
in (Snglanb am AönigSl^ofe aufgetoad^fen in fran^öfifd^er Silbung. 
(Sr ^atte fid^ bann lurae 3^it nad^ Jl5nig Slid^arbd iJfreilaffung 1194 
unter ben ®eifeln für bie S^^^^^^ß ^^^ ^^ Jlaifer ^einrid^ YI. ju 
etfiattcnben Söfegclbe« befunben. 3^tt, bier Saläre barnad^, foHte 
er felbft Aaifer merben ! 9lad^ jenem unfreien ^(ufentl^alt in Seutfd^* 
lanb l^atte er 1195 bie <&anb ber Zod^ter beS JlönigS SBill^elm 
bon @d^ottIanb, ^argaretl^e belommen, Srbe Sd^ottlanbS fein unb 
bon ftönig Stid^arb mit 9lort^umberlanb unb ber @raffd^aft ßarliSle 
belel^nt toierben foQen. Sied aerfd^lug ftd^ bamafö unb er lourbe 
bon Aönig Slid^arb 1196 !ümmerlid^ entfd^äbigt butdg SSelel^nung 
mit ber ®raffd^aft $oitou. 3n ber ^alberfläbter ß^ronilS bie 
aus ben Areifen beS SSifdgofg @arbotf (f. oben S. 92), beS einzigen 
$ofIat)Ian« ^einrid^S VI. ftammt, toirb fogar eraft^lt, Otto 
l^abe, um bom englifd^en Äönig (Selb für feine SBäl^ler a« «if 
l^alten, biefe feine ®raffd§ajt il^m toieber berfaufen muffen. DB genau 
in biefer f^orm ma^r ober nid^t, genug bie @efd^id^te loar in 
©eutfd^Ianb berbreitet, tourbe geglaubt unb bon ben ©egnetn Dtto8, 



^ Mon. Germ. Scr. XXIII, 113. 



2. Walttiexs erfter Spruc^ton unb ber fiaufifcf?e Heid^sbegriff. 153 

fo aud^ t)on äßaltl^er, auSg^nü^t. Unb eg toar tcieber nid^t bad 
Selb an fid^, loobutd^ biefer $anbel Otto in ben klugen ber ftauflfd^en 
gicid^gpattct l^ctabfc^tc, fonbetn bct ctgentlid^c ftcrn bei ^ngelegenl^eit. 
Otto loat Qld @raf bon $oUou Sel^nSmann beS JtönigS 
Don ßnglctnb. SBie lonnte et als fold^et beutfdget Aönig loetben, 
ba bod^ englanb f elbft ftaufifdgei Zl^eoiie ateSSafatlenftaat 
bedbeutfd^enätetd^eS g^lt ? @r mugte btef eS Selben lod toerben. 
(Et gab eS gutüdE gegen ®elb, um bon btefem ®elbe feine SSäl^let 
gu Begal^Ien. Slbet ed fielet nid^t einmal f eft, ob er bie $lbfinbungS- 
fumme bon 9li($arb to)itllid^ ie erl^alten l^at^ 

3Jlu6te jene« Dito an ber 9lafe botbeigegangenc fd^ottifd&e 
Aönigtl^um, bann loiebet bie um neuer AönigSl^offnungen miUen an 
ben !öniglid^en ^rotectot unb (Selbffenbet betlaufie 6tfa^graffd^aft 
SBaltl^etd Spott, mußten fte nid^t bag ^ol^ntoott armer kttnec 
gegen ben bed ®elbe8 unb beg SanbeS bloßen SSetfen, ben SJafaUen 
eined Sleid^dbafaQen , ben armen man eineS armen man (f. unten 
6. 164) au bet @pi|e eineS treffenben $fei{ed fd^fttfen? 

2)ie etfte StegietungSl^anblung biefeS etio&I^Iten Jl5nig9 loat 
bie preisgäbe bet Steid^Sgetoalt an bie Sutie, beten SSetlangen 
nad^ loelttid^em a3ejt| in einem bis bal^in nod^ nie etl^Dtten Waa^e 
je^t l^etborbtad^. 

9lad^ bem 93ttefe 3nnocena' an bie beutfd^en Sfütften au8 bem 
Salute 1199 (3. Wai) l^at Otto gleich am Sage feinet SSal^I in 
Stbln gefd^tooten, baS äied^t bet tömifd^en Aitd^e gu loal^ten, unb 
fpätetl^in (postmodum)^ fid^ eiblid^ betpflid^tet, il^t aHeS loiebet 
ju etfiatten, loa» feine SBotgftnget, alfo gtiebtid^ unb ^eintid^, il^t 



* SBinfeltnann 1, 509. 

2 Reg. de neg. imp. 3lv. 1 (^Rigne 216, @. 996 A). SDieö SBort über«« 
ftel^t ©rotefcnb, Sur ©öaractcriftif ^l^ilippS unb Dttoä, ©. 24 unb gibt 
ba^er. eine irrige Snterpretation bc3 päpftltd^en ©d^reibenö. 



154 Unter fuc^ungeii. 



toibexrec^tlidö cntsogcn l^ättcn. (5r ^at iebcnfaHS gleid^ Bei feiner 
äßa^t auf baS Spolientedgt Ux^xä^Ui. Seine äßäl^Iet ttd^teten 
unmttteKat nad^ bet Krönung au Stadien an ben $a))ft ein untei- 
toürftged Sd^teiben , toorin jte fid^ betbütgten, ba^ Otto bie äted^te 
ber jfiid^e aufredet etl^alten loetbe, unb Slbolf t)on A5ln fenbete 
fogar nod^ einen Se^jaratbrief nad& Siom, in bem et bie toeiter» 
gel^enbe 93ütgfd§Qft übetnimmt, bag Otto baS Patrimonium $etri 
aurüdferftatten toierbe^ 93alb nad^l^er rid^tete aud^ Aönig Stid^arb 
toieberl^olt au @unften feinet Steffen bemüt^igfte Setl^euerungen be^ 
(Sel^orfamS unb SSetfid^erungen ber £reue an bie Surie, unb barin 
fte^t ausbrüdtidg bie Sürgfd^aft, Otto toerbe feinem Sib gemä^ 
aOeS ber Aixd^e aurüdfgeben, toad frül^ere ftaifer il^r entaogen ober 
gefd^m&lert Ratten 2. 

06 nun bamald fd^on Otto jene mit ben f))&teren Sonceffionen 
bon 9leu6 (1201) unb Speier (1209) ibentifd^e Urfunbe Oorgetegt 
unb bon il^m tt^itllid^ boEaogen U)orben ift, bie aQe italifd^en 9leid^g« 
leiten bem ^apfle auslieferte, iji ftreitig^. 

Sfeft fielet, baB feine Slnl^änger unb Sefd^ü^er il^n fd^on bamald 
au ienen 3ugeftänbnijfen bon riefiger £ragtoeite brängten. ^m 
Sa^xe 1201 boQai^g er fie fidler, lieferte baS Patrimonium ^etri, 
bad @ut ber @rafln Wat^ilbe, aUe mittelitalifd^en äieid^glanbe bem 
$apfte aus unb erfannte bie Sel^n^l^eirtid^feit ber ^ird^e über Sicilien 
an*. S)amal8 fd^uf er bie ©runblage für ben fpäteren 



^ Reg. imp. 5«r. 202-206. 

« Reg. de neg. imp. «Rr. 4. 5 (3)Hgne 216, @. 1000 ff.). 

8 Sßinfelmann 1, ©. 511, Sinbemann, gorfc^. 5. b. ®efc§. 25, 244 ff. 
nei^men e§ an; '^ai^, J^orfd^. 13, 502 ff.; ©d^roemer a. a. O. 144 ff.; 
ü. §einemann, ©einrid^ r. SBraunfd^roeig 1882, ©. 91 unb (bebingt) audj 
©rotefenb a. a. D, ©. 23 ff. beftreiten eö. ^ql befonberö aud^ Reg. Imp. 
14625 unb Sßinfelmann Acta imperii inedita II, @. 676 ff. 

* girfcr, gorfd^ungen jur S^leid^ä* unb S^led^tägefd^id^te Stalienö 2, 
389 ff.; 2ßtnfelmann 1, 88, erläut. VII, @. 511. 



2. Waliiiexs erftcr Sprud^ton unb ber ftaufifc^c Heicf?sbegrtflf. * 155 

Umfang bed pft))ftU(i^en Jttt<^enftaatd. Slbet fc^on fein 
Sini^alttn tm^al^te 1198 bahnte iebedfaQd ber eben l^ett^otbred^enben 
nationalen (Strömung nad^ ber Unabl^&ngigleit Staliend, bie 
3nnocena toie bie {icilifd^e Sonflanae auSaunü^en tt^u^ten, auf jfoften 
bed Seutfd^tl^umd (ber tiuschen zonge) ben S8eg. SBad er f))&ter 
pd^er öerübte, l^aben, falls er nid^t, toie id§ mit aOSinfelmann glauben 
möd^te, fd^on 1198 bie SSerJ^flid^tungcn bon 1201 unb 1209 toirllid^ 
auf fid§ genommen ^at, bod^ bie ftaufifd^en ffreife il^m bamalS 
bereits augetraut, l^at bie nationdl'italienifd^e gartet unb bie Surie 
t)on il^m ertoartet. Sie tou^ten unb aud^ SBaltl^er tou^te e8, ba§ 
er im ffampf gegen ^l^ilip)) geatoungen fein toerbe^ ben 93ei{tanb 
beS ^apfteä burd^ 9lnerfennung ber Mecuperationen in Stalien au 
erlaufen, benen bor aQem aud^ baS oon $l^ilipp befeffene «^eraog» 
tl^um ZuScien unb baS SRatl^ilbifd^e @ut aum Opfer fielen, ^nno* 
cena l^atte biefe SlecuperationSpolitit ia fofort nad^ feiner Srtoäl^lung 
energifd^ begonnen: fd^on im gfebruar unb SRöra beS ^df^xti 1198 
^atte er auf baä SSeftimmtefte erllärt, boft er SuScien, bie SRorl, 
baS (S^ard^at oon Stabenna aU Zueilt ber ^errfd^aft ber römifd^en 
Aird^e beanfprud^e^ unb gegen ben Q3ertreter ber Steic^Sgetoalt in 
Stalien Warlioalb bon Slntoeiler bie (Sscommunication beftätigt, 
toeit er ba« Patrimonium $etri antaftete^. 

SBäl^renb laum atoei S^^te Oorl^er ^einrid^ VI, toie il^m gut 
untenid^tete geitgenoffen a^fd^rieben, ben großartigen $lan gel^egt 
]§atte, baS Patrimonium $etri gegen bauernbe gefe^Ud^e (Sntfd^&bigung 
aus ben Sinlünften aller 9JletropolitanIird§en beS Sleid^S umfaffenb 
au f äculariflren ^, toedte Otto bom erften Slugenblidt feines 9luf« 



1 Reg. imp. 5624, 5629. 

2 Reg. imp. 5633. 

8 Sot^ar t). §cinemann, aWttt^eirungen b. Snftit. f. ö. ©efd^. 9, 134 ff. 



156 Unterfuc^ungen. 



tretend bte Sefürd^tung eineS SSetaid^tS auf aQe italtfd^en £enitotien 
beg äteidgd. 

3taä^ bem @ef agten batf man annel^men : einet bet anbringenben 
armen künege , toeld^e bie tiosche zunge f d^&bigen , toar bet in 
jtöln getoJäl^Ite Otto t)on $oitou. 

(StaBifd^ojf älbolf t)on A5ln l^at nad^ bet Säeobad^tung Slö^tid^d ^ 
feine einaige feinet Utiunben batitt nadg ben 9legietung8ia]^ten OttoS, 
bed bod^ t)on il^m felBft geltönten Aönigd. %nä^ et l^ielt il^n füt 
einen armen künecl 

äBet Qbet ift au^et Otto gemeint? Sid^etlid§ leinet bet {ängft 
abgetl^anen Sßtätenbenten Settl^olb unb Setnl^atb. Sie au fd^onen 
l^atte USali^tx nad^ il^tem Uebetttitt au ^^tlipp toiai^tlid^ aOen 
@tunb. 

9lQd^ bet 6i8]§etigen (Srilätung ftel^t bet SSetS die cirkel sint 
ze h^re f^non^mtfd^ mit die armen künege dringent dich: bet atoeite 
9}etd fü^tt nut f))eciQltfiTenb ben ^nl^alt beS botangel^enben qu8; 
bie „atmen flönige" flnb ja eben einige bet ze h§ren gütften, bie 
nad^ bet AönigSitone fttebten, !eine toitllid^en J(5nige. 9lad^ meinet 
2[ntett)tetation bagegen entl^alten bie beiben SSetfe in loitlungS« 
))oQftet Steigetung aioei betf d^iebene Uttl^eite : eines übet bie Sf ä t ft e n , 
toie ßtabifd^of »bolf bon flöln, Ctabifd^of Sol^ann bon Stiet, ®taf 
Salbuin bon gflanbetn, ^etaogin Wed^tilb bon Stabant, <8taf 
Gilbert öon DagSbntg nnb ajte^, SSifd^of Äontab bon Sttafebutg, 
luta gegen aQe, bie ftd§ toibet bie centtale 9leid§Smad^t auflel^nten; 
bad anbete übet unebenbüttige, untoütbige ftönige, bieauf Seutfd^- 
lanb einbtangen, um il^m ettoaS abaugetoinnen. 

aßen alfo äuget Otto l^at SSaltl^etS bittete Sd^elte arme 
künege treffen tooUen? 



1 a. a. O. @. 45. 



2. IDaltl^ers erjlcr Spruc^ton unb ber ftauflfc^e Hetc^sbegriff. 157 

Armer man — armer künec: ber JUtnflmann-Mdnii. 

Wit Cito betbünbet, fein 6ef!er Reifer toat jtöntg Stid^arb 
Sötoenl^eTa^ bon (Sngtanb, fein leiMid^er Cl^eim. 

(St gab bie @elbmittel für bie am Tliebenl^ein t)on ^bo(f t)ou 
Aöln gegen bie 9letd§gge)oalt entfeffelte 93etpegung. 6t toat bie Seele 
unb bie SebenSqueEe ber tpelfifci^en Sluflel^nung. 6t mu|te inS- 
befonbete bem in Oefleneid^ ettoad^fenen äBaltl^et ate gefäl^tlid^ftet 
gfeinb bet Sieid^geinl^eit unb aU begel^tlid^et ÜJlinbetet beS dteid^i)- 
gutS etfd^einen. 2)enn in Oeftetteid^ l^aite fic^ etfi t)ot toenigen 
Saluten bet erfie Slct beS benlmütbigen Stamp]t^ atoifd^en Slid^arb 
unb ^eintic^ VI.^ obgefpielt, bet noä^ in aHgemeinet frifd^eftet 
Stinnetung fein mu|te. 

jlönig Sltd^atb ton (Sngtanb l^atte in 2)eutfd^Ianb to)ie in 
3talien bie 9leid^S))oIiti! ^tinxitb^ ^u butd^fteu^en gefud^t. @eit 
bie taiferlid^e 5Qlod^t griebtid^g I. gegen bie tl^einifd^en Sütften 
unter bem abttünnigen Stabifd^of ^l^ilipj) bon fföln unb gegen bie 



1 Reg. de neg. imp. ^v. 136 (3!Wigne 216, ©. 1134, Mon. Germ. 
Leg. IV. Constit. II, S. 11, 37): Recepta multa pecunia a rege Anglie. 
2)ie Sfiadjrid^ten über SRid^arbö financieUe Unterftü^ung ber toelflfd^en 33c* 
megung bei aBinfcImann 1, 78 Slnm. 2, 83 2lnm. 1. Reg. imp. ^v. 198 a. 
2ltnolb üon 8übed, Chronica Slav. VI, 1 (Mon. Germ. Scrr XXI, 213): 
Nee defuit inter ista benevolentia avunculi sui cum maximis copiis thesau- 
rorum ad tantam vocationem eum amplissime promovendo. S^labulf t)on 
gogge^l^ale (Mon. Germ. Scr. XXVII, 353): Richardus divitiis et consiliis 
callens tantum egit muneribus et xeniis erga archiepiscopum Colonie et pro- 
ceres imperii, quodj omnibus aliis omissis Othonem elegerunt. ©aefariuä 
üon ©eifterbad^, Dialog. Dist. 2, cap. 30 ed. Strange,' Coloniae 1851, 33b. ly. 
@. 102 f.): Posuit [Adolfds] cor suum, id est consilium suum in ventres 
lupomm, ad thesauros Richardi regia Anglie late hiantium, quornm con- 
silio Ottonem Saxonera, filium sororis eins, in regem Romanorum elegit. 
©benfo anbere SBerid^te. 33cmer!enSn)crtl5 S^loger von SBenboroer Mon. Germ. 
Scr. XXVm, 39: Procurante eodem rege [Siid^arb] Otho nepos eius Aquis- 
granis in regem Alemannie coronatus est. 

2 SSgl. baju bie oben ©.126 2lnm. genannten ©d^riften. 



158 Unterfud?ungen. 



SBcIfen in JlieberfaiSfcn ^attc t&mpfcn tnülfcn, toarcn biefc Beiben 
@TUt)))en t)on äBibetfad^etn ber flauflfd^en ®e)oa{t einanber au einem 
gef&l^TUd^en 93unbe nal^e getüdt. S)ie ä3aftg biefet 93erü]^tung ber 
notbtoeftlid^cn unb norböftlid^en antiftauPid^cn Dppojttion bilbete 
Snglanb. Sei Aönig äitd^atb l^atte fein SJettet ^einrid^ bet Sötoe 
^uPud&t gefunbcn, toar ober, toä^renb ftaifer Slotl^Batt im TOotflen« 
lanbe auf bet Areu^fal^it toeitte, feinen Sd^tout bted^enb, triebet 
in ©eutfd^tanb gelanbet. 3^ ^^^ ftauPfd^en Äteifen toittette man 
barin bie $anb bed englifd^en AönigS^ Unb Stbln, bie m&d^tigfte 
©tabt im B^n^en 9lorben 5Deutfd^Ianb8, berbanb fic!& butd^ gemein- 
fame ^anbetöintcteffen unb ben tcaen toirtl^fci&aftlidöen 35er!e^r immer 
fcfter mit ßnglanb. 3m 3^^^^ 1193 lebte ber SBiberfianb, ben 
griebrid^ Sarbatoffa nieberflemorfen l^atte, in ^lieberfad^fen unb am 
^Jlieberrl^ein mit öetftärfter , toeil bcreintcr Äraft in ber Bxofeen 
gütftenempörunB auf: toie einft ^einrid^ ber Söme bem ftaifer bie 
©eereSfolfle b^B^" 3talien tjettoeiBert ^attc, fo rid^tet aud& je^t biefe 
antiftauflfdöe (grl^ebunfl fid& gegen bie faiferlid^e uni bet feile 
^olitif in Stauen. S)ie Seiter biefer Serfd^toörung toaten ^etaog 
^eintid^ bon »tabant, ßtabifd^of Stuno bon Äöln unb ^etaofl 
Settl^olb bon Sö^tinBen, il^r 3iel bie »bfe^unfl ^eintid^S unb bie 
ÄtönunB b£8 Stabantet ^etaoB«. ^Ifo bet §eerb beS Suftul^rÄ 
betfelbe toie im 3ö^te 1198, aud^ bie Äöd^e aum Sl^ett fd^öit 
bie B^^id^en. 

3tt Stallen felbft befotBte bie ©efd^äfte bet toelflfdöen «Partei 
ÄöniB aiid^atb petfönlid^. Stuf bem SOBeBe jum ÄteuaauB 1190 in 
©icilien übetmintetnb l^atte et ©aBuata in Salabtien Befe^t, aJleffina 
etobert. «nfauB« l^ieB «8, et motte babutd^ bie TOitflift feiner ©dfemefier 
3o^anna, bet SBitttoe beS 9lotmannenföniB8 SDBill^elm II., öom 
Ufutpatot Sancteb etaminBcn. SDann abet l^atte er jtd^ mit biefem 

^ Annales Colon, max. ed. Waitz, Script, rerum German. «S. 143. 



2. IDaltliers erftcr Spruc^ton unb ber ftauf!fcf?e Hetd^sbegriff. 159 

audgeföl^nt, i^n, ber fid^ im Sanuat 1190 l^alte frönen laffen, aU 
^txxn t)Ott ©icilicn anerfannt unb mit il^m einen fötmlid^en SSet- 
trag flefd^Ioffen, beffen Sinbemittet bie 93etIo6ung einer Zod^ter 
lanctebg mit bem 9lejfen Slid^atbS, bem grinsen öon bet Sretagne, 
fein foEte. Slid^arb fe^te bamit nur bie $otitit feines Saterd 
^einridö II. fort, ber feine Sod^ter bem ficilifd^en Äönig ^nx 
@ema]^Iin gegeben l^atte. äBar biefe ^eiratl^ ol^ne politifd^ed 6r- 
gebni^ geblieben, toeil ^einridfe II. für feine ©5^ne bie il^m bon 
bem finberlofen ftönig SBill^elm angebotene Ärone ©iciUenS ablel^nte, 
fo lonnte bod^ bie neue geplante englifd&^ficiltfd^c SSerbinbung einen 
anbern 9(udgang l^aben. 5£)er 6ib ftrengfter 9leutralität, ben Stid^atb 
bem Äaifer tjor feinem SDurd^^ug burd^ baS 6rbe ber Sonftanae 
l^atte leiflen mflffen, war jebegfaHS gebrod^en. Äein SBunber, ba§ 
bie 3^itgenof[ett unb inöbefonbere auc^ meistere ©efd^id^tfd&reiber in 
jenem Sertrag mit Zancreb eine birecte ©pi^e gegen ,&eintidö er- 
blidften. S)aau lam. ba^ bem »ßapft baS Sünbnife aur aSeftätigung 
t)orgelegt tourbe unb fte natürlid^ erl^ielt. 

®ie ^olitil ber Kurie toar ja feit langem bcmül^t getoefen, 
eine 93ereinigung beS Aönigteid^d Sictlten mit bem beutfd^en aietd^ 
au l^intertreiben. 9(uf ®e]§eiB beg ^apfteS SlemenS III. l^atte £ancreb 
bie flcilifd&e ftrone burd^ ben (Srabifdfeof bon ^alergio empfangen. 
& toar unter ber SSorauSfe^ung gefd^el^en, ba| er für fein 
Sleid^ bie päpftlid^e Obertiol^eit anerfennen toürbe. Salb barnod^ 
(1192) leipete er toirflid^ goeleftin ben Se^nSeib in bie $dnbe ber 
darbin&Ie. 9lun fd^ien eS unatoeif el^aft , ba^ unter ber Sanction 
ber pftfiftlid^en Autorität in Sicilien ftd^ eine gefäl^rlid^e Koalition 
gegen bie Slnfprüd^e bed ßoiferg auf fein (Srblanb gebilbet l^abe. 
Saau lam, ba^ am 3. ^Jfebruar 1190 ftönig Stid^arb mit <g)einrid^ 
bon Sraunfd^toeig eine Sufammenlunft gel^abt l^atte. (SS mugte loie 
eine gfolge biefer 93efpred^ung erfd^einen, ba| |)einrid^ t)on S3raun- 



160 Unterfuc^ungen. 



fd^loets im Sommer beS Sal^teS 1191, ald ^etnttd^ VI. t)etge6{t(^ 
9leat)el -belagerte, aud bem tatferltd^en Heerlager entloidl^, au ben 
^lormannen überging unb bann mit beren ^ülfe nad^ Seutfd^Ianb 
entflol^, um bort in Slbtoefenl^eit beS JFaiferS feI6ft um bie beutfdge 
Jhone au loerben. Ser @laube , er l^aBe {Id^ t)ox^tx burd^ einen 
Sefud^ in älom aud^ ber 3ußimmung bed $apfteg goeleftin au 
t)erfid^em gefud^t, fd^eint in 2)eutfd^Ianb verbreitet getoefen au fein 
unb aud^ einige mobeme Sforfd^er l^aben fid^ ju il^m betannt. SRag 
er fid^ ate irrtpmlid^ ertoeifen: a^r (Srlenntni^ ber 5ffentlid§en 
^Jleinung über biefe Singe ^ lote fie aud^ äßaltl^er tl^eilen mu^te, 
barf man il^n nid^t oufeer Äd^t lofien. 

(Sine SSelt bon gf^inben l^inter jtd^ im SlüdEen loie bor fid^ 
in Italien unb in feinen ficilifd^en (Srblanben , bebrol^t bon auS« 
loärtigen Slibalen loie $]^ili))f Sluguft bon gftantteid§ unb Stid^arb 
bon ßnglanb, burd^ SSerratl^ im flrcife ber eigenen Sln^nger ber» 
folgt, l^at ed .^eintid^ VI. bamald betftanben, mit meifterl^aften 
Sd^ad^aügen ber $oUtiI feine offenen unb l^eimlid^en äBiberfad^er 
nid^t bloB a» beficgcn unb im Sowm au ^Iten, fonbem fie au un- 
be)ou|ten SSerlaeugen feiner großartigen $läne au gebraud^en. 

3Bie er atoifd^en ber (Surie, ben ftöntgen bon gfranlreid^ unb 
Snglanb, bem Ufurpator bon Sicilien feinen äßeg fd^reitet tro^ aOer 
borfibergel^enben 9lieberlagen fd^lie|lid^ immer ofö Ztinrnp^atox, baS 
berbient ftaunenbe Setounberung. Unb fie l^aben il^m feine 9ln» 
l^änger unb gfeinbe, fie l^at il^m fid^erlid^ aud^ ber junge äBaltl^er 
aus boHer ©cele bargebtad^t. SBie mußte er fid^ bon bem Äoifer 
fd&on burd^ feine cble l^öflfd^e »ilbung, burd^ feine t)Oftifd&e »e» 
gabung, burd^ feine aietlid^ geformten aRinnelieber angeaogen füllten ! 
SSoQenbS aU fid^ a^igte, toeld^ed folitifd^e @enie tu bem gebred^« 
lid^en Aörper biefeS jugenblid^en Aaiferd lool^nte, toit mußte er au 
il^m aufblidenl 9lfö einer ber erften Staatsmänner aOer 3^it^u 



2. tPaltljers erjier Spru^^ton unb bcr ftaufifc^e Heic^sbegriff, 161 

l^attc ^cintid^ bcn mittcIaUcrUd^en , bcn fiauflfcSen gtcid^Sgebanfen 
flcfifttft tote Icittcr bor il^m unb btc l^od^flicgenbcn 3bccn beö uni« 
betfcEen 3mt)ertum im fireifc ber ftauftfd^cn ^ßattei unBcrcd^cnbat 
Bcfötbcrt. Sein SSatcr Keß fld^ in feiner $oüti! bielfad^ bur(§ 
begabtere Äatl^geber leiten. $einrid§ l^at juerfl feit ben Sagen 
feines großen 5lamen8gcnoffen, beS britten ^einrid^, bie ftaiferlid^- 
geflnnten böQig nadg eigenem äBiOen gefül^rt unb fte toieber ge- 
leiert, bag bie beutf($e Steid^gpoUtit ald äBeltpoIiti! getrieben 
toerben muffe. 

So ftanb fein ragenbeS SSilb unatoeifell^aft aud^ in ber Er- 
innerung SSaUl^erS feft: afö 3beal beS beutfd^en SSelt- 
laiferS. 9ln il^m ma^ ti'^^lxi^i^, unb nur toer baS nie bergi^t, 
begreift, toarum biefer beg Sid^terS Srtoartungen ft^öter fo fd^toer 
enttäufd^te. 

S)er tjolitifd^e 5Kcifteraug ^einrid&ä VI. toar feine SluSnu^ung 
ber (Sefangenfd^aft älid^arbS bon Snglanb, feinet lül^nfien unb 
IraftboQften 9lit)alen, bie i^m bag (&\M in ben Sd^oog ge- 
toorfen l^atte. 

Sie ift ein (Sreigni^, bag in gana Seutfd^lanb , ia in ber 
ganaen SBelt baö größte 3luffel)en erregte. 5ltrgenb8 aber mad^te 
fie tieferen (SinbrudE ate in Oefterreid^, in bet ^tmai^ beS l^eran- 
tood^fenben SaSaltl^er. SBelanntlid^ l^at ein tjerfönlid^eS S^^toürfnife 
atoifd&en ^erjog öeopolb VI. bon Defterreidfe, bem (Sönner Mein- 
marS (f. oben S. 27 \), unb Sidfeatb ben Slnlafe gegeben. Sor 
bem belagerten $[ccon toar eg im ^ttx ber ^reuafa^rer au äieibungen 
gelommen. ®ie Deutfd^en l^atten ben ganaen SBinter unter großen 
Srangfalen bie Stabt eingefd^loffen gel^alten unb beftürmt. äBenige 
aSBod^en, nad&bem bie (Snglänber unb f^ranaofen eingetroffen toaren, 
fiel bie Stabt unb bie neuen ^n!ömmlinge tooEten nun aQein ben 
Srfolg auSfd^öt^fen , ber bod^ l^auptfäd^lid^ ber beutfd^en SluSbauet 

»urbad^, SBalt^er »on bcr »ogelrocibe. 11 



162 Unterfuc^ungen. 



5U tjctbanfen toat. Site ^ct^og Sco^jolb, einer bcr tatjfctften beutfd^en 
gfürfien. fein SSannet auf einem bet eroberten Zl^ürme l^atte auf« 
l^iffen laffen, Befallt c8 Äönig Slid^arb l^erabaureiften unb ju Befd&mu^en ^ 
Sie nationale (Siferfud^t (oberte nun in l^eEen gflammen 
ettH)or. ©erüd^te, bie borl^er nur in unbefiimmter Sorm um- 
gegangen tooren, Slid^arb l^aBe ben Worb bes Warlgrafen ßonrab 
t)on ^ontferrat, eined SSetterS beS ^er^ogS Seot)oIb unb SSerloanbten 
jtaifer ^einrid^g mie jfönig $l^ilipp SluguftS, t)erf(i^ulbet unb feI6ft bie 
S)old&e ber Slffaf flnen gebungen ; er l^abe mit Salabin öcrrätl^erifd^e 
Verträge gcfd^Ioffcn — pe fanben je^t feften ©lauben. 

3n bem Sorf (SrbBerg bei SBien mürbe Slid^arb auf feiner 
flud^täl^nlid^en ^nmU^x au8 ^alftftina mit amei Begleitern am 
21. 2)ecember 1192 gefangen. 2)amate leBte äßaltl^er t)ermut^li(i^ 
Bereits afö ^ofminnefänger in SDBien (f. oben @. 27). S)ie ganae 
fSiui^ beS öfterreid^ifd^en 93oHeS, baS üBer ben ber ^eimifd^en 
SBaffenel^re angetl^anen Sd^imfif aufd ^eugerfte erbittert mar, mu^te 
atid^arb auSloflen. Wan f($aU i^n Serrätl^er; man tooEte ilgn 
fleinigen, il^m ben Äot)f abfd^Iagen ober il^n aufhängen 2. 9Rit 
3Jlü]^e nur tourbe er ber ö^nd^iuftia beS SSoHeS entriffen. 9lad§bem 
er auf ®ünenfiein in ,&aft gel^alten mar, (am am 4. Sfebruar 1193 
amifd^en bem |)eraog unb bem flaifer ein 9lu8üeferung8bertrag au 
©taube, ate oberfier gel^nd^err beS ^eraogö fotool^l, ate meil ed 
fld^ um einen Meid^gfeinb l^anbelte, lonnte ber ffaifer baS Ueä^i 



1 9labulf oon ©oggcgj^ale a. 1193 (Mon. Germ. Scr. XXVn, ©. 350, 
3. 24 ff.): Deinde conqueritur, quod Signum ducis Austrie, consanguinei 
sui, ob eius contemptam in cloacam apud Jopem precipitaverit, et Teuto- 
nicos 8UOS in terra illa Jerosolimitana verbis probrosis et factis dehonesta- 
verit. ©benfo Sloger oon SBenboruer Mon. Germ. Scr. XXVm, 37. 

2 @crt)afluä oon ©anterbur^ ed. Stubbs I, 513: Concurrente vulgo 
turpiter et probrose ductus est, ab bis et ab illis proditor appellatus est, 
ab aliis lapidandus, ab aliis capite plectendus, a nonnullis patibulo suspen- 
dendus videbatur. Vix tandem ereptus est. 



2. Wahliexs erjier 5prttd?ton unb ber jlaufifc^e Heic^sbcgriff. 163 

beanf ptudfecn , fclBft übet Slid^arb ^n cntfd&ctben. ®er ftömg 
»itb an ^cintid^ auSflelicJctt gegen bcffen burd& ©eifeln gefid&ette 3}er- 
ppid^tung, ben ©efangenen nur um ein ßöfegelb bon 100,000 3Rari 
ftetaulaflen, bcflen ©älfte jur 9lu8ftcucr ßleonotenS öon $oitou, bet 
9li(i^te gKd&QtbS, tjertoenbet toerben foHtc füt il^te SJermö^Iung mit 
einem bet ©ö^ne Seotjolbs. ffiiefe (Sf^t fam ntd^t au ©tonbe, abet 
bet auf Seopolb faUenbe 2:§etl bed Söfegelbed tDutbe toitllid^ ge* 
aal^lt unb aut Sefeftigung SBiend unb feinet 93otftäbte foioie bet 
©täbte (5nn8, 5leuftabt, ^aimburg öerwcnbet^ 

Site inimicus imperii, ald hostes imperii et terre sancte tPUtbe 
Stid^atb auf S3utg Ztifeld eingefettett. (Semig lag eine ^bfid^t in 
in bet aSal^I biefeS OttcS: bott toutben feit ^eintid^ IV. bie 
AtönungSinfignien beg Steid^eS aufbetpal^tt ^. Sott tonnte bet gfeinb 
beS Imperium bie 9ld)tung tjot beffen feietlid^en ©Embolen letnen. 

(Sin Snfttument a"^ SBettuitflidfeung feinet ^uffaffung beä 
Aaifettl^umS tooQte ^eintid^ aus bem (gefangenen mad^en. So 
mbci^te id^ bie bon bet iüngften @peciaIfotfd^ung geltenb gemad^ten 
beiben (SSefld^tSpuntte betmittetn. @etoiB foUte 9lid^atbg @efangen« 
fd^aft ben ficilifd^en ^I&nen ^einiid^g bienen (8Iod^), abet eben 
fo getoi^ aud^ ben antiftanaöfifd&en (Sd^effer^Soid^otfi, Äinbt). 

Äid^atb foUte bem Äaifet ^eeteäfolge nad^ ©icilien leiften 
unb l^elfen, feinen SunbeSgenoffen Sancteb, ben Ufutbatot, au bet» 
tteiben. (St foUte füt fein Aönigteic^ (Snglanb aud^ äu|etlid^ unb 
fotmeU bie Sonfequenaen bataud ^it^en unb bie Seiend l^ulb ig ung 
leiften. (St fottte mittoitten, feine toeipfd^en SSettoaubten in ®eutfd&« 
lanb mit bem Jtaifet au^aufö^nen. (St foUte enblid^ afö SBaffe 
bienen gegen bie 3mbetatotengelflf!e $l^UibP ^ugufts bon Sfranl- 



1 Söarfcrnagcl bei ©imrotf 2, 131; Äneller a. a. D. @. 103. 

2 SBaiS, S). »erfaffunc^ägefcS. »b. 6, 225. 2. 2Iufl. @. 287 f. 

11* 



164 Unterfud^ungen. 



teidfe, bct bte |)en:fd&aft (SnBlanbS etflrebte unb ftd^ toäl^renb bei 
®cfangcnf(%aft 9lic%atb8 toon beffcn »tuber Sol^ann o^nc ßanb 
für bad englifd^e Aönigretd^ bie ^utbiguttg l^otte (eiften laffeti. 

^einridö VI. l^at aHcS bieg mit Hußer Screi^nunfl erreid^t. 
Stoifd^en Spi^ili^Jp SluBufl unb »id^arb, atoifi^cn ber niebenl^cinili^en 
ttnb ber nieberföd^fifd^en Sfronbe tou^te er ttnt)etgIeid^Ud^ l^in- ttnb 
l^er^ufd^auleln ; jeben biefer @egner burd^ bie gfurd^t t)or feinem 
Sünbniffe mit bem onbern au fd^reden unb fo einen burd^ ben anbetn 
im @d^ad^ au Italien. 

91m 29. Januar 1194 föl^nte {id^ ^einrid^ mit bem Sol^ne 
^einrid^S beS Sötoen aug. 9lm 4. Februar leiftet ber freigelaffene 
Stid^arb auf bem Sleid^gtag au Waina bem Aaifer feine ^ulbigung 
ate SSafall: er Beugt pd^ tjor bem Zitrone, flberreid^t feinen 
A5nig81^ut aum S^^^^^ beS SSeraid^td auf fein Sanb unb erl^&lt ed 
burd^ Uebenetd^ung etneg S)ot)f eltreuaeg auS ber ^anb beS JlaiferS 
afö Selben a^^üdE. Sigenl^änbig unteraeid^net ätid^arb fobann bie 
über feinen Sel^nSeib auSgefteUte Urlunbe. 

Saburd^ U)ar ßnglanb unter ben Sd^u^ beg Sleid^eS gefleUt. 
(Sg loar ben 9lnf))tüd6en, bie ^l^ili)))) Sluguft bon gftanlreid^ barauf 
erl^ob, ein äliegel borgefd^oben. Sber Stid^arb t)on (Snglanb toar 
ein armer künec geioorben: ein Aöntg, ber nid^t bie boQe Soutie« 
r&net&t beft^t, ber abl^&ngig ifl t)on bem äBiQen eineg ^öl^eren. 
Sie naibe Slnfd^auung beaeid^net bag afö 91 r m u 1 1^ , tpie fie ben 2)ienft» 
mann fd^Ied^tl^in armen man^ bie Untert^anen arme liute^ nennt 
unb toie SBaltl^er felbft ftd^ ft)&ter (10, 17) ate ,,armen aJlann", 
b. 1^. 9RinifteriaI beä ÄaiferS griebrid^ befennt. 

®er Äönig tjon gnglanb toar in ben Singen aller 9ln^ftnget 
be« ftauflfd&en aieid^Äbegriff« unb fo aud^ SDBalt^erg bon jel^er fein 



Oft in SßeiStöümern. 



2. IDaltljers crper Spruc^ton unb ber j^aufifc^e Hctd?sbegnflf. 165 

Ijoflct Äöntg. Seit langem beanft)tiic%tc bet ftönig t)on gfranlteii^ bie 
Se^ndl^o^ett über t^n. ätid^arb ^atte im äRftta 1193, q» $]^ilt))p 
Sluguftd (Sefanbie il^m ben fttieg anfagten, jtd§ beteit etllfttt, t)ot 
bem ftönig bon Sfranheid^ al8 feinem Sel^näl^ettn fld^ au betant- 
lootten ^ 6t l^atte in feinem 93ettrag mit ^l^ili)))) 9(uguft au SRanteg 
(9. 3uli 1193) biefem biet Stöbte betpfönbet für bie Sal^lung 
bet fttiegSfd^ulb. Sein SSrubet 3o]§ann ol^ne Sanb l^atte lo&l^ienb 
feiner ^btoefenl^eit bon (Snglanb bort bie |)etrfd^aft an fid^ geriffen 
unb $]§ilit))) Sluguft bie berlangte Sel^nS^uIbigung geto&l^rt. 9lun 
l^Qtte ftönig äiid^arb, um feine gfreilaffung au erlangen, ftaifer 
$einri(4 feierlid^ unb urIunbUd§ ftd^ ate SSafaUen bed beutfd^en 
Sleid^S belannt. 3m Sommer 1195 fd^idte i^m ^einrid^ eine 
gotbene ftrone, gebot il^m aber bei feinem Sel^ndeib unb mit SlüdC« 
fid^t auf feine ®eifeln, gegen ben ftönig bon gfranfreid^ fttieg au 
fül^ren. 5Dad Söfegelb, ba« 9tid§arb an ^eraog Seopolb unb an 
ben Aaifer geaal^lt l^atte, mugte nun n^ie ein Sribut erfd^einen. 3n 
(Snglanb loenigftend tourbe ed afö nationale 2)emüt]^igung em))funben. 
9lur mit iJt^t, burd^ loieberl^olte Sd^a^ungen unb l^atte Steuern, 
tourbe ber Setrag aufgebrad^t. ^ud^ nad^ ber greilaffung blieb 
nod§ ein 9left au a<^^I^n. Unb aU enblid^ (Snbe 1195) aQe f^orbe« 
rungen beglid^en loaren, mad^te ftd^ bie 9lot]^ im Sanbe geltenb: 
bie Aird^en ftanben ol^ne fteld^e unb ftreuae^ ol^ne Sd^reine unb 
9(ltargef&|e , ol^ne @olb unb (Sbelfteine, bie berlauft unb ein« 
gefd^molaen ober ber))fänbet toaren, um bad Söfegelb flüfflg au 
mad^en. Sie SIermeren feufaten unter ber Saft ber 9(bgaben. Unter« 
fd^leife beim Sammeln unb $lbliefem beS Söfegelbed l^atten bie ein- 
autreibenben Summen ind Ungemeffene unb ben S)rudE ber 9lot]^ 
grenaenlod gefteigert, fobaB 1196 in (Snglanb ein SSolIdaufftanb lod« 



' Änctter a. a. D. ©. 52. 



166 Unterfuc^ungen. 



ixaä^ ^ ^öntg Stidgaib tief batum bie ^ülfe bed $a))fteg goeleftin 
an unb 6at i^n, ^etaog Seopolb aui ätüdeiftatiung beS Söfegelbed 
Uttb ber ©cifcin anaul^alten ^. 

3nnocen) III. befal^I betn St^bifd^of bon ÜJlagbeburg, $l^iUpp 
auT ©ctauSgabc beS öon Äöntg SRid^atb an Äaifer ^cintidfe gcaal^ltcn 
Selbes au atoingen; er ttd^tete an ben ^eraog bon Oefietreid^ eine 
brol^enbc SBeifunfl beflelbcn Sinnes (f. oben S. 127) unb machte 
babon Stid^Qtb Wittl^etlung^. 

3n Defletreid^ waren aKe biefe Singe S^bermann befannt. 
äBaltl^erS @önner, SBoIfger bon $affau, l^atte bie Serl^anblungen 
über baS Söfegelb geleitet (f. oben @. 55). ©od^ aud^ am Sll^ein 
)ou|te man bation aUgemein. @etr)i^ l^at auc^ SBaltl^er biefe S3ot« 
gänge, bie äSetarmung beS englifd^en SanbeS burd^ bie Söfegelb» 
Steuern, bie (Selbnotl^ unb Habgier beS AönigS, bie SSemü^ungen, 
baS bertragSmäfeig geaal^lte (Selb toieber ^erouSaubefommen, mit im 
Sluge; toenn er Äönig Stid^arb al8 armen künec feinem Neffen 
Ctto bon ^oitou ^nx Seite flettt. ®n Äönig, ber gefangen ge« 
loefen mar, burd^ baS geaal^tte Söfegelb arm getoorben ifl unb eS 
nun toieber l^aben toiE; ber feinem Sermanbten, ber einftigen @eifel 
für bie ga^tung jener SöfungSfumme, je^t ®elb gibt, um baS il^n 
feine SSül^ler aum beutfd^en ftönig mad^en foUen, unb ber fid^ ba« 
für bie ©raffd^aft bertaufen läfet, bie er il^m einfl felbft ate 6nt- 
fd^ftbtgung ftatt beS nid^t getoäl^rten ftönigtl^umS Sd^ottlanb ber- 
liel^en l^otte — auf ben pa%U trefflid^ aOSaltl^erS l^öl^nenbcS SSBort: 
armer künec. SBenn er in einem nid^t fel^r biel fb&teren (Scbid^t 
(19, 17) aiid^arb« fjfreigebigfeit bei feiner 9lu8löfung ^l^ilipt) a«in 



1 SBgl. ÄncUer a. a. O. @. 63—67. 90 f. 

a 3loger von SBenbotoer Mon. Genn. Scr. XXVIII, @. 38. «gl. o6en 
©. 126. 

8 Reg. imp. 5639—41. 



2. Waltl^txs erfier Sprac^ton unb ber jiauf?fd?e Ketd^sbegrtff. 167 

9Jlwftcr empfic^tt, fo loat aud^ bicfct SRat^ nic^t ol^ne aiDcifcitigen 
@pott unb gel^ött, toie oben (®. 52 f.) baxgelegt mutbe, in bie 
3eit, ba feine Se^iel^unflen au ^^J^iüpp erfatteten^ 

aßetbingS l^at ^eintid^ VI. in feinem Seftamente SRid^arb t)on 
ber Sel^ndpflid^t entbunben unb auc^ bie älüdEetftattung bes> ge^a^lten 
Söfegelbed iiugefagt. SlUein abgefe^en bauon, bag mit bie (Sd^t^eit 
biefeS ©d^riftftütf« tto^ bcn äuÄfü^tunflen öon gOBinfetmann unb 
gfirfct nid^t feftauftel^cn fd&eint, fo »utbe iebeSfaH« fein 3n]^alt 
wä^tenb ber nöd^ften 3a^re ^liemanb befannt. 3n ber öffentlid&en 
aHleinung blieb Aönig Stic^atb beutf^et Safaa. äBal^ifc^einlid^ 
l^atte i^m ^aifer <g)eintid^ aud^ nod^, tote er oerfprod^en, bag Aönig* 
reid^ Surgunö p gelten ßegeben, um fo eine neue SafiS für Ser« 
toidClungen atoifc^en f^iantreid^ unb (Snglanb ^u fd^affen. äBenigflend 
melbet SRoger bon ^oöeben, ha% ©auat^, SSifd^of öon aSatl^ in 
(Snglanb, in feiner gigeufd^aft al8 burgunbifd^er Äonaler eine bip(o- 
matifd^e Senbung beS ßaiferd an Slid^atb audgefül^tt l^abe, unb 
roh fönnen in ber £]^at ben @enannten 1197 $u %om, mitl^in mal^r- 
fd^einlid^ auf ber Steife au .&einrid^, nad^toeifen. 6r »ar atfo lool^l 
bei Äönifl Sftid^arbä Selel^nung mit Surgunb aum Äanater biefeg 
aieid^S ernannt toorben^. ®od^ toie bem aud^ fei, giid^arb felbft 
glaubte, ba^ burd^ feine ^elel^nung feiner boUen @ouDeränetät 9lb' 
Brud^ jefd^el^en fei: er liefe fid& nac^ feiner Sttidfel^r öon ben eng« 
lifd^en Saronen nod^matö l^ulbigen unb auf^ neue frönen. 9lud^ 
(Srabifd^of 9lbolf öon ß5ln betrad^tete iebes&fallg 9tid^arb atö 91 e i d^ g - 
fütften unb lub il^n au ben aßal^töer^anbtunflen dte ein l^erbor« 

^ 2)et 2lnnietfung tjon SBilntann§ ju 19, 26: „2)et beutfd^e 3)id^ter 
ftaunte nur über baS enorme Söfegelb unb fümmerte fic§ nid^t banim, wie 
eS oufgebrad^t voax" tjerntag id^ nic§t aujjufttmmen. 

2 ¥auli, ®ngl. ©efd^id^te; 3 {®otf)a 1853), ©. 275. SBinfelmann 1, 
489. 2, 535. ©d^effer^^Soid^orft, ^iftor. 3ettfd^r. 33, 157. SBrefelau, §anb- 
buc§ ber Urfunbenle^re 1, 365 2lnm. 2. 



168 Unterfuc^ungen. 



taßcnbcg ajlitfltieb nad^ Äöln au? bcn 22. gcbtuat 1198 cin^ S)a« 
fteunb{dgaftti($e SSerl^ättni^, bae toenige 3al^te borl^et atoifdgen beiben 
ft($ gelnüpft l^atte, txug nun ))oUttfd^e gf^üd^te, bie bem Sleidg ge« 
fftl^rtid^ metben foQten. 

9lfö Aönig Stid^atb auS ber @efangenfd§aft entlaffen ttotben 
toat, l^attc er mit feiner SKutter ßleonote auf Sitten äbolf» flöln 
befud^t. Sott im etabifd^öfUd^en $alaft maten il^m au (Sitten 
gtänaenbe gfefte gefeiert toorben. ^m Some toaltete älbolf bei bem 
feierlid^en ©od^amt , fetner SBürbe fid^ entWeibenb , felbft al8 ^td- 
centor unb ftimmte am Sage bon $etri ©tul^lfeicr (22. gebruar) 
mit abfid^tlidgem ^rrtl^um ber ^öflid^Ieit ben ^ntroitug bed Sfefted 
$etri fi e 1 1 e n f e i e r an. Ser Jtönig ertl^etlte ben Aötner JSauf leuten 
^anbelSfreil^eit für ßnglanb unb befreite fie bon ben abgaben, bie 
bidl^er i^re Silbel^aUe au a^^^^n l^atte. 

9lun fd^ien ber geeignete Slugenbtidf, biefen Sunb bor ber SBelt 
burd^ eine gro^e @taatSaction au betoäl^ren. ^e^t, too bie beiben 
fid§ anfd^idCten, ber antiftauflfd^en 93ett)egung einen ftarfen 9[uf« 
fd^toung au geben, mod§te äSalt^er ftd§ ieneS Statins erinnern, ben 
bor nid^t langem ber probengalifd^e Zroubabour $eire Sibal, ein 
l^eftiger gfrinb ber beutfd^en Station, bem JJötoenl^era awgerufen l^atte, 
ba8 8leid6 bon Palermo unb JReggio umauftüraen unb fid& für fein 
ßöfegelb a« entfd&öbigen 2. 



1 3floöer üon ^ooeben (Mon. Germ. Scr. XXVII, 177): [2)ie Ocfanbten 
Slbolfö, bie 3flid|arb in 3flouen infra natale domini trafen] preceperunt ei 
in vi sacramenti et fidei, quibus astringebatur imperatori et imperio Ro- 
mano, quod veniret Coloniam ad prenominatum terminum, ut ipse, sicut 
precipuum membrum imperii, esset simul cum illis ad eligendum imperio 
idoneura Deo auxiliante imperatorem. 

2 2luSgabe von Ä. SBartfd^, »erttn 1857 SRr. 41, SB. 19—22 (@. 76, 
bagu ©. LI, bie Seöarten unb ßJaöpar^ö ©otrectur in feinet ©efd^id^te ber 
Italien. Sitt. 1, 484): 



2. Waliiitxs erfter Sprud?ton nnb ber ftauPWe Ketd?sbegnff. 169 

aRan mufete ertoarten, 3fltd§Qtb toetbe icnet ßintabung ^bolfS 
entfpxed^en unb petf5nlid§ nod^ 2)eutfd^lanb lommen. Unter ben 
aal^lxeit^en ßanbibaturen, bie man im Qntiftaufif($en Saget ^l^Uipp 
unb Sr^iebttd^ gegenüberfteüte , toutbe aud^ fein 9lame genannt. 
Stel^iete Quellen betid^ten und audbrüdUd^, ba^ man eine 3eittang 
tl^m bie beutfd^e Aönigdttone augebad^t l^atte^ äBatum foQte er, 
bet nad^ ber Arone @icilieng unb ^erufalemd geftrebt, Supern et« 
obert l^atte, nid^t aud^ nad^ ber beutfc^en Aönigdirone greifen? 
SBatum lonnte nid^t, mag ein l^albeg ^al^rl^unbett fpäter burd^ 
feinen Steffen aur Sl^otfad&e »urbc, fd&on je^t eintreten? 

Sie öffentlid^e Weinung ßnglanbS fpielte iebedfaUd fd^on 
bamate mit bem ©ebanlen. S)ie englifd^en Siebte, bie i^n in feiner 
@efangenfd^aft befud^ten (SRära 1193), l^atten su ^aufe nid^t genug 
fein ber laiferlid^en ^ol^eit mürbiged äBefen au rül^men geteuft ^. 
Unb bie ptoben^alifd^en SroubabourS , $eire SSibal allen üoran, 
aber aud^ anbere, t)etbargen nid)t, mie Qiel lieber fie il^m als 
^einrid^ VI. bie SBelt^errfd^aft gegönnt l^ätten. (Sr toar ber ätitial 
bed Aaiferd gemefen, alg biefer lebte. S)ie ftaufifd^e $attei, alfo aud^ 



Et sim creira Richartz reis dels Engles, 

En breu d'ora tomara per sas mas 

Lo regisme de Palerm' e de Eiza, 

Car lo conquis la sua rezeinsos. 
S^ejt unb @inn be§ legten SSctfeg unfid^er. 

^ GJeroafiuä »on ©antetburp Chronica a. 1197 (Mon. Germ. Scr. 
XXVn, 307): Post cuius obitum [§cinrid^ VI.] altercatio magna facta est et 
dissensio in Alemannia, eo quod magnates terre de successione regni dis- 
sentirent Quidam enim regem Anglie desiderabant, alii sed pauci regem 
Francie . . .; 3flabulf üon ©oggeöi^ate (Mon. Germ. Scr. XXVH, 353): Post 
decessum Henrici imperatoris facta est dissensio inter episcopos et pro- 
ceres imperii de imperatoris electione. Nonnulli siquidem elegerunt 
Philippum regem Gallie, alii Bicardum regem Anglie. 

* Sloger oon §ot)cben (Mon. German. Scr. XXVn, ©. 160): Judicantes 
illom dignum imperatoria celsitudine, qui ita novit animo imperare et 
fortune biformes eventus uniformi constantia superare. 



170 Unterf Übungen. 



äBaltl^eT^ mu^te nun, ba bex £ttan tobt toat, ftd§ gefaxt machen, 
ba^ ber engUfd^e Söme ftd^ enblid^ ftei füllten unb glauben meibe, 
bte Stunbe fei gelommen, um bie £a^en nad^ ber Aatfethone, bem 
3iel feinet langen S^tgeised, auSauftreden. 

giid^arb fd^eint ben SRutl^ au einem fold^en SBagnife nad^ 
feinen fd^meten ßrfal^tungen nid^t mel^r gel^abt au l^aben. 6t lam 
nid^t nad^ Seutfd^Ianb , meit er für feine ^etfon fürd^tete, fenbete 
aber eine ©efanbtfd^aft an ^bolf. (Sr empfal^t ben ^falagtafen 
^einric^ angetegenttid^ aur fSidf^i, unb aU biefer, noc^ abtoefenb 
auf ber Äreuafal^rt, nid^t ted^taeitig aur ©tette fein tonnte, beffen 
jüngeren SSruber Otto. SSom ©rafen Salbuin bon gtanbetn toirb 
audbrüdElid^ berid^tet, er l^abe biefer @anbibatur augeftimmt, um 
atid^arb einen ©efaHen a^ ertoeifen^ 

'Jlad&bem bann Sertl^olb bon 3ä^^iwgen unb Seml^arb bon 
Sac^fen fid^ aurüdEgeaogen l^atten, unterftü^te er bie (Srl^ebung feined 
anleiten %effen Otto bon ^oitou auf jiebe SBeife. 3m fSolt nannte 
man ungel^eure Summen, bie er in baarcm (Selbe unb in Äteinobien 
gefpenbet l^atte. Sd^Iag auf @d^lag folgten feit bem ^uni 1198 
Otto« ßrfolge am Slieberr^ein : am 9. 3uni fanb feine feierlid^e 
äBa^l in ßöln ftatt, am 18. 3uni beginnt er älad^en au belagern, 
um fid^ bort bie Ärönung au fidlem, am 10. 3uli eroberte er bie 
Stabt, am 11. 3uli bexlobte ftd^ il^m bie Sod^ter ber ^eraogin 
bon Srabant, am 12. 3uli falbte il^n Slbotf aum Äönig, frönte 
il^n unb geleitete il^n aum £§ron. 

S)amald fd^ien aUerbingd bad ftauftjd^e Imperium in l^bd^fter 
©efal^r, ber ©ieg ber tt)elftfd&«englifd^en Soalition befiegett. 6in 
folc^er @ieg bebeutete aber ben Srud^ mit ber alten italienifd^en 



^ @ert)afiuä oon ©anterbur^ (Mon. Germ. Scr. XXVn, 307): Comes 
Flandriensis partem Othonis fovebat, regi Anglie per hoc cupiens placere. 



2. Waliliexs erfter Spruc^toti unb ber ftauf?fd?e Heic^sbegriff. 171 

Sto6erunge))olitif ^arbQrojfa^ unb <!g)ettiri($d VI. Sie niebenl^einifd^« 
nicbetföci^fifdö'cngUfd^c Söcrbrübctunö fltaDitirte nad& bct Dftfee. 
Sie gab Stalten ^xtxi, um bic ^ülfc beg ^opfteS 8u ftetoinncn, »ic 
aud eigenen ^nteteffen. gut bie ftaufifc^e @ac^e brad^te baS ben 
fd^ioerflen Settuft beä Seic^SgutS. S)enn ©iciticn bebeutetc mel^t ate 
eine ijl^antaftifd^e Saune. 68 jollte bic financieHe neue aSajtS toerben 
für bie gieftauration ber faifettic^en Senttalgetoatt unb bic ©c^ute 
für einen neuen ftaattid^en Organismus : bicäiermaltung bur($ ^Beamte. 
Sie Surften gebärbeten ft($ ald AönigSmad^er, bie illegitimen 
unb unfreien ftönige, Otto unb atid^atb, brangen auf baS Steid^ ein, 
um fi(^ barauS ^u bereid^ern unb SSort^eilc für fic^ l^erauSaufd^neiben 
ouf Äoften feiner ginl^eit, auf ftoften feiner Uniöerfalität, auf ftoftcn 
öon 3led§t unb ®efe^ unb Crbnung. aBie gierige aSettler fd^ienen 
SBaltl^er bie ^titglieber jened @efd^lec^teS , beffen retc^Sfeinblid^e 
Umtriebe il^m feit feiner ftinbl^eit auß fo bielen ftämpfen unb ©iegen 
beS ftaufifd^en ^aufeS bertraut tuaren, baS Sateilanb au um* 
brftngen unb einzuengen. Sie iRrönung beS legitimen ßönigS, ^offt 
er, toirb fie jutüdt in il^re ©d^ranfen fd^eud^en. 3n biefem 9lugen= 
blidE tonnte er föol^l rufen: 

s6 w6 dir tiuschiu zunge, 

wie st§t dm ordenunge! 

daz DU diu mugge ir künec hät^ 

und daz din 6re also zergät . . . 

die cirkel sint ze here, 

die armen künege dringent dich. 

Hie regnii ober reges provinciales ber ftanUftiftn 

aßir lommen fo auf bie 3^it unmittelbar nad§ DttoS SSBal^l 
(9. 3uni) ober nad^ feiner Krönung (12. 3uli). SBeitere Erwägung 



172 Unterfud^ungen. 



HkM iebo^ no4 au n&l^eter Seftimmung. Sex SluSbtud die 
armen künege ift ntd^t blog auf Stid^axb unb Otto gemüuat. 
jtMi tei^t biefe Seutung t}oaionimen oud, um bem Sptud^ 
ht befrirbigenbed SSerflänbnt^ su getoinnen unb alle @d^toiettg« 
tht« sab aujU>6c bex 3ntcxprctation a« befettigen, ättein ed fd^eint 
ttCvk nebt bal^intet au liegen. 

Salt^ 6))xud§ fteUt ein 99itb auf t)on bem ßl^aoS, bad nad^ 
^em Sob Aaifet $einxi($8 VI. I^ereinbxaci^. Sie 9lnaxd^ie unb bte 
&t«iitun8 bed Sleid^g ffll^xt ex Qor 9lugen. 2)en SBeg aux 9tettung 
mA n iberaeugenb meifen: bie feiexti($e, gefe^mä^ige Axönung bed 
ift);mKfB Aönigd auS bem etexbten Aaifexl^aufe bex @taufex. 

SetaUdb fd^itbext aud^ ^l^ilippS Sxief an ^nnocena bon 1206 

)«« $«taiib Seutfd^IanbS t)ox feinex Sßal^t unb ^xönung^. ,,S)ie 

|;^:QVcnui| bei fteid^d exfd^üttexte ed big in aüt feine SBinlel unb 

#^t«)c«. iR<^n mugte atoeifeln, ob jemate toiebex bex atte 3u" 

teid^ InttfttUt toexben fonnte. äebex lebte ol^ne Stid^tex unb 

0te Mift fmex äBiÜfüx''. Wan l^alte l^iexneben augex unfexem 

Mft H>i^ tTfte« 6)»Tud^ beS SReid^^tong (8, 4): bie ftlage um bad 

^gtiy«^K^b»tni l^on gfxieben unb 9led§t. Wan exinnexe fid^, mie 

:^. <Mn»lM4»ttt ^ i^citen @))xud^g jenen fiü^ex (oben @. 146 

^Hii^ X -?fr ffT ^ Soittn $^ilip))S aus feinem fpfttexen Sted^enfd^aftS« 

, et feinen fteidgt^um an ®elb unb S3efi^, bie Sex- 

: M t^ ^^^^ ^^^ ^^^ übxtgen 3nfignien ald @xunb« 

^ :«. )H^ IJW («ignc 216, ©. 1132, audj Mon. Genn. 

^ ;-^ .^^ JÄ^ C^mtlitat II, 11): Post mortem dilecti domini 

""^ - - " K^ymnoram imperatoris augusti turbatum 

llHiÜoiiain incarsibus non minus mirabiliter 

(«pll et agitari et per omnes angolos et 

^ li |Wrik«tibuB neu immerito desperari posset, 

||lll^«0«tri8 in pristinum statum nonquam 

-triit iHi sino iudice viveret et sine leere et 

*"' ^^^^i—»-« — — ♦- et arbitrio sue voluntatis. 




2. IPaltljers erjier Sprnc^ton unb bex ftauPfc^e Hetc^sbegriff. 173 

läge feiner Seied^tigung aum £]^xon l^tnfteQt. ^on 6etnetle 
nametttlid^ , toie einig SBaltl^et unb ^l^ilipp in bet Se3ei($nung 
bed potttift^en (SnbaieU finb: ber S)ic^tet »iU bie ftül^ere WQ($t 
unb ^ertlid^Ieit Seutfd^Ionbd burdg bie Atönung l^ergefteUt fel^n; 
bet ßönig bad 9tetd^ in ben alten @tanb aut 3^it ^eintid^d VI. 
autüdEtietfe^en (reformare). ajlan beod^te, bag äBaltl^erg ©pxud^ 
auf ba8 SRagbebutget äßetl^nad^tSfefl (19, 5) nal^eau toöitlid^ in allen 
einzelnen 3üfien übeteinftimmt mit glei($seitigen^Sefd^tetbungen 
l^tftottfc^et Duetten \ bie ben ftauftfd^en ^offteifen nal^e fielen. 
^Ran tufe fidg ind @ebäd^tniB autüd, ba^ oben (@. 46 f.) etteiefen 
muibe, tote treu ber britte %eid^$fpru(^ (8, 15) bie @ebanten bed 
gfürftenprotefted bon 93amberg unb <g)atte umfd^reibt. 

TOan fielet: SSSaltl^er unb btc gleid^jeittflen unb fpäteten offt« 
ctetten ober au8 offtcietten Duetten fd^öpfenben 88erld^te liefern bon 
ber Vorbereitung unb Surd^fül^rung ber Arünung $]^tlip))d Silber, 
bie fi($ in ben «^auptaügen fel^r äl^netn. $at aud^ unfere bidl^erige 
(Srllftrung nod^ nid^tS ergeben, toad $]^tlippd ^Betonung ber äBirren 
;,in ben äBinleln unb an ben @renaen bed dleid^ed'' 
enifpr&d^e, fo gel^t bod^ im tlebrigen l^ier unb in ben anbern brei 
©ptüdöen bie Serül^rung mit of fici eilen ^eu^erungen ber lönig- 
fidlen ^olitil fo toeit, bafe ein birecter 3uf ammenl^ang bc» 
ftel^en mu^. 

ate SBaltl^er btefe ©pttid^e bid^tetc, mug er ber ©tette, Oon 
bet bie amtlid^en Serid^te unb itunbgebungen bed Aünigd aus- 
gingen, gana nal^e geftanben l^aben, b. 1^. bet löniglid^en 
Aanalei. 

3ene8 SBort bon ben armen künegen, bad Slid^arbd bon ßng« 
taub Äönigtl^um einen aJlalel anl^eftet, ifl geprägt bon einer im- 



93gl. ben 2lbbrucf in Sad^mannä Slnmerfungen 8« bem ©ebid^i 



172 Unterfuc^ungen. 



fül^tt iebod^ nodg au n&l^eret äSeftimmung. Set SuSbxud die 
armen künege ift nid^t Uo% auf Sttd^orb unb Otto gemünjt. 
3t0at reid^t biefe Seutung \)oUlommtn auS, um beut Sptud^ 
ein (efrtebigenbed SDetftftnbnt^ au getotnnen unb aQe Sd^toietig« 
feiten unb 9lnft5|e bex ^nterptetation au l&efeitigen. Slllein ed fd^eint 
nod^ mel^x bal^intex au liegen. 

SBattl^exd Spxud^ fteUt ein 99ilb auf t)on bem Sl^aoS, baS nad^ 
beut £ob Aaifex ^einxid^d VI. I^exeinbxad^. Sie Snaxd^ie unb bie 
@d^to&d§ung beS Sleid^g fü^xt ex Qox 9lugen. 2)en SBeg aux Rettung 
toilC ex übexaeugenb meifen : bie f eiexlid^e, gefe^mä^tge ftxönung bed 
legitimen AönigS aud bem exexbten Aaifexl^aufe bex Staufex. 

Slel^nlid^ fc^ilbext aud^ ^l^ilippS Sxief an ^nnocena bon 1206 
ben Suftanb Seutfd^Ianbd t)ox feinex Sßal^l unb ^tönung^ „%)it 
93extoixxung bed 9leid^d exfd^üttexte ed bid in aQe feine SBinlel unb 
@xenaen. Sllan mugte ameifeln, ob jemald toiebex bex alte 3^* 
ftanb l^exgefteUt toexben {onnte. 2tebex lebte ol^ne ätid^tex unb 
®efe^ nad^ feinex äBiUtüx''. SJtan l^alte l^iexneben augex unfexem 
aud^ ben exften Spxud^ be8 9teid^dtond (8, 4): bie ftlage um bad 
Saxniebexliegen bon gfxieben unb dled^t. Wan exinnere fid^, mie 
bex @ebanfengang beg ^toüUn Spxud^d ienen fxü^ex (oben @. 146 
$lnm. 1) citixten äBoxten ^l^ilippd auS feinem fpfttexen Sted^enfd^aftd* 
bexid^t gleid^t, moxin ex feinen Steid^tl^um an ®elb unb S3eft^, bie Sex- 
fügung übex bie ed^te ßxone unb bie übxigen 3nfignien ald @xunb* 



1 Reg. de neg. imp. 136 (SÄigne 216, @. 1132, audj Mon. Genn. 
Leg. n, 210 unb ebb. Oonstitut. n, 11): Post mortem dilecti domini 
ac fratris nostri Henrici Bomanorum imperatoris augusti turbatum 
fait imperium et multis turbationum incursibus non minus mirabillter 
quam miserabiliter lacerari cepit et agitari et per omnes angolos et 
fines suos ita concuti, ut a prudentibus nou immerito desperari posset, 
ipsumRomanum imperium diebus nostris inpristinumstatum nunquam 
posse reformari, cumquilibet iam sine iudice viveret et sine lege et 
quicquid libitum foret faceret pro motu et arbitrio sue voluntatis. 



2. IPaltljers erjier Sprnd^ton unb ber ftauftfc^e Ketd?sbe9riff. 173 

läge feiner S9ere($tigung aum Sil^ron l^tnfieQt. ^an 6etnetle 
namentlid^, toie einig SBattl^et unb ^l^ilipp in bet Se}ei($nung 
bed politifdgen Snbaietd finb: bet Sid^ter toiU bie fxül^ere ^aäji 
unb ^ertlid^Ieit Seutfd^Ianbd burd^ bie Atönung l^exgefteUt fel^n; 
bet Jtönig baS 9tetd^ in ben alten @tanb aut 3^it $einri($d VI. 
ptüdEtiexfe^en (reformare). SJlan bead^te, bo^ äBaltl^exd @pxud^ 
auf baS SRagbebuxgex äBeil^nad^tdfeft (19, 5) nal^eau toöitlid^ in allen 
einzelnen 3^0^^ übexeinftimmt mit gleid^aeitigen ^ Sef d^xeibungen 
l^iftoxtfdget QueUenS bie ben ftauftfd^en ^oftxeifen nal^e ftel^n. 
9Ran xufe fidg ind @ebäd^tniB autüd, ba^ oben (@. 46 f.) exmiefen 
»uxbe, toie txeu bex bxitte 9leid^8fpxu(ä& (8, 15) bie ©ebanfen beS 
Sfüxftenpxotefled bon ^amin^ unb ^aQe umfd^xeibt. 

SJlan fielet: aSaltl^ex unb bie flleid^jeitigen unb fpäteten offt« 
ctetten ober auÄ offtcietten Ouelten fd&öpfenben 88exid^te liefern bon 
ber Vorbereitung unb Sutd^fül^tung ber Arönung ^l^ilippS äSilber, 
bie fi($ in ben «^auptaügen fel^r äl^netn. $at aud^ unfere bidl^erige 
(Srllärung nod^ nid^td ergeben, toaS ^l^tlippd Betonung ber äBixxen 
,;tn ben äBinleln unb an ben @xenaen bed dleid^ed'' 
entfpxäd^e, fo gel^t bod^ im tlebrigen l^iex unb in ben anbexn bxei 
@]}rüd6en bie äSerül^rung mit officietlen Sleu^erungen ber lönig« 
ü^en $oIitiI fo meit, ba^ ein birecter 3uf ammenl^ang be« 
ftel^en mu^. 

3lld äBaltl^er biefe Sptüd^e bid^tete, mug er ber Stelle, t)on 
ber bie amttid^en ^erid^te unb ßunbgebungen bed Aönigd aus- 
gingen, ganj nal^e geftanben l^aben, b. 1^. ber I5nigUd^en 
Aanalei. 

3ened äBort bon ben armen künegen, baS Slid^axbd bon Sng« 
lanb Äönigtl^um einen aJlalel anl^eftet, ifi gepxägt bon einer im- 



93gl. ben 2lbbrucf in Sad^mannä 3lnmer!ungen ju bem GJebid^t. 



174 Unterfuc^ungen. 



petialifttjc^en ä&eltbettac^tung, tote fie nur in biefen Jlteifen, untet 
ben eigenllid&en Srägcrn bet ftaujtfdöcn atetd^Sfletoalt l^errfc^te. %ttt 
bott BUdttc man auf ©nglanb im 6rnft toie auf einen SJafoHer.« 
ftaat beS beutf(i^en Steid^d mit @eringf($&^uifg l^etab. 

SDBie man fldfe in bet gieid^8!analei SatBatoffaÄ baS SJerl^ältnig 
bed englif($en AönigS aum beutfd^en Aaifev toünfd^te, ^eigt etma 
ienet 88tief, ben bet 9lotat unb ©ofmann Slol^etDin feinem auf 
officieQe Slctenftüde gegtünbeten Sefd^id^tdföett einlegt. Satin fd^teibt 
1157 Äönig ,g)eintid& mellito sermone SCßotte unbebingter Untet« 
»etfung. 3m Sunbe atoifd&en beiben — fagt et — gel^öte bem 
Äaifet, als bem an SDBtitbe <g)etöottagenben , bie Autorität su if 
fehlen, il^m bie Säeteitmilligfeit au ge'^otd^en, fo ba^ fein Aönigteid^ 
öon bem äöinfe griebtid^S abl^änge^ 

3)tan l^at fid^ meinet ^Jlnftd^t bei bet (Sitöutetung bet Sßaltl^ef 
fc^en ©ptud^poefie au toenig gegenwättig gel^alten, ba§ fie öom 
etften big aum testen ätugenblidt eine beftimmte politifd^e Uebet« 
aeugung Detttitt, bie nidt)t ettoa SBalt^etS obet feinet 3^itgenoffen 
eigene (Sttungenfd^aft , fonbern baS $tobuct einet gio^en , ial^t- 
l^unbettjäl^tigen teid^ÄpoIitifd^en SBetoegung toat. 3m 3«ttciUet 
gftiebtidfeg L, im flteife feineS gtofeen flanaletS, beg Äötnet 6ta« 
bifd^ofg aiainalb öon®affeI, foteie bet gefinnungSbettoanbten, 
gegen baS ^Japalf^ftem antftmpfenben, autonomiftifd^en SRitglifbet bcd 
bewtfd^en ßpiScopatS, inSbefonbete bet Slad^folget im ftanatetamt, 
Sl^tiftianS bon 2Jtaina unb ^Jl^ilippS bon Äötn, in bet S>p^'dxt bet 

^ Gesta Friderici III, 7 (Script, rer. Germ. 8. 137, Mon Germ. 
Scr. XX, p. 419): Regnum uostrum et quidquid ubique nostrae subicitur 
ditioni, vobis exponimus et vestrae committimus potestati, ut ad vestrum 
nutum omnia disponantur et in omnibus vestri fiat voluntas imperii. Sit 
igitur inter nos et populos nostros dilectionis et pacis unitas indivisa, 
commercia tuta, ita tarnen, ut vobis, qui dignitate praeemiuetis, imperandi 
cedat auctoritas, nobis non deerit voluntas obsequendi. 



2. IDaltl^ers erfter Sprud?ton unb 6er ftauf?fd?e Heid^sbegriff. 175 

faifetlit^en Stan^ltxitamtm unb nid^t am toenigften bet 9tei($gbienft« 
mannen l^at fid^ nad^ langer S3ot6eteitung ein getoijfeg ftaufifdged 
9letd§8]}togTamm, eineftaufifd^eZI^eotie beg^mpetium 
cr^ftatttfltt , bte in ben Sagen bc8 ßto^cn ^eintid^ unb feine» 
AanaletS ftontab t)on Quetfurt bte äBeltgefd^id^te ftegreid^ au 6e* 
l^ertfd^en begann unb Qom Sugbtud^ beS S^tonftteitS bid aum 
Sobe gricbrid^Ä II. bie ©emütl^et atter ^Inl^änget beS .^aifertl^umg 
ctfüttte. 

6d ift auf toeltlid^em unb auf ürd^Ud^em @e6iet ein uni^ 
Dexfaüftifdöer ^attiotiSmuS, ber einen feltfamen nationalen (ginfd^tag 
entl^ält. Sag x5ntifd^e Aaifettl^um beutfd^et 91ation foQ int boQen 
©inne beS SDBortS ba8 üBextragcne alte töntifd^e Smpetium aus- 
üben: eg fott bie ganae Slöelt bel^etrfd&cn unb alle anbern flönig« 
tl^ünter, aud^ baS Aaifettl^um t}on 93^aan}, foQen il^nt unterworfen 
fein. S)ie Äird^e bagegen — fo tooHten toenigftenS bie ftaufifd&en 
©ct^fpornc — fott t^ren ultramontanen Wittelpunft aufgeben, fie 
foU einen nationalen g^aracter belommen; ber S3ifd§of t)on 9lom 
foQ ein ^rotoin^ialbifd^of merben, ber Sifd^of einer Stabt beS Sletd^d 
loie jeber anbercn. 

SarbaroffaS gewaltiger ©ol^n ©einridfe VI. I^atte bie Sbeen 
^ainalbd t)on S)affel in Sl^aten um^ufe^en unternommen. SaS 
Äönigreid^ ©icilien toiH er bem 3leid§ einverleibend ®ie ^n» 
fprüd^e bet normannifd^en Äronprfttcnbenten foQen ein für alle 9Jlal 
ntebergetoorfen unb baS Erbgut feiner ®attin ßonftanae, ber Sod^tet 
SHogerS IL, fott gegen bie Don ber Surie erhobene Sforberung ber 
pft))ftlid^en Sel^ndl^ol^eit au einem feften ^eftanbtl^eil bed 9teid^ed 
toerben. S)ipfe8 ©icilien fottte, toie fd^on oben (©. 150. 171) bemerft 



^ Sgl. barüöer aufier ber oben ©. 126 2lnm. genannten Sitteratur 
befonberS o. Äapl^err, 2)ie unio regni ad imperium (2). ^ßitfd^r. f. GJe« 
fd^ic^tSwiffenfd^. 1, 96 ff. 331 ff,). 



176 Unterfud?ungen. 



tourbe , gegenüber bei Sd^to&d^ung unb 3^ttümtnexung bed lüntg* 
litten @uted in Seutf($Ianb buxd^ bie toat^fenbe 9lutonomie bet 
Sanbegl^etm neue ©ilfgquetten ber faifetlid^en SRad^t etöffnen. Un« 
etfd^5pfltd^ an materiellem Srtrag, ber 3RitteIpun!t einer unt)er- 
glei(i^U($en Sebendblütl^e, mie fte burd^ SRifd^ung antiler SilbungS* 
refte mit 6^^antinif($er unb Qrabif($er Sultur erjeugt toax, lonnte 
er l^ier bie flnancietten unb bie geiftigen Äräfte geioinnen, um ba8 
%eid^ neu au organifiren, bie (Sinl^eit ber laiferlit^en @etoatt gegen 
bie gfürften l^ersufteUen , bie neue 9leid§St)erfaffung mit bem laifer« 
li($en ßrbred^t burcfa^ufe^en, Italien au unterwerfen. Unb l^ier lag 
bie ©d^tocHe ^nx SCßeltl^errfd^aft: nod^ Spanien unb afrifo, nad^ 
SB^aanj, na(% Armenien unb g^pern, nad^ Serien, ^oWftina, 
Sleg^pten ging t)on l^ier aus ber SBeg. 

äBattl^er t)ertritt in feiner poUtifd^en Sid^tung ba8 Srbe btefer 
ftaufifd^en %eid^gt]^eorie eines 9lainalb t)on S)affel unb äSarbaroffad, 
biefer ®ebanfen unb $läne <^einrid^d VI. (Sr mar ein Jinabe ge* 
mefen, ba gfriebrid^ Stotl^bart auf ber <g)ö]^e feiner SJtad^t ftanb. 
6r l^atte ^einrid^S unl^eimlic^ erfoIgreid^eS Stingen um bie 3BeIt- 
fuprematie fd&on mit ber frifd^en aSegeifterung beS SüngtingS erlebt, 
er l^atte ben Xriumpl^ über 9lid^arb Sömenl^era auS n&d^fter 9lft]^e 
gefeiten, unb bie neuen dauern SßienS, t)on beffen Söfegelb er= 
baut, erinnerten il^n täglid^ baran. 

3ene8 ^ol^nmort t)on ben armen künegen gibt bie (Sinbrüde 
unb 9lnfid^ten, meldte in ben engften jheifen ber ftaufifdgen äteid^S- 
beamten lebten, nid^t blog im Slllgemeinen toieber. ßS a^tgt Het' 
mel^r bie l^od^gefpanntc ^uffaffung beS Imperium, bie auf bem 
ßrblreiS leinen @out)etän anerlennen moQte auger bem römifd^en 
ftaifer unb alle anbern ©ebieter aU SafaQen beS Sleid^S betrad^tete, 
in einer befonberen perfönlid^en Raffung, bereu Urfprung fld^ 
feftftetten Wgt. 



2. IDaltl^ers erjier Sprud?ton unb ber jiauftfc^e Ketc^sScgriff. 177 

6d tft bie genaue beutf($e Umptftgung eineg SSonmotS, baS 
Äainolb t)on ©äffet wnb afö fein gelel^ttger Sd^üler griebtic^ 93arba» 
toffa im Wunbe ^u fül^ren liebten unb baS feine @pi|e befonbetd 
geflen bie beiben mäd&tigften Äönige guropa« tid^tete. 

3m Slwfluft beS Sal^reS 1162 l^atte gfriebtid^ Satbaroffa Ätaft 
bed bon il^m beanfpru($ten $ttnct))at§ alle Könige beg ^benblanbes 
mit il^ien Sifd^öfen au einem Sengte^ an bie @aöne entboten, um 
in gemeinfamet 93etatl^ung baS SdgiSma au befeitigen. S)et (Sin» 
labung l^atte ber ffönig bon (Snglanb unb ber Aöntg t}on Ungaxn 
nid^t gfolfle fleteiftet, ebenfo »enig bie flbnigc toon Spanien unb 
3Jolen. S)et flönig bon Sadismen l^atte afö SSerttetet feinen Sruber 
Sietbotb gefd^idEt. Sbet etfd^ienen toat Aönig äBalbemax bon S)ftne* 
mati mit feinem f$teunbe Sifd^of ^bfalon bon iRoSfilbe, um bem 
Aaifer bie ^ulbigung aU Sel^nSmann au leiften. Unb gelommen 
»or öor allem aud^ Äönig Subtoig bon gtanlreid^. 

gftiebxidö toai über baS Sluäbleiben mel^rerer ber ©elabencn fel^r 
eraümt. Sem A5nig bon Sftnemarl, ber fid^ bod^ eingefunben l^atte, 
um ben Sreufd^tour abauCegen , n}arf er feine SSerfpätung bor unb 
ful^t il^n barfd^ an : nur butd^ bag äSeneficium bed römif d^en Sieic^g 
trage er feinen ÄönigStitel unb fd^utbe il^n baftir ®tenftbereitfd^aft ^ 

S)en Songre^ eröffnete eine SHebe bed faiferlid^en $apfted 
SJtctor. ®anad6 ergriff Sfriebrid^ felbft baS SBort^: er l^abe bie 



^ ©ago @rammaticuö Historia Danorum Lib. XIV, ed. $. @. 9)?üUer* 
3. SW. SSelfc^oro I, 2, p. 779 (Mon. Germ. Scr. XXIX, ©. 113, 33 ff.): At Cae- 
sar, inprimis moram regis tarditatemque causatus iniuriosum quod ante non 
venerit, aiebat asserendo, eum ob regnum, quod Romani imperii bene- 
ficio gerat, sibi servitiorum debitorem existere; (3. 780: Simili modo die 
postero regis legatio excepta. 

2 ©ajo ©ramntaticug a. a. D. ©. 781 (114, 14 ff.): Finiente eo Caesar : 

„provinciarum reges huius controversiae finiendae gratia ad colloquium 

a se invitatos dicebat, eorum sententiae repugnare nefas ducturo. Quos ideo 

non adesse, quod in Romani imperatoris iniuriam Romae pontificem creare 

»urbac^, Sßalt^er oon ber SSoflelroclbe. 12 



178 Unterfud^ungen. 



Äöniflf bcT 5ßrot)inaen, alfo bte flöntgc öon gtanfrcid^, gng- 
lanb , ®änemar! u. f. to. , cinflclabcn au einer Sefpted^unfl über 
bie Beilegung be9 Sd^iSma. Sie feien jebod^ md§t erfd^ienen, ba 
fie, um ben tömifd^en Aaifer }u beletbigen, einen $Qpft to&l^len 
tooUten unb burd^ il^xe Sntfd^eibung baS Siedet eineS fremben 
Staates fld^ anaumaßen fud^ten. SDarauf begann ber faiferltd^e 
banaler bie leid^tfertige ^nma^ung bet $tot)incialf5nige au 
labein. äBenn eine in il^ren Staaten entftanbene ©txeitigleit fiber 
eine SBifd&offiwal^l ber flaifer au entfd^eiben toagen würbe, ba toürben 
fie bad gemi^ für eine 9led^tdt)erle^ung l^alten , mäl^renb fie felbß 
fid^ bod^ benfelben (Singriff in ber Stabt 9lom erlaubten. Unb 
biefe ÄuSfül^rungen mad^te er be8 9lad^brudt8 »egen erft lateinifd^, 
bann franaüftfd^ unb aule^t beutfd^. 

Siefe 9lad^rid^ten beS Sa^o ®rammaticu9 erl^ebt eine parallele 
Ueberlieferung ber Sita 3nnocena' III. im Liber pontificalis ^m 
(Setei^^ett. Sludg fte beftätigt, ba| %ainalb bon Saffel ben nid^i 
aum römifd^en 9leid^ gel^örenben ißräloten baS 8led)t, in ber ^apft» 
toal^l mit au entfc^eiben, abgefprod^en l^abe^ 

cupiant, alienae civitatis jus suis suflOragiis administrare conantes. Post 
haec Regnaldus, Coloniae urbis antistes, religionis causam dicere adorsus, 
quanto iniuriae pondere Romani imperatoris aequitatem provincialium 
regum temeritas attentaret, argumentando demonstrare pergebat. Nam 
si controversiam in eorum civitatibus de pontificatu [^ifd^oföroütbe] ortam 
Caesar suis suffiragiis finire vellet, haud dubie id gravium iniuriarum 
loco ducerent, cum ipsi simile in urbe Koma perpetrare conentur. Quam 
assertionem tarn valido rationis praesidio subnixam putavit, ut nunc latia- 
liter, nunc gallice germaniceque fando ternis actionem vocibus iteraret. 

1 Lib. pontific. ed. Duchesne (Paris 1892) II, 407, 3. 16 ff.: Igitur per 
Baynaldum cancellarium et alios fautores suos egregio regi Francorum locutus 
est in hec verba : „Mandat vobis dominus noster Fridericus imperator Koma- 
norum et specialis advocatus Romane ecclesie, quod ad nullos ecclesiarum 
prelatos de causa electionis Romani pontificis pertinet iudicium ferre, nisi 
ad eos tantum, qui sub imperio Romano existunt; ideoque bonum videtur 
6t iustum, ut cum episcopis et clero vestro ad eum accedere et illorum 
sententiam debeatis audire." 



2. Waltktts exftet Spruc^ton un5 ber ftaufifc^e Ketd^sbegriff. 179 

(Sine Sdgltd^tung bet (Segenfä^e {am notütlid^ auf biefer Sxunb* 
läge nid^t au Stanbc. flönig Subioifl crtolbcrte ben ©cbuctioncn 
Sftainalbg, Sl^riftuS ^aBe ^Jetruö unb feinen 9flac%tolfletn gcfagt, 
„aSeibe meine ©d^afe", unb fragte l^öl^mfd^, ob babei ettoa bieÄönifle 
unb Prälaten bet gtanjofen aufgenommen feien. ®t Bel^auptete bann, 
bei Äaifer l^abe ben SJertrafl für bie ©^nobe gebrochen, entjog fid^ 
atten »eiteren SSerl^anbtunflen eilijfi unb fd^lofe unmittelbor barnad§ 
mit bem ffönig bon fönglanb unter SJermitttung ^apft SHejanberä 
einen feften grieben (September 1162). 

Sriebrid^ SarboroffaS Äanjler aber ful^v fort, ben Äönifl öon 
Sfianlreid^ ein „Äöniglein" (regulns) au nennen, toie un8 ber ab» 
folut fllaubl^afte unb öoratiglid^ untenid^tete ßnfllänber Solftann 
t)on ©aleSbur^ in einem feiner Sriefe eraftl^H. (5r beflajt barin, 
ha% ber Slbreffat ben Äönig bon granfreid^ öerlaffen unb fid^ au 
ben Äibaten beS fränlifd^en iRönigreid^S begeben l^abe, inäbefonbere 
au bem ßrabifd^of bon flötn, bem ©d^iSmatif er , ber fid^ getoöl^nt 
l^abe, ben Äönig bon fSfranfreid^ mit jenem fpöttifd^cn SluSbrudE au 
benennend 6r felbft, ber 1182 ate Sifd^of bon S^artreÄ fiarB, 
empörte fld^ über bie 6onf equenaen be8 beutfd&en Smperium : „2Ber 



^ Sodann von Sateäbun; Epistolae 5^r. CLXXXIX, Ttic^m (Patrol. 
Lat. 199, ©. 200 D): De caetero (ut ex couscientia loquar) de Cantuariensi 
et suis iniustam concepisti suspicionem, quia (quantum perpendere potui 
et de illo et de Ulis plenam in charitate debetis obtiuere fiduciam. Non 
ergo illis imputetis indignationem regis Francorum, sed vobis, qui sine 
conscientia eins recessistis, ut conqueritur, ipso prope transitum vestrum 
existente ad duas leugas (ein paar taufenb Schritte, f. bu ©ange s. 
V. leuca). Eoque magis motus est, quod cum vos habuerit familia- 
rissimum, sie transistis quasi ad aemulos regni Francorum, et nominatim 
ad schismaticum Coloniensem, qui non modo ecclesiam dei persequitur, 
sed et ipsum, ut audivit, impudenti scurrilitate verborum consuevit re- 
gulum appellare: sed, cum vobis id cordi fuerit, benignitatem christia- 
nissimi principis vobis placabilem fore non dubito. 

12* 



180 Unterfud^ungen. 



l^ot — fo ruft et* — bie Deutfd^cn ju SRid^tcrn bet Sölfcr er- 
nannt ? SBer l^at ben bumtnen , toütl^enben Wenfd^en btef e Wad^t 
gegeben, bafe fte nad^ SBiUfüt neue fjüiften fe^en übet bie ^öupter 
bet aJlenfd^cnltnbetr' 

%adö Soed^e ^ l^ätte Sol^ann t)on ©alegbut^ jtd^ an einer anbern 
SteUe feinet Sci^tiften gleid^njol^l bie l^iet t)on il^m befäm))fte Sluf- 
faffung angeeignet, ^ä^ bexmag augenbUdEKd^ nid^t teftaufteQen, ob 
bieg in bet Sl^at bet gfall ift, unb möd^te bielmel^r glauben, bag 
l^iet ein Sntl^um Soed^e« borliegt. 

68 lann barüber fein S^eifel befielen, bafe bie beiben böfen 
SBorte regulus unb rex provincialis il^rem eigentUd^en Urfprung 
nad§ auf bie Segriffe unb bie Terminologie beS altrömifd^en @taat@- 
red^tÄ jurüigel^en unb bafe bie Srabition bet mittelalterlichen 
Suriften StalienS, ber ©loffatoren beg 6iöilred§t8 toie ber (Sanoniflen, 
pe conferbirt unb aud^ griebrid^ I. ober feinem geleierten flankier 
übermittelt l^at. allein bied nimmt il^rer ^nn)enbung im SRunbe 
ber beiben Wönner nid^tg bon beut inbibibueUen unb momentanen 
ßl^arafter. Unb eS lol^nt fid^ fd^on, ben ft^eciftfd^ mittelalterlid^en 
@ebraud§ ber SluSbrüdEe näl^er an^ufel^en. 

Die ftaatgred^tlid^e Sebeutung, toeld^e Äaifer fjriebrid^ unb 
fein Äan^ler bem SSBorte provincia beilegten, erläutert trefflid^ eine 
8leu|erung be8 toenig fljftteren italienifd^en 9Kagifter8 SBoncomlJagno, 
bie — in fd^arfem aBiberftJrud^ au ben Ueber^eugungen bet fiauflfd^en 
$attei in Deutfd^lanb — feinem SBaterlanb bie gfreil^eit unb bie 
Unf&l^igleit, tributär au leben, a^fl^^td^t, ba eÄ nid^t eine ^robina 
fei, fonbern bie ^errin ber $robinaen^. 

^ Epist LIX: Quis Töutonicos constituit iudices nationum? ogl. 
groto, §einrid^ IV., 93b. 1, ©. 146. 

2 ^aifer §einrid^ VI, ©. 489: „2lIIe anbern Äönige nannte felbft ber 
@ng(önber Sol^ann von ©aleöburg nur Äletn^Äönige" ol^ne SSelecj. 

^ Boncompagnus , De obsid. Ancon. Cap. III (Muratori Script. VI, 



2. Waltliexs erftcr Spruc^ton unb bcr jiauf?fc^e Hctc^sbcgrtff. 181 

Set ^udbtud regulus l^atte einen gan^ flaten poltttfd^en @tnn. 
3n altenßUjd^en ßoncilien toirb öfter fo bet übet bem comes ftcl^enbe 
ober tl^m ebenbürtige Wad^t^aber genannt. 3n bem 93efd^Iu| beS 
itifd^en Sonette au Safl^cl oon 1172 (gapitel 4) toerben unter- 
fd^ieben regnli, comites nee aliqui potentes viri Hibernie. Sud^ 
halfkineg unb subregulus !am bafür bor. Unb baS le^tere SBort 
»irb gerabeju mit „^robinaWmg" erflört^ 

Son imperialtftifd^em @tanbpunlt auS brandeten bad SBort 
Suerft Tutoren ber farolingtfd^en 3^it, um bie anbern <g)errfd^er ate 
Unterfönige au beacid^nen. 

3u ber aJegenSburger fjfortfe^ung ber Annales Fuldenses aud 
bem @nbe beS neunten Sal^rl^unbertii toerben beim ^al^re 888 bie 
ffönige in ben einaelnen ateid^en nad^ bem fJaH Äarte III. regnli 
genannt^. <&at biefer Slegen^burger Snnalift aud^ nid^t mel^r bie 
nal^e gfül^lung mit bem ^ofe toie feine Vorgänger am SBerl, bie 
ate officieQe Steid^dl^iftoriograpl^en gelten büifen^ fo berid^tet er bod§ 
mand^ed über ben Abnig nad^ ber ^ittl^eilung bon Slugenaeugen 
unb »irb fo aud& jene? Sffiort au8 ^offreifen l^oben. äte Otto 
ber ©rofee auf ber ^öl^e feiner »eltgebietcnben Äaifermad^t fianb, 
gab SBibufinb bon Soibe^ aug feinem fdd^fifd^en frö]^Iid^*felbft- 
betou|ten Patriotismus l^erauS ben Königen ber barbarifd^en SSölfer, 
bie fein geliebter flaifer beatoang, ben Flamen reguli ober subreguli®. 
(Sin ^albeS ^al^rl^unbert flJäter, im S^italtcr ffionrabS II. unb 



930 A): Non credam Italiam posse fieri tributariam alicui, nisi Itali- 
corum malitia procederet ac livore. In legibus enim habetur: non est 
provincia, sed domina proTinciarum. 

^ ^U (Sänge s. v. regulus unb subregulus: Hoc coenobium postea 
dedi Aethelardo subregulo, qui erat rex illius provincie. 

^ Script rer. Germ. ©. 116: lUo [Amolfo] diu morante multi reguli 
in Europa vel regno Karoli sui patruelis excrevere. 

» SBibuÜnb III, 50. 55. 68 (Script, rer. Germ. @. 75. 78. 81). 



182 Itnterfuc^ungen. 



^cintid^S III., nennen bte iüngeren Sl^eile ber @t. ©aßet Slnnalen 
aum Sö^t 998 unb 1044 bte Äönifle tjon SSutgunb unb Ungatn 
regnli. gfortan l^eigen bann befonberd aud^ bte beutfd^en @egenföntge 
fo, bie anbete 'tiranni' nennen ^ 

SBtbutinb bon Sorbe^ l^telt ben beutfd^en Jtöntg für ben etften 
aller Aönige Europas. Z)ad n)ar ber @laube etned übetfc^n^ftnglid^en 
Befd^rftnlten Slalionalftolaeg. 2lber aud^ bie ßitd^e erfannte bem 
bom Sifd^of ßefalbten Äönig , bem in 3tom ßelrönten ftaifer btefe 
©uprematie ^u. 3n bem offideHen ®ebet bei ber ÄöntgSfrönung 
tote bei ber ^aiferltönung in 9lom mürbe (Sott angerufen, er foQe 
ben flaifer bor allen Königen anSaeid&nen, auf baß er über alle 
flönigreid&e l^erborroge ^. 

SBertl^bottpe fllarl^eit über ben Segriff beS SBorlfe gibt bann 
ein aSrief (SregorS VII. 3n bem Il^ronftreit atoifd^en Äönig (Seifa 
bon Ungarn, bem ©d&toager ©einrid^8 IV., ber, um bie .£)ülre 
beutfd^er £ru))pen au eilangen, bem beutfd^en 9teid^ £ribut unb 
Sel^ndl^ulbigung augefagt ^atte. unb beffen SSetter @eifa, ber ftd^ 
ate gfül^rer ber nationalen $artei auf $olen unb S^aana au ftü^en 
fud^te, l^atte ber $apft gegen ben ©d^üfeling ber ©eutfd^en Stellung 
genommen. 93on bem @egner ertoartete er el^er bie 9lnertennung ber 
Sel^ndl^ol^eit ber 6urie, bie er aud einer angeblid^en alten Sd^enlung 



1 S)ie 33elege auS ben Annal. Fuld., S. Gall., SBibufinb unb einige 
ä^nUd^e M SBai^ SD., S^erfaffungggefd^tc^te S3b. 6, ©. 118, 2lnnt. 8 unb 5, 
2. 2lufl. (oon ©ecUger) ©. 159, Slnm. 8 u. 5. — SBibuünb I, 41 (Script, 
rer. Germ. <B. 34): Rerum dominus et regum maximus Europe. 

2 aOßai^, 2)ie Sormeln ber beutfd^en Äönigg* unb ber röntifd^en Äaffer- 
frönung (m^- b. ©ötttng. ®efeafc§. b. SBiffenfcl^. 93b. 18), ©ötttngen 1872. 
a)ie tJormel ber Äöniggfrönung (@. 35) entl^ält ben @a^ : Honorifica eum 
pre cunctis regibus gentium, felix populis dominetur et feliciter eum 
nationes adorent (SBar. adoraent). ^tetnanb, ^aö ©eretnonicU ber Äaifer* 
Irönungen. Wlün^tn 1894, ©. 105: Ut super omniaregna precellat. Honori- 
fica eum pre cunctis regibus terre. 



2. IPaltf^ers eruier Spruc^ton unb ber ftauf?fd?e Hetc^sbegrtff. 183 

beö Äöniß« Stcpl^an an bcn l^eiüßen ^ettuS l&crlcitete. (St l^abe — 
fo Ic^teibt er bem Äönig @cifa im Saläre 1075 — bcm Äöntg 
Salomo bie flönißStoütbc entzogen, »eil biefet jid^ bcm bcutfd^cn 
9tei(^ untertootfen unb ben 'Jlamen etned regulas empfangen l^abe, 
et aber tooUt, bafe in feinem 8anb Ungarn ein rex l^eitfd^e^ 

3H8 griebrid^ II. im 3a^re 1211, in feinem Äbnigteid^ ©icilien 
t)on ßaifer Otto l^art bebrängt, ftd^ für berloren Italien unb auf 
gflud^t benfen mufete, tourbe er, toie ber bem Äaifer feinblid^ ge» 
ftnnte Z^omaS aud Zuecien au eraäl^Ien rotii, t)on ben einbringenben 
Slnl^&ngern DttoS fpöttifd? regulus genannt^, ©ier fott alfo feine 
Ol^nmad^t unb ^ilftojtgfcit, bie %td^tigfeit feiner f5ntgli(f)en ßtaft 
auSgebrüdt toerben. 

Sin anbetet ift eg, tDtnn foId§ l^erabfe^enbeS SBotl in ben 
ptiöaten arbeiten ber (Sef^id^tfd^reiber ober in bem Sutialftil ber 
Äanalei borlommt, ein anbereS, menn e8 ber Äönig felbft unb fein 
berantlDortUd^er Satl^gcber öffenttid^ in einer JjoUtifd&en ©taatS« 
action gebrandet. S)ieg gefd^al^ lool^l faum jemald fd^ftrfer atö 
8ut 3ett jeneÄ berunglüdtten SongteffeS an ber ©aone burd^ fjfriebrid^ I. 
unb Stainalb t^on Saffel. 

aiit Unred^t fud^te ©iefebred^t in feiner toertoafd^enben 5Kanier 
bie SBebeuiung bief er aeufeerungen ^ru^ gegenüber l^erabauminbern ^. 
Sie Derratl^en unatoeifell^aft einen folgenfd^toeren SBenbepunft in 



1 ©regoriuS vn. Reg. H, 70 (aKigne 148, @. 121): Ut rex ibi non 
regulus fiat . . . Rex subdidit se Teutonico regi et reguli nomen obtinuit. 
Ueber bie §iftorifd^en SBorausfc|ungen f. 93übinger, ©in 93ud^ ungarifd^er 
©efd^td^te. ßeipjtg 1866, unb §u5er, ©efd^id^te Defterretd^g 1, @. 196 ff. 205 f. 

* Monum. German. Scr. XXII, 509: Itaque Fredericus rebus quasi 
Omnibus spoliatus, castris perditis et regia potestate privatus iam non 
rex, sed regulus dicebatur tyrannis [Ufurpatoren] , qui regnum inva- 
senint, potius subiectus quam dominus. 

8 ^ru$, Äaifer griebrid^ I. SDanjig 1871, I, 315 ff. ©iefebred^t, ©e- 
fd^id^te ber bcutfd^en ^aiferaeit V, 1, 336 ff. VI, 415. 



184 Unterfuc^ungen. 



bcr uniöcrjaüfiifd^en, antijjalJQlcn Sleid^Spolitil bcr ©taufet, cinSurüd- 
greifen auf bie loeitfltegenbften @ebanlen StaxU bed @ro|en, ber 
Ottonen unb ^etnttd^d III. 2)ad tömifd^e Steid^ umfaßt banad^ 
im toetteten Sinne aUe übrigen j^önigtl^ümet toie $xot)in)en mit 
ab^ngigen Stegenten. W)tx bie Stabt 9lom unb xf^x Sifd^of ge- 
lösten nut aum tömifd^en Steid^ im engeten Sinn unb fielen au^et- 
]^a(b jebed (Sinfptuci^d bet ftemben Könige unb $tft(aten, fo gut toie bie 
Stabt $arid unb bet Sifd^of t)on $atiä au^etl^alb bet Sntfd^eibungen 
be§ tömifd^en ^atfetd. Z)aS ettta n)at bet ^nl^alt biefet ftaufifc^en 
9leic^dboctrin. 

Sie tonnte ftd^ aUetbingd ftü^en auf bie Seilten bet gleid^- 
zeitigen tömifd^e.n 3utiften. S)ie ©Icfie beg betül^mten SSolognejet 
Sanoniften ^uguccio ^um 2)ectetum (Statiani fiQtuitt\ ba^ aud^ 
bie gftansofen unb (Snglönbet unb bie anbetn uUtamontonen Stationen 
butd^ tdmifd^eS 9led§t gebunben ftnb, n)ei( fle bem t5mifd^en 3m« 
petium untettootfen feien obet fein foQten; fie lennt nut einen 
flaifet unb untet il^m nut in ben betfd^iebenen ^totiin^en 
Äönige. Det S3egtiff beS rex provincialis alfo toie in bet 3lebe 
93at6atoffag an bet Sadne. ttnb bad fptad^ bet SRann aud, bet 
Snnocena III. im canonifd^en Siedet untettoiefen l^atte unb bon 
biefem ald fein Seiltet unb ma^gebenbe Sutotität betel^tt toutbel 

S)ie lateintfd^e äiagantenbid^tung lebt in biefen 93ot« 
fteltungen. S)et ^xä^ipotta t)er]^ettlid^te in übetfd^mängtic^et SBeife 
baS ftauftfd^e Imperium im Sinne feines @5nnetS Stainalb t)on 



^ Huguccio ad Decretum c. 12, dist. 1: Hoc jure soll Romani et 
qui subsunt Romano imperio astringuntur. Sed quid de Francis et Anglicis 
et aliis ultramontanis, numquid ligantur legibus Romanis et tenentur vivere 
secundum eas? Resp. Utique, quia subsunt vel subesse debent Romano 
imperio, nam unus imperator, sed in diversis provinciis diversi reges 
sub eo. SBgl. 3Äaa^en, ©i^ungSöerid^te ber Sötcner 2lfab. 1857, 83b. 24, 
©. 79 f. 



2. IPaltt^crs crfter Spcuc^ton unb ber ftauflfd?c Hctd?sbegrtff. 185 

ffiaffel. 3]^m etfd^eint gfricbtid^ Satbatofla afö neuer Äatl bet 
(Brole, bet mit feinet Sanae bie Sebeßen butd^bol^tt^ 

«t beßtüfet i^n aU Säfat bet SBelt, atö etften bet gütften 
bet gtbe, beffen Stompete bie Sutgen bet gcinbe etfd^üttett, bet nad& 
bem SEBiQen @otteS a^t" Aöntg übet bie anbetn Aönige gefegt fei. 
Sotn ßaifet loitb bet @tbfteid eingetl^eilt unb baS Sleid^ feinem 
alten 3wftanb autüdt gegeben ^ ®a8 Hingt gana toie jene 
Siebe, bie Dtto öon S^^eifing fSftiebtid^ I. ate Slnttoott auf bie bon 
nationalem Stola gettagene Segrügung bet tömifd^en @efanbten in 
ben Wunb legt. 9(tö legitimus possessor totifi et ba bie (Sin* 
bilbungen bet SRömer auxä(f unb befennt feinen SSotfa^, bie @tenaen 
beS 9leid§d. fei eg mit (Sefal^t beS SebenS, miebetl^etauftellen unb 
toie foeben S)&nemaif untctmotfen fei, fo aud^ bie anbetn SPtoöinaen 
unb Aönigteid^e bem 9leid^e autüdaugeben ^. ^u@ bemfelben @ebanfen 



* 3ac. ©rimm, m. ©ddriften m, 68 ©tr. 10: 

Quanta sit potentia vel laus Friderici, 
cum sit patens omnibus, non est opus dici, 
qui rebelles lancea fodiens ultrici 
representat Karolum dextra ultrici. 

2 @6b. @. 66: 

Salve mundi cesar noster .... 
princeps terre cesar Friderice, 
cuius tuba titubant arces inimice, 
tibi colla subdimus. 

@. 67: Nemo prudens ambigit, te per dei nutum 
super reges alios regem constitutum 
et in dei populo digne consecutum 
tam vindicte gladium quam tutele scutum. 

@. 68: Iterum describitur orbis ab Augusto, 
redditur respublica statui vetusto. 

* Dtto von Sreifing Gesta Friderici II, 30 (Mon. Germ. Scr. 20, 406 = 
Script, rer. Germ. S. 111): Quomodo patriam et precipue imperii mei sedem 
nsque ad periculum capitis non defenderem, qui et ipsius terminos non 



186 Unterfud^ungen. 



ftammte aud§ bie t)OT]^in emäl^nte SeuBerung ^^ilt))))d: bie 9)et- 
ftänbigen unb SBol^dnetnenben l^ätten bei ber ^natd^ie nad^ ^einrid^i^ 
£ob geatoetfelt, ob jemate bag 9tetd^ toieber in feinen alten Stanb 
tefotmirt toetben Wnne (f. oben ®. 172). Unb um bie ßontinui« 
tat biefet ftaupfd^en SHeic^Ätl^eovie bon bet 3eit S5otbatoffa8 big ^n 
ber SBaltl^etS boQ au mad^en, beaeid^net Qud§ bet ^xä^ipotia ben not- 
manntfd^en Sebietei SicilienS afö einen tyrannus^ (toie oben regalus), 
beaeid^net ein fübitalientfd^e ^ntereffen betonenbet faifettteuet Sno* 
nt^mug in feinem @ebid^t auf bie Z^aten ^einrid^d VI. ben iungen 
A5nig bon ©icilieU; SBill^elm III., ald regolus^, b. 1^. ald armen 
künec nac^ Sßalti^tx^ 9(udbiud. 

SSaiif^n, auf ben, mie oben (©. 37 unb öftex) bemetit touxbe, 
bie äSagantenliebet bielfad^ eingetoirlt l^aben, mag tool^I aud§ bon 
biefen Stimmen entl^upaftifd^er Äaifertjet]&ertlid§unß gerül^rt toorben 
fein. 9lbet fein äBott bon ben armen künegen erinnert fo unmittel- 
bar unb bringenb an jenen ©d^era SarbaroffaS unb feineS Äanaler», 
ber ganae Snl^alt ber für $]^ili)7t> fiebid^teten @))rüd^e ftel^t, mie 
geaeigt (oben @. 172 f.), ben amtlid&en flunbgebungen ber fiauflfd&en 
■partei fo nal^e, bafe ein birecter unb fel^r enger S^^föwtmenl&ang 
mal^rfd^einlid^er ift. 



sine eiusdem periculi estimatione, quantum est in me, restaurare cogita- 
verim? Experta est hocDania nuper subacta Romanoque reddita orbi 
et fortasse plures provincie pluraque sensissent regna, si presens negotium 
[Staltenfai^rt] non impedisset. 

^ 21. a. D. ©. 70 : Jam tiranno Siculo Siculi detrectant, 
Siculi te sitiunt, cesar, et expectant. 
©.62@tr.l2: per hunc [SRainalbS ©d^ulengcll regnum Siculi fiet 

tui [Jlainalbö] iuris, 
ad radicem arboris ponitur securis, 
tyrrannus extollitur et est sine curis. 
2 Mon. Germ. Scr. XXU, ©. 337 g. 122, 150. 



2. IDaltf^ers erjier Spruc^ton unb ber ftauflfc^e Hetdjsbegrtff. 187 

^Jlur Jjctjönlicöc 53eatel^ungcn au ben Ätetjen ber gieid^8» 
lanslei unb ber ftaufifd^en SHeid^sfl^otbeamten lönnen, toie mid^ bünft, 
SBaltl^et bie genaue Scrtrautl^cit mit il^rer poUtifd^en ^l^rafeologie 
liermtttelt l^aben. 

®ie aJlftnner, meldte unter ^einrid^ VI. bie »eid^ÄlJolitif bed 
Aaifeid auSgefül^rt l^atten, maren aum Sl^eil nod^ am Seben unb 
in öetanttoortungStJoHer ©teHung : bie l^öd^ften Beamten ber Seidig- 
lanslei unb bie l^ert^orragenbften äleid^gl^ofbeamten, bie ate gfelbl^errn 
unb Staatsmänner tl^ätigen SReid^Sbienftmannen. Die einen toie 
bie anbern bie eigentUd^en ©tü^en ber italienifd^en SßoUtif ber 
©taufer, ber UniöerfalpoUtit : ber Sleid^Sfanaler fionrab tJon Querfurt, 
Sifd^of bon «^ilbedl^eim unb SBüraburg ; ber Steid^Smarfd^aQ <&etnrid§ 
)ion Aalben; ber äleid^Strud^feg Warftoalb tion ^^nmeiler; ber frül^eie 
^o^toplan §einrid^8 VI. Sifd^ol @arbo(f bon ^albcrftabt (f. oben 
®. 92); enblid^ SBolffler ö. ^affau (f. oben ©. 55 jf.). 

93ifd^oj[ Aonrab b. Ouerfurt, bon bem oben (©. 53) bie 
»ebe getoefen ift, ber gapeUan SatbaroffaS , ber (Jraiel^er ^ein< 
tid&S VI.^, ber 1195 in Italien aum ßanalcr ernannt toorben 
toar, um ben ftreuaaug boraubereiten unb bor allem im ßrbreid^ 
©icilien bie laiferlid^e Autorität unb eine georbnete Sertoaltung 
l^eraufleQen , ftanb aud^ j|e^t nod^ an ber ©pi^e ber Sleid^Stanalei. 
(gr toar ein flldubiger SIpoftel ber ftaupfd^en Uniberfalpolitif, ein 
S^puä beS faifertreuen, autonomiftifd^en Sifd^ofg: tjon daffifd^er 
»ilbung, ein 9Kann beS ©d^werteö unb ber SBilfenf d&aft , ein 
Sreunb ber ©dgönl^ett unb beS ©d^mudCed, ein l^eQer freubiger 
aSettgenie^eT. 3n ber 2)omfdE)uIe au <g)ilbegl^eim ^ unb auf ber 



1 a:ocd^e, ©. 27f. 448 ff. unb öfter. 

2 @tn l^öd^ft merfn)ürbige§ 2)enfma( ber öilbungSfppre biefer 
$ilbeö§eimer S)omfc§uIe ju jener S^it entl^ält baä gortnelbud^ in 
ber §anbfcl^rift 3fir. 350 ber Seipjiger Unioerfitätöbibliotl^e!, in ber eine 



188 Untcrfuc^ungen. 



Untüerjitöt $Qrid gebilbet, loar et ein kennet unb Sd^ület 
romantf($er ßultut. Slrnolb tion SüBec! l^at und bon il^m 
einen benftoürbigen SBrief autbetoal^tt, ben et au8 Statten an feinen 
ßel^tet ^attbett in ^ilbeSl^eim Id^tieb. Satin tebet eine um biefe 3rit 
finguläte begeiflette Siebe füt bie lanbld^aftUd^e Sd^önl^eit Italiens, 
eine feltene Aenntni^ bet antilen W^tl^ologie, abet bot aUem eine 
ent]^u|tajlif($e Eingabe an bie ftaufifd^e 3bee beS äBeltteid^S. @otted 
Slttmad^t, meinte et, l&abe bie faifetli^e ©ettfd^aft je^t lotoeit au8» 
gebel^nt, ba| nun äBal^tl^eit getDotben fei; toa^ et fonfl nut in bet 
©d^ulc, in ben SBetfen bet alten S)id^tet ßelefen l^abe: baS 3m» 
perium übet ben StbfteiS, baS alte Imperium Romanum^ ^iet 
Hegen bie Äeime bet fpftteten Slnf^auungen eine« aibettino 3Ruffato, 
S)ante, Sola bi Stien^o, $ettatca. 

Äontab toat Jok ted^te ^anb ^eintid§8 VI. getoefen in feinet 
Sinana- unb S3ettoaltung8lJoliti!. 6t l^atte jenen flcilifd^en ©c^a^, 
bet bann übet bie Sllpen getettet matb, ben ^ßl^ittW in feinem 
fpätcten Stief an Snnoccna, ben SDßaltl^er in unfetem 3fleid^8ft)tucl^ 
fo nad^btuÄSüott ate ©tunblage faifetlid^et ^Rad^t, als 3«i^cn bet 
gegitimität ^inftetlen, fammeln l^eljen. (St, „bet foifetlid^e ßegat 



g(eic§jettige SBrieffatnmlung ber 8ttlf(^ulc von Drl^ang (roai^rfcl^etnlic^ auö 
SWeung) mit §Ubeöl^eimer 2)tctaten oermel^rt unb baran bie 93ear5eitung 
einer älteren italienifd^en SRl^etorif auS $at)ia, ber Aurea gemma beö 
granjofen .t>enricuä, gefügt ift, vg^l 93r. ©tel^Ie, Heber ein §ilbeg}]^eimer 
J^ormelbud^. (Sigmaringen, (5. Wappen 1878 (©trafeb. 2)iffert.)- 

1 3lrnoIb t)On Sübcdf V, 19 (Mon. Germ. Scr. XXI, 193): Quoniam 
virtuosa Domini dextra Serenissimi domini nostri Heinrici, gloriosissimi 
Romanorum imperatoris semper augiisti et regis Sicilie, imperium usque 
adeo in ore gladii dilatavit, ut ea quae olim apud vos in scolis positi 
in enigmate quasi in speculo auretenus percepimus, facie ad faciem ocu- 
lata nunc fide cognovimus, vobis de bis scribere non duximus superfluum 
ut . . . ad ea videnda que auditis vestrum accendamus desiderium . . . 
terminos imperii non oportet egredi, Teutonici orbem dominii non est 
transeundum, ut ea videatis, circa que poete multa consumpserunt tempora. 



2. XOaliiiexs crftcr Spruc^ton nnb ber fiaufifd?e Heid?sbegriff. 180 

t)on gana Stalicn unb beut Äönißrcid^ ©tcitien", toat ööHig ein« 
getoeil^t in aQe Semül^ungen <&eintid^§ um bie gtoge 9tefotm bet 
9ieid§dt)erf affung unb bie (Sinfül^tung bed grbfaifettl^umg. 3d^ n)teber« 
l^ole meine obige gfiaße (f. ©. 53): tft aSßaltl^er na^ feiner 
Stennunß tjon Seopolb biefem SKanne nal^e gelommen? 

3m ©ommet 1198 trat afe $rotonotar in bie gteid^glan^Iei 
$]^ilit)pd ^onrab t)on @d^arfenbetg ein, Witglieb eined 
elfdf jtfd^en 9lei(%8minifterialenßefd^(ed^tg ^ (5r l^atte in ber betül^mten 
Somfd^u(e bon Speier bie ©runblagen feiner toiffenfd^aftlid^en unb 
bt))lomatifd^en Silbung gelegt. Unterrichtet l^atte il^n bort ber 2)om> 
fc^otofter 3Ragifter anbreaS, ber aö Vertrauter gfriebrid§8 I. 
öfter allerlei biplomatifd^e 5Kiffionen auSgefül^rt, al8 Saplan au^ 
©einrid^ VI. ganj nal^e geftanben unb Stalten toie ©ried^en« 
lanb Befud^t l^atte. S)urd^ il^n l^atte er bie Seigren ber ftauflfdöen 
©taatsboctrin eingefogen. 3n berfelben Seit, ba SBaltl^er am ^ofe 
^]^tlip|)Ä Slufnal^mc finbet, ^at flonrab bon ©d^arfenberg feine 
SBtrffamleit al8 ^ßrotonotar in ber 9leid^8!anilei begonnen. 

Set ber ßrflärung beS älteften batirbaren ©prud^eS SSBaltl^erS 
toerben mir mitl^in ben ÄreiS ber „armen flönige", ber reguli, im 
©inne ber imperialifiifd^en Slnfid^ten ber ftaupfd^en ateid&gfan^lei 
unb bet ftauftfd^en 9leid^Sl^ofbeamten beftimmen bürfen. ^Ue Aönige, 
bie im ©ommer 1198 toirflid^ auf baS beutfd^e 9feid& ,,einbrangen", 
b. ]&. eg in feiner alten äusbel^nung unb aJlad^tfüHe minberten, 
fd&mftlerten, fd^toäd^ten, il^m irgenbmie 3lbbrudö tl^aten, toerben 
gemeint fein. 

9lur fo befommen bie SSerfe SBaltl^erg i^re ganae Äraft, il^ren 
öotten ^intetgrunb. ?lur fo aud^ fteHt fld^ atoifd^en SBaltl^erS 



1 SJgl. ü6er il^n oben ©. 74, gr. ^ienemann, ©onrab oon ©d^arfen* 
berg, 93if(5of oon ©peter unb 5öle^ unb faiferlid^er ^offanaler 1200—1224. 
©traßburg 1887, unb SBinfelmann, 21.93.2). 16, 620 f. 



1 90 Unterfucbungen. 



poettfc^er unb ^^ilippd t)o(itifd^*:^tftoTifd^er ^bmalung bet beutfd^en 
3uftänbe bei 9lufibrud^ beS Sl^tonfttcitä genau burd^gel^enbe Uebet- 
einftimmung ein. Sd^ öetmi^te oben (©. 173) bei SBergleid^unfl 
bed Slüdblidg ^^ilippS t)on 1206 mit äBaltl^erg 9leid^8f))tuc^ tto| 
lonjlifler ©leid^l^eit int @ebi(%t eine (5nt||)red&unfl füt bie SBemerlung 
bedAönigg,bag9leid^feibid inaUefeineäBinIetunb@tenaen 
autgeioül^It unb etfd^üttett ti}otben. Sd^tnerUd^ batf man battn 
blofe eine fotmell^aUe Umfd^reibunfl beS ScgriffÄ ,,übetall" erblidEen. 
Senn in bet £]^at tt)av bie Steid^Sgemalt gerabe an ben @tenjen 
unb in ben entlegenen SBinfeln S)eutf^lanbg, man lann fagen faft 
an bet ganzen ^etilil^etie tjon auStoftttigen gf^inben bebtol^t. 
®ie ftreng ftauflfc^ gejtnnten 5Katbad^et 3lnnalen, bem lönigüd^en 
^ot unb bet !öniglt(^en jfan^lei un3n)eifeI]^Qft nal^e ftel^enb, lieben 
befonbetS ]^ett)ot, tnie nad^ bem £obe ^eintic^g baS 9leid§ggut in 
atten ßönbetn geljlünbett tnutbe^ 

Untet ben armen künegen, bie anbiängen, muffen toit nod^ 
anbete au8tt)dttige Könige toetftel^en atS dlid^atb Sbtotn^tx^, 

jDie btingenben Könige an ben lte{4)00ten}en* 

9lid^t blo^ im 9lotben unb 9lotbtt)eften bed Steid^S btol^ten bamalS 
2]^eile beS Smpetium abaubtödteln. 9lud^ ba8 Sd^metaenöfinb bet 
^oUtif $eintid§8 VI., ©icilien, füt beffen döttige 3ncotpotation et 
unb feine fjfelbl^ettn, tjot altem TOatfmalb bon Slntoeilet, dl^te unb 
Seben eingefe^t l^atten, ging nad^ feinem @d^eiben tietloten. ^eintid^d 
eigene (Semal^Iin Sonfianae toat t%, bie l^iet ben 3leid^8ted§ten 9lb» 
btud^ t^at. Sie bettoieg aQe beutfc^en 6a))itäne unb bittet bed 
SanbeS. Ol^ne fid^ um ben aUeid^dttuc^jeffen ajlaifmalb öon \anmeitet 



^ Annales Marbac. M. G. Scr. XVII, 168 : Homines ac possessiones 
imperatoris nulluni habentes defensorem in omnibus terris ab omnibus 
diripiebantur. 



2. IPalttjers crftcr Sprud?ton unb bcr ftanflfc^c Heid^sbegnff, 191 

au lümmern, bct it^aupieit, t)om Äaifer aum 3ieid^8t)crtocfcr ©icilicnS 
unb jum SBottjitciet feines SeftamentS ernannt ju fein, Begann jte 
äterl^anblunflen mit 9lom, toeld^e SicUienS SoSrei^ung t)om beutfc^en 
gieid^ Beatoedtten. 9lod6 Bei SeBaeiten SoeleftinS öerftanb e8 bie 
@UTie, 2)ant ber brängenben Energie beS bamaligen SarbinalS Sotl^ar, 
beg fl^ftteren 55oJ)fie8 3nnocena, ben Sob be8 ÄaiferS mit erftaun- 
Hd^er Sd^neUigfeit au Benu^en, um, an bie beuif($'feinblid^e nationale 
^oliti! ber Äaiferin=35ßittme anfnüpfenb, bie langetfel^nte @dE)eibe« 
ti}anb xtDx]d^tn SiciUen unb bem beutfd^en Steic^ aufjurid^ten unb 
in SictUen ba« SBermtniß öon ©taut unb Seid^ butd^ ein bortl^eil» 
^afted goncorbat au regeln. Salb nadt) bem Sobe beS jfaiferd 
(28. ©el)temBer 1197) fanbte Sonftanae ben ßraBifd^of 93crarb bon 
OTeffina an bie Kurie, um ben neuen Serttag anauBal^nen^ 91B- 
gefd^loffen tourbe ber enbgültige gel^nSbertrag unb baS tie Sfted^te 
beS Staates preiSgeBenbe Soncorbat oKerbingS ctft nad) bem Zobe 
ber flaifcrin im ©tJdtl^exBft 1198. SlBer bie 3lnnä]^crung an bie gurie 
mar fofort nad6 bem 2obe beS ÄaiferS offenfunbig. Unb ate ber 
fünfiäl^Tige griebric^ in ber Äatl^ebrale au Palermo 5ßflng|len 1198 
(17. ^ai) mit (Sinmiltigung beS ^apfteS gefrönt toarb aum ftönig 
t)on ©icilien, als il&m fortan bie flcitifd^e Äanalei ben BiSl^erigen 
Sitel Romanorum et Sicilie rex, ben er als 1196 legitim gcmäl^lter 
beutfdöer Äönig fül^rte, entzog unb il^n bafür BloS rex Sicilie, ducatus 
Apnlie et principatus Capue nannte^, tnu^te aUe SBelt: baS 
Aönigreid^ Sicilien mar bem 9leid^ entzogen unb mugte ber Seiend» 
l^enfd^aft beS ^pat^fteS anT^eimfaüen. Der ©rief Snnocena' III. 



1 Jloger von ©ooeben a. 1197 (Mon. Germ. Scr. XXVn, 176 3. 13 ff.); 
Snnocena^ Stief an griebric^ oont 9. ^anmx 1209 (Epist. XI, 208, 5et 
SWigne 215, ©. 1524 C): Si diligentius attendisses quid actum fiierit super 
iis tempore clare memorie imperatricis Constantie u. f. n). ; Gesta Innoc. 
Cap. 21 (SJiigne 214, @. XXXI f.) 

2 Reg. imp. 522 a. 



192 Unterfuc^ungen. 



an Äönifl aHid^atb tjon (gngtanb t)om 31. TOai 1198 acigt übet- 
bieg, ba^ bamalS aud^ bte amtHd^en SSerl^anblungen übet bie ftaatS- 
ted§tlt($e gftsitung beS neuen S^^ft^nb^ tl^iem fötmlid^en Slbfd^lug 
nal^e tnatcn^. 

Sie 9lad^tid^t öon btefen SSotgängcn, butd§ toeld^e bte äjt 
gelegt tt)at an bte (Stunbfeften bed ftaufifd^en Sttnperium unb bte 
gefammte ^Jolitif Stiebrid^g I. unb .&eintid^8 VI. dereitelt fd^ien, 
ift getoife tafd& nad^ ®eutfd^Ianb gefommen: fd^on im 3Rai 1198. 
Der gieid^Strud^fefe SKarlttjalb bon Slntoeiler, ber am unmittel« 
batften in feinen Sed^ten unb in feinet 5Rad&t Bettoffen toutbe, l^at 
fid^etlid^ fd&Ieunigft babon SBotfd&aft an ben ^o] ^l^ilipJJÄ gefenbet. 
9lud^ mu^te man in ben ftaufifdgen Ateifen bereite toiffen t)on bem 
bewaffneten SBibetftanb, ben Siepolb bon Sol^butg mit anbetn 
beutfd^en faifetlid^en 93eamten bem ^^luSmeifungSbefel^l bet Sonftanae 
teifieten. 

®Ieid^aeitig mit ben ^iobgpoften übet OttoS Suftteten unb 
(Stfolge am %iebettl§ein mitb aud^ biefe Äunbe tjon bem neuen 
Setluft beg Seidig im ©üben, bon bet gtl^ebung eines neuen un» 
fteien ßönigS, a« SBalt^et gelangt fein. Unb biefet jüngfle Äöntg, 
ein ]^ilf(ofed Anftblein ol^ne ^eet unb ol^ne @d^a^, abl^ängig t)on 
bet ©nabe beS t)ät)|llid&en ßel^nSl^etten, (5tbe eineg Sanbeg, in bem 
butdö baS botbeteitete Soncotbat bet fiaatlid^en ©etoalt au ©unflen 
bet fitdölid&en bie ^ftnbe gebunben toetben fottten, bet unmünbige 
Sol^n einet TOuttet, bie bemül^t toat, aQe Deutfd^en au bettteiben, 
fonnte toal^tlid^ ein armer künec l^eifeen. 3nbem SBaltl^et abet 
feine etmaigen ^nfptüd^e auf bie beutfd^e Ätone abtoeift, entfptid^t 



1 Epist. Innoc. 1, 230 (3Jltgne 214, ©. 198 D): Nos . . . dispositis 
prius que tarn circa urbem quam circa reg^um Sicilie nee non et aliud 
ecclesie Patrimonium fuerint disponenda . . . partes vestras intendimus 



2. Wahltexs erfier Sprud^ton unb ber'ftauftfc^c Hetc^sbcgrtff. 193 

et ber gleid^aeitiflcn Ucbetaeugung bet ftaufifd& gefinnten Äteifc, toic 
fte ^l^iltppd IBrief t)on 1206 abiptegeli: dicebant etiam ipsum 
paemm non sufficere ad regimen imperii. ^cinxid^ VI. I^atte noc^ 
Pot Autaem bie Seiflung bed jicitifd^en Sel^nSeibeS an bie Sutie füt 
unöctetnbat mit bet SBütbc bc8 tömifd^en flatfct« erflätt. S)ct» 
jcntgc fictUfd^e Äönig, bet bicfen gib bet Scl^nSppid^t bem $apfi 
leitete, mußte in ben klugen SBaltl^erS unb feinet ©cfinnungÄ" 
genoffen bie gäl^igfeit tjerUeten, tömifd^et flaifet au fein^ (f. oben 
©. 152). ®et ^aß bet Don Sonftanae öetfolgten beutfd^en ©of» 
pQttei gegen bie faifetlid^e SBittme, bie nut Jtönigin Pon Sicilien 
fein tooHte, betftieg fid^ bamate bis au bet Auflage, bafe fte il^ten 
(Semal^t betgiftet l^abe, um il^t @ebuttdlanb t)om beutfd^en Sleic^e 
to^a^teißen ^. 3n bem Äteife TOatfmalb« unb feinet ©enoffen bet* 
bic^tete pd^ bie Slbneigung gegen ben jungen Äönig bon ©icilien 
bis aw bem ©etüd^t öon feinet Uned^tl^eit^. 9Q8oIt^et ctfd^ien et 
nut ote ein ,,atmet Äönig", bet öon bem ®ut beS Sleid^g ein 
©tüdt loÄteifeen tooHte, bet bie TOad^t „bet beutfdE)en Sunge" 
(9, 8) betfUinette. 9lid^t o^ne ^bfid^t tD^Ü ^alt^et getabe 
biefen 3lu8btudt*, um baS beutfd^e 9leid^ ^n beaeid^nen: aßeä toaä 
aut beutfd&en Nation gel^ött, fafet et a^fammen gegenübet bet 
beutfd^feinbUd^en nationalen Setoegung, bie bamaU in ©icilicn, 
in 3Rittelitatien , in fjtanftcic^ , 5DdnematI unb (Snglanb bto^enb 
aufflammte. S8 roat bie S^it, tt)o man ^uexiii anfing, im poli» 



^ S5g(. SQöinfelmann 1, 40, beffen Sßorte id^ abftd^tUd^ öeibel^alte. 

2 SBgr. SBurf arb Don IXrfperö Mon. Germ. Scr. XXm, ©. 365, 3. 5 ff. 

8 aOßinfelmann 1, 498 f. 

* SBilmanng bemerft ju biefer ©teile: „bie tiutschiu zunge ift baö 
beutfd^e SBoII; ein tieferer @tnn ift barin nid^t ju fachen". Slüein un* 
jroeifell^aft l^at biefer 2luäbruc! üne nationale Temperatur, bie einem 
etwaigen tiuschez riche, tiuschiu lant ober a\x(S) tiuschiu diet unb üf^ns 
lid^en fei^len würbe. 

Surbad^, Sßaltl^et oon ber SSogelroeibe. 13 



194 Unterfuc^ungcn. 



tifd^en Stamp] bie ®))tQd§gegenfä^e 5U betonen (jiel^e unten 
Untexfud^ung 3). 

äBer ti}ie SBaltl^et in feinem (Bpxnä^ aU Kettet bed Steid^d 
^l^ili)))) l^etbettief, bet niu|te aud^ übereinftimmeu mit ben politifd^en 
^been, bie t)on biefem nad^ feinet (idl^etigen Saufbal^n au ettoatten 
tt)aten. 

2)et einflige „^tx^o^ bon Zudcien unb $en aQet Sanbe bet 
® täfln Slatl^ilbe" te))räfentitte butd^ feine aUbefannte SSetgangen« 
l^eit ein $togtamm toeitgteifenbet dleid^dpoUtil. $]^tli)))) toax in 
Stalten bet fül^nfte unb etfolgteid^fte SSotfäm))fet bet laifetlid^en 
^ettfd^aft gemefen. Site fed^a^^niöl^tiget Süngling l^atte et eS mit 
unetl^öttcm 3Jlut]^ ettctd^t, faft gana ^Jlittelitalien m Untettoetfung 
gu btingen, übetall bie dteid^^abgaben au etl^eben unb ben $a))fl 
bebtol^lid^ ringg au umfd^Ue|en^ dx l^atte ftd^ bamate getül^mt, 
toie bet $apft il^m f))ätet bottoatf, ba^ et bis an bie Z^ote dlomd 
®en)alt unb ben ttandtibetinifd^en Sl^eil bet Stabt in feinet 3utid« 
biction l^abe. 3a et toat in feinem iugenblid&en Ungefiüm fogat 
übet bie Slbfid^ten beS Stubetd gelegentlid^ l^inaudgegangen. 

Siefet ^etaog tion Sludcien toat abet augleid^ nad^ bem äBiUen 
fetneä StubetS bet ©emal^l bet b^aontinifd^en Äaifettod^tet S^ene 
gemotben, bet l^tntetlaffenen S3taut bed 9totmannenIönig8 Stoget. 
äBenn itgenb eine Stetmäl^lung , fo roax bieg eine ))oIitifd§e S^e. 
Set Wann bet 3tene titugte aUgemetn ate bet Sitäget unb gfott> 
fe^ct bet aBeltJjotitif ©eintid^d VI. gelten, bie ba8 Smjjetium bi8 
nad^ Oftrom auSbel^nen tooUte. 



1 S5gl. Stoed^e a. a. 0. e. 425 f., SOßinfermann 1, 15 ff. unb Reg. de 
neg. imp. 9^r. 29 (3Äigne 216, ©. 1030 A): Olim enim Patrimonium eccle- 
sie sibi usurpare contendens , ducem Tuscie et Campanie se scribebat, 
asserenSi quod usque ad portas urbis acceperat potestatem et etiam illa 
pars urbis, que Transtiberim dicitur, eius erat Jurisdiction! concessa. 



2. Waliltexs erfier Spruc^ton unb ber j^aufifc^e Heic^sbegriff. 195 

SJon ^Pipp mußte Sebctmann bte öoHe Slufrcd^tctl^altuttB 
aOet ^nfptüd^e bed Sletd^g auf Italien unb Sictlien eitoatten. 9lud^ 
SBaltl^er, tocnn er au feinet Ätönung aufxief. Safe er fid^ fpätet 
in feinen (Sttoartungen bon il^m getöufd^t fal^, ba^ er leintet bem 
3bealbilb feined a3Tuberg, baS U&alt^tx unbemu^t a^^nt Wagflab 
nal^m, jutüd blieb, ftnbett.baxan nid^tS. 

^l^ilipp ^Qt benn aud^, fott)te et bie 3ü0el bet Sleidbdtegietung 
ctgtiff, ben SJetfud^ gemad^t, 3talicn bem Smpetium au etl^alten. 
(St etnannte ajlatfmatb bon 9lntociler aum ^tocutatot öon ©icilien: 
für biefe feine Stellung bettoenbet ftd^ bie Speietet fjfütftenetflätung 
öom 28. aWat 1199 beim ^papft^ Sud^ bie SäJäl^let ^l^iüppS be- 
ttad^teten eben butd^aug baS jtönigteid^ Sicilien ate einen feften Se* 
ftanbtl^eil beä »eid^ö. ®et ?5apft trat bem in feinet Slntwott ent« 
f d^ieben entgegen, etflätte baS Äönigteid^ ©icilien afö geptig aum Siedet 
unb ßigentl^um be8 apoftolifd^en ©tul^leS. 3n gleid&et SBeife fpiad^ 
ftd§ feine betül^mte Deliberatio super facto imperii de tribns electis 
(gnbe 1200 obet Slnfang 1201) au8, jeneS TOeiftetftüdE ftagtoütbiget 
S)ialectil, tt)otin et bie Sted^tSanfptüd^e bet btei @etnft]^Iten (i^tiebtid^, 
$]^ilipp unb Otto) gegen einanbet abtoftgt: aud^ l^iet mad^t et 
gegen $]§ilipp befonbetS bie S^atfad^e geltenb , ba| et feine $anb 
nad^ bem Aönigreid^ Sicilien, bem Sel^n^ftaate 9lomd, audfttedEen 
toetbe^. 3n Stiefen an ^^iKpP ^uguft bon gfrantteid^ fud^te et 



1 Reg. de neg. imp. 9?r. 14, 9J?igne 216, <B. 1900 C. Chronica regia 
Colon. ©. 167: Marquardus itaque marchio Ancone ex consensu et ius- 
sione Philippi regia, qui patruus erat pueri, regnum Apulie optinet; ut 
fertur, servandum puero. 9Sg(. 3Binfe(mann 1, 111 2lnm. 1, 176, 201 
3lnm. 1, 359. 

2 Reg. de neg. imp. 3lv. 29 (5!)Hgne 216, <B. 1030): Nunc etiam per 
Marcualdam Diupuldum [oon SSo^urg] et fautores eorum nos et ecclesiam 
Romanara persequitur et regnum Sicilie nobis auferre conatur. Si ergo id 
facit in arido, in viridi quid faceret? Et si adhuc aridus et exsanguis, ut- 

13* 



196 Untcrfud^nngeTi. 



(fett SJlära 1201) bicfen boburd^ gegen ^ßl^ilip») auf^uteflen, bafe er 
aus beffen ^nf))tüd^en auf Stcilien ald natütlid^e Sonfequen^ aud^ 
bie gfottfe^uttfl bet SBeltmad^tÄpIäne ©einttd^S VI. ableitet, bie aur 
Untettoetfunfl gftanlreid^S fül^ren mußten \ 

9(ud^ bie l^tftotifd^en Quellen bet 3^it (ettoditeten, toxt Stap*f)txx 
gut ^tx\>ox^ebt, bag ßönigteid^ Sicitien als Sleid^glanb unb bie 
Union mit 5Deutfd^Ianb ald eine au Siedet beftel^enbe: fo bie Aölnet 
gl^tonif, Otto öon S. Slafien unb onbete. 

SBaltl^et l^at bemnodö ol^ne grage oud^ an ©icilien flebad^t 
afö eineö ber bon „atmen flöniflen" flefäl^tbeten $eti})]^etieöebiete 
beS Sfleid^S. ®et junge gftiebtid^ IL, bet ©ol^n bet gonftanae, ber 
SJafoK beS ^aj^fleg, toax il^m ein atmet ßönig. 

abet nod& ein mäcfttigetet ^ettfd^et bütfte SBaltl^et bei jenen 



pote cuius adhuc est messis in herba, nos et ecclesiam ßomanam perse- 
quitur, quid faceret si, quod absit, imperium obtinerct? 

^ Reg. de neg. imp. Dir. 47 (SOügne 216, ©. 1049): Invenimus quod 
alterius [^Ijilippö] promotio . . . nee nobis nee tibi nee regno tuo etiam 
expediret; cum si, quod absit! imperium obtineret, saltem occasione ne- 
potis ad regnum Sicilie ardentius aspiraret, cum ad illud iam manifestis 
indicJis ardenter aspiret. Quod autem huiusmodi unio vel confusio potius 
non expediat regno tuo, satis intelligit regia serenitas per se ipsam. — 
Reg. de neg. imp. ^Ix. 64 (SWigne @. 1074 A): Sunt alie rationes, que 
serenitatem tuam a favore Philippi retrahere satis debent et ad regis 
Ottonis auxilium invitare. Nosti enim, quod si Philippus, quod absit! 
imperium obtineret, saltem occasione nepotis, cuius curam sibi vellet ratione 
sanguinis vindicare, regnum Sicilie occuparet: quod nunc quoque per 
satellites suos invadere, sed in vacuum machinatur. Quod si super hoc 
compleret (quod avertat Dominus !) votum suum, cum imperium ei virorum 
vires, regnum [Stcilien] autem divitiarum copiam ministrant, in 
superbiam iam elatus aliud cogitaret, et regnum Francorum sibi dis- 
poneret subjugare, sicut olim, obtento regno predicto, disposuerat frater 
eins imperator Henricus, affirmans, quod te de cetero ad fidelitatem 
sibi compelleret exhibendam. ©benfo 3h*. 94, Mi^ne <B. 1099. 



2. Waltiievs erfter Sprud?ton nnb ber ftaufifd?e Heid?sbegnff. 197 

SBoTten t)otgefd^me6t l^aben: bet t)etf(^lQgenfte unb gefdl^tlid^fte 
Sitjal .eeintid^S VI., Äönifl W^^PP aiufluft^ öon gftantrcid&. 

Sex Streit amifd^en i^tanEteid^ unb S)eutfd^Ianb um bad 
9led§t auf bie Stbfd^aU beg lümtfd^en SBeUimpetium teid^t tief in bad 
ftü^e WittelaUet autüd. Aatl ber (Sroge tt)utbe l^ter tt)ie bort ald 
Slfinl^etr unb (Srünber be8 nationalen, pr äBeltl^errfd^aft bcftimmten 
ftönigtl^untd in 9lnf))rud^ genommen. S)ie (S^apttxn^tx begel^rten 
frül^aeitig aU bie legitimen 'Jlad^fommen ber Aarolinger au gelten. 
Seit bem 10. ^al^rl^unbert f(%ofe eine fronaöfifd&«notionale aßeiä» 
fagunflÄlittetotur tmpot, bie öon einem fünftiflen franaöfifd&en SBelt- 
laifer orafelte. Sie ^iftorien beS dlid^eruS^ in Sll^eimd mad^en 
ber SBal^rl^eit aum Sro^ ben beutfd^en Aönig «g^etnrid^ I. aum 
Untertl^an beS toeftfränlifd^en Sleid^g unb geben il^m ben 9lamen 
tirannus. Jlid^t lange bonad& rüjiet fld& @t. ®eni8, bie @ra6« 
flätte ber frönlifd^en flönige, ben SRul^m unb bie 6^re äad^enS 
au getoinnen. 

93ereitd im 11. ^al^rl^unbert l^at baS (Sm))ortt)ad^fen beS fran« 
aöfifd&en ©taatg in feiner Sefonber^eit unb ©elbftänbigfeit ben 
beutfd&en Äaifern ©d^toierigleiten bereitet, ^einrid^ III. bel^auptet 
einem fronaöfifd^en ^rötenbenten gegenüber fiegreid^ bie ffirone öon 
Surgunb unb aud§ Sotl^ringen, bad ^önig ^etnrid^ ))on gfranlreid^ 
ald toiberred^ttid^ entriffenen alten 93eftanbt]^eil beS gfrantenreid^S, 
beffen red^ter (Erbe fein $auS au fein beanfprud^te, bergeblid^ an fld^ 
au bringen fud^te^. 



1 Sgl. bie gebanfenreid^e unb frud^tbare S)ar(egung (Sci^cffcr«'S8oid^orftä 
über bie $otiti! ^l^ilipp 2luguft$ unb il^r SSerJ^öUniS au 2)eutfci^(anb in 
ben gorfd^ungen jur beutfd^en @efd^id^te VIII, ©. 465 ff. 

2 Historiae I, 21, ed. Waitz Script, rer. Germ. ©. 17. 

^ Sambert von §eröf elb, Slnnalen a. 1066 (Mon. Germ. Scr. V, 157) i 
$einric^ III. roirb t)om franjöfifd^en Äönic^ contumeliose atque hostiliter 



198 llnterfncf^ungcn. 



äud^ fein unfllüdEUd^cr ©ol^n ^cinrid^ IV. l^iclt an bcr 3bcc 
beg 3nH)etium fcji: tjon aßen öcnotl^cn, beS Sl^tonS betluftig, auf 
bet giud^t nannte et in einem Stiefe an ben ßönig öon Stanf» 
teid^ bie 6tbe, fotoeit fie betool^nt toitb, fein^ 

®a8 12. Sal^tl^unbert ttieb biefe SRiöalitÄt auf bie ©pi^e. 
Sie $oUti! gftiebti($d I., genauet bie $oIitiI feined Aanaletd 
aiainalb öonSaffel, f ormulitte bie botangeganflenen unibetf a« 
liftifd^en Senben^en beS beutfd^en ^aifettl^umS au einem feften $to« 
gtamm unb auf jenet S^nobe unb gütflenbetfammlung an bet 
Saone im Sluguft 1162 fd^Iug, wie id^ oben (S. 177 f.) auSfül^tte, 
biefed ßbangelium bon bet toeltumfaffenben SlUmad^t beS beutfd^en 
laifetlid^en Imperium mit bet ßtaft cineS ©etoittetS in bie SReil^en 
bet eutopäifd^en Stegenten. 

3n bet näd^ften @enetation, in bem ^al^t^el^nt, baS SBaltl^etd 
Sugenb unb bid^tetifd^e anfange fal^, taugen biefe ©egenfä^e in 
leibcnfd^aftlid^em Äampfe. 

3e^t ftanb an bet ©pi^e gftanfteid^S ^ß ^ j t { }, ^j gi „ g y |j. gj^ 
ajlann, befjen ßl^tgeia unb gnetgie nut butd& feine ßift übetttoffen 
toutbe. (Sin oft citittet Sid^tetbetS nennt tl^n fd^teätid^ toie bet 
Sötoe, tafd^ mie ein Staubbogel. 6t glaubte, toie betid^tet toitb, 
bafe ein ein^iget 2Kann aut ^ettfd^aft bet SBelt genüge 2, unb biefet 
toottte et felbft fein; bet Augustus, toie et fid^ nannte. 

(St tooUte gftanlteid^ bie boUe unb tl^atföd^Iid^e Obetl^ol^ett 
übet (Snglanb gctoinnen. 6t »iE, ben alten Stabitionen feinet SJof 
gänget folgenb, im Dften fein Sebiet ettoeitctn, bie äBeflgtenac beS 



obiurgatus, quod multa saepe sibi mentitus fuisset et quod partem maxi- 
mam regni Francorum dolo a patribus eius occupatam reddere tarn diu 
pistulisset. 

^ gtoto, ^aifer §einricfi IV. unb fein Seitarter 1, 146. 

^ Historia regum Franc. (Bouquet Recueil des historiens des Gaules 
et de la France 17, 426): Pacem diu stare non permisit regis Francorum 



2. Waltiievs erfter Sprud?ton nnb bex ftanfifd?e Hetd?sbegrtff. 199 



beutfd^en SUcid^S autüdfd^iebcn unb öon il^m grlanbcm, SotJ^tinflcn, 
Sutgunb loSrcifeen. 

91IS fd^Iimtnfter SBetteminfel ber notbeutopäifd^en poIttif($en 
3ufanimcn|iöfec etfd&cint fortan öor atüem gionbern. ^atb ein 
ftanaöflfd^ed , ^al6 ein beutfd^ed Selben mar eS ein ©pielbaU bet 
benootrenften ^ntriguen, bev eibittettften gelben, bet blutigflen 
Äriege. |)ier entlaben fi(^ immer aufg neue bie maffenl^aften 
Spannungen atoifd^en 8franfreid& , ßnglanb , S)eutfd^lanb, atoifd^en 
ben toibetfttebenben Sntereffen ber SanbeSfütften unb ber benad^« 
Barten Sifd&öfc. ^ier Je|te ^l^iliW äugufid fefte ,&anb auerft ein, 
um bie föniglic^e ?lutofratie Qt%tn bie autonomiftifd^en 9ln|t)rüd^e 
beS S3afaIIentf|um3 burd^^ufe^en. ,,@nttoeber foU gflanbetn in 
granfreid^ aufgel^n ober granfreid^ in fSflanbcrn" ^at er einmal 
gefagt^ 2lbcr biefeS fSflanbern, bad ^nx ^ätfte beutfd^eS üleid^S« 
lel^n toar, follte il^m aud^ bie Sd^ttjeüc bieten für aüe ginbrüd^e 
in beutfd^e ^td^U. 

Unter ber Sl^eitnal^me ber ©rafen bon glcinbern unb ^enne» 
gau fd^lofe er im fSfrül^jal^r 1180 mit flönig ^einrid^ II. bon (Sng- 
lanb ein Sünbnife ab, baS ben Stotd l^atte, au (Sunften .^einrid&ö 
beS Sötoen gegen ben fiaifer Ärieg ju filieren ^. äu8 bem Sal^r 1185, 
ate er fid^ anfd^icfte, in ben flanbrifd^en grbfolgefrteg einzugreifen, 
mirb eine Änecbote eraäl^U^, bie baS innerfte ©el^cimnife feiner l^od^» 



magnanimitas qui unum hominem ad totius mundi regimen sufficerc 
arbitrabatur. 

^ ©d^effer^SBotd^orft a. a. 0. ©. 473 2lnm. 5 (baö ©itat auö Sfloger 
oon SBenboroer tft unrid^tig). 

2 ©d^effer^SBoid^orft a. a. 0. @. 471. «ßru^, Sriebrid^ I, @. 88 ff. 

^ Giraldus Cambrensis, De institutione principis dist. III a. 1185 
(Mon. Germ. Scr. 27, 406): Cum igitur super hoc tractando magnates iam 
consedissent, rege seorsum interim parumper amoto, sedebat ipse virgam de 
corulo viridi manu tenens eamque dentibus rodens, et acriter undique circum- 
spiciens. Quod cum barones conspexissent statumque iuvenis illius et 



200 Unterfud?ungen. 



flieöcnben ^länc blcnbcnb beleud^tet ©ein ^ect ftanb su 5lmien§, 
im Segxiff gemeinfam mit bem t)er6ünbeten @xafen ^l^ilipp t)on 
gflanbem ben Scampi p beginnen. 2)q tDutbe nod^ einmal tion 
ben franaöfifcä^en SSotonen Slatl^ fie^jfloflen, ob fid& nid&t öieHeid^t 
nod^ butd^ einen fxieblid^en ^uSgleid^ baS äSIutbergiegen t)etmeiben 
lafje. S)et flönifl fe^te fid^ abfeit«, ein toenig entfernt, l^ielt einen 
fliünen Stoeifl in ber ^anb, ben er, fd^arf nad^ oHen ©eiten umlief 
btidfenb, mit ben gähnen aerbife. S)ie Sarone rourben aufmerifam, 
enblid^ neuflierifl ; ein f eder ^oimonn übernimmt eS, ben flönig au 
fragen, tnoran er benfe, unb biefer geftel^t, er l^abe in feinem @tnn 
ermogen, ob il^m ober einem anberem Jtdnige bet gftanaofen 
(Sott jemals bie @nabe geben toerbe, ba«( Sleid^ in ben alten 
©tanb unb in biefelbe ^ol^eit unb (Stö^e aurfidC^uberfe^en, bie eS 
einft aur 3eit ^arlg bed @ro^en gel^abt l^abe. 9ltfo bid auf ben 
SBortlaut genau übereinftimmenb biefelbe 3bee einer 9leptifti> 
nation bed Imperium ^ einer reformatio imperii ad pristinam 
statum, tt)ie fie Sarbaroffa, ^einrid& VI. unb ^l^ilipp öon 
©d^toaben öorfd^toebte (f. oben ©. 173. 186). S)ie ftanaöfifd^en 
Marone aber jubelten über biefe töniglid^e (Sntl^üQung unb gelobten 
i^m begeifteit unberbrüd^lid^e 3!reue unb ^ülfe. Setfelbe Setid^t» 



gestum in hoc articulo cum admiratione notassent, dixit unus eorum, 
quod equom bonum illi daret, qui cogitatum principis ei revelaret .... 
Eex autem illi [ber if)n fragte, um baä ^ferb fid^ gu üerbienen] . . . illico 
mentis arcana sie aperuit: *Volvebam hoc, inquit, anirao, utrum ullo un- 
quam tempore mihi vel alteri Francorum regi deus hanc gratiam dare 
dignetur, quod Francie regnum in statum pristinum eamque celsi- 
tudinem et araplitudinem quam tempore Karoli quondam habuerat, refor- 
mare queat'! Quo verbo regis baronibus relato et protinus equo iuxta 
promissionem dato, statim in hec verba communiter omnes proruperunt: 
*Pereat ergo, qui tali principi et tam magnanimo ad revocanda regni iura 
impedimentum opponit! Nunquam hiis aut aliis iuribus deo opitulante 
defecerit'. 



2. Waltl^exs erfter Sprud?ton unb ber ftanfifd?e Hetcf^sbcgrtff. 201 

etflattet toeig aud^ ))on einet SSifton au melben, bie üoii ber @eburt 
$l^ilip)) Sluguftg ein ftommet 3n5n($ gel^abt l^abe. (Sine äBiege 
mit einem ftna^en l^abe ftd^ bom «^immel l^erniebergelajfen. 5£)Qd 
Äinb fei rafd& beratt getoad^jen, bo§ eä mit feinen ^änben bie 
^ftut)tet bet neben il^m ftel^enben Surften, bed beutf($en ßaifetd 
unb beS ftönigd üon Snglonb l^abe l^erabbtüden fönnen, big beibe 
in ben ßxbboben öetfunfen feien. ®ie SBal^^l^cit biefer ^to|)]^e- 
aeiung ]^at fid^ in unfeten Sagen beftätigt, fe^t ber national ge« 
finnte ßl^ronift l^inau^ 

Der romanifd^e 9lationaIftoIa empörte fid^ gegen bie Seigre 
t)om beutfd^en äBe(tim))erium. S)en @a^ bed ^uguccio, bag gfranl* 
teid^ unb Snglanb bem rdmifd^en 9teid^ unterworfen feien (f. oben 
@. 184) jieHte in bie|er Seit ber ft)anifd^e (Sloffator bc8 ©ecretum 
Saurentiud bie Weinung entgegen: gftantreid^ unb @))anten finb 
nid^t gebunben burd§ römifd^eg Sled^t^^. Sad entfprad^ aud^ ben 
SBttnfd&en beS Sol^anneg öon ©aleßbur^ (f. oben ©. 179 f.)- 

Sotd^e Slnecboten bon l^eimlid^en ftönigdtxöumen, fold^e ^ro* 
pl^eaeiungen !ünftiger ßönigSt^aten , folc^e Seftnitionen nationaler 
ÄdnigSred^te blieben in Seutfd^lanb fid^erlic^ nid^t unbelannt. 9Jlan 
lannte ben gdl^renben S^rgeta ber tofttfd^en 9lad^barn. Wan er* 
loiberte i^n in ben ftauftfd^en ftreifen mit fout)eränem Stola. Unb 
üud§ SBaltl^er [taub im 93ann biefer gefpannten Stimmung. 

Sd^on mftl^renb ber Slcgieiung SfriebridfeS I. l^ing ed mieber» 
l^olt nur an einem $aar, baß bie |iana5ftfd^>flanbiifd^en 93er« 
loidtelungen a« einem Äriege a^ild^en fjranfreid^ unb ffieutfd^lanb 
fül^rten^. Cnblidö fd^ien 1185 ein 3ufammenftofe a^ifd^en bem 



1 Girald. Cambr. ebb. ©. 406. 

2 ©loffe 5U cap. 8, C xn, 9. 2 bei Guido a Baisio (Söiaagen, SBiener 
©iJungiSbcric^te 24, @. 81): Quelibet regio potest sibi imponere legem et 
ita Franci et Hispani nou obligantur Komanis legibus. 

» SBgr. «ßrut, Sriebrid^ I., 33b. 3, ©. 100, 174 ff., 182, 195 ff. 



202 nntcrfuc^ungen. 



ftanaöflf(%en ^ecr unb bem faifctltd^cn unter ?5]^tli})p öon flöln 
unt)ettnetbltd^. 9l6er aud§ ie^t tuatb et butd^ eine unetttattete 
®tup})ietunfl bet auf einanbet eitetfüd^tigen Sfütflen jener ©tena- 
gebiete betl^inbett : fo ftaUte bet gegen gftanlteic^ getid^tete Angriff 
bed (Stafen ^l^illpp bon gflanbetn unb feined 93etbünbeten , bed 
ftölnet (&t^U]^o]%, auf ben @tafen 93albuin bon ^ennegau ab. 
S)iefet l^atte etfl im öotl^etgel^enben Salute mit flatfet 5ttebti(% 
einen SSetttag abgefd^loffen, tnobutd^ il^m bie Stbfd^aft bed @tafen 
bon %amut unb Su^embutg aU unt^eilbareg Steid^dlel^en, bad et neu 
aus bet <g>anb beS JtaifetS em))fangen foUte, augef))tod^en tDOtben 
tt)at. 5Det gfel^be gegen ben |)ennegauet folgte tafd^ ein SBaffen» 
ftiUftanb unb gleid^ hiebet ein neuet Stud^ att)ifd^en bem toanttU 
mütl^igen, in feinen (Sntfd^lüffen fotttuäl^tenb toed^felnben ®tafen 
^l^ilipt) bon gionbetn unb bem ßönig bon gtanftcid^. SBiebet 
foU bad beutfd^e Steid^ gegen bie tlebetgtiffe l^elfen, unb bieSmal 
fagte Aönig «^eintid^ Untetftü^ung au, nac^bem et t)ot]^et t)on bem 
@rafen aud^ füt ben ftanaöfifd^en Sl^eil t^IanbetnS bie Seiend« 
l^ulbigung an baS beutfd^e 9leid^ emt)fangen l^atte. 

S)amit mar neuet 3i^nbftoff au unbered^enbaten Sonflicten ge« 
fd^affen. @S btol^te eine meitreid^enbe ftiegetifd^e ääemegung ftc^ 
fofott anaufd^Iiegen^ bie abet butd^ bie miebet au^bted^enben Stteitig- 
feiten mit bet 6utie l^intangel^atten mutbe. S)et Abfall $]^ili))))d 
t)on «^einSbetg, beS ftül^eten ßanaletS, Don bet Sad^e beS jtaifetd 
fd^uf bann 1186 bie belannte toeitbetaweigte oppofitionettc Soalitton 
gegen bie ftaufifd^ls $attei. 9[n il^t betl^eiligte fid^ au^et bem bom 
$a))ft gegen ben äßillen beS ßaiferd getoetl^ten (Stabifd^of 93oImar 
bon Itiet unb bem SSifd^of Setttam öon aße^ ^ßQjjjj Utban III. 
unb ^pi^itipp 9luguft. Slud§ ^^tlipp öon gianbetn, bet bod^ foeben 
erft füt baS gefammte gianbern bem beutfd^en Seid^ gcl^ulbigt l^atte, 
ging miebet einmal auf bie @egenfeite unb fd^Io^ fid^ $^tlipt) bon 



2. Waltlievs erficr Spruc^ton mib ber ftauflfd^c Hetc^sbegriff. 203 

Äöln unb feinem franaöfifd^en Sel^nöl^etm an. ^Jlid^t tonge, fo hat 
Aönig <ßnut t)on Sänematf unb ^einiid^ bet Sötoe bem ä9unbe 
bei. ®et Sanbötaf Subtoig bon Zl^ütingen, bet butc^ feine 35et- 
ntäl^Iung mit bet äSttttoe beS ^önigd äBalbemat I. ber Sttefuater 
bed jungen bänif($en il^öntgS geworben mar, bet @ta| ^bolf bon 
©d^aumbutg, bet @taf bon «^olftein, bet ^etaog bon Simbutg, bet 
^etaofl bon Stabant, bet (Sraf bon 3^amut folgten. 6nblid& griff 
bet SJerein übet baS gf^ftlanb l^inau«. 9lbet bet Säeittttt beä eng- 
lifd^en ßönigä ^mxiä^ fptengte bie SBetfd^toörung. gtanfteid^ 
tonnte mit bem alten fjfeinbe nid^t gemeinfam botge^en: eg fd^ieb 
aus unb fud^te bie SSetbinbung mit bem ßaifei. 

5£)et gWnaenbe Songtefe an bet beutfd^»ftanaöfifd^en (Stenae (1187) 
btaiä^te aunftd&fi einen 2:tium})l^ gi^^btid^g I. ßönig ^l^ilip)) Sluguft, 
gleid^ bieten anbetn 3Jlitgliebetn bet feinblid^en ßoalition, beugte 
fid§ unb liefe ben biSl^et befd^ü^ten SSolmar bon Stiet faKen. ®a8 
ßtbted^t be8 (Stafen Salbuin bon ^ennegau auf bie ©taffd^aft 
9lamut toatb bom ^aifet aufd 9leue anetfannt. @taf 93albuin, 
gegen ben fld^ ber Aölnet Stabifd^of mit bem Stafen bon f^lanbetn 
unb bem ^etaog bon SStabant betbünbet ^atte, etfd^ien l^od^ 
geeiert unb lonnte fid^ bed Siegel rül^men. 

S)et butd^ gftiebtid^S I. 3)läfeigung fo oft befd^tootene Sonflict 
atoifd^en S)eutfd^lanb unb bem äleid^ nal^m untet ^eintid^ VI. 
fd^ötfete fSfotmen an. ^ßl^ilij)}) Sluguft l^atte auf bet Steife aum 
ftteual^eet bem Ufut))atot @tciliend Sancteb gegenübet eine ^totx* 
beuttge ^olitil beobad^tet, mit il^m freunbfd^aftlid^ berlel^tt unb 
ben mifettauifd^en ^aifet aud^ baburd^ fd^toet betle^t, bafe et bei 
feinet ^etmfal^tt auS bem Dtient bon jenem fteien SDutdöaug et« 
beten, il^n alfo nad^ bet fteilid^ nid^t unanfed^tbaten Sluffaffung beS 
ftaifetd ald ted^tmöfeigen ^ettn bed SanbeS anetfannt l^atte. ^ud^ 
bie alten Sünben, bie Untetftü^ung $^ilit)))d bon £5ln unb SSolmatd, 



204 Unterfucf^ungen. 



l^atte ^einric^ nod§ ttid^t t)etge|fen. Sein ^ag gegen $^i(U))) Slugufl 
ftteg aeittoeife fo l^od^, bag, lote 2[nnocfn5 biefem felbft fpfttec 
fd^ttcb, er 1191 ernftlid^ baran badete, ben fföntg bei feinet Äüd« 
lel^t aud $aläflina gefangen ^u nel^men, ia i^m nad^ bem Seben 
ttad^tete unb nur mit Wül^e betu^igt metben tonntet 2)ie Se« 
lel^nung 9li($atbd mit (Snglanb unb Sutgunb foQte ber Einfang 
toerben einei Umflammerung unb Stbtüdung bed frani(öjtfd^en 
Sleid^g. ®ie fortmd^tenben SJerlodEungen be8 ®xafen öon grlanbetn, 
ber ßaifer m5ge baS leidste äBetf einer tlnterttierfung i^ranlteid^d 
mit feiner ^ülfe beginnen, toaren auf frud^tbaren SBoben gefaHen. 
aEßir toiffen nid&t, feit toann §eintid& fid& au einer entfd^ieben 
aggreffiben ^^oUtif gegen fSfranlreid^ entfd^Iofe. aber e8 war 
bereits ben Seitgenojfen ^ boQtommen bcutlid^, ba^ ber $tan, Aönig 
Sttd^arb mit bem atelatifd^en 9leid^ au belel^nen, nur barauf ab» 
aielte, bem äJorbringen bed franaöflfd^en Sinfluffeg l^ier einen S)amm 
entgegenaufe^en unb bie 9lb]^ängigfeit öom beutfd^en 9ieid& au er* 
l^alten, bag bie foitmäl^renbe Slufl^e^ung Stid^arbS ^n friegerifd^en 
Unternel^mungen gegen fjfranfreid^ nur bem ©nbamed biente, 
fd^lie§lid& fSf^anfreid^ felbft a« fin^nt Safallenftaat beg bcutfd^en 
9teid^g ^erabaubrüden. 



^ Reg. de neg. imp. 64 (SJlignc 216, 1071): Ad audientiam quoque 
tuam crediraus pervenisse, quod serenitati tue in Lombardia paravit insi- 
dias de ultramarinis partibus redeunti. ;. Slnöbert (Font. rer. Austr. Script 
5, 78) : Rex Francie . . . cum . . . Mediolanum civitatem Ligurie veniret, 
iraperatorem Henricum de Apulia redeuntem in via inveniret, nee subito 
convenerunt, sed aliqua dissensionis nebula inter eos latebat, eo quod 
prius in discordia, quam cum Coloniensi Philippe pater eius habuit, sibi 
ipse auxilium prestabat. 

8 Snnocens, Reg. de neg. imp. 5«r. 64 (SOHf^ne 216, ©. 1071 B) 
fc^reibt baoon $l^ilipp 2luguft (f. oben ©. 196, 2lnm. 1); Roger de Hoveden 
ed. Stubbs III, 301: Notum enim erat regi Anglie, quod imperator super 
omnia desiderabat, ut regem Francie imperio subiaceret. 



2. VOaXi^txs erfter Sprud?ton »nb ber f^auftfd?c Hetd^sbcgriff. 205 

?5f|ittpt) Sluguft bleibt bent gegenüber feineStoegS in bet Defcn» 
Pbe. (gr rid^tet feine Slugen toieber nad^ auSioörtS unb fpinnt 
politifc^e Swtriguen. (Sine (5^e mit Sngeborg, ber ©d&toefter be8 
©ÄttcnfönigS (Sluguft 1193) foEte i^m bie ^ülfe ber bänifd^en 
Slotte bei Der ©UTd^fül^rung feiner SHed^tganft^rüd^e auf (Snglanb 
bringen, ober er fud^te aud^ burd& biefe neue SlnCntipfung mit ber 
noibioeftUd^en @ru))J)e ber toelfifd^ ober boc^ antifiauflfd^ gefinnten 
gürfien fid& gegen ben ßoifer au berfen. 9lod^ beuttid^er öerriet)^ 
fid^ biefe äbfld^t, afö er balb nad^l^er, ba ber ©änenfönig fld& fd^lau 
prüd^ielt unb atoifd^en ben Parteien la\>\xit, bie neue ©ema^tin 
berfliefe unb bie $anb einer SBelfcntjrinaeffin, ber Sod^ter beS $falj= 
grafen bei SRl^ein, ägneS begehrte (1194 Januar). Slud& bicfer $(an 
fd&eiterte: bie Säraut toarb bem Äönig toeggefd^najjpt. 9lber ber 
SJerfud^, fo mit bem ^oufe ber SäJelfen felbft, mit ben Häuptern 
ber anttftaufifd^en Dppofition in ©eutfd^lanb fid^ ju öerbinben, 
würbe il^m in ben laiferlid^en Greifen nie ber^iel^en. 

9flad& töie bor blieben bie beutfd^en ©ren^gebiele bon 
ber gjpottfiongpoliti! ^^ilipp SluguftS bebrol^t. 3tt glaub er n 
fd^ien je^t enblid^ feinen Semül^ungen ßtfolg a« tninlen. SJor 
äccon toar ber ®raf bon glanbcrn geftorben. ®ie Slid^te be8 
(Srofen, ^l^ilipp 9luguft8 erfte @ema^lin SfobeHa, l^atte il^m in 
il^rem ßl^eöertrog baS ßrbred^t auf ben Sl^eil gionbernS auflcftd&ert, 
ber fpöter bie ©raffd^aft artoiS bilbetc. ^^ilipp 9lugufi gebadete, 
bei biefer (Selegenl^eit baS ganae gianbern au erbeuten, aber auc^ 
®raf Salbuitt bon ©ennegau, ber bered^tigte 6rbe für biefe (Sebiete, 
toar auf bem $la^e unb gemann ben i^m gel^örenben ^ntl^eil. 
au« aiüdEfid^t auf (ängtanb, bon bem er ben ©rafen ©albuin um 
ieben $reid fern a^ Italien fudben mu|te. gab ^l^ilipp auguft 
bamalS nod& nac^ unb begnügte fid& mit artoi». aber getoig 
fd^tummerte bie Segierbe nad^ ben übrigen flanbrifd&cn (Sefllben 



206 Unterfud^ungeti. 



feinen SluflenblidC in Jeiner ©eele. ©d^on 1196, nod^ bem £obe 
beg @tafen ^einitd^ II. bon ^amut unb Su^embutg , bot fld^ il^m 
bie tt)iIIIommene (Sele^enl^eit , auS bem bamate audbred^enben 
©rblolgefirett ^ SBottl^eil au ^xtf^tn. SSalbuin bon gtanbetn bc- 
Qn|t)tu^tc bie (grbfd&aft für feinen Sätubet ^l^iUt)}), ^en ßnfel einer 
©d^toeftcr be8 SBetfiorbcnen, unb betbünbete |id^ mit (Snölanb. @taf 
Z^toialb bon 93at fotbette baS 6tbe für ftd^ aU @ema]^l bev 
Sod^ter beS testen @iQfen. S)iefen befd^log ^^Uiff Sluguft ^u untet^ 
fluten. |)ietbur(^ fonnte et gleid^aeitig l^offen, aud^ ImSotl^tinset 
@ebiet f$fottfd^ritte su mad^en. Unb aud^ nad^ 93utgunb blieben 
feine 93lid(e betlangenb gexid^tet. ^aifer ^einrid^d £ob mu^te il^m 
l)iet wie boxt bie ^ol^n frei fd^affen. Sefonbetg aber forbetten bie 
SSetl^ältniffc inSuxgunbp einer franaöfifd^en (äinmifd^ung gerabeau 
l^erauS. 

Sfriebrid^ I. l^atte ben Siitel Adntg bon Surgunb unb ber 
$TObence nid^t blo^ a(g leeren Flamen gefül^rt. Setner Krönung 
5U 9lrle8 im Solare 1178 entfprod^ nod^ eine getoiffe factifd&e 3Jlad&t. 
^einridE) VI. mar ed nid&t gelungen, bad SJerl^ftltnife aum 9leid& au 
befefiigen. ©ein fein erfonnener $Ion, flönig Sftid^arb mit biefem 
Äönigreid^ a« belel^nen, l^at, toenn er auSgefül^rt toorben ift (f. oben 
©. 167) leinen (Srfolg gel^abt. Slad^ $einrid&8 Sob no§m bie 
SSettoirrung beä 9leid^d an ber burgunbifd^en @renae auerft eine 
Iriegerifd^e SBenbung. 6inen toefentlid^en S^eil ber ©d&ulb baron 
trug ^Jl^ilippÄ unb ^einrid^g Sruber, ber ^falagraf Otto. 

Otto l^atte bie «Pfalagraffd&aft unter f^toiertgflen Serl^ftltniffen au 
bertl^eibigen. SJon bielen mftd&tigen aSertoanbten untcrftü^t, machte 
fie il^m ber ©raf ©tepl^an bon Slujonne, alte gfamilienanfprüdöe 
erneuernb, ftieitig. S)er ^eraog Dbo bon Surgunb ftonb bem 



Sötnfermann 1, 48. 



2. VOaliliexs erfter Sprud?ton nrib ber ftanfffc^e Heid?sbegnff. 207 

(Segnet ^nx ©eite unb au(% ber ^etaofl SSettl^olb öon Säl^tingcn 
leifiete ienem SSotfd^ub. eigene äßilbl^eit unb @efe^Iofigfeit bex- 
fd^Ummette no(ä^ Otto8 Sage. SJor leinet gftebeltl^at fd^eute et 
autftdE: 3Rotb unb Sitxxaif) toaxtn feine gefäl^tlid^en SBaffen. Salb 
fal^ et fld^ aud^ im fübioefllid^en 2)eutfd^(anb ))on etbittetten i^etnben 
umtingt: bet SSif^of flontab^ bon ©ttafeburg, SBifd^of Sutolb 
öon Safel, ®taf 9llbett bon ©agSbutg, bet gäl^tinget ^etjog unb 
biele anbete (Stoßen einten fid& gegen ben roüften gtieben8bted&et. 
@etn l^eimtüdCifd^et 3Jlotb bed @tafen Ultid^ bon $ftit, einen Sag 
bot bem Sobe ^aifet ^eintid^d begangen, ttutbe nid^t blo^ an 
beut t^fcitagtftflid^en Sanbe , fonbetn aud^ an bem in beffen UmfteiS 
gelegenen Steid^dgut getftd^t: bie Slutotitftt beg J!ai{etd unb fein 
93eft^ mu^te bilden füt bie Sünben beS mi^tatl^enen Srubetd. @d 
toat ein toittfommcneg Signal au 3lau6 unb ^lünbetung an bem 
nad^ bem ))lö^lid^en Sobe |)einttd^d l^ettenlofen @ebiet, unb aQe 
centtifugalen Ätöfte, aHe bexbotgenen Segietben bet obettl^einifd&en 
fSfütfien unb ©tafen nad& Seteid&etung fd&ienen entfeffelt^. Slttet« 
bingd l^ielten bei ^ud6tu(^ beS S^tonftieitd aud^ biete butgunbifd^e 
gütlien au ^l^ilip»)^. 9lHein e8 toat nid&t abaufel^en, toie fid& bie 
bon ipfalagtaf Otto immet toiebet übet bag 9leid^ l^etaufbefd^tootenen 
äBitten nod^ auStoad^fen tonnten, faUS bet ßönig bon gftanlteid^ 
l^tet feine bi))lomatifd^en Aünfte ]pitUn lxt% Unb batan foUte e§ 
ntd^t fel^len. 

93ei feinet atüdtel^t na($ S)eutfd^tanb l^atte $]^ilip)) bon 
Sd^toaben bie f^el^ben feineS äStubetS beiaulegen ^d^ bemül^t unb 



1 «gt. über il^n SBieganb, 21. 2). «. 16, 621 ff. 

2 Slbel, «Philipp @. 40 f., SBinfelmann X, 13 f., 45 f. 

8 SBgr. Äallmann, Sa^rbuc^ f. fc§n)ei8enfc|e ©efd^id^te 1889 S8b. 14, 
@. 1 — 110; P. Foumier, Le royaume d'Arles et de Vienne 1138 — 1378. 
Paris 1891, p. 1—122. 



208 Unterfu(^ungen. 



einen öotlftuflflen Sfricben eneid^t^ Sebod^ bie Unbänbigfeit bc8 
^-ßfc^ISfii^f^n C^tto unb bie oielfad^en b^naflifd^en @egenfft^e in 
ienem ©tenagebiet liegen bie l^alb gelöfd^te @Iut immer toiebet 
aut ließen gtamme auflobern. @etobe in bct 3^i*» *>tt Dtto 
Ijon »Poitou aum Äönifl berufen toorb (^Rörj 1198), toar ber 
Arieg beS Sifd^ofd bon Stra^urg unb ht'i @rafen albert tion 
SagSburg gegen ^falagraf Otto tDteber in boQem @ange: Otto 
tion Surgunb l^atte ben gefangenen S3ruber bed Sifd^ofd gel^ängt, 
unb bief e neue (Setoaltl^at trieb jenen begreiflid^ au blutiger 9lad^e ^. 
SieSmat ober no^m bie f^el^be eine berl^ängnigboQe SBenbung, 
toeld^e in bie äBe(t))oIitit eingriff unb $l^i(i))t)d tou gfriebrid^d 
©teHung au ©ictiien bebenflid^ berührte. 

3n l^ol^enburg im ßlfafe toar feit ber (Sroberung ©icilienS 
burdg Jlaifet |)einrid^ Sibylle, bie SBitttoe bed unglüdlid^en ftciUfd^en 
ftünigS Sancreb, beg einftigen @rafen Oon fiecce, mit il^ren Xöd^tern 
tnternirt. 3m ^öra beä ^al^reg 1198 gelingt e8 il^r bur(% ben 
Ärieg att^il^^c« bem 33ifc^of bon ©tragbuig unb ^Sfalagraf Otto, 
nad& granfreid^ a" entfliegen. ®a6 l^ter bie $anb ^l^ilipp SluguflS 
toir!fam toar, lann man fd^on an fid^ faum beatoeifeln. (SS toirb 
fidler burd^ bie unmittelbar folgenben (Sreigniffe. Ser A5nig tion 
gfranheid^ nal^m fid^ nämlic^ ie^t ber f$flüd^tigen an unb unter« 
ftü^te eine atoeite Slefiauration beS ßönigreid^S Sicilien, toeld^e fo> 
ttol^l ber Sfieftauration , bie, t)om $apft befd^ü^t, Sonftanae für 
il^ren Sol^n butd^fül^rte, alS ben ^bfid^ten $]^ili))pd in ben 3Beg 
trat. 3m 9lpri^ toerben auf einer franaöpfd&en 3leid&8berfammlung 
au Welun bie aingelegenl^eiten ber Sib^Ila berl^anbelt. 68 toirb bie 
SSermftl^lung il^rer £od^ter Sllberia mit bem @rafen äßaltl^er t)on 



^ SEßinfermann 1, 46 2lnm. 1. 
2 SEßinfermann 1, 78. 



2. IPalttjcrs crjier Spruc^ton unb bcr ftaufifc^e Hetd^sbegriff. 209 

?3rienne, einem aScrtoanbtcn beg ©rafen bon 5Jlontb6liarb , be- 
fd^Ioffen unb noc^ im Saufe bed S^al^ted boU^ogen. Sin ÜReißer« 
flüä in ^l^ilip)) Sluguftd Aunft, fRönfe au ft^innen unb auf bet« 
fd^lungenen unfid^tBaxen ^foben feine (Segnet au befd^Ieid^en. S)ui(i^ 
biefe ^eitatl^ foQte bet elfäffifd^^burgunbifd^e Slbel, mit bem bet 
6taf öon 2Rontb6liarb aufä engfte betbunben mat, intereffirt »erben 
füt bie ficilifd^e Sction bet 2:od^tet bet ©ib^Ha^ 

9lo(ä§ abenteuettid&et mat ein anbcteS Wittel, beffen ^l^iKpP 
^(uguft fid^ balb nad^^et bebiente, um im @üben 3}ettt)ittung au 
fiiften, aus bet il^m laum itgenb toeld^et SJottl^eil, abet feinem 
9libal Unbequemlid^feit ettoad^fen fonnte. @t untetftü^te im 
3a]^te 1200 baS 9lnerbieten besi notmannifd^en Slbmitate 3)latBati- 
tone, ben einfl ^eintic^ VI. I^atte blenben (äffen, einen 3w9 flfflfn 
^'^h^^h h^ untetnel^men unb mit ^ütfe eined (Snfelg Wafo, bet 
$ett bon ßepl^olenia, Stl^ofo unb S^l^intl^og toot, einen Sotflo^ 
gegen ben morfd&en S^ton beä gtied^ifd^en Äaifeid a^i mad^en^. 
an ben b^aantinifdgen 2:^tontt)itten l^atte $]§ili)))) bon Sd^maben 
baS unmittelbatfte ^nteteffe (f. oben ®. 50. 62 f.). ®tunb genug 
füt $l^iti)))) Sluguft, ben p^antaftifd^en Zitaten füt feine gfal^tt 
au^autüften. ^od^te l^iet aud^ bad @erüd^t übettteibenb bie 
Sad^e aufgebaufd^t l^aben, genug, ba^ betgleid^en etaäl^lt unb ge« 
glaubt metben fonnte. 

%m «^ofe $^i(i))t)^ bon Sd^maben mugte man im gftül^ting 
1198 iebeSfatt« mit etnfter Sefütc^tung auf gftanlteid^ btiden: e» 
mat böUig unbeted^enbat, meldte %oIIe bet l^intetliftige Sönig $^i(ibp 
äuguft in bem beutfd^en S^ronftteit fpieten toütbe. 3lm gefällt* 
üd&ften mußte offenbat bet im ©et)tembet 1197 atoifd^en il^m unb 



1 äßinfelmann 1, 80. 2, 29, 471 f., xoo aber ^J^ilipp Sluguftö Slnt^eil 
nid^t fd^arf genug betont ift. 
8 Söinfelmann 2, 472. 
Sutbac^, Sßalt^er von ber äSogeltoeibe. 14 



210 Unterfud^nngen. 



Äönifl aiid&atb big aum 13. Sanuar 1199 flefd^lof|cne aBaffcnftiaftanb 
erfd^einen, bie f^olge ber Stiebetlage unb (Sefangenfd^aft^l^Uipt) ^uguftd 
in bet Sfel^be mit Solbuin bon f^lanbetn, bem gfteunbe ßnglanbd. 
8rft mit bem Slnfang 1199 lief bicfct Stieben ab. ftonnte nid^t 
and bet Söaffentul^e ein mitElid^eS 99ünbni^ metben? ftonnte fid^ 
nid^t au ®unften Ottod t)on $oitou eine Koalition miebetl^olen mie 
bie be8 Staates 1180 amifd^en gftanlteid^ unb öngtanb aut Sftettung 
^eintid^g beS Sött)en gefd^tofjene ? ftonnte nid^t bomold beteitd 
eintteten^ xoa^ laum ein ^al^t nod^l^et untet äietmittelung bed 
SPapfieg flcfd^a^? 3u «nfanö 1199 fcftlojfen beibe einen fünf» 
lästigen f^tieben, gefid^ett butd^ bie SSetlobung beg ftanaöftfd^en 
Sl^tonfotgetd Submig mit bet 9lic^te Slid^Qtbg, äSIonca; bet Slod^tet 
Sllfonfl' VIII. t)on ßoftilien, unb untet bet SJetpflid^tung , ba| 
$]^ilit)p Sluguft Otto bei bet ßtlangung bet ftaifetl^ettfd^aft bel^ülflid^ 
fein muffe ^ flögen biefe (Sinaell^eiten bed fpäteten SSetttagd aum 
Zl^eil aud^ auf umloufenbe @etüd^te autüdCgel^en unb nid^t bet 
l^iftotifd^en SBitElid^Ieit gana entft^red^en : toie man ftd^ t)on biefen 
S)ingen im Sal^t 1199 etaä^ltc, toitb man eS aud& fd^on 1198 
getl^an l^aben. S)et in aßen f^atben fd^iUetnben $oIitiE beg bopt^el* 
aüngigcn , tteulof en ?51^iHpp Sluguft toat jebe SBenbung auauttauen : 
bie Untetflil|;ung bet loelfifd^en £^ronptätenbentut mie bie eigene 
Sanbibatut. SBatum foUte ec nid^t bamald fd^on bie beutfd^e 
ftaifeiftone erftteben, mie cngli|d&e Ouetten^ nad^ einet mie e« 



^ Sfloger von ^ooeben, ed. Stubbs IV, 81: Facta est talis forma pacis... 
quod rex Francie iuraret quod pro posse suo iuvaret Othonem ... ad 
Imperium Eomanum perquirendum. SQBin!elmann 1, 157 xüiU an bie SBer» 
pflid^tung; Otto hei ber ©rroerbung beö Imperium gu l^elfen, im ©egenfa^ 
au 2l6er (W^'^VV ©• 94) nid^t glauben. 

2 SBgl. bie oben e. 169 2lnm. 1 abgebrucftcn ©tetten. ©c^effer*«oidJorft 
a. a. D. ©. 502 ^nm. fül^rt biefc ^fJad^ric^ten auf eine gemeinfame SJorlage, 
auf ^eincn Seridjt au^ S)eutfcl^lanb* jurücf. 



2. IDaltljers erfier Sprud?ton nnb ber ftauf[fd?e Heid^sbcgriff. 211 

fc^etnt bcutfc^cn Sorlagc berid^tcn? ©einen Sflad^folgctn ift flc 
toiebetl^olt angeboten tootbcn. Sie ftauflfdöen flretfc unb aud^ 
SBalti^er tuerben biefe unb titele äl^nlid^e @erüd^te über baS 
btol^enbc fSex^alitn be8 gtanaofenfönigS im fSftül^ling beS ^al^te» 
1198 mit ©OTflc flcprt l^aben. StirgenbS n)Utbe geßen ;,bie beutfd^e 
Sunge" fo gedrungen aU bon bem weftlid)en „$rot)ina!önifl" 
$^i(it)p '^luguft. 

9lud6 in S)ftncniarf l^atten fid^ fc%n)ete ©etoitter aufammcn« 
gejogen, Slut mit Sngtimm ertrug e§ bie fSfcffel ber ßcl^nSabl^dnflig« 
feit, ©d&on aut 3cit aSarbaroffaS war ber nationale ^a% gegen 
bie beutfd&e ftned^tfd&aU bort fel^r ftar!. @ajo ®rammaticu8 melbet, 
mit toeld^er (Srbitterung man Aönig äBalbemar I. t)on ber <g)ulbigungd= 
foi^rt awnt SReid^Stag bon S)6{e ab^ul^alten fud^te ^ S)ie Abneigung 
ber 2)dnen gegen ba§ mäd^tige beutfd^e Sleic^ rief man nun auf, 
ate e8 galt, bie gl^e Sßl^itipt) 9luguft8 mit ber bänifd^en Sngeborg 
i^nen toünfd&engmertl^ ju mad^cn. S)amalg fd&rieb ber Slbt SBil« 
l^clm beS bönifd^en fttofterS ©t. Stomas ^nm l^eiligen ©eift, bon 
(geburt ein g^an^ofe, an Äöntg ftnut, nad^ ber SSerbinbung mit 
bem fran^bfifd^en ffönigSl^aufe nierbe il^nen bie Segierbe unb 
^abfud^t ber S)eutfd^en nid^t niel^r fürd^tcrlid^ erfd^einen^. 



' Saxo Grammaticus , Histor. Dan. Liber XIV (ed. «ß. Q. müUeV" 
3. m. SBcrfc^olü I, 2, p. 778, Mon. Germ. Scr. 29, 112 f.): Mirari se, in- 
quit, quo impetu rex tantum iter, duce vacuus, ingrederetur, suam autem 
patriaeque salutem in unius Caesaris perfidis praecordiis depositurus. 
Videri enim, quod liberam gentis suae cervicein nuUisque barbarorum ob- 
sequiis assnetam per foedam et ignobilem servitutem miserabili Theutoni- 
corum jugo subigere cupiat. Quid autem stultius esse quam, nullo im- 
pendente periculo, ultro ad deditionem procurrere, summamque libertatem 
extrema Servitute mutare, insuper regno precario quam potenter praeesse 
malle? Itaque Caesarem, cum Daniam suae ditionis efFecerit, rairaturum, 
quod tam validam gentem ante promissis superaverit quam armis tentaverit. 

2 S. Guillelmi abbatis s. Thomae de Paracleto Epistolae lib. II, 28 

14* 



212 Unterfucbungen. 



es tt)ar alteteibte gf^inbfc^aft. (Einft i^atten bie SeeTäubei- 
fai^ttcn bcr S)änen bcm Seiche ÄatlS bc8 ©rofeen (gefaxt gcbradöt. 
^einxid^ I. unb Otto bet @to^e untertuatfen bog Sanb bem Steid^. 
©pfttct giufl e8 öcxioxen, toaxb aber butd^ ^eintid^ III. unb Sotl^ar 
toicbetßctoonnen. ffaifer griebcid^ I. trug auf feinem etften Sftetd^g- 
tag bet bdnifc^c Äönifl ba8 ©d^toett öor ate SReid&äöafall, unb auf 
bem ßongtefe an ber ©aone l^ulbigte il^m äßalbemar bet ®to§e 
ol8 ßcl^nS^ettn (f. obeii @. 177). Deffen ©ol^n, ßönig Änut, öet* 
toeigette je^t ben Sel^nSeib. 3a er beginnt, anbete beutfd^e 9leid68» 
leiten ^u rrobetn: et ^toingt TOedlenbutg unb Sommern, il^m ^u 
l^ulbiflen, nennt fid& ;,Äönt9 ber S)dnen unb SBenben" unb etl^ebt 
anft)tüc^e auf norbelbifdöeS ©ebiet. Siurd^ ben @tuta ^ctnrid&8 
beS ßötoen fel^Ite im Slotben bie 5Jlacl§t, biefen Uebetgriffen ju 
toel^ren. ßaifet gftiebtid^ mar im ©üben tJoQauf befd^dftigt unb 
toufete bie bftnifd^e Sf^utl^ nid^t ju bämmen. (grfl ^eintid^ VI. l^atte 
mit ber i^ni eigenen politifd^en ^unft bad (Srabidtl^um SSremen 
atö SoßmeT! gegen bie bänifd&e 6roberung8Iuft auÄerfel^en. 9ltö 
SDßerEaeug benu^te er ben Sifd^of SDßaIbemar\ einen unei^elid^en 
©ol^n beS Äönig«; Änut 5Jlagnu«fön. 31U Sifd^of öon ©d&legtoig 
öerfeinbete biefer SBalbemar fic^ mit bem .^cr^og SBatbemar t)on 
©d^IeStoig, bem SStubet be8 ftönigä Änut, unb matf ft(ä& bann bem 
ffaifer in bie 9lrme. S)er gab il^m bog ßrjbist^um SSremen, beffen 
Cbet^ertfd&aft Äönig Änut lange befämpft ^atte, unb fe|te für il^n bie 



(Bouquet XIX, 310): Non est, mi domine, parvus honor, qui offertur 
graciae vestrae (quod tarnen vobis in aure loquimur), quia si copulatum 
vestris amicitiis habueritis regem Francorum, non erit de cetero nobis 
formidini cupiditas et avaritia Eomanorum (Scl^effer»33oid^orft a. a. D.). 

1 «gl. 2(ber, W^m ©• 142 f., %oe(i)e a. a. D. ©. 235 f., SOBinfel- 
mann 1, 151|; H. Olrik, Biskop Valdemar og den danske kröne : Aarbeger 
for Nordisk Oldkyndighed og Historie VII (1892), ©. 342 ff.; Slttgem. b. 
»iogr. 40, 687. 



2. IDalttjers erjier Sprnd^ton nnb bex ftanfifd^e Hctd^sbcgrtff. 213 

ntebet{ä($fif(i^en gfütften Setnl^arb Don @Q(%fen, Otto t)on Sranben- 
bürg, SSetn^arb t)on Sta^ebutg, älbolf t)on ^olftein in Seioegung. 
aBatbemax magte aber nid^t, fein Säidtl^um anzutreten, flol^ nad^ 
@canbinQt»ien , lieg fi($ aum ftönig oon S)änemQtI ausrufen unb 
begann bon boxt, xoo et bei bem fd^mebifd^en unb nortoegifd^en 
Äönige ^ülfe fanb, ben Äxieg gegen Änut. 6r sog inbeg ben 
Aütjexen^ etgab ftd^ unb n)utbe lange in (Sefangenfd^aft gel^alten. 
©eine 9licberlage ftäxite natürüd^ bie änfptüd^e Äönig ftnut«, 
unb bei bem Sobe ^einxid^d VI. fd^idte et fid^ an, feine SieblingS- 
t)Iäne butd^^ufe^en unb an bet Slbc mie an bex Oftfee meiter in 
beutfd&eÄ 5fteid^8gebiet öoraubringen. 3m 3o]§re 1198 brod^ bex 
offene jlamt)f au8. S)ex Sfü^rer bed beutfc^en ^eereS loai ^att« 
gtaf Otto öon SBranbenburg , bex Sel^nSanfprüd&e übet ^ommexn 
geltenb mad^te. 

©0 lonnte Söalt^ex aud^ ben bdnifd^en Sel^enSlönig aU einen 
armen künec be^eid^nen, bex bex beutfd^en 3unge ©tildCe aud i^xem 
(Betoanb fd^neiben moQe. 

Ob SBaltl^ex bei ben anbxingenben axmen Königen aud^ an bie 
Äbnige t)on Ungaxn unb ^olen^ gebadet l^abe, bleibe bai^in« 
gefteHt. fjxiebxid^ I. l^atte 1157 buxd^ einen glüdtlid^en AxiegS^ug bie 
ObexIel^nSl^ol^eit be8 Sfleid^eS übex ^olen miebex l^exgcftettt, aufS neue 
Zxibut unb Zteueib, ^eexedfolge beim Slömexaug exlangt. $oIen 
toat toiebex beutfd^eS ße^en. 3m Sal^x 1184 untexnal^m bex junge 
A5nig <!^einxtd^ eine neue .^eerfal^xt, belam abex fd^on untertoegS 
buxd^ polnifd^e @efanbten bie 3uft($erung bex Untextoexfung. Qüx 



^ Sßerfd^e, 3)a9 ftaatäred^tlic^e SBerl^ältnig ^olen« jum beutfdjen SReidJ 
roä^renb beS SÄittelalter« , Seitfd^rift ber i^iftorifc^en ©efettfc^aft für bie 
Oefdl. ^ofen§ III (1888), ©. 247 ff. 375 ff. 



214 Unterfud^uitgen. 



bie 3ett $^Utt)t)g unb Ottod fehlen und aUe Stad^tid^ten ü6ei holend 
äSetl^ältnig aum 9leid^. 

SSal^tfci^eintid^ ift mit; bo^ SSalt^er ben unbeftdtigten ftönig 
OttoEor bon S35^men mit l^at treffen moQen. 

9lt8 S^eitnel^mcr an ber niebettl^einifd^ » fäd^fifd^en Sfütften« 
empötung l^otte biefer 1193 fein ^er^ogtl^um SBöl^men berieten. 
S)et Äaifet gab eS DttoIatS SBcttet, bcm Sifd^o? tg)eintid^ bon ^tag, 
ate 9leid^§le]^cn in bet 9lbfid^t, ba§ eö nad^ beffen Job toiebet an 
ba8 Seid^ aurüdEfaÜen foEe. »18 beteitS im 3uni 1197 biefe 
ajlöfllid&feit ftd^ öettoitHid^t ^ttc, tief ba8 Slbleben be8 ©ifd&of» 
in Söl^men eine giebolution ^etbot. ®et 9lbel fd&Iufl einen be- 
toaffneten Setfnd^ DttofatS, fid^ wieber bet ^ettf^aft au bemäd&tigen, 
nod^ todl^tenb bet SobeSEtont^eit bed Sifd^ofg ab, befteite ben ge» 
fangcnen Stubet DttotatS, SBIabiSlau) unb etl^ob il^n aum |)ctaog. 
SBenige aWonate batauf traf bie 5lad&tid^t bon Äaifet ^eintid^S 
2ob in Söl^men ein, unb fofort begann SBIabiöIaiü, bie SSe^ie^ungen 
aum Sleidö ju todtern unb beffen gied^te au fd^mülern. 3«nöd&ft 
bertoanbelte er ba8 teid^Sunmittetbate SBiStl^um ^rag in ein taube«* 
fürftlid^eä, inbem er, ol^ne ftd^ um ba8 SBal^Ired^t ber ^rager 
(SeifHid^feit a" Eümmern, eine obfcure Sreatur, feinen ßaplan, 
auf ben bifd^öflid&en ©tul^t fe^te unb il^n amang, aßein bon il^m 
bie Snbcftitur anaunel^men unb aEein il^m bie gel^ngl^ulbigung au 
leiften. S)amal8 ging S)eutfd^tanb ein Meid^gfürflentl^um berloren. 
5Salb föl^ntc et fid^ mit feinem Grübet Dttotat, ber burd^ ben 2ob 
^einrid^S VI. ben 3Rutl§ a^^ ^i"ßi" Eingriff auf SSöl^men gemonnen 
^aitt, au8 unb t^eiltc mit i^m bie Regierung, fjortan fotttcn 
Sö^men unb bie ajlaifgtaffd&aft TOäl^ren ein 8anb bilben. Ctto« 
far foBte SBö^men, SOßtabiälan) Wd^xen regierend S)em beutfd^en 



§u5er, ©efc^ic^te Deftemic^^. ©otl^a 1885, ©. 316. 381 f. 



2. lüalttjers erjier Sprncbton nnb hex ftanfifd^e Hetc^sbegriff. 215 

»cid^ toarctt burd^ btcfe Ufutt)atiott atoci bcr toi($tiflften 9lei(ä^8« 
leiten enttounben. ®er Säcgtiff cincS fel6ftftnbiöen ©tofe« 
böl^men, toeld^cä baS alte ^etaogtl^um unb bie feit 1182 rcid&8« 
unmittelbate Warfgraffd^aft ^ä^ten umfaßte, tft bamafö gefd^ajfen 
toorben. S)ie gfotberung cineS bö^mifd^en flöntgtl^umS brad^ 
je^t toiebet ungeftüm ^erbor. SBaltl^et aö Defterrcid^er l^attc biefe 
Vorgänge aug näd^flev 9tad^batfd^aft genau feigen unb bie äted^td« 
toibtig!cit biefet SoSreifeung t)om Slcid^ lebhaft cntpflnben muffen, 
^ud^ l^ier fal^ er einen armen, einen unfreien Äönig baS beutfd^e 
9teid& mit bettet^after @ier bebr&ngen. 

Jeit^ ilnlag uni Ißnblicum itB Sptui^B. 

3[e^t erfl, nad& biefem tociten UmblidE, berfte^n wir gana, toaö 
SBaltl^crg bitter flJöttifd^e Älagc über bie Sage be8 Sieid^S: die 
armen ktinege dringent dich bebeutet. 3e^t erft fe^en mir, toie 
ööttig fid§ SBaltl^erg fd^meralid^e ©d^ilberung bcdft mit ben SBorten 
$]^ilipp8, ba8 gieid^ fei bis in aHe feine SBinfel unb ®renaen 
erfd^üttert morben. 

2ln ber Slorb« unb SBeftgrenae, im ©üben unb an ber Dfi^ 
mar! brangen je^t bie armen ftönige auf baS Sleid^ ein, mie un« 
berfd^ftmte S)icnftmannen ober ©tjieEeute, bie für fid§ möglid^fl 
reid^Iid^e @aben l^eifd^en. ^tbex fud^te für ftd^ ein @tüdC beS Steid^S« 
gute« au erraffen, gianbern, Sotl^ringcn, Surgunb, ba§ norbelbifd^e 
©ebiet unb bie Cftfeefüfte, Sicilien unb äße mittelitalifd^en ateid^S- 
Ic^en, SBöl^men unb 9Jläl^ren ftanbcn im ©ommer 1198 auf bem 
Spiel. 9ln bie Wad^tfpl^äre (SnglanbS fd^ien baS ganae @ebiet beS 
Wieberrl^einS unb baS melflfd^e 9lieberfad^fen bcrioren. S)cr gemäl^Ite 
SBelfenlönig Ctto mar in ßüttid^ erfd^icnen, er befafe iiöln ; je^t be« 
broftte er Slad&en, bie alte .^rönunggftabt Äarl« beg @ro§en. S)ie 
•Haltung be8 franaöfifd^en ffiönigg erfd^ien a^eibeutig ober feinblid^, 



216 Unter fud?ungen. 



iebe^taUd ungetDtg. SBoQte aud^ er afö ^lätenbent nod^ auftreten ? 
Ober begnügte er ftd^, burd^ frembe SEßerE^euge bem Steid^ 93erlegen= 
l^eiten unb flc^ SSortl^eile ^u öerfd^offen? 

2)antate mu^ SBaltl^er ben @pru(^ gebid^tet l^aben, ber t)on 
ber ftrönung ^l^iltpp« ba8 ffinbe ber 3^i^Wtung erl^offt. (Sf 
nauer beftimmt: nad^ ber SBal^l Dttod unb nad^ bem Sefanntioerben 
t)on feiner Sebrol^ung 9lad^en§, üieQeid^t aud^ nad^ ber ftrönung 
Otto« (12. 3uli), aber öor ber Ärönung ^p^iUppS (8. September). 

Dod^ läfet fid& biefer Spielraum nodö mel^r einengen. 3ft 
meine Witbeaie^ung bed SluSbrudEd arme künege auf ^l^itipp Slugufl 
t)on f^ranheid^ ptreffenb, fo mug ber Sprud^ bor äluSfertigung 
ober nod^ genauer bor IBelanntmeiben bed SunbedbertragS gebid^tet 
fein, ben $]^ilipp mit ^l^ilipp 3lugufi butd^ beffen 8ebottmdd^tigten, 
ben Sifd&of tjon ©oiffonö, gegen ßönig Sftid&arb bon ßngtanb, 
Ctto bon ^oitou unb (grabifd&of Slbolf bon Äöln abfd&Iofe. S)ie 
Urlunbe^ über bieg SBünbnife ifi bom 29. 3uni 1198 batirt unb 
entl^dlt aum erften 3Rat ben 9tamen beS neuen ^rotonotarÄ 
Aonrab bon Sd^arfenberg. Sd mar bie erfte polttifd^ be« 
beutfame Seiftung ber Aanalei $]^ilippg. 2)urd^ biefeS 93iinbni| 
l^atte $]^ilipp einen iü^txl jener Sorgen äßaltl^erd bel^oben: bad 
„S)ringcn" beS „armen ftönigS" im äBeften mar borläufig aum 
StiQftanb gebrad^t, menn aud^ anberS aU ber ®id^ter ed gemünfd^t 
l^aben toirb. 

Unb im ^od^fommer 1198 fiegte 5!Jlar!gra| Otto^ entfd^eibenb 

' SJgr. Reg. imp. $Rr. 18. 3)er SBortlaut ift abgcbrucft Mon. Germ. 
Leg. Sectio IV Constitut. II, S. 1. 

2 SB(^r. Ufinger, SDeuifd^^^bänifd^e ©efd^ici^te 1189—1227. SBerlin 1863, 
©. 87 f. Älempin, ^ommerfd^eä Urfunbenbud^ (Stettin 1868) I, @. 100 ff. 
^P^r, 2iag. 3). Siogr. 18, 723. 3ic!ermann, gorfd^ungen jur Sranbcn- 
burgifd^en unb ^reu^ifd^en ©efc^id^te 4, ©. 23 Slnm. 1 (1891), SRadJfa^l, 
ebb. 5, @. 403 ff. 



2. Wali^exs exftev Sprnd^ton nnb ber ftaujiff d?c Hetd?sbegrtff. 217 

Übet bie ffiftncn. 9lud^ bieg gibt einen Setmtn ber S)atitunö. 
Set)or bur(% biefe glücflid^e SSenbung bie @t]a^x im 9lotben fürd 
etfte befeitiflt »at, toetben SBaltl^erg SJetfe gebid&tet fein: fo lange 
nod^ gegen ben btingenben ,,atmen Aönig bon S)dnemarl" eine 
Slbmel^t nötl^tg fd^ien. 

So toürben toir bie fttönung Dttoö (12. 3uli) ate Sermin» 
beftimmung fallen taffen fönnen. @d genügt aud^ bie SSaiil, um 
Ctio „Äönig'' nennen ^n bütfen. Unb bie Belagerung aad^en«, 
bie am 18. ^nnt begann, ent^üQte ja bereite Ottod 9lbftd^t, fid^ 
fo balb ald möglid^ bort, an ber legitimen Ar5nung@ftätte. bie ftrone 
aufaufe^en. SBir erl^ietten mitl^in äBotmS unb bie testen 
Zage bed 3uni aU Ort unb 3^it ber (Sntftel^ung 
unfeteS @t)xud^$. Samald motzte, toie oben (S. 130) geaeigt 
ift, aSaltl^er nod^ nid^t lange in Begleitung bed ^eraogS Seopolb 
eingetroffen fein. 9lnbere @rünbe treten i^inau, bieS Srgebnig un« 
geatmtngen au befidtigen. 

©4on SBilmannS^ l&at mit fd^arfem Blidt erlannt, bafe SBaltl^erÄ 
©ptttdj nld&t bor fjürften Vorgetragen fein lann. 3d& glaube, 
er l^at bamit unatoeifell^aft bad Siedete getroffen. äBenn et aber 
fld^ als publicum beS @ebid^td eine ,,ä3erfammlung öfterreid^ifd^er 
Sanbl^errn" bcnft, fo gel^t er, toie mir fd^eint, irre. 

9lad^ meinen obigen äuSfül^rungen über bie ©eburtSflätte ber 
ejtremen ftauflfd&en ateid^St^eorie fann eS feinem 3toeifel unterliegen, 
ba| äBaltl^er fid^ mit biefem feinem Aufruf aut itönig^mal^l an 
einen Ätei« bon SteidöSl^ofbeamten, an bie Äeid^gbienft« 
mannen toenbet. S3on l^ier aUein ging ber ®laube au§, ba^ bie 
cetemonibfe äBal^l bed ftaufifd^en Königs nad^ bem legitimen ÜtituS 
baS Sini^eilmtttel bringen toerbe für bie ^nätuten Arftmt)fe bed 



Sebcn SBalt^erä ©. 88. 



218 nnterfud?ungen. 



gicid)«. ^tet l^atte man jtd^ äuctft cntfd^Ioflen, bcn junflcn gricbtid^ 
fallen au laffen unb ^l^ilipl) öom ftönijSbormunb ober proDifottfd^cn 
flönig aum toix!(id&en Äönig au ergeben. S)ic SSerid^te bct Ouettcn 
laffen baxüber feinen S^^rif^t- 

Ser ftreng flaufl|(^ flepnntc Sutfatb Don Utfpetg er^äl^lt, ba§ 
ber ^(an, '^S^iUlJp felbft aum ^önig ^n erl^eben, a^^ft SBcil^nad^ten 
1197 in einet gjerfammtung au ^agenau l^etöorgetrcten fei. in ber 
bie SJlinifletialen unb ^Beamten bed fönigUd^en ^ofeö unb einige 
gfürftcn ba8 Soxt geführt Ratten ^ Seine fürftUd^en SBdl^ler, ate 
fie öon Speiet (1199) bem $apft il^ic (5ntfd6Ue§ung anaeigen, legen 
©eiDid^t auf bie gtofee 3öt)l bet 9leid^8ntiniftetialen, bie füt ^^itipp 
einfielen ^. ^l^ilipp in feinem oft genannten SRüdEblidt au8 bem 
3a^r 1206 fteßt aHetbing« ben SBiHen bet gütften in ben SSotbet* 
gtunb: begteiflid^, benn Seutfd^lanb war immer nod^ ein SBal^I- 
reidö unb bei ben fjütften lag bom tec^tlii^en Stanbpunft bettad^tet 
bie Sntfd^eibung über bie S^ronfolge. ^bet et l^ebt bod^ aud^ mit 
bebeutungSboEem 9lad^brud£ bie Wengc feiner 9JHniftetiaIen unb 
aSutgen l^erbor (f. oben S. 146 ^nm.). 

3um Sommer 1198 bemettt Surfatb öon Utfpetg auSbiütfüd^, 
ba§ bet ganae faifetlid^e,&of unb bie Seid^äbeamten au^^ilipp l^ielten^. 



^ Mon. Germ. Scr. XXJII, 365 : Ideoque prefatus Philippus ad partes 
Ken! se contulit in continenti et natalem domini in Castro Haginou cele- 
bravit, ubi venerant ad eum et officiales et ministeriales et quidam de 
principibus et baronibus terre, cum quibus habiiit misterium consilii sui. 

2 Mon. Germ. Leg. II, 202 unb Leg. Sect. IV, Constit. U, ©. 3: 
Collecta multitudine principum, ubi nobilium et. ministerialium imperii 
numerus aderat copiosus, illustrem dominum nostrum Philippum in im- 
peratorem Romani solii rite et soUempniter elegimus. 

^ Mon. Germ. Scr. XXIII, 367: Tota vero curia imperialis et offi- 
ciales imperii adheserunt Philippe cum principibus quam pluribus. Interim 
quippe redierat de ultramarinis partlbus Cuonradus Herbipolensis epis- 
copus, qui fuit cancellarius ; hie det'.linavit in partem Philippi. 



2. Wahltexs erftcr Spruc^ton unb ber ftaujiffd^e Heidjsbegriff. 219 

6x fonnte cä loiffcn, benn er l^atte p ben 5Rcic%8mtniftcrialen 
nal^e petfönU($e Seaie^ungett ^ 

«Kit boHem «cd^t l^at 9li^fd^ c8 auSgefptod^cn, bafe am @c%Iu§ 
beS 12. Sal^tl^unbettS bic Castra bet 3JliniftcriaIen bev cigcntlid^c 
Äetn bc8 Sftctd^e« unb ^auSflutS ber ©taufer jetocfen finb, bafe bieje 
gro^e neuorgantftrte Wintftertalität eS l^auptföd^ltd^ toar, tueld^e 
bie ^olitil ^]^ilipt)8 befiimmte unb tl^n ba^u brad&tc, ftatt feines 
Steffen bie Bniglidge (StroaÜ p 6eanft)rud^en. Sel^r rid^iig betont 
et toeitet bic StoHe ber 9leid^§minifterialen in Italien: Wänner 
toie 9Raxftoarb bon 3lntt)ciler, flonrab öon Uerllinflcn, ^einrid^ 
bon flalben — bo§ toaren bie entfd^Ioffenen rüdffid^tlofen S3orIämt)fer 
einer ftarlen, auf ^riegSmad^t geftü^ten 9lei(^ggen)alt. @elbft gegen 
ben SBiÜen be§ berftorbenen Äaifetg ^einrid^ fd&euten biefe 6on» 
quifiabog nid^t, initjerialiftifd^e Spolitif auf eigene ^anb ju treiben : 
ÜRarlroarbS bon 5lntoeiler SSerl^atten gibt ba^ür baS t^pifd^e aSci« 
fptel. S^nen toax ber ©oi^n ber Sonftan^e, baS toiEentofe SGEJer!» 
^eug einet nationaUitalienifd^en unb jugleidö papalen ^olitit, ein 
«g^inberni^* Sie brandeten einen freien «ipetm, bei me^r n)agte 
unb lül^ne £]§at beffer lol^nen fonnte. ÜJlit biefen Sfteid&Sbienft» 
mannen Vereinten ftdf) bie ^er^oglid^ fd^toäbifd^en TOinifterialen unb 
bie frül^eren f dötoäbifd§»tt)eIfifd&en : barunter bie Srud^feffen bon äBalb« 
bürg, bie ©dienten bon äBinterftetten unb bon ber Saune ^. ffiiefc 
groge in eins berfd^mol^ene Sruppe l^atte bie ftönbigen Statte beS 
ÄaiferS, SJormünber unb 6ratet)er unmünbiger Äöuige, fjül^rer Iaifer= 
Kd&et ^eere, ©cfanbte unb SJiplomaten , in S)eutfd^Ianb bie SSer- 
toaltct beS aieid&S unb ber faiferlid^en ginfünfte, bie ©tattl^altet 



^ SJgl. über fein SBerl^ältnife ju jenem Ärcife Sinbner, 9fieueö Slrd^io 
für ältere beutfd^c ©efd^ic^tSfunbe 16, 119. 

2 ^fJi^fdJ, aKinifteriantät unb SBürnertl^um, Seipaig 1859, ©. 857. ®e- 
fc^id^te beä bcutfc^cn SBolfeö 111, ©. 11 f. 



220 Uiiterf Hebungen. 



in Statten flcltcfett^ ^xtx aHein, im Äteife ber 9leid§8« unb 
fc^tüäbifd^en Dienfimannen , toat eine tt)irflid^e SlegierungS« unb 
äJertDaltungScontinuiiät tiOTl^anben. ^ier aQein lagen bie 
SBuraeln eineS centralifttten SBeamtenftaateS , toie et .&eintid& VI. 
unb feinem Sol^n botfd^tDebte , loie il^n ^^ili)))) Sluguft unb feine 
^lad^folger in gftanftcid^ erreid^ten. ^ier l^atte in atten großen (8e« 
fd&äften beS gieid^S ^einrid^ VI. bie auöeriftfftöften SBetatl^et unb 
Sottfireder feines SBiHenS Qt^unhtn^. Son l^iet ging ber 9lnfio| 
aus, bet ben a^ubernben, getoiffenl^aft bie 9le($t8fTage ertoftgenben 
$^Uil)p fortriß 

SBit l^aben fo ate biSl^crigeS (grgebni^ getoonnen: 6 nb e 3uni 
t)or 9lbfd§lu^ beS ftan^öfifd^en SSetttagS unb bor bem Sieg über 
bie ©ftnen bid&tete SBaltl^er feinen 9lufruf ^ux Ärönung ^pippS. 

Salt aber? I^at eS nid^t ettoaS SSefrembenbeS , ba^ SBaltl^er 
gerabe auf bie nod^ auSftel^enbe Arönung fo biet @etotd^t legt, 
XD'd^xtnh bod^ bie äBal^I, bie red^tlid^e @runbtage für ^l^ilippS 
ÄönigSgetoolt fd^on feit bem ajlftra fcftftanb? Unb toie !ommt e«, 
bai er fd^on boQe atoei Monate oor ber factifd^en ftrönung (8. Se))« 
tember) bie gfanfare bläfi ? SBäre nid^t eine ©atirung Oorauaiel^en, 
bie eS ermöglid^te, SBaltl^erS Sprud^ enttoeber Iura bor bie SSafjH 
^i^ilipp^, alfo in ben ^ära, ober unmittelbar bor bie loirllid^e 
jfrbnung, alfo in bie erften Zage beS (Septembers, au fe^en? 

S)ie gijirung beS ©prud^S in ber Vorbereitung ber SBol^I, 
ujie fte Slbcl^ in ber S^at borgenommen l^at, eraeugt unüber« 
tüinblid^e ©d&toierigfeiten ber Snterpretation. S)ie armen künege finb 
bann ebcnfo unbegreiflid^ als bie ^erborl^cbung ber ed^ten Äoifer* 



^ gicfer, 3)ie Jleid^Sl^of Beamten ber ftaufifd^en ^crtobc. SBiener 
©i^ungSber. W^- W- ^^ 1862 XI, ©. 447 f. 

« mm^ ©taufifd^e ©tubien, ©iftor. SeitfO^r. 3, 365. 
8 W^m @. 43. 



2. IDaltl^ers erftcr Sprud^ton nnb ber ftauftfdje Heidjsbegriff. 221 

Irene Aottö beS (Stoßen mit bem SEßaifen unbegtünbet. ^ut toenn 
Otto fd^on beftgnut unb gemäl^tt, im Säegiiff ftanb, ^Q($en, bie 
Stätte bei legitimen Aaifeiftönung ^u eiobetn, l^atte biefet Stumpf 
„©e^t bem redeten Äönig bie e(ä&te Äaifctfrone auf" ©inn unb 
Araft. Unb aud^ ber Eingang bed ©prud^g berliert bei einer Bei- 
legung inä fVrül^jal^x feine redete Sebeutung. SBenn ber Did&ter 
in bceiter äugfül^rung atte Sleid^e ber 9latur muftett, um burd&« 
gel^enbd Acieg, aber aud^ burd^ge^enbd @erid^t, ftönigtl^um unb 
Sed^t, fefie ©d^eibung öon ^errn unb ftncd^t 5U jtnben, unb bem 
bie Suftänbe in S)eutfd&lanb gegenüberfe^t , |o ift bicfer gontraft 
nur in jenem ^ugenbtid padEenb unb n)irffam , tDo man aud^ im 
beutfd^en Saterlanbe starke stürme ft reitet, aber ol^ne bag 
Äönigt^um, (Sefe^ unb Drbnung beftel^t. S)iefer StugcnblidE fiel 
nid^t in bie Qdt ber lammfrommen S^roncanbibaten SSertl^olb 
unb Sern^arb, aud^ nid^t in bie ftiUen bret^el^n äBod^en^ ba 
^l^ilipp unangefod^ten @ebieter mar (f. oben ©. 139 f.)* fonbetn 
etjl in ben 3uni, ba ber Sürgerldeg am mittleren allein ent« 
biannt mar, ba im (Slfag unb im Oftjeegebiet ber fiampf tobte. 
3n ber fpätcrcn Qtxi miebetum (Dom 3}uli bis 9lnfang September), 
ba ^l^ilipp fiegreid^ gegen feine geinbe ^u fjelbe lag, mürbe bem 
©prud^ ber redete länlag unb ber paffenbe ©d^aupla^ fel^len. 

6ine toid^tige S^atfad^e ftüfet meine Setoeiöfül^rung auf übet« 
rafd^enbe SBeife. 

@enau au jener 3^it, in bie id^ ben ©prud^ SBaltl§er§ au fe^cn 
burd^ eine ftette atoingenber ßrtoägungen gebrängt bin, mar am 
.f)ofe ^l^ilippg ein folgenfd^mereg 6reigni| eingetreten. 

2)amald mar foeben ber einflu^reid^fte Sröger ber Steid^g« 
politit, feit langem ermattet, auS ^aläftina bon ber ^reuafa^rt 
l^eimgefel^rt : ber Seiter ber Äanalei ^einrid&§ VI., ffonrab tjon 
Querfurt, ffiagegeu fd^einen fid^ ber erfte fjelbl^err beS berftorbenen 



222 Unterfuc^ungen. 



t^aiferS, Stcid^Smarfc^aß |)einiid) tjon Äalben, bcr !aifertici^c SBc« 
fel^lSl^abcr in Staticn, Äonrab öon UerStingcti; unb bcr öiclfad^c 
SJcrtrauenömann SBolföPr öon ^affau erft txi)tblxä^ ftjdtex am 
fönijUd^en ^o] bei *$]^ilipt> Dcrfatnmclt ^ au haben. 9ltte in ^a« 
löftina abtoefenben gfütfien unb (Srofeen Italien im 5lobember 1196 
bem jungen gftiebttd) ben @ib bet £reue geleiftet unb il^m gel^ulbigt. 
Sie l^atten il^ren ©(ftmut auf bie 9lad&rid^t tjom Sobe ^eintid^S VI. 
exneuett^. (Sie toaten atfo an il^n gebunben. S)ic ßntfd&eibung bet 
4")eimfe]^renben mufete mithin f el^r f r a g l i d^ fein. Srabifd^of Äonrob 
tjon 5Jlain3, bet erft im nftd^ften 3a^t ben beutfd&en SSoben toieber 
betrat, ^at befanntlid^ nod^ bann an ber ^Jiad^folgc griebrid^g feft* 
gehalten unb für fie ^w toirfen gefud^t. S)ie au8 alten Duetten 
jd^öjjfenbe S^ronit öon ©t. ^eter in grfutt erinnerte nod^ für baS 
3ta]^r 1212 an ben einftenS griebrid^ bem Äinbe gelcifteten 
©d^tour^. Unb aud^ bie 9)latbad)er Slnnalen* fagen bann fpäter, 
als Otto» Stern tjor bei* aufgel^enben ©onne beS jungen ©touferS 
erblaßt, baS gieid^ fei an ben „legitimen ßrben" aurüdgefatten. 
S)er 3uni 1198 brad^te bemnad^ für ba§ ©d&idfal beg Sfteid^S im 
wal^rften Sinn bie flrife: bort bie grfolge Otto«, bie brol^enbe 
«Haltung (SnglanbS, ber flriegS^ug ©önematfS, bie attjeibeutige 
^olitif gfranlteid^g, bie anmafeungen SBö^menS, bie fjel^ben im 



1 SBöf. 3Binfelmann 1, 68. 

2 Söinfelmann 1, 61 unb Slnm 3. 

^ Menckenius Scriptores rer. German. III, ©. 240 D: His ita peractis 
fama crebrescente de adventu Friderici regis iunioris castra, civitates et 
oppida illustrantur, populi ad illum favorabiliter coadimantur et contra 
Ottonem clamor exoritur, eflferentes regem Fridericum, qui electione prin- 
cipum iam dudum vivente adhuc patre declaratus fuerit, jure praevalere, 
praesertim cum ita papa disponente eidem in posterum imperialem bene- 
dictionem promiserit. 

* Annales Marbacenses a. 1208 (Mon. Germ. Scr. XVII, 171, 3. 40): 
legitimum heredem. 



2. Wali^txs crftcr Spxudjion nnb ber ftaufffcfee Heid^sbcgriff. 223 

€lfa§, bic Sntrifluen unb SRdubereicn ber gütften, l^tct bie Un« 
entfd^iebettl^eit unb ^^at^tofigteit bet beften jfräfte bed SReid^S. 

9Ran l^at biSl^et öicl ^u locnig bic l^öd&ft pxohltmai\]^e 
tRed^tSlage l^ett^orgel^oben, in bet fid^ $^iltt)t) aud^ im ©ommer 
1198 nod^ befonb. Sänge ^aiit et fld^ teblid^ bemüht, feinem Keffen 
gricbtidfe baS ted^tmä^ige 6tbe ^u rettend Setgeblic^ l^atte et 
bie Sfiliften, bie et bei feinet UMU^x na($ Seutfdglanb (Snbe 
1197 bott öotgefunben ^atte, ^u beftimmen gefud&t, bie ftül^ete 
SBal^l unb ^ulbigung gelten au taffen uub bem Sol^ne beg t)et> 
ftotbenen ÄaifetS ben Steueib ^u Italien. 5!Jlit !Iäglid&en SluSteben 
weigerten fie fid&: bet bem ungctauften Änaben geleiflete ©d^tout 
fei ungültig; aud^ fei et nut qu8 Sonnibena gegen ben mftd^tigen 
3Jater geleiftct tootben, alfo — baS foHte bodE) bet Sinn fein — 
etatoungen. ©leid&a^itig — feit 6nbe Oftober 1197 — begannen 
bie öetftedtten SGEJal^lintriguen au ©unften eineS nid^t'ftaufifd^en 
danbibaten^. Wan fielet, bie 6iferfud[)t bev gtirftcn, toeldfee burd^ 



* Reg. de neg. imp. 136 (Mou. Germ. Constit. II, 11): Tuuc nos 
omnes imperii principes, qui in diebus illis in Alamannia fuerunt, . . . 
litteris et nuntiis nostris sollicitare cepimus, ut ipsi filio 'dilecti domini 
ac firatris nostri Henrici Romanorum imperatoris augusti, quem iam eis 
in dominum ac regem elegerant et cui iuraverant fidelitatem, sicut ex 
inramento tenebantur, assisterent et ipsum vellent habere pro rege. Et 
nos tum qui de iure naturali et legali ad hoc tenebamur tum etiam pro 
conservando honore imperii onus tutele subire voluimus usque dum ipse 
puer ad eam perveniat etatem, quod ipse per se regere posset imperium 
et iura eins requirere. Ad quod nullum eorum prorsus potuimus 
inducere. Asserebant enim, se ex electione illa, quam in eum fecerant 
et ex prestito sibi sacramento non teneri. Nam affirmabant, antequam 
ipse puer fuisset baptizatus hec fuisse facta et ideo nullius valoris. 
Dicebant etiam ipsum puerum non sufficere ad regimen imperii nee 
deceret nee expediret, ipsos principes et Romanum imperium sine domino 
fore et imperatore. Insuper allegabant, ipsum puerum esse electum 
maxime pro summa patris potentia et ut per hoc patri placere possent. 

2 äöinfclmann 1, 51 5(nm. 1. 



224 Untcrfnc^nngen. 



^ctntici^S VI. $ldne beÄ 6t6taifett]^um8 fiatl meflt lootben loar, 
btaci^ je^t untDtbetftel^lid^ ^nt)ox. Semgegenüber l^ielten bie 
Stetd^Sminifletialen, bie 9tet(i^8^ofbeamten, an bem ftoufif d^en 
^aufe uiib ben Slec^t^n bed (egitimen iSöntgSl^QUfed feß. Sie t)ei> 
treten ben @eban{en ber erblichen Wonard^ie. @d^on in ^agenau 
(gSei^nad&ten 1197) l^atten fte, toie id& eben (oben <S. 218) be- 
merlte, ^Sl^ilipp gebrängt, felbfi ber ^err au fein, ben bie Surften 
flatt bed ftinbeS für notl^toenbig erfidrt l^atten (f. bie le^te Sln- 
merfung). Aber ^^l^ilipp leifiet biefen Slnfpornungen aum 9ledöt8« 
bru(^ lange SSBibetflanb : noci^ am 21. Januar 1198 öottsiel^t er 
einen SScrtrag mit ber ©tabt ©peier nic^t in feinem, fonbern im 
Flamen bc8 jungen Äönigd fjriebrid^. ®er S^Jed biefeö Sertragd 
ift atterbing« fci^on bie SluStüftung für ben beöorflel^enben gelbaug. 
3Mit SBaffengewalt, baä l^atte ^^^l^i^iW "un aßmäpd^ eingefel^en, 
mu^te bag Siedet feinet ^aufeS t»ert^eibigt toerben. ;3nbeffen erft 
im 3}lör5, aU man if)m — befonberS im Ärelfe ber 9leic^8» 
minifterialen — toegen feiner Sebenfen, felbft bie ftöniggmürbe 5u 
übernel^men , i^eigl^eit t^orpmerfen begann , gibt er bem SJerlangen 
ber ^2lnt)änger nad& unb geftattet feine ßlectio in S^üringen ^ S5on 
ba an erft lä^t er enbgültig ben @ebanfen faQen, f^riebrid^ bad 
aieid^ au erl^alten. SBor bie SBa^I gefteßt, ob baS ftauflfdöe ^au8 
bie Arone t)erlieren ober er felbft, menn aud^ entgegen bem äßiUen 
be8 oerftorbenen 33tuberö unb ben geteifteten 6iben. fie tragen 
folle, aog er baS Se^tere bor. 



^ Reg. de neg. imp. 136 (Mon. Germ. Const. II, 11): Nos tarnen 
adhuc [biö SWärj 1198] in tantum pro puero laboravimus, quod a moltis 
principibus et fidelibus nostris ignominiose obiectum est, nos non andere 
recipere imperii dignitatem . . . Nulla igitur ambitione, sed pro causis 
supradictis , nos in Romanum regem eligi permisimus et [con- 
sensimus* 



2. Waltiiets erfter Sprud^ton iinb ber flauflfc^e Heic^sbegrtff. 225 

%6et btefe Zl^ütinget SOBal^l toat unter l^öd^ft ungetDöl^nlid^en 
Sctmtniflen au ©tanbc gefornmen. Unb ba im ?DlitteIaltct J&et- 
lommcn unb SRcd^t nal^cau aufammcnfaltcnbc Segriffc jtnb, fo toat 
il^tc jutiftifd^c Saftg ol^nc gfragc anfcd^tbat-^ 3luf bcn gintoanb, 
ben id§ oben (©• 220) geflcn baS gtgcbniß meines S)atirunö8- 
berfud^S felbft erl^ob, ifi alfo au ettoibetn: bie ted^tlid^e @tunb- 
lafle für $^iUpt)8 flöniflSgetoalt ftanb im TOftta unb aud& im 
Sommer nod^ nid^t feft. 

3um crften 2Jlal, fo lange e8 ein beutfd^eS Äaifertl^um gab, 
]§atte fid^ bie formelle SBal^ll^anblunfl felbft gefpalten unb in atoei 
Betrennten Sägern öoHaogen. 2)tc Snitiatibe bei ber ßönigSloal^t 
unb ein getoiffeö Sorred^t^ befagen bamals bereits anerlannter- 
ma§en bie rl^einifd^en Surften : bie brei Srabifd^öf e unb ber $ßfata- 
jraf bei Sft^ein. S)q8 ^eä^i ber ginbcrufung ^ux SBal^l galt um 
bie aJlitte beg SöT^tl^unbertg feit langer S^it al8 bei bem gra- 
bifd^of t)on TOaina^ rul^enb; biefer toar 1198 nid^t in S)eutfd6lanb. 

* 3n ber l^iftorifd^en Sitteratur wirb ba§ entroeber gar nid^t ober oiel 
ju tocnig betont. 

2 ©0 t)ie( bürfte nac§ ber bcfonnenen fritifd^en Uefeerfic^t aWauren* 
brec^erä (©efd^ic^te ber beutfd^en ^önigötoal^len oom jel^nten 6i§ breijei^nten 
Sal^rl^unbert. Seipjig 1889) feftftel^en, tro^ ber oon Sinbner (2)ie beutfc^cn 
ÄönigSroai^ren. Seipjig 1893) angeregten ©ontrooerfe (f. ©eettger, aWit* 
t^etlungen be§ Snftitutä für öfterreid^. ©efd^id^te 16, 44 ff., bagegen Sinbner 
ebb. 17, 537 ff.). 

3 Otto üon greiftng, Gesta Frid. I, 17 (Mon. Genn. XX, 360): I^tur 
Albertus — nam id iuris, dum regnum vacat, Moguntini archi- 
episcopi ab antiquioribus esse traditur — principes regni in ipsa civitate 
Moguntina convocat. 2)aran !antt nic^t gerüttelt tocrben: ber ©inroanb 
SinbnerS (a. a. O. ©. 65), ba^ in bem l^ier erjäi^Wen gatt beö Sal^reS 
1125 „nod^ neun anbere Ferren mit bem ©rjbifd^of bie ©intabung erHegen'', 
TOiberlegt 1) nid^t bie ^l&atfad^e, bag ein SJ^itglieb beS ftaufifd^en ipaufeS 
breijig Saläre fpäter bieä S^led^t afä beftei^enb anfai^, unb fd^Iieftt 2) nid^t 
bie SWöglid^feit auS, ba^ jene neun Ferren ber ^nitiatioe beö ©r^bifd^ofö 
folgenb, feiner — an unb für ftd^ bereits red^t§!räftigen unb red^tSoerbinb* 
lidjen — ®inlabung beigetreten finb, um i^r nad^ mittelalterlicher SQöeife 

»urbad^, SBoltl^er »on ber aSoßelwcibe. 15 



226 Unterfuc^iingen. 



©ein natütlid^er Scrttctet toar, tote fld& t)on fcl6ft t)tt^U^en 
mufetc, bct mit il^m feit alter« in allen aBol^langelejenl^eiten um 
ben Sonang fiteitenbe ßtaBifd^of t)on fföln, bem feit Äontob II. 
ba« aicd^t, ben Äönig in 9lad&en au ftönen, auftanb unb auetft öon 
$ßap|l 8eo IX., bann aud^ t)on Äoifet gtiebtid^ I. beftätigt lootben 
loar^ aSon bem aBtoefenben 9Jlainaer gta6ifd&of lo&te femet baS 
gted^t „ber erften Stimme" au^auüben getoefen^ dx, bem in bct 
älbtoefenl^eit beg ftönigS bie dtegentfd^aft bei 9leid^i autam^, l^atte 
in bei üettoottenen Sage bc8 ^di^xt^ 1198 t)ot altem bie $|Iid&t 
gel^aBt, leitenb unb otbnenb einaugteifen. Slieb et bet ^eimat 
fern, fo ftanb il^m bem aftange nad& unatoeifel^aft 3lbolf t)on Äöln 
am ndd^ften unb et tüat tod^i legttimitt. bie bem $tima8 ge« 
bü^tenben 5)otted&te bei bet ÄönigStoa)^! nun füt fid& a« be« 
anfptud^en, bem ja ted^tm&^ig ein Sotted^t bei bet Ätönung gel^ötte. 
3ebe8faß8 l^at Slbolf t)on flöln eine getoiffc ©teüöetttctung beS 
SMainaet (Stabifd^ofS bel^auptet, unb aud^ bet Stabifd^of Sol^ann 
t)on £tiet l^at ein getniffeS $tit?ileg bei bet (Sinfe^ung bei JtönigS 



größeres ©eroid^t ju geben, ba ba§ SRed^t, eine ©infabung allein au wer* 
breiten, fid^erttd^ nid^t baö SSerbot inooloirt, fic gemetnfam mit Slnberen 
^n erraffen. 

' Seo IX. (bei 2Bai^, 2). Serfaffungögefd(|. 6^, 213 2lnm. 3): Regiam 
consecrationem infra limites suae dioecesis faciendam potestatis apostolicae 
munimine ei corroboramus. Dtto OOtt Sreifing , Chronic. VII, 22 (Mon. 
Germ. Scr. XX, 260): Coloniensi qui id facere [in Slad^en 5U frönen] iure 
debuerat; SRai^eroin, Gesta Friderici III, 16 (Mon. Germ. XX, 426; Script, 
rer. Germ. Ed. alt. S. 150): Electionis primam vocem Moguntino episcopo, 
deinde quod superest caeteris secundum ordinem principibus recognos- 
cimus, regalem unctionem Coloniensi (33eftimmung griebric^S I. t)on 1157, 
an bie beutfc^en Sifd^öfe). 

2 ©. bie eben angefüi^rte ©teile au^ iHa^eroin. 

* 3aff6, Bibliotheca rerum Germanicarum I, S. 190: Moguntiuus 
archiepiscopus ex antiquo suae ecclesiae et dignitatis privilegio sub 
absentia principis custos regni et procurator esse dinoscitur (au§ bem 
3a^r 1148). 



2. Waltltexs erfter Spriidjtoti unb bcr ftauflfd?e Hetd?sbcgriff. 227 

fi<% 3U9cf(ä&Tieben. SBic aud^ bic ftaatSrcd^tltd^c SeBiünbung bafüt 
öefd^affcn fei, bie flteid&aettiflcn Seuflniffc erlauben ntd&t bcn je- 
xingficn Btoeifel, ba^ bicfe im ^al^te 1198 öon ben beiben 
tl^einifd&en 5JlettopoItten erl^obencn ainfptüd&e nid^t bIo8 ginbrud 
gcmad&t unb a. »• bcn fd^on für Spi^ilippg ^aflcnauer SBa^ltafl 
öcioonnenen Sifd&of ffontab bon Sttafebutg biefcm entaoaen l^aben, 
fonbetn felbft in ftauflfd&cn Äteifen anetfannt tootben ftnb^ (Sd 
fielet aud& nid^t an, bie atietcr ^tiöilegicn einfad^ aK ^irn« 
öefpinnflc beS Slnnaliften ^n leugnen^. 3Denn abgcfel^en babon, 
ba^ fein ©runb au fold^er Stbid^tuug bei bicfen (Setoäl^rgmännern 
au erlennen loäre, toit l^ötcn fd^on in biel ftül^eret Qext bon einem 
äl^nlid&en Slnfptuc^ ZticrS^. UebcrbieS melbet Ctto bon @t. Sla- 
jien, bafe 3o^ann bei Ottog Arönunj in 9lac^en alpftitte, unb 
biefetbe Wittoitfung bei tpi^ilippg ÄTÖnunj in 9Jlaina fd^reiben i^m 



^ Chronica regia Coloniensis a. 1198 (Mon. Germ. XXIV, 5): Colo- 
niensis et Treverensis archiepiscopi electionem regis sui iuris esse 
firmantes habito consilio cum quibusdam, set paucis principibus curiam 
aliis primoribus in Colonia habendam prefigunt in dominica Oculi, 
evocantes eodem et ducem Cerugie, quem ipsi etiam deliberaverunt regem 
creare; Annales Marbacenses (Mon. Germ. Scr. XVII, 168): Quod cum 
episcopus [^onrab von ©trafiburg] acceptasset [^l^ilippä ©inrabung ju 
feiner SSorbefpred^unc; in 5)agenau] et die statuto Hagenowe ad ducem 
venire debuisset, acceptis litteris archiepiscoporum Coloniensis et Tre- 
virensis, quorum unius iuris est regem inungere, alterius vero, 
id est Trevirensis, eum Aquisgrani iu sedem regni locare, ad 
ipsos quantociens festinavit. 

^ O. ^arrmcf, S)aö i^urfürftcncoüegium. (tieften 1883, <S. 16 5(nm. 7; 
SKaurenbred^er a. a. D. ö. 197 2lnm. 1. 

^ ©ibufinb II, 1 (Mon. Germ. Scr. III, 437): Cum quaestio esset 
pontificum in consecrando rege, Treverensis videlicet et Coloniae Agrip- 
pinae : illius quia antiquior sedes esset et tamquam a beato Petro apostolo 
fundata; istius vero, quia eins ad dioecesim pertineret locus [Slad^en], 
vcil ?ßai^ 62, 211 2lnm. 2. 

15* 



228 Unterfud?ungen. 



bie SRatbad^et Slnnalen 5u^ Sem Sled^tdbelDU^tfein ber 
^eitgenoffen aufolge befag alfo 3ol^ann t)on Stiev jebeSfaQd eine 
geiDiffe ^rärogatttie bei ber fttönung be$ AönigS. 

9lm bcftimniteften fptid^t bicfc äuffaffung eine Stieret 'OueHe 
au8: (gtabifd&of 3lbolf t^on Äöln, toei^ fle 5u etj&l^Ien, l^abe im 
Cinöetnel^men mit bem SMettopoIiten öon Sriet unb auf ®tunb 
beS ©timmted^tS , baS et im Flamen mel^tetet abtoefenbet Surften 
t)etttetungsJtt)eife auSfleübt l^abe, Otto 5um ftönia ptoclamitt 
unb fleftönt^. @g batf meinet Uebetaengung nad^ nid^t bem ge- 
ringften 3tt)eifel untetliegen, bafe bie|e SSel^auptung Slbolfe t)on 
ben 3^it9^woj|en geglaubt unb allgemein auf ben ^faljgtafen t)om 
Sll^ein, ^eintidö, fotoie auf ben J&etjog öon Stabant belogen tootben 
ift. 3Den tl^einifd^en ^^fat^gtafen nennt ein wenige ^af^xe jüngeted 
Seugni^s ^^j)g„ ^ödfeften an ber SBal^l beg ftönigg". gfteilid^ l^at 
man jene gon^e ^tad^rid^t übet bie SSetttetung bet abmefenben 
SBBa^lftinimen butd^ Slbolf afe nad§ttäglidt)e (Stftnbung bei Seite 
fd§ieben woüen, inbem man fp5tti|d^ ftagte^ ob benn „bie gfütften 



' Otto t)on ©t. SBlafien (5ap. 46 (Mon. Germ. Scr. XX, 389): Otto 
archisolium, quod Aquisgrani est, adeptus a Coloniensi episcopo 
cooperante Trevirensi, qui ad hoc specialiter privilegiati sunt, in 
regem unctus, gloriabatur, se etsi non regalia iura, tamen et loca 
regalia retinere; Annal. Ma-rbac. (Mon. Germ. Scr. XVn, 169: A Trevi- 
rensi archiepiscopo, qui iam relicto alio [Dtto] etiam hunc elegerat, una 
cum Tharetano [fo] archiepiscopo, qui loco Maguntini accitus erat, 
inunctus, t)gf. baju äßinfefmann 1, 85 9lnm. 2. 137 2lnm. 1. 

2 Gesta Trevirorum (Mon. Germ. Scr. XXIV, 390): Adolfiis Colo- 
niensis archiepiscopus ex consensu Trevirensis, habens et ipse vocem 
electionis nomine quorundam principum peregre profectorum (ut asserebat), 
Ottonem evocavit atque unxit in regem. 

8 prftenfatalog am ber Seit gtüifd^en 1200 unb 1212 («ßcr^, Slrcöit) 
7, 628): Palatinus Rheni ; iste summus in electione imperatoris, ogf. baju 
Sinbner a. a. D. ©. 169 f. 

* Stnbner a. a. D. ©. 108. 



2. VOahltexs erfler 5pnid?ton unb bex ftauflfc^e Heic^sbegrtff. 229 

Bei il^tcr äbfa^tt ita^nt l^ätten, bafe ^einxid^ VI. plö^lid^ im 
Itftfttgften aJlanncäaltct ftetbcn toütbc?" S)od^ ift babei überfeinen, 
ba^ au Slnfang bcÄ 3um 3lbolf ted&t tool^l bon ben abmcfenben 
gfütjien eine beftimmte (Srmäd^tigunfl erholten l^oBen fonnte. S)ie 
Stad^tic^t bom Sobe bed ^aiferg eireid^te bie Areuafal^xet am 
2. gebtuat, ben Äan^Ier Äonrab, wie esi fd^eint, jd^on botl^et. ®ie 
Wel^raal^I fegette Anfang ^IRära autüdE, mand^e too^l aud^ fluider. 
S)er ^falaa^ttf ^eintid^, Dttoä »ruber, befanb ftd^ am 5. ajlära 
nod& in ^at&flina, aber bereits in ber etften ^pälfte be«i 3uni im 
^pabuanifd^en ^ SBenn er bortl^in über SSenebig gereift ift, lann er 
bon le^terem Drt birecte Sotfd^aft nac^ ^öln gefanbt l^aben , bie 
bor bem 9. 3uni bort eintraf. 3lud& fann ber Slbgefonbte bet 
lombarbifd^en Siga, ber 2Rail&nber SKonaco be SSitta, ber bei Dttoä 
Ärönung augegen loar, unb nad& SBinletmannä einleud^tenber 9ln- 
nal^me^ auftrage unb S)trectiben beS ^apfte« überbrad^te, SSoH- 
mad^ten bon ^einrtd^ beförbert l^aben. Stod^ leidster benfbar aber 
ift e8, ba^ biefer fd^on fofort nad^ anfunft ber aobeSnad^rid^t bie 
erfte fid^ gebenbe SJlöglid^teit benu^te , bem (Srabifd^of bon Äöln 
äSetfungen au überfenben. SaS (Sleid^e gilt bon bem ^eraog bon 
Srabont. SBenn für btefen unb in feinem 9lamen feine ®attin 
''Uled^tl^ilb an ben SBainiberl^anblungen in Aöln tl^eilgenommen 
l^atte unb bemgemft^ bag bon ben SBäl^lem unterfd^riebene ^cten* 
ftüdC, ba« nad6 SRom ging, untetaeid^nen lie^ mit ber Unterfd^rift 
bed ^eraogd^, fo beburfte fie baau getoi^ bod^ fd^riftlid^en ober 
münblid^en Sluftragd bon il^rem ©emal^t todl^renb ober fura bot 
beffen ^eimfal^rt. 



1 3Binfermann 1, 61. 63 2lnm. 2. 131 Sinnt. 2. 

2 Sßinf ermann 1, 87 f. 

8 Sßinfermann 1, 89. Sinbner a. a. D. 97 f. 



230 Unterfucfjungen. 



S)od& tt)ie bcm anä^ fei: Sluffaffungen bc8 Äölntfd^cn SBal^I« 
acte^ toie bie in ben senannten OueQen ftnb iebedfaUd fd^on 1198 
loixIUd& öctbtcitct fletoefcn unb l^abcn bie Seuttl^eilung bet 
aftcd^tSf tafle ftaif beeinflußt. Sto^ ^l^ilippS toiebetl^oHen SJot- 
fteUungen unb Slbmal^nunflen ^ l^aben bie beiben tl^einifd^en ^tetro« 
politen bie ftü^ete ftSdi^i griebtid&8 au8 ben bon ^l^ilipp auf« 
fle^ft^lten ©tünbcn (f. oben @. 223 unb Slnm. 1) alg unflüttifl 
behad^tet unb Äraft beS bon i^nen Beanft^tud^ten Sfted^tS ber 
3nitiatibe bei bet glectio be8 ffönigS jene beiben neuen fSidf^U 
tafle auSflefd^tieben. 2)a bet etfte Sanbibat unb einige SBod^en 
nad^l^et aud^ bet aU (Stfa^ aufflefteUte ^tneite fie fi^en (ieg, toat 
il^nen fd^lie^Udö ^pi^iltpl) mit feinet eigenen SSaf^l (8. TOära) auüot:» 
flelommen. ^Itf^x aI8 btei Wonate fp&tet (9. 3uni) brad^te bie 
ftftlnifd^e $attei einen otbnunflSgemäßen, befud^ten SBal^ltag unb bie 
toitllid^e ßlectio eines ÄönigS au ©tanbe. Slbet tüie bicl ^anb^aben 
waren fletabe butd^ biefe (gnttoitflunfl bet Singe geboten, um bie 
ßegalität bet SBal^I 55^ilift)j8 au beftteiten! Sie tnelfifd^e ^axUi 
unb il^t ^totectot Snnocena l^aben ben SJotfptung, ben $l^ilit)p 
mit feinet SSa^l getüonnen l^atte, meiftetlid^ füt fid^ au§genu^t, 
um bem @egnet ben etften 9ted^tdbtud^ auaufd^teiben. 

Sie $attei mo(fg fod^t bie SSaf^i ^^ilippg au« folgenben 
®tünben an: eS ^atte i^t tücbet bet ^timaS bet beutfd^en Ättd&e 
nod^ bet tl^einifd^c ^ßfalagtof bcigetool^nt ^, fie fei ol^ne ^uaiel^unfl 
beg dtabifd^ofS bon flöln butd& nic^t l^etlömmlid^e gütftcn unb 
an einem nid^t ^etfömmUd&en Dtte boüaoflen ^. Soflegen fei Otto 

1 SBinfermann 1, 56. 64 unb Sinnt. 2. 

2 Contin. Weingart. Honor. (Mon. Germ. Scr. XXI, 480): [erjbifc^of 
2(bo(f] electionem calumpnians , cui nee Moguntinus archiepiscopus seu 
palatinus regalis aule interfuerint. 

8 SBinfelmann 1, 69 Slnm. 3; Chron. regia Colon, ed. 2ßai| @. 163 
(Mon. Germ. XVH, 806): qui [bie ©rabifd^öfe non Äöln unb ^rier] 



2. WaUhiexs erfter 5prud?ton unb ber ftauflfc^e Heid?sbegrtff. 231 

in l^etfbmmlic^er SBeifc am redeten Dtte unb öon ben jur SBa^t 
b e t c d^ 1 1 ö t e n gütficn geioä^U tootben : ,,bon ben dürften, bcnen 
ba«5 gicd^t au toö^Ien aufteilt" — fo lautet i^te immer loicbctl^oüe 
aSe^auptunj (f. unten Unterfud^ung 3). 

Sie S)eutung ber bamate a^^^ft fo ^eftig geCtenb gemad^ten 
Slnjprüc^e auf ein bejonbeteö aSü^lxed^t unb namentlid^ aud^ ilire 
auftimmenbc unb fd^ätfere gijitunö butd^ ben $apft unterliegt 
bielfod^em B^eifel, ben ein langer ©treit ber ©etel^rten nodE) nid&t 
gelöft l^at. S)iefe gforbcrungen fpielten aud& im Saufe ber näd^ften 
3al^re beä S^ronatoifleö eine mid^tige 9lolIc: SBalt^er l^at, toie 
icö unten aeigen meibe, a^ei 2Jlal (9, 24. 25; 25, 11—25) ba- 
gegen birect bag SBort ergriffen, einmal (19, 15) beutlid^ barauf 
angejpiett, unb id& Wetbe, um biefe ^rotefte SBaltl^erS a« toürbigen, 
Ipdter auf bie ^umut^ungen ber Dttonifd^en Partei, bie am ftarfien 
ficö in ben SBalilberid^ten an ben $apft ent^ütten, naiver eingel^en. 

SBelc^er ^rt aud^ immer bas( ältere ober beffere Stecht aux 
SBal^l gettefen fein mag, ba8 bie bier rl^einifd&en gfürften fld^ bei» 
legten, iebedfaUd finb bie @ebanlen unb 3lnltagen, bie in ben 
SBal^lberid^ten ber toelpfd^en Partei unb in ben barauf S3eaug 
ne^menben grläffen beS $apfte8 ic^t unb in ben näd^ften S^al^ren 
immer aufS 9leue gegen bie äBal^l $]§tltppg ind gfelb geführt 
würben, fd^on im ©ommer 1198 mtber il^n aur Agitation ber« 
toenbet morben unb i^m bamate befannt getoefen. 

(£r burfte biefe juriftifd^en gtmägungen getoi^ nid^t leidet 
nehmen. 

®ie ftauftftfte Otetd^äminifteriolität , me(rf)e ^^ilipp felbft bie 



vehementer indignati eo qu«i nunquam aliqiiis rex in Saxonia terra 
electus ab hiis principibus fuisset-, Annal. Egmund. (Mon. Germ. Scr. 
XVI, 471): ^i^tfipp tKegar c^eroä^rt quia nou advocatus Adolfus Coloniensis 
eplscopus fiiit. 



232 Untcrfuc^ungcn. 



Ätonc öetld^affen tooüte, tnod^tc fid^ berufen auf bie SBal^l gticb» 
lid^g I., bei bet au(^ bie bitecte Sedcenben^ 5U @un{len bet 
SStubeifeite übergangen unb ber 9leffe an Stelle bed eigentlid^ erb« 
bered^tigten fletnen Sol^ned ftonrab«^ III. aum Aönig prociamttt 
toarb. 3nbe{fen gerabe biefe l^iftorifd^e (Srinnetung , toeld^e bie ' 
Sleid^Sbienflmannen fi($er(td^ ermutl^igte, bie geteig aud^ äBaltl^et 
öorfd^webte , ate er fic^ für bag Äönigtl^um ^l^ilit^pg bcgciflertf, 
mugte bieienige $artei aufregen, mtgtrauifc^ maä^tn unb erbittern, 
bie über ben äBa^Ired^ten ber dürften eiferfüd^tig toad^te, atö einem 
toid^tigften Seftanbt^eil ber erftrebten fürftlid^en Souöer&netat unb 
einem wirifamen ©egengemic^t gegen bie centralifirenbe Äraft beS 
Aaifertl^umd. @erabe jene äBal^l gftiebrid^d I. mar mit l^öd^ft an* 
f ed^tbarer Ueberftüraung t^oUaogen : man l^atte ben SBal^ltag fo batb 
ixaäi bem Sobe JtonrabS III. angefe^t, bag unmöglid^ aQe gfürften 
aur SteQe fein tonnten; man ^atte ben audgefprod^enen SBunfd^ 
bed ^rimaS ber beutfd^en Aird^e, bie ^rone bem Seltne bed ftaiferS 
au geben, ignoriit; an oHerlet Siften unb Sntriguen, über bie loir 
nur unt)oa!ommen unterrid^tet finb, l^atte ed nid^t gefel^lt. Sud^ 
bie (Sr^ebung be^ erften Stauferd auf ben Zitron mar unter fel^r 
bebenftid^er SSerle^ung beS Sled^tS unb gletd^faQd unter Umgel^ung 
ber birecten S)e8cenbena erfolgt : ftott jeneg griebrid^ bon ©d^maben, 
bem atüölf Salute au^or (1125) Sotl^ar bon ©ad&fen ba8 il^m otö 
ältcftem Cnfel ^einrid^Ä IV. unb 5leffen ;&einiid^8 V. nad^ Cibred^t 
gebül^renbe Sleidö entriffen l^atte, marb beffen jüngerer Sruber, 
Aonrab, aU S^ionfolger aufgefteQt, bielleid^t toeil ben aunftd^ft 
erbbered^tigten ätteren trüber (Srblinbung auf einem -^uge nad^ 
alter beutfd^er ^nfd^auung untauglid^ aum Aönig erfd^einen lieg. 
Unb bie äBal^l ^onrabd l^atte ftd^ in bet gorm eined Staatgftreid^ 
bottaogen: mel^rere Wonate bor ber öffentlid^ auSgefd^rtebcnen 
legalen SBal^lberfammlung l^atte ein Heiner ÄreiS bon gfürfien 



2. IPaltljers erfter Sprud^ton unb ber ftauflfcf?c Hetcbsbegrtff. 233 

unter gül^tung bcS Stierer unb Äöincr giabifd&otsi unb unter bet 
^egibe bed ))äftti($en Segaten ßonrab aum fiöntg aufgerufen. S)et 
gartet ÄbolfS öon Äötn mußten btefe 5lnalogien aur SSBarnung 
bleuen. Sie unb aHe centrifugalen Gräfte beg gieid&S fonnten 
aber anberfeitd aud^ in bem Siege, ben ber Sad^fe Sotl^ar in ber 
aOßal^l beS 3a^red 1125 burd^ bte ))otitifd^e @ef^id(i($feit fetner 
^rotectoren, ber fir^bifd^öfe öon SJlaina unb ftöln, unb bie Unter- 
flü^ung beS $a))fted über ben )iB(utäbern)anbten bed im ^JtanneS« 
ftamni erlofd^enen falifd^en .tpaufed, ben Staufen griebric^ t)on 
©d&waben errungen l^atte, einen Sriumpl^ ber fürfttid^en SBa^l- 
freil^eit über baS Srbtönigt^um etblidten, ber fie in il^rem je^igen 
SBiberfianb gegen bie SSererbung ber Ärone innerl^alb be8 ftaufifd^en 
^aufeS beftärlte. 3Die libertas^ ber Surften in ber SBq^I beS 
Aönigd fei burd^ bie (Sr^ebung be^ ^aiferbruberg $l^ilipp ge^ 
fäl^rbet — fo erfd^oQ je^t, toie einft in ben Sagen ©regorg VII. 
unb bed @egenlönigd 9lubolf tyon Sd^maben, bie älnflage ber nad^ 
%tom btidtenben gürftenfronbe. 

Sitte (Kegenfö^e ber (Snttoidlung beg beutfd^en StaatSred^tS 
toaren ed, bie im Sommer bee 3[a^red 1198 auf einanber platten, 
unb ed teuren biefetben Mittel beS Siamp]t^, bie man aufbot, toie 
bei ben frül^eren SBa^tteiten. SBiefelbe aJlifd&ung legitimijlifd^er 
lenbenaen auf ^erftcttung beö (Srbfönigtl^umg, particulariftifd&cr auf 
St&rfung beS toal^lred^tUc^en fjactor«, biefelben SSerfud^e, burd^ 9In- 
rufung ber gurie bte ürd^Iid^e Sguction unb bie @arantie für bied 
laiferltd^e Imperium, burd^ äBirfung auf bad @efül^( unb bte 
$]^antajte beS S3oltd bie moratifd^e SBei^e für bie eigene Sad^e au 
getotnnen. ^ber gegen bie 3^tten Sotl^arS toeld^ ein Umfd^mung, 
tote biel neue Elemente, bie ben Sonflict berfd^drften ! SBie teuren 



* Sgl. bie unten in Unterfud&ung 3 mitgeti^etlten ©teilen auö ben 3lnt* 
»orten beS ^apfteö. 



234 Untcrfud?ungen. 



je^t, jeit bem ©d^citcrn bct aSetfaffungätcfotm jumat, btc fütftUd^cn 
93eftie6ungen nQ($ tettitotialet Selbflänbtglett angetoa($f en 1 Sin 
neuer 9let(äö8füifienftanb »at emt^otjeforainen. S)er beutfd^e 
Spt^copQt begann fid^ aug bet faft fouDetänen ^etifd^aft be«^ 
Äöntgtl^umS, bie öon biefem feit bem aSJotmfer ßoncotbat jurüd» 
etobext toat, ^u löfen : bie grogen toeltIt($en gfütften unb S^naften 
üben BereiW einen für bie Steid^ÄBetoatt berl^ftnani^öoßen (Sin* 
fiu6 auf bie Sefe^ung ber Sifd^ofgftül^le, unb in jeber SJacana 
liegen nun bie Äeime bon toilben Äämpfen, lorttoäT^renben SSer* 
jd^wörungen, SWeHationen an ben 5papft unb bereu übten golgen: 
SlmtSentfe^ungen, aBo^lproteften, Sd&iömen. Unb gleid^^eitig Pub ate 
neue äBeltfactoren bie Stäbte, tft gapitatidmud unb Selbtnirtfd^aft 
auf ben $Ian getreten! 

aSir bermögen atoot nid&t bie SBanblungen im beutfd^en 
@taatdre($t Kar au überfeinen, meldte gegen @nbe beg 12. ^al^r» 
l^unbertd \>ox ftd^ gingen. 3Bir tDiffen nid^t fidler, ob bei ber 
aSal^l be8 jungen fSfriebrid^ im Saläre 1196 bereits attetn jener 
ejimirte Sl^eit ber ateid^Sfürftcn, ber n e u e gteid^Äfürfienftanb, mit- 
gettJirlt l^atte, ber nur bie (Sräbifd^öfe, Sifd&öfe, einen Sl^eil ber 
Siebte, bie ^eraoge, ajlart-, ^fata» unb ßanbgrafen, enblid^ einaelne 
©rafen umfaßte, bagegen bie größere 3Jlaffe ber Siebte unb (ärafen 
bon fid^ auSfd^lo^. 63 ift nid^t ol^ne @tunb bermutl^et toorben^. 
SebeÄfaßg l^at ft(^ bei bicfer SBal^l, bie, obgleid^ nur ein g^^i^fl^^ 
@rfa^ für bie bergeblid^ erftreb.te UmtDanblung be§ Aönigtl^umd 
toie ber SReid^ßfürftentl^ümer in ßrbreid^e, untec bem SBiberPreben 
ber Surften burd& ben Stoang ber übetragenben ®eftalt Äaifer 



^ %idev , De Henrici VI. conatu electiciam regum in imperio 
romano-germanico successionem in hereditariam mutandi. Bonnae 1849, 
e. 66; gtdCer, Som Sieid^öfürftenftanbe. Snnäbruct 1861; SRaurenbrec^er, 
@e[c^i(^te ber beutfc^eu Äönigäroal^ren. Seipjig 1889, ©. 179 unb 2lnm., 200. 



2. Wa\t\\exs erftcr Spruc^ton unb ber ftaufifd?e Hetd?sbegriff. 235 

^eintid^S unb ben Stud feines SrubetS $^ittpp mtil^fam burd^« 
gefegt tourbe, bte 6i}etfu(f)t unb ©elBftl^ctrtid^fett bet bcutfd^en 
gfürflen auf« Sebenfltd^fte offenbatt. Unb »enn aud^ bte 9Jlet- 
nungen batüber aud einanber gel^n, in mie toeit bag fpätete SBal^l» 
pxtDtleg ber fteben Autfürften, baS im Sad^fcnfpieget unb im ^ut- 
fütftenfpxud^ Sletnmarg öon iJtoetet ^ueift cobiflcitt erld^eint, bereits 
bamatS butd^ getDiffe 9S3a]^lt)oned^ie einzelner betipt^ugtet gfürften 
Vorbereitet fei, barüber fann nur üoüe gin^ettigfeit ber anfid&ten 
]^enf($en : gegen @nbe beS atDölften ;3al^r^unbertd beftanb bte £en« 
bena innerl^alb ber beutfd^en 9leid&«fürflen, il^r SBal^lred^t auf einen 
möglid§ft ftetnen AreiS getoiffer tonangebenber Sruppen einzuengen 
unb augteid^ feine 93ebeutung gegenüber bem erblid^en (Slement in 
ber gr^ebung beS beutfd^cn flönigS nad^brüdtUd^er ate frül^er ]§er« 
boraufel^ren. Unb niemals — aud^ baS wirb aügemein augegeben 
toerben, war ein fold^er 9lnta6 geboten, bie SRed^tSfrage ber 
ÄönigStoal^l aufautoerfen unb burd^awfc'^t«" Q^^ &«* ^«^ S)oppel- 
toal^l beS Sal^reS 1198. 

^l^iUpp t)on Sd^maben l^atte mit feiner äBal^l bom ^ära 
nod^ menig ober nid^tS erreid^t, menn eS il^m nid^t gelang, burd^ 
überlegene Wad^t, üor allem aber aud^ auf bem SSoben beS Sted^tS 
unb burdö ben m o r a l i f d& e u ßinbrudt fein Äönigtl^um au f eftigen. 

©ein aSerl^alten in ben folgenben 9Jlonaten le^tt benn aud^ 
beutlid^, toie l^od^ er bie firäfte bema^, bie i^m toiberftonben. 
SRan ^at il^m mieber^olt ein „unerllärlid^eS Senel^men", eine 
„tüunberlid^e Untl^ätigfeit", „gerabeau unbegreiflid^e ©öumniß" 
tjorgetoorfen unb biefe namentlldö in feinem 3bg«tn erblidtt, baS eS 
Otto ermbglid^t l^ätte, i^m in ber ßroberung ^ad^enS awbor- 
aulommen^. 9Jlan l^at babei unbiüigermeife toenig ober gor nid^t 



' SBinfetmann 1, 82. 185: dMxixenbxe^et a. a. D. e. 186. 



236 Unter fucbungen. 



bie WotiDe ertoogen, bie fid^tbat unb unfid^tbax l^ier entfd^eibenb 
toatcn, unb namcnttid^ btc 9lu8funft ücrnac^Idfflat , bie et fettfl 
batübet gibt. 

$]^iUpt) Tratte, toie et an Snnocena 1206 betid^tet\ fd^on in 
ber ^itte ienet füllen bteiael^n SSSod^en nad^ feinet SSaf^l (f. oben 
@. 189), b. ^, menn man baS ftteng to5ttlid^ nel^men toiti, um 
ben 20. ^pxH, fid^ getüßet, mit einem gtogen, gldnaenben ^eete 
nad^ bem Aaifetfi^ ätad^en 5U ^xtf^m unb fid^ bott ttönen au laffen. 
Sutd^ bie Sift bet (Kegenpattei tDutbe et abet batan t)et]^inbett. 
Wan ft)iegelte tt)m )?ot unb beftäftigte eS eiblid^, ba^ aud^ bie 
i^m biai^et feinblid&en Sfütften nunmel^t i^te Stimmen auf il^n 
öeteinigen mütben. ©o entließ et baS ^eet unb öetfd^ob ben 3ufl 
nad^ älad^en. Offenbat l^atte i^n ^bolf t)on Aö(n mit bem 93et« 
fpted^en eined fötmlid^en UebetttittS geföbett, tDal^tfd^einlid^ aud§ 
auf bie aQem (Sttoatten nad^ bet^otftel^enbe UMU%x beg $timad 
bet beutfd^en Aitd^e, bed (Stabifd^ofd ßontab bon ^aina, bet nod^ 
in ^ßaläftina toat, betttöftet. 3a e8 fielet nad^ ^^ilipp§ SBorten 
beinal^e fo au^, aU ^abe et füt bie näd^ften SBod^en einen neuen 



^ Reg. de neg. imp. 136 (Mon. Germ. Constit. II, ©. 12): . . . per 
continuas XIU septimanas sine contradictione fuimus in imperii quieta 
possessione. Medio quoque tempore cum maximo et gloriosissimo exer- 
citu ad sedem Aquensem pro recipienda Corona ire volentes, astutia et 
dolis adversariorum nostrorum circumventi exercitum nostrum remisimus; 
accepto tamen prius ab eis sacramentis, quod etiam ipsi in nos vota 
sua deberent transfundere. Cumque nos ipsi sie decepissent, recepta 
multa pecunia a rege Anglie . . . consanguineum nostrum dominum 
Oddonem comitem Pictaviae elegerunt. Sßarum 2Bin!eImann (1, 82) btefet 
Se^auptung in bem bod^ burd^auö n)aE)r]^eit6getreuen officieUen HÄanifeft 
^^ilippä migtrauifc^ nur „einige Söal^rfd^einlid^feit'' 8ugeftcE)t, bleibt un« 
begreiftid^. 2ltt bem Hergang tann gar nic^t gearoeifelt merben: f. auc§ 
^. Jlobenberg, lieber mieberi^olte beutfc^e ^önigSrüal^ten im 13. ^aöri^unbcrt. 
Sreörau 1889, <B. 14, unb Sinbner, 2)ie beutfc^en tönitiöiüal^lcn. Scipjig 
1898, ©. 110 2lnm. 2. 



2. IDaltl^ers crfter Spruc^ton unb bcr jiaufüfdye Hctd^sbegriff. 237 

SDBal^Itag in bei trabitioneHen concctcn gotm, unter bcr %f)dU 
nal^me ber rl^eintfd^en Sr^Bifc^öfe ertoartet, auf bem feine electio 
erfolgen toürbe. ©etoig l^aben aud^ bie fd^toebenben Unterl^anb« 
lungen mit ber gurie feine abwartenbe ^altunfl beförbert. Un- 
mdglid^ fonnte er olS @ebannter * ben Aaiferfiu^l Aartö bed @roBen 
im l^eiligen S)om bon ^a($en befteigen. $]^tUpp l^atte jtd^ um 
feine Söfung t)on ber S|Communtcation fd^on bei Soeleftin gegen 
ftnbe beg 3a]^re8 1197 burd^ ben Sifd^o? bon ©utri, einen ge- 
borenen Seutfd^en, bemül^t unb aum (Sntgett bafür, ba^ man i^m 
t^erfönlid^eS Crfd^einen in SRom erlaffe, bie fSfreigebung beS 6rabifd&of8 
bon Salerno üerfprod&en , ber auf Srifete feit ben Sagen ^ein« 
rid&S VI. toegen feiner Sl^eitnal^me an ber ficilifd^en 3}er|d^toörung 
internirt mar. Snnocena griff gleid§ nad& feiner Berufung auf ben 
römifd^en @tu^l in biefe %nge(egen]^eit ein. ^ber er bel^nte bie 
änfprüd^e au8: nid^t bIo§ für ben Srabifd^of, beffen Befreiung 
©einrid^ VI. immer ^inauSgefc^oben l^atte, fonbern für alle ftci- 
lifd^en (Befangenen forberte er bie SCuStieferung : für bie SBittoe beS 
ftdnigd Zancreb unb ilire Atnber. für bie 93rüber bed (Sr^bifd^ofg 
(bie (Srofen bon Stjeüo) unb überl^oupt für oHe nod^ in S)eutfd6- 
tanb jurüdEgel^altenen ficilifd^en Jßarone. 3m gebruar rid^tete er 
Ott bie SBifd^öfe bon ©traPurg, ©peier, aSJormS ©d^reiben, loorin 
il^nen auferlegt tourbe, ben SBäd^ter be^ ©taatdgefdngniffed auf 
Xrifete unter Slnbrol^ung firc^lid^er ©trafen ant Verausgabe beS 
bort öertoa^rten grabifd^ofts anaul^alten. ©teid^aeitig aber entfanbte 
er ben Sifdgof bon ©utri unb ben 9lbt bon @t. Slnaftafto in 9lom 
nad§ Seutfd^lanb; um $]^ili))p bom Sänne lo^aufpred^en nad^ bor* 
Irrigem ©d^mur, aüe pcitifd^en (Befangenen in Sreil^eit au fe^en. 
S)er ©ol^n SancrebS ftarb in^totfd^en auf ^ol^enemd in Sl^urr^ätien, 



* Ueber bie ©Ecsmmunication ^ßi^ilippS burd^ ©oeteftin im '^af)u 1197 
f. SBinJerntann 1, 79 ff. 493 ff. 



288 Unterfud^ungeu. 



btc toeiblii^en Witfilicbef bet ficttifd^en fiönigÄfamilic benu^ten btc 
gfel^be beS ^fatagtafen Otto unb bed SSifc^ofg bon SiTa^butg, um 
au entpiel^eu (f. oben @. 208). ®tc Ucbtigen, unter bcnen fid§ 
ber ntd^t unjefäl^riid^c Slbmttal TOargaritone (f. oben @. 209) be«^ 
fanb, ol^ne SBeiteteS freiaulajf en , mugte $^ilipp tDOl^I Sebenfen 
trogen, ha ftc unatoeifell^aft ber national«jtctUf(%en SleftaurattonS» 
poUtil {td§ fofort aur SSerftigung gefteOt l^ätten. @o mod^ten bie 
neuen Unterl^anblungen , bie erfl nad^ $^tU))))d SOBal^l im 3R&ra 
i^ren Einfang genommen l^aben, fid^ l^inaiel^en. Sag aber $l^tlip)) 
bod^ aud^ aUcS aufbieten mu^te, um bie S^communication ^u be» 
fettigen, liegt auf ber ^anb. (Setoi^ ftrebte er eä a« ermöglid^en, 
baB ber Segat bed $a|)fte§, ber Sifd^of t)on @utri, atö S^^%^ unb 
offtcieüer Vertreter ber Surie feiner Ärönung beitool^ne unb il^r öon 
t)ornl^erein baburd^ bie t^äpfttic^e äBeil^e gäbe, tote bad bei ber (Sr« 
Hebung feines Sll^nl^errn ÄonrabS III. gefd^e^en war, too gleid&fatts 
ein päpftlid^er Segat beutfdjen Stutd, ber garbinal Diettoin, 
afflftirte. 

aaSaS in ben brei SJlonaten beS aibtoarten« an Unterl^anb- 
lungen unb Sotfd^aften, aud^ an SerfudEjen, burd& Singebote bon 
Selb unb Sortl^eilen bie rl^einifd§en ßrabifd^öfe ^erübecauaiel^en, l^inter 
ben Souliffen fid^ abgefpielt l^at, entgel^t leiber unferer naiveren 
Äenntnife. 

S)ie SBalil iebeSfaH« bom 8. SRära 1198, bie erfolgt loar, 
als ber Sann nod^ auf il^m lag, l^ielt ?J]^ilipp felbft nid&t für eine 
botte, auSreid&enbe 9led^t8bafl8 feines Äönigtl^umS. 6r l^at fle 
nid^t weniger aU atoei ^öial burd& eine ^Jlad^toal^l ober gar 
9leutoa]^l au ergänaen für notl^menbig erad^tet. Unmittelbar 
bor feiner Ärönung in 3Jlaina am 8. September lie^ er fld^ nadb 
bem auSbrüdtlid&en, unantaftbaren Serid^t ber ^Jlarbad^er ^Ännalen 
unb ber .g)albcrftäbter SSifd^ofSd^roni! — ^\omx i^m burd^auS 



2. WalÜtexs erjler Sprud?ton unb ber ftauf[fd?e Heid?sbegnff. 239 

tool^lgeftnntet unb flut untcttid^teter Quellen ^ — nod^malÄ lo dielen 
unb fid& atö Äöntj t>on ben gfürften l^ulbigcn. Sn eine öotl^ctiBe 
UnflüItigleiföcrlWxunfl bet elften SBal^t btaud&t man nid^t ju 
beulen: ed foKte nur beten unjuIängUd^e XiTa]i babut($ etl^öl^t 
toetben, ba^ nun aud^ eine ^n^al^I Surften, bte ix^if^tx if^xt 
Stimme il^m ni($t gegeben l^atten, für tl^n botitte unb gleid^aeittg 
an bet öffenttid^en ^ulbigung üot bem gefamniten SBoIfe btefeS felBft 
Sl^eit nal^m unb batin etnftimmte. Unb aud& bteö genügte 55^i' 
lippä aUed^tSBettufetfein nod& nid^t. ©elbft alä fein ©ieg beteit« 
entfd^ieben, ate ©tibifd&of ^botf öon Äöln ^n il^m übetgetteten 
mat unb il^m aufammen mit bem ^et^og üon Trabant in ftöln 
gel^ulbigt l^atte, lie| et fid^ am 6. ;3anuat 1205 in Slad^en ^um 
britten 9RaI t)on ben gütften wälzten unb bann nod^malS bon 
bem Äölnet Wetropoliten jum ilönig toeil^en, falben unb cnblid^ auf 
htn Äaiferftul^l flatl§ beä ©rofeen fe^en ^. D'b et toitflidE) üor^et ben 



^ Annal. Marbac. (Mon. Germ. Scr. XVII, 169): Nam dum prefati 
principes Colonie eundem Bertholdum eligerunt, Phylippus apud Franken- 
vort [bieö ift aUcrbinflä falfd)] de alüs principibus electus fuit. [2ßä^renb 
ber Krönung Ottos] Phylippus exercitum colligens Alsaciam peciit . . . 
Inda procedens curiam Maguiitie cum suis fautoribus in assumpcione 
beate Marie habuit, ubi a pluribus principibus sollempniter 
electus, a Treverensi archiepiscopo, qui iam relicto alio etiam hunc 
elegerat, una cum Tharetano, qui loco Moguntini archiepiscopi accitus 
erat, inunctus est. Gesta episc. Halberst. (Mon. Germ. Scr. XXIII, 113): 
Hac igitur electione celebrata [in villa Arnestede] Moguntiam est adductus 
populoque ostensus, sicut moris est facere de electis, et pari voto omnium 
et consensu, acclamatione quoque unanimi et applausu in regem est collau- 
datus. SJgl. Sßtnfelmann 1, 136; Sflobenberg, 2I>ieberf)orte ^eutfci^e ^önigSs 
roa^lcn ©. 13 f. 

* Chronica regia Colon, (ed. 3Bai^, 8cr. rer. German. 1880 6. 219): 
Coloniensis vero episcopus . . ad eundem Phylippum cum duce Brabantie 
venit et ei iuramentum fidelitatis cum duce ibidem fecit. Ibi etiam rex 
Phylippus celebrem curiam omnibus qui aderant principibus in epy- 
phauia Domini Aquisgrani indicit et Coloniensis eum ibidem in regem 
consecrari et ungi promittit. Quod et factum est. Rex igitur, ut pro- 



240 Unterfud^un^cn. 



Aöniggtitel unb bie üxont abgelegt ^ai, um eine förmltd^e 9leu- 
to a 1^ I l^exBeiaufül^ren, mie eine Slccenfion bet flölnef ÄönigStä^tonil 
er^äl^It^ tl^ut nid^tÄ aur ©ad^c. 9Rafl man biefe atoeitc unb britte 
aSBal^I in 5Jlaina unb in Stadien t)or ber jtoeiten Ätönung ate toitf» 
U($e Stebintegtationen bet frül^eren äBal^Iacte Bettad^ten ober fte „^xf 
etfcnnunagmal^lcn" nennen^, ober fie Blo8 für eine „nad&ttäglid^e 
^ulbiflung'', eine „fotmeße (Srgänpng bet einseitigen etften" et- 
Hären ^: genug bie Sl^üringcr äBa^l öom ^ära 1198 beburfte 
nad^ bet Meinung Ißl^ilit)))^ nod^ einet nad^ttöglid^en offtcieHen 
Seftäftigung. SBo biefe im 3funi bcS Sal^tcS 1198 aun&d^ft au 
fud^cn, tote fie au öoHaiel^en toat, ba8 tonnte nid&t atoeifell^aft fein. 
aSBalt^etS Bpxuä^ gibt batauf bie ^nttoott: im (Sinllang mit bem 
aied&tSbctoufetf ein bet SRcid^fifminiftetialen, in Ilebetein= 
ftimmung mit ftül^eten Slnalogien. 

Äontab III. fotool^l aU gtiebtid^ I., auf beten Seifpiel bie 
9lnl^äuger ^l^ilipjj^ it)t SBorge^en am meiften fttt^en lonnten, l^atten 
il^te ted^tlid^ bebenflidje fSidf^l aufS (Siligfte burd^ bie nad^folgenbe 
fitönung in ^ac^en, bem Srafi^e beS Äaifettl^umÄ , legitimitt: 
binnen fed^S 2:agen jener, binnen fünf Sagen biefer. ^eintid^ II. 
^atte im ßampf gegen ben ©d^toabenl^eraog ^ermann, bet i^m 
mit Söaffengetoalt fein grbred^t ftreitig mad^te, fein 3tet baburd^ 
etteid^t, ba^ er ben grabifd^of Oon 9Jlaina au fid6 l^etübcraog unb 
Oon il^m feine Ärbnung in OToina burd&fe^te. 6tft nad^ biefem 



posuerat, cum pluribus regni principibus Aquisgrani venit, ubi r u r s u s 
ab Omnibus in regem eligitur et in aecclesia beate Marie a Coloniens*. 
archiepiscopo cum Maria uxore sua ungitur et consecratur. 

^ Chron. regia Colon. C (a. a. D.): Ibi rex consilio cum suis habito, 
ut principes suam Hb er am electionem secundum antiquitatis institutum 
non perdant, regium nomen et coronam deponit et ut concorditer ab 
Omnibus eligatur precatur. 

2 SRobenberg a. a. D. <B. 14. 

8 Stnbner a. a. D. @. 110. 



2. XPaltljers erjier Spxndiion nnb ber ftauflfc^e Hetc^sbegriff. 241 

movalifd^en SSotfftimg fd^idte er fid§ an, butd^ einen S^lbjng ben 
degnet sut Slnerlennung )u jioingen. 

Sflt W^\pp, für bie jlauftfd^e hattet, für alle älnl^ftnget bet 
Keid^Sibee, ftanb im 3uni 1198 ^ISed auf bem Spiel. W^^PP 
^atit butdg abtoatten nnb ttntetl^anbeln ol^ne Säflrgetltieg SltteS 
SU getotnnen unb auf legalem ädege butd^aubtingen gel^offt. 9lun 
toat et im Segtiff Med )u t^etlieren. & toat je^t bet le^te 
augenblid füt il^n, fein ftnienbed Snfel^en bot bem Untergang au 
betoal^ten unb bie flbetfiflgeinben gfottfd^ritte beg SBelfen nieber« 
jubrüden- 68 toat ber le^te SlugenblidC, um nod^ aud bem aU« 
gemeinen Sl^aoS einen 9luStt)eg au fudgen. 3e^t ober nie mu§te 
bem @taufen ein entfd^eibenber Sd^Iag Suft fd^affen: ein gtoger 
moralifd^er (itfolg unb ein Sieg ber SSaffen. 

jfeinen Moment im ganaen ^al^re 1198 gibt ed, in ben fo 
gut, fo lebenbig, fo )oit{unggt)oa bie Jllage bed 9ßaU]§erfd§en 
Sprud^ed fid^ einpaßte, bag aQe 9ted§tSorbnung gefd^n)unben unb 
bie @d§tanle a^if<^<n $enn unb Aned^t gefallen fei, n)o fo fel^r 
fein iammernbeS Stufen an ber 3^it toar unb Sßibetl^aS flnben 
tonnte, Seutfd^lanb felbft möge fid^ aufraffen unb bem legitimen 
Jtönig bie l^eilige Jhone auffegen, t)ot bet bie inneten unb Äußeren 
S>t&nget beS 9teid^d, bie übermfttl^igen gffltften tok bie gierigen 
armen Aönige fd§eu autüdCueid^en mflrben. Jtein SRoment im 
ganaen ^af)x 1198, too ba8 SSetlangen nad^ ber feierltd§en Krönung 
in ben ]§et{0mmlid^en gformen mit ben eckten 3nfignien, nad§ einem 
impofanten 9ct öffentlid^er Segitimirung ber 9EBa]§I, nad§ 
il^rer ibealen äöeil^e, fold^e Sebeutung Ifobtn tonnte als nad§ 
ber Jhtnbe bon Ottos 6t]§ebung in Jtöln. Slbet aud^ in teinem 
atoeiten Moment toat ein foId^eS Sebütfnig borl^anben, biefen n)ud§" 
tigen SlppeQ an baS politifd^e ®e)oiffen ber Station loeitl^in au 
t^erbreiten ald ie^t, n)o bie 9ifldCte]§r beS ]§etbortagenbften unb 

SSutbac^, Saliner oon ber SSogelweibe. 16 



242 Unterfuc^ungen. 



entfd^Ioffenfien SotlftmpfetS bet ftauflfd^en atet^dpattei ben Um- 
f(!§lDung nad^ bem ^eraen äBaltl^etS l^etbeiffil^tte. 

Son ben abtoefenben l^ol^en Xeid^dbeatnten toat, )t)ie gefagt, bet 
©oftatialer be8 tjetftorbenen flaifetg, flontab bon Ouetfurt, »ifd^of 
t)on SBürabutg unb ^ilbeSl^eim, guetft in Seutfc^knb eingetroffen. 
2)a^ er {td^ nic^t für ben jungen gf^i^bnd^. bem et bod^ jtnei 3Slal 
gefd^moren l^atte, fonbem fofort unumlounben ffit ^l^ilippS eigenes 
loitHid^eg Aöntgtl^um etllätte unb auf bet SteUe an feinem $ofe 
bad jtanaletamt übetnal^m, gab baS entfd§eibenbe SSeifpiel, baS 
fd^on SutlatD t)on Urfpetg (oben @. 218 anm. 3) in feinet Sie« 
beutung etfannte. 

3e^t enblid^, nad^ bteimonatUc^em 3^g^nt unb StodEen, lam 
in bie @ad^e $]^iUppd Seben, Seioegung, jfül^nl^eit. Set jfanalet 
^eintid^g VI., bet au8 bem Dtient l^etbeigecilt toat, Btad&te ba8 
S)etmäc^tni8 beg gtogen lobten ]§eim: bie 3been bet ftaufifd^en 
9leid^9gemalt, augleid^ bie Snetgie unb Umfid^t unb aud^ bie Sift 
ienet impetialiftif d&en ^poUtif, bie et öot fut^et Seit etft 
untet ben ^ugen M @eti)aUigen ald obetftet SSetJoamädgtigtet bet» 
tteten l^atte. 

W^^PP getoann au Anfang 3uni 1198 ^ butd& bie Kütflel^t 
biefeS 3Ranneg bie (Sinftd^t au bet bif^lomatifd^-politifd^en Slction 
unb ben 9ltm au ftiegetifc^et Z^at 



* 2)ie Seit ergibt ftd^ au3 folgenber ©rroägung. Unter ben au8 
^aläftina $eimge!el^rten Befanb ftd^ aud^ SBalram oon Limburg, gi^m 
würbe ba$ ©ommanbo über bie §ilfätruppe anoertraut, bie ^^ilipp nad^ 
Slad^en roarf, alä er bie S^ad^rtd^t oon Dttog SQBal^I (6.-9. Suni) empfangen 
l^atte (SBinfelmann 1, 63. 83). S)te ^Belagerung ber oon SBalram oer* 
tl^eibigten @tabt *burd^ Otto begann fd^on am 18. ^\xnl SJor bem 10. ^uni 
mu^ SQBalram alfo bereits bei ^l^ilipp in SöormS geroefen fein. 3)er banaler 
Äonrab, ber ben 2^ob beä ^aiferö juerft erfahren unb am 1. gebruar bie 
S^lücfreife angetreten l^atte, geroi^ nidjt fpöter. . 



2. Waltliexs erfter Sprud?ton unb ber ftauflfd^e Het(^sbegriff. 243 

SaS erfle aSetl beS l^eimgelel^tten jfanaletd loar bie nnfd§&blid^« 
mad^ung bed l^interliftigett ftönigS t)on gftanlteid^. Set SSerttog, 
ein Weifteiftüd in bet bamaligen tieWottenen Sage, baS man nid^t 
mit bem 3Ra|ftaB mobetnet nationaler ^olitil benrtl^eilen batf, 
unb %mi% etleid^tett butd^ Aonrabd ftfil^ete Sejiel^ungen an $arid 
unb Sftantteid^ (f. oben @. 53. 187 f.), banb ^l^ili)))) SlugnftS 
Böatoittiflen 3nttiöuen ffir einije 3eit toeniöftcnS bie ^ahbc. 

^WPP ^atte in fortn)a]^tenbet 9ngft fd^toeben muffen, eS 
lönnten bie eifrigen 9emfl]§ungen beS $apfte@, an)ifd§en $^iti)))) 
Sugnft nnb bem Aönig i)on (Snglanb eine beflnitibe SluSföl^nung 
]^etbeiaufü]§ren, (Erfolg ]§aben. (Sine foId§e 9iaiance l^fttte natürlidg 
gegen il^n il^re bo))))elte @t)i^e gerichtet. Sem ti)arb burd§ ben 
t)iel gefd^ottenen SSertrag aunftd^ft borgebeugt unb ^l^ilip)) bie 
gianfe frei gemad^t für feinen fjelbaug im fflbtoefilid^en ©renagebiet. 

Sie näd§jie Solge ber erftarlenben 5Jolitif ^l^ilipps toar ber 
aielbetougte j{riegdt)lan^ burd^ ben ie^t Sd^Iag auf @d^lag 
bie Partei Cttog niebergeioorfen toirb: erft burd§ einen 3ug gegen 
ben Sifd^of bon Stra^urg unb ben @rafen tion Saggburg, um 
ben elfftfftfd^»burgunbifd§>normannifd§en Wad^enfdgaften ein Snbe au 
bereiten, bann burd^ bie ^eerfal^rt aur SJlofel unb aum ^lieber» 
rl^ein , gegen bie eigentlid^e ääaft^ ber Wad§t Ottod ^ enblid^ burd§ 
bie Ct^erationen gegen ben feinblid^en Sanbgrafen öon Zl^üringen. 

9ud^ bie jhönung ^l^ilippS burd^ ben burgunbifdgen (Srabifd§of 
ä(imo bon Sarentaife ift bamalS geti)i^ borbereitet toorben. SRag 
in ber SBal^I biefcS 3Jlanne8 eine Serlegenl^eit crfannt toerben toegen 
ber immer nod& au8fte]§enben ^eimlel^r beS berufenen SJottftredEerg 
biefer ^anblung, beg (Srabifd^ofS bon Waina: {td^erlid^ lag aud^ 



1 33urfarb oon Urfperg (Mon. Germ. Scr. XXin, 367): Philippus itaque 
prudenti usus consilio censuit primum eos, qui viciniores erant, bellis atte- 
rere et suo dominio subiugare. Quocirca . . . Alsatiam petiit. 

16* 



SI44 Unterfuc^nngen. 



))olitif(4e a({td§t batin. 3Ran l^tte einen anbetn betttf<i§en Aitd^en- 
ffltflen gleid^en 9tangeg bod§ tool^t ftnben Unnen. Wan to&l^Ite 
ben Sutgunbet, um im Sinn bei nntbetfeSen i(aifet))oIttiI bot ber 
äßelt nnb nanientlt($ bor ben bntgunbifd^en ®¥0§en jn bemon« 
fhiren. SSenn bem Stoufer ber butgttnbtf($e Stsbifd^of bte Atone 
StaxU bed ®toBen auffegte, bet SRehopoIit gerabe jeneft SanbeS, 
mo feit abod Libellns de Antichristo bie national -fcanadftfd^e 
))oUtif($e ^topaganba, bet Slanbe an bie fünftige SBeltl^ettfd^aft 
bet ftan55ftf($en Station, nie getu)^ ]§atte, fo betiftnbete bieS im 
Sinne Sßaltl^etd, im Sinne bet ftaufifd^en ateid^Sbocttin: $pit))> 
ift getoiat, ben Segtiff beS Steid^d an todS^xm nnb bet Xtabition 
feines SSatetd nnb feinet Stubetd folgenb and^ an ben Siedeten beS 
9tetd^d auf Surgunb f eftaul^alten , bem bebtol^lid^ toad^fenben 6in- 
fln| Stanlteid^S anm Zto^. 

3n jenen Sßotmfet Zagen bfltften aud^ $l§ilip))d Setl^anblnngen 
mit bet Sutie il^ 3iel etteid§t ]§aben: bie Söfung bom Sann, meldte 
bie SSotbebingnng fein mngte feinet jfcönnng nnb allgemeinen 9(n* 
etlennnng. Seit $ftngften befanb fld§ bet abgefanbte bed $a))|ted, 
bet Sifd^of bon Suttt. an ^l^ilippd ^of \ Uebet bie 3ett, tocain 
et, gegen ben SßiQen ^nnocena', ^m\pp bom Sann loSfptad^, flnb 
oit nid§t untertid^tet. 3d^ möd^te betmntl^en, ba^ aud§ biefet 6t- 
folg $]^ili))t)S, ben bet Stfd^of fteilid§ Balb mit bet f äfftltd^en ttn- 
gnabe nnb feinet Slmtdentfe^ung Bügen mugte, bet bi})lomatifd§en 
ffunft Aontabd bon Ouetfutt t^etbanlt toutbe nnb Snbe 3uni fld^ 
ooQaogen l^at. 

Samate, glaube id^, ift füt bie diegietungSpoIitil $]§ili))fd bon 
feinen foeBen eingettoffenen militfttifd^en nnb ))oIttifd§en Sel^ftlfen 
ein fefted $togtamm enttoorfen nnb butd^ folgenteid^e S3efd^Iüffe 



1 SBtnfcrmann 1, @. 178. 



2. Waltl^exs erfter Spxuditon nnb ber ftaufifd?e Hetc^fsbegrtff. 245 

in älngtiff genommen lootben. (SS foUte bie ^au))taction totbeteiten: 
bie Atdnung $]^Ui))))g\ Unatoeifell^aft tft batet aunäd^ft ber 
legitime £}tt Sa^en nod^ in 9lttdftd§t genommen todtben. Ißl^iU)))) 
mad^te, ald bie ^lad^tid^t oon CttoS SBal^I einteaf, einen Setfud^, 
biefe Stabt au entfe^en unb \>ox Otto au tetten^. SamalS 
l^offte er immer nod^, an ber Stätte XaxU beft ®ro|en fld^ ben 
äSaifen auffegen au tonnen. (Sd l^at ettoaS a3erfü]§rerifd§e8, 
SEMtfftx^ Sprud^ in iene Sage au tierlegen: ber Sd^lugberd bef&me 
bann auglttdg unmittelbar eine Iriegerif d^e Spi^e : ,,an ber ]§eiligen 
St&tte, bie toir bem armen ffdnig entreißen tooQen, nierben mir 
f^f^itipp bie Arone Aartö aufS ^aupt fe^en/' 

$]^ili))|) mar t)on ber Slad^ri^t ber SBal^l Ottod förmli^ 
überruml^elt morben. 9lttr eine Heine Zxuppt termo^te er nod^ 
f^neU nad^ Slac^en a^ merfen. @leid^a^itig fe^te er aber mit aSer 
aitad^t unb Sd^neEigleit bie Stüftungen fort: a^^i^ Stadien capi» 
tttlirte bereits am 10. 3uli unb bie Arönung OttoS, bie atoei 
Xage nad^l^er bort ftattf anb , mar nid^t mel^r au berl^inbern , aber 



^ 3)ax)on fprid^t ber SJertrag mit bem franjöfifd^cn Äönig töte oon 
einem gefiederten unb naf) bcoorfte^enben Vinietmf)mm (Mon. Germ. Leg. 
IV Const II, 2): Et quando Deo volonte coronati faerimus in impera- 
torem, has conventiones regi Francorum renovabimus et sigillo nostro 
confirmabimus. S)en 2luäbrucf Imperator gibt bie @peierer gürftenerüörung 
^l^tCipp (oben @. 218 9lnm. 2) nadj feiner SBal^l. 9luc5 Snnocenj fprtdjt 
toieberl^oCt (f. unten Unterfud^ung 3) t)on ber imperatoris electio ber f^rften. 
SOi^eint ber Vertrag bemnad^ nur bie Krönung in Slad^en? ^enn er bie römifd^e 
5^rbnung im ^uge f)ai, fo .tft baran ju erinnern, bag aud^ btefe bereitiS 
1199 oon ben gürften bem ^apfte angefünbigt rourbc 

^ Annal. Marbac. (Mon. Germ. Scr. XVII, 169): Audiens Phylippos 
regia Ottonis electionem trecentos milites cum multis aliis scutiferis 
Aqoisgranum misit, ut et regem Ottonem ab ingressn civitatis arcerent 
et sibi civitatem et sedem regni servarent. Sed Otto rex cum suis 
adintoribus ipsam civitatem obsedit et in tempore messis cepit atque in 
sede regni triduo sedit ipsamque civitatem fidelibus suis custodiendam 
commisit 



246 Unterfuc^ungen. 



$]§tlip)) t)etmo(i§te biefen @te{ beS @egnetS bod^ fofott mit einem 
SinfaQ inS SIfa§ au Beanttootten, bet ben toelflfdgen ^Inl^attg im 
Sübtoefteti untetbxfldEen unb bte (8efa]§r afiioenben foUte, tion atoei 
feinbli($en Angriffen in bie Witte genommen ju loetben. 9Bit 
toiffen nun fteili($ leibet ni(!§td 9lä]§eteg übet ^l^ilippd UTft)tüng« 
(id§en £)))etationS)>Ian. äBat iene^ ^eer, bad je^ gegen ben 
IBifd^of bon @tta|butg geffi]§tt toutbe, ftfll^et aum (£ntfa| bon 
aad^en beftimmt getoefen? 6S lAge an ftd^ ted^t tool^l im Seteid^ 
bet 3R5gIi(i§Ieit. SBer eS fd^eint, als l^abe $]^ili)))), nad^bem ein- 
mal Ctto bie Selagetung Slad^enS begonnen l^atte, leinen etnft- 
l^aften SSetfud^ gemad^t, eS au etobern. SSielmel^t ]§at et, bünit 
mid^, auf bie bottige ^nt^tonifation botlftufig gana betaid^tet unb 
fein 9lnfe]§en auf einem anbetn äBege neu au Begtünben gefud^t. 
Sie gffl]§tet beS nad^ ^ad^en gefenbeten doxt^, ba$ ftd^ bann 
am 10. 3uU etgab, toaren bet 9teid^Sttud^feg ^eintid^ tion 3BaIb- 
butg ^ unb bet eben l^eimgelel^tte junge ^eintid^ bon Simburg. 3n 
jenem , bet bem mäd^tigften l^etaoglid^ fd^to&bifd^en Winifterialen* 
gefd^Ied§t entfptoffen toat, in bem elf&fjtfd^en Steid^gminiflerialen 
Aonrab \)on @d§atfenbetg, bem ^ßrotonotat, unb im ffanalet jtontab 
t)on SBfitabutg, mflffen loit bie beftimmenben 9tatl^gebet $]§iIi))t)S 
unb bie Utl^ebet feinet im 3uni gefaxten Sntfd^Iüffe etlennen. Sie 
SBenbung gegen ben Sifd^of bon @tta|butg bütfen toit abet lool^l 
ol^ne 93ebenten auf bie Sinflflffe bet etften beiben Wannet autfidE« 
füllten: toie bie Koalition beS SttaPurget Sifc^ofS mit @tabifd§of 
^Abolf t)on Stbln nut ein ^ct bet 9lot]§toe]§t toat gegen bie Um* 
üammetung butd^ bie ftaufifd^en ^auSgütet bet fd^to&bifd^en unb 
9ieid^dminiftetialen, fo loat ed natiltlid^, bag biefet auffttebenbe AtetS 
bet Wniglidöen Sienfimannen feinetfeitÄ in eingetoutaeltet ßifetfuc^t 



2Bin!crmann 1, 30 Slnm. 3. 83. 



2. XValiliexs erfter Sprucf?ton nnb ber ftaufifc^fe Hctc^fsbegrtff. 247 

gegen bie tettitotialen anfptüd^e bed Vlainaet Stabifd^ofS unb 
namentltd§ ber niebettl^einifd^en fiitd^enffltften ^ auerft ben benad^- 
batten Stibalen unfd^&blid^ au mad^en unb and fetner Setbinbung 
mit bem Kölner ]§erausaubr&ngen fud^te. Sßenn iButlarb bon 
Urft)erg ben Sptan lobt (f. oben @. 243 Slnm. 1), Jo fprid^t auc^ 
bieg bafür: benn er ftanb, »ie fd§on bemerft, ben Sntcreffcn ber 
Steid^Sminifterialen fel^r nal^e. 

Siefen ftaufifc^en Winifterialen unb Steid^Sminifterialen erfd^ien 
9Raina, bie alte Slebcnbul^lerin bon Äöln unb Srter, aü toid^ttgfteg 
Sentrum, aU ftud^tbarfte Queue ber (5niglid^en Wad^t ^. 3}or ber 
Srl^ebung JfonrabS bon SEBittetebadg auf ben SRainaer Stul^I l^atten 
fie nadb ben Surgen unb (£in{ünften beS SrabiStl^umS bie $ftnbe 
auSgeftredCt. Seine Slbtoefenl^eit mu^te a^ fold^en iBerfud^en aufS 
9leue ermutl^igen. ^ter tiJoQten fie tl^ren eigenen S3efi| ausbreiten 
unb befeftigen; ]§ier, im gotbenen 9Jlaina, ba8 flanb für fie fefl, 
mu^te $]^ili)>pd Tönung erfolgen unb fo rafd^ aU möglid^. ^ier 
lonnten fld§^ fobalb bie bom (Slfag brol^enbe @efal^r nieber« 
gefd^lagen unb ber ganae Sanbftrid^ fflbmärts bid 93afel, nad^ ber^ 
breiteter ftaufifd^er Sluffaffung (f. bie le^te ^nmerlung) ber Jtern 
bed Aönigreid^d, ^ßl^ilipb gefid^ert mar, bequem bie übrigen Sn^ 
l^&nger auS bem Sflben unb Often S)eutfd^lanbS berfammeln. 



^ «gl. über biefen ®egenfa^ SRi^fc^ an ben oben (@. 219 2lnm. 2. 
220 Slnm. 2) genannten Orten unb feinen berül^mten 2luffa| „2)ie ober=' 
r^einifd^e Tiefebene unb baä beutft^e SRetd^ im aWittelalter", ^Jreuft. Sai^r* 
büdjer 1872, »b. 30, @. 258 ff. (aud^ in feinen 2)eutfdjcn ©tubien, »erlin 
1879); baju ©djroemer, Snnocenj IIL unb bie beutfc^e ^ird^e <S. 6. 

^ Otto oon greiftug. De gestis Friderici I, 12 (Mon. Germ. Scr. XX, 
359): Ipse enim [Fridericus Suevorum dux] totam provinciam a Basilea 
usque Maguntiam, ubi maxima vis regni esse uoscitur, paulatim ad 
suam inclinavit voluntatem; (SJunti^er üon $äri§, Ligurinus I, SS. 369 
(SRtgne 212, @. 341) fagt oon 3)lainj: Pene fiiit toto sedes notissima 
regno, räumt bann aber ber 5lioaIin Äöln ben SJorrang ein. 



248 Unterfnc^ungeiu 



aSinleltnann l^at $]^iti))t)d Untentel^manfien toftl^tenb bed 
Sommers 1198 ))Ian- unb pfammenl^angdlofe taftetibe Setfu^e 
genannt: etft 1199, ald bie ^Ai^txxtn ^einri^ bon halben unb 
jtontab bon UetSIingen {td^ Bei tl^m nad^toeifen laffen, fei eine 
confequente Seitung in bie Ot)etQtionen gegen Ctto gelommen. 
5Dad ift, toie fo bieied bei StBinlelmann unb fo mond^em anbeten 
mobetnen ^iftoiifet, bem bann gläubig nad^gef))tod^eit toitb, teine 
Sonfhuction bom Stanbpuntt unfeter l^eutigen 9luffaf|ung. S)et 
3eit $^iti)>))8 galt baS Sanb atoifc^en Safel unb Waing aU »id^« 
tigfiet SSeftanbtl^eil beS 9ieid^d, i^n au gewinnen aß etfte unb 
notl^menbigfte SSatgfd^aft ber ßönigdl^etrfd^aft unb aOet fpäteten 
Stfolge. Set einfüge ^eraog bon Zuseien unb fein Setat^et, bet 
einftige Steic^Slegat fflt Italien unb Sicilien, {te i^etful^ten, toie fid§ 
bon felbfi betftel^t, fo, bag bie SBitlung il^teS Sotgel^enS auf bie 
3eitgenoffen maglid^ft gtoB fein mugte. 5Det AtiegSplan bed 
3a^reg 1198 loat, toit iä^ oben (@. 243) fagte, butc^auS aitl^etouBt. 

<£tn neuet Sfelbaug gegen ben Wittelpun!t bon DttoS SRad^t, 
gegen bie niebenl^einifd^e Siga, au bet bie obettl^einifd^^fd^mäbifdgen 
]§etaogItd^en unb Uniglid^en Winiftetiaten feit langem in tief be» 
gifinbetem focialen @egenfa^ ftanben, mod^te aufgefd^oben toetben. 
(Stft bet gto|e motalifd^e Steg in 9Raina! Stfi bet ^pptiti Don 
bem angemaßten )>ribitegirtrn SS^a^Ited^t bet btei tl^einifdben We> 
tto))oIiten, beS ^falagtafen bei 9t^ein, bei ^etaoge bon Stabant 
unb Sknbetn, an einen neuen ettoeitetten Stxti^ bon SBftl^letn. 
2)em atiftoltatifd^en 3ug ber (£nttt)idE(ung bed 3Ba^lted^t& 
gegenübet, ben bie mittel- unb niebett]§einifc!§en gütften Befötbetten, 
gdl^tt in biefen nac^ 3Rad^t unb @ut lüftetnen Beamten beS 
etblid^en ^önigtl^umd bet entfc^Ioffenfte SBibeiftanb. SBon 
Slltetg »atb bet beutfdge Jtöntg unter Setl^eiligung beS ganaen 
fSolU^ getoä]§tt. SBol^l toat bie eigentlid^e SSa% 9lomination unb 



2. Waliliets erfter S^xud^ton unb 6er ftanfifd^e Hetd^sBegrtf. 249 

Clection, Iftngft ben (Bto|ett anl^eimgefaüen. 9((er, toenn bet (8e- 
banfe bet (Stbmonat^ie butd§ bie niebertl^einifi^en Sffltflen au fSfaS 
gebcad^t toac, foQten {te je^t aud^ bie 3^^^ ^^^ mal^Ibered^tigten 
$etfonen nad^ i^ren StanbeStnteteffen einfd^tftnten? Sollte ben 
(Btafen bie Zl^eilnal^me an bet ßlectio, foQte ben fteien ^enen 
unb SRiniftetialen boS Sted^t bed Gonsensas genommen obet oot* 
entl^alten, foQte bie Sebeutung bet ^ulbigung, bet ^cclamation 
unb bed 3:teueibd, tootan gfütflen, Slbel unb Soll gleid^ettoeife 
Xl^eil nal^men, ]§etabgebtfldEt loetben? Unb baS au einet 3eit, loo 
in 3tatien beutfd§e gfteil^enen unb SRiniftetialen aU beutfd^e 
Xeid^beamte ben Stong bon @tafen, ^Ratlgtafen, ^etaogen et« 
teid^ten? So modalen jene äteid^dminiftetialen etBittett fragen, 
unb toaS tonnte man batauf ettt)ibetn in einem 9(ugenbtidE, n)o 
fid^ bet SetfaS bed gfeubalftaated anlünbigte, too in bet SSetloal- 
tung bet obetitalifd§en unb mittelitalifd^en 9ieid^tettitotien ^ baS 
benlloütbige, e)>od^emac^enbc iBeif)>ieI einet neuen Otganifation beS 
Staates gegeben toat, inbem bott Iftngjt bie öffentlid§en 93efug> 
niffe nid^t mel^t aU Selben unb nid^t b(oB an bie ^öd^ften untet 
bem alten ®ebutt8abel, f onbetn ate 9( m t unb aud^ an bie niebetn 
unb iüngften Alaffen bed SlbelS übetttagen toutben! 9lm ^of au 
aSotmS fanben bie auffttebenben 9leid^dminiftetialen bie leiben« 
fd^aftlid^e 9lnttt)ott: in Waina, in bet Iitd§lid§en äJtettopole beS 
beutfdgen 9ieid^d, foQ unfet König aud bem ftauflfd^en ^aufe, bem 
toit bienen, bot bem ganaen SSoUe bie legitime fttone em))fangen 
unb bon allen St&nben ^ulbigung unb Steufd^lout entgegen« 
nel^men. 

3n bie 3sit, ba betattigen (Sttoftgungen bon $]^ili)))>8 Xat^« 
gebetn eS gelang, feine iutiftifd^en Sebenlen unb feine autüd- 



^ SJgl. l^ierüber bie roid^tige S)arlcgung gicierö, gorfdjungen jur 
Sleid^ä* unb SRcd^t^gcfd^id^te Stalieng I, 272 ff. 279 ff. 



250 Unterfud?ungen. 



]^a(tenbe SBotjtd^t )u fifieraeuaen, ba bet gtoge ^oftag in ataitia 
]üx bie Atönutig unb ^ulbigitng fejlgefe^t toaxb, l^aben toir 
äSaltl^etd Sptudg au fe|en. 

„S)te gütfieti ftnb au möd^ttg" tief er, iitib toixllid§ l^aben 
{td§ an biefet Slainaec Sßa]§I, i^ulbigung unb fftönung nur loenige 
bet Sfürflen betl^eißgt, bie im ^täta W^^PP geU)ft]§U l^otten. Set 
(£ta(ifd§of Subolf t)on StagbrButg (lieB au ^aufe. Sta6if($of 
abaKett t)on Salabutg {am niii^t, toeil il^n feine Stiniftetialen 
gefangen l^atten. Sud^ ^etaog Subtoig t)on fßaitxn fd^eint nid§t 
in TOaina getoefen au fein. 3m l^eiligen ßanbe bcfanb ^d^ immer 
nod^ (Stabif^of Jtonrab t)on Staina; au(i§ 9ifd§of SBolfget bon 
$affau tnat nod^ nid^t eingettoffen. $)on ben inatoifd^en auS bem 
Otient ]§eimgcfc]^tten Surften l^ielt fld& Sifd^of ©atbolf bon ©alBet« 
flabt lange böUig neuttal; ob bet fpdtete Snl^ftnget ^l^ilippd, 
Sietrid§ t)on Steilen, fld^ einfanb, bleibt minbeftend atoeifell^aft. 
Sanbgtaf ^etmann bon Zl^fltingen, fein @($iDiegetbatet, fd§loB ^^ 
nad^ feinet SlfldCIel^t fofott Otto an. SUetbingd toat ein ab* 
tt&nniget ^fll^tet bet toelflfd^en ^attei, Srabifd^of 3o]§ann bon 
Stiet, aut @teQe. Slbet et fo to)enig ald bie übrigen antoefenben 
8ifd§öfe toagten ed, bem ^5nung8acte in bet Ktd^Iid^en amtS« 
ttad§t, in ben $ontiftcaIien, beiautool^nen ^ 9ud§ bie ^iftotifd^en 
Serid^te fieHen — - mit auSnal^mc bet ettoa» fd^önffttbetifd^en ultta» 
ftauflfd^en Starbadget 3lnnalen — butd^aud ben 9(nt]§eil bet nid^t« 
fütftlid^en Slnl^anget, bie 5ffentlid§e ^ulbigung, bie Segeiftetung 
bed SSoUd in ben SBotbetgtunb (f. oben @. 239 Snm. 1). & 
gefd^al^ alfo toitHid^, loaS Sßaltl^et geloünfdgt l^atte: nid^t bie 
pribilegirten, flbetmäd^tigen Sffltflen, „bie beutfd§e 3unge'' iubelte 
in ataina bem neuen ftaufifd^en Stöget bet alten Äaifetftone au. 



Sßinfelmann 1, 136 2(nm. 3. 



2. XPalttjers erfier 5prud?ton nnb hex jiauflfc^fe Hetc^sbegriff. 251 

Siefe genaue SBergegetito&ttigung bed ganzen 93etlaufd ift 
tDt^tig, loeil babutd^ Dielleid^t fidg bie gftage nod^ Bejlimmter U» 
atttoorten l&Bt, loann SBaltl^erd Sptu^ entftanben unb aum etften 
9lal t^otgettasen ift. Sefd^al^ eS unmitteUat na^ bet Jhtnbe t)on 
Ottos SSa^l, als baS ^ilfScorpS untet SBaltam t)on Simbutg 
bottl^in abging unb ^l^tlipp nod§ an bie Atönung in 9lad§en 
badete, bann fiele et jtoifd^en ben 10. unb 12. 3uni unb bie Sluf' 
fotbetung beS Sd^IuffeS ent]§ielte nur ben Sinn, man foSe ^^ilipp 
xaf4 mit bet legitimen Atone am legitimen Otte ttönen. 3ft bet 
Sptud^ etft ettoaS fp&tet berfagt, nad^bem man bon bem SSeginn 
bet Selagetung gel^ött l^atte, bann lommt e8 eben batauf an, ob 
bamalS nod^ am $ofe ^l^ilippS su SBotmS bie Hoffnung beftanb, bie 
Atönung im befteiten 9[q^en, nad^ einem {tegteid^en Kampfe gegen 
CttoS ^eet au feietn, obet ob man biefe gefal^tboUe (Sntfd^eibung 
auf einen SButf betmieb unb eS bot^og, einem tafd^et au etfedgtenben 
Sieg übet bie ^atmlofeten gfeinbe bed SflbtoefienS im na^en 9Ratna 
bie fltönung folgen au laffen als motalif d^en Zxump]. Sief e 
atoeite 9lnna]§me betbient ben SSotaug: mit 9iüdCftd^t auf bie all- 
gemeine ConfteUation bet bamaligen SSetl^&ltniffe, auf $]§ilit)|)S 
Cl^ataltet unb fonftigeS SSetl^alten, befonbetS abet auf bie eben 
batgelegte entfd^eibenbe politifdge 9ioQe, loelc^e bie Steid^Smini« 
ftetialen, an i^tet Spi^e ^eintid§ pon äBalbbutg unb Aontab 
kion @d^atfenbetg, in ienet 3^it f))telten. 

So ettlätt ftd^ bie 9lennung beS 98aifen nid^t blo| , fonbetn 
fte getoinnt bie nad^btudCSboEfte Sebeutung. (£t ift bet ateptäfen* 
tant bet ed^ten laifetlic^en ^oninftgnien , bie untet bet £)b§ut 
bon aUeid^Sminiftetialen auf Sd^lo^ StifelS betoal^tt toutben 
unb benen ballet in feinem anbeten Staube beS beutfd^en äJolteS 
eine gtö^ete ))olitifd^e Sebeutung beigelegt toetben lonnte, als eS 
bon ienen gefd^al^: bet illegitime Jtönig mag fteilid§ am legitimen 



252 Unterfud^nngen. 



Ott ^ä^ ttönen laffen, a(et bie e^ten Kei^dinjtgnien , bie eci^te 
jhone mit bem aauberl^aften Stein, auS bet ^anb bei tiaschen 
zonge $l^tli)))) in feietlid^et Atönung flbenei^t, toerben biefen 
Sd^einttium))]^ but^ einen enbgflltigen Sieg betbunleln. SataitS 
eil^alten loit atö Satitnng: bie le^te ^unibelabe, tnal^rfd^einli^ 
ben 20. 3uni obet einen ber folgenben £age. Samate toutbe 
t)etmutp4 bie (Sinlabung a^nt ^oftag nad§ SRaina etlaffen, loo 
bie neue SSa% bie ^ulbignng unb bie Atönung ftattflnben foQte. 

Sie poetifd^e Umfd^teibung biefet Cinlabung Unnte äSaltl^etft 
Sptttd^ fein. 

3e^t etft ent]§üm fld^ bet boQe Sinn be« äSaIt]§etfd§en SSoxtS 
die cirkel sint ze h§re (9, 13). SBaltl^et )>toteftirt bamit im 
Sinne bet fKnl^änfiet beS ftauflfd^en (£tbl5nigt]§umd gegen bie Ueber« 
tteibnng unb (Einengung beS $tinci))S bed SBal^Iteid^S , gegen bie 
Snfptfi^e bet tl^einifd^en Sf&^ften, inSbefonbete bet tl^einifd^en Stj« 
bifd^dfe. ßt )>toteftitt im Sinne bet b^naftifdgen @eftnnungen 
bet ateid^Sminiftetialen unb Steid^Sbeamten. Cd ifl: bie 
Slnttnott auf iene äSetbäd^tigungen bet Segalit&t bon $]^Ui)))>d (Et- 
l^ebung, lt)ie fte OttoS äSäl^ler in Seutfd^lanb auSgeftteut unb not 
ben Qpoftolifd^en Stul^l gebtad^t l^atten. Unb eS ift bet ^pptü 
bet Sleid^dbeamten unb 9leid§dminiftetialen , bet ju (Bunften bed 
butdb fein iBIut legitimitten JtdnigS and bem (Sefd^Ied^t bet Staufet 
flc^ bon bem ^atticulatismud, bon bet Qifetfud^ti bon ben $tibi« 
legten bet gffliften toenbet an bie (Befül^le bet bteiten Waffe: an 
ben ganzen 9(bel, ®tafen, fteie fetten, Sleid^miniftetialen, bittet, 
unb an baS Soll. ,,SDie beutfd^e 3unge'\ bie Station, toitb ouf» 
getufen jut Sntfd^eibung flbet bie ^ettfdgaft bed Steid^d, flbet ben 
Seftl bed SBeltimpetiumd. 

Slbet inbem äSaltl^et fo einet begtenaten politifd^en $attei 
feinen Wunb teilet, f))tid^t et bod§ fd^on aU äBottfül^tet bet aU» 



2» XPaltljers erjier 5prud?ton unb ber jianfift^e Hetd?sbegrtff» 25S 

gemeinen 3nte«e|fen bed SatetlanbeS, als ein gfrennb unb Set« 
tl^eibiger beS fßo^U bet (Befammtl^eit. @d§on ]§tet etfd^eint baS 
ttel^eimniB feinet tounbetbaten i$&]§ig!eit, politifd^e (Sinftd^ten, 
Cm))finbttngen unb äBiUenSacte bem $ötet Dotauffll^en loie ein 
lebenbiged S)tama l^anbelnbet Stenfd^en, fii^on ]§iet bie unbegteif« 
liii^e ftunft, mit bet et ben &tt|eten, obiecttoen, Befonbeten anla| 
an einet etf($üttefnben ^(ngelegen^eit Don aQgemeinet 93ebeutung 
etl^ebt unb bann bod^ bad n)atme äxä^i feined ]§inteigenben Xtrtf 
t^etamentS, bie gfaxbenfftSe feinet petfdnlid^flen Snfd^auung batflber 
andgie^t. Unb bie Wufe beS Sid^texd, bie fo lange nut baS ^öflfd^e 
Softüm bed tittetlid^en SRinnefangd gettagen ]§atie, l^oU ftd^ ein 
neued ffleib and ben boEen Ztul^en bet boßdtl^ümUd^en Sage. 
Sie geftaltet bie S^mbolit bed mittelaltetlid^en gelel^tten Staate 
ted^tS in popul&xn SBeife um : an bie Stelle bet Socttin bon ben 
Snflgnien beS AaifetS fe^t fie bad fpielmftnnifd^e SRätd^en l)om 
»aifen- 

Set SSSaife ift bet loftbatfte Sbelftein in bet beutfd^en ff aif et« 
hone. Siefe ge§t bet Ztabition nad§, beten Sltet mit unbelannt 
i% auf ffati ben Stoßen aurfld. Sie Sage bom SBaifen, toxt fie 
in bie IleBetliefetungen bom «^etaog 6tnft aut 3^it ffontabs II. 
eingebtungen ift, eta&]§U bagegen, ba§ bet unt)etgleid§lid^e Stein 
aM bem Ctient ffit Otto ben @to§en ]§eimgebtad§t ti)utbe, bamit 
et il^n in feine Jhone fe^e^. Sie fftone Ottod toat abet nad^ 
bet Suffaffung bet Seit nur bie erneuerte Atone ffatlS beS ®ro|en : 
bet Sßaife, bet in fte gefügt tootben toat, gleid^fam baS geid^en fflt 



^ SJQr. über ben SBaifen 3». §aupt, Scitfdjr. f. beutfd^eS 2lltertl^um 1, 
227. 278; 3. ©rimm, a)eulfdje SÄ^tl^ologie @. 1168; TtHUl^o^h. SBörter^ 
bud^ m, 560; i«. SBartfd^, ©eraog @rnft. SBien 1868, ©. XCn. CLXff. 
96 f. (fß. 4445 ff.) 271 f. 



254 Unterfuc^nngen. 



baS SBiebetetftel^en feinet ffaifetl^etrlid^Ieit. Set äSaife ^at nad^ 
bet @Qge, bie SSaltl^et bei feinen ^ötetn t^otoudfe^en lonnte, 
iDunbetbate Cigenfd^aften unb Sßittnngen. 3Bit loiffen babon fteilid§ 
aum X]§eil etft ouS fp&teten beutf^en 9lec^töBfld^etn, bflrfen abet ol^ne 
S3ebenlen toaS {te betid^ten in bie Sage beS a^^Iften ^al^tl^unbertd 
aurüdübethagen. 3n bet (Bloffe jum Sonbted^t beS Sad^{enf))iegen 
l^ei^t eS: darinnen stehet ein waise nnd das bezeichent nns, das 
er Bol gedencken, das er ein könig sey nber alles volck 
das got an dem crentz erworben nnd erlösethat; so 
bezeichnet der waise in dem nacken, das er allain ist nnter an- 
dern lenten nnd nnter allen steinen der Oberst ist. Unb nod^ 
bebeutfamet. baS (Sifenad^et Sted^tdbud^: orphan bedütit sich ein 
weise, nmme daz man stn nicht m^r vindin kan; als6 sol man 
onch nicht m^r koninge vinden, di dem keiser glich 
stn. S)a ]§aben mir benn bie ttefflid^fte S^mboUI ienet ftauflf($en 
Sl^eotte Don bem Sottang bet ftaifetmütbe, t)on bet Obetl^ol^eit 
bed AaifetS übet alle Jtönige, toxt idg fte oben (@. 174 ff.) füt SäaU 
tl^etS @))tud^ nad^juloeifen fud^te : toet ben weisen im 9ladEen tt&gt, 
Dot bem ftnb aUt anbetn Aönige arme kttnegel (Stft butd^ bie 
t)on mit betlangte Sntetptetation biefeS 3udbtudES belommt bie 
9lennung beS SBaifen am Sd^lu^ feine tiefe Sebeutung. Set 
SBaife foU abet aud^ eine aaubetl^afte ihaft l^aben: nad^ SllbettuS 
SRagnud^ ..betoal^tt et bie »nigUd^e SBütbe''. 3m 3uni bei^ 
Salutes 1198 tonnte mand^ jfleinmütl^iget unter ben Slnl^ftngetn 
$]^ili)))>d fütd^ten, ba^ il^m bie butd^ SSa^l betliel^ene Adnigd- 
toütbe Don Ctto toiebet enttiffen toetben wfltbe. S)em entgegnet 
SBalt^etg 3utuf mit bem Derftänblid^en Silbe: fe^t il^m nut ben 
Sßaifen auf, fül^tt il^n nut l^inaud in bie feietlid^e SSetfammlung 

^ 2BacIcmagel bei @imrocf 2, 127: Fertur autem quod honorem servät 
regalem. 



2. Waltliexs erfter 5prud?ton.unb ber ftauftfc^e Hetd?sbegriff. 255 

Hot bie gfütflen unb bod ganje 93oU jut Jhönung, bann mtTb il^n 
(Si&d unb Vlad^t unb bet löniglidge 9lame nid^t mel^r betlaffenl 
Unb aus bet nftmlid^en älnfd^auung atel^t SBaltl^er feI6ft bann 
toenige äSod^en ft)ätei (f. oben @. 45) in SJlaina bie Sonfequena: 

swer nü des rtches irre gö, 

der schouwe wem der weise ob stme nacke st^: 

der stein ist aller fürsten leitesterne. 

2)teS l^et^t: lote einft bem ^etjog ßtnft unb feinen ©enoffen, 
aK fle auf fd^toanlem gflofe bie tobbrol^enbe Sfal&rt burd^ ben ©trubel 
beS bunleln Sfeföfd^Iunbed sagten, bet ©ttal^I beS magifd^en SBaifen 
aufteud^tete unb ben SuStoeg ind gfteie toied, fo toitb bet SBaife 
übet bem 9ladEen beS geltdnten $]^ili)))) ben nod^ tatl^lofen unb 
unfld^etn gföi^ften'auf bet gefdl^tlid^en Sttfal^tt butd& bie 9lad^t be8 
Xl^tonftteitd alS ^olatfletn bie tid^tige iBa^n jeigen, bie iuS |)eQe 
ffil^tt, jum f^tieben unb aum allgemeinen @IüdE. 

Sag SSoII foQte — fo l^atten eS ^l^ilit^pS SRatl^gebet im Suni 
befd^loffen — bie neue Söal^l unb ^&ulbigung bet fjütften 
dffentlid^ nad^ altet Sitte bezeugen unb butd^ ben eigenen 
lubeinben 3utuf beifiimmenb beltftftigen. äßaltl^etS 9teime flogen 
butd^ bie beutfd^en Sanbe unb getoannen bem ftauflfd^en jfönig 
bie ^etaen ffit jenen toid&tigen Jag : fie Ralfen bie impofante Äunb- 
gebung botbeteiten, bie fid^ bann in ^aina am 15. Sluguft obet am 
8. Septembet ^ nad^ ^l^ilippd StüdEtel^t aud bem flegteid^en elfftfftfd^en 
Selbaug boüaog. 

Sie gotbetung beS StanbeS bet SReid^dminifletialen l^at 
aSaltl^et umgett)anbelt in ein unabtoeiSIid^ed @ebot bet nationalen 
9tot]^toenbigteit. St boQbtingt bieS babutd^ , baB et ben Segtiff 



* 2)08 2)atum fielet nid^t feft. ©eroöl^nUd^ nimmt man, o^nc redeten 
©runb, ben 8. September an: Sßinfclmann 1, 137 3lnm. 1. 



256 Unterfuc^itngen. 



M Adtiigtl^umd^ bet au (Btunbe liegt, bon iebet 9(ti))a|fun8 an bie 
Sebütfniffe einet Xaflt befteit unb il^n l^infteQt aü freie ä^erbin« 
bung immx aUgemeiner $rinct))ien: bet bon (Bott eingelegten 
Stbmonatd^ie unb bet Souuetänetftt bed Soltd. 3ene 
tietlünbet bet weise \ biefe bet SBunfd^, bag il^n bie beutfd^e 3unge 
$^ili)))) auffegen foQe. Sd finb tDettgefd^id^tlid^ei $tinci))ien: 
fte l^aben baS gefammte mittelaltetlid^e StaatSted^t, aUe (Bebanten 
bet mittelaltetlid^en Wenfd^en übet ben Staat bel^enfi^t. Hebet 
il^te SBetbteitnng unb Jtraft metbe id^ nod^ floatet au teben l^aben. 
Set logifd^e äSibetft^rud^, bet batin au liegen fd^eint, ha% bem 
butd^ ßtbfolge beted^tigten, bon (Sott begnabigten Jtdnig bod^ etft 
bad fouDetftne SJoIf bie Atone betleil^t; tDUtaelt ted^t eigentlid^ int 
tiefften ®tunbe beS bentfd^en mittelattetlid^en StaatSbetou^tfeind. 
9[ud^ batauf toetbe id^ nod^ ^nx&dtommtn. 

9lad^ aUebem (ann übet 3eit unb 9lnlag üon SBaltl^erS 
@t)tud^ ein 3^eifel nid^t mel^t beflel^rn: nid6t in Deftetteid^, fon« 
bexn am ^ofe $]^ilit)t)d. 9lid^t int gebtuat obet Wftta m&l^tetib 
bet !93orbeteitung bet erften äSa^I, aud^ nid^t bei bet gleid^gültigen 
(Selegenl^eit, aU ^^xlipt> ftd^ am Sonntage nad^ Oftetn, ben 
5. ^JlptU, autn erften ^al in äBotmS öffentlid^ mit bet Jhone 
aeigte^ SBeld^en matten Sinn l^fttte bad 9Q3aItl§etfd^e (Bebid^t, 



^ 2)ie alte beutfd^e Äaif erfrone, bie fogenannte corona aurea ber faifer« 
Itdjen ©dja^fammer au SGBien au^ bem 11. 3al^rl^unbert jeigt rechts oon bem 
mittleren gelbe baö 35irb beS tl^ronenben ©l^riftuS unb barüber bie 3n» 
fd^rift: per me reges regnant, f. gr. ^od, 2)ie Äleinobicn beS römifc^en 
SReid^eS beutfd^er Station. 3Bicn-Seip|ig 1864, 2:afer I. XXV unb ©. 9. 2)er 
©ebanle ber ©rbmonard^ie unb beS ©otteSgnabentl^umd oerbunben ^ 9. 
bei SBurfarb von Urfperg (f. oben ©. 151 2lnm.), bcffen Ucbercinftimmung 
mit SQBalt^er öfter l^ercortritt (f. oben ©. 49, unten bie Semerfungcn über 
ben erften unb britten @prud^ beö SRetd^ätonö foroic in Untcrfud^ung 3 bie 
©rflärung oon SBaltfter 25, 21). 

2 2)icfe 2)atirung be« Oebidjt« gibt SBtnfelmann 1, 79. 



2. Waltitexs erjier Sptndfion unö ber ftaufifd^e Kcid^sbcgriff. 257 

tDenn eS nidgtd märe afö bie Um^rei6ung beS bamafö geftu^eiten 
„SBunfd^eS. bag $]6iltt)p fo bolb afö ntöglid^ butd^ eine förmlid^e 
feierlid^e Axönuns fld^ aud^ ftu|ei'Itd^ als ber xed^tmftgige j^önig 
etloeife''. Unb t)on allem anbeten abgefel^en, loag id^ früher 
gegen bicfc Datierung im gftül^jal^r eingetoenbet ^ait — toie 
namenlos mug man SBattl^etS ftnnlid^e, auf bie Snfd^auung mit* 
tenbe ^oefie üexlennen, um il^m juauttauen, et l^abe in einem 
Sugenblid, tDO bet (SetDäl^Ite fid^ öffentlid^ mit bet fltone auf bem 
^aupt gejeigt l^at — unt amat bod^ ftagloS mit bet ed^ten, bie 
ben äBaifen entl^iett — , in gto|en äBoxten bie beutfd^e 3unge et« 
mal^nt, jie il^m etft nod^ einmal aufaufe^en 1 Unb aud^ nid^t ettoa 
Hot jenes etfte dffentlid^e Stfd^einen mit bet fitone am 5. %ptil 
batf man SBaltl^etS @ebid^t tietlegen; benn e9 lann nut einen 
politifd^unb fiaatStcd^tUd^ toitifamcn 9lct bet «uf jc|ung bet Ätone, 
b. ]§. bie toitfüd^e Jttönung Dotbeteiten, nid^t baS fotmlofe „@t^n 
untet fttone'', bad leinetlei bebeutenbe gfolgen füt bie äSenbung 
bed 3:^tonftteitS l^aben tonnte. 9lid^t aud bet gfetne, nidgt auS 
Ceftetteid^, fönnen biefe äBotte $^ilipp augetufen fein: fte mflffen 
aus bem Sd^og bet teid^dpolitifd^en Säetoegung unmittelbat l^ettiot- 
gegangen fein; benn fle l^aben bie gtifd^e bc8 im 9Jloment ge- 
botenen SebenS. 

3a idd toage ben momentanen S^ataftet bed ^pxuä^^ nod^ 
confcquentet unb bcfiimmtet au bcl^aupten. 3fl bet ganae Slatut- 
eingang Söaltl^ct a«auttauen, toenn et nid&t im ©ommet concit)itt 
ifti Sie beobad^tenbe S3ettiefung in bie betoegte fämpfenbe SebenS« 
füQe bet SBelt, in baS taufenbfftitig toimmelnbe ält'^men, Stegen 
unb 93eU)egen bet f^ifd^e im fliegenben äBaffet, aUet ungeaä^Iten 
(Sefd^öpfe in gfelb unb im belaubten 2Balb (8 , 31 loup) , Stol^t 
unb ®tad, in baS (Semül^l bet 9lmt)^ibien, bet 93öQel unb beffen, 
swaz bein zer erde hinget , in bie Atiege beS äBilbS unb beS 

SSurbad^, SBalt^er oon ber »ogeüücibc. 17 



258 Unterfud^ungen. 



(SelDÜtmd — fle ift ntd^t bettI6at im ^ära obet au Einfang beS 
9lt)iilS, mo bet beutfd^e äBalb nod^ fal^l unb ßumm fielet, mo 
bie X^uxtotii eben etft anfängt fid^ ben äSintetfd^taf auS ben 
Singen au mifd^en, mo faum bie etflen Singvögel eingeifldt ftnb, 
mo bet ßtbboben l^att, falt unb ^alb etflant bet fommetUd^en 8e« 
t)öltetung entbel^tt. &ttox% tnif^&li biefe tiefftnnige ^l^itofopl^ie übet 
ben 2)QJeindfampf aUet SQSefen nid^t einmalige, fonbetn mtebetl^oUe 
(Stfa^tungen, au9 betfd^iebenen Sommetn. Sbet bet Sid^tet gibt 
il^t bodg bie tünftletifd^e CinKeibung einet foeben gemad^ten, einet 
gegenmättigen 99eo6ad^tung. Unb bon einem $oeten, bet ftdg, toit 
SBaltl^et in feinen Spiüä^tn, fotttDäl^tenb an bie Sinne menbet, 
bet efe fo liebt, aud beb Slugenblid, aud bet ftd^tbaten, tealen 
Situation l^etaud feine @d^5t)fung au geftalten, möd^te id^ ntdgt 
annel^men, bag et ein bteited Situationdbilb bet 9latut mit au8« 
gefftod^en fommetlid^em S]^ara!tet bot feinen 3u^5tent au ent- 
toQen getoagt l^ätte, menn um fte bet ^Ulfttatoinb pfiff unb talte 
Siegen obet Sd^neefd^auet auf bie unbelebten gfelbet unb ben 
laublofen äBalb niebett)taffelten. 3ugeben tt)itb man menigftenS 
muffen, ba|, auetft im Sommet botgettagen, bet ßingang beS 
Sprud^S ungemein biel (ebenbiget unb padEenbet mitten mugte. 

äBegen bet SSeaiel^ung auf bie bon gftanfteid^ unb Sftnematf 
btol^enben (Sefal^ten mu|ten mit ben Sptud^ nid^t in ben 3uli, fonbetn 
in ben 3uni fe^en. @o etl^alten toit aud^ ben nötl^igen Spieltaum 
amif d^en bet Qinlabung aut fttdnung, bie. unfet Sptud^ poetifd^ 
umfd^teibt, unb bem Wainaet $oftag felbft, unb aud^ eine genflgenbe 
gftift füt bie beabft^tigte agitatotifd^e äBitlung bed Sptud^S auf 
bad beutfd^e 9}oH. 

3d^ faffe aufammen. giid^t in jenen 3Räta* obet aptiltagen, 
mo bie Winen bet tl^einifd^en (Stabifd^öfe nod^ nid^t il^te unl^eil« 
boQe äBitlung bettatl^en l^atten, fonbetn a(8 bie ^ad^t OttoS be* 



2. WalÜiexs erjier Spruc^ton nnb ber jiauflfc^e Hctd^sbegnff. 259 

lannt touxit, aß bet Settug ^bolfs r>on Aö(n ftdg entl^üKte, afö 
in Solge feinei; Slnfed^tung ber SegaUtftt tion $^ilt))))g Zl^fltinget 
äßa]^( eine neue SBal^t nnb ^ulbigung jt($ nötl^ig eitoieS, ate bie 
^önungSflätte ^ad^en bebtol^t toat, ate fid^ an aUen (Btenaen beS 
tfteid^S bräuenbe UntDettet aufammenaogen unb bet 9lame bed faifet» 
Ud^en SFmpertum ein leeret Sd^aU getDotben au fein jd^ien, als bet 
beutfd^e fttonftreit eine euro))ftifd^e Slngelegenl^eit getDorben toat, 
t)on bet bie Staatdorbnung StalienS, bie ^ad^tt^ettl^eilung a^if<4^n 
Cnglanb unb f^rantteid^, bie SteQung Sftnematld, bie 3utunft 
2)eutfd^Ianb8 abl^ing, aU biefen (Sefal^ren gegenüber man ftd^ enb^ 
lidg am ^ofe ^l^ilippS au planmäßigem, energifd^em |)anbeln 
tüßete, ba ergriff SQSattl^et bad äBort im 9lamen ber ftaufifd^en, 
nationalen äSeltpoUtit. 

S)ie Stimmung biefer 3(it banger ßrtoartung unb toeit- 
teid^enbet ßntf d^eibungen ft)r ad^ äBaltl^erS mud^tiged äRanifeft aud 
Dor einem publicum geftnnungSg(etd^et teid^Stteuer Sienet bet 
fiaufifd^en ^attei: ben ^Rutl^igcn toie ein fd^mettetnber fftieggtuf 
fefte Sorfft^e belräftigenb, bie 3^8^aften butd^ bad lebenbige Silb 
unertrftglidger Uebel aur entfd^loffenen Slbtoel^r anfeuernb, aQe für 
bie geredete Sad^e, für bie Stettung bed SSaterlanbS, für bie 
(Sinigung unb Sidgerung beS Steid^ed begeifternb unb nad^ ber 
äSetfe beS ed^ten Sid^terg über fid^ felbft er^ebenb. 

(Er tl^at eS, tDie td^ oben ^ti^U, mit @ebanlen unb Sorten, 

bie il^m bie ftauflfd^e Stetd^Sboctrin unb bie 2:rabition ber föntg« 

lid^en ftanalei übermittelte. Sarf {e eine 9}ermutl§ung auf SSafff 

fd^einlid^Ieit ^nfprud^ erl^eben, f'o ift ed bie : er ftanb, aU er fo bid^tete, 

in Seaiel^ungen aur SteidgSlanalei, fei eS au bem ^ilbegl^eimer unb 

SBüraburger Sifdftof flonrab bon Ouerfurt, bem banaler, ober au 

Äonrab bon ©d^arfenberg, bem ^rotonotar. 3d6 toenigjienS a^eifte 

17* 



260 Unterfuc^ungen. 



nxibti im %ufttQg eines iener (etben Sännet ifl SBaltl^etd etftet 
batixbatet t)oIitifd^et @))Tttd^ gebtd^tet lootben ald ein äBetI 
mittelaltexlid^et officiöfet ^ubHciftil. @ie ebneten 
il^m ben SBeg ^nm A5ntg unb au ienet fefteten Stellung im $of- 
amt, bie et (19, 36) {ubelnb bejeid^nete mit ben äBotten: mich 
hat daz riche und ouch diu kröne an sich genomen. 

Jer evße nnb 6er bviite ^pruc^. 

Sfüt baS aettlid^e SSeil^ftltnig bed etften @)) tu dg 8 bed 
9leidg8tong (8, 4 Ich saz üf eime steine) aum aioeiten (8, 28 Ich 
hörte ein wazzer diezen) mitb man fdgmetHdg übet bie oben 
(@. 43 f.) botgebtadgten SSetmutlgungen IginauS ju einet geftdgetteten 
IBeftimmung botbtingen. 

9lut eins mödgte idg nodg auSf))tedgen , maS, fotoeit mit be» 
lannt, biSlget niiibt genflgenb beadgtet tooiben ift: fo unbetfennbat 
bet innete fünftletifdge 3ufammen]^ang allet btei @))tü($e etfdgeint, 
Hon benen bodg bet jtoeite unb btitte um melgt aü btei ^a^xt 
aus einanbet liegen, fo getoil biefet 3ufammen]gang liom Sidgtet 
beabftdgtigt ift, fo felgt biel nftlget ftelgen einanbet bodg il^tem 3n« 
]§alt nadg bet etfte unb bet atoeite Sptudg. 3n beiben bie n&m* 
lidge jtlage übet bie @efe|« unb gftiebloftgleit, übet bie älnatdgie: 
im etften melgt bom teligiöS'motalifdgen @tanbpun(t^ melgt ))etf5n« 
lidg, im jtoeiten melgt politifdg unb aUgemein gelgalten. 3nbem 
SBaltlget füt ®ut, (Slgte unb (SotteSlguIb fteieS (8eleit etft bann 
etlgofft, menn gftiebe unb 9ledgt bon ilgten äBunben genefen^ 
beteitet et bie ßtfenntnig bot, bie bet atoeite Sptudg btingt: nut 
ein ftattet» legitimet fldnig lann Igelfen. S)iefe Uebetaeugung tlingt 
bann am Cnbe beS a^^^ten SptudgS in bem Slufruf aut feietUdgen 
Atdnung mit ben edgten SleidgSinftgnien auS. 



2. Wahlt^xs erfter Sprud^ton unb ber ftaufifc^e Ketc^sbegnff. 261 

©d^on oben (®. 172) fietttc id^ fcft, toie ber etfle Sptud& 
aus einem (SebanlenltetS l^etauStDäd^fl , bet ftdg na]§ mit ben Se« 
ttad^tungen ^l^ilippd in bem amtlid^en Seiidgt feinet Aanatei 
.über biefe geit an ben SPapfi betül^rt. Mti toid&tiget ifl nod^ 
ettoaS älnbered, loaS man bidl^er meinet 3Bt{|enS nid^t bemettt l^at : 
ber erfte Sprud^ beS Steid^StonS tuiU bereits unmittelbar in ber 
$^antafte bed $örer8 bad S3ilb ber AönigSirönung ermedCen. 

gfrieben unb 9led^t, bie l^ier ate lebenbe äSefen, berfolgt 
unb mf|]^anbelt burd^ Untreue unb @etDaIt, auftreten, bad toaren 
bie entfd^eibenben Segriffe im Formular beS amtlid^en @eIöbniffeS 
bei ber Jtrönung beS beutfd^en Aönigd. äBipo, ber ^ofl^iftoriograpl^ 
^onrabS II., berid^tet ^ bei beffen Jhbnung bie 9tebe bed fungirenben 
(Srabifd^ofS, mit ber biefer für ben Aönig baS Selübbe ablegt^. 
„®ott — fo Iä|t er il^n fpred^en — ertDortet baä öor Sttttem öon 
bir, bag bu Seiid^t unb 9ted^t unb gfrieben bem SBatertanbe 
fd^afffi." Unb öon Sriebrid^ I. befljcn ü3ir ben Söorttaut be8 
öffentlichen (8elöbniffeg, mit bem er feine ategierung antrat unb baiS 
naä^ feiner auSbrüdCßd^en ßrüftrung nur bie Sibedformel toieber- 
gibt, bie bei feiner Arönung unb ©a(bung ber ßrabifd^of auS« 
gefprod^en ]§at. Sarin berpflid^tet er fid^, bem gefammten il^m 
anvertrauten SBoIf ®efe^ unb ^rieben l^eraufteQen unb au 
l^aUen«. 



^ SBipo ©ap. 3 (Mon. Germ. Scr. XI, 260): Cum vero Deus a te 
multa requirat, hoc potissimum desiderat, ut facias iudicium etiustitiam 
ac pacem patriae. 

* 3la^ ber alten beutfd^cn Sitte burfte ber Äöntg nid^t in ^erfon 
fd^roörcn: 2Bai^, 2). SBerfaffungggefd^. 62, @. 474 ff., 479. 

^ S3ricf an ?apft ®ugen aud Codex Wibaldi (Mon. Germ. Leges 11, 
S. 90, Leg. sect. lY Constit 1, S. 192): Nos . . . regium animum indui- 
mus, tota mentis virtute intendentes, ut iuxta professionis nostrae formulam, 
quam ab orthodoxis praesiilibus in ipso regni throno et unctione sacra 
accepimus, . . . universo populo nobis commisso legem et pacem facia- 



262 Unterfud?ungen. 



S)er Sprud^ ift alfo auf ben Reiben (Stunbbegtiffen bed 
jttönungdeibed aufgebaut. 9lu fid^ lann man bad boppelt 
auslegen. Sntmebet in bem Sinne: ,,UnS ift eben bet geflorben, 
ber jtd& UxpfLxä^Ut l^atte, gfrieben unb Med^t au fd^ü^en", ober: 
„3Btt btaud^en einen gettönten JFünig, bet biefe ^flid^t übetnimmt 
unb auSfül^tt". 3m ctflen gatte Iftmen mit in bie 3eit gleid^ 
nad^ ©cintid^S VI. £ob (^etbft 1197), im a»eiten ftül^eftend in 
bie £age bet etften ^Iftne aut (Stl^ebung $]§i{i|)fd: SBeil^nad^ten 1197 
(f. oben @. 218 u. anm. 1). 9liemanb mitb jtd^ bebenlen, bie lejte 
Seutung aß bie aQein finn- unb mitfungSt^oae t)otauaiel§en. 

2)atau8 etgibt fid^ aunäd^fl. bag bie l^iet Dom Std^tet ent« 
tootfenen Silber ber flaatlid&en unb gefettfd&aftUdöen 3«1e^ung 
nid^t unter bem ßinbtudC, toenigflenS nid^t bem unmtttelbaten 
SinbtudC ber 3uftänbe aUgemeinet Settoinung unb milbet gfretiet 
[teilen, mie fie tjon ben l^iftorifd^en QueUen für bie Stii gteid^ 
nad^ bem £obe ^eintid^S VI. getabe mit dl^nlid^en 3^0^^ gefd^ilbert 
»etben. 9lbet aud^ ben @t)rud^ ettoa fd^on in bie äBeil^nad^t^a^it 
au öeticgen — nad& ^agenau, alfo toeit t)on SBaltl^etö äufentl^altS- 
Ott! — too bod& etft im engflen Ätcife unb nod^ in ted^t un» 
beftimmtet gfotm t)on $]^ilippS ätuffleUung bie Siebe toat unb man, 
toie ed fd^eint, nut bie SBal^l aum ))tot)ifotifd^en Jtönig auf 3^it S 
bis )ut ^ünbigfeit gftiebrid^g, ind Sluge fa^te, mibenätl^ bie eben 
nad^getoiefene Seaiel^ung auf bie feietlid^e ßetemonie bet fötm» 
lid^en fttönung, bie ben 9lngelpun(t beS etften @))tudgS auSmad^t. 
Unb toet tooQte im ßtnft l^iet etma nut an ben (Sib beulen, ben 
$^iltpp aud^ bet feinet a^nöd^ft beabfld^tigten ßtl^ebung aum 



mus et conservemus. ^ie Uebetliefetung beiS ^riefeiS mag nid^t in jebem 
Sßort aut^entifd^ fein: bie l^etoorge^obcnen Sßortc ber @ibe8formeI ftnb e8 
geroife, ba fic von SOBipoö oben angeführtem S^ugnife bcftättgt werben. 
* «gl. ©d^effer-öoid^orft, §ifior. äettfci^r. 46, 141. 



2. XPaltljers erfter Spruc^ton nnb öer jlanflfc^e Keid^sbegriff. 263 

ftellöcrtretcnben Äöniß obet Mcgenten l^ätte leiflen tnüjlcn, 
bagegen im aioeiten Sprud^ bann an bte äluf fotbentng , i^n aum 
toixlticben Adnig ai< trönen! 

Sied Med unb äSalt^etS oben (@. 125 ff.) batgelegteg SSet^ 
l^ftltniB sunt öftetteid^ifd^en $of unb bef^rn &5fung extoogen, (ann 
man laum eine anbete Sluffaffung liegen aU bie , ba| aud^ btef ed 
(Bebid^t, bad bie alte Sammlung in bex gto|en ^eibelberger $anb« 
fd^tift etöffnet, ftd^ meber a^itUd^ nod^ öxtUd^ bon bem eigentUd^en 
Arönungdfptud^ (8, 28) meit entfetnen lägt. ßS ifl fogat benl« 
bat, ba| es gleid^jeitig mit biefem, aU eine ältt Einleitung ba^u, 
entftanb. ,%itx einfädlet aU bad unb aud^ tt)a^tfd^einlid^et ate 
bie oben (@. 43 f.) angegebene 3Jl5gUd^feit, ed fei erft nad^ ^b» 
faffung audg beS btitten ©ptud^d, ate $rolog fftt ben ganaen 
S^clud, gebid^tet motben, bleibt ed, batin ben erften älct jener 
poetifdgen $ubliciftil au ettennen, butd^ bie fid^ bet feined öfter* 
reid^ifd^en ^ofbienfteS berluftige Sänger ben ffir ^l^ilippS (Erhebung 
tl^fttigen ^oftreifen^ alfo ben SReid^Sl^ofbeamten unb ber ateid^dlanalei 
empfel^Ien tooUte. 

äSie fe'^r er fc^on l^ier fid^ in ben l^JorfteUungen unb ber 
$]^rafeo(ogie ber ftaufifd^en ^ofl^iftoriograpl^ie betoegt, tel^rt ein SBer» 
gleid^ mit ber Sd^ilberung, bie Surfarb oon UrSperg gerabe ffir 
bie ber Söal^t «ßl^ilipp« (8. TOftra 1198) fotgenbe Seit enttoirft. 
Sa SBattl^erS Sprud^ erl^eblid^ älter ift aU 93urfarbd SBerl, tonnte 
man aQerbingd fragen , ob nid^t l^ier bieQeid^t ber Sid^ter einf ad^ 
Hom ei^toniften benu^t ift. Sie ^öglic^Ieit befielet, aber bie( 
mal^rfd^einlid^er ift ed, bag beibe au8 ber 9luffaffung unb ber Stebe- 
loeife bed föniglid^en ^ofed, inSbefonbere ber bort ald 93eamten 
toaltenben Meid^Sminifterialen fd^öpften, benen ©urfarb fe^r nal^e 
flanb. ©ören toir nun feine Söortc : ,,SamaÖ — fagt Surfarb — 
begannen fld^ bie Uebel a" öerme^ren in ben beutfd^en Sanben. 



264 Unterfuc^ungen. 



Cd entftanben gf^inbjd^aften, ^q^; Untreue, SSertatl^, 9lau6 unb 
93tanb, fotool^l auf bet Strafe als in ben Sd^Iut^ftoinfeln 
bet Stäubet, fo ba| Sebermann meineibig unb ein SSexbrec^et 
tt)at. Unb bie gto^e 91otl§ beil^tnbette aud^, bag itgenb 3emanb 
fid^et t)on feinem äSefi^tl^ttm in baS benad^batte gelten fonnte. 
äuffletid^tet toar ba« ©otn bet Ungeted&tigfeit ^" S)a l^aBen toit 
SQSalt^etS: @teg' unb SQSege finb bet Sl^te, bem &nt unb bet 
(SotteSl^ulb betlegt, eS fel^It il^nen iebeS fid^ete (Beleite; bie 
Untreue tauett im ^intetl^alt, bie (Setoolt ^xtl^i auf bet 
@tta|e einiget! 

Sid^erlid^ l§at äSaltl^et biefe aotnige Slnllage nid^t etl^oben 
ol^ne einen befiimmten unb unmittelbaten Slnla^. Slle äBittung 
unb aQe Ataft feinet $oefte flielt ja auS bem il^m unb feinen 
^ötetn gemeinfamen momentanen 6tlebni|, an baS et anlnü|)ft. 
Unb fo ftagen toit : »eld&e SJotgdnge trieben il^n ju biefet lummet« 
öoßen Setrad^tung? Sie SlnttDott toitb nid^t mcl^t aß eine toal^t« 
fd^einlid^e SJetmutl^ung bieten I5nnen. 

2[n feinem anbeten SlugenblidE bed Sal^teS 1198 tonnte man 
bie SJlad^t bet Untreue bitteret empfinben al8 ^n änfang beg 3uni, 
ba bie fblnifd^e $artei, totlä^t $^ttit)p I<^nge mit äSerft^red^ungen 
unb (£ibfd^tt)üren l^ingel^alten unb getftufd^t l^atte, enbUd^ bie SRadle 



^ Mon. Germ. Scr. XXIII, 366: Philippus ... in opido Mulhusen 
. . . eligitur in regem. Tunc ceperunt multiplicari mala in terris. Orte 
siqiiidem sunt in hominibus simultates, doli, perfidie, traditiones, ut ee 
invicem tradant in mortem et interitum ; rapine, depredationes, depopula- 
tiones terrarum, vastationes, incendia, seditiones et bella et rapine sive 
in stratis [SBattl^er: gewalt vert üf der sträze] sive in latrociniis 
[Sßaltl^cr: in der säze] iustificate sunt, ut omnis homo iam sit periurus 
et predictis facinoribus implicatus. Tribulatio magna prohibuit et hoc, 
ut nee quis de villa sua posset procedere secure [SBalt^er: enhabent 
geleites niht] saltem in proximam villam. Exaltatum est cornu iniquitatis- 



2. Waliliets erfter Spxndfton nnb ber ftanflfc^e Hetc^sbegriff. 265 

fatten lie| unb ben Sürgerlrieg eröffnete (f. oben ©. 236). 3ti 
ben Slonate langen SBetl^anblungen , bie botl^er gegangen toaren, 
l^atten bie Angebote t)on @elb unb anbeten ftugeten Sottl^eilen eine 
gtoge tftolte gefpiett. Sefonbetd benfttl^erifdg mugte ftauftfd^en 
9letd^Stteuen baSSexl^alten bedßtabifd^ofd ^ol^ann Don Xxier et« 
fd^einen^ dt toar ftül^et ber $offanaIet Äatfer ©eintid^Ä VI. 
gemefen. 6r l^atte fein Srabidt^um mefentltd^ beffen (Bunft au bet- 
banten. Slber baS l^iett il^n nid^t ab, fid^ ber antiflaufifd^en 
Koalition anaufd^liegen unb gegen ben S3ruber feines fSioffli^Uxi 
au intriguiren. Unb atoar lieg er fld^ gerabeau bon ber tölnifd^en 
gftonbe laufen. (Srabifd^of älbolf berpfänbete il^m fflr bie ^uS« 
aal^Iung einer beflimmten @elbfumme ben StUmx j{ird^enfd^a| unb 
erl^ielt bafiir bon il^m bie eibUd^e Sufage, jeben Sanbibaten a^nt 
j{5nig anaunel^men, ben Sbolf befigniren toerbe. 93alb nad^l^er bot 
$]^ili|))) bem ßrabifd^of ^ol^ann atoeitaufenb Warf, um il^n au ftdb 
l^erüBerauaie^cn. S)em ©craog öertl^olb bon 3ä]§ringen forbcrten 
bie beiben 6rabifd^5fc bann für il^re äBal^iftimmen 1700 Warf ab. 
atö er bie jtanbibatur um biefen $reid audfd^Iug, begann ^eimlid^ 
bie Agitation au ®unften OttoS unb gleid^a^itig liefen immer nod^ 
SBerl^anblungen mit bem gutgläubigen $]^iU|)p. S)er 6. 2[uni, tt)o 
baS englifd^e @olb bie (Sntfd^eibung brad^te (f. oben @. 140), ent- 
l^üQte bie ganae ^interlifl SIbolfS unb feiner ^arteigenoffen : bamafö 
mugte ber Sid^ter erfd^xedCen über bie Wad^t ber Untreue unb ber 
Habgier. 

3Bir werben gut t^un, mieberum ben genauen SBortlaut ber 
amtlid^en ©arftettung in ^]§ilipj)8 fpäterem SlctenftüdC neben 
SBaltl^erS Sprud^ au l^alten. ,,i)urd^ bie ZüdCe unb ^interlift 
unferer (Segner getftufd^t, entlieg id^ baS ^eer, nad^bem id^ borl^er 



Sötttfelmann 1, 54. 66 2lnm. 4. 71. 



266 Unterfttc^ungen, 



l)on ienen bie eibttd^e 3ufage emt^fatigen l^atte, ba^ fie gletd^faQd 
il^te SBal^Iftitntnen nunmel^t mit autoenben tDÜtbeti. Unb ald fie 
mid^ fo belogen l^atten, toftl^Iten fte, Don bent (Belbe beS englifd^en 
JtdnigS getauft, ben (Srafen Otto tion $oitou, meinen Settoanbten.'' 
So fptegelten fid^ biefe ^nttiguen unb £teulofig(eiten , aU fie 
offenbat loutben, in ben offtcietten Äreifen beö ftaupfc^en ^o% in 
bet Suffaffung bet 3teid^(analeibeamten. Unb ebenfo , in b e t • 
felben Sleil^enf olge, fteOten fie fid^ äBaltl^et bat. Untet bem 
ftifd^n, unmittetbaten (SinbiudC beS fted^en ßibbtud^S, ^et unetl^dtten 
SBett&tl^erei, tief et fein : üntriuwe ist in der s&ze, Gewalt vert üf 
der sträze. 2[d^ jtoeifle nid^t, (uta nad^ bem 6. 2[uni ift biefet 
S))rud^ SBaltl^etd gebidgtet, afö etfte Slnfünbigung bet Jttönung 
$]^ilip))g. 

(Sd bfitfte bied bet ftltefte !93etfud6 SBaltl^erd in bet t^oUtifd^en 
Sptud^bid^tung gtogen @tilS fein. Unb gteid^ et aeigt und bie 
SIemente, aud benen fie fid^ aufammenfe^t, in gteif batet Seutlidgleit. 
(Sana 9lu8btudC beS momentanen Stiebniffed, böQig beted^net auf 
bie foeben leibenfd^aftUd^ aufgetegte Stimmung eineS begtenaten 
3u]^ötetlteifed; bed ftauflfdgen ^ofeS, angelel^nt an bie Süffaffung 
unb 2)atfteQung bet 3eiteteigniffe, toie fie in il^m, geptftgt bon bet 
^oftanalei, umlief, unb audllingenb in bie fotmell^aften Sd^lag« 
iDotte bed ^önungdeibed, bie, fetnen, leifen ^otntufen gleid^, bad 
9lal§en bet 9tettung anlünbigen. Unb bied aUed botgettagen in 
bet leidet faglid^en gfotm einet Sttopl^e, bie in bet ftUeten geift« 
lid^en l^tifd^«biba(ttfd^en Std^tung il^t SSotbilb l^at: in atoölf ab- 
toec^felnb tUngenben unb ftum))fen äSetfen beS alten Z^pud, toit et 
in bet £)tftiebftto))]^e, toie et in ben epifd^en Sleimpaaten Iftngft fefl» 
ftanb, mit einet um fid^ felbft tietlängetten Sd^luBa^it^- ^Ifo nid^t 
bitecte 9lnfnü))fung an bie gotm bet eigentlid^en @))ielmannSl4tit, 
beten SSettretet füt und bie betben untet bem Flamen Spenbogel 



2. IDaltt^ers erüer Spruc^ton unb bcr jiauflfc^e Ketd?sbegrtff. 267 

übetUefeiten Zonen and fed^d Sletmaeilen unb menifte fonflige 
Kefte 6t(ben. SIbet getoig fein SufaQ ift ed, ba^ äSaltl^etd fttteßer 
yolitifd^ev @)itu(^ ein bilblid^eS ^otiü benu^t, bad ein ältetet 
betattiget @))ielmann8f))tu($ ^ munbetboQ geftaltet l^at: 

Übennuot diu alte 

diu rltet mit Gewalte: 

üntrewe leitet ir den vanen. 

Gtrischeit diu scehet dane 

ze scaden den armen weisen. 

diu laut diu stänt wol alliche envreise. 
SuS biefen Seifen rebet bie t^etl^altene tnnete Setoegung mit jener 
SQSnd^t nnb Ziefe unb Stanl^eit, bie bem {ünftletifd^en Stil ber 
erften ^aifte beS 12. ^al^rl^unbettÄ feine ergreifenbe TOad&t gibt. 
SBol^I finb eS gana alte geiflUdge älllegotien, bie l^iet au ®iunbe 
liegen, »ol^I fielet bal^inter am legten ßnbe bie $fQd^omad^ie bed 
^rubentiuS. 9bet fd^n)etlid^ barf man be^l^alb mit Sd^önbad^^ 
bie Stropl^e ,,füt ben gelegentlid^en Serfud^ eines tl^eologifd^en 
Sefcx»'' Italien. SBe« fie au8 „bem (Scfld&töfreife litd^lid^er »itbung" 
fd^5))ft, braudgt man nid^t au a^eifeln, ob fte ..DoUdtl^ümlid^'' ift. 
äBet ftifd^ unb unbefangen an fie l^etan tritt, U)irb mit ^ilbebranb ® 
ed il^r ,,anfü]^Ien, bag fie aud einer mirflid^en gfel^beaeit ftammt 
unb bon ber 9(ngft unb 9lot]^ bed SCugenblidCS luie l^erauSgepregt ift'', 
unb fte mit il^m nid^t für ein gelel^rted SIrbeitdftüdC , fonbem filr 
bie @d^öt)fung ,,eine8 fal^renben Sängetd'' erllftren. i)er Sd^a^ 
bilblid^er, namentlid^ aUegotifd^er ^otibe, ben bie d^rifllid^e %f^to» 
logie gemünat unb bie d^iiftlid^e bilbenbe Aunft au8- unb umgebilbet 



1 g. Äctna, ©iftunggberid^tc ber aRün(§encr 2lfabcmic b. SB. 1869, 2, 
e. 319; 2Rüacn^off*©(5crcr, 2)cnfmälcr 2. 2lufl. 6. 492, 3. Slufl. S3b. 2 @. 313. 
« 3citfc5rift für beutfd^eg SÄltert^um 38, @. 186. 
8 3eitfc§rift für bcutfc^eä mtettf^nm 39, 5. 



268 Unterfad?ungen. 



l^atte, mar auf taufenb SBegen unb $faben mettett^exbteitet lootbcn 
unb im 12. Sal^tl^unbett unjlDeifell^aft in btelen S3eftanbt]§eilen, 
nid^t autn menigften Atn butd^ bte (Einioitfung bex bitbenben ftunft, 
au($ bem fßoU, aud^ ben fal^ienben Sängern selftuftg. 68 bleibt 
bemnad^ bei ber oben @. 103 gegebenen gl^aralteriftit beS SBattl^er« 
fd^en @t)rud^d. 

2)er britte @f^ud^ beS Steid^StonS (Ich ^ach mit mtnen 
ougen 9, 16), toie oben (S. 46 f.) ausgeführt tourbe , eine Um« 
fd^reibung ber ©ebanlen be8 SSamberger gürftent^rotefieS (Septem» 
ber 1201), tt)trft ber $faffenpartei ate fd^oere Sd^ulb bor, ba^ 
fie burdg red^tSmibrige Sntoenbung ber geiftlid^en äSaffen ber ü^' 
communication unb beS ^[nterbictS bte Steligiondübung unterbrod^en 
l^abe: dö störte man diu goteshüs (9, 34). (Senau bie gleid^e 
Auflage erl^ob gegen ^[nnocena, toaS tool^l für bie (Erläuterung 
biefer berfd^ieben ertlätten SBorte nod^ nid^t geltenb gemad^t n)orben 
ift, aud^ 99urtarb bon Urfperg : @ott felbft aber l^abe biefer Stiffe« 
tl^at getoel^rt unb nid^t erlaubt, ba| burd^ gana Seutfd^Ianb ber 
(SotteSbienft unb bie tird^Iid^e äBürbe, bte bort el^renl^after 
finb aU bei anberen SJölfern, au ®runbe gel^e^ SBaltl^er 
greift eben aud^ l^ier burd^aud au bem Stüftaeug, baS bon ber 
ftaufifd^en ^ofpartei aubereitet toorben tt)ar. 

3Bir toerben unS nad^ biefen (Störterungen bie %nlnü))fung 
SBaltl^erd mit $]^ili))p etioa folgenberma^en aured^tlegen bürfen. 



^ Mon. Qerm. Scr. XXm, 366: Deus autem ex alto prospiciens non 
permisit, ut per totam Alemanniam deperiret cultus divini officii et 
ecclesiastice di^itatis, quae duo honestius ibi consistunt quam in 
aliis gentibus. 2)tefc ©teile bcftätigt • öege« ©d^önbad^ (3eitfd^r. f. 
beutfd^eö 3lltert§um, 39, 339) in roillfommcnfter SBeifc bie Snterpretatiott, 
bie äöilmanng au SBaltl^er 9, 34 mit Berufung auf 10, 35 gegeben l^at. 



2. Waltlievs erfter 5prud?ton unt> ber jiaufifd^c Hetd^sbegriff. 269 

2)er etfte Sptud^ beS 9lei($dtonS (Ich saz üf eime steine) fftUt 
in bte 3ett bet «nlunft am ftauPfd^en ^of in SOSormS. ^d^ ßlaufite 
btefe in ben Anfang ober fpätefiend in bie Stitte bed 2[uni beilegen 
}tt bfitfen. Ci fanb SetfaU, unb in bet legten SDecabe bed WonatS 
bid^tete ftSalti^tt im älufttage bet für bie $oUtit $^iltpp8 'otxanU 
tDOttlidgen Ateife, b. 1§. beS ^offanalerS ober beS $totonotard fein 
))oetifd^e8 atanifeft für bie beabfld^tigte Jttönung. Cr toaxb bann 
in eine fefle ©teEung bei ^ofe aufgenommen (19, 36) unb ftcttte 
feine Seier in ben Sienft bet poUtifd^en ^unbgebungen bed Aönigg, 
beren (Stunbaüge bie Äanalei formulirte (oben 6. 45 — 51). 

Wan toitb augeftel^en, bag aUe gtoftgungen unb Sd^Iüffe, 
bie au biefem abgetunbeten unb l^offenüid^ aud^ einleud^tenben (St- 
gebnig gefüllt! l^aben, botftd^tig Sd^titt füt Sd^titt mit ftetet 93e> 
rftdCfid^tigung ber mal^rfd^einlid^ften unter ben bot^anbenen Wöglid^* 
leiten angefteUt tootben finb. Slbet fo ]§od^ id^ ben (Setoinn an- 
fd^lage, bet füt bie (Sinftd^t in äSattl^etd SebenSgefd^idgte, in bie 
Sl^tonologie feinet politifdgen Sid^tung aud biefen (Stgebniffen fliegt, 
faUS fte, toit id^ glaube annel^men au bütfen, aQgemein anetfannt 
toetben foQten, fo toenig @eti)id^t möd^te id^ auf fie legen im 
Setgleid^ mit einem anbeten, btel ^öl^eten @etoinne, bet batauS 
l^etbotblül^t. 3d^ meine bie SSettiefung unb Belebung beS 
93ilbed bon SBaltl^etS ^unft. Sie Slnfänge feinet gto|en politi- 
fd&en S)id^tung fd^meben nid&t mel^t taum- unb a^itloS im Un« 
gemiffen. 3Bit Eennen nun ben Sd^aupla^ unb bie @e(egen]^eit bet 
etflen Sd^titte auf feinet langen Saufbal^n aU poetifd^et $ub(icift. 
9Q3it lennen ben Seairf feines Uteften ^ubticumS. 9Q3it lennen bie 
politifd^e Stmofp^ftte, in bet feine Sptudgbid^tung au toad^fen an- 
fing. Unb bot SlUcm: toit feigen in unettoattetet Söeife beflätigt, 
wie feine ganac ©id^tung ben Scbütfniffen unb ßmpfinbungen be« 
3lugenbUdCS entfptingt. ©intet jebem ©aj, oft leintet einem 



270 Unterfuc^ungen. 



etnaelnen SBott fielet baS Seben, baS boQr, leud^tenbr unb leiben* 
{d&aftlt($e Sfben eines beftimmten ftteifed ringenbet aUenfd^en. 
SBit al^nen, tool^et bie ungel^eure äßtttung (am, bie biefet $oet 
nad^ bem 3^ugni^ feines (SegnerS befa^. St berflanb bie Stnnft, 
als t)etfönlid^e8 93etenntni^ auSüufptedgen , toad aUen $örexn ald 
eigenfte (5mt){inbung im ^et^en tag. ßt tonnte butd^ ein SBott 
lange Steil^en toeitttagenbet @ebanlen, beftimmtet t)oIitif(!^et, teligiö* 
fet, motalifd^et Uebet^eugungen in feinem publicum anfbli^en gu 
laffen. (Sin £on, ben et anfd^Iug — unb eS (langen unge^äl^Ite, 
bettoanbte £öne toibet in ben Seelen, bie il^m (aufd^ten. (Sin 
Si(b — unb eS öffnete fid^ eine tiefe ^etfpectibe in unabfel^bare 
3ufammen]§&nge: als toenn et Spiegel gegen einanbet gefteUt l^&tte, 
bie einzelne (Stfd^einung p betl^unbettfad^en. (Sine SInfpielung, ein 
leifeS Sd^Iagtoott — unb in ben (Semütl^etn, bie er an fid^ ti^, 
ent^ünbete jtd^ balb bie ftiHe (Slutl^ bet Siebe, balb bie i&l^e gflamme 
beS 3otnS obet baS bet^el^tenbe gfeuet bed $affeS. 



Ättl|att0, 



M.rmxtkvatg,m, BadrMg«. BBrid^figunjen. 



S. 2. 3n ber foBcnanntcn dlcBie (124, 1) fpielt ber 9lu8- 
brud unsenfte brieve her von Rome (5J. 26) nid^t auf bic gegen 
ben Äaifer etlajfcne »annbufle an: ba« 9lä^ere fe^t bie le^te 
Untetfud^ung auÄeinanbet. 

@. 3. Sie innete Sl^ronologie bed ^innefangS. 
@($ön(ad^ ]^at (Anfänge beS beutf(^en ^tnnefangd @. 94) bie 
^lage erhoben : ,,äBet itgenb über ben ätteten ^tinnefang arbeitet, 
begnügt fiä^ bamlt. biefeS 93u($ [3RinnefangS Sfrü^Ung] ^u benu^en 
unb auf bad bort borl^anbene Material feine Sdgififfe au bauen, 
fo bag ber S3erbanb ber bort gebrudten Sänger gerabep bie Se* 
beutung einer (itterarl^iftorifd^en Sl^atfadge getoonnen l^at/' deiner 
9(nfid§t nadg ift biefer äSortourf , fo auSna^mdlod erl^oben, unbegrünbet. 
©d^erer trifft er nid^t unb mein Sud^ über Sleinmar unb SBaltl^cr 
möd^te id^ aud^ bagegen in Sd^u^ nel^men. ^limmermel^r l^ätte id^ 
bie barin auerft auSgefprod^enen Sefid^tSpuntte unb Srtennt- 
niffe für bie t)erfd^tebenen @ti5mungen in ber mittell^od^beutfd^en 
S^ril (bgl. a. S8- ©• 30—32, 127—140) flnbcn lönnen, toenn 
id^ mid^ auf baS Material bed genannten Santmeltoerfö befd^ränlt 
l^fttte. S)ie aemerlung jRoetl^eS (änaeiger f. beutfc^e« aitertl^um 
16, 75) bom Saläre 1890, bie ©d^önbad^ toic eine miffenfc^aftltd^e 
SntbedCung cittrt, ba^ bie ^udtoal^l bon Sad^mann unb .^aupt 
fein 6anon fei, l^fttte mir fd^on im 3. 1880 nichts %euea gctel^rt 
unb ba^ id^ fd^on bamalS aud^ bie ,,nid^t canonifd^en" Sid^ter 
mie ^ilbbotb üon @dgtoangau, Otto bon Sotenlauben , Surlarb 
üon ^ol^enfete u. 91. aud^unü^en tou^te, aeigt mand^e Seite unb 
mand^e älnmerlung in meinem iBud^. 3d§ toürbe l^eute^ mit bieratg 
3a]^ren, natürlid^ Diel reid^ete Belege aud ben nid^t in MSF. 
corporirten ^innefängern bieten {5nnen, atö mit atf anaig 3al^ren in 
jenem fttfilingÄtoerf. Slber in principieller ^infid^t — baä 
mill id^ ^ier bod^ conftatiren — l^abe td^ fd^on bamaU bie üon 
®d^5nbad^ gerügte 93efd§räntung nid^t anerfannt. 

»urbac^, ffialt^cr t)on ber asoßelwelbe. 18 



274 21nl?ang. 

@. 4. S)ad $Täbicat her. Sie Weinung ift t)telfad§ 
Dftbreitet, als toetbe nut bei toitlUd^e "StUUx, tttd^t aber bei 
in titteilid^fr SBeife lebenbe ftnappe her genannt. @o SBadet« 
nagel 2, 117 f.: ,,$etgeffen batf man aud^ ni($t, bag ber toälfd^e 
@af} äBaltl^ern nod§ Aned^t nennt, b. 1^. (SbeIIna|)t)e, ber bie atittet- 
tt)ütbe nod^ nid^t emt)fangen l^at; toft^tenb er in bem €|)ru(^ 
gegen SSolfnant [aSBtcntan] (Sac^m. 18) fd^on $err genannt 
tt)irb/' SaUinger, Sie Sted^tSgefd^id^te bed SUttetftanbeS unb baS 
9libelungenlicb Oal^rbud^ ber Sco-SefeAfd^aft. JBßien 1899, S. 43): 
,,@eitbem bie firenge Sd^eibung )tDifd^en Stittern unb ^nat)pen ate 
atoei @taben innetl^alb beS 9titterftanbed aud^ in Seutfd^lanb 
butd^brang (»gl. Slibcl. 32. 33. 34. 1376. 1447. 1513. 1527)'' .... 
,,^ett tDUtbe nun aum (Sl^rentitel, pm 93ot5Ug8t)tftbicat für aUe 
jene $etfonen, gan^ g(eid^t)iel ob frei ober unfreier @eburt, loeldge 
burd§ ben ätitterfd^tag ben l^dl^eren 9tang, bie Xittertofirbe, 
erl^alten l^atten.'' ^m ^ügenteinen mag um 1200 baS ^äbicat 
her tool bad Sorred^t ber ^um %itter (Setoeil^ten getoefen fein. 
2[n ber pflid^en 9lnrebe toirb e^ aber bamalS too^I aud^ St napptn 
ertl^eitt fein. 9latürtid^ nid^t ben l^albertoadgfenen Jünglingen. 
^6er toie Diele SRänner mit ritterlid^er 9ludbi(bung unb ritterlid^er 
SebenSart blieben 3^itlebend o^ne SHittertoeil^e. Sd ift fd^toet ^n 
glauben, bag man il^nen gegenüber im gefeUfd^aftlid^en 93erlel^r 
dngftlid^ bie ^nrebe her Dermieben l^aben foÜte. SSSie t^iele flnoppen 
jodeten als fogenannte kipper in ben Surnieren mit (f. gf. 9lfebner, 
S)aS beutf(^e furnier im 12. unb 13. Jal^rl^unbert. Serlin 1881, 
©. 28. 31. 68 f.; aitoin ©d^ut^, «)öfifd^e8 Seben^ II, 135). 3n 
bem formell^aften 3uruf sperä, hörre, sperä sper (^ar^iDal 79, 24. 
Sied^tenftein gfrauenbienft , Sad^mann 74, 23) liegt tool^l nid^t 
änrebe an ben SSBaffen l^erbeifd^affenben Äna|)pen, fonbem bie 3nter- 
iection (= @ott!) ober aud^ Slnrebe an ben Sumiergegner t)or. 

SBalt^er jelbfi fonnte übrigen^ aud^ blo^ traft feiner litte- 
rarifd^en Sl^ätigfeit gerabe fo gut her genannt loerben al8 ber 
©d^reibcr bc8 ^er^ogÄ gricbrid^ üon Defterreid^ (Sied^tenflein grb. 
528, 4: sin schrtber der hiez her Heinrich). (Beiftlid^er 
@tanb aar bafür (einedtoegd bie notl^toenbige 93orbebingung. 



2Inmerfnngen. Hac^träge. Berichtigungen (ju 5. '^^ U)- 275 

©.7. Sd6önbad6 »itb feine frül^ete 5Keinung, SOSaltl^er 
]§abe einem eblen [b. 1^. fteil^ertlid&cn] @efd^(ed6t angel^ört, je^t 
Sngefid^tö bet in feiner Sd^rift ,,Sie Anfänge bed beutfd^en 
aRinnefange«". (®raa 1898, ©. 95—99) gegebenen «uSfül&rungen 
übet bie entfd^eibenbe 9lotte bet unfreien 9RinifleriaIen im 
^nnefang geloi^ felbft im Sinne meiner obigen Betrachtungen 
mobiflciren. 

S. 10 f. 3u 125, 4 wolte got, waer ich der sigenttnfte 
wert, 80 wolte ich nötic man verdienen riehen solt. 3fm SBcfent« 
lid&ctt rid^tig Bemerlte fd^on 2B. (Srimm, Ucber greibonl 9lad^trag. 
«Berlin 1851 (abl^anblg. b. 8Hab. ©. 259, = ffil. ©d^r. 4, 95): 
„68 flanbcn §tnberniffe entgegen, bie toir nid&t lennen, bielleid^t 
mar er, maS SßadCemagel (p ©imrodC 2, 196) t)ermut]^et, bei 
unöerl^el^Iter armutl^ (125, 5) nid^t im ©tonb bie auSrüfiung ju 
befd&affen: e8 lönnen aber nod^ anbere ®rünbe il^n aurüdgel&alten 
l^aben. 6r fo§t je^t ben 6ntfd^lu§, al8 ^ilger ober äßatter mit- 
augel^en, fagt, man foKc il^n ben ©tab in bie ©onb nel^men laffen" : 
b. 1^. 2B. Srimm Beaicl&t 66, 33 barauf unb interpungirt nad& 66, 
36 fiarl, alfo lät aU reine «ufforberung. — Sluf Äoficn Slnbcrcr 
ate Srfa^mann ben Areuaaug mitgumadgen mar Iftngft fo l^äufig 
gemorben, ba% bie ÄrenaaugSbutten, a- 85. bie 3nnocena' III., biefen 
gatt au8brfldtlid6 in il^re abftufenbe ©^iflematil be8 ÄrcuaangS- 
ablaffeS aufnal^men. Slud^ 2BaIt]&er l^offte too^l, ate er feine Ie|te 
gro§e ^alinobie bid^tete, auf fold^e 2Beife bie erfel^nte Steife über 
©ee antreten a« lönnen. 

©. 11. 9lm ©tab au Sfu^ gel^n aU ber äuBerft 
benlbare (grab ber «rniebrigung (SBaltl^. 66, 33). Sfcä^ 
muB an ber frül^er t)on mir nad^ bem Vorgang ^a| StiegerS 
unb Ruberer gegebenen Srllärung (gicinmar unb SBaltl^er ©. 7) 
feftl^alten, obgleid^ fie ^DlüQenl^off gana berfel^It bortam. Sarin 
bermag midg aud^ bie combinirenb Dermittelnbe Interpretation 
nid^t au beirren, bie aSilmannS berfud^t (in ber atoeiten Sluflage 
feiner ßbition aur ©tette, ©. 273 f.). Unatoeifell^aft lann ber ol^ne 

18* 



276 lln^anq. 

toeiteten 3ufa^ genannte StaB fomol^I ben Stab beS Slltetd aU 
ben Settel' ober SBanbetftaB Bejetd^nen. S)aS altnotbifd^e staf karl 
bebeutet fomol^I ben Settlet ald ben ®tei8 ober Qtt($ betbeS augleid^. 
Unb äBt(mann8 ettnnert aut t)OtUegenben Stette autreffenb an ben 
alten ftomöbianten : bei alte Stinnefänget mag. in ber Zl^at leidet 
feine SteQe einnel^men. Sntfd^eibung aber (ann nur fttengfle 
Sjegefe bed ®ebid^t8 felbfl bringen. SöilmannS mad^t ba nun 
gegen bie Sluffaffung bon Stieget unb mit (bie übtigenS aud^ 
^ilbebtanb mit und tl^eilte) ben ,,3uf<intincnl^<^ng'' geltenb, genauer 
ift ed eigentlid^ ein f^ntaltifd^eS Moment. Stieget umfc^tieB: 
„Sefe^t, id^ to&te fo arm, bag id^ lein $fetb l^ätte, fonbetn mit 
bem @tab übet Sanb gel^n mügte/' S)iefet „älnnal^me, ba^ in ben 
SBotten lät mich an eime stabe gän nut eine UntetfteUung, nid^t 
bie Eingabe einet 2:]^atfad^e Iiege'\ toibetfptid^t nad^ SSSilmannd 
bet änbicatib in S3. 37: s6 bin ich doch der werden ein. %f>n 
feit toann bebatf in einet conbitionalen ^etiobe bei inealem Son* 
iunctib beS S3orbetfa^e8 aud^ bet 9tad^{a^ bed Soniunctit)d ? liebet» 
bied liegt l^iet ia gar lein Sontunctib im SSotbetfa^ bot, fonbetn 
ein lä.t. ^an mu^ übetfe^en: i,3d^ l^abe biergig ^al^re bon 
^inne gefungen ; ie^t mo id^ fetbfl ber SRinne entfrembet bin unb 
an bet Sd^toette bed ^Itetd ftel^e, mid^ ben fed^aifi näl^ete, betlange 
id^ na(^ tote bot ^d^tung unb SeifaQ füt meine 93ottt&ge. gfreilid^ 
fel^lt il^nen bie frfil^ere Araft bet felbfterlebten SBal^rl^eit. aber 
toeil mir fetbft lein SiebeSlol^n mel^r blül^t, l^abe id^ nod^ mel^r 
(66, 24: noch vollecicher) alS frül^er älnfprudg auf (Suren S)an! 
unb £ure @unfl. S)enn id^ bin nad^ loie bor ein Stitglieb bet (Sblen. 
3a, id^ ge]§e nod^ toeiter: fe^t einmal ben [unmöglid^en] gfall, 
ba^ id^ aUer SRittel beraubt au gfu^ einl^eraiel^en mu|, toie bet 
etenbefte S9&n(elfänget, fo toetbe id^, botauSgefe^t, ba^ id^ fottfa^te 
nad^ wordekeit au ftteben, toie niebtig an äu^etem 9tang id^ 
bann audg fei, immet au ben ßbten gehören." lät in rein con= 
ceffibem Sinn (= obgtcid^, obfd&on), loie t% aSßilmannS fa§t, 
toirb fid^ fd^toerlid^ in ber mittel^O(^beutfd§en 3^it nac^meifen 
laffen: baS S)eutfd^e 3Börterbud§ (VI, 240b) belegt eS nur auS 
bem 9teu]^od^beutfd^en. Sem @ebraud^ an ber ftreitigen SteQe ent« 



2lnmcrfungen. Hacbträge. Berichtigungen (3U 5. u)- 277 

fprid^t etoa ^at^it^Ql 4, 3 nü lät min eines wesen dri, too aud^ ein 
ttnm5gU(i^ex gfaU ald real gefegt tohb. SBilmannS l^ot ja tnfotetn 
ated^t, als er betont, ba^ bie Urfad^e bet fd^loinbenben 9ln« 
ettennimg bex SiebeSliebet baS Slttet beS Sid^terS ift. 9l6et bie 
Steigerung, n^eld^e bie atoeite Stropl^e bringt, foQ nid^t eine 
Steigerung feines 9l(terd, fonbem feiner niebrigen äußeren SebenS" 
fteUung unb feiner Slrmutl^ entl^alten, unb bereu Symbol ift ber 
Stab. SCnerbingS ber Stab eineS greifen S)id§terS, aber nid^t ber 
Stab feiner Iör))erlid^en @ebredglid^(eit , am aUermenigflen feiner 
augenblidCIid^en unb realen Sreifenf d^mäd^e , toaS ntan bei 
äßilmannd^ Interpretation annel^men mfigte, fonbem baS 3^i4^n 
beS fupponirten l^öd^flen @rabe8 feiner Sefi^» unb ^eintatl^" 
lofigleit. Site fotd^eS ift eS ber beutfd^en Sprad^e bon ben 
ftlteflen Seiten bis auf bie @egenU)art geläufig. 

Lex Salica 58 (3Bai^ S. 265, Se^renb S. 76, ®effdCen 
S. 58) bom infolbenten Söergelbfd^ulbner nad^ ber&btent 2:otfdgtag: 
Et sie postea [nad^bem er burd^ Eingabe bed gefammten mobilen 
fiigentl^umS bie geforberte Summe nod§ nid^t aufgebrad^t unb ben 
OffenbarungSeib, meiter nid^td au befi^en, geleiftet ^at] in c am isla 
[im <&emb], discinctns [ol^ne @ilrtel], discalcios [barfuß], palo 
in manu [ben Stab in ber $anb], sepe [über ben S^un feineö 
(gel^öftS] sallire debet. £er Sinn biefer S^mboUt ift ber bbUige 
Ser^id^t auf jebeS Sefi^redgt an bem l^eimifdgen $of, ber (Eintritt 
in bie klaffe ber l^eimat^tofen (Sigentl^umSlofen. iffienn ber neuefte 
Herausgeber ^einrid^ (Scffdten (Lex Salica, Seipaig 1898, S. 220 f.) 
aweiffit, ob ber Stab ffitt „S^ä^tn ber Sanbflüd^tigleit" fei, »eil 
bod^ ber Zotfdglager nidgt lanbflüdgtig tt^erben barf, fonbem ffir 
ben titoa nidgt au befdgaffenben Sleft ber SBergelbfdgulb meiterlgin 
mit feiner ^erfon Igaftbar bleibe, fo mirb man augeben lönnen, 
ba^ nidgt eigentlidge „Sanbflüdgtigleit'', Dielmelgr Unfe^lgaftigteit 
unb Obbadglofigleit gemeint ift. Sgl. baau ^ac. Srimm, 9ledgtS* 
altertlg&mer S. 184. S)ort auS babifdgen Quellen: Abziehen 
mit einem stebli ohne die Hab (mit Stab ohne Hab), gfemer 
ebmba S. 734: „93ertt)iefene, räumten barfuß, entgürtet unb einen 
Stab tragenb baS Sanb'' ; „^u gfug bom Sanbe gelgm toie ein 



278 2lnl|attg. 

atmet Wann: Sietf« Sid^tenftein S. 142, 148 [Sad^mann'd 
SuSgabe 303, 8: Ich wil mich von dem lande heben ze füezen 
als ein arm man]. — Sin ettoaS abtoeid^enbeS Symbol finb XDtx%e 
StäBe: fie 6e)ei($nen bie, meldte ftd^ auf (Snabe obet Ungnabe 
etgeben; in ^oQanb an einigen Otten ttagen bienftlofe W&gbe 
toei^e Stabe. @($on gleidg nad^ Stfd^einen meinet ^Sud^S übet 
ateinntat unb äBaltl^et t)ettoied mid§ ^x. $tien btieflid^ )ut 
Sttlätung bet SBaltl^etfleae auf bie 9lotiaen im ftottefponbenablatt 
bed Setein9 füt niebetbeutfd^e Sptad^fotf^ung II, 68, IV, 26 unb 
baS Wittelniebetbeutfd^e SSörtetbud^ s. v. stock, too „am toei^en 
StodC gel^n^' ald Symbol bet tiefflen Stmutl^ unb ^ülflofigtett, 
getabep beS ^Bettete nad^getoiefen ifl. S)a6 ftan^ü^fd^e il est 
reduit au bäton blanc l^ei^t „et gc]§t am 89ettel|iab". (Sanj an 
bie Situation bet Lex Salica ctinnett bet (Sebtaud^ in 5ti| 
ateutefd Sttomtib. ben Steinl^olb Stb^Ut a. a. £). betbtingt: En 
Man de mit en Witten Stock in de Welt geiht, unb de Man, 
de morgen mit 'n Witten Stock dorvon geiht. $iet ift bet toeige 
Stab genau fo Attribut bet Obbad^loftgleit (nid^t eigentlid§ bed 
S9ettelnd) toie bet palas bet Lex Salica. Sie t)om (Stbted^t auö» 
gefd^Ioffene SBittloe (lagt im 93utiabinget Sanb (nad^ SttadEetjan, 
Slberglaube unb Sagen aud bem ^et^ogtl^um Olbenbutg II, 252) : 
„ick bün doch mlnes mannes hör nit wäsen, dat ick mit 'n 
Witten stock van de stä afftrecken schall. 3n niebetbeutfd^en 
(Segenben 1^5tt man: Mit 'n Witten stocke ut 'n döre gän, b. 1^. 
banletott mad^en. ^Qe biefe Don SBoefle, Steinl^olb Sib^tx unb 
Sd^ietenbetg gefammelten niebetbeutfd^en SEßenbungen fe^en bie alte 
S^mbolil bet 9led^t8ft)tad^e fott: bie SBet^e (Plante) b. )§. bie 
giinbeloPgleit ift nut eine Steigetung bet 89efl|Iofigfeit; felbft bet 
le^te atefl öon fpticfeenbet Ätaft foß bem ätttibut beS «tmen ol^ne 
Sd^oüe, ^etb unb $abe abgeft)todgen toetben. 9lid^t abet liegt, 
mie SBoefte meint, in bem fecunbäten (Spitl^eton bie SButjel bed 
Silbe«, fo baB ,;bet feinet Stinbe betäubte Stod" Sinnbilb bed 
nadten „89ettlet8" gctootben fei. 

Wtt aSSaltl^etS 93etg berfil^tt fld§ tJoQftftnbiget Sl^tiftopl^otud- 
«egenbe ». 659 (Seitfd^tift füt beutfd^cä »ttett^um 17, 106), too 



2Inmer!ungcn. Hac^träge. Bertcftttgnngen (ju 5. u). 279 

Offotud bad mäd^tige 9tog, baS il^m ber Seufel gefd^affen ]§at, mit 
ben SBotten öcrfd^mftl^t : Hab dir dein ros und dein gab, ich wil 
gön auf einem st ab. Slel^nttd^ Scriptor. rerum Prussicarum IV, 
165 f. : Ouch sprach er [ber ,&od^mctflcr], sy wustenn wol das er 
jetzundt nicht m6 den die myntze hette, weltenn sy sy ym ouch 
benemen, so hette er gar nichtis, so müste er einen st ab in die 
handt nemenn unnd bethelen geen von hüs zu hüs. — @oetf)t an 
grau t). ©tetn (3toeitc 9lu8flabe Don gficü^, gfranifutt a. 5R. 
1883, I, «r. 76, ©. 45): 

Gestern als wir nachts von Apolda zurück ritten, war ich vom 
allein bey den Husaren, die erzählten einander Stückgen, ich hörts, hörts 
auch nicht, ritt so in Gedanken fort. Da fiel mirs auf wie mir die 
Gegend so lieb ist, das Land! der Ettersberg! die unbedeutenden Hügel! 
Und mir fuhrs durch die Seele — Wenn du nun auch das einmal ver- 
lassen mufft! Das Land wo du so viel gefunden hast, alle Glückseligkeit 
gefunden hast die ein Sterblicher träumen darf, wo du zwischen Behagen 
und Misbehagen in ewig klingender Existenz schwebst — wenn du auch 
das zu verlassen gedrungen würdest mit einem Stab in der Hand wie du 
dein Vaterland verlassen hast. Es kamen mir die Trähnen in die Augen. 

6S ifl crftauntid^, toic in bicfen SBotten bcä jungen ©oetl^e 
Dom 3a]§te 1776 bie uralte ©^mbolif fotttett: SBalt^etS »ilb 
toxxh \)on t^nen gan^ unmittelBar beleud^tet. 9l6er bie 3{nf($auun9 
bauert in unferct Sittetatut nod& länger. Otto ßubtoig lä^t feinen 
grbfötfler ftjted^en (9lct II, ©cene 8, @tern=©d&niibt S3b. 3, 54) : 

Herr Pastor, ich bin Förster hier, oder er müsste öffentlich erklären, 
der Herr Stein, dass er an mir gehandelt hat als ein Schurke. Das Meine 
hab ich in seinen Forst gewandt, ich will nichts herausnehmen als den 
Stock, an dem ich in die Wel t gehe und in meinen alten Tagen einen 
neuen Dienst suche (toic in $ottanb; f. oben). 

es ift bei ber (Srflärung beS SBaltl^erfd^en @ebid§td aud^ auf 
ben @egenfa^ ^toifd^en bem ftaubeSgem&gen Steiten unb beut gu 
5u6 (Bellen au legen, ber ja aud^ in Soetl^eä ©rief nod^ l^inein 
fpielt. aufeer ben Seiegen, bie aSBilmannS, geben aBaltl^erS ©. 247. 
445 anm. 622 auS SBalt^er (24, 20. 28, 8) unb ^artmann 
((5rec 6694, Stoein 1766) anfül^rt, feien nod& folgenbe l^ier t)tX' 
aetd^net. ©alman unb 9Rorolf 112 (SBogfS SluSgabe ®. 23): 



280 2lnl?ang. 

*Ez dät mir hüte und immer we', 
sprach die frauwe wolgetan [©almanö ©attin], 
«daz ein so richer furste [ber gefangene llönig göre] 
zu fäze sol von hinnen gän.* 

Do sprach der heidenische man: 
4ch mag zö fäze vil wol gän; 
ich lige hie üf des libes ndt: 
nü löse mich kunigin edele, 
ja danket mich zu füze gät\ 

3m (Sdenlieb (35 , 1 ff., S)eutfd§e8 ^elbenBud^ 5 , 225) l^at 
f$tQu Sgburc, bie Königin, ben Stiefen Sde mit Srünne unb Sd^toett 
auSgerfiflet unb gibt il^m nun bad l^eulid^fle Stog; er aber loeift 
cd ald au fd^lUQ($ für fein (Setoid^t aurüd: 

daz ros sol hie bestan, 

ich mac ze fuoze vil wol gän: 

j6 bin ich ze ungefuege . . . 

Sarouf bie Königin : 

Ecke la dich erbiten 

durch minen willen wis geriten: 

jö schiltet man mich sere. 

swar so du nü der lande verst, 

min lop du gände mir verzerst. 

wan sprichet mir kein ere 

wan *daz er gar verwäzen si, 

der dir gap die brünne 

und dir niht rosses gap da bi. 

phi im und sinem künne*. 

3n bie «tterarifdöe ©pl^dre t)ct|c^t baS TOcificr Äeliu (SKittne- 
finfler III, 24 a): 

Wil ie man hin gegen Swäben, 

der sol den edelen sagen 

daz ich mit kranken gäben 

mich vil lützel kan betragen: 

man sol in sagen, man s§ mich selten riten. 

.^5($fi tel^rteid^ -aitx für bie ^bflufung ber focialen 9tang> 
t^erl^ältniffe mittelalterlid^er Rotten ift eine Sanjone bed SRarf« 



2lnmerfungcn. Hac^träge. Bertc^ttgungen (3U 5. U— 23). 281 

gTQfen ältbett Don 9)iQla8ptna gegen ben Ztoubobour Slambaut 
öon SSaquciraÄ (1180—1207). ®iefcr SlamBaut toat bet ©ol^n 
eines Qrmen Stitterä (tote tjermull^lici^ SBattl^er), tourbe erfl ^of- 
biegtet bei bem $rinaen SBill^elm lY. t)on Dränge, bet i^m einmal 
auf ein 6pottgebt($t anttoortete: ,,@el^t nur pm Aönig bon 
Satcelona, tote il^t Dorl^abt; benn nidgtd ift eud^ lieber als (Selb 
unb ein fd^&biger Slnaug'' (baneben ]§alte man SBaltl^erS: getrageniu 
Avät ich nie genam). Sc fommt nad^ Oberitatien an ben $of 
beS ^krlgrafen Sonifaa Don Wontf errat, ber il^n aum älitter 
mad^t. Sarauf fpieU nun baS Sd^mäl^gebid^t beS Warfgrafen 
t)on WalaSpina an: ,,bur($ bie Sombarbei fal^ id^ ]§unbertmal 
6u(^ 5U Qn% gelten in ber SBeife eineS niebrigen Jongleurs, arm* 
feiig an ^abe unb ol^ne @(üdCSflern bei ber Siebflen, unb eS toflrbe 
Sud^ (ButeS getl^an l^aben, toer (Sttd§ su effen gegeben l^&tte . . . 
3^x l^anbeltet toie ein 9larr, ba il^r Suer frül^ereS (Setoerb Derlie^et, 
Don bem ^l^r 9lnexlennung unb SSSol^Iergel^n l^attet, unb berienige, 
ber eu($ aus einem Jongleur 5um Stitter gemad^t ]§at, gab Sud^ 
Sdgaben, $(age, Wi^gefd^idE, Sorge, ftummer unb Sel^inberung . . . 
benn feitbem 31^r Dom Alepper auf baS 9t o^ geftiegen feib, 
mad^tet 2[^r toeber einen Sc^toett- nod^ einen San^enfto^.'' SSgL 
3)ie}, Seben unb SBerle ber SroubabourS , 2. ^uß., @. 220. 
223. 226 ff. 

@. 23. wich (aBalt^cr 35, 28) fott nad& Seitf^rift für 
beutfd&cS ältettl^um 40, @. 340 nid^t baS bairifd^-tirolifd^e wich, 
wiech fein, tocil biefcS als ju wuocher gel^örig im 13. Sal^r^unbert 
uod^ wüeche gelautet l^aben mu^. @S ift ridgttg, bie tiroUfdg« 



^ Raynouard, Choix des po^sies originales des Troubadours IV, 
©. 10: Mas vos ai vist cent vetz per Lombardia Anar a pe, a ley de 
croy joglar, Paubre d'aver e malastrucx [malastruc Vatican. bei SKal^n, 
©ebid^te ber XroubabourS ^v. 1307] d'amia; E fera us pro qu'ie us [qius 
Vatican.] dones a manjar . . . Fezetz que fols quan laissetz lo mestier 
Don aviatz honor e benanansa, E sei que us fetz de joglar cavallier Vos 
det enuei, trebalh e malanansa E pensamen et ir* et encombrier . . . Que 
pueys montetz de rossin en destrier, Non fezetz colp d^espaza ni de lansa. 



282 2lnl|ang. 

(aittfd^e (Snttunbung bed üe ^u ie lägt ftd^ fonft auS fd^tiftlid^en 
dueUen nidgt oor bem 15. ^al^tl^unbett Belegen, t)gt. SBeinl^ofb, 
aUemannifd^e @tammatil § 102, @. 88, Sattifd^e @rammattt 
§ 89, <S. 92. älter ftel^t ber et^mologtfd^e Sufammettl^ang beS 
SBottd mit wuocher übetl^aupt feft? 9lud§ fd^etnt mir l^inftd^t> 
lid^ bei Snttunbung für ein ber Sd^riftfprad^e frembeS, abfoluted 
Sialetttoort bie Wöglid^Ieit eines frfll^eren Auftretens Ieinedn)egS 
unbebingt auSgefd^toffen , ba menigftenS i für ü im Sairifd^en feit 
bem atDölften Sal^rl^uttbert beaeugt ifl (SBeinl^oIb, Sair. (Sr. § 19, 
@. 34). SDod^ l^obe id^ ftetS eine getoiffe Steigung gel^egt für bie 
Auffaffung, bag ze wich t^orUege, baS bamalS fd^on beraltete äSort. 
toeld^eS in SBeil^nadg t ben erften Seftanbtl^eit bilbet. ;,S)en SRann 
fd^5n au nennen — fo etma liege {t(^ SBattl^erS AuSbrudC mobern 
tt)ieberge6en — baS ift ein gar 5U l^el^reS Sob unb bed]^a(6 
leidet mit bem TOalel ber 3tonie bel^aftet". S)urd^ ben (Sebraud^ 
beS Ard^aiSmud wich, beS grogbüterlid^ feietlid^en ^luSbrudEd 
tooQte ber S)id§ter üieQeid^t gerabe bie SBirtung eraielen, bie feiner 
2Jleinung nad^ bad SPräbifat schoene, ^Rännern beigelegt, 
l^erüorruft. 

@. 28. Sie geleierte ^ilbung SSaltl^erS l^at auerft 
nad^brüdlid^er l^etborgel^oben SBadEernagel («^er^og - $tittd Sleal* 
(Snc^clo))äbie für proteftantifd^e Zl^eotogie 93b. 21 [1865], ftleine 
Sd&riften 2, 871 f.): er glaubte, befonberS ben ttinflufe berjenigen 
lateinifd^en Sid^ter, bie fid^ ^Xi ben 9lefop anfd^liegen, toal^rau- 
nel^men. 

S. 33. @d§önbad^S SBerfud^ einer biogra))]^if d^en 
9luSbeutung ber 8ieber SBaltl^erS ifi üon il^m felbft in feinem 
Sudg über bie 9lnfänge beS beutfd^en ^innefangd @. 121 ff. au8- 
brüdE(id§ toiberrufen toorben. 9ln bie SteQe fe^t er eine Setrad^tung, 
mit ber td^ mic^ tt^ol^l befreunben tann. äBiberfprud^ mug id^ nur 
gegen feine Sarfteüung meines StanbpunIteS erl^eben. g^näd^ft ift 
boS Problem, mie »eit ber reale ©e^att ber TOinneüeber er- 
forfd^bar fei, nid^t auerft bon 2BilmannS in feinem Seben unb 



2lnmerfungen. Hac^träge. Berichtigungen (ju 5. 28—33)» 283 

Std^ten SBaltl^erd @. 164 t)tincipiea geftettt unb etörtett tooiben. 
äJielmel^t glaube id^ für mein im S^a^te 1880 etfd^ieneneS fßrxä^ 
übet Steinmat ben Sllten unb SBaltl^er bon bet 93ogettoeibe baS 
Serbienft 6eanf))tud^en )u bütfen, t)tincipieQ unb untet <^etbot> 
l^ebung bet Sonfequengen bie metl^obifdge äBtQffit entfd^Ieiett 
au l^aben, bie in allen biSl^exigen SSetfud^en, äBaltl^etd unb 
anbetet Stinnefdnget Siebet biogtapl^ifd^ aud^ubeuten unb bio« 
gtapl^ifd^ il^te S^tonologie fefiaußeUen , il^t SBefen ttieb, fotool^l 
in ben Semül^ungen bon äBeidle, Stieget unb anbeten toie 
in ben Sonfituctionen autobiogtap]^if($ geoxbnetet Siebedtoman« 
Siebetbüd^et inxä) ^üQen^off, Sd^etet u. f. m. Sine gana babon 
betfd^iebene Sf^age ift bie: toie üiel ben Siebetn (Stiebted au @tunbe 
liegt? S)atauf anttoottcte xä) bon jel^et mit einem ,,bier', abet 
toit Unnen ben med^felnben @tab btefet Sßal^tl^eit, bie tetatib 
bei iebem Sidgtet betfd^iebene SRifd^ung bon Sid^tung unb äBal^x* 
%txt nid^t meffen. Sedl^alb mibetfptad^ idg ^Slnaeiget füt beutfdgeS 
aitettl^um 9, 350' ben ^udfül^tungen bon SöilmannS, ber bie 
Stinneliebet füt bemühte gfictionen etll&tt unb bie Siebexbüd^et 
auf Ifinftlid^ componitte Seelen ftei etfunbenet (Bebid^te ol^ne tealen 
3n]|alt auxüdCgefül^xt l^atte. ^n bet SDatfteUung Sd^önbad^S jtel^t 
es fo aus, als l^ätte fid^ meine Sluffaffung übet biefe Silagen im 
Saufe bet S^ü betf droben. S)aS (Segentl^eil ift tid^tig. 9lad^ toie bot 
etllüte id^ : eine gl^tonologie bet mittell^od^beutfd^en SRinnel^til auf 
®tunb biogtapl^ifd^et Ausbeutung il^teS etotifdgen ^[nl^altS, bet 
in i]§nen auSgefptod^enen SiebeSfd^idCfale unb SiebeSempftnbungen, 
entbel^tt jebet toiffenfd^aftlid^en metl^obifd^en SSafiS, eben meil eine 
fold^e Ausbeutung tein unmöglid^ ift; obiectib bet S^^f^ung au» 
gftnglid^ ift nut bet Stil im toeiteften Sinn, b. 1^. @ptad^e, 
3RettiI (gieimlunfl, ©ttopl^il, SRl^^itl^mil), Stil im engeten Sinne, 
ffllotibe, ßompofltion, gicbefotmen u. f. to.; fingitt finb bie 
Siebet il^tem Snl^alt nad^ batum ntd^t, eS (ommen gemi^ teine 
Sictionen bot, abet nid^tS a^ingt, fie füt bie Kegel au l^alten. 
Unb nod^ einS: bie gfteube, S($5nbad^ ie|t an meinet Seite au 
feigen, lann aud^ nid^t babutd§ gebümpft toetben, ba^ eS mit 
adgtael^n Salute lang ni(^t gelungen ift, il^n butd^ meine umfaffenbe 



284 2lnljang. 

Sltgumentation au flbetaeugen , fonbern ba% bieS erft ben eittfettig 
auf bie Sll^^tl^mil befd^ränlten flattfttfd^en , an fid^ berbienfUioIlnt 
(Sxl^ebungen SaranS möglid^ toutbe, bie fid^evlici^ ntemaU in biefei 
Zenbena unb gfi^^^ angefteUt lootben loftten, loenn i^ nid^t feit 1880 
immer loieber in meinen Sd^tifien unb 93otlefungen bie Slot^menbiglett 
geptebigt l^fttte, bie Sl^ronologie ber mittell^od^beutf^en S^rit auf 
einer genauen l^iftorif^-genetifd^en Snal^fe ber (fluftlerifd^en gfotm 
aufauBauen, loobei id^ fletd unb fd^on in meinem a9ud^ über Xeinmor 
unb äBaltl^er bie Vletril, namentlid^ 9teimtunfl unb Sttop^tnhan, 
mit eingefd^loffen unO in Setradgtung gebogen l^abe. ^tnbeffen 
fd^eint [a nun einmal baS Zeitalter ber Statiftit aud^ in unferet 
Sidciplin angebrod^en gu fein unb bor bem SiegeSpg biefed 
^l^antomS l^alten bie Stötter ber ))]^ilologifdg - l^iftorifd^en Wetl^obe 
leiber nid^t Staub. 

Siefe (Sötter aber, bereu %amen einzelnen ifingeren (Sermaniflett 
— id^ beule babei nid^t an Saran — bereit« unbelannt au merben 
anfangen, iDäl^renb i]§te SRad^t bon nidgt luenigen l&ngft Detad^tet 
mirb, ]^ei|en Aritil unb fi^egefe, (S^egefe unb Äritil unb l^unbert- 
mal ffriti{ unb Ssegefel 

@. 37. 3urSfrage nad^ ben 93otbitbern ffit SBaltl^etS 
@))rud^))oefie lo&re nod§ auf eine anbere Srfd^einung ]|in)umeifett. 
$oIitifd^e Sid^tung im großen Stil l^aben, bet^or äßattl^er in 
Seutfd^lanb bie Sal^n brad^, bie proben^alifd^en XtoubaboutS 
get)Pegt. Slber mit bem Unterfdgieb, ba^ fie bamit bie ^Ulinne« 
potfit berquidEten : il^nen bient aud^ bie Strafprebigt gegen bie melt« 
(id^en ober geiftlid^en @rogen, gegen Aaifer ober $apfl nur als 
gfolie für bie Siebedl^ulbigung. SBaltl^er l^at niemals in bemfelben 
(Sebidgt ein politifc^ed unb ein mtnniglid^eS X^ema bel^anbelt 
Xro^bem liegt bie ^xa%t naf^t, ob nid^t fein Uebetgang bon bet 
minniglidgen ^ofbid^tung im @til äteinmarS au ber politifd^en 
©prud^poefte angeregt Sorben ift burd^ romanifd^e Seifpiele. 3lm 
leidgtepen lonnte auf il^n »irten $eire93ibal: biefer l^ielt fid^ bei 
ftönig (Smmerid^ bon Ungarn, bet feit 1196 regierte, au Sebaeiten 
ftaifer ^einrid^S VI. auf, ber am 11. September 1197 ftarb, alfo 



2lnmerfungen. Hac^träge. Berichtigungen (ju S. 37—39). 285 

1196 ober 1197, in näd^fler %ä]^e SSalif^tx^. Seine fd^atfen 
SludfäQe gegen ben Jtatfer unb bie Seutfd^en, feine nationaliflifd^e 
SJetl^enüd^unfl bet proben^altfd^en ©eimat bürften in (Sebid&tcn 
Sßaltl^etd einen @egen{(ang qmtdi l^aben. Sgl. oben @. 168 
unb 9(nm. 2; fetner Unterfud^ung 3. 

©.39. gür ben 5Kartitt8tag, an bcm aSaltl^er meinet 
obigen äJetmutl^ung nad^ baS Selb au feinem ^elatnantel etl^ielt, 
bütfen toit ftol^e ^eftUd^leiten unb Siebet als alt übetliefett 
annel^men: getoi^ beftanben fie fd^on au SBaltl^etS Seba^iten. 
£]^oma8 öon Sl^antimptö, bet ettoa 1210 bi8 1270 lebte, lennt 
in feinem S3ud§ bom Säienenftaat (1263) einen cantus turpissimus 
de beato Martino, plenas laxariosis plaasibns per diversas terras 
Galliae et Tentoniae promalgatas (Bonnm universale de apibus 
ed. Colvener. Duaci 1627, @. 456 f.). Unb baS aUetbtngS ettoaä 
jüngete 5Karttn8Keb ^ einet SBienet ^anbfd^tift beS 15. Sal^tl^unbettS 
(f. ^offmann, In dulci jubilo. 2. SluSgabe. ^annoöet 1861, 
9lt. 36 , ©. 89 f.) toitb tDO%l ben Snl^alt unb ben Son be8 
SSagantenliebS , toie e8 bot 2BoIfget8 Olsten am 3Jlattin8tage beS 
Salutes 1203 in bet bifd^öUtdgen $utg au 3^if^Iutauet etfd^oQ, 
atemlid^ treu bettal^tt l^aben : 

Pontificis eximli 
in sant Mertens ere 
patronique largissimi, 
den schol wir loben söre. 

In cuius festo prospere 
zu weine werdent moste, 
et qui hoc noUet credere, 
der lass dy wursen [fc^lec^teren] chosten. 

Martinas Christi famulus 
^ was gar ain milder hörre: 

ditari qui vult sedule 
der volg nach seyner l^re, 



^ 5lnbere 2Äartinälieber, in ber 2(rt beä ©teinmarfd^en ©efc^mad^ 5ei 
g. 51. a^ager unb §. Slietfd^, 2)ic SKonbfee * SEßiener Sieber^anbfc^rift. 
«erlin 1896 (Acta Germanica IV), ©. 511 ff. (baju @. 216 f.). 



286 ^nt^gng« 

Et transmittat hie stantibus 
dy pfennig aus der taschen, 
et donet scientibus 
den wein in grossen flaschen I 

Detque esurientibus 
dy gueten faysten praten, 
gallinas cum cauponibus: 
wir nemens ungesoten. 

Vel pro honore dirigat 
die gens und auch die anten, 
et qui non bene biberit 
der sey in dem panneM 

@. 46. Qnostenaior compescit nameras be^iel^t fld^ 
lebigUd^ auf bie SJlaiotität bei ber SB a 1^ l gegenüber bet Minorität, 
bie für Otto geftimmt l^atte, ftel^t atfo ttid^t gletdg mit doch wart 
der leien m§re, toad auf bie Uebermad^t im fpäter folgenben 
aSürgerfriege ftd^ bejiel^t. 2)ie naivere SSeleud^tung bringt bie britte 
Unterfud^ung. 

@. 46. 47. 2)en @egenf Q^, n^eld^en bie SSamberger 
unb ^allifd^en gürftenprotefte attjifdöen bem eigentttd^cn 
SBiQen beg Zapfte 8 unb ben ^anblungen unb Slbftd^ten feiner 
dlatl^geber unb SBerl^euge, namentlid^ ber Segaten, annel^men, 
fud^t SB. @rotefenb (3ur Sl^aralterifiif ^^ilippg bon Sd^maben unb 
Ottos IV. bon Säraunfd^toeig. Srier 1886, @. 34. 36) im Segen- 
fo^ au SBinlelmann für leinen !ünfttid§ conftruirten )u etfUren. 
3nnocena l^obe in ben berfd^iebenen , »ä^renb beS £]^ronftreiteS 
fd§to)ebenben lird^Iid^en SBol^Iatoiften leineSteegS auäfd^liegtid^ bie 
Sanbibaten toelfifd^er (Seftnnung anerfonnt, fonbem aud^ auS« 
geprägte Slnl^dnger $l§ilipp8, a- S3. Cgbert bon Sambetg unb 
ällbred^t bon SRogbeburg ; er l^abe mit bem bom Segaten gebannten^ 



^ 30^ gebe ben XeTct nad^ S)emö* 2l5brucf (Codices manuscr. Theologici 
Bibliothecae Palatinae Vindobonensis Vol. II pars III, Vindobonae 1802, 
<S. 2139), ber ben baiuoarifd^en ©prad^d^arafter ber Slufjeidjnung treuer be* 
roal^rt alö §offmannö Sf^ormalifirung, 



21nmcrfungen. Hac^träge. 3erid?tigungcn (311 5. ^6— ^^7). 287 

fiaufifd^ geflnnten SSifd^ot Äontab Dort ©alBctflabt (f. oben @. 63. 
92 f.) freunbtd^aftlidö öcrtel^tt , ate bief er auf bex aiüdfcl^t bon 
teiltet «pKgctfal^tt in 9lom il^n befud^te; er l^abe in einigen Säßen, 
too bie Segaten gegen beutf($e iBifd^öfe fd^ärfer Dorgingen^ ald tl^m 
lieb to)ar, jenen feine Un^ufriebenl^eit nid^t berl^el^It unb ntand^e il^rer 
SRa^regeln rüdgftngig gemod^t, ja fie toieber^olt fd^arf getabelt. 

2)ie Segrünbung biefer 9luffaffung l^ält, lood td^ ^ier nid^t 
näl^er nad^to)eifen lonn, im gin^elnen nid^t Stid^. 3Benn ber 
Vleifler aller politifd^en Aünfle ^[nnocena feine SeboUmäd^tigten 
gelegentlid^ beSabouirte, fo barf man barauS nod^ feinen princi))ieaen 
®egenfa^ au il^nen erfdgtiegen. 9lUe biplomatifd^e Zed^nif mug 
aurüdCaumeid^en berftel^en, toenn ed ber (Srfolg bertangt. Unb 
gett)i^ f)ai 3nnocena aud^ immer gern menfd^Iid^e (Sered^tigleit unb 
Ser^eil^ung geflbt, to)0 eS mit feinen 3telen bertr&glid^ fd^ien. 2)ie 
Seele bed JtampfeS gegen ^l^ilip)) aber »ar er im ^al^re 1201 
unatoeifell^oft. 2)aS »ugten aud^ bie proteftirenben gfürfien. 2)aS 
tt)u^te geto)tg aud^ SBaltl^er« aU er feinen @prud§ 9, 16 bid^tete. 
SBenn er unb toenn iene eg berfd^Ieiern, fo berful^ren eben aud^ fie 
nad^ ben ®eboten polittfd^er ^(ugl^eit, bie bem mäd^tigen gfeinb 
gern golbene SBrüdfen awm Slüdtaug unb aum SriebenSfd&tu^ baut. 

3eneä SBaltl^erfd^e der bäbest ist ze janc entfprad^ aber mel^r 
nod^ ate bem 3Jlanifefi ber SSamberger unb ^aHifd^en Surften- 
öerfammlungen ber «ßoliti! beS ÄönigS felbft. ^l^ilipp ^at immer 
audg in ben ^ugenblidCen feinet l^öd^ften @(üd(eg unb felbft ba, tt)o 
er öffentüd^ gegen bie Surie eine fd^arfe ©prad^e fül^ren liefe, per» 
fönlid^ au t)erpten gefud^t, bafe bie SBerbinbungSfäben, bie nad^ 
aiom leiteten, gana a^triffen. Die fpäteren toeitgel^enben Soncefjto» 
nen, to)eld§e t)on bieten mobernen gorfd^ern ald untoürbige 2)emut]^ 
unb @d^»öd^Iid^{eit einem unberfb^nlid^en gf^inbe gegenüber ge» 
tabelt to)orben finb, bie, toit id^ annel^men möd^te, aud^ mitgetoirft 
l^aben, äBaltl^er bem Jtdnig au entfremben, leieren, bafe $l§ilipp 
bor ber @eto)alt bed ^apfteS ftd^ niemals atö tt^irflid^er $err beg 
Imperium ]mu toie fein großer Säruber. @8 l^aftete il^m bon 
feiner geiftlid^en Saufbal^n, für bie er einft beftimmt gettefen tt)ar, 
bem $ontificat gegenüber immer nod^ ein äleft bon Unfreil^eit an. 



288 2Inliang. 

®. 47. S)ct $apji tft au iung (9, 39). S)iefen Haften- 
ben SuStuf beS AlauSnerS fagt SBilmannS (aut Stelle) in bem 
Sinne: „ex tfl aud iuftenbltd^em Ungeflüm au l^i^ift unb leibenfd^aft« 
Ix^". Sfüt bie oben bon mir gegebene 2)eutung: „tx ift au tunft, 
um bie 9länle feinet älatl^gebet, ber gotbin&le unb bet Segaten au 
butd^fdgauen unb il^nen SBibetfianb au leiflen'' , batf natürlid^ bei 
Seibe nid^t entfd^eiben bie Uebereinfttmmung mit bem Sebanlen« 
gang ber gleid^a^itigen ^aUe^iBambetger Silrftenerflätung, bie aud^ 
bie SSeronttoottung bom $apft auf feine Slatl^gebet abtoälaen au 
tooQen fid^ ben 9lnfd^ein gibt. S)q8 to)äTe eine atoax oft angetoenbete, 
abet gänalid^ unmetl^obifd^e 9(Tt bet Ss^gefe, eine S^egefe bon 
äugen, butdg med^anifd^e anf))ftopfung ftember parallelen. 9lur 
burd^ genaue, unbefangene Srtt)&gung beS äBortlautS ber 
@teUe lann feftgefteUt toeiben, ob bad ze innc bie SSebeutung l^at, 
bie il§m SBilmannd, ober bie, meldte id^ t^m aufd^rieb. 

S)er S)id^ter fteKt fid^ bar ate IBeobad^ter unb kennet ber 
intimflen (Sel^eimniffe ber römifd^en $oIitil: ze Röme hörte ich 
liegen, zw^ne künege (natürlid^ gfriebrid^ unb $]^ili))p) triegen. 

2)ie QueUe alfo ift bie Uftige 93erfd§lagen^eit, bie rabuliftifd^e 
älec^tdberbrel^ung. S)ad flnb nid^t bie Sigenfd^af ten leibenfd^aftlid^ 
borftüimenber, unbebad^tfamer 3ugenb, auf bie jenes ze jnnc im 
Sinn bon SBilmannS ))affen tonnte. Da. von huop sich der meiste 
strlt: bie gfolge toar ber Ätieg jtoifdöen ben Pfaffen unb Saien, 
ben erfi beibe Parteien mit bem Sd^toert, fpdter bie Pfaffen mit 
ben geifllid^en SBaffen bon Sann unb unterbiet fahren. 2)en 
Einfang ber 93erloirrung fud^t SBaltl^er, mie man fielet, ntd^t in 
leibenfd^aftlid^ jugenbli^er ^eftigfeit, nid^t in übereilten Wagnal^men 
bed ^abfteS, unb aud^ ben legten ^ct fd^reibt er burd^aud ber 
(Sefammtl^eit ber Pfaffen au si griffen zno der stöle wider, si 
bienen, die si wollen, do störte man diu goteshns, nid^td bom 
Singreifen beS ^opfted. Witl^in fann baS ze jnnc nur fo ber« 
ftanben »erben, »ie oben: er ifl burd& feine 3ugenb öerl^inbert, 
aU bem red^taeitig t)oraubeugen ober Sinl^alt au tl§un. Sllletbingd 
fd^loebte, tnie in Unterfud^ung 3 auSgefül^it tt^etben tt)irb, bei 9, 21 
(ze Röme hörte ich liegen, zwöne künege triegen) bie Deliberatio 



ilnmerfungcn. ZTad^trSge. 3erid?tigungen (3U S. ^7—56). 289 

super facto de tribus electis tJor (Registrum de neg. imperii 29, 
SQfltgne 216, 1025 B. 1031 B), too ntd^t blofi .^^itippä, fonbetn 
aud§ gfriebtid^S (Srbanfpiüd^e tion 3nnocena Qbt)OCQtoxifd^ unb 
bo))peIjüngtg befprodgen toetben. allein, nod^bem 3ßalif)tx einmal 
bie Wadfe t^ornol^m, bie toal^te Utl^ebeifd^aft aller Wa^tegeln gegen 
bie flauftjc^e @ad^e nic^t au fennen, fonbetn fie auf bie 6atbin&le 
abfdgob, fonnte er ja audg bie @ebanEen, toie fte ieneS Slctenfiüd 
audfpTid^t, bag übrigeng felbft ntd^t publicirt toorben ift, atö ^ud» 
flu^ ber 3ntriguen ber alten Sarbinäle faffen. 

@. 49. Sie toinfürlid^e (Sntfd^eibung bed Sarbi* 
nallegaten @utbo über bie ^ain^er S)o))peIiDa]^l. 2)ie 
äSäl^ler SupoIbS bon SBormS unb au(^ Sr$bifd^of Subolf Don 
^agbeburg n^arfen bem Segaten gerabep bor, bag fein Urtl^eil 
bon ben (Segnern burd^ Sefted^ung erlauft tootben fei (f. äBinlel* 
mann 1, 226 unb 2lnm, 1). 

@. 49. @efälfd^te 93riefe bed ^apfteS im ^ainjer 
Sd^iSma. & l^&tte l^erborgel^oben n^erben muffen, bag bie barin 
genannten beutfd^en äSifd^öfe fie für ed^t nal^men, tt^irflid^ glaubten, 
ber ©trett fei bom $apft ber (Intfd^eibung be8 Sarbinallegaten ent- 
zogen unb bor i^r fjforum gen^iefen »orben , unb bemgemft^ fogar 
eine SSorlabung an ©iegfrieb öon (Spjjfiein erliefen (f. SBinlet- 
mann 1, 225, Seilage XI, @. 552 ff.). 

@. 52. 2)ad Sob beS aud^tgemägen ^ofbienfteg ber 
£]^üringer unb Sad^fen im Sprud^ bom ^agbeburger 
SBeil^nad^täfeft (19, 15. 16) foH, toie Untetfu(^ung 3 nad^toeift, bie. 
^rotefte ber rl^einifd^en SBäl^ler Otto8 gegen bie auf nid^t 
l^ertömmlid^em SSoben, ndmlid§ au ^Rül^ll^aufen in S^üringen, 
boUaogene Sßal^l ^l^ilippd abfertigen unb läd^erlid^ mad^en. 

©. 56. SBalt^erS (ginfül^rung an ben öfterreid&i= 
fd^en $of burd^ SBolfger bon $affau ift auggefd^loffen, 
ba ber Sifd&of erft 1199 au8 bem Orient ^eimlel^rte. 

SBurbad^, äBalt'^er t^on ber S}ogeltoeibe. 19 



290 21nl?ang. 

S. 57. SBaltl^erd Sob beS ^attiaid^en-^ofe.d t)on 
aquilcia (34, 36) bctoeift einen ^äujtgcn äufentl^alt beS 
Sid^terg in biefer @ren5ftabt beutfd^et unb italtenifdget SuUut. 
SetDi^ finb ;,feine Siebet audg in gfriaul erltungen'' (Sd^önbad^, 
Anfänge beg beutfd^en SJlinnefan^ S. 33) unb fic^eiUd^ mug man, 
Sd^önbad^g ^ntegungen folgenb, l^infott bie fd^ärffte Sufmerffamfeit 
bei t)etmitte(nbcn ätoQe sutoenben, bie SBoltger bon 9[qut(eia unb 
fein $of atoifd^en beutfd^er unb tomanifdger 93ilbung ' gefpielt l^at, 
SBolfgerS 93orliebe füt beutfd^e unb italienifd^e fal^ienbe Sänget unb 
@öngetinnen l^obe id^ oben (S. 55) nad^ ®tb^x betont. 

Untet ben bielen itolienifd^en (Selel^tten unb $oeten, mit benen 
äBolfget als Steid^Slegot füt ^[talien in nä^ete Setül^tung ge- 
fommen tft, möd^te id^ l^iet bie Slufmetffamfeit ouf einen aud^ an ' 
fld^ ]^5d&ft inteteffanten aJlann lenlen, bän Solognefet Sutijlen unb 
Seiltet bet 3l^etotiI SSoncompagnoaug fjlotena. Uebet bie ©tette, 
toeld^e et atö äSetttetet bed itolienifd^en, ntobetnen @ti(d einnimmt 
gegenübet bet ctafficiflifd^en Slid^tung bet ftan^öfifd^en @d^ule bon 
Otläand, fotoie übet feine tt?unbetlid^e $etf5nlid^leit, bie und l^alb toie 
ein mittetaltetlidöct SJagant l^alb toie ein fal^tenbet fßoet unb ^umanifl 
au8 bet Sftül^aeit bet Slenaiffance anmutl^et, genüge eö, auf bie 
fötbertid^e Siogtapl^ie l^inautoeifen, bie S. ©uttet in feinet ^abili- 
tationdfd^tift (ßui Seben unb Sd^ttften bed Wagiftet Soncompagno, 
Steibutg i. S. 1894) bon il^m gegeben l^at; bott flnbet man aud& 
bie teid^e, ältcte unb neuete Sittetatut betaeid&net. 3n Söl^met» 
Acta imperii selecta (git. 1066. 1067 ©. 762 ff.) ift beteitä bot 
Saluten ein etfunbenet, abec offenbat gleid^a^itiget unb bem toitllid^en 
@tanb bet Singe entfpted^enbet 93tief»ed^fel atoifd^en $^ilipp unb 
Otto aus aSoncompagnog gotmelbud^ 'Boncompagnus' (IV, 2, cod. 
lat. Monac. 23499, 181. 29 1^) abgebtudft: ba fotbett $Pipp nad§ 
bem ^bfaa Slbolfd bon Adln Otto auf, nunmel^t feine ©ad^e, bet 
fid§ aud^ fein eigenet SSrubet ent^ie^e, betloten au geben, etl^ält abet 
eine fd&nöbe unb fiol^e Slnttoott. 2lu8 bet Summa bed S3oncompagno 
in einet ©taaet ^anbfd^tift (UniöetpifttSbibl. 6ob. 225, alt 42/43) 
beä 13. Sa^tl^unbettg, bie »al^tfdöeinlidö au8 TOilftatt fiammt, l^at 
ßofettl^ (Seittöge j. flunbe fteietmät!. @efd&tdöt8qu. 26 [1894], 



2Inmer!ungcn. Xladftxä^e, Berichtigungen ^n 5. 57). 291 

@. 21 ff.; ögl. 91. ärd^iö 22, 306 f.) ciniflc bie äJabenbetger betteffcnbc 
Srtefc cbitt. Scaid^unjcti mit 3)cutfd^Ianb mußten il^m aud^ burd^ 
ben Satbinal Seo eröffnet toetben, bet 1207 att Segat in Seutfd&- 
lanb toat : einen Sobfprudö auf i^n cntl^ält bie genannte 6umma, 
unb aud^ feinem Steffen TOatteo Stancaleoni ftonb Soncompagno 
nal^e. SSiel tDid^tiget aber für unS ift, ba^ au8 btejer ©umma fid& 
aud^ eine enge SSexbinbung an^ifd^en ^oncompagno nnb SBoIfger 
t)Dn9lquileia ergibt: ben laifetlid^en Segaten preift er afö {einen 
@5mier. Sa nun äBaltl^er nad^ 31 , 14 (bg(. oben @. 42) un- 
ameifell^aft in Oberitalien, im ^ogebiet getoefen ift, lann man bie 
Srage auftoerfen, ob bie beiben fid& nid^t perföntid^ gelaunt l^aben. 

SBoncompagno jeigt eine auffaöenbe SJorliebe für bie fal^renben 
©änger unb Äünftler. aRujier für gmpfel^IungSbriefe ju ©unften 
biefeS leidsten SSöHd^enä nehmen in feinem Sormelbud^ 'Boncom- 
pagnus' einen breiten Sftaum ein. ©ie finb, fo üiel id^ toeife, öon 
ben gtcunben ber altbeutfd^en Sitteratur bisher nid&t bead^tet 
tDorben. Slber für bie 53eutt]§eilung ber focialen SSerl^dltniffe ber 
ndd^ften Seit- unb ©tanbeggenoffen SBaltl^erg befl^en fie um fo 
mel^r 3nterejfe, al8 flc aud bem perfönlid^en Äteife be8 großen 
©pielmannSgönner SBoIfger ftammen, in bem aud& SBaltl^er feinen 
^elaiodt empfing. 3d^ gebe fie bal^er nad^ giorfingerä SlbbrudC 
(aSricffteUer unb gotmelbüd&er, 9Jltind&en 1863 [Duetten unb 6r» 
örterungen 5ur bairifd^en unb beutfd^en ©efd^id^te IX] I, 163 f.): 

S3ud& VI. Sitel De remuneracione ioculatorum. De inuen- 
tore cancionum: 

Quanti nominis quanteue fame sit Bernardus [^ar. P.] euentator et 
quam gloriosas fecerit canciones et dulcisonas inuenerit melodias, multe 
orbis provincie recognoscunt [!]. Ipsum ergo magnificencie uestre duximus 
commendandum, liberalitatem uestram rogantes attencius, ut eum ob nostre 
amicicie interuentum honorabilius remunerare uelitis, scientes nobis fiiisse 
gratum plurimum et acceptum, quod vestre milicie atque nupciis 
uoluit Interesse. 

68 l^anbelt ftd^ alfo um ein ^offeft bei einer ©d^toertleite 
unb ^od^aeit : man beult untoittlürlid^ an SBaltl^er unb bie SBiener 
^offefte (f. oben ©. 54 f. 56 f.). ®ann folgen gleid^e gmpfe^Iung«. 

briefe für Wufilanten: 

19* 



292 2lnl^ang. 

De uiolatore: Latorem presencium H., qui oiolam seit tangere 
in dulcore, ad uos dozimus destinandom , rogantes ut eum remunerare 
nostre dileccionis intuita debeatis. 

De liratore vel symphonatore. Litteras nostri sigilli muni- 
mine roboratas uestre dnximus amicicie destinandas rogantes, ut latori 
presencium E. [^at. B.] remuneracionem vice nostra sicut expedit con- 
feratis, scientes quod hie nouit cantare cum lira et tangere mirabiliter 
simphoniäm. 

De zitharedo. Ad uos hunc transmittimus citharedum, rogantes 
ut si cordas iocunde fecerit consonare, iocundum sibi premium tribuatis. 

De arpatore vel rotatore. Uirum curialem pariter et famo- 
sum, qni arpam uel rottam super omnes in omnimoda uarietate sonorum 
tangere conprobatur, uestre nobilitati attencius conmendamus rogantes, 
quatinus munus uestrum eins operi et sciencie coequetur. 

hieran fd^Ue^en ftd^ Smpfel^lungdbtiefe fttt ^Uoiaitn, 
(Sautlet unb Aunftflüdmad^er, Don benett bet le^te einen 
gtied^ifd^-lateinifd^cn Flamen l^at: 

[S. 184]. De saltatore. Lator presencium nomine Saltarellus ex 
re nomen habere uidetur, quia saltat ut ceruus et ascendit sicut muscipula 
super cordas. Unde rogamus, quatinus uice nostra ei de suo uelitis res- 
pondere labere. 

De illo qui seit uoluerum exprimere cantilenas et 
uoces asininas. Lator presencium nomine Falandre 11 us effectum per 
uoeem nititur imitari, quoniam horis officio exprimere cemitur diversas 
uoluerum cantilenas et quod est mirabilius sie tereias promere nititur 
asininas, quod si foret absens esse asinus crederetur. Unde illum a uobis 
eonpetencius remunerari optamus. 

De quod am öeco mirabili. Lator presencium nomine Pasai- 
oculare omnes ceeos superat in uidendo, quia licet non habeat oculos, ea 
tamen per jmagines et ferrea instrumenta ostendit, que uidentes etiam 
ostendere , non ualerent. Unde quia ethimologiam sui nominis imitatur, 
ideirco debet in muneribus copiosius honorari. 

3ule^t toiebet S3ricfe für ©pielleute: 

De litteris generalibus pro quolibet ioculatore ac 
ioculatriee. Latorem sive latrieem presencium P. ioculatricem siue 
ioculatorem, qui uel que nostre curie uel nupeiis uoluit interesse, curiali- 
tati uestre attencius eommendamus rogantes, ut eum uel eam nostre 
dileccionis intuitu remunerare uelitis. 

hierauf gibt bet SSetfolfer eine unj($ä^bare {leine Sd^olie Aber 
bie Aünft lern amen ber fal^ienben @aullet unb bie ^rt^ toxt biefe 



2lnmerfungen. Hac^träge. Hcrtcbtigungen (ju 5» 57). 293 

Sd^etii" unb Slecfnomen t)ieIfQd^ ^nla^ tnel^t ober toentget gelungener 
Sd^to&nCe, oft aud^ plum))er SRol^l^etten tourben. Son einem tuScifd^en 
5Pf alagrafen , ben er SBiboguerra nennt, erad^It er fonberbare 
Seluftigungen biefer 9lrt. 

Notula qaa doctrina datar de iocosis nominibns ystrionnm 
et quomodo Widognera palatinns Tnscie comes secondam inter- 
pretaciones nominum consueuerit deladere histriones. S)en Pica 
Stoingt er, auf einen Säaum au fleigen, umzufliegen. Malanotte 
unb Maldecorpo maltr&tirt er folgenbermafeen : ienen fe^t et bei 
@d§nee unb ^lorbtoinb auf baS Sad^, ben anbern naät ^tDi]ä^tn 
5Wei fjfeuer, to&l^renb fein übxpzt cum axangia porcina fo lange 
gerieben toüb biä er ruft: bene sum liberatus. Den Abbas lä^t 
er tonfiren. 9lld einmal ^u Oftern il^n biele ^iftrionen tro^ bret» 
tdgiger SBefd^enlung immer nod^ anbetteln, befiel^lt er 100 babon 
ascendere non paruum cnmulam palearum, saper quem tarn diu 
stetere coacti, donec ignis, quem undiqne fecit apponi, aliquid 
tangeret de indamentis et barbis pariter et capillis. 

6in etl^nograpl^ifd^^antiquarifd^ed 3nteref|e, bad bereits an ben 
fpäteren ^umaniSmuS erinnert, bemeift ber Zitel: 

[3. 141] De consuetudinibas plangentium. 

Singel^enbe 33ef($reibung ber Jtlagefitten bei ben einzelnen 
aSöIfern: 3lömer, ©ried^en, Solabrer, SuScier, Sombarben unb 
Romanioli, ©attier, Yspani ; bann aufammengefafet Anglici, Boemi, 
Poloni Ruteni atqne Sclani ; toeiter @arber unb Sarbaren ; enblidg 
Theutonici. 

[@. 143] De consuetadine Thentonicorum. 

Theutonici furorem mitigant in plangendo, quia sine strepitu et 
clamore stant uel sedent iuxta corpora defunctorum, summissa quippe voce 
deplorant pariter et suspirant et sine honerosa uociferacione producunt 
lacrimas pietatis. 

(Sine ©d^ilberung, mit ber toir tool^l aufrieben fein bürfen. 
3ugletd& ein toert^öolteä 3cugni6 für bie altl^eimifd^en S5eftattung8« 
ceremonien: bie Sobtenflage fel^lt l^ier, toie man fielet, böttig. 

Den aSefd^tu^ mad^e ein SSrief ber ©tabt 9Rai(anb, au8 bem, 
toie man fofort merfen toirb, in ber S^at etwas öon ben Sebanfen 
unb SBorten äBaltl^erS unS entgegenautönen fd^eint: 



294 21nl?ang. 

8ud& III. Sitel: De hiis qui protectiones implorant. 
[@. 144] Mediolanum se pape commendat et saadet contra 
Phylippam. 

Urbs Mediolanum, que pre cunctis mundi ciuitatibus in ecclesie 
Romane obseqiiiis deuocius permanet et permansit, se uobis tanquam patri 
precipuo reconmendat et uestre audet consulere sanctitati, ut reducentes 
ad memoriam crudelem et nociuam rubri Frederici prolem in laudabili 
proposito firmius persistatis, quia, si Contingere.t preualere Philippum, 
repercuteret altera plaga priorem . . . Sane bonum est et a coequalis 
meriti tramite non discordat, ut inter Allamannos discordia 
foveatur, quia tempore scismatis Romanam fecerunt ecclesiam diutius 
uacillare. 

SDBcn erinnerte ba^ nid^t an bie SBorte, bie aSBaltl^et 1213 ben 
$Qpft fptec^en lä^t Slngeftc^td beS neuen faiferltd^en Sd^idmod 
^toi^en Otto unb griebrid^? 

34, 4. Ahi wie kristenliche nü der bäbest lachet, 
swenne er sinen Walhen seit *ich hänz also gemachet' 

[== sane bonum est!]! 
daz er da seit, des solt er niemer han gedäht. 
er gibt 4ch hän zwen Almän under eine kröne bräht 

[scisma!], 
daz siz riebe sulen stoeren unde wasten. 
ie dar under füllen wir die kästen: 
ich häns an minen stoc gement, ir guot ist allez min u. f. n). 

Sd Hingt, aU ob ber Sfafluns beg Soncompagno, bie fid^ 
auf ben exfien S^ronftreit be^ie^t^ unb bet SBattl^etS biefelbe xoxxtixä)^ 
Sleu^etuuQ, toxt fie im päpftltd^en jheife gefallen n)ar ober bod^ 
päpfHid^en Äreifen augefdbrieben ttjurbe unb als fold&e umlief, ju 
@runbe fletejen l§at. Unb man »irb über ben anflanj aÖeS 
gtnfteä nad^benflid^, toenn man fid& flar mad^t, bafe für ben 
fjlorentiner mie für SDBaUl^er äöolfger bod^ eine poUtifd&e Autorität 
fein mu^te. 

@. 68. 69. S)ie öereinjelte Stad^rid^t bon ber 
Sl^eilnal^me ©ietrid^S bon TOei^en an ber 3fürjlen = 
SSerfd^toöruna geflen Otto (1210—1211) ertlärt Sretl^ola 



2lnmerfungen. Had?träge. Berichtigungen (3U S. 68—76). 295 

(91. 9Lxä^i\) 22, 297) auf @tunb eineS bidl^et unbead^teten IBtiefeS 
^nnocena' III. aU iBeTtoec^fetung mit bem ^tx^o% Otto Don 
^eran. Samit entföKt bann abet ieber @runb, äBaltl^er 
aus feinem Sob ber Zreue bed Wei^netd itgenb 
einen fittUd^en S3ottt)utf ^u mad^en. 

@. 73. S)ie fieben $ap{tfptfid^e bed atoeiten 
OttentonS erörtert eingcl^enb in il^rem gwf ^wtmen^ang , il^ren 
l^ifiorifd^en SSorauSfe^ungen unb ber Seit unb SSerantaffung il^rer 
gntftel^ung bie Unterfud^ung über ,,bie fieben Sprudle gegen baS 
Dierte Sateranifdbe 6onci(.'' 

@. 76. Der Soaener SBein, ben 3Balt]^er im Älofter 
Segernfee t)ermi^t $u l^aben bel^auptet, fommt aud^ aU 
Snbegriff beS Zrefflid^en in SBoIframg SBittel^alm 136, 10 öor, 
tt)o bem fafienbcn 9Jlarfgraf Willalm von Provenze auf fein S9e« 
gel^ren öon feinem föniglid^en ©aftgeber ftatt ber anfangs auf« 
gettfd^ten ©etifateffen unb loftbaren SBeine nur trodCeneä Srot unb 
SBaffer borgefe^t toirb: 

Der wirt wol hörte unde sach 
daz er von trüren ungemach 
dennoch pflac und het erliten: 
ern wolt in 6.6 niht ftirbaz biten 
deheiner bezzeren spise lebn. 
er begunde im hertiu wastel gebn, 
und trinken, des diu nahtegal 
lebt, da von ir süezer schal 
ist werder dann ob se al den win 
trunk der mac ze Botzen sin. 

StedEt nun ettoa aud^ l^ier eine Snfpielung auf S&altl^erS 
£egernfeer @prud^ berborgen? Sie ^lad^ttgaQ, ber baS äBaffer fo 
gut befommt, foE bamit nad^ bem befannten, t)on @ottfrieb in ber 
berül^mtenSriflanftette (85. 4749 ff.) burd^gefttl^rtenSSilb bie SRadötigatt 
t)on ber 93ogelmeibe, bie Sfül^rerin unb atepräfentanttn aller ^lad^tigaQen, 
b. 1^. 9Rinnefdnger, unb feine Älage über ba8 aSaffer gemeint fein, 
baS man il^m in Segernfee ftatt beS erl^offten Soaener SBeineS bor- 



296 21nl?ang. 

gelebt l^at? 3d6 anttoortc mit 3a unb etblidEe in biefftn ©d^era 
Qud^ einen ^ieb auf ben il^m unf^mpatl^ifc^en @ottfrieb unb bie 
aRinnef&nget indgemetn, über bie SBotftam ja fo gern fpottet 
(f. oben @. 13. 16). 3u bent SBi^ übet ben Spiegbraten äBaltl^erd 
im äBiUe^alm (286, 19) bilbet banadg biefer ®pa% mit bem 
Zegernfeer äBajfer bad Seitenftüd : bort to)irb SBaltlgerg parabolif d^er 
9Bunfd§ nad^ größeren SratenftüdCen im eigentlid^en äBortfinn aud« 
gelegt, atö tooQe ber treue ^Ulinnefänger feine Slngebetete bamit 
Derfotgen^ unb bann ber bidCe Jlfld^enmeifter auf bem 9ftoft ber 
l^ungrigen S)ame aur Sättigung empfol^Ien: 

dirre brate was dick unde lanc: 
ez hete sin frouwe dran genuoc, 
der er so holdez herze ie truoc. 

$ier toirb bem aarten Dichter 1& ö f i f d& e r 9)1 i n n e, ber fid^, ber Slad^tl« 
gaU gleid^, mit bem Haren, ber Stimme unb bem ®efang autrftglid^en 
SDBaffer begnügen fottte, borgerüd^t, bag er nad^ Siroler SDßein 89er= 
langen öufeere. 3ln beiben SteÖen ein Spiel mit bem SSogelnamen 
SDBaltl^erä unb eine offenbare Semunbetung über bie S^iefpaltigfeit 
feines poelifd^en Sepertoitd : bem ^Rinnefänger — baS ifl ber l^eim» 
lid^e Sinn — fommt eS nid&t au, über reale Sorjätte beS 9llltag8 
unb beg l^arten politifd^en Sebend baS äBort su ergreifen. Sie neue 
SSal^n, bie, toie id^ aucrft (Sleinmor unb SBaltl^er S. 83 unten. 131; 
bgl. aud^ oben S. 42) augfprad^, SBaltl^er eingefd^lagen l^at, inbem 
er neben bem ritterlid^en 9Jlinnefang aud^ bie realiftifd^e, gnomifd&e 
unb politifd^e Sprud^bid^tung ber Sptelteute unb bagtrenben 
glerifer in Pflege na^m , erfd&ien alfo aud^ fd^on ben S^itfl^^off^n 
als neu. 

S. 85. 3u ben Sluäfül^rungen über Engelbert bon Äöln 
ift nad^autragen, bag SBaltl^er in bem aomglül^enben Sprud^ 85, 9 
über feine (Srmorbung (8. 9looember 1225) unter bem frifd^en 6in» 
brudC bed grauenboUen äJerbred^enS , alio tool^l nod§ im 9lobember 
beS Sal^reS, ergreifenb fllage fülftrt. 



2lnmerfungcn. Hadjträgc. Berichtigungen (3U 5. 85—98). 297 
©. 97. gin mitteUItetlid&ct ^amlet (22, 9). 

Dich heizet vater maneger vil: 
swer min ze hruoder niht enwil, 
der spricht diu starken wort üz krankem sinne. 
Wir wahsen üz gelichem dinge: 
spise frumet uns, diu wirt ringe, 
s6 si dur den munt gevert. 
wer kan den herren von dem knechte scheiden 
swa er ir gebeine blozez fünde? 

Satin lä^t fid^ in bet Zl^at etlDad Don bet greigeifterei, ))on 
ber naturalifiifd^en aBeltcrflötung bc8 SlöenoiSmuS fpfiten, toie pe 
am ^ofe gfricbrid^Ä II. I^crrfd^cn mod^tc. 3nbe|fcn ftnb fold&e 
(Bebanfen, beten biblifd^e SSorbeteitung SBilntannS (aut SteUe) 
auSeinanbetfe^t , bod^ fd^on ältet. Sine ^anbfd^tift bet Stabt« 
bibliotl^el au SSetbun entplt ein lateinifd^eS ®ebid§t an Jtaifet 
^eintid^ Y., baS äl^nlid^e bemottatifd^e £bne anf dalägt (abgebtudCt 
anaeiget füt flunbe bet bcutfd&en SJoracit, 1874, ©. 374): 

Nos rationales Domini mens finxerat omnes. 
Si quid distamus, soli numero referamus. 
Formans [ber ^err inbem er un§ fc^uf] equauit, eadem 

substantia iunxit; 
Ars sed praeualuit, fors naturam superauit; 
Te michi praefecit, ius naturae violavit, 
Divicias auxit, sed non hominem magefecit: 
Es certe quod eras ; aliter si senseris, erras ; 
Es, ni fallor, quo homo me secludere nolo ; 
Te teneo fratrem, uiuit pater omnibus idem; 
Qui spemit fratrem, liquido spernit quoque patrem. 

Sei SBaltl^ct ift iebod§ bie natütlid^e, tein matetieÜe 
®leid^]^eit ber Wenfc^en ftätfer betont: biefed ^el^t gel^ött bem 
Seitaltet beS großen Snfete S3atbaroffa8. 

@. 98. ßinen anbern Aunflgenoff en/ bet Stolle 
l^ieg (32, 11). ä3on biefent, aUetbingS bidl^et nod^ nid^t gana 
aufgefWtten (Sebid^t finbet fid& in bet 3eitf(^tift füt beutfd^e» 



298 Hn^anq. 

aitett^um 22 (1896), 338 ff. eine Sntetpretatton , bte butdft il^re 
toal^rl^att fd&änbltd&e TOonfltofttät aöe mit in bem getmanifiifd^en 
gadö Belannten ejegctifd^en Zl^otl^eiten weit überraflt. 3d& »itt 
gana abfeilen t)on bet getobe^u beifpiellofen Stol^l^eit unb ®efd^mad* 
lofigleit, bie batin liegt, SBalt^et öon ber 55ogeltoeibe bie ^l^antafie 
eines Ao))top]^agen auautrauen, ebenfo bon bem unglaublid^en Mangel 
an Smjjfinbung ffir baS, toaS im gefeUfd^aftticften SJerfel^x ber $öfe 
au tSlnfang beS btei^el^nteu ^al^tl^unbettS au^&ffiS ^^^ i^ @til ber 
]^5fifd^en $oefie m5glid^ mar. Dag alleS fäUt ja in bie äfll^etifd^e 
@p^re unb in bad @ebiet bed ZafteS ober bietmel^r nur bed 9lein(id^» 
f eitSfinnd. 3(^ toiSL l^ter blo^ a^tgen, »ie l^aarfträubenb unmetl^obifd^ 
bie Srflärung ift unb »ie gtöblid^ fte ber elementarflen Jtenntnig 
ber mittel]^0($beutfd^en SSebeutungdlel^Te, Wettil unb @rammatif in 
baS (Sefid^t fd^Iftgt. 1) Sem sing ich minen höveschen sanc, s5 
klagent siz Stollen entfjjrid^t auf ba« beutlid&fie ze Österriche 
lernt ich singen unde sagen, da wil ich mich allererst beklagen. 
(£g {ann bal^er klagen feine anbere Sebeutung ate „Atage fül^ren, 
fid^ beflagen'' unb mug not^menbig ein SBort neben fid^ l^aben, 
baS ben 9iid^ter ober bad gforum ber Jllage be^eid^net, bon mo ber 
Alage Slbl^ütfe gefd^affen »werben foU. Witl^in ifl ed unauläffig, a^ 
fd^reiben sizstoUen unb au überfe^en „fo Hagen bie Si^ftoQen" 
(Stul^Ifüge). 2) äBenn bie bel^auptete Sd^meinerei bom 2)id^ter 
audgebrüdt U)erben foUte, l^fttte er ftatt klagen ein anbered 93erbum 
tnäl^Ien muffen. 3) sizstöllen ift eine Sccentberfe^ung, bie baburd^ 
bag fie bie bebeutunggboQe , l^aupttonige erfte StammfUbe eineS 
^ominalcompofttum am 93ergfd§lu^ l^erabbrüdCt , bei SBaltl^er 
ol^ne iebe Analogie ift, bgl. äßUmannd' äludgabe 2. %ufl. @. 44 ff. 

4) 6S bürfte baneben ber beftimmte Slrtilet l^ier nid^t feilten. 

5) S)ie a. a. O. 6. 339 SBeiganb , einem l^bd&ft bebenltid^en (ge= 
tnäl^rSmann für St^mologte, nad^gefd^riebene ßt^mologie (knolle 
öon knallen) ift gettji^ falfd^. 6) (Sana unHar bleibt, ob benn 
biefe knollen nun strepitns ventris ober exerementa fein follen. 
^it jenen fahn man fd^n^erlid^ ^emanb vollen kragen machen, 
äudö eine fftuifd^e SorfteKung mu§ bod^ Suf^wi^^^^^^wö "«b 9ln« 
fdgaulid^feit l^aben. 7) schalkheit ^ei§t im ^ittell^od^beutfd^en 



2Inmerhingen. Xladftvüqe. Berichtigungen (3U 5. 98). 299 

niemate „gemeiner 6treid§", toie a. a. D. ©. 339 angenommen 
toitb, unb bcr bcftimmte Slrtifel änbert nid^t im ©etingflen bie 
fonfiige SSebeutung bc8 SQSortS : f ncd^tifd^e, b. 1^. niebttge moralifd^e 
(Sepnnung, ^intcrlift, SSoSl^eit, namenUid^ SBeträtl^etei, SKngebcrei. 
3)a8 SBort felbft !ommt bei SBaÜl^et nur l^ier, schale unb schalc- 
haft nod^ fonfl (28, 21. 32, 30. 87, 36) bor. ®er ©inn an ber 
borliegenben Stelle ergibt {td§ für metl^obifd^e 3nterpretotion ol^ne 
ieben 3ti)etfel auS bem inl^altlid^ gana nol^e ftel^enben @prtt($ 
beffelben ZonS (32, 27). 2)a menbet fl($ äBaltl^er gegen bie 
hovebellen ober leker, bie ^offläffer, unb bergteid^t fle ben 3Jl&ufen, 
benen ©ekelten ongel^angt flnb , burd^ bie fie fld^ felbfl berratl^en : 
toie bie ©d^ette bie 5Kau8, fo jeigt baS untertoüifige SSerl^alten 
iener il^re tool^re 9latur an unb becoubrirt fie als ,,©d^olI". 
©emeint pnb ba bie ^offd^maro^er unb gürfleufd^meld^Ier, bie 
innerlidö bon unebler , bebientenl^after 9lrt pnb. schale, 
schalkheit fte^t bemnad§ einem gebür, dörperheit nal^e. älber eS 
ift eine ettoaS anbere Sluonce. 28, 21 nennt er einen ©d&alf 
ieben , toe8 ©taiibeS er fei (in swelhem leben er s!) , ber feinen 
©errn ^nx Unbanibarleit unb aur Süge herleitet, unb bertoünfd&t 
feine ungetreue 3unge. 3lud§ ba l^anbett eS fid^ um Sabalen am 
Äftrutl^ener $ofe. 3n bem ©prudö toiber bie hovebellen wirb 
biefen borgetoorfcn, ba§ fie bem Did&ter feinen ©ang verk^ren 
(32, 33) b. 1^. entfletten, übel auslegen ober parobiren. 9!3lit biefem 
©prud^ gleid^aeitig unb im felben £on berfagt, aud§ offenbar auf 
gana äl^nlid^e SSer^Itniffe gemünat ift baS problematifd^e Sebid^t 
öon ben knollen ber schalkheit. 3ft eS met^obifd^ auWfftg, für ba« 
äBort schalkheit l^ier eine gana rubere SSebeutungdfpl^äre ald bort 
anauncl^men ? ®etoi§ nid^t. 6ine einfädle grobe Unflätl^igleit fann 
aSaltl^er fo nid^t nennen, fonbcrn nur eine ^anblung, bie ben 
feineren @eboten bed fittUd^en SafteS toiberfprid^t unb baburd^ fid^ 
ate Slugbrud einer Salaiennatur berrät^. Seiber f d^eint eS nun 
unmöglid^, bie eigentlid^e f^örbung beS l^umoriftifd^en £oneg bon 
32, 12. 13, foaufagen bie atmofpl^ftre be8 äöi^eS, in ber 
fid^ biefe unb bie bertoanbten ^äleleien mit ber ^ofgefeUfd^aft unb 
bem fSfürften betoegen, abaumeffcn unb au beftimmen, toie tocit ein 



300 2Inl?ang. 

etnfil^aftet fittUdäet 3^^^ unb bauetnbe Snttüftung obet ein augen- 
blidlid^er 9(udbtud^ obet gar nur eine leidste Sttegung unb Ü61e 
Saune btil^intet fielet. 

2(d^ umfd^teibe etloa: „^näi id^ lann, loenn ed nid^t anbetd 
gel^t unb man mid^ baau smingt, meine 2(beale Detleugnen, ben 
l^öfifd^en £on aufgeben unb loie ein SBebientet mid^ ben fd^led^ten 
Snftincten anpaffen'' (b. 1^. fingen loie 9leib]^art Don Sleuentl^al 
unb feine Senoffen?). 3d^ nel^me bad für eine gana momentane 
Sleufeerung bet l^öd^fleti netööfen ©eteiatl^eit. — 3ebe metl^obifd&e 
Srllfttung bed Sebid^tS mu^ übrigen^ bamit ted^nen, ba| a^iifd^en 
il^m unb bem Sprud^ In nomine dämme (31, 33) ein feftet 3^' 
fammenl^ang befielet. Unb jtoat bilbet Nu wil ich mich des 
scharpfen sanges ouch genieten (32, 7) bie (Einleitung: ben £nt= 
fd^lu^ ,,in Deftetteid^ bei ^etaog Seopolb miU id^ mid^ auetft be* 
Ilagen" (32, 13—16) fül^tt bie birecte 3lntebe ,,$etaog ßeopolb, 
^pxii^ bu bie (Sntfd^eibung'' (32, 5) mitltid^ auS. Sei bet Hon 
äBilmannS Dettl^eibigten umgelel^tten Sleil^enfolge ifl eS nid^t blo^ 
„auffallenb", wie er (au 32, 14) meint, baß bet S)id&tet im etften 
@ptud^ ben ^etaog antebet, im gleid^ bacauf gefungenen aber 
tion il^m in bet btitten ^etfon fptid^t, fonbetn DöIXig unDetftänb- 
lid^. SBilmannd l^at fid^ a^ feiner 9(notbnung beftimmen laffen 
butd^ bie in bet SSotbemetlung au 31, 23 geäußette Uebetaeugung : 
,, Offenbat begann bet S)id^tet mit biefet @ttop]^e einen SSotttag". 
^Qein bad fd^etal^afte In nomine dämme patobitt bie SingangS' 
formet einer priDatred^ttidgen Ur!unbe. S)er Sprud^ 31, 33 ifi in 
fd^einbar jutiftifd^et, folennet gfotm bet ftlageanttag an ben ^eraog 
t)on Oeftetteid^, ben bad wil ich mich beklagen (32, 15) angef&nbigt 
l^at. ,;3d^ bin entfd&Ioffen meine ftül^ete Stol^ung (32, 13) toal^ 
au mad^en unb aud^ ben £on bet schalkheit anauf dalagen ; aber 
beDor idg Stuft mad^e, beDot id^ mtne zungen verkSre (32, 6) unb 
bie hövescheit (32, 2) aud meinet $oefie Detbanne, rufe id^ bid^ 
felbft, ^etaog Seopolb, aut (Sntfd^eibung auf: fptid^ unb gib bein 
Urt^eU''. 

2am})ete (StKftrung (f. oben @. 98) läuft etma in folgenber 
$arap]^rafe and. S)ie im äBaf f enbienft unb Jttiegdfpiel, 



2Inmcrfungen. Hac^träge. Berichtigungen (3U 5. 98 — ^38). 301 

in äußeren «^ofgefd^ftften jt($ abtnül^enben StanbeSgenoffen äSaltl^etd 
Ilafltcn t)ot Stolle, baß et fid^ mit feinem ,,]^öfifd&en ©anfl" ben 
fd^loereten 9(ufsa(en etneS Winiftenafö entaog, unb fud^ten il^n in 
bte ä3ebienten!laff e, in bie untetfie Stufe bet ^ötigleit l^etafi- 
aubtüden; batauf anttoottet äBaltl^et: ;;äSenn fie benn einmal mid^ 
5um Unfreien mad^en tooUen (die schalkheit wellen), fo toiU aud^ 
id& knoUen gewinnen (?), bie Saft befi ÄriegSbienfteä eineS „Sd&al!" 
auf mid^ nel^men^ a(er nid^t l^iet, fonbetn bei ^etaog Seopolb, bon 
bem id& höveschen tröst b. 1^. ein aRiniftetialitätStjerl^Htniß etl^offe". 
3d^ t)etmag mit biefem @ebanlengang ben äBottlaut im Sinaelnen 
unb namentlid^ ben bodg offenbar baau gel^örigen Sprud^ 31, 33 
nid^t au t)ereinbaren. 9(ber ed läßt fid^ nid^t leugnen, bag dl^nlid^e 
3ntriguen als fie Sampel annimmt bem (Sebid^t au @runbe liegen 
I5nnen, unb bag namentlid^ Solframd Spott über äBaltl^etd nid^t 
tDaffenmäfeigeS geben (oben S. 14 — 17. 295 f.) bamit tjertoanbtift. 

S. 119, Seile 2 ftatt brei Ititifd&e [ausgaben] lieg tjier 
Iritifd^e. S)ie bon SBilmannS [^aUt 1886] »ar erft mä^renb 
ber gorrectut l^inaugefügt unb bie ^enberung ber 3<^^l bergeffen. 
Sin artigeg 93eifpiel für bie metl^obifd^e SBered^tigung bed 93er- 
fal^reng, nad^ bem bie l^öl^ere Aritil SBiberfprüd^e in S^^^^' 
angaben erllftrt. 

S. 137. SDie lüraere SRecenf ion ber ftölner ßönigS» 
d^ronil in ber SBiener ^anbfd^rift. S)a^ bie SBiener 
^anbfd^rift in biefer Partie ben urfprünglid^en £e^t entl^alte, l^at 
Slobenberg (lieber toieberl^olte beutfd^e Aönigdtoal^len, iBreSlau 1889, 
S. 58—61) atoar beftxitten, aber ©olber-ggger (9leueg Slrd^it) für 
ältere beutfd^e @efdöidötglunbe.l4, S. 628) mit Sfted^t bert^eibigt. 
3lud& SEßattenbad^ (S)eutfd&lanbg ®efd^id^t8quetten® 2, 444 unb Sor- 
rebe au ^latnerg Ueberfe^ung ber flölner ÄönigSd^ronil in ben 
©efd^idötSfd^reibern ber beutfd^cn »oraeit, ßci^iaig 0. 3. [1896], 
S. XI) ]§ält an ber öon SBai^ bertretenen 93eurt]^eilung fefl. 

S. 138. (Srwäl^nt fei toenigfteng, ba^ a. 3lagele (Öermania 
24, 159) die armen ktinege (Saßaltl^er 9, 14) fo erllftrt: ,,SDie 



302 2Inljang. 

gfütften finb ^n mftd^tig, babutd^ l^at Seutfd^lanb aal^lteid^t 
Äöniglein (arme künege) ain leinen ffiönig." Sl^m pnb atfo 
bte ftd^ übeil^efienben gfütftencitlel felbft bie atmen Könige. (Segen 
biefe ^[ntetptetation lägt ft($ natütlid^ in etl^öl^tem @tabe aOed 
eintoenben, toad gegen bie bur($ Sad^mann eingebürgerte oben bon 
mir borgebrad^t toorben ift. ^Id ßuriofum ftel^e l^ier nod^ folgenber 
@a^ 9lage(ed: ,,bie '^Infidgt, ed entl^alte biefer Sprudg eine 3Ra^' 
nung an $]§iltpp, bie SBal^l anaunel^men ober ftd^ frönen au taf{en, 
Id^t fi($ bem SQortlaute beffelben nid^t entnel^men, abgefel^en 
babon, hai burd^ eine fold^e SrElärung ber (Steinalt beS Sprud^ed 
toefcntlidö Verringert würbe." 

@. 139. St. 3Jlenge, Äaifertl^nm unb Äaifer bei ben 3Jlinne« 
fängern (Programm be« (S^mnafium an WaraeQen 5U Aöln 1880, 
$rogr. 5lr. 364), S. 2 möd^te ben oon |)ilbebranb nad^gewiefenen 
@ebraud^ bed SBorted künec auf baS bolEdmägige @pog befd^rönfen. 
attein er fetbjl fül^rt an, bafe ber ^arbegger (ffllinnefinger II, 136») 
Aonrab, ben Sol^n gfriebrid^S II., bor feiner SSaf^l, ^einrid^ YII. 
nad^ feiner abfe^ung unb bafe ber SOlcifener (9Rinneftnger III, 102^), 
ber ©d&ulmeifter bon gßUngcn (2Rinneflnger II, 138^), ber ?Jlamer 
(ed. Strand^ XV, 95) unb ber Äubricator ber großen ^eibelberger 
Sieber^anbfd^rift (SJlinnefinger I, 4) Äonrabin, ber niemate aum 
Äönig gewäl^tt ober gefrönt war, „ffönig" nennen. Di man babei 
an i^re ^nfprüd^e auf bad Aönigreid^ ^erufalem ober Sicilien 
badete, fftUt für bie Sntfd^eibung über bie Verbreitung beS bon 
|)ilbebranb aufgebedEten @prad^gebraud^S nid^t red^t ind (Sewid^t. 
!3ene älnfprüd^e floffen bod^ eben nid^t aQein aud Ernennung ober 
fSia^l ober Tönung, fonbern aud bem dled^te bed S3lut«i. Unb 
fd^toerlid^ l^aben bie fal^renben Wetfter unb tl^r publicum bie 
ftaufifd^en ^rin^en um ber entlegenen officiellen Situlaturen bed 
©urialftilS, um jeneg Rex Jerosolimitanus unb ßex Siciliae ber 
Urfunben toiUen aU Könige be^eid^net. 

©. 144 ff. 3um ©egenfa^ atoifd^en ben (armen) Äönigen 
unb bem (reid^en) ffaifer bgl- S^omaftn, SBelfcfi. Saft 35. 3423: 



2tnmcrfungen. Itadpträge. Berichtigungen (3U 5. ^39—^ ^5). 303 

ich erkenne ouch lihte den 
künic der wol etewenn 
biete eins riehen keisers mäht 
und hat nu niht eins küneges kraft. 

Segen bie SBebenten t)on ©. 'StMtxi (aut Stelle) unb Slenfle, 
Mfertl^um unb ftaifei (ei ben SRinnefftngetn^ @. 8 f. t)erfte]^e id^ 
unter bem fo Sl^atattexifirten Otto IV. nad^ feiner Slieberlafle Bei 
SoubineS unb ber flrönung fSfriebri($8 auf bem Stul^l ffarte beS 
©roßen au aiod^en (mit unechten Keid^Sinfignien). ©0 ie^t aud^ 
©d^öuBod^, Slnfänge be8 bcutfd&en ajlinnefang« S. 60. 

©. 145. Sfür bieSebeutung beSÄöntgSfd^a^eSinben 
5lugcnber3^itgenoffen fel^r lel^treid^ ift ein SBerid^t beS cngli« 
fd^en |)tftorifer8 Jftoger öon ^obeben aum 3[a^r 1200 über eine atoeite 
Ärönung DttoS burd^ ben t)on ber ttjeipfd^en 5ßattei gew&l^Uen, bom 
3Japft Beftätigten neuen (Stabifd^of ©icgfrieb bon gppftein au SRaina 
(ausgäbe öon SB. ©tubbS IV, 122): Et ipse Otho fuit apud 
Maguntum in Natali Domini in regem coronatus ab eodem archi- 
episcopo Maguntino. Quo audito Philippus dux Swaviae praecepit 
sibi afferri thesaurum säum, quem habuit in partibos illis. 
Quod cum Othoni constaret, observabat per diem et noctem stratam, 
per quam transituri erant homines ducis cum thesauro suo : et illi 
nihil horum praecaventes, cum iter agerent, inciderunt in manus 
Othonis et capti sunt cum thesauro illo: et ita factus est 
Otho dives ex thesauro ducis Swaviae adversarii 
eins. ^id^tS fann fcltfamer fein für moberne Segriffe aU biefeS 
aSettfämpf en ber beiben Slibalen mit fltönungcn ! $]&iüp|) inor in 
5Jlaina mit ben ed^ten Snfignien beS föniglid^en Bä)a^t^ gefrönt 
ttjotben. ffiiefe ßeremonie mußte tro^ ber fd^on erfolgten flrönung 
in 3lad^en tt)iebeT]^olt merben. S)er $rimad bon Seutfd^lanb mußte in 
^ction treten, bamit feine legitime ÜJlttmirtung (f. oben ©. 226 230) 
ber (Si^ebung aum ßönig nid^t fel^le. S)em glanaboHen SBeil^nadgtd« 
fefl bcg ©tauferg a« 9Jlagbeburg Dom Solare 1199 mußte ein gleid^ed 
melftfd^ed im golbenen SRaina, auf altfränüfd^em Soben, antmorten. 
Unb ber löniglid^e ©d^a^, bon bem ^^ilipp bie Beglaubigung feined 



304 2Inl?ang. 

%ed^ted l^erlettete, mugte, toenn möglid^, au biefem 3^^^^ l^etbei« 
gefd^afft toetben. SDad Sntfd^etbenbe für meine oben borgetragene 
StElärung btingt inbefjen ber Sd^lug: ,,unb fo mutbe Otto teid^ 
btttd^ ben @($a^ bed <&et)ogS bon Sd^loaben, fetned @egnet$.'' (St 
toat alfo — bieg folgt l^ictauS — öorl^et, ate et biefen Qä^a^ 
nod^ nid^t l^atte, arm, b. 1^. ein „atmet Äönig" im Sinne beS 
äßaltl^etfci^en |)o]^nloottd, bad getoig toeit üetbteitet toat unb aud^ 
im Saget bet toelfifd^en $attet jlatf getoittt l^atte. 

®. 164. Sfüt bie Sebeutung üon armer man, auS bet ftd^ 
bet 9lu8bru(f die armen künege etltätt, l^ätte id^ auf SBilmannS 
au SBaltl^et 10, 17 DettDeifen foQen, too Belege bafftt gegeben 
mutben, bag auc^ bienenbe bittet fo l^iegen: ^araitial 70, 7 ez 
wart da harte guot getan von manegem küenem armman; 
205, 15 und manec wert armman, den man toten truocherdan; 
785, 7 barüne und arme rtter gar. S)ie le^te ©teile näl&ett fid& 
am mciften 2Batt^etg ,,atmen Äönigen". 

®. 178, geile 15 ftatt 3nnocena HL Ue8 aiejanber III. 

@. 190. (Sd l^ätte l^iet nod^ einem Sinm anb begegnet toetben 
mflffen, bet gegen meine SSeaiel^ung bet armen künege auf auS» 
»Ott ige ^eitfd^et fid^ etl^cben lönnte. Sft nid&t — fo mbd^tc 
man öietteid&t ftagen — in bet Bettad^tenben ßinleitung beä ©ptud^S 
nut innetl^alb eined ieben einaelnen 9latutteid^d füt ftd^ t)on 
bem föniglid^en Slegiment unb bet äted^tdotbnung bie Stebe? mu^ 
man mitl^in nid^t untet bet füt bie tinschin znnge t)etmi^ten 
ordenunge eben nut bie gefe^Iid^e Dtbnung, bad anetfannte itönig» 
tl^um tietftel^en, bad nad^ innen Stulpe unb gftieben, Sid^etl^eit 
unb ©eted&tigleit fd&afft unb ben inneten Sluftul^t niebetfd^Wgt ? 
S)atauf ift Detneinenb au antmotten. S)et (Sebanfengang bed @e« 
bid^tä ift üielmel^t folgenbet. alle »eid&e bet Sl^tete l^aben il^ten 
ftönig unb il^t 9ied^t, felbft bie ^üdEen; nut baS beutfd^e %eid^ 
entbel^tt bet Dtbnung unb bet ©id^etl^eit, benn il^m fel^It ein att- 
gemein anetfanntet, mäd&tiget Äönig; eS ift bie l^öd^fte 3eit, ba| 
eS anbetS metbe : im 3nnetn übetl^eben fid^ bie Sfütften, unb innen 



2lTimerFungcn. Hac^träge. Berichtigungen (3U 5. ^6^— ^90). 305 

toie äugen (ebröngen bie ^totJtnalönige, bie ßöniglein, bie ol^n» 
möd^tigen Aöntge, baS 9letd^, tl^eitö, inbem fte felBft nad^ bet 
beutfd^en «ßtone bie <^anb augflteden (SHtd^atb t)on (Sn^Ianb, ^^Uipp 
9luguft Don fjranfreid^ , Ctto t)on $oitou), tl^eiU inbem ftc t)on 
ben beutfd^en (Srcnagebicten ettoaS loSauteifeen ttad^ten (^l^tlipp 
^ufluft, ber S)änentönifl, Sonltanae unb tl^t ©ol^n, öieQci^t au^ 
Dtto!at t)on S3öl^men). SDa§ ffieutfc^Ianbä ^re also zergät, aeiflt 
fidö md&t om toenigftcn aud^ in ber Sinmifd^ung bet fremben 
^errfd^er in bie Sl^tonfrage unb in il^ren Slngtiffen auf baS (Sut 
bed Sfleid^g: die armen künege, tneld^e S)eutfd^Ianb dringent, baS 
ftnb alle iene Könige, bie ed fid^ l^eraudne^men, in Seutfd^Ianb ben 
©ebieter enttoebet felBft 5U f^iiefcn ober il^n ^u ernennen. ^u8 bem 
etgcntUd^en ftern beS ©ebid^tä l^erauS ertoftd^fi gerabe bie Inter- 
pretation, bie id^ oben bertrete, toie jebe redete Interpretation 
aus bem üJlittelpunlt bed @eban!enS l^ertjorgel^en mug. 

S)iefer flern beä ^weiten aieid^äfprud^S ift, toie oben (@. 44) 
fd^on bemerEt tourbe, .)ugletdg ber Aern t)on SSaltl^erS politifdger 
Ueber^eugung. Unb er ift, mic gleid^faÖS bereite oben (ebenba) 
angebeutet tourbe, baS poetifd^e Slbbilb beg fül^nen ^mperialig« 
mu8 9lainalb8 Pon 3)affel, ^einrid^S VI. unb ber l^ertjorragcnbften 
fiaufljdöen Seid^Sminifierialen unb aieid^Sl&ofbeamten. SJor biefcn 
unb fftr fie, in il^rem ©inne prebigt ber atoeite Sleid^gfprud^. Unb 
aud^ fpöter l^&It ber ffiid^ter an biejen Seigren fejl, als er perfön- 
Cid^ ftd^ Pon ben äteid^dminifterialen längfl abgetoenbet l^atte: bem 
Präger ber legitimen beutfd^en ßömgStrone gebftl^rt Pon Sted^td- 
toegen baS Pon (Sott eingefe^te faiferlid^e Imperium; ber 
l^immlifd^e SBeltptan toitt ewigen Ädmpf atter natürtid^en äBefen; 
aber er toitt ate not^toenbige Äel^ifeite aud^ ein fefteS, ein^eit- 
lid^eS giegiment beS ßebenS ber Slenfd^en; nur ber 
Aaifer fann unb fott baS irbifd^e Sl^aoS mit ftarfem ^rm 
bel^ertf d^en ; an il§n fftttt bie 9) er tretung Sl^rifti auf bem ganzen 
(SrbfreiS, bie (Setoalt über atte 9teid^e unb Könige, ber Sieg unb 
bie <^errfd^aft aud^ über ben Cften, über ben ®ebieter Pon Spaana, 
über fämmttid^e Sultane in Slegppten, Sprien unb üor attcm im 
^eiligen ©eburtSlanbe bc8 6rtöfer8 — mit einem SBort atteS baä, 

aSurbai^, SBattl^er bon ber SSogeltoeibe. • 20 



306 2Inl?ang. 

bcffcn S8efi^ bet SBaifc in bcx beutfd^en fltone getoäl^tteifiet 
(f. unten @. 315 f.). (Bcnauet erörtern toirb biefen SmpcrtoIifimuS 
äBaltl^erd bie britte Unterfud^ung. 

S. 213. Sic 9lnno]§mc, ba| unter ben armen flöniflen, 
bie bad beutfd^e 9leid^ untbrftngen, aud^ ber Jiöntg bon S)äne' 
marf ju berftel^en fei, jtd^ert, »aä id§ oben l&fttte ertoäl^nen foUen, 
ein SSrief beS $apfteg 3nnocena an ftönig j^nut. Sarin ban!t er 
biefem für bie |)ülfe, bie er feinem SBertoanbten unb gfreunbe, bem 
flönig Otto in ben Anfängen feiner grl^ebung, b. % 1198, ge« 
leiftet l^abe (Reg. de neg. imp. 9lr. 101, 3Rigne 216, 1106): 
Licet charissimus in Christo filius noster iUustris rex Otto, in 
Romanoram imperatorem electus, serenitati tue sit tam amicitia 
quam affinitate coniunctus, nihilominas auxilium, quod 
inter suae promotionis primitias ei potenter et viri- 
liter impendisli, nobis reputaraus impensum . . . Super hoc igitur 
magnificentiam tuam prosequentes actionibus gratiarum, monemus 
et exhortamur in Domino, quatenus de die in diem in eiusdem 
regis dilectione proficias et .tam potenter et efficaciter foveas et 
promoveas partem eins, ut auxilio tuo et favore suffultus in brevi 
possit imperii monarcbiam obtinere. S)ie brei „armen fiönige" 
Otto, Slid^arb bon ßnglanb unb Änut bon S)änemar! arbeiteten 
alfo — bieg leibet nad^ bem S^ugniß beS ^apfieS feinen S^J^ifri — 
berbünbet unb nad^ tued^felfeitiger äSetabrebung an ber 
Sd^toftd^ung ber ftaufifd^en Steid^ggetnalt. Sie bänifd^en ^elb^üge 
ftnb eine f}olge ber engUfd^«tDelfifd^*pä))ftUd^en Koalition gegen 
$]^ilit)p. SBenn SBaltl^er Otto, ätid^arb, ftnut aU arme ffönige 
aufammenf a§t , fo bered^tigt il^n ba^u aud^.baä berwanbtfd^aftlid^e 
Sanb, baS biefe brei umfd^lang. Otto war ber 5Reffe 8lid^arb8 unb 
bem bftnifd^en ^aufe boppelt beifd^toägert : feine ^albfd^loefter 
(Sertrub mar mit A5ntg Anut, fein SSruber SBill^elm bon Süneburg 
mürbe im Saläre 1202 mit Helene, ber Sod^ter flönig SBalbemarS I. 
tjon Sänemarf unb ber ©d^toeftet Ä5mg Änutfi, berl^eiratl^et, enb* 
lid^ feine 9lid^te, bie fiebenjäl^rige £od^ter beS $falagrafen «^einrid^ 
bei gil^etn mit bem ^erjog Saßälbemar, ßönig flnutÄ Sruber unb 
9lad§fotger, bertobt («bei, ^l^ilipp ©. 147; gaßinletmann 1, 245). 



2Inmerfungen. Had?träge. Bertd?ttgungen (3U 5. 2^3). 307 

3d^ möd^te üBtigenS batauf l^intoeifen, ha% äBaltl^et felbft bad 
(gebiet iener toilben kämpfe um bte beutfd^e 9lotbmarI betreten l^at : 
et nennt 31, 14 ald nötblid^fte (Srenae feinet äSanbetung butd^ 
bte 9Belt bie 3:tat)e (f. oben @. 42). Sott lag bet Sd^aupla^ 
bet Itiegetifd^en Sntfd^eibungen atotfd^en Seutfd^en unb Säuen. 

2)et «^auptott bed £tat)egebietd , an ben jebet |)ötet bamald 
fd^on auetft benlen ntu^te, »enn biefet grlu^ genannt touxht atö 
@tenae füt bte äSanbetungen eined fal^tenben 2)id^tetd , tt)at 
Sübed, obgleid^ erft eine junge ®tünbung, bod^ fd^on bad 
@m))0tium bed Oftfee^anbelg iü l^inetn nad^ 9luglanb. Untet bet 
ftarfen ^anb bed großen Sotonifatotä , ©laben- unb S)änen* 
beaioingerd ^eintid^S beS Sömen loar bie @tabt au blül^enbem äBol^l- 
ftanb unb Bebeutenbem anfcl^fh gelangt. 9lad^ bem ©tura ^einrid^S 
fiel fie an ben Aaifet unb marb dleid^dgut. f^ortan blieb fie 
ben @efa]^ten einet bftnifd^en (Stobetung fottloftl^tenb audgefe^t. 
3lad^ feinet 9liebetlage im ^od^fommet 1198 untetnal^m ffönig 
Anut bon SftnematI einen 9leband^efelbaug im folgenben ©ommet, 
bet etgebniglod betlief. 9(n bet ©pi^e beS beutfd^en ^eereS l^atte 
ßtjbifd^of :patttoig bon SBtemen unb ^atlgtaf Otto Don 8tanben« 
butg geflanben. Set lebl^aftefie , leibet aud^ unbcfonnenfte SJer» 
ttetet bet beutfd^en ©ad&e toat abet bet (Staf aibolf bon 
©d^aumbutg unb |)ol{tein, einet bet am ftül^eften aud bem Ateua« 
aug 3utüdtgete]^tten (SBinlelmann 1 , 62 3lnm. 3). ©omol^l et 
als bet anfangt Otto lY. geneigte (Sca^ifd^of |)attU)ig bon SStemen 
l^aben fid^ 1199 in Wagbebutg mit bielen anbetn fäd^fifd^en 
gütften bei ^pi^ilipp eingefunben (SDßintclmann 1 , 149). @taf 
^bolf gel^ötte au ben tteueften älnl^ängetn bed !5ntglid^en Aanaletd 
ßontab unb toutbe, meil et bie «^ilbeSl^eimet bifd^öflid^en Sienft» 
mannen untetftü^t l^atte, bie an ftontabS SBal^l tto^ bet |)d))ftlid^en 
3le|)tobation feftl^ieltcn, am 2. gf^Btuar 1200 but^ Snnoccna mit 
bem SBann bebtol^t (gßinfelmann 1, 168 anm. 2). änfang 
^Jtai 1200 fd^lo^ @taf älbolf mit ben Säuen gftieben, inbem et 
fie butd^ abttetung bon %enbdbutg aum StadEaug bemog, um fteie 
§anb a" getoinnen gegen ben ^falagtafen .^eintid^, DttoS Stubet, 

20* 



308 2ln!?ang. 

unb an ber gto^en ^eerfal^tt $l^i(ippd mibet SBraunfc^toeig ftd^ 6e> 
tl^eiligen 5u !5nnen (äSinlelmann 1, 183). 

Sd^on 1201 toagte @taf Sbolf bon $o(flein ^ufamtnen mit 
bem (Stafen bon äla^ebutg einen neuen SBotftog gegen Sftnemat!. 
9(Qetn fte untetlagen im 9Rai bem (Sinbtud^ bet unter bftnifd^er 
Sel^nSl^ol^eit ftel^enben Slabenfütften. St teufte fid^ nun nid^t 
anbetd ^n l^elfen al§ butd^ ätudföl^nung mit ben SBelfen unb ein 
93ünbnig mit bem $falggrafen ^eintid^ Don SStaunf d^tt)eig , bod^ 
l^ielt bieg fein Setbetben nid^t auf: im |)etbfl »utbe et t)on ben 
SDänen untet f^ül^rung beS ^et^og^ äBalbemat üöQig beftegt unb 
mu^te flbet bie (Slbe fliel^en. SamalS fiel «^olftein auf mel^t aU 
amei Secennien an bie bänifc^e ^ettfd^aft. %ud^ SübedE mugte 
ftd^ im Spfttl^etbfl untettoetfen. Sin "neuet SSerfud^, bad Sanb ben 
ftegteid^en S)ftnen ju entteigen, ben 9(bolf bon ^olftein, t)on feiner 
gflud^t autüdEgelel^rt, mit bet ääefe^ung ^ambutgg (ßnbe 9loDembet) 
mad^te, enbete mit einem neuen Siege bet Dänen unb Slaoen unb 
bet (Sefangennal^me beS toQIÜI^nen (Stafen. 

^m löngften leiftete bad fefte Stabemfinbe SBibetftanb: an 
feinen 9Rauetn btad^ pd^ bie 3Jlad&t beS SDftnenl^eeteS. Slbet im 
Sommet 1202 mu^te aud^ biefed le^te SSoUtoetl bet ,,beutfd^en 
3unge'' feine S^ote bem flönig Änut öffnen, gfottan ftanb gana 
%otbaIbingien big 1225 untet bänifd^et ^ettfd^aft: ed toar bem 
beutfd&cn Steid^ üerloren. »gl. ?lBel, ^^ilipp ©. 145 ff. Ufinger, 
beutfd&«bänifd&e ©efc^id&te ©. 98 ff.; SBintelmann 1, 242 f. 

SBenn SBaltl^er fpfttet feinet äBanbetung big jut £taDe ge« 
beult, fo fann et mol^l nut einen 93efud^ meinen, ber üot bem 
Salute 12 02 fiattgefunben l^at. 3d6 oetmutl^e, bafe et 1199 
obet 1200 in jene (Segenben, bieOeid^t nad^ SflbedE gelommen 
ifl, mbglid^etteeife butd^ ääeaiel^ungen a^nt (Stafen ^bolf t)on 
Sd^aumbutg unb ^olftein, ben et auf bem 3Jlagbebutget 3Betl^= 
nac^tgfefl lennen geletnt unb untet ben 19, 15 gexül^mten Sahsen 
mit get)riefen Ifeatte. SBeniget toa^tfd^einlid^ , toenn aud^ benfbat, 
ift, bag et gelegentlid^ t)on Aönig ^l^ilippd 9lufentl^att in ^aUe au 
Anfang bed 3al^re8 1202 (f. oben @. 46 ff.), ben SBinlelmann (1, 
243. 253 9lnm. 3) für eine fSfolge beS bänifd^en ÄriegS anfielt, 



2lnmerFungcn. ttad?träge. Bendpttgungen (ju 5. 2\z). 309 

einen 9(6fted^er in iene Slotbmatl beutfd^er SSilbung gemad^t l^fttte. 
3n ben näd^ften a^^^naig ^al^ren aber geioi| nid^t ; benn ba l^enfd^te 
bie Saniftrung ober toenn man UfingetS (a. a. O. 252 f.) tounbet' 
lid^er entgegengefe^tet ^uffajfung (eipfli($ten toiU, iebedfaUd lein 
3u{lanb, bet einen obetbeutfd^en ©ftnget an^ie^en lonnte : Dgl. übet 
Sabed unter ber bänifc^en ^errfd^aft Ujinger a. a. O. @. 230 
big 239. 9lad^ ber @(^la(^t bei $out)ined (1214), bie OttoS 
ßaifertl^um jerttüntmette , l^ielt ed Aönig gfriebrid^ für geratl^en, 
bem S)änen{önig feine Sroberungen in 9lorba(bingien unb an ber 
£)fifee!üfte, bad fogenannte @IaDien (befonberd Sommern unb ätügen), 
burd^ einen förmlid^en SäunbedDertrag au beftfttigen. ßrft bie %f 
fangennal^nte bed Jtdntgd SBalbemar unb feined Sol^ned bufd^ ben 
©rafen |)einrid^ t)on ©d^werin (7. aJlai 1223) brad^te eine ent- 
fd^eibenbe äSenbung. SDamaI§ fd^ien t^, ald foQte bem Sol^n ^txn* 
rid^S VI. in nod& l^öl^etem Wa^e bie ©elegenl^eit fid& bieten, burd& 
eine (Semalttl^at bad ^ntereffe beg 9teid^d au förbern, benn einft bem 
großen SSater burd^ bie @efangenfd^aft beS ^önigd bon (Snglanb. 
3m (£int)erftänbnig mit bem Aaifer fe^te nun SBaltl^ecg (Sönner, 
ber Steid^dbertDefer Srabifd^of Engelbert bon ftöln, im SSertrag bon 
9lorb]^aufen (24. September 1223), bie 3ludUeferung beS (gefangenen 
an bad äleid^ unb ben SSeraid^t auf alle ääefi^ungen bieffeitd ber 
(Siber als Sebingung ber gfreilaffung burd^. gfreilid^ lam fd^on 
am 4. 3u(i 1224 burd^ päpftlid^ed (Sinfd^reiten unb bie berönberte 
(Stellung gfriebrid^d IL, ber bie Surie bamald berföl^nlid^ ftimmen 
tDoUte, ein neuer SSertrag in SDannenberg au Staube, monad^ im 
äBefentlid^en ben 2)ftnen il^re Eroberungen ate iReid^Slel^en gegen 
bie red^t imagtnöre ^ftid^t ber |)u(bigung aurüdEgegeben merben 
foQten unb nur bie 2(bee bed faiferlidgen ^ttnperium über Säue« 
mar! aufredet erl^alten blieb, ^ber bie S)änen bermarfen in le^ter 
Stunbe, obmol^l bereits eiblid^ gebunben, in ber ®d^lu^berl§anblung 
über bie ^uSfül^rung ber SSereinbarungen ben ganaen SSertrag. 
9lun mu^te baS Sd^toert mieber entfd^eiben unb in ber blutigen, 
langmierigen Sd^lad^t Don WöUn (Januar 1225) fprad^ eS gegen 
bie S)änen. S)ie iBefrciung Hamburg«, bie SBieberermerbung 9lorb* 
albingienS für bad 9ieid^ mar bie unmittelbare gfolge. 9lm 



310 ^Int^gng, 

17. SloDember 1225, neun £age nad^ ber (Srmorbung Sngelbettd, 
btadgte ein bTtttet SSetttag ben SSeraic^t bed bänifd^en fiönigS auf 
olle bem 9leid^ abgetoonnenen @e6tete a^if^^tt @l6e unb (Sibei 
foioie auf Slabien mit äLudnal^me Don 9lügen. Sd fel^lte abet bie 
6(aufel bed Sonnenberget ^erttogd: Sel^nSl^ulbigung für Säne- 
marf unb Sl^eilnal^me am Jheuaaug. S)ad Imperium über 
ffiänemarf war alfo fallen gclajfen. 2Jgl. SBinfelmann, fSftiebrid^ II. 
1, 418 ff. 3n biefer 3eit, an)if(*en (Sommer 1223 unb ^erbft 1225 
l^ätte SBaltl^er oieQeidgt aud^ ©elegenl^eit gel^abt, an bie Zraüe au 
lommen. Slttein ber ©prud^ 81, 13, toorin er ben glufe nennt, 
lann nid^t gut nad^ 1220 entftanben fein, ber äußerjlen (Sxenae für 
bie fpäteften ber übrigen ®ebid^te beffelben SonS. 

Somit bleibt ed bei bem obigen (Srgebnig : a^^ifc^en 1199 unb 
1202 mu6 äBaltl^er an bie ZraDe, mal^rfc^einlid^ nad^ SübedC 
geEommen fein. 

gin eigener SReia liegt barin, ben Defterreid^er SBalt^er, ber 
in Oberbeutfd^lanb ^ in £]^üctngen unb gfranfen^ in Aärntl^en, an 
ber aJlur unb in Mquilcia 3fu§ gefaxt l&atte, ber big aum ^o unb 
bis ^vix ©eine gefommen ift, borübergel^enb in ber l^offnungSboH 
auffteigenben 9leid^8ftabt an ber £rat)e, etma am bifd^öflid^en 
f)ofe ftd^ au benlen, ober aud^ am |)ofe il^red flolaen unb ftreit« 
baren 9lad^barn @raf älbolfd III. üon ^olftein, beS Stgen» 
tl^ümerS ber |)ftlfte aOer Sübifd^en 3^^^- ®^^u enietl^e man bie 
Stelle unb bie perfbnlid^en iBeaiel^ungen t)on äBaltl^erS bortigem 
Slufentl^alt. Sber man mu^ ftd^, ol^ne beftimmtere 3^ugniffe, bamit 
befd^eiben, bie 3Jlftd^te unb Stntereffen fid^ lebenbig au mad^en, bie 
um bie äBenbe beS 12. 2|al^rl^unbertd in jenem entlegenen SBinEel 
beutfd^er Kultur leibenfd^aftlid^ unb berworren mit einanber rangen 
unb bereu 3cuge unfer SDid^ter geteefen ifl. S)abei leiften, abgefel^en 
Don ber eben l^erangeaogenen SitteratUr, gute ^ilfe neben ber S)ar" 
fteUung S)a]^lmannd in feiner @efd^id^te bon S)änemarf ($b. 1, 
Hamburg 1840, @. 303—396) unb feiner ©efd&idfete 3)it]^marfd^en8 
(Ztipm 1873, @. 49—60) befonberS bie tiefbol^renben Sforfd^ungen 
bon itarl SBill^elm 9li^fd^, bie niebetgelegt finb in feinem ^uffa^ 
über ben l^olfteinifd^en älbel beS au)ölften S^al^rl^unbertS (allgemeine 



2lnmer!ungen. Hac^träge. Berichtigungen (3U 5. 2^3). 311 

TOonatgfd^rift für gBiffenfd&aft unb Sittcratur 1854, @. 350 ff.) unb 
in feinen 9lotbalbtnflifd&en ©tubien (^Jreufeif^e Sa^tfittd^et Sb. 35, 
toicberl^olt: 3)eutfd^e ©tubien, SSerlin 1879, Befonbct« @. 214 bi8 
232); au^crbem ettoo ttO(% SanfenS ättilel übet «botf II., aibolf III. 
unb abotf IV. öon ^oljlein (aittg. SD. Siojr. 1, 106—110) unb 
bie einf($lasenben Slbfc^nitte in (Siefebted^td @efd^id^te bet beutfc^en 
ffaiferaett (93b. 5, 349 ff. 354 f. 941 f. 6, 193 ff. 226 änm.). 

Um bad 3a]^r 1200 galt ed im beutfd^en 9lorben, baS 9BerI 
bed großen melfifd^en Sömen au etl^alten unb au^a^^^uen. SDet 
$teiS, um ben ed fid^ babei l^anbette^ mar bad Seftel^en unb bie 
3ufunft bet beutfd^en Solonifation in ben norbelbififten unb 
ben Wedlenburgifd^'^ommerifd^en gebieten einetfeitd, baS Sd^idfal 
beg beutfd^en WeexeS anbetfeitg. Segen bie f(at)ifdgen Zitaten 
l^atte ^eintidö bet Söwe mit bcm 3)önenlönig gcmeinfame ©ad&e 
gemad^t, unb aud^ bie ftaufifd^e $oltti! toar nid^t im ©taube, bie 
bänifd^e |)egemonie loitlfam l^intanau'^alten. gftiebtid^ II. unb bem 
Sleid^Sgubetnatot @ngelbett erfd^ien eiS fd^^n ate ein Stiump^, menn 
bie 3[bee beS Imperium aufredet blieb butd^ bie fragmütbige, 
formale älnerlennung ber bänifd^en üsel^ndabl^ängigfeit. Sie empor* 
ftrebenben territorialen (Setoalten, bie trafen t)on ^olftein, t)on 
aia^eburg unb bie SlScanier, ftritten um bie 3bQe unb @ered^tfame 
ber ©tabt SflbedE. Unb loie biefe erft l^eraoglid^e, bann laiferlid^e 
Stabt nur burd^ eigene a&^^ iBel^arrlid^Ieit il^re toirtl^fd^aftlid^e 
fjrei^eit burc^fe^t, fo l&at fid^ gleid^a^itig neben il^r bie iBauern» 
republi! ber SDitl^marf dgen au toel^ren gegen bie Dberl^ol^eit beS 
(SrabiStl^umg SSremen unb bie (Semalt bed @rafen bon ©tabe, bie 
ber (Sraf äbolf bon ©olftcin auS ber ^anb ffaifer ^einrid^ä em- 
pfangen l^atte unb energifd^ burd^!ftmpfte. äSie SübedE in ben auf 
einanber pla^enben SSegierben ber umgebenben Süläd^te gelegentlid^ 
feinen gfrieben mit ffiänemarl mad^t , fo toirft fld^ Sitl^marfc^en, 
um bem l^eiligen $etrud bon 93remen au entgelten, bem l^eiligen 
betrug oon ©(^leSmig^ b. 1^. bem bortigen bdnifd^en 93ifd^of, in bie 
älrme, unb aud^ ber tapfere @raf Slbolf III. Pon |)ol{lein fd^liegt, 
um fid^ Suft au fd^affen, menn ed nid^t anberS gel^t, mit bem 
Sftnenlönig feinen SSertrag. ©leid^tool^l aeigt fid^ mitten in biefen 



312 'nnlianQ, 

(ab^rintl^ifd^en Srxflftnflen mibeiftvcbcnber , toitb efloiftifd^cr 3nter» 
effen mcl^rmald ba8 fcltfamc ©c^aulpicl einttäd^tigen nationalen 
3uIammcntoit(cnS gegen ben bdnild&en fjeinb. 3m 3a^re 1198 
unb 1199 teid^en fici& Slnl^ängcr bet toeipjdöcn unb bet ftauftjci^en 
gartet bie .g)anb, um bie 'Jlotbmänner ab^uwe^ten. Unb her 
glftn^enbe Sieg über ben eibbrüd^igen Aönig äSalbemav bti 93otn* 
ftööeb (1227), bet — um ®ietrid& ©d&äfetä SBotte ju braud&en — 
JiXx aHe 3«it bie ©efal^r abgetoanbt l^at, bafe bie Dftfee ein bänifd^eö 
SBinnenmeet tnetbe, unb bet 9lotbalbingien toie bem ganzen ©übufet 
beS baltifd^en SReereS feinen beutfd^en &^ara!ter betoal^rte", fam ju 
Staube butd^ eine uetbünbete 9Iction bei tit)aUfitenben @eioalten : 
ber ©taten öon ^olftein unb Schwerin, beS ^er^ogS öon ©a(f)|en, 
beS etabifd^ofg öon SBtemen, ber Sfleid&Sftabt Sübetf. 3n ßübed toat 
biefer Sunb gefd^loffen, bet baS, toaä bet flaijet untetlaffen mußte, 
nun felbft in bie ^anb nal^m, unb Sübed aud^ mat eg, ba^ einem 
fpftteten 9lnf^Iag, ^u bem jtd& bet (Staf 3lbolt IV. öon |)olftein 
mit bem tad^ebutftigen $änen!önig vereinigte, fiegreid^ tt)ibetftanb. 
S)ieje8 SübedE mu§ fd^on SBBaltl^et t)on bet SSogelmeibe aU ein ftarfeS 
SoUmet! beulfd^et 9leid^3tveue unb bürgerlid^er Süd^tigfett entgegen» 
getreten fein. Sur S^it, ba er an bie Sraöe fam, ^atte eS ben 
folgenreid&en faiferlid£)en gfreil^eit^brief etft t)or turpem erl&alten, aber 
fd^on geigten ftd^ bie fegenercid^en SBitfungen. Sftngft l^atte eS ben 
b&nifd^en Warft ©d^leStoig überflügelt. Sübedet Sürger bet^eiligcn 
fid^ in großer S^i^I ein ^pilgerfal^rten inS l^eilige Sanb, befonber« 
aud& an ben großen faiferlic^cn Äreu^aügen, unb auS ber 3Jiitiatiöe 
Don Sübeder bürgern toöd^ft ber @runbftod beg beutfd^en ^titter* 
orbeng, baö beutfd^e ^ofpital au 3««fcilem (1190). SDie Steid^Ä* 
ftabt an bet %xat)t f^ai bamalS beteitS in l^artem, ^ielbemußtem 
Äampf bie etften, fd^wetften ©d^titte auf jener SBal^n gemad^t, bie 
fie in ben ftegreid^en Sffiettftreit mit Äöln fül^rte. S)ie alte Sifd^ofg- 
ftabt am dl^ein, feit langem nad^ (Snglanb grapttirenb unb toelfifd^en 
©onberambitionen ergeben, betrieb aud^ bie auSlänbifd^e ^anbelS» 
politif in particularifttfd^em 3ntereffe. 9ln ber %xat)t bagegen tDurbe 
bem großen Sleid^s&gebanfen, aU il^m bie ftaatlid^en äBirrniffe 
ben 2ob fpannen, neueg Seben eingeflößt: ^ier mutbe bet Segriff 



2Inmerfungen. TXadfttäqe^ Bertd^tigungeii (3U 5. 2\z). 313 

beS gemeinen Kaufmanns, b. 1^. einer umfaffenben unb aU' 
gemeinen SSerttetung bed gefammten Seel^anbeß beutfd^et 3unge 
geptägt unb bamit baS l^ettlic^e Seittoott gefd^affen, bad fpftter im 
3eitaltet bet aQmäd^tigen Serritotialgemalt unb beg unetföttlid^en 
(JrürftenegoiSmud auf ben gfal^nen bet $anfa Ü6et aUen Se^itlen 
bed beutfd^en SReered t)on Snglanb hii nad^ Stugtanb leud^tete unb 
bie ßtinnerung an bie tjetlotene ©röfee beä 8leid68, bie Hoffnung 
auf feine fünftige ßinl^eit nal^ unb fern berlünbete. 3ft SBaltl^er 
oon biefer aufqueQenben Jiraft (ürgerlid^en ®emeinfinnd fd^on be« 
rftl^rt morben ? äSie f el^r möd^te man barauf eine Slnttoort »ünfd^en ! 
3lber ber Sleib unferer gefd^id^tlid^en Scwflniffc tjerfagt fie. |)ödöfi 
Derlodenb ift ed aud^, fid^ ein perfönlid^ed SJerl^dltnig an)ifd^sn 
äBaltl^er unb bem toUfül^nen, l^od^gemutl^en @rafen Slbolf III. t)on 
Sd^aumburg unb ^olftein audaumalen. Siner ber (el^erateften 
|)elben bed Jireua^ugd, bem Aaifer äSaibatoffa mie feinem Sol^n 
nal^e ftel^cnb, ber ©rünber bon 5leu=$amburg, in bielfad&em Streit 
mit ber toelfifdöcn Partei, mit bem gr^bifd^of bon Sremen unb 
ben 2)it^marfd^er Sauern, ^u Arieg unb äßagnig aUe^eit gelüftet, 
afa^re lang im Sefife ber $)ätfte atter ©rträge ber 3ötte, m^Un 
unb SBed^felbanfen Sübedd, fd^ien er burd^ ^Dlad^t unb Süd^tigfeit, 
burd^ @l^rgeia unb @lüdE 5um gfül^rer ber beutfd^en Sad^e gegen 
bie S)änen berufen. ,,Unter il^m" — fo lauten bie SBorte bon Äarl 
aSil^elm Jli^fd^ — ,,gett)innt bec $of ber ^olfteinifc^en ©rafen bie 
©eftatt unb 3$erfaffung fübelbifd^er Sfürften^öfe. %td^t ber Sldfanier 
[Sern^arb bon Slnl^alt], bem bie %efte bed l^eraogtl^umS Sad^fen 
burd^ faiferlid^e @nabe angefallen^ fonbern biefer Sd^auenburger 
erfd^eint an ber unteren (Slbe als ber @rbe beS großen äBelfen.'' 
3ft ber gro^e oberbeutfd^e Sänger an biefen giftnaenben ^olfteinifd^en 
gfürften^of gefommen? 2Bir toiffen e8 nid^t. Unb ber Suf^mmen» 
l^ang, in bem SBaltl^ec fpäter ben Zrabeflu^ ertoftl^nt, aUerbingd 
in ber 3^it ber Verbitterung, als ,er für ben berlorenen Äaifer Dtto 
ol^ne $)offnung fftmpfte (31, 14), ermutl^igt toenig baau, fid^ feine 
Erinnerungen an jene einftige SBanberung in bie 9lorbmarf roftg 
auSaumalen: diu meiste menege enruochet wies erwirbet guot. 
3)ad Hingt nur nad^ unerquidElid^en Seobad^tungen leibenfd^aftlid^er 



314 TlnlianQ, 

ffäntpfe um 93efi| unb Selb, tykUtiä^t um bte Süfiedet 3öIIe, um 
bie ^etrfc^aft in bet (Staffd^aft Stabe unb ftbet S)itl^matf($en. 

S. 219. ®ie poUtifd^c Sebcutung bet SRcid&d» 
miniftettalen unb ftoufifd^cn SJliniftctialen um bic 
äBenbe bed 12. ^al^tl^unbettd Bel^anbeln nod^ &am))te($t, Seutfd^e 
(Scf(i6i*tc 3, 99 ff. 162; «id^otb ©d&ola, »eittäflc aur (Sefd^id&tc 
bet ^o^eitdtcd^te beS bcutfd^en Äöniflfi jut geit bet etfien ©toufet 
(Seipaiget Stubten aud bem ®e6tete bet @efd^td^te II , 4). 
ßeipaifl 1896. 

@. 246. $eintid^ Don äBalbbutg gel^ötte einem ®e« 
fd&lcd&te an, beffcn 2JlitflItebet utfptüngUd^ toeljtfifte SJlinijletialcn 
toaten. 9lQd^ bem Uebetgang bed ^etaogtl^umS @d^tt)aBen an bie 
©taufet Bel&ielten fie ba8 Stud^feffenamt bei, aunäd^fl aU Wintjie- 
tialen bed .jpetaogtl^umg ©d^toaben; nad^ ^l^ilippd Stl^ebung etfd^eint 
<^eintid^ t)on äBalbButg aß Steid^Sttud^fe^. Sern Stange nac6 
ftanben bie Winiftetialen beS ^etaogtl^umS ©d^toaben ben Sleid^S- 
miniftetialen menig nad^. 3}gl. SfidEet, äBienet ©i|ungSberid^te, 
5pi^il. ^ift. 61. 1862, ©. 472 f.; SR. ©d&töbet, S)eutfd6e Sled^tg- 
gefdöid^te», § 42 5lt. 2, ©.437. 

©.251. aieid^Sminiftetialen unb Steic^dinfignien. 
Sutfatb t)on UtSperg (Script, rer. Germ. ©. 89) aum 3al^t 1208, 
nad^ bem %obt ^l^ilippg: Heinricas [Ued Eonradns] vcro de 
Scarphinberc, Spirensis episcopos, qiü erat prothonotarias in curia 
Philippi , in potestate habebat in Castro Trivels coronam et 
cracem et insignia regalia, quae nee etiam restitnere volnit, nisi 
fieret cancellarius imperialis aulae, quod et factum est, perduravit- 
qne in eo officio usqne ad finem vitae suae. 

©. 252 (unb 224). S)te b^nafttfdgen (Stefinnungen 
bet Steid^gmintftettalen unb 9letd^$beamten. Uebet 
baS SegitimitätSptincip iei ben SHeid^äminiftetialen fd&teibt 93utlatb 
üon tttSpetg aum 3a]^t 1208, nad^ ^^Sl^ttippä ßtmotbung (Script. 



^Inmerfangen. ttad?träge. Bertd^ttgungen (3U S. 2^9— 2 5^ f.). 315 

rer. Germ. @. 89) : Timens autem Otto, quod ministeriales spec- 
tantes ad Philippum non facile suo subderentor imperio, sed ad 
suos nativos dominos redirent [b. 1^. ^u Sftiebttd^], filiam 
Philipp! tamquam dominam omnium rerum, quae ad generationem 
illam spectabant, accepituxorem. 9ltö bann toäl^tenb bet ääelagerung 
3Bei6cnfce8 am 11. 3lufiujil212 bie ftaupfd^e Seatrij plö^ltd^ ftitbt, 
fül^Ien bie Obetbeutfd^en im ^eete Ottog baS 93anb, baS fte an il^n 
Inüpft, a^i^iffcn unb öerlaffen il^n l^cimlid^ bei 9lad^t. Srfutter 
^JeterSd^tonil ((Scfdöid^tSqueH. b. «Prob, ©ad^fen I, S. 55): Interea 
Bawari et Suevi andientes hereditariam suam dominam imperatricem 
iam debitum carnis solvisse, fortivis elapsibus nocte sarcinas suas 
deserentes et Ottonem in confusione relinquentes, repatriarunt. 
(Sana beftimmt metben bon anbetet Seite bie 9leid^8bienflmannen 
ate bie Slbttünnigen genannt. Wagbebutget @d^5))))end^tontI, 
»udft 2 (Seutfdöe ©täbtedötonilen »b. 7, @. 137): He töch jegen 
on tö Erffbrde: des nachtes scheiden de ammechtlüde [officiales 
sc. regni] van keiser Otten unde togen t6 koning Fredertke; 
Säd^rtf^^e SBeltiä&tonif XapiUl 348 (Mon. Germ. , Scutfd^e S^to- 
nilcn II, 239): In deme selve orloge [in bem Ätieg gegen ben 
Sanbgtafen bon 2^üringen] nam de keiser Otto sin wif t6 Nort- 
hüsen, des koning Philippus dochter [um fid^ bem ftauftfd^en 
^aufe bucd^ bettt)anbtfd^aftltdge ääanbe au betbinben unb bie ^n= 
l^dnget bet ftauftfd^en S^naftie au geminnen]; du starf unlange 
darnä. d6 kärden van deme keisere almeistich des rikes dienest- 
man, darnä de vorsten al gntelen. SBon fftbbentfd^en (Stoßen »at 
bei Otto nod^ nad^ bem Slüdaug aud £^üttngen am 5. @e))tembet 
in aSütabutg: $)etaog Otto bon fflletan, (8taf 5Jleinl^atb bon (Sota, 
bet baitifd^e $fa(agtaf %apolo. Sei gfriebtid^ ift bon ben 9teid^8- 
l^ojbeamten feinet bot bem 2. 3anuat 1213 nad^autoeifen, f. SBinlel« 
mann 2, 307 2lnm. 1. 309, ^nm. 2. SBann ttat aBaltl^et 
übet? 

©.254 f. Philippe setze en weisen üf. ©ieÄaifet« 
Itonc mit bem attubet^often leud&tenben (18, 35. 36. 19, 4) 
SBaiien übetglänat bie fjütfienteite (die cirkel: 9, 13), abet audg bte 



316 Jlnl^ang. 

Aronen bet armen künege (9, 14), totlä^t nid^t bie ed^ten ^nft^nien 
bed 3tnpeiium tragen. @enau benfelben ®ebanlen, ben id^ in bem 
@dglug bed ameiten äteid^Sfprud^d ftnbe, f))tid^t SBaltl^er nodg einmal 
aus, als er ben in SRom abtönten Äaifer Otto bejrüfet bei feiner 
^eimlel^r: der küneges name ist in benomen: des schtnet iuwer 
kröne ob allen krönen (11, 32). ®ic Unterjcid^ner ber ©peierer 
gtll&runfl. bie ^l^ilipp g^^^^tt unb gefrönt l^attcn, geben i^m Be= 
reitS ben Planten fiaifer: in imperatorem Romani solii elegimas. 
SemgemöB ifi SBaltl^er« Swtuf ^n überfe^en: ,,beutf(j&e S^H^ 
(Romannm solium), to&^t ^l^itipp ^uxn Imperator, inbem bu i^nt 
bie Äaifertrone ÄarlS unb DttoS auffe^eft". Sgl. oben ©. 44: 
,,9tur ber Aaif er lann ntit ftarlem 9lrm biefeg S^aoS bel^ertfd^en''. 
S)et $^antafie bed Mittelalters fd^toebt inbeffen bei bem weisen 
nod^ @rö^ered unb ^bealeteg bor ald bie Arone JfarU bed (Stoßen 
ober Ottos I. S)er SBaife toirb bon einem S^eit ber Ueberlieferung ber 
@age bom ^er^og (Ernft erfe^t burd^ benAarfunfel (carbuncnlas), 
unb biefer lommt überl^aupt öfter unb frül^er in beutfd^en Sid^tungen 
bor. Sfibor befd^reibt Origines 16, 14, 1 ben carbunculus folgenber» 
magen: Omninm ardentium gemmarum principatum carbuncalas 
habet, carbanculus autem dictus quod sit ignitus ut carbo ; colos 
fulgor nee nocte vincitor. Lucet enim adeo, ut flamma ad oculos 
vibret. 2)a^ bie beiben t)ielfad^ fftr ibentifd^ galten, lägt fid^ nid^t 
überfeinen unb ift aud^ allgemein anerlannt. Merttoärbigertoeife 
aber l^at man in biefem 3ufammen^ang nid^t bie (Sefd^id^te beachtet \ 
bie äBill^etm bon Walmedburq um 1140 t)on bem Jtarfuntel 
era&l^lt. 6r rul^t nad^ i^m in ber berfunCenen AönigSburg beS 
AaiferS Dctatiian au 9lom tief unter bem Campus Martins 
unb ift baS l^errlid^fte Aleinob feines unermeglid^en @olbfc^a|eS, 
baS blenbenbeS Sid^t burd^ bie unterirbifd^en @öle berbreitet (Gesta 
regum Anglorum Lib. II § 167 ed. W. Stubbs 1887 [Rer. 



1 (Sie ernjä^nt löeber Schabe's Slltbeutfci^e« SBörterbud^ ©. 1365 ff. in 
bem umfangreichen S'lac^trag ju bem 2(rtifel Aar funfei, nod^ U§1 in feiner 
Slb^anblung über ben SBaifen (Jeftfd^rift für D^far ©d^abe. Königsberg 
i. ^r. 1896, ©. 297—307), beren ^rgebnife, njie mir fc^eint, an ber über* 
fe^enen ©rjäl^Iung SBil^elmS t)on SÄalmeäbuc^ fd^eitert. 



2lTtmecfungen. Had^träge. Bcnd^ttgungen (3U S. 25^ f. — 255). 317 

britannicarum medii aevi 9lr. 90] 1 , ©. 197). S)et cnjUfc^e 
e^tonijl foBuKrt, bofe ^ap^ ©tibeftet IL (Setbctt), ober aud& im 
^aiften ^Q^xl^unbett Seute (a. a. D. @. 198) nad^ bem @dga^ be^ 
Dctabian mit 3^u^^^t^nf^^n fi^fotfd^t ^aben. SJian erinnert ftd^ 
babei, bag Otto bon Sotenlauben ben Aarfunlel im St^ein berfunlen 
ßlaubt (9Jlinnefftnflcr 1, 27*). gr l^at »ol^I ben Stibelungenl^ort 
babei im Sinn, bie Sage bei äSill^elm bon WalmeSbur^ ben alt* 
r5mii(%en Ättiferfd^aö. Slber beiben unb überall iji ber totl^e 
Stubin, carbunculns ober orphanus, jlarfunlel ober SBaife, nur 
Symbol beg DoQen SSeltimberium. SBer ben weisen trägt, 
mirb baburcj^ ^ad^folger bed erften SluguftuS im Sinne beS 
ftaufifd^en ^mberialiSmud, bem gfriebrid^ äSarbaroffa unb Otto unb 
Aarl eine Keilte mit ^uftinian, Sonftantin, Stocletian unb Octabian 
bilbeten. SBenn äBalt^er $^iüpp bnrd^ ben weisen legitimiren 
tDxU anr ^errfd^aft, fo l^anbelt er and berfelben SSorfteQung l^eraud, 
bie $^ilibp sleici^ am Einfang feined Aönigtl^umd bemog, ftdg offtcieE 
in feinen Urtunben Philippas secundas ^u nennen, mit StüdCfid^t 
auf ienen obf euren ßaifer ^l^ilippuS ^rabS, ber einft bad Siabem 
bed antilen imperiom orbis Eomani getragen l^atte. 9}g(. bap 
meine Sludfül^rungen in ber Unterfu($ung 3: 3)er Streit um ba^ 
Imperium. 

©. 255. aOBaltl^er 18, 32 betounbert in feinem ©pru^ auf 
^l^ilipp unter Arone fe^r bebeutungdboU sin keiserlichez 
houbet. SBer mit bem Wittell^od^b. SSörterbud^ I, 794 b, 5 ba^ 
abjectioum burd^ „l^errlid^, fiattlid^" überfe|t, ^tx^M nid^t bloß 
bie poetifd^e äSBirtung ber SSerfe, fonbern anticipirt in unerlaubter 
SBeife einen ©ebraud^ beS SBßortd, ben toir erft bei bem fpieterifd&en 
@ottfrieb bon Strasburg unb feinen ^lad^al^mem finben. SSenn 
biefec Zriftan 690 bom äSul^UTt Aönig Wartet, 9litt)alind unb i^rer 
@enoffen fagt: wan dise die riten s5 riebe, s5 rehte keiser- 
liche, tt)enn er bie betounbemben Samen 9litt)alin mit ben SSorten 
rühmen lä^t: wie gänt im so geliche enein diu siniu keiser- 
liehen beinl, fo ift bad äBort ^ter mit (eifem betbinblid^en 
Sdd^eln, mit bem (eid^ten Sion eineS l^öfifd^en Somplimentd ge> 



318 ^Inl^ang. 

braud^t. 3n bcm Sptud^ SBaltl^etS ift für fold^e Stttnmuns lein 
%autn : il^m etfd^etnt bad ^QU))t feinet ^ettn keiserltch, toetl et in 
il^m, bem legitimen beutfd^en Aönig, aufileid^ ben beted^tigten, 
befignirten flaifet erblitft. SKöglid^ ifl e8 aber immetl^in, bafe, 
loie fd^on ffled^flein in feinet ausgäbe (au Stift. 708) öetmut^ete, 
äBaltl^erS betül^mtet @t)tud^ auf bad laiferlidge ^QU))t bed flönigS 
$]^ilip)) untet Atone @ottftieb au bet fdbetaenben SBenbung stnia 
keiserltchen bein tietanla^t l^at. Sie mittell^od^beutfd^e ßittetatut 
ftedEt DoQ tion fold^en beibotgenen äBottanfpielungen unb fSf 
aiel^ungen eines S)i(3^tet8 auf ben anbeten. — ßtwaS anbetS ifi 
£tift. 4471 au beuttl^eilen : sich, du hast keiserltche habe (Watle 
au Ztiftan). Sa bebeutet baS SBott ,,eineS j{aifet8 »fitbig''. 
SBeitauS am meiften 9lufII&tung entl^ftlt |)au))tS Slnmetfung aum 
(Engell^atb 863 (S. 249 f. bet ^udgabe (£. So]t\>^), menn et aud^ 
nad^ feinet Ätt bie gtüc^te feinet unöetgleid^lid^en Selefenl^eit — 
bie l^eute, ad^ ! tote fetten getootben ifi 1 — auftifd^t, ol^ne fie bem 
Sefet munbgetedgt aum Setftieifen auf einaelne SeUet au bettl^eilen, 
unb menn aud^ bie äJeobad^tung feineS fid^eten (Stilgeffll^te in bet 
gotmulitung „l^öftfd^" unb „unl^öftfdö" einen fd^iefen SluSbtutf ge» 
funben l^at. Sag beutfd^e keiserltch l^at gleid^ bem (ateinifd^en 
angnstus, baS eS bei 9lotIet übetfe|t, ein Soppelgeftd^t : e8 Witlt 
gleid^ biefem, nut in umgelel^ttet %id^tung, Don bet Sebeutung 
„toie ein Äoifet" in bie Sebeutung „erlauben". Salb ttitt e8 in 
eigentlid^et Sebeutung auf als Spitl^eton (BotteS obet Sl^tifii, bet 
mittelaltetlid^et SBotfteQung aUgemein als himelkeiser gilt unb bie 
^aifetttone tt&gt: fo in ^attmannS 9tebe Dom (Blauben 1456 
(Ausgabe Don bet ße^enS ®. 187) diu keiserltche kröne diu ist 
ime üf gesetzet, unb 1461 divinitatis sceptrum, regale imperium, 
daz keiserltche geserwe, daz hat er al begarwe in stnes vater öre, 
fo bei äöetnl^et (gfunbgtuben 2, 206, 2) : die keiserltchen hgrschaft 
die der kunich aller kunige hat; Dgl. 1215 in bet flieuaaugSbutte 
beS Dterten Satetanifd^en SoncilS (Mansi, Sacrorum conciliorum 
nova et amplissima collectio XXII, 1063): coelestis imperatoris 
obsequiis inhaerentes. 9lid^t me^t im eigentlid^en ©inne, aber 
biefem nod^ nal^e, l^ei^t keiserltch bann toeitet ,,in bet SRad^t ober 



^Inmerfungen. ttad^träge. Bcrtc^ttgungcn (3U 5. 255 — 262). 319 

bct «©erriid^lctt eincS ÄaifetS" : ©alomon lebete keiserllche (im 
aiejanberlieb). 6in 6efonbcr8 groScS SKlmofen toitb keiserllch je« 
nonnt (@taf »ubolf G^ 12), toie toir l^eutc öon fürfitid^cn (Sc- 
fdgenlen , t)on fürfllid^et f^teigebigleit reben , nur um fte ald 6e« 
fonbetd teid^lid^ au d^ataltetiftten. Si^ntlid^ t)et6la^t fd^on btaud^t 
eS ^eintid^ t)on 93elbefe t)on Slenead unb feinet gfamilie (Sneibe 
35. 13 492): des Mm fin^as gesiebte und dat könne dat von 
bem quam dat wären koninge lovesam, geweldich ende rtke end 
leveden keiserltke. ©el^t richtig f(%eint mit .^auptS aäemcrfung : 
,>enn äöaltl^er 18, 32 t)on A5mg $]^ilipf fagt, sin keiserltcbez 
boubet, fo ift bieg nid^t fo unBeftimmt lo6enb gemeint, loie @ott» 
ftieb unb Äontab . . . biefeS SBorteS fid^ Bebienen." S^ar ift bie 
Slnna^me, ba^ biefe beiben Sid^ter barin „gegen ben ]^5ftfd^en @e* 
braud^'' t)erftogen l^fttten, unl^altbar, aud^ bie Setufung batauf, 
ba^ bie 9lebe fei t)on eins keisers bruoder, eins keisers kinde, nid^t 
unmittelbar Beioeifenb, ba biefe äöorte in einem fpftteren ©tJrud^, 
bem auf bo8 ^Jlogbeburger aBßei^nad&Ufefl (19, 8), botfommen. 
SlUein baran barf man nid^t 5tt)eifeln, ba^ äöaltl^er eben burd^ 
biefed äSort ^l^itiff ^^^ ^^n beS Jlaifettl^umd SSürbigen be* 
aeid^nen unb fein 9led&t ouf ba8 ftaifcrt^um tebigüd^ aud ber 
Zl^atfad^e ableiten miU , bag er nac^ gefe^lid^er f^orm aum 
beutfd^en^önig getoä^lt unb gefrönt toorben fei. SSie äöalt^er 
l^ier im Sinttang ftel^t mit ben ftaatdred^tlid^en Slnfdgauungen beS 
Spcierer unb .&aHe«^a8amberger fJürften^jrotefteS unb im SBiberfprud^ 
au ber papalen Soctrin t)on ber Sirandlatio bed ßaifertl^umd burd^ 
ben römifd^en ^ontifej, wie er biefed ,,^foff enred^t" fpftter be» 
lämtift, bad erörtert bie britte Unterfud^ung. 

@. 262, fride und reb t. 3d& l^abe bergeffen, auf eine toid^tige 
Slnttenbung ber Formel l^inautoeifen, bie fid^ bei einem gleid^aeitigen 
^iftorifer flnbet. S)er älbt beS Sö^mifd^en fllofterd SRül^l^aufen 
fagt tn feinem Cbronicon Boemorum aum Sal^r 1198 (Mon. Germ. 
Scr. XVII, 709 3. 37 f.; Font. rer. Austriac. Scr. V, 191): Sic 
mortuo imperatore mortua est simul iustitia et pax imperii. 
Cuius mortem secuta est breui mors Celestini pape [8. S^anuar 
1198] u. f. tu. Unmittelbar t)or]§er l^at er aber fd^on bie ihönungen 



320 2lntjang. 

bec beiben (Segnet unb bie SSetmüftutigen beS Sftrgertciegd lo&l^Tenb 
beS ©tJätforametö unb ©ctBfteS 1198 berid^tet. Kad^l^ct ctroftl^nt 
er bereits ben Sob $]^Utp})8 (1208), greift bann aber aurüd auf 
bie Selbaüge* bed ^al^reS 1198 unb $^i(i))))g Arönung au Wainj. 
Witl^in totrb man au8 jener $l^raf e nic^t fd^Ue^en bürfen , ba^ 
@erlad^ bie gformel tiom £obe ber institia unb pax gerabe genau 
nur auf bie erfte ^tit nad^ bem £obe ^einrid^S VI. (@))ftt]^erbft 
1197) l^abe beaiel^en tooHen. 



^m2X*]^f ^oflbud^btucferei Ste|}^an ^eilbel & (So. in ^lltenbutg. 




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not later than the date due.